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Ein echter Experte: Thomas Urban zerreißt die deutsche Ostpolitik – Eine Rezension

Thomas Urban, der langjährige Korrespondent der „Süddeutschen Zeitung“ in Moskau, Kyiv und Warschau, hat ein neues Buch vorgelegt: „Verstellter Blick – Die deutsche Ostpolitik“. Geschrieben kurz vor dem Krieg gegen die Ukraine. Auf gerade einmal 190 Seiten schafft Urban es, deutsche politische Lebenslügen klar und sachlich auseinanderzunehmen.

Seit dem Überfall von Putins Russland auf die Ukraine am 24. Februar hat sich, erst zaghaft, dann zunehmend stärker werdend, ein seltsamer Diskurs hierzulande entwickelt. In Talkshows sitzen Menschen wie Svenja Flaßpöhler, die „Offene Briefe“ unterzeichnen, in denen sie die Sinnhaftigkeit der Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine in Frage stellen und behaupten, „die Fortführung des Krieges mit dem Ziel eines vollständigen Sieges der Ukraine über Russland“ bedeute „Tausende weitere Kriegsopfer, die für ein Ziel sterben, das nicht realistisch zu sein“ scheine.

Die Nicht-Experten, die „Offene Briefe“ schreiben

Inzwischen haben zwei der Briefschreiber, Richard David Precht und Harald Welzer, beide wie Flaßpöhler Dauergast in diversen deutschen Talkshows, gar für den September ein gemeinsames Buch angekündigt, in dem sie ganz im Sound jener, die dies seit Jahren von rechts behaupten, den Medien eine „Selbstgleichschaltung“ unterstellen. Es ist zu befürchten, dass Precht und Welzer mit ihrer abseitigen These auch wieder Dauergast im Fernsehen und Radio sein werden. Wie der Rest der Briefschreiber sind sie allerdings bisher nicht mit einer Expertise zur Ukraine und militärischen Themen aufgefallen. Vielmehr reden sie, pardon, zum Thema im Fernsehen irgendetwas daher.

Zugleich will der deutsche Bundeskanzler bis heute nicht fordern, dass die Ukraine den Krieg gewinnen muss. Er kann sich lediglich dazu durchringen, zu sagen, dass Russland ihn nicht gewinnen darf, was auch immer das heißen soll.

Thomas Urban entlarvt, wie gleichgültig Deutschland traditionell gegenüber Osteuropa war

In Mittel- und Osteuropa ist, so muss man es leider sagen, das Ansehen Deutschlands infolge dieser Entwicklungen in Politik und Publizistik fast auf einem Nullpunkt angekommen, nicht nur in der Ukraine, sondern besonders auch in Polen und den baltischen Staaten.

Das hat auch viel damit zu tun, dass sich die jetzige Entwicklung in eine jahrzehntelange Vorgeschichte zur deutschen Ostpolitik einfügt, die für Deutschland alles andere als rühmlich ist. Denn auch unter der von so vielen nach wie vor hochgelobten, besser: verklärten Ostpolitik von Willy Brandt ging es eigentlich immer nur um Deutschland und Russland. Nicht aber um die Länder dazwischen, ganz besonders nicht um Polen. Darüber ist aber hierzulande erstaunlich wenig bekannt. Das muss sich dringend ändern. Und zwar am besten durch die Lektüre des im März erschienenen Buchs „Verstellter Blick – Die deutsche Ostpolitik“ von Thomas Urban, erschienen im fotoTAPETA-Verlag.

Deutsche Talkshows laden kaum wirkliche Osteuropa-Experten wie Urban ein

Thomas Urban kennt sich profund aus. Er war für die „Süddeutsche Zeitung“ von 1988 bis 2012 Osteuropa-Korrespondent mit Stationen in Moskau, Kyiv und Warschau. In Warschau lebt er nun seit vielen Jahren. Er kennt die polnische Seele. Und hat, wie auch andere Deutsche, die in Polen leben und dort als Journalisten tätig sind, einen empathischen und kenntnisreichen Blick auf die Länder zwischen Deutschland und Russland, der Leuten wie den Briefschreibern abgeht. Komischerweise aber kommen diese wahren Experten im derzeitigen deutschen Diskurs kaum vor. Das irritiert und ist, mit Blick gen Osteuropa, beschämend.

Ganz besonders irritiert, warum Thomas Urban nicht in deutschen Talkshows zu sehen ist. Ausgerechnet er nicht, der so viel weiß und zu sagen hätte. Eigentlich sollte besonders er mit seinem neuen Buch dort sehr präsent sein. Denn Urban schildert auf 190 Seiten eine Fülle von Fakten, die all das aufzeigen, was in der deutschen Ostpolitik gegenüber den Ländern zwischen Deutschland und Russland schiefgelaufen ist. Marko Martin hat für „Deutschlandfunk Kultur“ mit Recht eine fulminante Rezension verfasst und schreibt:

Nicht hämisch-besserwisserisch und schon gar nicht – wie die vom jetzigen Bundespräsidenten gern benutzte Selbstexkulpierungsformel lautet – „im Licht der gegenwärtigen Ereignisse“.

Urbans konzises Buch, das besonders auf dem Blick der Osteuropäer auf Deutschland fokussiert, ist nämlich bereits vor Russlands erneutem Überfall auf die Ukraine in Druck gegangen.“

Und weiter:

Ohne die autoritären Tendenzen im gegenwärtigen Polen unter der Regierung der Kaczynski-Partei kleinzureden, weist Urban darauf hin, dass sich konservative und liberal-proeuropäische Kräfte dort zumindest in einem absolut einig sind: Der deutschen Perspektive, die von „unserem Nachbarn Russland“ schwadroniert, wird eine unbewusst fortwirkende mentale Prägung durch den Hitler-Stalin-Pakt attestiert – ein Einteilen Osteuropas in Einflusszonen, ohne Achtung vor den Staaten „dazwischen“.“

Auch die liberalen Strömungen in Polen sind von Deutschland massiv enttäuscht

Hier ist genau das viel zu wenig bekannt. Es ist, was Polen angeht, keineswegs nur die PiS-Partei, die Deutschland massiv wegen der laxen Haltung und den ausbleibenden Waffenlieferungen scharf kritisiert. Der polnische Präsident Andrzej Duda hat der deutschen Regierung sogar „Wortbruch“ vorgeworfen, weil sie Vereinbarungen zum „Ringtausch“ nicht einhält, also Polen nach wie vor trotz all der Versprechen keinen Ersatz für die Lieferung der Kampfpanzer sowjetischer Bauart liefert, die das Land an die Ukraine geliefert hat. Aber es sind eben auch die liberalen Kräfte, die massiv enttäuscht sind. Urban schreibt:

Aufgrund der traumatischen Erfahrungen, Polen als Kulturnation auszulöschen, verfolgt man in Warschau in allen Lagern von links bis rechts argwöhnisch jede Äußerung, jeden Schritt in der Bundesrepublik. Für die deutschen Medien steht fest, dass an den heutigen miserablen Beziehungen zwischen Berlin und Warschau die polnische Führung um Jarosław Kaczyński schuld ist. Doch die Dinge sind komplizierter.“

Und warum sie es sind und inwiefern es eine Vorgeschichte gibt, schildert Urban sachlich, klug und beeindruckend kenntnisreich. Diese Vorgeschichte begann bereits im Kalten Krieg. Besonders erschütternd sind die Fakten, die im Kapitel „Nostalgie nach Entspannung“ aufgeführt sind.

„Nostalgie nach Entspannung“: Deutschlands Blick ging stets einseitig-anbiedernd gen Moskau

Deutschland ging es auch damals schon primär um das Verhältnis von Russland. Und ausgerechnet Polen, das Nachbarland, dem Deutschland sehr viel angetan hat, störte dabei. Doch nicht nur Polen. Auch die anderen Länder zwischen Deutschland und Russland. So wie die Briefschreiber aktuell die Ukraine stört. Urbans Äußerung im Vorwort des wie gesagt kurz vor dem Krieg verfassten Buchs bekommt so eine besondere Relevanz:

Doch die Risse zwischen der Bundesrepublik und ihren Nachbarn bekümmern die deutsche Gesellschaft anscheinend nur wenig. Die Deutschen wirken selbstbezogen, sie sind all der aus dem Land über sie hereingebrochenen Krisen – Banken, Euro, Ukraine, Flüchtlinge, Trump, Corona, offenbar überdrüssig.“

Und ja, in der Tat, die Selbstbezogenheit zeigt sich aktuell sehr; selbst die Fragestunde letzte Woche Mittwoch im Bundestag kümmerte sich mehr um Energie- und Klimathemen als um die Ukraine. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ jedenfalls titelte treffend zynisch: „Und was wird aus uns“?

Zurück zur Historie. Und die hat es in sich. Im bereits erwähnten Kapitel „Nostalgie nach Entspannung“, das hier exemplarisch für das insgesamt luzide Buch herausgegriffen werden soll, nennt Urban wie bereits gesagt erschütternde Fakten, die hierzulande zu wenig bekannt sind.

Während Deutschland ab 1975 an „Wandel durch Annäherung“ glaubte, zog der KGB die Zügel gegen Regimekritiker an

So beschreibt Urban, wie man nach der KSZE-Schlussakte 1975 im Westen dachte, diese sei ganz großartig, ein „Meilenstein beim ‚Wandel durch Annäherung‘“. Tatsächlich aber zog der damalige KGB-Chef Juri Andropow, der später ab von 1983 bis 1984 für kurze Monate bis zu seinem Tod Chef der Sowjetunion werden sollte, im Land ganz gegenteilige Konsequenzen. So ähnlich wie der frühere KGB-Chef Putin, der alle Annäherung an den Westen in brutalster Form aufgegeben hat. Urban schreibt:

Doch KGB-Chef Juri Andropow sah in Meinungs- und Versammlungsfreiheit Gefahren für die Parteiherrschaft, der KGB ging unbarmherzig gegen Regimekritiker vor.“

Ein Déjà-Vu. Der von Steinmeier et. al auch lange danach verklärte Putin sollte genau das ebenfalls wenige Jahre nach seinem Amtsantritt tun.

Der abgründige Umgang Deutschlands unter der SPD mit der Solidarność-Gewerkschaft

Zurück aber zu Polen. Und hier wird die Anbiederung an damals noch die Sowjets wirklich unangenehm für Deutschland. Urban schreibt wie, ja so drastisch muss man es sagen, mies in Deutschland mit der „Solidarność“-Gewerkschaft umgegangen wurde, die sich 1980 nach dem Besuch des polnischen Papstes Johannes Paul II. mit Lech Wałęsa als Anführer in Danzig gegründet hatte:

Die in Bonn regierenden Sozialdemokraten empfanden die Solidarność als Störfaktor bei ihren Versuchen, die Entspannungspolitik wiederzubeleben. Dass streikende Arbeiter unter Bildern von Johannes Paul II. auf dem Gelände der Danziger Lenin-Werft vor einem Priester zur Beichte niederknieten, rief in den westeuropäischen Ländern Abwehrreflexe hervor.  Die führenden Köpfe der SPD zogen es vor, sich von der Solidarność, die als erzkonservativ und romantisch-revolutionär begriffen wurde, fernzuhalten, obwohl deren Wirtschaftsprogramm klassisch-sozialdemokratisch war.“

Heute entspricht es dem wissenschaftlichen Stand, dass Johannes Paul II. entscheidend dazu beigetragen hat, das Sowjetregime zu Fall zu bringen.

Doch die SPD wollte das damals nicht sehen. Solidarność störte in der „Neuen Ostpolitik“. Es wird noch schlimmer und Thomas Urban, das ist die so große Stärke seines Buchs, zoomt den Leser mitten hinein in die damalige Zeit. Ich weiß wirklich viel über das, was damals war, weil mein Vater als SPD-Mitglied immer sehr kritisch gegenüber dem Ostblock war und gar nichts verklärt hat. Ich weiß also aus meiner Kindheit, dass der in Polen von 1981 bis 1989 als Staatschef amtierende General Jaruzelski eine Puppe der Sowjetunion war. Nicht aber wusste ich, dass er im Dezember als Reaktion auf die friedlichen Proteste der Solidarność das Kriegsrecht verhängt hatte. Noch weniger wusste ich, wie entgegen ihrer eigenen Werte der Menschenrechte die SPD darauf reagiert hat.

Exemplarische Zitate zum inakzeptablen Umgang mit Solidarność aus Urbans lesenswertem Buch

Thomas Urban beschreibt es:

Schmidt wurde von der Verhängung des Kriegsrechts über Polen bei einem Besuch der DDR überrascht. Er äußerte Verständnis dafür, ‚dass dies nun notwendig war#. Es gelte, an der Entspannungspolitik festzuhalten. Völlig anders aber sah das die sozialistische Regierung Frankreichs unter Mitterand, die Jaruzelski scharf kritisierte. Die französische Presse warf den deutschen Sozialdemokraten vor, ‚schamlos an Fiktionen festzuhalten‘, es se Wunschdenken, durch das Vermeiden von Kritik die Dinge zum Besseren wenden zu können.“

Um den Kriegsrechtsgeneral Jaruzelski nicht zu verärgern, vermied Willy Brandt es 1985 bei einem Besuch in Warschau, den zum großen Verdruss der Parteiführung ebenfalls mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichneten Lech Wałęsa zu treffen. (…) Bei einer früheren Gelegenheit hatte es Brandt bereits abgelehnt, mit dem linksliberal orientierten Dissidenten Adam Michnik über Wege zur Demokratisierung Polens zu reden. Osteuropäische Regimegegner warfen Brandt Kumpanei mit den Mächtigen vor und hielten ihm das Beispiel Johannes Pauls II. vor.“

Das Ausweichen Brandts war eine lang nachhallende Enttäuschung für die polnischen Menschrechtler; sie hatten gerade auf die Unterstützung des in der ganzen Welt angesehenen Friedensnobelpreisträgers gesetzt, der zudem Präsident der Sozialistischen Internationale war.

Geradezu für Empörung sorgte Egon Bahr: Er beschuldigte die Solidarność, den Frieden in Europa auf Spiel zu setzen, da eine Destabilisierung der Volksrepublik Polen das Gleichgewicht der Militärblöcke gefährde.“

Der SPIEGEL-Herausgeber lobte Jaruzelski, dieser habe mit dem Kriegsrecht den Frieden in Europa gerettet. Augstein ging sogar so weit. Papst Johannes Paul II. vorzuwerfen, durch seine Unterstützung der Solidarność‘ hinter der Fassade des Maienkults eine friedensbedrohende Politik zu betreiben.“

All das sei wie gesagt nur exemplarisch herausgegriffen, um aufzuzeigen, wie fundiert Thomas Urban all die Irrtümer der deutschen Ostpolitik erklärt. Das gilt erst recht für diejenigen zur Ukraine um Nord-Stream II, die in anderen Kapiteln genau dargestellt werden.

Thomas Urbans „Versteller Blick“ ist ein großes Buch und dass es mit unter 200 Seiten so schnell und gut lesbar ist, zeichnet es ganz besonders aus.

Liebe deutsche Talkshows, bitte ladet Thomas Urban ein.

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3 Gedanken zu “Ein echter Experte: Thomas Urban zerreißt die deutsche Ostpolitik – Eine Rezension;”

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    Eine sehr gute Rezension zu einem sehr guten Buch! Dank an die Autorin. Werde dies sogleich meinen Facebook-Freunden und Twitter-Verfolgern empfehlen.

    Es beschämt mich ansehen zu müssen, wie der bekennende Tschekist Putin aus Deutschland eine supereffiziente Propagandawaffe gemacht hat, die er fast nach Belieben einsetzt.

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      Danke Ihnen sehr für diesen Kommentar und das Teilen auf FB und Twitter! Freue mich sehr, denn dieses Buch verdient wirklich Aufmerksamkeit!

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    Meine Blicke auf die Kommentare dieses Blockes scheinen seit Juni auch verstellt, denn ich bekomme diese nicht angezeigt, wenn ich versuche, sie aufzurufen.
    Was ist ein wahrer Experte? Ich bin jedenfalls kein Experte. Vielleicht kaufe und lese ich das Buch von Thomas Urban noch. Allerdings »Deutschenschelte« – besonders gegen Links, Grüne, Intellektuelle und Politiker – hatte ich schon vor Jahren ausreichend bei achgut.com gelesen – oft auch mit historischen Fakten aus dem Steinbruch der Geschichte flankiert und alarmistisch für die Zukunft. Das versetzte mich damals in Ängste. Die CDU/CSU kam dort auch nicht gut weg, denn auch sie hatte in der Geschichte ihren Anteil. Man denke nur an Franz Joseph Strauss, der den Milliardenkredit an die DDR genehmigte und der dann ebenfalls scharf kritisiert wurde. Deutschlandschelte kam auch von D. Trump. Hat es etwas bewirkt angesichts der Vorgänge in den USA? Die Medien waren voll mit Empörung. Heute können sich jene bestätigt fühlen, die vor Russland warnten. Gleichzeitig sollte man auch feststellen, dass jene, die diese Deutschenschelte und Politikerschelte verbreiteten, mit Wegbereiter der AfD in Deutschland, besonders Ostdeutschland, und damit für ihr eigentliches Anliegen einer strengeren Russlandpolitik eher kontraproduktiv waren, denn die AfD hat eben jene Verbundenheit mit Russland und China (Seidenstraße) in ihr Wahlprogramm geschrieben. Persönlich vermisste ich über all die Jahre ein Plan B in der Energiepolitik. Heute sind es die Grünen, die mit ihrer Außenministerin, an der Seite der Ukrainer stehen. Grundsätzlich finde ich, dass das Ansinnen, einen Krieg zu vermeiden, angesichts der heutigen Zerstörungsmöglichkeiten und der gezeigten Brutalität gegen Soldaten und Zivilisten seitens der russischen Angreifer nicht grundlegend falsch ist. Man muss nicht Putin-Apologet sein, um sich über die Folgen eines Krieges zu Sorgen. Ob Osteuropa nun aus Enttäuschung über Deutschland einen autoritären Rechtsruck vollzog oder weil man der Demokratie und der Migration insgesamt skeptischer gegenüber stand und gern allerlei Verschwörungstheorien glaubte, müssen die Historiker erforschen. Vor kurzem las ich in Anne Applebaums »Die Verlockung des Autoritären« über die Veränderungen in Polen, den Fall Smolensk und das Gesetz, „das die öffentliche Debatte über den den Holocaust unterbinden sollte“. Jeder schreibt sein Narrativ. Die einen glauben an die »Entspannungspolitik« als Auslöser der Implosion des Sozialismus, andere sehen Reagans Atompolitik als Ursache. Vielleicht liegt das Geheimnis dazwischen. Als Bürger muss ich mich darin verhalten. Persönlich erinnere ich mich gut an die Ausrufung des Kriegszustandes in Polen 1981 und unsere Sorgen als Jugendliche vor einem drohenden Atomkrieg in Europa. Die Gründung von Solidarność nannte die DDR damals »Konterrevolution«, dies führte zu bösartigen Parolen, zur Verbreitung von Stereotypen in der DDR-Presse und später zu organisierten Solidaritätsaktionen. https://www.mdr.de/geschichte/polen-ddr-solidarnosc-honecker-100.html Manche dieser Stereotype sind langlebig und kommen oft im neuen Gewand wieder. Im Jahre 1984 war ich im Studentensommer in Krakau mit einem Auftrag mit den Arbeitern über Solidarność zu diskutieren. Das veranlasste mich später, darüber nachzudenken, was man überhaupt zu sehen bekommt.

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