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Honecker-Schergen

Es ist für kleine Lichter wie unsereinen immer schön, von Bestsellerautoren zitiert zu werden. Mir hat neulich Jan Fleischhauer fast eine ganze Kolumne auf SPON gewidmet. „Ich kenne ihn nur flüchtig“, schreibt Fleischhauer, „aber nach dem, was ich bislang von ihm gelesen habe, hatte ich den Eindruck gewonnen, dass auch er eher zu den Leuten gehört, die gegen die Radikalisierung der Gesellschaft sind. Wer zum ersten Mal seine Facebook-Seite besucht, käme nie auf die Idee, dass es sich um die Seite eines Wutjournalisten handeln könnte. Das Profilbild zeigt einen freundlich lächelnden Herren über 60, der Blues und malerische Landschaften mag.“

Stimmt. Obwohl ich eher den Rock and Roll als den Blues mag; aber einem jungen Kollegen wie Fleischhauer ist der Unterschied vielleicht nicht so klar. Ich finde ihn wichtig, weil ich nicht zufällig den Rock and Roll mag; er ist ein Mittel, überbordende Lebensfreude und Todesverachtung auszudrücken, aber auch Wut und Frustration loszuwerden, ohne dass man sich und anderen wehtut. Nicht jeder empfindet dieses Bedürfnis nach dem Dionysischen. Nicht jeder, der es empfindet, hat ein solches Ventil. Dieses Bedürfnis hat auch mit einer leichten Erregbarkeit zu tun, die mich schon öfter in Bedrängnis gebracht hat. Vor vierzig Jahren etwa passierte Folgendes: den Vorfall gebe ich in den Worten des Landgerichts Berlin wieder:

„Der Angeklagte ist Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Am 23. Januar 1976 verkaufte er vor dem Werktor der Firma AEG in Berlin 65, Hussitenstraße Ecke
Gustav-Meyer-Allee, die (…) Zeitung ‚Die Rote Fahne‘. Außerdem hatte er (…) gemeinsam mit unerkannt gebliebenen Parteigenossen einige Plakate der KPD mit Tesakrepp an die Fabrikmauer und an eine in der Nähe befindliche öffentliche Bedürfnisanstalt geklebt.

Die Zeugen PM (Polizeimeister) P. und PM Sch., die als Besatzung eines Funkstreifenwagens den Hinweis auf das unbefugte Plakatieren erhalten hatten, sprachen den Angeklagten an. Sie erklärten, dass ‚wildes Plakatieren‘ vorliege und forderten den Angeklagten auf, seinen Personalausweis zu zeigen. Der Angeklagte erklärte mit lauter Stimme, das Eingreifen der Polizeibeamten sei unrechtmäßig. Solche Schikanierungen würden zu Verhältnissen führen, wie sie ab 1933 in Deutschland geherrscht hätten und wie sie noch heute in der DDR bestünden.“

Unsinn natürlich. Richtig ist allerdings, dass das Eingreifen unrechtmäßig war. Die Plakate waren mit Tesakrepp (!) befestigt, es lag keine Sachbeschädigung vor, und konsequenterweise gab es deswegen auch keine Anzeige gegen mich. Weiter im Text:

„Die Zeugen P. und Sch. ergriffen daraufhin den Angeklagten (…) und führten ihm zum Funkwagen, ohne dass der Angeklagte hiergegen nennenswerten Widerstand leistete.“

Wäre auch zwecklos gewesen. Zwei gegen einen. Dennoch wurde ich zunächst auch wg. Widerstands gegen die Staatsgewalt angeklagt: Zeugen: P. und Sch. Nicht so schlimm, das war damals Usus.

„Die Beamten schoben den Angeklagten in den Funkstreifenwagen, einen VW-Bus , hinein, um ihn zur Feststellung seiner Personalien zum Polizeirevier zu bringen.“

Wo man dann unter sich war und es für das, was folgte, keine Zeugen gab. Kleine Knuffe und dergleichen. Nicht so schlimm. Das war damals Usus.

„Auf der Fahrt zum Polizeirevier, die etwa 10 Minuten dauerte, versuchte der Angeklagte, mit den Polizeibeamten ein politisches Gespräch zu führen. Er bemühte sich, den Beamten darzulegen, dass eine akute faschistische Gefahr in der Bundesrepublik bestehe. Dabei wies er auf die Notstandsgebung (sic), Beschränkungen von Strafverteidigern und die sogenannten Berufsverbote hin. Er zog Parallelen zu den Verhältnissen in der DDR, die er als einen faschistischen Staat bezeichnete. Er erklärte, dass die Wiedervereinigung nicht mehr weit sei. Die Polizeimethoden in der Bundesrepublik seien schon dieselben wie in der DDR.“

Also, das erscheint mir wie eine sehr verkürzte Darstellung der Linie der KPD, aber wer weiß, vielleicht habe ich das in der Erregung so oder ähnlich gesagt. Man muss dazu wissen, dass sich unsere Zeitung und Plakate damals hauptsächlich gegen den „sowjetischen Sozialimperialismus“ richteten, eine demokratische Revolution in der DDR und die anschließende Wiedervereinigung forderten.  Zwölf Jahre später war es so weit, aber daran hatte diese Aktion nicht den geringsten Einfluss. Zu den Leuten aber, die die unabhängige Gewerkschaftsbewegung in Polen und die Gärung in Osteuropa allgemein unterstützten, gehörten Ex-KPDler wie Christian Semler, Ruth Haase und Karl Schlögel.

„Die Polizeibeamten ließen sich auf kein Gespräch mit dem Angeklagten ein. (…) Der angeklagte redete gleichwohl erregt weiter.“

Klingt absolut nach mir.

„Er beschimpfte die Zeugen. Um ihnen gegenüber seine Nichtachtung zum Ausdruck zu bringen, nannte er die Zeugen „Honecker-Schergen“, die sich vom Osten bezahlen lassen sollten. (…) Der Angeklagte hat bestritten, die Zeugen P. und Sch. ‚Honegger-Schergen‘ (sic) genannt zu haben, die sich vom Osten bezahlen lassen sollten. Es entspreche nicht seiner Art und auch nicht der Parteilinie der KPD, einzelne Polizeibeamte anzugreifen. Vielmehr sei für deren Verhalten ausschließlich die politische Führung verantwortlich zu machen.“

Stimmt. Und ich war mir damals relativ sicher, die Wahrheit zu sagen. Ursprünglich hatte der Vorwurf ja geläutet, ich hätte die Beamten „Honegger-Schweine“ genannt, also Marzipanschweine. Das war natürlich absurd, und deshalb haben die Zeugen später ihre Aussage geändert. Aus heutiger Sicht kann ich allerdings nicht ausschließen, in der Situation verbal ausgerastet zu sein.

„Der Angeklagte hat sich der Beleidigung gemäß §185 StGB schuldig gemacht (…) (und) die Zeugen in ihrer Ehre gekränkt. Diese haben die Äußerungen auch als Kundgebung der Missachtung verstanden. (…) Bei der Strafzumessung war zu Lasten des Angeklagten zu berücksichtigen, dass er zur Tatzeit bereits einmal wegen versuchter Gefangenenbefreiung in Tateinheit mit Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vorbestraft war.“

Ich hatte nämlich zu Weihnachten 1972 während einer Demonstration gegen die Bombardierung Haiphongs  im Dortmunder Hauptbahnhof einer festgenommenen Genossin geholfen, aus dem Polizei-Bully zu entkommen, war jedoch anschließend selbst festgenommen worden. Den anschließenden Prozess hatten wir zu einem „Tribunal gegen die Klassenjustiz“ erklärt, was vermutlich dumm war, wenn man freigesprochen werden wollte. Blöd auch, dass sich Vietnam später zu einem festen Verbündeten der „sowjetischen Sozialimperialisten“ entwickelt hatte. Wie viele Schläge ich für die eingesteckt habe … Na ja, Schwamm drüber.

 „Zu Gunsten des Angeklagten hat das Gericht berücksichtigt, dass er sich aus einer verständlichen Erregung heraus zu den beleidigenden Äußerungen hinreißen ließ. Eine  Geldstrafe von 20 Tagessätzen (à 15 DM) erschien der Kammer (…) angemessen.“

 „Verständliche Erregung“! Immerhin. Damals fand ich die Verurteilung schlimm. (Half nicht beim Ansinnen, Studienrat zu werden.) Heute finde ich bemerkenswert, wie weit das Gericht mit dieser Feststellung mir entgegenkam. 300 DM war zwar viel Geld, aber bezahlbar. Schlimmer war die Rechnung meiner Anwälte, von denen einer später, wie mir Jahrzehnte später ein Polizeibeamter erzählte (ich bin ja gerichtlich beeidigter Dolmetscher und gehe bei der Polizei aus und ein), Anwalt der russischen Mafia in Berlin wurde. Und ich habe ihm zu seinen ersten Einkünften verholfen!  Seufz.

Die Lehre: auch bei „verständlicher Erregung“ ruhig bleiben, sonst gibt’s verständliche Senge. Dass es mir schwerfällt, hat aber, lieber Kollege Fleischhauer, nichts mit neumodischem Kram wie Facebook (und schon gar nichts mit dem Alkohol) zu tun. Sondern mit dem Rock and Roll.

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35 thoughts on “Honecker-Schergen

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    Lieber “Hintermbusch”,
    sonderbar, sonderbar, was Sie da zur Kernenergie und zur Wende schreiben:
    “Weder in Frankreich noch in England wäre Merkel mit ihren willkürlichen Kehrtwenden so durchgekommen wie in Deutschland.”
    Willkürlich?? Schon vergessen, was da in den der Pazifik gespült wurde und noch nicht gestoppt ist? Die Umstellung auf vielfältige Energiequellen, die nicht so gefährlich sind und auch keine unlösbaren Probleme bei der Endlagerung machen, war überfällig. Sie hat kurz- und langfristig Wahlen in Richtung schwarz-grün in Musterländern der Schwarzen ermöglicht, schon vergessen? Dass Frankreich so unbeweglich ist, das ist kein Grund für Deutschland die Energiewende zu verschlafen. Frankreich macht schon seit Jahrzehnten weder eine Wirtschaft- noch eine Energiepolitik, die überzeugt.
    Auch sehe ich bei den Neuen Rechten in Deutschland (und in der Welt) nicht mehr das Autoritäre im Vordergrund, sondern eine unfassbare Verantwortungslosigkeit, eine Haltung, die Fakten und Meinungen verwischt (was Sie übrigens auch tun!). Diese hemdsärmeligen Polemiker und diese nur noch auf Durchsetzung setzenden Neuen Frauen sind alle auf eine äußerst unangenehme Weise populistisch, also gerade nicht mehr auf einen hierarchisch strukturieren (die vertikale Achse, von der Sie reden) Obrigkeitsstaat fixiert. Im übrigen hatten auch die Nazis zunächst einmal die vertikale Achse zerstört. Das taten sie zugunsten einer Ideologie der Bewegung, eine sich überschlagende Radikalisierung und einen permanenten Überbietungs – Wettbewerb – bis in den Untergang.
    Ich bin selten stolz auf “die deutsche Politik” (?) gewesen: in den 1070er war die SPD sehr hilfreich, nun sind es diejenigen, die Frau Merkels und auch Herrn Kretschmanns analytischem Vermögen folgen und die ihre Bescheidenheit mögen. Vernunft war nie und ist nicht an Parteien gebunden. In der CDU/CSU sind viele dumme und dreiste Politiker und bei den Grünen sehe ich die Hoffnung nicht mehr gut aufgehoben. Auch die SPD ist nicht mehr das, was sie mal war. Es sind neue Kombinationen gefordert. Aber das schafft man nicht mit so haltlosen Behauptungen. Ihre Art der Debatte ist einfach ärgerlich und rückständig, mit Verlaub.

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      Im Pazifik ist noch viel mehr, aus Russland, von Atombombenversuchen usw. Und wer wird am ältesten auf der Welt? Die Japaner, nein so was! Und all dieser Thun mit Quecksilberresten, den die Japaner verspeist haben! Plus die Strahlung von 1945.

      Die zweite Strahlenquelle sind Berge. Bergbevölkerung kann sehr alt werden. Statistisch erfasst ist das auf Island. Der Himalaya wäre auch eine diesbezügliche Untersuchung wert.

      Alles eine Frage der Dosis, Frau Frommel. Ein wenig Strahlung kann gesund sein. Fragen Sie mal an der Uni Kiel. So lange die verträgliche Dosis nicht überschritten wird, besteht kein Grund zu Hysterie.

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      Frau Frömmel, Sie glauben aber selbst nicht wirklich, was Sie schreiben, oder?
      “Willkürlich??”
      Natürlich völlig willkürlich: ein halbes Jahr zuvor hatte Frau Merkel den (besseren) Kompromiss von Fischer und Schröder zur Kernenergienutzung anlasslos geschreddert. Die grundsätzlichen Risiken der Kernenergienutzung waren da ebenso bekannt wie nach Fukushima, und die besonderen Risiken, die in Fukushima zugeschlagen haben, gibt es in Deutschland nicht. Im Ergebnis hat Frau Merkel eine Kernenergiepolitik nach Gutsherrenart gemacht: reine Willkür, verantwortungslos, unseriös, rechtswidrig. Ich bin übrigens Physiker und (im Gegensatz zu Mutter Blamage) immer ein Kernenergieskeptiker gewesen. Für eine Blitzabschaltung hat aber nie ein SACHLICHER Grund bestanden.
      “kein Grund für Deutschland die Energiewende zu verschlafen”
      Du lieber Himmel, die Energiewende in Deutschland ist komplett vergeigt:
      https://makroskop.eu/2016/11/schlechtes-wetter-fuer-die-energiewende/
      Das funktioniert technisch und wirtschaftlich einfach nicht. Die Schäden sind gewaltig, auch in der Natur übrigens. Brachial werden die schönsten Wälder in Windenergie-Industriezonen verwandelt: für fast kein Ergebnis und mit enormen Kosten für die breite Masse, siehe den Artikel.
      Bessere Energieffizienz und ein soliderer Energiemix mit langsam auslaufender Kernenergie wären in jeder Hinsicht sinnvoller gewesen. Das war bereits vorher beschlossen worden: perdu. Auch auf diesem Feld fährt Merkels Politik mit Karacho an die Wand. Die Frau ist ein einziges Desaster. Ihre Unterstützer, insbesondere bei den Grünen, die GLEICHZEITIG auch noch die Kohleverstromung beenden wollen, sind völlig unzurechnungsfähig.
      “Frau Merkels und auch Herrn Kretschmanns analytischem Vermögen”
      Mutti und Opi. LOL! Du lieber Weihnachtsmann: Das einzige, was die gut analysieren, ist das, was sie sagen müssen, um gewählt zu werden. DAS ist genau das Problem.

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        … zur sogenannten Energiewende Bernhard Blach, Vorstand Revierkohle BV. e.V.:

        … Wir vermuten, das sich die Bundesregierungen seit 2000 die von den Grünen in den 90er Jahren aufgestellten These von der Transformation der Gesellschaft zu eigen gemacht haben. Danach soll die Gesellschaft durch eine vollständige Dekarbonisierung auf eine neue Öko-Agrargesellschaft umgestellt werden, deren Basis die regenerativen Energieträger bilden. Im Endeffekt führt eine solche Vorstellung zu einer vollständigen Deindustriealisierung. Inwieweit das wirklich gewollt ist, entzieht sich unserer Kenntnis. Aber man muss das durchaus für möglich halten, weil die gesamte Diskussion um das Thema Klima und Energie nicht durch physikalisch-technische und somit rationalen Argumenten getragen wird, sondern durch Ideologie gekennzeichnet ist, die stellenweise religiöse und verschwörungstheoretische Ausmaße angenommen hat …

        (… der Moraltheologe im obigen Link-Text – hat ein Ei auf dem Kopf. Das ist meine Meinung.)

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    @ Alan Posener
    OK, OK, den Beitrag über den Merkel-Murks lasse ich gerne gelten. Der war sogar richtig stark.
    “begreife ich den Nationalismus nicht als Ergebnis des bösen Willens einiger Akteure”
    Auch das lasse ich gelten, aber es fehlt mir im Falle Deutschlands eine wichtigere Dimension als das reine Gewicht: die ungeheuerliche vertikale Integration der Gesellschaft, die Top-Down-Mentalität, die man auch einfach “autoritär” nennen kann. Das macht den deutschen Nationalismus so gefährlich für die anderen, die so eben nicht sind. Weder in Frankreich noch in England wäre Merkel mit ihren willkürlichen Kehrtwenden so durchgekommen wie in Deutschland. In England sind so wilde Kehrtwenden wie z.B. bei der Kernenergienutzung immer das Ergebnis von Wahlen, kein Regierungschef kann sie nach Jahren im Amt im Handstreich umsetzen. Die Beobachtung, dass das in Deutschland und in der EU möglich ist, musste den Engländern das Blut in den Adern gefrieren lassen. Insofern war ihre Reaktion verständlich, für manche sogar voraussehbar. Erschreckend ist, wie wenig sie für die meisten Deutschen vorhersehbar war: sie sehen das Problem einfach nicht, das ihr Untertanengeist für die anderen darstellt.

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      @HintermBusch
      Zu Zeiten Heinrich Manns war es vielleicht der Untertanengeist, heute sind es die gewaschenen Gehirne, durch die exorbitante Propaganda und Volksverdummung durch die Massenmedien. Wieso lässt jeder Dorfbürgermeister seinen Wald abholzen und Stahlpfähle errichten, um Godzilla und Fukushima zu besänftigen?

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        Wieso lässt jeder Dorfbürgermeister seinen Wald abholzen und Stahlpfähle errichten, um Godzilla und Fukushima zu besänftigen?
        Weil’s ‘ne Menge Geld bringt, lieber Gerd Weller und nicht, weil Gehirne gewaschen wurden. Die Politik hat früher das Geld in Kernkraft gelenkt, jetzt eben in Windräder (und letztlich dörfliche Infrastruktur, was Sie doch eigentlich auch gut finden müssten, da Sie ja Städter so furchtbar finden). Das ist mir letztlich lieber, wenn ich auch die Art und Weise, wie solche Politikwechsel begründet werden, widerlich finde. Ihr Verschwörungsquatsch aber (Gehirnwäsche) bringt uns in unserer Erkenntnis auch nicht weiter.

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    Wenn ein junger Kollege wie Fleischauer den Unterschied zwischen Blues und Rock’ n’ Roll nicht kennt, geschenkt. Wenn ein älterer Herr ihn jedoch nicht zu erklären vermag, umso trauriger.

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      Ähm, lieber Urs Bender, wollen Sie dann wenigstens uns den Unterschied erklären? Ihr Fast-Namensvetter Pete Bender war mal eine Größe in der Berliner Rock-Szene, als ich in der “Berlin Blues Band” Sänger war. Vielleicht gibt es da eine Verbindung?

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    @ Alan Posener
    “dass niemand ein größeres Interesse an der Einhegung des deutschen Nationalismus hat als die Deutschen selbst.”
    Das begreife ich sehr, sehr gut und habe auch viele entsprechende Beitrag auf meinem Blog, u.a. diesen:
    https://hintermbusch.wordpress.com/2016/07/15/brexit-das-ende-des-westens/
    Überhaupt ist mein ganzer Blog als Plädoyer gegen einen engstirnigen deutschen Nationalismus angelegt. Der wirkmächtigste deutsche Nationalismus hat allerdings heute keine Glatze, sondern einen Anzug an, was Ihnen Todd und Streeck sehr gut erläutern könnten. Was ich allerdings gar nicht begreife, ist Folgendes:
    “Erst Schröder hat diese Staatsräson aufgekündigt”
    Worin soll sein Nationalismus bestanden haben? Er hat Fehler gemacht und die Eurozone durch Lohndumping gekillt, aber eher nicht aus Nationalismus, sondern aus Unverstand und unter massivem Druck von Lobbyisten.
    “und nach ihm Merkel”
    Ditto, in der sogenannten Euro-“Rettungs”-Politik, siehe u.a. ebenfalls den Beitrag oben. Ich kann mich allerdings nicht erinnern, dass Sie dagegen einen Kommentar geschrieben hätten, dass unter deutscher Ägide und im ökonomischen Tarnanzug sämtliche Demokratien des Kontinents nacheinander unterjocht werden.
    Sie spielen Nationalismen gegeneinander aus, Herr Posener, statt sie argumentativ zu dämpfen. Kein guter Zug!

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      Sie irren, hintermbusch, und die Tatsache, dass Sie sich an keine Merkel-kritischen Beiträge von mit erinnern können, liegt nicht daran, dass ich keine geschrieben hätte. Nehmen wir erstmal diesen, geschrieben wenige Tage nach der so genannten Grenzöffnung im letzten Herbst:

      https://www.welt.de/print/die_welt/debatte/article146498046/Merkel-ruiniert-Europa.html

      Im Gegensatz zu Ihnen. und darauf spielte der Artikel im “Guardian” an, begreife ich den Nationalismus nicht als Ergebnis des bösen Willens einiger Akteure. Alle Europäer sind Egoisten, und das ist so weit in Ordnung; nur ist der Egoismus des größten Spielers, wenn auch verständlich und nicht moralisch verwerflich, eben von größerer Gefahr als sagen wir der nationale Egoismus der Österreicher oder Iren. Schröder und Merkel haben nicht das instinktive Gefühl für Leisetreterei, das noch ihre Vorgänger hatten, selbst Kohl, der zuerst von der Gnade der späten Geburt sprach, als sei das deutsche Problem ein historisches, kein politisch-ökonomisches. Ich spiele keine Nationalismen gegeneinander aus. Ich habe in dem Artikel den britischen Lesern zugerufen: zerstört nicht das fragile Gleichgewicht in der EU. Auch in eurem eigenen Interesse.

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    Sehr geehrter Herr Posener,
    “Den lange Riemen, die nicht zur Sache gehören, liest keiner.”
    Würde Oleander nicht bei Ihnen schreiben, würde ich Ihren Blog gar nicht lesen!
    Eine “starke Meinung” drückt sich doch nicht nur durch stramme, schlagende
    Argumente aus, sondern auch in der kulturelle Vielfalt durch Erfahrung (die oft mit
    einem gütigen Blick auf die Jugend einher kommt) liegt eine starke oder
    besser stärkende Kraft!
    Vergraulen Sie ihn bitte nicht!

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    Der Beitrag von Fleischhauer war ja mal richtig amüsant. In seiner üblichen Seichtheit hat er aber leider die wirklichen Schattenseiten des Herrn Posener unerwähnt gelassen. Dazu gehören zum Beispiel solche Beiträge:
    https://www.theguardian.com/commentisfree/2016/jun/20/german-nationalism-contained-united-europe-brexit-alternative-fur-Deutschland
    Sie haben wirklich geglaubt, die Engländer mit nationaler Hetze gegen die Deutschen in der EU halten zu können, Herr Posener? Die Engländer wissen natürlich, dass Deutschland ein Papiertiger ist, der nur noch auf dem Verwaltungsweg, also innerhalb der EU, Schaden anrichten kann. Der Schuss ist deshalb ziemlich nach hinten los gegangen, nicht wahr.

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      Was Sie nicht begreifen, hintermbusch, ist dass niemand ein größeres Interesse an der Einhegung des deutschen Nationalismnus hat als die Deutschen selbst. Da waren sich Adenauer und Brandt, Schmidt und Kohl einig. Erst Schröder hat diese Staatsräson aufgekündigt, und nach ihm Merkel; nicht, dass ihr die Rechte das zugute hielte.

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    Lieber Alan Posener, Jan Fleischhauer, der Bestsellerautor, hat doch eine goldene Brücke gebaut: Journalisten sollten den autoerotischen Kreisverkehr verlassen und nicht nur Meinungen über Meinungen anderer Journalisten interpretieren, rügen und verbreiten. Ach – wäre es schön, wenn die klugen von ihnen diese Überakzentuierung zurückschrauben würden. Das postfaktische Zeitalter nervt.

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      autoerotischen Kreisverkehr

      Klasse! Auf 7 Online-Seiten lesen, was am Wochenende ein Kollege in einer Talk-Show im TV gesagt hat.

  8. avatar

    “Ich finde ihn wichtig, weil ich nicht zufällig den Rock and Roll mag; er ist ein Mittel, überbordende Lebensfreude und Todesverachtung auszudrücken, aber auch Wut und Frustration loszuwerden, ohne dass man sich und anderen wehtut. Nicht jeder empfindet dieses Bedürfnis nach dem Dionysischen. Nicht jeder, der es empfindet, hat ein solches Ventil. Dieses Bedürfnis hat auch mit einer leichten Erregbarkeit zu tun, die mich schon öfter in Bedrängnis gebracht hat.”

    Nette Anekdote aus Ihrer Zeit als junger Mensch mit hohem Erregungspotential und eventuell beachtlichem Testoteronspiegel. Sympathisch, wenn ein Mensch leidenschaftlich für andere kämpft. Auch zu seinem Nachteil.

    Ich verstehe Fleischhauers Kolumne als freundschaftlichen Wink mit dem Zaunpfahl.

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    Die Deutschen sind an sich, von Ausnahmen abgesehen, als Masse (und deswegen sprechen wir von Massenmedien) ein trauriges Kapitel von Ignoranz.
    Da sind sie zu ca. 70 Prozent, schätze ich, gegen Freihandelsabkommen und gegen vollkommen durchlässige Grenzen wie auch gegen ungeregelte Immigrantenströme. Aber vermutlich exakt dieselben 70 Prozent sind gegen Donald Trump. Ich nenne das ignorant. Und was die Medien in der Sache machen, ist einseitig, und dass sie eine entgleiste, im Sexualbereich unangemessene Entgleisung von Trump höher ansetzen als ein bodenloses Fass von Korruption, das sich gerade öffnet, ist armselig.

    Diese Ignoranz kann man hier nachlesen:
    http://www.achgut.com/artikel/.....ionalismus

    Was Russland betrifft, habe ich noch keinen einzigen Beweis gesehen, dass eine Verbindung zwischen Trump und Putin besteht. Dass die Russenschublade ohnehin ausgeleiert ist, hat auch noch keiner bemerkt. Hab ich keine rhetorische Waffe, mach ich die Schublade mit Russland auf.
    Überhaupt ist die Berichterstattung über die Vereinigten Staaten von einer erschütternden Flachheit geprägt. Und keiner wundert sich, wenn er Abonnenten verliert.

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    Noch einer mehr: Einst waren wir stolz? Nein, das nicht. Wir waren vielleicht froh. Wir wähnten ein unbestechliches Gebilde an unserer Seite, so etwa wie Gary Cooper in “High Noon” repräsentiert, einen großen Bruder mit mutigen Boys, die hinter Arromanches für die Juden, die besetzten Länder und im Endeffekt für uns gefallen sind.
    Manche in unseren Medien scheinen gar nicht mehr zu realisieren, was das mal war, Amerika, wenn sie Kandidaten nur unterstützen, damit die Märkte, an denen höllisch gezockt wird, stabil bleiben. Spengler hat Recht:
    “”But I had the opportunity to see first-hand what separates a banana republic from the land of the free and the home of the brave. It comes down to the grit of a few people willing to do their job come hell or high water–not look the other way, not accept the stuffed envelope or its equivalent in post-government employment, but to treat a job as a sacred trust given by the people.”
    Und:
    “Trump is doing his job. His job is to come in with a big pump and drain the swamp, and he’s doing it–and deserves the support of every American. But he couldn’t do it without the brave men and women in the middle ranks of the FBI who stood their ground. I don’t know their names. But they make me proud to be an American.”
    https://pjmedia.com/spengler/2016/10/31/the-fbi-agents-who-stood-up-for-rule-of-law-make-me-proud-to-be-an-american/?singlepage=true

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        Sie wissen, was ich meine, Oleander. Wenn Sie Blog-Autor werden wollen: viel Glück damit. Aber die Kommentarfunktion ist für Kommentare, nicht eigene Blog-Beiträge. Ich habe Sie in aller Höflichkeit verschiedentlich daran erinnert und wiederhole nun meine Bitte. auch in Ihrem sinne. Denn lange Riemen, die nicht zur Sache gehören, liest keiner.

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    Was soll dieser Artikel? Da fetzen sich zwei SM-Autoren öffentlich und auf den SM-Seiten erfährt man das nur so am Rande.

    Für die, die es interessiert, hier findet man den ursprünglichen Artikel bei der Süddeutschen:

    http://www.sueddeutsche.de/kul.....-1.3221176

    Und hier die Stellungnahme von Herrn Giesa:

    http://blog.christophgiesa.de/.....eil-i.html

    Ob Frau Bednarz dazu auch was geschrieben hat, weiß ich nicht.

    Was Herr Posener geschrieben hat, konnte ich nicht genauer recherchieren, da ich beim Faxenbook nicht mitmache. Aber, wenn ich den Artikel hier richtig verstanden habe, war es wohl nicht so von Belang.

    Ich persönlich kann die Empörung von Herrn Giesa gut nachvollziehen, das Verhalten von Frau Bednarz eher weniger. Aber vielleicht kann Sie und ja hier etwas über die Sache aufklären.

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    Hier will ich noch erinnern an einen Hero von Hannes Stein, ebfs. leider verstorben: Christopher Hitchens.
    Eines der wenigen Dinge, die Letzterer falsch hatte, war ein Buchtitel:
    “No one left to lie to”

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    Ja klar, geht das mit den Kurzkommentaren, Online-Likes und ähnliches mit Promille um Mitternacht auch manchmal schief. So what? Es geht dabei doch nicht um Aussagen, bei denen man sich im Ton vergreift (und dann auch zu Recht kritisiert wird), es geht um eine Dynamik, bei der Beschimpfungen und Herabsetzungen essentieller Teil der Inszenierung sind und sich dadurch Standpunkte entwickeln, die es ohne das Biotop Internet so nicht geben würde. Wutbürger macht doch nicht aus, dass sie wütend sind, Wutbürger macht aus, dass sie das Maß und Gefühl für Zusammenhänge verloren haben und deswegen wütend sind. Akif Pirinçci ist ein gutes Beispiel. Aus einem politischen Anliegen wurde ein Polit-Porno, den es so ohne Internet nie gegeben hätte. Das ist was ganz anderes, las jemanden mal ein Arschloch zu nennen. Als Fleischhauer sein Buch geschrieben hat, war es lustig zu lesen und es war ein unterhaltsamer Beitrag zur Entzauberung der Linken. Mittlerweile gehört es zum Wutbürger-Kanon und irgendwie verstehen es diese Leute anders als damals und ich glaube, gerade ein Fleischhauer kann den Unterschied sehr gut erkennen. Wer Antifa-Keulen nicht gut findet, sollte mit Wutbürger und Radikalisierungsetiketten sparsam umgehen.

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    Souverän.

    Zu dem Kram Distanz wahren, das ist alles. Ein Tumor wäre schlimmer, wie Sie mal ahnten. Ihre Familie ist wichtiger.

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    Lieber Herr Posener, Sie sollten sich mal einen Sandsack kaufen! Wenn die Wut Sie übermannt, “Thunderstruck” in den Player und immer feste druff! Ansonsten ist es mit Twitter und den (a)sozialen Netzwerken wie mit allen technischen Errungenschaften: Die Schlauen macht sie schlauer, die Dummen halten sie dumm. Die Kolumne von Fleischhauer ist übrigens gar nicht so schlecht, wenn auch unerheblich – als Fleischbeschau unter Kollegen.

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