avatar

Die Flüchtlingstheologie der Kirchen ist zu einfach

Lieber Bischof Bedford- Strohm, natürlich bin ich in vielem auf Ihrer Seite seit Jahren, ich schätze ja Ihren hellen Geist, ihre Weltkenntnis, ihre Theologie in der Tradition von Karl Barth, Bonhoeffer, Moltmann und im Dialog mit den Kirchen gegen Apartheid in Südafrika sehr. Ich freue mich, dass Sie einen fröhlichen, heiteren Geist bei jeder Predigt und bei jedem talk- show Auftritt ausstrahlen. Doch Ihren Mut als Gegenposition zu Frau Kässmann und Frau Roth, bezogen auf Waffenlieferungen an die Kurden im Irak und Syrien im Juni 2014, um die Verfolgung und die Gräueltaten an Jesidinnen durch den IS -mafia Terror zu stoppen, fand ich größer als ihre zu einfache Zustimmung zur Flüchtlingspolitik von Frau Merkel und der GroKo und ihren Unterstützern aus Linkspartei und Grünen. Gerade die Kirchen haben eine besondere Rolle, Pegida und AFD Anhänger zurückzuholen in vernünftigen Streit,weg vom Hass und Geüchteküchen im internet.Wie Barbara John, die als Katholikin und CDU Politikerin auf lange Erfahrung in Flüchtlings- Migrations -und Integrationspolitik hat, fordere ich von den medialen Kirchenspitzen eine klügere, auf Europa bezogene weitsichtigere Flüchtlingstheologie und mehr Verantwortungsethik als nur Gesinnungsethik ein.Natürlich war es wunderbar, wie viele Christinnen und Christen unter den Willkommenden und Helfenden, den praktisch unersetzbaren Ehrenamtlichen in Bayern vor allem und in allen Ländern waren und die meisten von ihnen, aber nicht alle, durchhalten bis jetzt.Natürlich habe ich von meiner Kirche erwartet, dass sie ihre Kirchen und Häuser und Räume öffnet und ihre praktischen Erfahrungen in der Ausländerarbeit, in der Notfallseelsorge, in der Diakonie einbringt und mich darüber gefreut, war darauf stolz.Auch die Ökumene in der Willkommenskultur, in der Debatte zur Armut in der Welt, in der Friedenskultur der Kirchen freut mich bei Kirchentagen.
Auch erinnere ich mich, dass der einzige Vertreter der Friedensbewegung, der bei Sabine Christiansen in der talk- show zugelassen war, Bischof Marx war.Er musste uns alle aus der globalen Friedensbewegung damals 2003 vor dem 19. März dort die richtigen Argumente gegen den Irakkrieg als den großen Destabilisierer der Region vertreten.Bischof Huber, die Vertreterinnen der Frauen für Frieden oder der Friedenskooperative waren nicht eingeladen über Monate, auch nicht die Gegner des Irakkrieges aus den USA oder Frankreich oder Griechenland.
Die Kirchen haben große Kompetenz in der Flüchtlingsarbeit, das schätze ich alles sehr und natürlich kenne ich die biblischen und theologischen Grundlagen dafür. Doch habe ich in meiner hugenottischen, protestantischen Tradition und vor allem auch der von Dietrich Bonhoeffer auch gelernt, nüchtern die Tyrannen und die Tyrannei zu studieren und wie sie gestoppt werden kann.Dazu gehört aktuell doch vor allem seit 2002 die Analyse der Lage im Irak, Syrien, Iran, Türkei, also den wesentlichen Mächten im Nahen Osten, der der Terrorgruppen wie Hizbollah und die Politik der Muslimbrüder und die von Saudi Arabien als Waffen und Religionspolitik. Seit 2011 sind endlich auch Tunesien, Lybien, Ägypten und Syrien auch mehr ins Blickfeld der Medien und der politischen Debatten in Deutschland und Europa gelangt.Zu viele in der demokratischen Opposition in der nordafrikanischen und arabischen Welt haben leichtsinnig gehofft, sie könnten ihre Diktatoren oder autoritären Regimes so leicht los werden wie Ben Ali.Ich habe sie zwar unterstützt seit 2006 mehr, doch ihnen nie falsche Hoffnungen gemacht, die Syrer hier im Exil in Berlin auf die schwierige geopolitische Lage ihres Landes aufmerksam zu machen versucht bei allem Verständnis für ihre Freiheitshoffnungen.
Die Kirchen sollten doch in den ganzen Jahren auch an die Lage der Juden und Christen in der Region erinnert haben. Sie hätten doch als erste das Erstarken der Salafisten, der gewaltbereiten Muslimbrüder, der Hizbollah und des wahabitischen Einflusses über Öl-und Waffengeld und TV- propaganda Saudi Arabiens öffentlich anklagen müssen seit 2001 spätestens, wenn nicht seit 1979.
Das haben sie meiner Ansicht nach, jedenfalls öffentlich hörbar kaum gemacht. Das halte ich für ein großes Versagen, auch wenn ich weiß, dass Bischöfe im Irak und Syrien Angst hatten, ihre Christengemeinden würden alle sofort fliehen, wenn man die Unterdrückung und ihr Leiden, ihre Verfolgungen zu sehr thematisieren würde. Dass sie sich geirrt haben, merken sie jetzt, was tragisch ist.
Nun kommen die Flüchtlinge aus der Region und aus Pakistan und Afghanistan,wo auch Christen schwer verfolgt werden und liberale Muslime,vor allem nach Deutschland und zwar in Massen von jungen Männern vor allem. Wieso wird da von den Kirchen nur an das Volk appelliert, offene Arme zu zeigen und alle rein zu lassen,die Debatte um die Obergrenze als unmenschlich denunziert oder lächerlich gemacht wie von den meisten Medien? Wieso wird neben der tollen praktischen Arbeit der Kirchen, die ich nur loben kann,aber geistig und theologisch nur moralischer Druck ausgeübt und alles was Merkel sagt und macht bezogen auf Euro Rettung und europäische Lösung heute schön geredet? Ich hätte doch mehr protestantische Vernunft und Nachdenken erwartet, auch über Widersprüche und Dilemmata nachzudenken und zu helfen, dass die, die Angst haben, nicht aus dem öffentlichen Dialog ausgeschlossen werden, wie es die letzten Monate , sozusagen vor den Gewaltereignissen in Köln geschehen ist? Gerade die Theologen und Kirchen ,die ja nun eine alte und auch moderne europäische Kultur und Geschichte und Organisationen haben,hätten doch auf die Anliegen und das Denken der europäischen Nachbarn auch in Osteuropa oder England besser aufmerksam machen können, statt bei Pegida -Demos nur die Dome dunkel zu halten.Erst jetzt werden in die Medien Politiker aus Ungarn, Österreich eingeladen, sonst waren nur Martin Schulz und der SPD Außenpolitiker aus Luxembnrg mit markigen Sprüchen zu hören, die teils den Widerstand in Osteuropa und England wohl nur bestärkt haben, da sie diffamierend waren. Wenn Schorlemer und die Bischöfe die ersten Wochen dramatisch, hochtrabend und anmaßend sagten, in jedem Flüchtling begegnet uns Jesus-dann frage ich mich wirklich, wieso sie das die letzten Jahre nicht bezogen auf jeden Obdach und Arbeitslosen, jeden Drogenabhängigen, jede vergewaltigte Frau gesagt haben. Die gute jüdische und christliche Theologie, dass jeder Mensch ein Ebenbild Gottes ist und uns in der Armen und Elenden und Einsamen und Kindern,also auch in Mädchen,
Gott und Jesus begegnen können, sind doch nicht so einfach in soziale und demokratische Politik in Europa umzusetzen, wie das klingt.So wenig wie in der Politik und den Medien oder Wissenschaft können von der Theologie allein Solidaritätsappelle und hoher moralischer Druck zu einem guten
Ausgleich der Interessen und sozialen und mentalen Lagen in Europa führen oder anderswo.

Soll es denn nun mit einer Vermögenssteuer und mit der schwarzen Null klappen oder ohne?
Sollen denn nun auch alle Wirtschafts -und Armutsflüchtlinge aus Afrika und dem Nahen und Fernen Osten aufgenommen werden? Ist ein gewisses Maß an Abschottung in der Globalisierung von heute nur China und den USA, Russland und Kanada erlaubt, aber Europa nicht? Kann man so einfach verschweigen monatelang, wie viele Flüchtlinge aus der Ukraine oder Rumänien in den osteuropäischen Staaten, die ärmer als Deutschland sind, aufgenommen wurden?
Kann man einem demokratischen Volk das Recht absprechen, zu wissen, wer alles in sein Land reinkommt ?Kann man die Sorgen um die ökonomische Konkurrenz für das untere Drittel der Gesellschaft so runter spielen mit dem lauten Gebrüll, der Mindestlohn muss bleiben? Kann man theologisch so einfach begründen, wieso man mit Vertretern der AFD auf einem Kirchentag oder in einer talkshow nicht streitet?
Will die liberale Kirche denn weitgehend einem zu einfachen Pazifismus huldigen, -so sehr ich weiter dem Atompazifismus und einer relativen Entmilitarisierung anhänge,- und die Kriege im Nahen Osten, die drohen wie in Afghanistan 30 jährige zu werden, nur durch Aufnahme aller Flüchtlinge aus den Kriegsländern beenden?
Will man denn den brain-drain aus Afrika und dem Nahen Osten nicht wahrnehmen, der die nötigen
Reformen in den Ländern, wozu auch Frauenrechte und Bildungs und Medienrechte gehören, durch
eine unbegrenzte Willkommenskultur verschleiern?
Wenn dann der Innenminister aus Bayern zum Bischof sagte in der talk show, es kann auch christlich sein, über Obergrenzen für unser Land und Europa zu reden, war kurz Stille und dann wurde wie auch von den Grünen und der Linkspartei immer und Frau Merkel hinterhergeschoben,
natürlich können wir nicht alle aufnehmen.Aber wie können wir denn Millionen aufnehmen,wenn
sie hier soziale Ansprüche haben wie im Libanon ,Jordanien und der Türkei und Ungarn nicht?
Vor welchen europapolitischen und innenpolitischen wie außenpolitischen Fragen und Fragen von Militäreinsätzen drückt sich die liberale ,soziale , demokratische ,weltoffene Theologie,die ich grundsätzlich schätze und die Kirchenoberen, indem sie so tun, als seien vor allem wir in Europa
für die 60 Millionen Flüchtlinge weltweit oder für die 10 Millionen ,die zur Zeit nach Europa drängen verantwortlich? Hätten nicht gerade die deutschen Bischöfe an England und die USA andere Appelle richten können oder an die muslimischen Brüder in den reichen Golfstaaten,die für die Kriege und das Chaos in der Region mit verantwortlich sind wie vor allem auch Russland.
Müssten die Kirchen nicht auch wagen neben dem Waffenhandel das Thema Bevölkerungs- und Frauenpolitik und Korruption in den Ländern anzusprechen, aus denen die Flüchtlinge kommen?
Ich hoffe, ich höre auf den Kirchentagen mehr dazu und dass die Kirchen mehr an der Seite der Kommunen als an der Seite der Regierungen stehen, denn dahin gehören die Kirchen, an die Seite
der Bürgerinnen vor Ort und in den kritischen Dialog, das vernünftige Streiten ums Gemeinwohl in Europa und wie wir die Globalisierung sinnvoll gestalten und zur Not auch teilweise bremsen können.

21 thoughts on “Die Flüchtlingstheologie der Kirchen ist zu einfach

  1. avatar

    Mich regen diese Kampfbegriffe einfach auf. Gesinnungsethik und Verantwortungsethik sind, bei allem was Weber noch so intelligentes geschrieben hat, aus meiner Sicht ein ganz gefährliches Begriffspaar, oft ein Feigenblatt für getroffene Entscheidungen, bei denen sich später herausstellt, dass es möglicherweise die falschen waren oder für Entscheidungen die offenlegen, dass die eigenen Moralvorstellugen nur „Vorstellungen“ waren und keine festen Regeln. Mir gefällt das Begriffspaar Christ und Gelegenheitschrist eigentlich besser. Denn so wie ich den Mann aus Nazareth verstanden habe, gab es für ihn bei der Barmherzigkeit keine Grenzen. Und auch wenn mein Glaube schwach ist, gefällt mir die Gewissheit mit der die Pfarrerstochter gesagt hat:

    „Wir schaffen das!“

    Materiell wäre es für uns ein Klacks, für unsere Gesellschaft, deren Fremdenfeinlichkeit in weiten Teilen wohl noch allzutief in die DNA ihres Knochenmarks gepflanzt ist, ist diese Ansage allerdings eine große Herausforderung. Da hat die in den Bereichen Internationale Solidarität und Nächstenliebe teilweise deckungsgleiche christliche und sozialistische Prägung in FDJ und Elternhaus tatsächlich einmal zu etwas Positiven geführt.

    Und da ich Herrn Bedford-Strom für einen echten Christenmensch halte, wird er es wohl nicht viel anders sehen. Frau Quistrop eine Gelegenheitschristin zu nennen, wäre nicht mein Stil. Das muss sie mit sich selbst ausmachen.

    1. avatar

      als Pfarrerstochter muss sie selbst Barmherzigkeit üben, teilen,doch als Kanzlerin hat sie vor allem mit ihrer Machtrolle in Europa und der Welt seit 10 jahren andere Aufgaben, nämlich die politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen zu erhalten oder zu ändern, damit viele, auch die Ärmeren Barmherzigkeit üben koennen, bzw an ihnen allen geübt wird und nicht nur an den Flüchtlingen, die jetzt durchkommen,sondern auch an den Christen im Irak, in Syrien, den Jesiden, den Kurden, den Hungernden und vor allem denen, die gegen Tyrannen und gegen Korruption in der arbischen Welt und Afrika kämpfen,woher die Leute fliehen.Ich würde Gesinnungs und Verantwortungsethik bitte nie Kampfbegriffe nennen, das ist geschichts und philosophielos ,sorry.Eva Quistorp

  2. avatar

    Unter Papst Franziskus hat die katholische Kirche wieder an Glaubwürdigkeit gewonnen – zurecht weist er etwa auf seiner derzeitigen Mexikoreise auf die Ausgrenzung der Indios hin. Vor kurzem traf er hochrangige Vertreter des Iran im Vatikan. Man sieht, dass da einiges im Gange ist. Was die Situation in Syrien anbelangt würde ich mir allerdings etwas mehr Engagement des Papstes wünschen.

  3. avatar

    @68er

    ‚Wenn schon das positive Recht gründlich mißachtet wird, so muß auch seine sozialethische Legitimation theologisch untergraben werden. Dazu scheinen moderne Theologen, einschließlich einiger Bischöfe, besonders geeignet zu sein. Wozu bezahlt man sie sonst? Das klassische vernunftbezogene Natur- und Völkerrecht weicht einer fundamentalistischen Geschichtstheologie, die in der gegenwärtigen Völkerwanderung einen göttlichen geschichtsnotwendigen Prozeß erblickt.

    Frau Merkel erscheint als Prophetin der göttlichen Vorsehung. Dabei spielen die Hofprediger gerne auf die eschatologische Ethik der Bergpredigt an, also auf jene radikalen Forderungen der Nächstenliebe, die sich an einzelne nachfolgebereite Christen wendet, deren Handeln durch Gnade ermöglicht wird. Hier wird naturrechtliche Sozialethik durch gläubige Moraltheologie ersetzt. In einer säkular-pluralen Gesellschaft mit Demokratie ist diese Form Politischer Theologie nicht mehr möglich.

    Eine erzwingbare Gnadenpolitik verstößt gegen die Freiheit der Gläubigen wie der Ungläubigen. Daß allen Menschen eine Menschenwürde zukommt, ist nicht nur für Christen selbstverständlich. Daraus ein Einwanderungsrecht für alle Notleidenden abzuleiten, ist Unsinn. Nicht der Staat ist der barmherzige Samariter, sondern die kirchliche Caritas. Und die Flucht der Heiligen Familie betraf nicht Millionen, sondern drei verfolgte Personen.‘

    Prof. Wolfgang Ockenfels

  4. avatar

    Frau Merkel ist regelmäßig wiedergewählte CDU-Frau; das C steht für christlich. Wenn man die Frau jetzt dafür kritisiert, eine barmherzige, also christliche Politik zu machen, ist das etwas merkwürdig. Ich selber bin gar kein Christ, komme aber manchmal in die paradoxe Situation, christliche Politik – eine Politik, die im Namen des Christentums (das „C“ im Namren…) regelmäßig gewählt wurde und das nun überraschenderweise auch umsetzt – ausgerechnet gegenüber Christen verteidigen zu müssen.

    Wenn Sie zum Beispiel sagen, man müsse „nicht nur die Flüchtlinge, sondern auch die Christen im Irak…“ mit Barmherzigkeit bedenken, dann muss ich an die „Nächsten“ denken: die Flüchtlinge sind hier, die genannten irakischen Christen sind weit weg. Man muss „zunächst“ den Flüchtlingen hier helfen. (Tun Sie ja auch.)

    Und „Verantwortungsethik“ haben alle Staatenlenker, darauf kann man sich nicht berufen. Sogar Hitler hatte eine.

    Was mir stattdessen zu schaffen macht ist das Gewaltpotential, das von männlichen Flüchtlingen und Migranten ausgeht. Wenn das zu viele Probleme bereitet, ist es bei mir mit (egal ob christliche oder nichtchristliche) Nächstenliebe und Barmherzigkeit vorbei.

    1. avatar

      Wollen Sie mich schwer beleidigen und die Geschichte der Politik und PHilosophie,die von Verantwortungsehtik spricht oder all die sozialen Bewegungen, die eine Verantwortungsethik einfordern?
      Hitler war ein Massenmörder ohne jedes Gewissen,ohne jede Ethik

  5. avatar

    Vielleicht meinen Sie ja, dass die institutionalisierte Barmherzigkeit der echten, zwischenmenschlichen Barmherzigkeit im Wege steht? Nach dem Motto: Die Politik soll nicht christlich sein, damit wir es sind? Damit uns nicht der Wind aus den Segeln genommen wird? Damit wir ordentlich was gegen die da oben zu meckern haben? – Das käme mir etwas, tja, pharisäerhaft vor.

    Ich dagegen bin froh, dass es diese Barmherzigkeit des Staates gibt; dann kann ich meine eigene weitestgehend auf meine Familie beschränken und muss nicht selber helfen, wozu ich weder Lust noch Zeit habe.

    1. avatar

      natürlich meine ich das nicht so,wie sie es unterstellen,wissen sie denn schon, wer die eventuell 50 Mrd zahlt trotz Schuldenbremse für die Integration auf allen Ebenen?

  6. avatar

    Lieber 68er,

    Sie loben die Pfarrerstochter für ihr

    „Wir schaffen das !“

    Leider hat es diese Pfarrerstochter, die nebenbei auch noch Regierungschefin unseres Landes ist, versäumt, mitzuteilen:

    1.) Was wir eigentlich schaffen sollen,

    2.) Wie wir das schaffen sollen,

    3.) Wer das eigentlich schaffen soll.

    Punkt 3.) ist am einfachsten zu beantworten, damit sind natürlich wir ALLE gemeint.
    Wobei, wie man meinem vorherigen Beitrag entnehmen kann sind die Sozialversicherungspflichtigen etwas stärker beteiligt als die Besserverdienenden, die nicht sozialversicherungspflichtig abhängig beschäftigt sind.

    Zu Punkt 1.) hat Frau Illner in ihrer gestrigen Talkshow einem Vertreter der Regierungskoalition die treffende Frage gestellt:
    Wollen wir es schaffen, daß unsere Nachbarn eines Tages alle Mohammed heißen, oder wollen wir es schaffen einer bestimmten Anzahl Flüchtlingen während eines Bürgerkrieges Schutz zu gewähren ?

    SPD-Fraktionschef Oppermann wußte es nicht, Frau Merkel hat dazu bisher geschwiegen, vielleicht wissen Sie als Merkel-Fan eine Antwort ?

  7. avatar

    Zunächst zu den Krankenkassen. Es bestehen erhebliche Zweifel, obd die Schätzungen stimmen, da die Altersstruktur der Flüchtlinge relativ niedrig ist, so dass die Pauschalen doch einigermaßen die Kosten decken. Der eigentliche Skandal ist der Umstand, dass eine eventuelle Unterdeckung nicht von der Gesamtgesellschaft gedeckt werden soll, sonder nur von den gesetzlich versicherten Arbeitnehmern.

    Zu Max Webers Gesinnungsgeschwurbel kann ich nur sagen, dass der ganze Vortrag „Politik als Beruf“ einer der verheerendsten Texte ist, die ich als Student gelesen habe. Da stecken so viele verquaste Behauptungen und Annahmen drin, die man tatsächlich nicht mehr Soziologie nennen kann sondern allenfalls, wie Sie, Philosophie. Ich würde das eher unter Theologie (Egoistischer Protestantismus) oder gar Esoterik einordnen.

    Bei der Debatte zum Irakkrieg im Bundestag warf Michael Glos den Kriegsgegnern vor, dass sie Gesinnungsethiker seien:

    „Wir wissen auch – lassen Sie mich das in diesen erns-
    ten Zeiten sagen –: Der gesinnungsethische Pazifismus
    mag als Haltung des Einzelnen akzeptabel und durchaus
    ehrenwert sein, zur Sicherung des weltweiten Friedens und zur Eindämmung von Diktatoren taugt er allerdings nicht. Hier ist Verantwortungsethik gefragt. Wer Saddam Hussein gewähren lässt, wird früher oder später für die Folgen des Wegsehens aufkommen müssen.“

    Die gleichen „Argumumente“ gab es schon bei den Jugoslawien-Krigen, beim Krieg in Lybien und jetzt in Syrien. Wer verantwortlich handelt, sollte später für seine Entscheidungen auch die Verantwortung tragen. Soweit Stimme ich mit Ihnen über ein, aber deshalb ist es auch richtig, dass die Kanzlerin diese Verantwortung übernimmt.

    Was soll das für ein Christentum sein, das Zuflucht Kontingentierung? Baut nicht der jüdisch-christliche Glaube auf den Geschichten und Erfahrungen von Verfolgung, Flucht und Vertreibung auf? Und kann man die Aufforderung, trotz allen Elends, allem Leids, an Gott zu glauben, wie sie zum Beispiel in der Geschichte Hiobs beschrieben wird, nicht auch so bestehen, dass man trotz alle dem seine Moral behalten soll? Gesinnungsethiker und Verantwortungsethiker sind Kampfbegriff, wer etwas anderes sagt, kennt entweder unsere Geschichte nicht oder lügt.

  8. avatar

    @ dbh

    Der bewueme Christ sucht sich meist das aus den Schriften heraus, was ihm passt. Es ist nicht nur die heilige Kleinfamilie Teil der großen Geschichte, das alte Testament beschreibt im Buch Exodus die Flucht eines ganzen Volkes und JHWH gibt dem lieben Mose daher auch ganz konkrete Handlungsgebote gegenüber Fremden mit dem expliziten Hinweis auf die eigene Flucht aus Ägypten. Da steht nichts von Kontingenten. Wenn man schaut, wie viele Flüchtlinge z. B. der Libanon und Jordanien aufgenommen haben, sind diese aus den warmen deutschen Couchlandschaften abgesonderten Larmoryanzen und Klagen für mich nur schwer erträglich.

    1. avatar

      Es sollte aber die christliche Ethik auch nicht voll überfordert werden, da die Exodusgeschichte und
      der Respekt gegenüber Flüchtlingen ja nicht meint, dass ein Land die meisten aufnehmen muss und dass
      die muslimischen Brüder in Qatar und Saudi arabien und die ölreichen Golfstaaten kaum welche aufnehmen,auch wäre die finanzielle IHlfe für die UNo lager dringend nötig gewesen seit Jahren, was die Merkelregierung ja auch nicht gemacht hat und wie wäre es, wenn die Kriege im Irak und in Syrien verhindert worden wären und die Grenzen in Lybien sofort gegen Waffenhandel kontrolliert worden wären?Ja, wer liegt denn reich und faul auf der Couch, doch die meisten einfachen Christen nicht,
      die sind die Ehrenamtlichen, eher wäre zu fragen,wer von den Reichen der Welt für eine andere Entwicklungspolitik bezahlt und nicht immer korrupte Eliten mit fördert oder den Mangel an Frauenrechten in den Ländern, aus denen die jungen MÄnner fliehen.Die IDee, Flüchtlinge in Kirchengebäuden unterzubringen fand ich sehr gut, doch auch der papst hat ja Aktien, wer von den reichen Steuerhinterziehern zahlt denn für die Flüchtlinge ,wer aus den Steueroasen?

  9. avatar

    Nein, ich will Sie nicht beleidigen. Falls das den Eindruck erweckt hat, entschuldige ich mich.
    Hitler, Stalin, Mao usw. usf. hatten alle eine (abwegige) Vorstellung vom Guten und vom Bösen. Bei Hitler: Arier = gut, Juden = böse, und damit hatte er eine Ethik. Damit rechtfertigte er seine Verbechen. Oder glauben Sie, er meinte, etwas Böses zu tun? Eine Ethik ist die Grundlage für eine Handlung. Ohne Ethik macht man – gar nichts.

    Wie dem auch sei, hinter einer „Verantwortungsethik“ kann man schlimme Sachen verstecken. Kaum jemand begeht ein Verbrechen mit der Haltung, etwas Schlechtes zu tun. Meist steht ein Impuls dahinter, etwas Wichtiges, Gutes, Verantwortliches zu tun. Zumindest Notwendiges.

    1. avatar

      Danke für die Entschuldigung, nur sind Ziele zu haben und sich im Recht zu fühlen nicht dasselbe wie eine Ethik, die schon sich auf religiöse oder philosophische Traditionen beziehen sollte.Ich meine mit Verantwortungsethik auch keine opportunistische Machtpolitik, gutes Handeln persönlich wie politische braucht immer eine gute Balance von Gesinnungs und Verantwortungsethik, wobei ich grausame Verfolgung von Menschen und Zerstörung der Demokratie und Angriffskriege vollkommen ausschliesse als Felder von Ethik.DAs kann man dem alten griechischen Wort nicht antun und Worte sind ja auch mal erfunden worden, um das Nachdenken zu klären.Sie haben Recht, dass gerade in der Massenmedienwelt von heute geguckt werden muss,was wie warum wie gerechtfertigt wird und was wirkliche Handlungsorientierung von Kirchen oder Medien oder Politikoberen oder auch von denen unten ist

  10. avatar

    Hinzu kommt die große Unübersichtlichkeit. Der Verantwortungsethiker meint, er könne die Folgen seiner Handlung abschätzen (und nur auf die käme es an). Aber kann es das wirklich? Bei kleineren Handlungen mag das ja noch klappeen, aber bei Konzepten gerät man schnell in eine Schieflage. Was wenn man sich irrt? Dann wird gehobelt und es fallen Späne und am Ende ist es kaputt. In der Verantwortungsethik steckt ein großer Anspruch, man könnte auch sagen: Anmaßung; die Gesinnungsethik ist eine Nummer kleiner.

  11. avatar

    @68er

    … werter 68er, nix für ungut, Sie suchen sich passendes aus den Schriften. Die hebräische Bibel, Tanach, wird von den Christen nicht ohne Grund als das ‚Alte Testament‘ benannt. Für Christen gilt das ‚Neue Testament‘.

    Beim Exodus ‚handelt sich um eine „kulturelle Gedächtnisgeschichte“, und nicht um „Darstellungen konkreter Ereignisse“.

    Wenn Sie so wollen, ist die sogenannte, gegenwärtige, ‚Flüchtlingskrise‘ schon jetzt keine Darstellung konkreter Ereignisse, sondern eine massive Ermutigung der Schlepperei, eines inzwischen von Mafia und Islam-Extremismus kontrollierten Milliardengeschäfts, das zahllose illegale Wege geht (keineswegs nur auf der sogenannten Balkanroute).

  12. avatar

    Klar, Ziele sind noch keine Ethik, bilden aber eine Vorstufe zur Ethik. Ein Ziel zu erreichen ist „gut“, es zu verfehlen „schlecht“. Außerdem hatten Hitler/Stalin/Mao usw. keine willkürlichen Ziele, sondern eine tiefer wurzelnde Ideologie, die auf einer bestimmten Ethik basierte. Totalitäre Systeme kommen nicht ohne Ethik aus; sie werden sogar zu ethischen Durchlauferhitzern. Das Gewissen wird überhitzt (im Dritten Reich wurde die Vernichtung der Juden von einigen mit Hingabe und Leidenschaft betrieben; es war geradezu eine Gewissensfrage).

    Aber vielleicht definieren Sie Ethik auf der Basis von bestimmten philosophisch-religiösen Sätzen? Dann kann natürlich alles, was abweicht, keine Ethik sein. Für mich ist Ethik allgemein die Manifestation von „gut“ und „böse“ (schlecht).

    Und Kriege, gerade Angriffskriege, werden eigentlich immer ethisch gerechtfertigt. Sonst würde keiner mitmachen, denn wer lässt sich schon gern abknallen. Dass Sie Kriege per se unethisch finden, zeigt nur, dass Sie (und ich auch) eine andere Ethik als Bellizisten haben.

  13. avatar

    Man kann das übrigens sehr gut aktuell am IS sehen. Viele meinen, die benutzen die islamische Religion nur als Deckmäntelchen. Als wären die ganzen religiösen Sprüche eigentlich überflüssig. Das Gegenteil ist der Fall. Die Aufladung der Polarität Gut/Böse ist essentiell und extrem. Kein Mensch würde sich nach Syrien aufmachen, wenn ihn dort nicht das Versprechen des Paradieses – die absolute Belohnung für „gutes“ Handeln – locken würde.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Scroll To Top