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Die Grenze des Sagbaren

Sprache hat die schöne Eigenschaft, den gesellschaftlichen Wandel abzubilden. Mit zeitlicher Verzögerung sickern sprachliche Prägungen  sozialer Bewegungen in den allgemeinen Sprachgebrauch ein und werden vom flexibel reagierenden Sprachkörper absorbiert. So hat die  Studentenbewegung von 1968  sprachliche Wendungen geprägt, die heute selbstverständlich zum Sprachgebrauch der Deutschen gehören: „Selbstbestimmung“, „mündiger Bürger“, „Basisdemokratie“, „ziviler Ungehorsam“, „strukturelle Gewalt“, „antiautoritäre (partnerschaftliche) Erziehung“, „etwas ausdiskutieren“. Auch die  Grünen waren seit ihrer Gründung im Jahre 1980 beim Prägen neuer Begriffe sehr erfolgreich: „Nachhaltigkeit“, „biologische Nahrungsmittel“, „regenerative Energiegewinnung“, „Klimaschutz“  zählen zu ihren großen Hits. In der Pädagogik ist ihnen ein besonderer Clou gelungen. Mit der Forderung nach „längerem gemeinsamen Lernen“ haben sie eine Formel geprägt, die durch die positive Konnotation des Wortes  „gemeinsam“ bei vielen Eltern gut  ankommt.

Wie sich positiv besetzte Begriffe in der Wahrnehmung der Menschen verändern, ja, sich in ihr Gegenteil verkehren können, kann man am Begriff des „Multikulturalismus“ studieren. Kein vernünftiger Mensch würde „Multikulti“ heute noch unbefangen als positiven Begriff benutzen. Zu deutlich ist der Öffentlichkeit ins Bewusstsein gedrungen, was sich  in der Realität hinter dem verheißungsvollen Wort verbirgt: soziale Deprivation, moralische Verwahrlosung, hohe Kriminalität und Schulversagen. Ein Großteil der Empfänger staatlicher Transferleistungen rekrutiert  sich aus den Stadtquartieren, in denen sich die  multikulturelle Mischung am deutlichsten zeigt. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie vehement  grüne Spitzenpolitiker ihr multikulturelles Lieblingsprojekt verteidigt haben. Pädagogen, die gefordert haben, dass Kinder aus der türkischen und arabischen Community erst eingeschult werden dürfen, wenn sie die deutsche Sprache beherrschen, wurden heftig angefeindet. Von Deutschtümelei und Kulturfaschismus war die Rede. Heute gilt es als Allgemeingut, dass das Beherrschen des Deutschen die Voraussetzung dafür ist, in der Schule erfolgreich lernen zu können. Alle Parteien und  pädagogischen Verbände fordern deshalb einen verbindlichen Kita-Besuch und sprachliche Stützkurse für Migrantenkinder vor ihrer  Einschulung. Auf dem Höhepunkt von „Multikulti“ verblüffte Claudia Roth das Talkshow-Publikum mit der Feststellung, auch  in Deutschland habe es bis 1918  Zwangsheiraten gegeben. Der Adel habe stets arrangierte Ehen zwischen den Adelshäusern geschlossen. Damals gab es keinen Shitstorm gegen diesen absurden Vergleich.  Inzwischen   gilt die muslimische Zwangsehe als Straftat und  Menschenrechtsverletzung. Kein Grüner würde es mehr wagen, sie auch nur andeutungsweise zu verteidigen.

Der Begriff „Willkommenskultur“ wird in die deutsche Sprachgeschichte als der Begriff eingehen, dem das kürzeste Haltbarkeitsdatum beschieden war. Auch hier hat die Wirklichkeit die sprachliche Benennung überholt. Zum Bedeutungsverlust beigetragen haben moralisch überhöhte Sätze rot-grüner  Politiker, die mit der  Realität von heute nichts mehr zu tun haben. So frohlockte die Grüne Katrin Göring-Eckardt 2016 im Deutschen Bundestag, Deutschland werde „religiöser, bunter, vielfältiger und jünger“. Und: „Wir kriegen jetzt plötzlich Menschen geschenkt“. Im selben Jahr sagte der Sozialdemokrat Martin Schulz in seiner Heidelberger Hochschulrede: „Was die Flüchtlinge zu uns bringen, ist wertvoller als Gold“. Ebenfalls von Martin Schulz stammt der Satz:  „Keinem Menschen wird etwas weggenommen, weil Flüchtlingen geholfen wird“. Es ist den Bürgern nicht zu verdenken, dass  sie den Glücksverheißungen der Politiker die wirklichen Kosten der Flüchtlingskrise gegenüberstellen: den Terroranschlag vom Berliner Breitscheidplatz, die Morde an Maria (Freiburg), Mia (Kandel) und Susanna (Wiesbaden), die zahlreichen „Gefährder“, die kurz  vor Verübung eines Attentats  verhaftet wurden. Vor allem hat das Sicherheitsgefühl  stark gelitten. In Schulen ist es üblich geworden, dass die Klassenlehrer nach abendlichen  Schulfeiern  männliche Begleitdienste für Schülerinnen organisieren. Frauen verabreden sich über Facebook zum gemeinsamen Jogging im Park. Solche Gefühle der Angst sind durch keine noch so aussagekräftige  Statistik zu bannen. Sie zeigen, dass  sich etwas verändert hat in unserem Land.

Liberale Medien beklagen neuerdings voll Sorge, dass es der AfD gelungen sei, mit ihren schamlosen Attacken auf Flüchtlinge die Grenze des Sagbaren immer weiter nach rechts zu verschieben. Dabei unterstellen sie den  Demagogen  der AfD – Gauland, Weidel, Höcke – , dass sie über die Macht verfügten, den Sprachgebrauch eines Volkes so massiv zu beeinflussen, dass es willig  in den von der AfD initiierten rechten Diskurs einschwenkt. Nach allem, was man über den Zusammenhang  von Sprache und Wirklichkeit weiß, hat das gegenwärtige sprachliche Rollback eine andere Ursache:  Die Bevölkerung hat eine andere Wahrnehmung  der gesellschaftlichen Realität  als die Politiker in Berlin.  Das Versagen staatlicher Behörden bei der Registrierung, Überwachung oder Ausweisung von gefährlichen Asylbewerbern hat inzwischen solche Ausmaße angenommen, dass die Menschen nur noch wenig Vertrauen in staatliches Handeln besitzen. Alle Meinungsumfragen des letzen halben Jahres  weisen das Thema „Flüchtlinge, Ausländer und Integration“ als  „dringlichstes Problem“ der Bürger aus. Eine deutliche Mehrzahl der Befragten äußert  ihre Besorgnis, dass es dem Staat nicht gelingt, mit den negativen Folgen der Flüchtlingszuwanderung fertig zu werden.

Inzwischen finden zwei englische Migrationsforscher von der Universität Oxford auch bei uns verstärkte Aufmerksamkeit, die man bis vor kurzem noch völlig ignoriert hat: Paul Collier  („Exodus“, 2013) und David Miller („Fremde in unserer Mitte“, 2018). Beide raten zu einer vernunftgeleiteten Migrationspolitik, da sonst das Wertefundament der aufnehmenden europäischen Staaten zerstört würde, womit niemandem – auch  nicht den Flüchtlingen – gedient sei. Es ist sicher kein Zufall, dass beide  Studien von englischen Wissenschaftlern verfasst wurden, verdanken wir doch diesem Land den politischen Pragmatismus, der uns immer wieder vor  Rückfällen in die politische Romantik bewahrt.

Colliers Forschungsergebnisse sind ernüchternd: Je weiter die Kultur der Einwanderer-Gesellschaft von der einheimischen Kultur entfernt ist, desto geringer fällt die Kooperationsbereitschaft der Zugewanderten aus. In der Sprache der Soziologie heißt das, dass die „Einwanderung das Sozialkapital der einheimischen Bevölkerung verringert“ („Exodus“).Diesen Effekt kann man beispielhaft in der Schule erleben. In sozialen Brennpunkten mit hohem Anteil muslimischer Zuwanderer fordern Eltern und Islamverbände, dass während des Ramadan Rücksicht auf muslimische Schüler genommen werden solle. Klassenarbeiten  sollten vermieden, der Schulbeginn um eine Stunde verschoben werden, weil die Kinder durch das lange Fasten am Morgen noch  übermüdet  seien. Auch Gebetsräume in der Schule werden gefordert. Eltern konfrontieren  Schulleitungen mit der Forderung, ihre Söhne  dürften nicht von einer Frau unterrichtet werden.  Zum ersten Mal seit 1949  ist die  religiöse  Neutralität der Schule, die sich aus unserer säkularen Staatsverfassung herleitet,  ernsthaft bedroht. Hier wird wirklich wertvolles „Sozialkapital“ (Collier) – der von Politik und Religion freie Lernort Schule –  in seinem Kernbestand bedroht.

Millers Schlussfolgerungen sind nicht weniger deutlich. In einem Interview mit dem SPIEGEL (28/2018) sagte er: „“Es gibt keine moralische Pflicht zur Aufnahme aller Flüchtlinge. (…) Ich glaube, dass ein Land das Recht hat, seine historisch gewachsene Mehrheitskultur zu schützen“. Darunter versteht er ausdrücklich mehr als einen kargen Verfassungspatriotismus.  Kultur sind für ihn  die neben den Gesetzen und Regularien existierenden stillschweigenden Übereinkünfte der Menschen, wie sie sich im öffentlichen Raum begegnen wollen. Den demokratischen Staat – so Miller –  habe es nicht zu interessieren, wie Einwanderer zuhause ihr eheliches Miteinander gestalten. Sobald die Eltern und ihre Kinder jedoch den öffentlichen Raum betreten, zu dem auch die Schule gehört, hätten die Spielregeln der Gesellschaft zu gelten, denen  sich  Zugewanderte  nicht entziehen dürften.

Es ist auffällig, dass die Aussagen der beiden Wissenschaftler sehr viel mehr mit dem „gesunden Menschenverstand“ der Bürger  konform gehen als mit den Beschwichtigungsformeln der Politik. Die Bevölkerung hat einen unverstellten Blick auf die Wirklichkeit, während sich die Politik  noch nicht entscheiden kann, wie sie mit der dunklen  Seite der  Willkommenskultur umgehen  soll.

Eine verdiente Ehrenrettung erfährt zur Zeit  der Philosoph und Autor Rüdiger Safranski. Von  linken  Feuilletonisten als geistiger Mentor rechter Parteien und Gruppierungen gescholten, hat er  mit seinen skeptischen Warnungen zur frühen Stunde  recht behalten:

„Die ´Willkommenskultur`  war zunächst eindrucksvoll, weil es spontan zu großzügigen Gesten und Aktivitäten kam. Dann aber wurde daraus, von den Medien angeheizt, politischer Kitsch – moralistisch, aber nicht verantwortungsbewusst realistisch. Grenzenlosigkeit gibt es über den Wolken, in den Niederungen unseres irdischen Lebens aber haben Grenzen eine ganz elementare Bedeutung – das könnte eine Lektion der gegenwärtigen Ereignisse sein.“ („Die Weltwoche“, 2016)

„Man muss in der Nähe der Bürgerkriegsgebiete Zonen schaffen, wo die Flüchtlinge in Sicherheit sind, bis der Krieg beendet ist. Etwas anderes kann es nicht geben. Es  ist schlicht undenkbar, dass alle acht Millionen, die in dieser Region auf der Flucht sind, nach Deutschland kommen. Das Asylrecht war nicht für solche Völkerwanderungen gedacht… „ (ebd.)

„Es gibt…keine Pflicht zur Fremdenfreundlichkeit, sondern die Pflicht zur Hilfsbereitschaft und zur wechselseitigen Höflichkeit, vor allem aber die Pflicht, das Maß der Verträglichkeit zu bedenken.“(SPIEGEL 12/2018)

Ähnliche Formulierungen finden sich im Koalitionsvertrag der gegenwärtigen Regierung, im „Masterplan“ von Innenminister Seehofer und in der Vereinbarung des Europäischen Rates vom 28.  Juni 2018.  Die Wirklichkeit sucht sich die Sprache, die ihr  angemessen ist. Dabei kann es auch geschehen, dass  ehemals verpönte Mahner  rehabilitiert werden. Safranski ist einer von ihnen. Es ist schön, dass  dieser einsame  „Rufer  in der Wüste“  doch noch eine späte  Genugtuung erfährt.

 

 

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22 thoughts on “Die Grenze des Sagbaren

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    „Man muss in der Nähe der Bürgerkriegsgebiete Zonen schaffen, wo die Flüchtlinge in Sicherheit sind, bis der Krieg beendet ist. Etwas anderes kann es nicht geben. Es ist schlicht undenkbar, dass alle acht Millionen, die in dieser Region auf der Flucht sind, nach Deutschland kommen. Das Asylrecht war nicht für solche Völkerwanderungen gedacht… “

    Wozu solche Zonen schaffen? Die existieren doch bereits. Von den 5,6 Millionen syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen befinden sich z.B. fast 1 Millionen im Libanon, einem armen Land mit 6 Millionen Einwohnern.
    Der überwiegende Teil aller Flüchtlinge auf diesem Planeten befinden sich in ihrem Land oder in einem Nachbarland. Nur ein winziger Bruchteil versucht überhaupt, nach Europa zu kommen. Davon kommen jedes Jahr tausende ums Leben.

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    Wenn man wissen will, wie Begriffe die Wahrnehmung verändern, lohnt es sich, auch einmal den inneren Rassisten näher zu beleuchten.
    Erstes Beispiel: „Ehrenmord“. Sogenannte Biodeutsche scheinen dazu offenbar nicht fähig zu sein, sondern nur Orientalischstämmige. Wenn Aische ihren Mustafa verläßt und von diesem ermordet wird: Ehrenmord. Wenn Christine ihren Horst-Kevin verläßt und von diesem ermordet wird: Familiendrama.
    Zweites Beispiel: Eine aufgebrachte Menge randaliert vor einem Haus, in dem Angehörige einer anderen Kultur untergebracht sind, und setzt das Gebäude in Brand. Findet die Tat im Orient statt, handelt es sich um einen aufgestachelten Mob. In Deutschland scheint es dies nur zu geben, wenn die Täter Linksradikale sind. Rassisten, die Flüchtlingsunterkünfte in Brand setzen, heißen hier „Besorgte Bürger„, womit implizit Verständnis für die Verbrecher geäußert wird.
    Drittes Beispiel: „Döner-Morde„, Unwort des Jahres 2011. Als eine Gruppe von Rechtsextremisten (womöglich tatkräftig unterstützt durch staatliche Stellen) sukzessive acht schon lange hier lebende Einwanderer und einen in Deutschland geborenen Mitbürger ermordete, wurde nur in die Richtung ermittelt, daß die Opfer selbst im kriminellen Milieu unterwegs gewesen seien. Hinweise auf rechtsextreme Täter wurden in den Wind geschlagen und von der Presse nicht aufgegriffen.

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      Lieber Opa Krempel, ist es mein „innerer Rassist“, der mir sagt, daß der „Ehren“Mord nicht von eifersüchtigen Zurückgewiesenen begangen wird, sondern von Familienclans geplant und von Brüdern der Opfer vollstreckt wird, also aufgrund einer steinzeitlichen Stammeskultur? Oder nicht doch eher der innere Realist..

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        Im übrigen waren für die Taten in Rostock, über die Sie reden, wohl der britische Geheimdienst verantwortlich. Dieser, unter dem Kommando der modernen Tamora Thatcher, wollte vielleicht das Bild der BRD in der Welt anschwärzen. Dieser F…rau hätte ich eine derartige Schandtat durchaus zugetraut.

        Im übrigen dürfte alles, was die Rechten tun, das Gute sein, weil alles, was die Linken und ihre Verbündeten wollen, die Vernichtung des deutschen Volkes ist.
        Seit über hundert Jahren, und von Anfang an im unheiligen Bunde mit der „deutschen“ Linken, heute i. w. mit den ekelhaften fetten Alt-68er-Ölaugen-Pyknikern und ihren widerlichen aufgehetzten Vetteln vom Femastasentum, äh, Feminismus. So sieht es aus.

        Nicht wahr, Herr Müslibart, äh, Krempel?

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        Okay, danke sehr, blonder Hans. Das hate ich angenommen. 🙂

        Nun wird er wahrscheinlich wieder mit den 186 Morden durch Rechtsextreme argumentieren. Die 7500 (mittlerweile dürften es einige mehr sein) von Migranten ermordeten Deutschen allein zwischen 1990 und 2015 fallen bei den sog. Gutmenschen ja stets unter den Tisch, was ein bezeichnendes Licht auf deren gebetsmühlenhaft wiederholte Leerfloskeln von Humanität wirft. Dies, weil diese Tatsache den Eindruck erweckt, der Linke sähe Deutsche nicht als Menschen an.

        Da ist es wieder, das neomarxistische Weltbild, demgemäß es innerhalb der Menschheit nur zwei Gruppen, nämlich Täter und Opfer gibt. Dies ist die gesamte Definition des linken Weltbildes.
        In jeder Sekte, in jedem Kult – und die Linke ist der weltweit bedeutendste Kult unserer Zeit – gibt es Dinge, die nie in Frage gestellt werden. Das oben Dargestellte ist das wichtigste.

        Dazu ein interessantes Video: https://www.youtube.com/watch?v=E6pJgfKi2c0

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    Die Grenze des zumutbaren ist erreicht: … diese Figuren bestimmen über Krieg und Frieden!

    Ich kann nix anderes als es Max Liebermann gleich zu tun: ‚Ich kann nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.

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      … liiiiieber ‚hans‘, ooops? das bin ja ich, und wenn, wie die SUN berichtet, der Suffkopp Junker auf Donald Trumps Platz sitzt und Trump veralbert, schwätzt die Verteidigungsministerin der ‚BRD‘ bei der SED-Ziege Illner im Staatsfernsehen von einer Sternstunde der NATO. Ich fass ’s nicht!

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    „kulturfremde“ Flüchtlinge schrieb Safrans, und Sie schreiben über das „Unsagbare“! Prollig, ja, das sind manche. Auch Gummilatschen mit Kopftuch missfällt mir. Ende des Schlepperwesens, Schnelle Abschiebung von illegalen Migranten (Nordafrika), schnelle Abschiebung von kriminell Aktiven, Drogenhändlern und organisierten Dieben etc. Aber das hat nichts mit deren „Kulturfremdheit“ zu tun, sondern mit der Tatsache, dass sie meinen, sie könnten uns für blöd verkaufen. Ich gehöre nicht zu denjenigen, die meinen, man müsse allen die einreise erlauben, aber wie das Safrans formuliert hat, so geht das nicht. Es ist schlicht oberflächlich und unangenehm ideologisch!

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      Der junge Afghane, der Maria in Freiburg ermordet hat, sagte zum Vernehmer der Kripo: „Das war doch nur eine Frau“. Das ist der Inbegriff der Kulturfremdheit. Es gibt noch Kulturen in der Welt, in der die Frau dem Mann untertan it – mit allen schrecklichen Konsequenzen. Muss Deutschland solche Menschen beherbergen und die Rolle einer Erziehungsinstitution übernehmen?

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    „Sprache hat die schöne Eigenschaft, den gesellschaftlichen Wandel abzubilden. Mit zeitlicher Verzögerung sickern sprachliche Prägungen sozialer Bewegungen in den allgemeinen Sprachgebrauch ein und werden vom flexibel reagierenden Sprachkörper absorbiert.“
    „Asyltourismus“, „Sozialschmarotzer“, „Kopftuchmädchen“ sind weitere schöne Beispiele dafür, wie durch „gesundes Volksempfinden“ Wortprägungen in den allgemeinen Sprachgebrauch einsickern und vom flexibel reagierenden Volks – bzw. Sprachkörper absorbiert werden.
    Am Rande: „Den Engländern“ politischen Pragmatismus zu attestieren, quasi als Autoritätsbeweis für die Gültigkeit der Erkenntnisse zweier von dort stammender Wissenschaftler, halte ich angesichts der politischen Farce, die sich im Moment dort abspielt, für absurd.

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      Ich zitiere zwei Wissenschaftler aus England, nicht aber Menschen vom Stammtisch. Diese Akademiker stehen in der Tradition des politischen Pragmatismus oder Realismus,den sich die Kontinentaleuropäer von ihnen angeeignet haben. Wenn Sprache Begriffe von sozialen Bewegungen oder politischen Strömungen aufnehmen kann, kann sie sie auch wieder abstoßen. Sprache ist ein atmendes System. Es ist nicht ausgemacht, ob die von Ihnen zitierten politischen Kampfvokabeln von AfD, CSU usw. nicht eines Tages aus dem Sprachgebrauch verschwinden. Sie wären gar nicht erst entstanden, wenn die veröffentlichte Meinung und die Politik zu einer realistischeren Sprache gefunden hätten. Politische Korrektheit in der Sprache erzeugt leider immer auch das Gegenteil: unappetitliche Wörter und Sätze.

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        Welche Euphemismen gibt es denn für Sozialhilfe-/ Hartz 4-Empfänger, Flüchtlinge oder muslimische Mädchen oder Frauen? Sind die („Mainstream“-) Politik oder „Medien“ jetzt auch noch für sprachliche Entgleisungen von rechts verantwortlich? Was ist das für eine Logik?

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        Wenn eine linksliberale Zeitung die „Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung“, so der Fachbegriff der Justiz, die von afghanischen Männern, begangen werden, damit „erklärt“, dass diese Männer aus einem Kulturkreis stammen, in dem die Frau weniger wert ist als der Mann, dann kann man von einer Verharmlosung einer Vergewaltigung sprechen, die aus politischer Korrektheit vorgenommen wird. Es ist unbestreitbar, dass solche „kulturellen Rabatte“ auf der anderen Seite des politischen Spektrums – bei der Rechten – eine Suada des Hasses auslösen. Das meine ich, wenn ich schreibe, dass zu starke politische Korrektheit immer das Gegenteil hervorrruft. Warum kann man sich nicht einfach an den Gesetzen und der Verfassung orientieren, ohne die eigene Moralität ins Spiel zu bringen?

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        Es geht auch um die Relativierung von individueller Schuld und Moral von linker Seite: Z.B. vertrat Jakob Augstein in einer Sendung ˋBlome & Augstein die These, daß die von Flüchtlingen begangenen Verbrechen, Morde ja in der Zahl viel weniger wären, als die Zahl der Verkehrstoten. Daher solle sich die Politik eher um letztere kümmern. Dergleichen utilitaristische Relativierung der Moral wird natürlich jeden, der Individuum vor Kollektiv, Gerechtigkeit vor Staatsraison stellenden, also wie wohl die Mehrheit der Menschen empfindenden Menschen auf die Palme bringen. Im Verkehr wird in den allermeisten Fällen schlimmstenfalls fahrlässig getötet, die Sexual- und „Ehren“morde, die hier – zurecht, wie ich finde – zur Debatte stehen, erfolgten mit Absicht und aus niederen Beweggründen. Das miteinander zu vergleichen verrät ein eher eingeschränktes Gerechtigkeitsempfinden, das sich niemand gerne aufoktroyieren lässt. Da braucht man sich über einen Pendelschlag rückwärts in der Sprache nun wirklich nicht wundern.

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    Mag sein, daß sich die Sprache der Wirklichkeit etwas angepaßt hat.
    Entscheidend ist aber, ob sich auch die Politik der Wirklichkeit angepaßt hat. Da habe ich meine Zweifel. In einem normalen Land hätte die Politik, die der aktuelle Bundeinnenminister derzeit versucht einzuleiten schon jahrelang alternativlos sein müssen.
    Stattdessen wird er auf allen Ebenen sabotiert, von seiner Chefin, den Landesinnenministern und den ihm unterstehenden Bundesbehörden.
    Die Claudia Roths der deutschen Politik sind nicht auf dem Rückzug, sie werden immer mächtiger. Wir werden das bei zukünftigen Wahlen erleben:
    Dort wo Schwarz-Rot keine Mehrheit mehr haben wird, werden die Grünen mit auf die Regierungsbank genommen. Dem Rechtsruck bei den Wahlen folgt dann ein Linksruck mit noch mehr Multikulti-Seligkeit beim Regierungshandeln.
    Erst eine absolute Mehrheit für die AfD kann diesen Spuk beenden.

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    Schön, dass Sprache so flexibel soziale Veränderungen abbildet. Aber Sie überschätzen das, was Sie „soziale Bewegung“ nennen. Es gibt keine sB für Selbstbestimmung, sondern „weg mit § 218“, mittlerweile „weg mit § 219a“. Es wurde nicht für Nachhaltigkeit demonstriert, sondern es gab eine „Anti-AKW-Bewegung“. Es gab antiautoritäre Kinderläden, aber das war keine soziale Bewegung. Breiter angelegt war die frauenpolitisch Forderung nach Vereinbarkeit von Beruf und Familie, aber da sind wir bereits beim institutionalisierten demokratischen Prozess. Selbstbestimmung und Gleiche Chancen, das sind im GG verbürgte Ziele, die ganz normal politisch umgesetzt werden müssen.
    Was nun Safrans und sein Bild von Migration betrifft, so muss ich leider (als frühere Safrans-Bewunderin) sagen, dass er in dieser Frage raunt, pauschal Position bezieht und eigentlich nur Missverständnisse produziert hat. Dass ihn dieses zu einem Preis legitimiert, zeigt die Stärke der neuen Rechten. Safrans gehört nicht dazu, aber er nutzt die neuen Sprachspiele und sagt, was man von ihm nicht erwartet hatte. Das ist das Wesen der geglückten Selbstvermarktung. .

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      Ich kenne Rüdiger Safranski seit den 70er Jahren persönlich. Wir haben damals an der FU zusammen studiert. Preise und Auszeichnungen bekommt er schon seit 15 Jahren, also längst vor der Flüchtlingskrise. Der jüngste Preis stammt von der Deutschen Gesellschaft e.V., die über jeden Verdacht, rechts zu sein, erhaben ist. Safranksi hat sich einfach das Denken nicht verbieten lassen – auch nicht durch den moralischen Hype seit 2015. In seinem Romantik-Buch warnt er davor, dass Deutschland in alte Fehler zurückfallen könnte: in die Distanzierung von der westlichen Staatengemeinschaft und in einen gefährlichen Sonderweg. Thomas Mann hat vor seiner Bekehrung zur Demokratie auch einem gegen die Demokratie gerichteten Gemeinwesen das Wort geredet, was ihm später leid tat. Der deutsche Sonderweg war – wie wir wissen – militärisch-machtpolitisch motiviert, zur Zeit ist er moralisch grundiert. Auch mit einem moralischen Überschuss kann man andere Staaten unter Druck setzen, wenn sie den verordneten Weg nicht mitgehen wollen. Safranski plädiert schlicht für Realismus: für sichere Grenzen, für die Bewahrung unserer kulturellen Errungenschaften und für mehr Rücksichtnahme auf die Staatengemeinschaft. Es ist doch kein Zufall, dass kein Staat in Europa Angela Merkels Verteilungsquote für Flüchtlinge befolgen will. Selbst die ur-liberalen Staaten Skandinaviens fahren inzwischen einen harten Kurs, weil sie gesehen haben, dass die Destabilisierung ihrer liebenswerten toleranten und sozialen Kultur ein allzu hoher Preis für die Aufnahme von „kulturfremden“ Flüchtlingen wäre.

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        Kulturell und ethnisch fremd. Man sollte sich nicht länger selbst betrügen, in dem man angeborene Unterschiede zwischen Völkern, also genetisch differenzierbaren Gruppen von Menschen, endlich als Fakt anerkennt.

        Wobei für mich nur Linke eine Art „internationales Volk“ sind, um ein Oxymoron zu benutzen – allerdings eines ohne positive Eigenschaften.

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    Sozialisten sind immer im Vernichtungs-Krieg, auch gegen sich selbst … erinnern ‚wir‘ uns an die soziaaaldemokratische Vorsitzende Nahles, die den Ex-SPD-Kanzlerkandidaten M. Chulz – der ‚Mann mit den Haaren im Gesicht‘, O-Ton Gabriel – auffordert: ‚Entweder du killst ihn, oder er killt dich.‘ Womit Nahles den Ex-SPD-Vorsitzenden, den Gen. Gabriel meint(e).

    In Kopie an Golda Meir gedacht: ‚Frieden wird es geben, wenn die Sozialsten ihre Kinder mehr lieben, als sie Menschen hassen.‘

    Ergo – Ziel für die nächste Landtags- und Bundestagswahl: die Genossen, einschließlich Merkel, < 5%.

    Oder, sofort; ich brauche noch 299 Mann.

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