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Vielleicht brauchen wir ein bisschen ganz gewöhnlichen Antisemitismus

Ich zögere, diesen Artikel zu veröffentlichen. Man muss sich heute darauf gefasst machen, dass einem jedes Wort im Munde umgedreht wird. Das hier ist nur ein fast schon komisches Beispiel:

http://antifo.wordpress.com/2010/02/08/alan-posener-die-gaskammern-wurden-nur-erfunden/

Also: Um von vorn herein möglichst viele Missverständnisse aus dem Weg zu räumen: ich bin bekanntermaßen – man möchte beinahe sagen berüchtigtermaßen – ein Anhänger der politischen Korrektheit:

http://www.welt.de/politik/deutschland/article5466538/Eine-Verteidigung-der-politischen-Korrektheit.html

Davon nehme ich kein Wort zurück.

Aber vielleicht ist es mit der politischen Korrektheit so wie mit allen Tugenden der Zivilisation – also „Sekundartugenden“, um mit Oskar Lafontaine zu reden: Sie sind unnatürlich und anstrengend. In ihrer großen Weisheit hat die Katholische Kirche darum den römischen (und vermutlich sogar vor-römischen) Brauch der Saturnalien übernommen, der „tollen Tage“, in denen für kurze Zeit die Moralgesetze außer Kraft gesetzt werden, und auf die sinnigerweise nicht nur ein Kater, sondern auch die Fastenzeit folgt.

Betrachten Sie also bitte die folgenden Ausführungen als Plädoyer für eine gelegentliche – vielleicht sogar kalendarisch festgelegte – Auszeit von der politischen Korrektheit. Vor allem aber: Nehmen Sie das nicht allzu protestantisch-bierernst.

 

Als Kind im London der frühen 1950er Jahre war ich von einem selbstverständlichen Rassismus umgeben. Gab einer von seinen Bonbons nicht ab, sagten wir: „Don’t be a Jew!“ Franzosen waren „Frogs“, Italiener „Eyeties“, die man wegen ihres Versagens und Seitenwechsels im Krieg verachtete, anders als die tapferen Norweger und Polen. Man duldete die Schwarzen, die als Busschaffner und Krankenschwestern importiert worden waren und die meine Großmutter „Darkies“ nannte, aber auf die rhetorische Frage, „Would you like your daughter to marry one?“ antwortete niemand „Why not?“ Meine Mutter hatte nichts gegen Schwarze, verachtete jedoch Amerikaner, Iren und Waliser, nicht immer in dieser Reihenfolge. Jedes Jahr am 5. November verbrannten wir eine Puppe, die den katholischen Terroristen Guy Fawkes symbolisierte. Katholiken waren uns Kindern unheimlich. Ob ich je einen echten Katholiken zu Gesicht bekommen habe, weiß ich nicht.

 

In Kuala Lumpur war es wenig anders. Dass wir Briten dazu bestimmt waren, der Welt die Zivilisation zu bringen, war klar und nötigte uns bestimmte Verhaltensweisen auf.  Eine weiße Frau zum Beispiel zeigte sich nie im Bikini oder im aufreizenden Kleid vor den Eingeborenen. Man wusste, wie wenig sie sich in der Gewalt hatten. Deshalb gab es getrennte Schwimmbäder und Strände für uns und für die anderen. Ein weißer Mann sollte sich nicht betrunken vor den Eingeborenen zeigen, wegen der Würde. Deshalb schüttete man sich in seinen eigenen Clubs zu. Eine Rassentrennung gab es nicht, aber Nichtweiße verirrten sich fast nie dort hinein, und auch Juden wie mein Vater fühlten sich dort oft irgendwie nicht willkommen. Ein weißes Kind sollte immer ein Vorbild an Höflichkeit sein. Schließlich war man etwas Besseres. Inder waren gute Arbeiter, es sei denn, sie waren Sikhs oder Gurkhas, dann waren sie gute Soldaten und Polizisten. Malaien waren charmant, aber faul. Die Chinesen waren „die Juden des Ostens“: ehrgeizig – etwas zu ehrgeizig; klug – etwas zu klug; und geschäftstüchtig – etwas zu geschäftstüchtig. Die muslimischen Malaien verachteten die Inder, Chinesen und Europäer als Schweinefleisch essende Ungläubige. Die hinduistischen Inder hassten die Malaien wegen ihrer Überheblichkeit, die Chinesen wegen ihres Reichtums und die Europäer aus Prinzip. Die buddhistischen Chinesen verachteten die Malaien, fürchteten die Inder und beobachteten die Europäer mit unterwürfiger Herablassung. Kurzum: man kam gut miteinander aus.

 

Es war ein Schock für mich, nach Deutschland auf eine Reformschule zu kommen, wo es gar keine Vorurteile gab. Das stimmt natürlich nicht ganz: Es waren ja die 1960er Jahre. Erwischten die Lehrer einen Jungen und ein Mädchen beim Sex, wurde das Mädchen härter bestraft: sie hatte natürlich ihn verführt. Vor der Evangelischen Kirche hing ein Plakat, das ein Mädchen zwischen drei Jungen zeigte, dazu die Parole: „Wer wechselt, wird bald Kleingeld!“ Leute wie ich, die ihre Haare lang wachsen ließen, wurden als mädchenhaft, also schwul, dekadent und unzuverlässig im Kampf gegen den Kommunismus verdächtigt. Und meine damalige Freundin versichert mir, ihre Mutter habe gesagt, sie solle nie wieder „den dreckigen Juden“ mit nach Hause bringen, was ich bis heute schwer zu glauben finde. Das war eine sehr nette alte Dame. Dreckig ja, aber Jude? Trotzdem: Alles in allem war die ganze Atmosphäre in Deutschland, zumal auf der von der SPD geprägten Schulfarm, merkwürdig allgemeinmenschlich.

 

Manchmal frage ich mich, ob das gut war, ob das gut ist.

Jahrhunderte lang suhlt man sich in seinen Vorurteilen, insbesondere gegen Juden, lebt sie schließlich bis zum Exzess aus – und plötzlich, vom 7. auf den 8. Mai 1945, wird man allgemeinmenschlich. Das kann nicht gut gehen.

 

Manchmal frage ich mich, ob der merkwürdige Selbsthass, der etwa im Antiimperialismus zum Ausdruck kommt, nicht der neurotische Ausdruck verdrängter Xenophobie ist. Man liebt afrikanische, südamerikanische oder arabische, ja auch portugiesische und italienische, selbst irische Volksmusik, hasst aber die Oberötztaler Holzfällerbuam. Blut und Boden ist eine reaktionäre Ideologie, wenn sie von Deutschen (oder Zionisten) vertreten wird, aber fortschrittlich, wenn es um „indigene Völker“ geht. Man ist gegen das Christen-, aber für das Schamanentum, gegen Klosterfrau Melissengeist, aber für die Heilkräuter der weisen Frauen vom Amazonasbecken. Man hasst den aufgeklärten Imperialismus, liebt aber irgendwelche hasserfüllten Befreiungschauvinisten. Man hasst die deutschen Vertriebenenverbände, aber vergießt heiße Tränen beim Gedanken daran, dass der Enkel eines der arabischen Vertriebenen von 1948 nie mehr seine Lehmhütte in Akko zurückbekommen wird, weil der Jude auf dem Grundstück eine Recyclinganlage gebaut hat.

 

Manchmal frage ich mich, ob die merkwürdigen Blüten der „Israelkritik“ nicht auch Ergebnis der Tatsache sind, dass ein ganz normaler Antisemitismus nicht ausgelebt werden kann. Es ist ja kein Zufall, dass überall – übrigens am heftigsten  unter Leuten, die sich ansonsten als Freunde Israels bezeichnen – gegen die „politische Korrektheit“ gewettert wird. Irgendwas will, ja muss raus. Inzwischen ist es OK, wenn auch nicht PC, zu sagen, dass der Islam keine Religion ist, sondern eine politische Weltunterwerfungsideologie. Beim Judentum – der Vorwurf gegen den Islam ist offensichtlich vom radikalen Antisemitismus abgekupfert – geht das immer noch nicht. Inzwischen ist es OK, wenn auch nicht PC, zu sagen, die muslimischen Zuwanderer verschlechtern bedenklich unser Genpool. Bei den Juden wird eher bedauert, dass es nicht mehr von ihnen gibt, damit wir alle so klug und geschäftstüchtig werden wie sie. Was natürlich auch eine Form des Antisemitismus ist – siehe oben unter Chinesen.  Wäre die Beschneidung eine rein muslimische Angelegenheit, sie wäre längst verboten. Da die Juden das auch machen, werden wir demnächst eine neue Castingshow haben: „Germany’s Next Top Mohel“.

 

Meinem Vater war der Philosemitismus in Nachkriegswestdeutschland ungeheuer. Die deutschen Sympathien für Israel im Sechstagekrieg tat er mit einem Achselzucken ab: „Sie jubeln Moshe Dayan nur zu, weil sie in ihm den neuen Rommel sehen. Und weil sie die zurückgelassenen Schuhberge der fliehenden arabischen Soldaten an etwas erinnern.“ Noch schlimmer fand er die deutsche Liebe zur Klezmermusik, die damals mit dem Musical „Anatevka“ aufkam, in dem die Zwangsehe verherrlicht wird. Nun gut, er mochte weder Dayan noch Klezmer, aber das war es ja: Warum sagte niemand außer mir, fragte er sich, dass Dayan ein arroganter Schnösel ist und dass Klezmer wie Katzengejaule klingt? Muss man alles toll finden, was Juden machen? Nun, das änderte sich bald darauf.

 

Es ist nicht so, dass der ganz normale Antisemitismus angenehm gewesen wäre. Mein Großonkel Paul Oppenheim war Privatgelehrter – ein anerkannter Paläontologe. Sein Wunsch, eine Professur ehrenhalber an der Berliner Universität zu erhalten, wurde um 1900 mit der Bemerkung abgelehnt, er offenbare die „typische Aufdringlichkeit seiner Rasse“. Mein Onkel Karl Posener meldete sich 1914 als Fünfzehnjähriger freiwillig zur Truppe. Als er vor Verdun nach einem Granateinschlag verschüttet und mit einem Schütteltrauma in die Schönower Nervenheilanstalt kam, diagnostizierten die Ärzte die „typische Nervenschwäche seiner Rasse“. Als er einige Monate später an die Front zurückkehrte, sprach natürlich keiner von der typischen Widerstandskraft seiner Rasse. Mein Onkel Ludwig wurde 1920 als Gymnasiast von einem auf den anderen Tag Zionist, nachdem sein bester Freund, ein Adeliger, ihn um Verständnis darum bat, dass er „jemanden wie dich“ nicht zu seiner Geburtstagsfeier einladen könne. Er meinte ja nicht: „einen Bürgerlichen wie dich“. Mein Vater kam um die gleiche Zeit oft mit einer blutigen Lippe von der Schule nach Hause, weil sein Vater darauf bestand, „Blut zu sehen, wenn von irgendwoher gewisse Bemerkungen fallen“. Sie fielen halt. Nein, das war nicht angenehm. Aber man wusste, woran man war.

 

Es ist ja nicht so, dass es heute keinen ganz gewöhnlichen Antisemitismus gäbe. Auch auf der Reformschule meinte ein – mir sehr gewogener – Geschichtslehrer: Dass die Juden Ferment der Dekomposition seien, das könne man kaum bestreiten und müsse es ja auch positiv verstehen. Schließlich sei nach Goethe alles, was entsteht, wert, dass es zugrunde geht. Der nette Kellner beim Griechen lobt seine Heimatstadt, insbesondere die schöne Promenade am Meer, „wo allerdings die besten Grundstücke den Juden gehören, wie überall in der Welt“. Ich lächele und beschließe, fortan einen anderen Griechen zu besuchen. Nicht, dass ich mir einbildete, dort würde man anders denken. Aber die Gedanken sind frei.  „Bei dem wird die Verhandlung schwierig, er ist Jude, du weißt doch, wie die sind“, sagt einer der beiden Immobilienmakler zum anderen am Nebentisch bei Borchardts. Der berühmte linksliberale Verleger lobt beim Kaffee im Literaturhaus hingegen die Juden, eben „weil sie immer zusammenhalten“. Der befreundete Jung’sche Psychotherapeut meint, es sei nun einmal eine Tatsache, dass die Juden nach dem Motto handelten Aug um Auge, Zahn um Zahn, während die Christen wenigstens in der Theorie das Gesetz der Rache überwunden, dabei also im Gegensatz zu den Juden wenigstens Gewissensbisse hätten. Der befreundete Reiseschriftsteller meint, auch ihm ginge Friedman auf den Wecker, wenn man den sehe, könne man verstehen, weshalb die Leute Antisemiten würden. Der Student am Büchertisch der BüSo verweist auf Bilderberg und Goldman Sachs: Wer beherrscht die Welt? Das wisse doch jeder. Und so weiter und so fort. Nur spielt das – anders als der Islam-, Türken- oder Araberhass, der Antiamerikanismus oder die Israelkritik – in der öffentlichen Diskussion kaum eine Rolle.

 

„Das wird man doch noch sagen dürfen“ gilt nur in Bezug auf Muslime. Das ist nicht fair, wie es in der Kinowerbung für Ben & Jerrys Eis heißt. Israel kriegt den ganzen verdrucksten Antisemitismus ab. Das ist auch nicht fair.

 

Nur raus damit. Nicht jeder Antisemitismus ist eliminatorisch, es geht nicht um Gaskammern und Sonderkommandos. Juden sind ja auch Menschen, wie man noch in den 1960er Jahren in aller Unschuld sagte. Aber man wird doch noch sagen dürfen, dass man sie nicht besonders mag, oder? Sagen wir: an drei tollen Tagen im Jahr. Wer traut sich?

 

 

 

 

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133 Gedanken zu “Vielleicht brauchen wir ein bisschen ganz gewöhnlichen Antisemitismus;”

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    Cher Jean-Luc,

    Es wäre mir zwar lieber, Sie wären echt als eine semi-intelligente Erfindung von Moritz Berger bei Unerreichbarkeit, aber andererseits hat das Absurde seine Reize. Da hat doch Neale Donald Walsh dieses sehr amüsante, intelligente und leicht absurde Werk geschrieben: „Gespräche mit Gott“. Ich werde dann schreiben: „Gespräche mit Google.“ ist es ein Zufall, dass Google mit Go anfängt wie Gott oder Gonorrhoe?
    In Israel wird es dann eines Tages G“gle heißen, wenn G’tt abgeschafft ist.
    Jedenfalls, Jean-Luc, sind alle, die in Deutschland Abitur haben, für den Holocaust mit Franz Kafka in der Oberstufe bestraft worden (Witz!). Nein, nichts gegen Kafka – dass Sie das nur nicht wieder in den falschen Hals/Algorithmus bekommen – Kafka ist wunderbar, aber für manche Schüler eine Quälerei. Jedenfalls hat Kafka mir eine gewisse Präferenz für das Absurde vermittelt.
    Aber vielleicht sind Sie ja auch echt, wenn auch dieser Festplattenschaden mit diesem Zizi-Song viermal hintereinander dagegen sprach, und verwenden nur, wenn Sie den Max für den abwesenden Moritz spielen müssen, ein google-Übersetzerprogramm, das sich durch einsame Brillanz auszeichnet: Im Fehlersektor. Mon dieu, mon cher, jedenfalls kann ich so viel Geographie, dass ich ggfs. schon mal den Navi übergehe. Also, cher ami, ich gehöre nicht zu den Leuten, die so leicht in den Rhein fahren würden, nur weil der Navi das als Strecke vorgibt.
    Cher ami: Das Vorangegangene ist unübersetzbar. Vielleicht sollte ich nur noch absurd schreiben.

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    Cher Parisien,

    Wann waren sie das letzte Mal in Toulouse?

    Und wenn sie schon Périgord mit der Provence verwechseln habe ich so langsam meine Zweifel ob sie ueberhaupt Frankreich kennen.

    Wenn alles so schlecht ist warum bleiben sie dann nicht in Bayern in ihrer région?

    Ich vermute dass sie heute ihren cafard haben, darum entschuldige ich hier ihre Kritik.

    Vielleicht essen sie statt ihres Hamburgers einmal eine gute deutsche Linsensuppe.

  3. avatar

    Cher Parisien,

    sie haben recht, wir können auch auch ohne Microsoft, facebook und amazon leben:

    Aber haben wir, sie und ich nicht auch dazu beigetragen?

    Nutzen Sie in ihrem Arztoffice nicht auch einen PC?

    Kaufen Sie nicht auch in einem Baumarkt ein? statt in einem kleinen hardware store , wenn es ihn noch gibt.

    Und warum gehen sie in einen Burger King oder Mac Donald, wenn sie doch wissen, dass die kleinen Gasthaeuser viel schoener sind?

    Sich uber vieles beklagen und dann zu singen:

    Où sont les neiges d’antan ?

    Hilft dass weiter?

    Verzichten sie doch einmal darauf einen grossen Hamburger zu essen.

    Wir haben bei unseren holidays in den US immer kleine local restaurants aufgesucht, um unseren Kindern zu zeigen, dass es nivht nur Pizza hut gibt, sondern auch local food.

    Dieser roadfood guide wird von Jan and Michael Stern herausgegeben:

    http://en.wikipedia.org/wiki/J.....hael_Stern

    http://www.roadfood.com/Restau.....ers-market

  4. avatar

    @ Cher Jean-Luc

    Das haben Sie jetzt mal wieder falsch verstanden, wie öfter mal:
    „ich weiss nicht ob sie im Fach géographie in der Schule gut gewesen sind?

    Le Périgord ist nicht die Provence sondern liegt hier:“

    Eben, Monsieur. Deswegen sage ich ja, dass ich (einen ganzen langweiligen Tag lang) auf Napoléons alten Straßen, etwas erweitert, hinter poids lourds hergefahren bin, und dass dort eine Autobahn hingehört. Ich bin ziemlich gut in Geographie, und die Hauptstadt von Französich Guyana heißt Cayenne. Wenn Sie nicht weiter wissen mit mir, kommen Sie mit etwas ganz dämlichem: Geographiekenntnisse. Das ist lächerlich. Vielleicht sind Sie doch nur ein Computer, nachdem da kein Lernprozess erkennbar ist.

  5. avatar

    Cher Parisien

    wenn sie die Bretagne vorziehen….

    dann kommen sie leider wie man in der deutschen Sprache sagt vom Regen in die Traufe…

    Die Bretonen haben den hoechsten Anteil an Alkoholikern in Frankreich !!!

  6. avatar

    @ Jean-Luc

    Nö, ich habe keine Probleme damit, das zu hören. Ich habe ja nicht geschrieben, dass nur Araber und Sinti Autos stehlen, sondern, dass das in der Provence so ist, aber nicht in der Bretagne. Wenn man aus dem Römersite kommt, kann das Auto schon in Marseille am Hafen sein. Das ist alt, etabliert, gut organisiert, und die Regierung hat offensichtlich wenig dagegen getan – es fällt ihr nichts ein. Die Presse schreibt dann so wie Sie: In Bayern (alternativ Quimper) ist aber kürzlich ein Auto von einem Bayern/bretonischen arbeitslosen Fischer gestohlen worden. Stehlen ist nur eine Seite der Madaille. Die andere ist, zum 14.Juli Autos mit Feuerwerken zu verwechseln. Ich wette, Sie kennen einen Mec mit urfranzösischem Urgroßvater, der das auch schon gemacht hat.
    Verstehen Sie das nicht falsch: Es geht, wie Sie auch aus dem link über das Frauentreffen entnehmen können, nicht um Kriminelle an sich, sondern um das Gutreden öffentlichen Versagens. Wenn Sie mal in Gigondas, mal in Georgetown sitzen, tafeln und sich an Ricard oder Wein/Käse delektieren, während Ihnen Ihr beliebter Zizi-Chanson die Sinne vernebelt, können Sie doch nicht von oben herab die Zustände, die andere, weniger Privilegierte, betreffen, einfach relativieren mit dem Hinweis auf einen bayerischen Dieb. Doch können Sie, denn Sie sind nicht betroffen. Und so ist das die ganze Zeit.

    Ich erkläre Ihnen mal zur Sicherheit, was ein deutscher Stammtisch ist: Man hat, einmal in der Woche, einen bestimmten Tisch in einem Gasthof reserviert. Dort spielt man Karten oder isst oder beides und trinkt Bier und etwas Schnaps. Man ist mit dem Kartenspielen voll beschäftigt, zählt die Punkte, und am Ende unterhält man sich über die Löcher in den Straßen und, falls der Bürgermeister nicht dabei ist, über ihn. Das war’s im Wesentlichen. Der Rest ist verfehlte Bundespolitik. Allenfalls redet man noch darüber, ob man überhaupt wählen geht.
    Die Verteidiger der langjährig verfehlten Politik haben drei Waffen: 1. Stammtisch (weil sie selbst nicht Karten spielen und Kartenspielen wie auch Biertrinken niedrig finden – Joschka trinkt garantiert feinsten Rotwein), 2. Islamophobie (weil ihnen muslimische Mädchen und Frauen schnurzegal sind im Gegensatz zu muslimischem Öl), 3. Rassismus. Das ist, wenn ihnen nichts mehr einfällt.
    Offene Diskussionen?: Da würde zu viel Versagen zum Vorschein kommen, geht doch nicht, zumal man inzwischen so eng zusammengluckt, dass man das nicht mehr auf die SPD schieben kann oder umgekehrt.

  7. avatar

    Cher Parisien,

    ich kann ihnen auch ein paar Geschichten aus Bayern erzaehlen, als e.j. meine Freunde zur Ueberraschung festgestellt habe, dass ihr Auto aus der Hotelgarage gestohlen wurde und wenn sie es nicht so gerne hoeren wollen…. es waren bayrische Deutsche.

  8. avatar

    @ Jean-Luc

    Wollen Sie noch ein Wort zu Toulouse, das Sie vielleicht nicht hören wollen?:

    Das war auch mal eine schöne Stadt, La Ville Rose, bestimmt von seiner romanischen Kathedrale. Heute ist das eine schmuddelig wirkende durchschnittliche Stadt mit Zeichen von Substanzabbau und offensichtlich mit eliminatorischem Antisemitismus, nur so nebenbei.
    Touristisch interessant ist eher Carcassone, aber früher war Toulouse die interessantere Stadt.
    Das sind die Folgekosten für Airbus-industries.

    Aber, wie gesagt, das ist unfranzösisch, und Sie können dasselbe in mancher deutschen, englischen oder italienischen Stadt beobachten.
    Attac hat das alles vorhergesehen. Und kämpft u.a. dagegen, dass man den Indianern in Lateinamerika Wasserrechte wegnimmt.

  9. avatar

    @M. Levasydas: Diese Felsennester sind wirklich herrlisch. Ich hoffe dass wir uns im Jahre 2014 endlich wieder aufmachen können; vorher wirds nichts. Den Heiratsplan haben wir übrigens in der Ardeche geschmiedet, in Moucheyres (bei Vals-les-bains), ebenfalls eine sehr schöne, verborgende Gegend. Beim nächsten Mal würde ich gerne mal in die Pyrenäen…

  10. avatar

    Cher Jean-Luc,

    ich kenne Ihre Land sehr gut. Es ist, wie Sie sagen, an kleinen Orten, auch kleinen unbekannten Orten, immer noch ein sehr schönes Land. Aber es war schon schöner, wenn ich ehrlich sein soll.
    Früher z.B. konnte man in jedem Restaurant Routier gut essen. Heute haben Sie auch Zeichen allgemeinen Niedergangs. Sehen Sie hier:

    http://www.welt.de/lifestyle/a.....uecks.html

    Es ist neu, dass auch die Franzosen, die Ärmeren, Merde essen müssen, das heißt, so neu ist es nicht. Es erinnert vage an Louis XVI.
    Außerdem hat es zu viele Atomkraftwerke, ca. 50. Die Hälfte wäre besser. Diese stehen oft an attraktiven Küstenabschnitten.
    Außerdem hat es zu viel Kriminalität. Deutsche Autos sind Zielgruppe No. 1, weil neuer.
    Selektiv betrachtet, wenn man das pays von den Zentren trennt, ist das Land noch schön. Und wenn man auf dem marché einkaufen kann und nicht auf carrefour etc. oder gar Lasagne vom Billiganbieter angewiesen ist.
    Diese Entwicklung ist unfranzösisch. Französisch war, dass alle gut aßen und kochen konnten. Dieser Niedergang von einer erkennbaren Kultur in eine billige Globalisierungsfolgekultur, von der nur die absolute Oberschicht, also Anleger, die davon profitieren und bei beschriebenem Metzger einkaufen, Vorteile hat, schmerzt noch mehr als in anderen Ländern, gerade weil die Kultur so spezifisch war. Die Jugendlichen sind ebfs. genauso wie woanders: Uniform aus dem, was gerade angesagt ist, schlechte Sprache, miese Umgangsformen, Langeweile, Komasaufen. Das ist alles unfranzösisch und Teil eines allgemeinen Niedergangs.

    Aber ganz französisch ist, die Deutschen für die Fehlinvestition in griechische Staatsanleihen zahlen zu lassen.

  11. avatar

    @ Jean-Luc

    Und noch ein Wort zur Kriminalität in der Provence, das Posener nicht gern hört und das, da es stimmt, vermutlich als „Stammtisch“ abgetan wird und zwar nur, weil es stimmt. Ich kenne allein drei Beispiele aus dem Bekanntenkreis von Totalverlusten dort unten. Das eine Paar kam im Bikini und in Badehose zurück ins Hotel in Aix (traumhafte Stadt) und bat den Hotelier, das Taxi auszulegen. Die waren nur zehn Minuten baden in Les-Saintes-Maries-de-la-mer. Das Auto mit Kreditkarten und Geld im Handschuhfach ging wohl auf das Konto von Sinti und Roma. Die anderen beiden büßten ihre BMW’s in Orange ein, wo sie gewagt hatten, das Amphitheater zu besuchen. Dieses business ist, außerhalb von Les-Saintes-Maries, fest in arabischer Hand.
    Bis auf so kleine Perlen wie Gigondas habe ich mit der Provence abgeschlossen. In der Bretagne ist es ruhiger. Eines Tages fährt da keiner mehr hin. Dann könnt Ihr die ganze Küste mit Atomkraftwerken zuklotzen und die Felder zusätzlich mit Windrädern und im Mont Ventoux fracken. Die Römer waren besser. Sie bauten schöne Wasserleitungen.

    @ Roland Ziegler
    Für Ihre Kinder: Die Wasserleitung Pont du Gard. Zum Besichtigen am besten dort übernachten.

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    Cher M. Ziegler,

    Gigondas vaut bien une messe!!

    Allerdings würde ich ihnen die Doerfer empfehlen, die nicht so bekannt sind.

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    Cher Parisien,

    ich weiss nicht ob sie im Fach géographie in der Schule gut gewesen sind?

    Le Périgord ist nicht die Provence sondern liegt hier:

    http://de.wikipedia.org/wiki/P%C3%A9rigord

    im Suedwesten von Frankreich.

    Und Gigondas liegt in der Nähe von Avignon im département Vaucluse

    Falls sie wieder einmal im Périgord sein sollten:

    Ein must ist Rocamadour:

    https://www.google.de/search?q=Rocamadour&hl=en&client=firefox-a&hs=BXp&rls=org.mozilla:de:official&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ei=VHxFUaXIJJHMsga4lYCYDg&ved=0CAoQ_AUoAQ&biw=1024&bih=617

    http://voyage-bons-plans.aufem.....teaux.html

    und nicht zu vergessen:

    Saint Cirq La Popie

    https://www.google.de/search?q=Saint+Cirq+la+Popie&hl=en&client=firefox-a&hs=2E&rls=org.mozilla:de:official&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ei=7XxFUZHJIMnNsgbImYHoDw&ved=0CAoQ_AUoAQ&biw=1024&bih=617

    http://www.les-plus-beaux-vill.....rq-lapopie

    Ich kann nur hoffen, dass diese schoene Region nicht noch weitere Autobahnen erhaelt.

    Betonistas gibt es leider in Frankreich viel zu viele.

    Und hier die Karte der Autobahnen in Frankreich:

    http://de.wikipedia.org/wiki/L.....Frankreich

    Der Sueden ist bereits sehr gut erschlossen.

    Und:

    Ich bin nicht ihrer Auffassung, dass Frankreich noch mehr Autobahnen braucht.

    Es ist herrlich auf den kleineren Strassen durch das Land zu fahren.

    Es lohnt sich allerdings auf der Autobahn A 75 den Viaduct von Millau zu überqueren:

    http://www.leviaducdemillau.com/#/accueil/

    Und was die Fianzierung von Autobahnen Tunnel etc betrifft:

    Sie finanzieren doch in Deutschland den Autobahnbau über die Steuern.

    Dass ist doch nicht schlechter als ueber die péage die auch eine Steuer ist.

    Ich gruesse sie aus dem regnerischen Gigondas.

    Es ist ein Wetter wie meine Frau sagt, um seinen Hund, pardon seinen mari vor die Tür zu setzen:

    Aber wir haben einen großen Kamin, und das cassoulet ist in Vorbereitung:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Cassoulet

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    @ Jean-Luc

    Ich erkläre Ihnen das, wenn ich mal wieder dort war. Avignon ist nicht mehr so schön wie früher.
    Aber ein kleines Beispiel aus Deutschland:
    Bald in jedem Dorf eine riesige von Billiggebäuden zugepflasterte Fläche, auf die jeder Bürgermeister extrem stolz ist, bestehend aus Billigketten mit abzählbarem Personalstand, einer Autofirma mit Fläche für Neuwagen, die man ebensogut in Filmen betrachten könnte oder auf Autosalons oder in einigen wenigen Ausstellungsräumen, meistens ein riesiger Baumarkt sowie Lagerungsflächen für Zeug oder auch ein ToysRUs, der auch nur vor Weihnachten voll ist und klar, Burger King und McD. Riesige Flächen zubetoniert für wenig Umsatz und geringen Personalstand. Falls die Fläche vorher nicht erschlossen war, neue Straßen.
    Das ist hässlich, dämlich und ineffizient, aber jeder Bürgermeister preist sich dafür. Mein alter Bürgermeister, dort wo ich aufwuchs, pries sich wenigstens für das schöne Schwimmbad, dass er der Bevölkerung hinstellte, die heutigen loben sich für Ausstellungsflächen, darunter auch ganze Badezimmer und Küchen, die man ebensogut online in virtuellen Rundgängen ausreichend anschauen kann.
    Avignon, wenn ich mal wieder hinkomme, beurteile ich später. Aber Sie kriegen dafür den Pont du Gard:
    Früher konnte man den Pont du Gard anfahren und betrachten. Heute ist er nicht mehr sichtbar. Wenn Sie ihn sehen wollen, müssen Sie in die Parkplatzabzocke fahren, die Gebühr zahlen, ihr Auto verlassen, beten, dass es noch (beladen) da ist, wenn Sie zurückkommen, und nach der Tour sind Sie um Einiges ärmer. Den Pont du Gard haben bekanntlich die Römer gebaut. Früher gehörte er allen, heute gehört er der französischen Regierung, und wer ihn sehen will, der blecht.
    Tatsächlich wäre es angenehmer, wenn es mehr Bauern und weniger Parkplatzabzocke gäbe. Bauern sind auch Kapitalisten, oder? Aber wenigstens produzierten sie bisher etwas. Sie bereicherten sich nicht an Sachen, die ganz andere produziert haben. Jetzt rätseln Sie mal über den hier verwendeten Imperfekt.

    Sie sollten noch wissen, dass mein Mittelschichtsvater seine geliebten Autos selbst reparierte. Unser ganzer Keller war voller Autoteile. Auch hier wurde der talentierte Bürger enteignet. Das Auto muss wegen der Elektronik in die Werkstatt und kann einen verarmen.

    Wenn Sie mich so fragen: Würde ich gern zurück? Raus aus der Elektronik? Hin zu mehr Handarbeit, mehr Arbeitsplätzen? Ja, liebend gerne.
    Würde ich gerne, dass man sich Kultursites nicht unter den Nagel reißt, sondern jeder sie von weitem sehen kann? Ja, auf jeden Fall.
    Ja, wir werden immer mehr geschröpft und immer unselbstständiger gemacht. Und arbeitsloser, wie man an den Mittelmeerländern sieht.
    Würde ich auf den Navi verzichten? Natürlich. Ich kann noch mit Landkarte fahren. Gibt es das eine oder andere, auf das man ohne weiteres verzichten könnte? Klar. Zum Beispiel auch auf den Computer. Offline ist man oft bedeutend glücklicher. Aber ich will nicht vorschlagen, ihn abzuschaffen, weil das sowieso undenkbar ist. Ich möchte nur seine Dominanz und scheinbare Unentbehrlichkeit in Frage stellen. Wir kämen nicht ohne Brot aus, aber jederzeit ohne Microsoft, Google, Apple, Facebook und Twitter. Jederzeit. Keiner würde verhungern, im Gegenteil. Ich will nur das, das wir heute als „Wirtschaftswachstum“ bezeichnen, als das etikettieren, was es ist: Eine unselbstständig machende und in Bezug auf Arbeit enteignende überschätzte Chimäre, an der sich Anleger dumm und dämlich verdienen, während andere, die überflüssig werden, daran verarmen, und die Eltern ein Loch in den Geldbeutel schneidet.
    Und dann wissn Sie ja, dass man heute edel in alten Fabrikgebäuden (Lofts) leben kann, oder dass das alte Vierzylinder-Bürogebäude von BMW eine Show ist. Strengere Bauauflagen für die Industrie wären eine schöne Idee, dafür weniger strenge Bauauflagen für Leute, die sich einen Wintergarten anbauen wollen. Man tobt sich hier grundsätzlich bei den Bürgern aus, woraus die Bürger den Schluss ziehen, dass sie verachtete Milchkühe sind, gut zum Arbeiten und zum Schröpfen. Und wenn die Brüsseler damit ankommen, dass alte Autos nicht mehr in Städte einfahren sollen, haben sie mal wieder diese Melkkuh im Auge, obwohl ja wohl die meisten Abgase von Lastwagen ausgehen.

  15. avatar

    @Parisien

    “Wasser predigen und Wein trinken.”

    Merci

    Wir halten nicht viel von Wasser!!

    Daher:

    On ne peut prêcher la tempérance en ayant la bouche pleine

  16. avatar

    Cher Parisien,

    Avignon ist auch zu industrialisiert.

    Dass muessen mir schon erklaeren…

    Wollen sie das alle Menschen wieder in der Landwirtschaft arbeiten?

    Sie profitieren doch auch als selbstaendiger Arzt vom Kapitalismus oder?

    Haben sie nicht gesagt, dass ihr Haus vor 20 Jahren gekauft heute den dreifachen Wert hat??

    Und wie wollen sie die Entwicklung aufhalten?

    Ich kann mich sehr gut erinnern, dass sie ein Freund von Texas sind, da gibt es doch den Kapitalismus pur.

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    @BVG: Nein. Wenn überhaupt würde es den Anfang des herrschaftsfreien Diskurses bedeuten, denn die Political Correctness versucht, der Herrschaft den Zahn zu ziehen, mit dem sie andere unterdrückt. Das klappt aber nicht; die Stammtische reden sowieso, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, und die Political Correctness versucht erfolglos dagegenzuhalten. Das gefällt den Stammtischen trotzdem nicht. Wenn es leichten Gegenwind gibt, fühlen sie sich gleich wie eine eliminatorisch verfolgte Minderheit.

    @Parisien: Endlich haben Sie mal was Angenehmeres geschrieben als dieses ewige Gejammer und Gemecker. Ich habe mich sogar inspirieren lassen, wie Sie sehen (s.o., BVG).

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    @ Jean-Luc

    Eine andere sehr notwendige AB ist die Brenner-Autobahn. Gelegentlich fahre ich mal unten auf der alten Brennerstraße. Wenn alle da fahren würden, wäre das ein GAU.
    Die anderen Länder haben immer eine Methode gehabt, ihre Bergstraßen, Tunnel und Autobahnen zu finanzieren. In Deutschland kam das viel zu spät.
    Ich bin mal gefahren von etwa dort, wo Sie jetzt sind, in das Périgord. Landstraße. Das ist nicht besonders sinnvoll für die französischen Dörfer und Städte. In Frankreich fehlt eine Autobahn quer durch das Land im Süden.
    Was allgemein fehlt auf Autobahnen, ist Werbung für Gasthöfe, für die man abfahren muss, aber manchmal nur maximal 5 km. Es gibt aber hierfür genug Führer.

  19. avatar

    @ Jean-Luc:

    1. „Und waren Sie gegen den Bau der Tauernautobahn?“

    Nein. Die Tauern-AB war notwendig. Wir standen auf dem Glockner vermutlich im Stau, und es wäre umweltfeindlicher, wenn weiter alle über den Berg gefahren wären. Heute fahren dort nur noch ein paar Nostalgiker und Motorradfahrer. Ich auch. Ohne Holländer (Mit – ächz! – Wohnmobilen.)

    2.“Haben Sie gegen die Zerstoerung der Landschaft durch die Autobahnen in Deutschland protestiert?“

    Nein. Ich finde Autobahnen bedeutend umweltfreundlicher als Landstraßen, außerdem sicherer. Es ist nicht sinnvoll, wenn Touristen und Speditionen durch Dörfer und Städte fahren. Die deutsche Landschaft wird kaum durch sie zerstört, weil sie meistens den Verlauf der Landstraßen haben, wo möglich. Tiere sind oft durch Zäune besser abgegrenzt. Man sieht mehr Tierzäune an AB als an Landstraßen. Wenn eine Vollsperrrung auf einer AB stattfindet, können Sie sehen, was auf den Landstraßen los ist.

    3. „Heisst es nicht in der deutschen Sprache:

    Wein trinken und Wasser predigen.“

    Nein. Es heißt „Wasser predigen und Wein trinken.“ Ich habe nicht gepredigt, sondern eine kleine nostalgische Geschichte erzählt, eine Geschichte aus Zeiten, in denen noch nicht an jeder Ecke in Kärnten ein Gewerbezentrum stand. Nichts gegen Gewerbe, sondern gegen die massive Schwemme von tagsüber oft leeren Gewerbezentren. Wo ein Lidl, da auch ein Aldi, nur aus Prinzip. Dann noch ein Kik und früher ein Schlecker. Irgendwann erzeugt der sinnlose Kompetitionswahn eine Pleite.

    4. „Als Sie als Zwerg mit dem Auto durch Europa gereist sind, gehoerte ihre Familie sicherlich zur deutschen upper-class als Autobesitzer oder ?“

    Nein. Absolute Mittelklasse. Mein Vater hatte sein ganzes Erwachsenenleben lang ein Auto, aber nie einen Neuwagen.

    Ich grüße Sie nach Gigondas. Ich liebe Gigondas.
    Avignon ist auch zu industrialisiert.

    @ Moritz Berger
    Habe Sie falsch eingeordnet. Sie können auch hier bleiben. Wenn Sie an mir anecken, gehe ich. Lassen Sie dbh in Ruhe. Vielfalt ist besser als Ausgrenzung. Ausgrenzung ist einfältig. Und Patriotismus ist gesund, solange er nicht in Nationalismus umschlägt. Die Franzosen sind auch Patrioten, Türken ebfs., Amerikaner auch.

  20. avatar

    Cher Parisien,

    wenn ich ihre Zeilen lese:

    Die halbe Welt macht Politik oder Wirtschaft, das große Ah ist auf der Strecke geblieben. Zusammen damit vielleicht das kleine Glück der Zufriedenheit, das man beobachtet, wenn Engländer an einem Platz mit Aussicht ihr Auto anhalten, einen Klapptisch und Stühle herausnehmen plus natürlich Tee. Zu hektisch, alles. Und dass die Bienen krank sind, ist nur ein Symptom.

    Aber dann lese ich dass Sie die MacDonald Restaurants auf den deutschen Autobahnen mit Ihrer Familie besuchen.

    Warum nicht einfach einmal eines der vielen guten bayrischen Gasthaeuser besuchen, die nur ein paar Kilometer von der Autobahn entfernr liegen.

    Und was die Provence betrifft:

    Wo ist die Provence industrialisiert ausser in der Région von Marseille?

    Und waren Sie gegen den Bau der Tauernautobahn?

    Haben Sie gegen die Zuerstoerung der Landschaft durch die Autobahnen in Deutschland protestiert.

    Heisst es nicht in der deutschen Sprache:

    Wein trinken und Wasser predigen.

    Als Sie als Zwerg mit dem Auto durch Europa gereist sind, gehoerte ihre Familie sicherlich zur deutschen upper-class als Autobesitzer oder ?

    Ich vermute, dass sie wie auch M. Posener zur Generation der ueber sechzig jaehrigen gehoeren.

    Und wenn wir heute nur noch wenig Natur sehen, dann liegt es daran, dass wir zu wenig gegen diese Entwicklung getan haben.

    Ich gruesse sie aus heute aus Gigondas (assez pluvieux)

  21. avatar

    Lieber Lyoner,

    es gibt Stammtische und Stammtische

    Tolerieren Sie doch einmal die Aussagen von EJ

    Wir haben uns doch auch an Ihren Judenknacks (laut Alan Posener) gewöhnt.

    Ich wünsche Ihnen ein schönes sonniges Wochenende in Potsdam ohne Textexegese am PC

  22. avatar

    Lieber Parisien,

    wie schreiben Sie so treffend:

    Dass keiner antwortet, ist ein sicheres Zeichen ….

    Auf meine Ausführungen haben Sie leider bisher nicht geantwortet (Ausnahme Milan Kundera)

    Es wäre sehr schön wenn Sie einmal zu Potte kommen würden:

    Moritz Berger sagt:
    15. März 2013 um 19:54

    Liebe Parisien,

    aus meinem Text geht doch wohl eindeutig hervor welche Rolle das Web für mich einnimmt.

    Daher noch einmal zur Klarstellung:

    Es ist für mich persönlich ein zusätzliches Werkzeug und um es plastisch darzustellen früher hatte man eine Handbohrmaschine, heute ist es eine Hilti.

    Und was mein ganzes Ding betrifft…. Crowdsourcing (Sie nennen es kollektive Intelligenz)

    http://de.wikipedia.org/wiki/Crowdsourcing

    ist eine ” interaktive Wertschöpfung ”

    Und wenn ich Ihrer Logik :

    “Ihr ganzes Ding zielt auf kollektive Intelligenz ab, die die Errungenschaften des Einzelnen unterbewertet und dann in der Folge auch nicht mehr gescheit bezahlt, weil überflüssig geworden.2

    folge,

    dürfte es z.B. kein Linux existieren:

    http://en.wikipedia.org/wiki/Linux

    und auch solche Projekte wie erschwingliche Solarlampen für Entwicklungsländer aus den Niederlanden.

    http://www.crowdsourcing.org/n…..q=WakaWaka

    eine Mischung aus crowdfunding und crowdsourcing wäre ohne das Web und die aktive Teilnahme von Personen weltweit nicht realisiert worden.

    Was Milan Kundera betrifft, ich kenne von ihm:

    Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins

    Das Buch vom Lachen und Vergessen

    Die Langsamkeit

    Die Entdeckung der Langsamkeit ist von Sten Nadolny und auch eines meiner Lieblingbücher

    Was meine letzte Klosterliteratur betrifft:

    Zum wiederholten Male habe ich das Buch von Bruce Chatwin gelesen:

    What Am I Doing Here

    Und wo steht dass ich hier ein Kunstprodukt verteidige?

    Und was verstehen Sie unter:

    Der Blog gehört den Autoren?

    Letztlich sind Sie doch auch ein Autor oder liege ich da falsch?

    Und:

    Wie kommen Sie auf den Gedanken, dass ich im IT Bereich bei MS tätig bin?

    Und warum unterstellen Sie mir das ich den Blog zu anderen Zwecken verwenden will, als vielmehr vom Autor gedacht?

    Ich war bisher der Auffassung, dass Alan Posener neuen Entwicklungen aufgeschlossen ist.

    Und im übrigen:

    Meine Ausführungen richteten sich nicht an Alan Posener sondern bezogen sich auf die Kommentare von EJ seinem ” gespanntem Verhältnis ” zum Blog und m.E. auch den Äußerungen seiner Kinder zum Blog und zum “Stammtisch”.

  23. avatar

    @ Parisien, Moritz Berger, EJ, Roland Ziegler & Co.

    Ich habe hier in der letzten Zeit nur sporadisch mitgelesen, habe aber das Gefühl, die Diskussion bzw. das ganze Blog, wäre mittlerweile eine ideale Basis für eine soziologische Diplomarbeit(oder heißt das heute Masterarbeit?).

  24. avatar

    @ Alan Posener
    Weit mehr unter den Nägeln als die Frage, ob wir jetzt neben unserem (verdrängten) eliminatorischen Antisemitismus (Broder: nicht abwarten können, bis Judenblut von den Messern spritzt einen hundsgemeinen Antisemitismus pflegen, brennt mir dies unter den Nägeln

    Die Armut kommt (http://www.focus.de/politik/de.....31446.html)

    In Ihrem letzten Beitrag haben Sie formuliert, dass Sie ein starkes Europa wollen, den Euro dabei nicht für entscheidend halten, wohl aber die Zuwanderung (Zitat „Und das geht nur, wenn Europa stark ist. Dass dazu der Euro nötig ist, habe ich nicht gesagt, und davon bin ich immer weniger überzeugt. Bekanntlich habe ich Sarrazins Euro-Buch gelobt. Wohl aber die Zuwanderung.“)

    Ich habe Sie gefragt, wie das zu verstehen sei; Sie haben bisher dazu keinen Mucks getan. Jetzt bitte ich Sie nochmals von dem Ross Ihrer schöngeistigen gesinnungsethischen Philanthropie herabzusteigen und mal darzustellen, wie Sie sich das vorstellen, welche Bilanz mit welchen Aktive und Passiva der Zuwanderung Sie erstellen. Meinen Sie das (Focus-Report) oder meinen Sie was anderes? Wie müßte hier die Willkommenskultur definiert werden? Kommt alle zu uns, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken?

    Wenn man Ihre Denunziation von Sarrazin (Deutschland schafft sich ab), Buschkowsky etc, die ja fast schon als Faschisten zu gelten haben, mit Ihrer Position zur Zuwanderung, in der x-beliebige Populationen andere Populationen x-beliebig ersetzen können, in Verbindung setzt, muss man schon die Frage stellen, ob Sie gewillt sind, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden oder – eher nicht.

    Um kein Mißverständnis aufkommen zu lassen: Der Skandal für mich liegt nicht darin, dass diese armen Teufel zu uns kommen wollen, sondern dass wir (das Volk der Bundesrepublik Deutschland) keine Souveränität mehr haben, hier unsere Agenda zu bestimmen, welche Einwanderung und in welchem Umfang wir haben wollen; dass uns hier „philanthropische“ Eurokraten dieser Souveränität beraubt haben.

    @ EJ: halten Sie das für „Stammtisch“?

    @ Alan Posener
    Auf Ihre Überlegung zu dem Terminus „auserwähltes Volk“ komme ich gerne zurück; dazu brauche ich allerdings Zeit, eine Erwiderung will ich nicht als „Starke Meinung“ aus der Hüfte schießen. Vielleicht schaffe ich das morgen. Vorab: Ihr Versuch, die Sache mit PC und den einzigwahren kanonischen Aussagen zu lösen, ist zum Scheitern verurteilt. Diese PC entsprecht weder der alten Kunst der Exegese oder Hermeneutik z.B. von Talmudgelehrten noch der postmodernen Kunst der Auslegung z.B. im Dekonstruktivismus, in der sich laut Jacques Derrida die Bedeutung nie präzise lokalisieren läßt. Sie wird vielmehr andauernd verschoben, an andere Orte gerückt, anderen Bedeutungen zugeordnet, die ihrerseits auf wieder andere Bedeutungen verweisen. Der Prozess der Verschiebung ist stetig und fließend, aber es gibt Momente, in denen er zum Stillstand kommt und zusammenbricht. Derrida nennt diese Momente „Aporie“. Das ist jedoch bei Ihrem bodenlosen Positivismus, Ihrer Dogmatisierung nicht der Fall. Damit versuchen Sie natürlich einen Zaum um Bedrohliches und Angstmachendes zu errichten; damit scheitern Sie natürlich.

    @ Parisien
    Ich halte es immer für ein Zeichen der Schwäche, wenn jemand mit der Abwertung „Stammtisch“ (das meint ja sowas wie rassistischer, dumpfer Pöbel) denunziert.

  25. avatar

    @ MB
    Lesen Sie’s nochmal:
    „Ihr Problem, @ EJ, ist dann zu einem Drittel gelöst. In Anbetracht der Tatsache, dass ich Ihre Familie zu einem Drittel glücklicher mache, fällt mir das nicht schwer, denn meine Familie liest hier i.d.R. nicht.“

    Sie haben eine Antwort über Berge und Bienen.

  26. avatar

    @ MB

    Ich wusste, dass mit dem Kundera-Titel etwas nicht stimmt. Man muss wirklich alles nachschauen.
    Die Gasthäuser in Irschenberg sind auch immer voll. McD nimmt ihnen nichts weg. Das Kirchlein mag schon manchen Unfall verursacht haben, genau wie der Chiemsee. Dazu eine kleine Geschichte:
    Als ich noch ein Zwerg war, fuhren wir aus der hässlichsten Gegend Deutschlands dort entlang in den Urlaub. Der Anblick der ersten Zwiebeltürme und der Berge führten zu einem großen Staunen bei uns Kindern. Dieses Staunen hat mich vielleicht verliebt gemacht in die Natur. Es gab keine Tauernautobahn. Wir überquerten den Glockner und fuhren vom Glockner zum Langkofel und von dort quer durch Österreich. Das Staunen hörte nicht auf. Der grüne Toblacher See, der Traunsee, der Weißensee, der Wörthersee, die Berge, der Kaiserschmarrn. Heute sind die Kärntner Täler zu stark industrialisiert, genau wie übrigens die Provence. Ich habe Europa noch schön erlebt, viel unberührte Natur.
    Von dem Staunen, finde ich, haben wir heute zu wenig, und das macht zu wenig Demut und zu wenig echtes Glück. Das Staunen hat sich in meinem Leben wiederholt – meine erste französische Kathedrale, Paris, meine erste englische, Salisbury, später die Alhambra oder die Mezquita, und die Berge immer wieder. Und später der größte Schatz: Canterbury. Über dieses Staunen vor der Schönheit könnten wir uns verstehen. Es ist alles viel zu politisiert. Die halbe Welt macht Politik oder Wirtschaft, das große Ah ist auf der Strecke geblieben. Zusammen damit vielleicht das kleine Glück der Zufriedenheit, das man beobachtet, wenn Engländer an einem Platz mit Aussicht ihr Auto anhalten, einen Klapptisch und Stühle herausnehmen plus natürlich Tee. Zu hektisch, alles. Und dass die Bienen krank sind, ist nur ein Symptom.

  27. avatar

    Lieber Parisien,

    1. EJ ist seit mehr als 8 Jahren im Blog von Apo unterwegs ich nicht!

    2. Ich war der Meinung dass ich mich in der Beschneidungsdebatte wenn überhaupt dann nur sehr am Rande mit Beiträgen beteiligt habe. Woher leiten Sie daher eine Überheblichkeit ab.

    3. Warum machen Sie meine Familie zu einem Drittel glücklicher??

    4. Was läßt Sie vermuten, dass meine offsprings in die Politik gehen??

    Das wahrscheinlich einer der letzten Bereichen, den empfehlen würde.

    Eine Basisberufsausbildung sprich Lehre und dann falls Interesse besteht ein Studium würde ich empfehlen. Aber Sie wissen es sicherlich besser als ich. die eigenen Kindern gehen nicht immer den Weg der Eltern.

    Und bei Ihrem nächsten Kaffeesatzlesen zu meiner Person, würde ich Ihnen ganz bescheiden empfehlen meine Beiträge genauer zu lesen.

    Dieser Ratschlag stammt nicht von mir sondern ist O-Ton Parisien.

  28. avatar

    Nachtrag:

    … zu oben angeführten Marx’schen Thesen noch der österreichische Migrant Adolf Hitler in einer öffentlichen Rede 1941: ‚Nationalsozialismus und Marxismus sind im Grunde dasselbe‘ Quelle: F. A. Hayek, ‚Der Weg in die Knechtschaft‘, 1952

  29. avatar

    Lieber Parisien,

    da Sie den Irschenberg erwähnt und auch die McDonalds Restaurants an der Autobahn, hier zur Erinnerung ein ein Lied von den Biermösln Blosn:

    Ja meine liabn Leit, jetz seids a weni still,

    weil i enk aa amoi oans singen will. Von einer Gmoa, an jedem von uns wohlbekannt an oam von de scheenstn Fleck im Oberland. Dort wo der Wendelstein so stolz herübergrüßt, mit einer Aussicht, de ma net so leicht vergisst, a Platzerl, grod ois wia vom Hergott soiber gmoin, akkrat dort hi‘ woins an McDonald’s stoin!

    Dort wo ein Wallfahrtskircherl steht in greana Wies kommt man dann in ein Big Mac-Paradies. Drin bet‘ da Gemeinderat de Irschenberg-Fürbitt: Oh Herr, gib uns den täglichen Profit! Da Burgamoasta bet‘ voraus, bei dera Litanei, d‘ Regierung und da Landrat stimman aa mit ei «Huif uns in unsrer Not, bei der Gewerbesuach, oh, steh uns bei, oh heiliger Sankt Ruach!»

    Pfüa God, scheens Bayernland, jetz hoaßts hoit Abschied nehma, von boarische Wirtshäuser, ja, weit is‘ kemma! Es Gebirgsschützen und Trachtler, habts auf d‘ Ehr vergessn boid könnts beim Heimatabend an Big Mac fressn. Dene Gemeinderäte wünsch ma dass as büaßn und eahna Lebtag lang den Scheißdreck fressn müaßn. Grüßt der McDonald’s dann hinaus ins Oberland, g’hört Irschenberg in Hirschenberg umbenannt!

    Und hier zur Erinnerung:

    http://www.youtube.com/watch?v=fZqeVnvnaAk

  30. avatar

    Dass keiner antwortet, ist ein sicheres Zeichen dafür, dass ich mal wieder eine Auszeit nehmen sollte von mindestens vier Wochen oder mehr.
    Ihr Problem, @ EJ, ist dann zu einem Drittel gelöst. In Anbetracht der Tatsache, dass ich Ihre Familie zu einem Drittel glücklicher mache, fällt mir das nicht schwer, denn meine Familie liest hier i.d.R. nicht.
    Da Sie das hier acht Jahre als Ihr Nebenwohnzimmer betrachteten, will ich Ihnen das nicht nehmen. Ihre Überheblichkeit hat mich verstört. Mit sowas will ich nicht zu tun haben. Übrigens passt diese Überheblichkeit zu Ihrer Einstellung in der Beschneidungsdebatte, denn die war auch überheblich.
    Was mir ernsthaft Sorge bereitet, ist, dass möglicherweise Ihr offspring in der Politik landet, meiner ganz sicher nicht. Aber das war ja schon immer so. Alles Gute!

  31. avatar

    Lieber KJN

    noch ein Nachtrag zum Thema Ernährung:

    „Dabei gehe noch etwas ganz Entscheidendes verloren: „Essen ist im Wesentlichen ein soziales Ereignis“, sagt der Ernährungspsychologe. „Wenn man einen Franzosen fragen wird, was ihm am Essen Spaß macht, wird er auf jeden Fall ‚das Zusammensitzen‘ antworten.“ Dieser Punkt ist es auch, der selbst Rhinehart ins Wanken bringen könnte: Er könne sich schon vorstellen, in Zukunft wieder häufiger essen zu gehen, sagt er in einem Interview. Wenn er mehr Geld habe – oder eine Freundin.“

    aus:

    http://www.spiegel.de/gesundhe.....88816.html

  32. avatar

    Liebe Parisien,

    aus meinem Text geht doch wohl eindeutig hervor welche Rolle das Web für mich einnimmt.

    Daher noch einmal zur Klarstellung:

    Es ist für mich persönlich ein zusätzliches Werkzeug und um es plastisch darzustellen früher hatte man eine Handbohrmaschine, heute ist es eine Hilti.

    Und was mein ganzes Ding betrifft…. Crowdsourcing (Sie nennen es kollektive Intelligenz)

    http://de.wikipedia.org/wiki/Crowdsourcing

    ist eine “ interaktive Wertschöpfung “

    Und wenn ich Ihrer Logik :

    „Ihr ganzes Ding zielt auf kollektive Intelligenz ab, die die Errungenschaften des Einzelnen unterbewertet und dann in der Folge auch nicht mehr gescheit bezahlt, weil überflüssig geworden.2

    folge,

    dürfte es z.B. kein Linux existieren:

    http://en.wikipedia.org/wiki/Linux

    und auch solche Projekte wie erschwingliche Solarlampen für Entwicklungsländer aus den Niederlanden.

    http://www.crowdsourcing.org/n.....q=WakaWaka

    eine Mischung aus crowdfunding und crowdsourcing wäre ohne das Web und die aktive Teilnahme von Personen weltweit nicht realisiert worden.

    Was Milan Kundera betrifft, ich kenne von ihm:

    Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins

    Das Buch vom Lachen und Vergessen

    Die Langsamkeit

    Die Entdeckung der Langsamkeit ist von Sten Nadolny und auch eines meiner Lieblingbücher

    Was meine letzte Klosterliteratur betrifft:

    Zum wiederholten Male habe ich das Buch von Bruce Chatwin gelesen:

    What Am I Doing Here

    Und wo steht dass ich hier ein Kunstprodukt verteidige?

    Und was verstehen Sie unter:

    Der Blog gehört den Autoren?

    Letztlich sind Sie doch auch ein Autor oder liege ich da falsch?

    Und:

    Wie kommen Sie auf den Gedanken, dass ich im IT Bereich bei MS tätig bin?

    Und warum unterstellen Sie mir das ich den Blog zu anderen Zwecken verwenden will, als vielmehr vom Autor gedacht?

    Ich war bisher der Auffassung, dass Alan Posener neuen Entwicklungen aufgeschlossen ist.

    Und im übrigen:

    Meine Ausführungen richteten sich nicht an Alan Posener sondern bezogen sich auf die Kommentare von EJ seinem “ gespanntem Verhältnis “ zum Blog und m.E. auch den Äußerungen seiner Kinder zum Blog und zum „Stammtisch“.

  33. avatar

    @ Moritz Berger

    Sie wollen diesen blog zu ganz anderen Zwecken gebrauchen als er vielleicht vom Autor gedacht ist. Ich würde mich doch sehr wundern, wenn es dem Autor um Info 2.0 geht.
    Wenn ich zu einem posting schreibe, geht es zunächst einmal um den Text. Wenn sich später etwas anderes ergibt, dann ist das ja legitim. Aber zunächst einmal geht es mir um die Texte des Autors, und dieser blog gehört den Autoren und nicht etwa Ihnen oder EJ oder auch Lyoner oder Ziegler oder mir oder einzelnen Interessengruppen.
    Sie verwenden den m.E. falsch und kommen damit nicht zu Potte. Falls Sie der MB sind, der für Microsoft in Seattle und D arbeitet, ist das klar.
    Sie haben aber gesehen an „EGO“, dass das Dikat der Informationsgesellschaft zunehmend zu Recht, wie ich finde, am Pranger steht aufgrund von Künstlichkeit, Schnelligkeit und Fehlentscheidungen. Dies betrifft nicht nur den Finanzbereich, sondern auch die Politik. Es kann doch nicht angehen, dass eine Kanzlerin sich innerhalb kürzester Zeit zu einer drastischen Wende drängen lässt, die uns noch teuer kommt. Es kann auch eigentlich nicht angehen, dass über Twitter ganz Nordafrika und der gesamte NO in Unruhe geraten mit der Folge, dass die Ägypter heute noch ärmer sind.
    Ihr Kunstprodukt, das Sie hier verteidigen, ruht auf falschen Voraussetzungen: Dass Schnelligkeit die besten Ergebnisse bringt und dass ein ungehinderter Info-Austausch immer bessere Resultate zur Folge hat als ein solides Denken und Planen Einzelner oder kleinerer Teams.
    Bei Ihrer Vertretung solcher Interessen sind zwangsläufig typische Deutsche oder Patriotismus jeglicher Art ein Störfaktor. Dann wollen wir Sie doch weiter stören, damit Sie Ihre Klosteraufenthalte verlängern und dort mal lesen: Milan Kundera, Die Entdeckung der Langsamkeit. Viel Freude!
    Ihr ganzes Ding zielt auf kollektive Intelligenz ab, die die Errungenschaften des Einzelnen unterbewertet und dann in der Folge auch nicht mehr gescheit bezahlt, weil überflüssig geworden. Die Abschaffung des menschlichen Geistes, sein Ersatz durch Algorithmen in kleinen seelenlosen Kästen.

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    @ dbh

    Teilmenge mit Ihnen: Irgendwie ist es mir gelungen, meine Kinder auch zu Freunden zu machen. Meine Kinder würden im Traum nicht auf die Idee kommen, zu kritisieren, was ich lese, wo ich lese und mit wem ich mich unterhalte, so wie ich niemals an ihren Handy-Speicher gehen würde.
    Abgesehen davon haben sie überhaupt keine Zeit, sich ganze Seiten im Kommentarbereich eines blogs anzuhören. Gelegentlich lese ich ihnen ein Stück von einem Autor vor. Meine Kinder sind trotzdem Kinder. Sie machen ihr school work abends im Wohnzimmer und fragen mal nach was. Dazwischen machen sie Sport oder gehen mit Freunden weg. Ich glaube, meine Kinder sind meine Freunde geworden, weil ich sie in der Schule unterstützt habe, Brücken zu Lehrern gebaut habe und sie gleichzeitig lange Kinder habe bleiben lassen. Außerdem gibt es klare Freiheit: Jeder darf denken, essen oder anziehen, was er will. Es gab immer Süßigkeiten, schon als sie klein waren, eine ganze Schublade voll. Wenn Süßigkeiten da sind, hat man Ostern noch die Schokolade von Weihnachten und erlebt große Freude, wenn im Mai ein Obstsalat aus frischem Obst hergestellt wird oder immer Saison-Obst im Haus ist.
    Einer liebt McDonalds, die anderen beiden nicht. Wenn wir auf der Autobahn bei McD halten, bestellt einer den größten Hamburger, der andere Salat, einer Cola, der andere Mixmilch. Der dritte ist erwachsen. Wenn ich höre, dass eine Familie dem Vater in seine Tätigkeiten in blogs ‚reinredet, bin ich erschüttert. So was würde ich mir nie gefallen lassen.

  35. avatar

    @EJ

    Wo sie gehen und stehen online, kennen meine Kinder natürlich keinen Stammtisch mehr. Aber was sie kritisieren, ist (in meiner Sprache) der Stammtisch: die unendliche unreflektierte (Re-)Produktion von Einstellungen und Haltungen. – Das ist, ich hatte es angedeutet, auch eine Kritik an der (Kommunikations-)Form des Blogs. Und führt – mir als Vater meiner Kinder durchaus wichtig und sehr recht – bis zu einer Kritik (der Kommunikationskultur) des Internets.“

    Sie sprechen zu recht den Blogstammtisch hier unter starke Meinungen an.

    Daher bewegt sich aus meiner Sicht die Diskussion hier oftmals auf dem Niveau von Web 0.1., soll heißen eine Informationsaustausch findet nur in sehr geringem Umfang statt.

    Das ist letztlich auch dadurch bedingt dass das Netz gerade einmal roundabout 15/17 Jahre existiert und das Potential des Informationsaustauschs bei weitem nicht genutzt wird.

    Wenn ich mir z.B. blogs im wissenschaftlichen Bereich anschaue, dann registriere ich zunehmend eine Professionalisierung des Gedankenaustauschs.

    Ich bin nicht der Vertreter eines imer wie auch gearteten e-hype, soll heißen alles nur noch über das Web, sondern sehe es als ein nützliches Werkzeug an, dass mir persönlich in vielen Bereichen andere Einsichten ermöglicht hat.

    Neue Kommunikationsformen wie z.B. das crowdsourcing stellen m.E. erste Ansätze auch zu neuen Gesellschaftsformen.

    Was die Disziplinlosigkeit betrifft… Das Netz hat schon sehr früh die http://de.wikipedia.org/wiki/Netiquette entwickelt, die leider nicht mehr bekannt ist.

    Und:

    Neben dem Web und dem facebook gibt es noch den realen Alltag und realen Lara Crofts.

    Und ein Telefongespräch ist oftmals besser als ein Mail.

    Angesichts der täglichen Informationsflut hat sich als eines der ersten Unternehmen ATOS entschieden intern keine Mails mehr zu versenden:

    http://www.bbc.co.uk/news/technology-16055310

    Und noch ein Nachsatz:

    Stammtisch bleibt Stammtisch

    Ob dass nun Sonntags nach dem Kirchgang bei Ihnen im Dorf bei 1, 2 , 3 Maß stattfindet oder ob Sie ist auf den Blog bezogen mit den Worten umschreiben:

    „die unendliche unreflektierte (Re-)Produktion von Einstellungen und Haltungen.“

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    @EJ: Ich finde es schön, wie Sie von Ihren Kindern kritisiert werden und diese Kritik auch annehmen. Ich selber werde ehenfalls oft und gerne kritisiert, allerdings noch (!) nicht wegen Blogbeiträgen, sondern anderer Vergehen (insb. Strenge bei ausufernden Fernsehkonsum und Süßigkeiten). Trotzdem hoffe ich, dass Ihre Kinder gelegentlich ein Auge zudrücken und nicht so hart mit dem Stammtisch, der unterm Strich doch eine soziale Einrichtung ist, ins Gericht gehen. Der Stammtisch jedenfalls, wie man hier lesen kann, findet jedenfalls auch Beiträge bedenkenswert, die Ihre Kinder als unvollkommen ablehnen. Selbst derblondehans hat ja schonmal gesagt, dass auch Fragwürdiges oder Falsches seinen Wert hat 🙂

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    EJ: derblondehans würde es so nennen: – “Sozialismus” (‘Kollektive sind lebensnotwendig’) usw.

    … Kollektive sind alle in der Historie gescheitert.

    Versuchen Sie es mit Ihren Kindern mal im Team. 😉 Im Team kann sich niemand, auf ‚Kosten‘ anderer, ausruhen. Daher.

    Meine Kinder sind mir zuerst Freund, nur wenn nötig – Kind.

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    @ EJ

    Ihre Kinder sollten Ihnen lieber vorwerfen, dass Sie erstens andere Kommentatoren zusammen in eine Richtung einordnen, also kategorisieren, obwohl diese durchaus unterschiedlich sind und dass Sie zweitens intellektuell hochmütig ‚rüberkommen.
    Wir wissen jetzt nicht, was Ihre Kinder kritisieren, aber falls Sie Ihnen vorwerfen, dass Sie nicht mehr über den Tellerrand schauen, würde ich sie unterstützen.

  39. avatar

    @ KJN

    Nur kurz – es geht mir nicht um differierende Meinungen. Es geht mir darum, wie bzw. in welcher Beschränkung sie behauptet werden:

    Ich wollte Sie (oder die in meinem Kommentar @Roland sonst Genannten und Nicht-Genannten) nicht irgendwie „treffen“, schon gar nicht „ins Mark“. Ich hatte geschrieben, dass meine Kinder anderes und mehr von mir(!) verlangen. Heißt: Meine Kinder kritisieren mich. Klar, sie kritisieren Sie und andere auch, insofern Sie sich (als Mit-Blogger) ähnlich verhalten wie ich. Aber sie kritisieren vor allem mich.

    Wo sie gehen und stehen online, kennen meine Kinder natürlich keinen Stammtisch mehr. Aber was sie kritisieren, ist (in meiner Sprache) der Stammtisch: die unendliche unreflektierte (Re-)Produktion von Einstellungen und Haltungen. – Das ist, ich hatte es angedeutet, auch eine Kritik an der (Kommunikations-)Form des Blogs. Und führt – mir als Vater meiner Kinder durchaus wichtig und sehr recht – bis zu einer Kritik (der Kommunikationskultur) des Internets.

    In diesem Sinne war genau die Beschneidungsdiskussion, die Sie erwähnen, großes Familien-Thema. Heißt: Sie war Thema vor allem auch als Diskussion. Meine Kinder haben etwa meine religiöse Toleranz (wenn nicht meine religiöse Neigung) und etwa meinen – derblondehans würde es so nennen: – „Sozialismus“ (‚Kollektive sind lebensnotwendig‘) usw. einerseits mit meiner radikalen Ablehnung der Beschneidung andererseits nicht zusammenbringen können. Und, bitte, ich konnte es auch nicht.

    Diesen Mangel an Reflexion und Reflektiertheit habe ich einen Mangel an Diskurs oder Diskursivität genannt. – In der häuslichen Diskussion sind wir inzwischen so weit(*), statt von Stammtisch, von der (Re-)Produktion entpolitisierter, tendenziell totalitärer Wunschwelten zu sprechen. (Prototypisch bei demblondenhans und Parisien.) „Entpolitisiert und tendenziell totalitär“ insofern, als es primär um die jeweils insulare/ insular-totale (Selbst-)Behauptung einer Haltung oder Einstellung geht und nicht primär darum, die diversen (eigenen (und fremden)) Haltungen oder Einstellungen auf ihre Koexistenzfähigkeit hin zu prüfen und anzulegen.

    Mit dem Hinweis darauf, dass die Kritik meiner Kinder bzw. ihr Wunsch nach mehr („logischem“ bzw. politischem) Zusammenhang womöglich auch alters- bzw. entwicklungsbedingt ist, habe ich gewisse Zweifel an der Erfüllbarkeit des Wunsches meiner Kinder angemeldet. Ich weiß nicht, wie weit der Wunsch meiner Kinder erfüllt werden kann. Und prinzipielle Überlegungen legen nahe, dass er jedenfalls total auch vielleicht besser nicht erfüllt werden sollte. Trotzdem gebe ich meinen Kindern darin Recht, dass das Blog hinter dem, was ihm in der gewünschten Richtung möglich (und zweifellos auch „erlaubt“) wäre, inzwischen weit zurück bleibt.

    Womöglich, KJN, hängen wir hier alle einfach schon zu lange ‚rum und haben uns in der (denkerischen) Freiheit (oder doch eher Disziplinlosigkeit?) des Netzes allzu bequem eingerichtet. Ich denke, wir haben uns jeweils selbst allzu sehr typisiert. Ohne es zu bemerken. „Medientechnisch“ liegt das (wegen der „Kenntlichkeit“) nahe. (Und nicht nur im Internet, wie ein Blick in die Zeitung etwa zeigt.) „Sachdienlich“ ist es aber keinesfalls.

    Wie gesagt: Meine Kinder verlangen anderes und mehr von mir. Und ich halte ihren Wunsch für sehr berechtigt. (Wenn überhaupt im Netz, wäre er erfüllbar vielleicht in einem (streng) moderierten Blog. Aber das ist ein Thema, das ich jetzt nicht auf’s Tablett bringen will.)

    Also, KJN: „Treffen“ und dergleichen lag/ liegt mir fern. Oder, anders gesagt: Wenn, wollte/ will ich mich treffen. Und Sie sind – (insofern Mit-Blogger) mitgefangen, mitgehangen – allenfalls unvermeidlich mit-getroffen. – Den kleinen Kollateralschaden werden Sie mir hoffentlich verzeihen!

    (*)Meine Tochter studiert in dieser Richtung. „Von daher …“ – wie derblondehans vielleicht sagen würde 😉

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    @Stevanovic
    „Wäre das gewöhnlicher Antisemitismus? Schuldig! Ich habe mich gekringelt vor Lachen, beim ersten sehen.“
    Nein, kein gewöhnlicher Antisemitismus, gewöhnlicher Infantilismus.

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    @ Lyoner
    Dass ich Sie mal an die Rampe gestellt habe, war verkehrt. Ich kenne Sie nicht genug, um dieser Versuchung widerstehen zu können. Sie wissen außerdem, dass das Thema ein Hochofen ist, wo man mal zu sehr aufgeheizt ist. Im Prinzip könnte es sein, dass Sie sich vorgenommen haben, Zionisten zu ändern und selbst parazionistisch sind, und dass Sie an mancher Rigidität anecken und diese als unjüdisch empfinden. Das wäre eine hehre Aufgabe, an der Sie scheitern könnten.
    Was EJ Ihnen da vorwirft, ist nicht weniger hart (unter Kocks), dabei ist er selbst in der Mohel-Debatte negativ aufgefallen. Und im Moment würde er Sie gern mit mir und dbh zusammen in eine Kiste stecken, in die von außen Nägel eingeschlagen sind, und diese dann den Irschenberg herunter rollen lassen, damit er seinen Kindern wieder linke Haarspaltereien ohne konservative Störgeräusche vorlesen oder mailen kann, in denen er aufgrund von Intelligenz und Belesenheit groß ‚rauskommt. Da wir nur Teilmengen haben, ein Idealzustand, in dem man nicht verschlossen wird und gleichzeitig auf Distanz bleibt, sollten wir uns gegen diese belämmerte Einordnung, die einfach nur das Gegenteil der Sozialistenschelte von dbh ist und somit das Gleiche, zur Wehr setzen und EJ’s Kinderlein empfehlen, alles zu lesen und nicht nur das, was in Papis Ideologie passt.
    Vergessen Sie’s mit mir und Israelkritik. Mich kriegen Sie nicht dahin, weil ich manche Rigidität als Ei empfinde. Die Henne ist die einhellige Ablehnung seit 1948 bei einem in der Wolle gefärbten Antisemitismus, gefördert oder erst auf die Beine gestellt von der Verbindung Hitler-Mufti. Eine Entnazifizierung ist nicht zu erwarten.

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    Lieber KJN

    ich will Ihnen Ihre Illusion vom Südseeparadies nicht nehmen.

    Aber dort ist der Anteil der Fettleibigen an der Bevölkerung mittlerweile weltweit der höchste:

    http://www.sueddeutsche.de/leb.....-1.1439526

    Und was generell die Diskussion um die adäquate Ernährung betrifft…

    Health zählt zu den Sektoren mit den höchsten Profitraten.

    Dazu zählt auch der Bereich Ernährung

    Analog den Ratgebern im Bereich Erziehung werden wir auch mit Ratgebern Ernährung überflutet.

    Und ohne meinen Ernährungscoach nehme ich doch heute keine Joules mehr zu mir oder 🙂

    Ein ganz banales eigenes Konzept. Eine Waage im Badezimmer, falls zu sehr geschlemmt, fdh oder einmal Fasten und dann ausgewogene Ernährung viel Obst und Gemüse und wie zu Großmutters Zeiten pro Woche nur ein oder 2 Fleischtage

    Aber einfache Konzepte sind ja nicht in…

    Und statt des Fahrstuhl täglich die Treppe zu nehmen ist ja auch nicht in weil man geht ins Fitnissstudio/Spaa und dann natürlich nicht per Fahrrad sondern per Auto 🙂

    Wenn wir zunehmend unsere eigen Fähigkeiten etwas selbst zu erntscheiden verkümmern lassen, dann bleibt der Ruf nach Regulierung siehe bei den Präbiotika und Probiotika, linksdrehender Joghurt, nicht aus.

    Aber dies ist eben die Kehrseite unserer liberalen Wirtschaft.

  43. avatar

    Wenn man jüdische Autoren eine Weile intensiv liest, die einzige Methode, mit der man sich eine Masse erstellen kann, und wenn man die Fähigkeit besitzt, in der Literatur eine Zeitlang aufzugehen (was auch mit dem alten Russland und vermutlich jedem Land funktioniert) kriegt man eine Ahnung davon, wo sich ihre glückliche Mitte bewegt: Zwischen Realität und einem erfreulichen Zustand von meschugge und Kreativität. Falls das wirklich so sein sollte, ist das trotz allem sich wiederholenden Unglücks ein sehr glücklicher Stamm, dessen Erfolg auf der Mischung dieser Qualitäten ruht und in Deutschland am ehesten der Epoche der großen Dichter und Musiker ähnelt, soll heißen, sich bewahrt hat, was Deutschland spätestens 1914 – ich würde eher meinen, schon unter Bismarck und Wilhelm Zwo – verloren ging. Unschuld ist dabei.
    Das Deutschland, das danach entstand, ist tatsächlich m.E. so zu betrachten, wie Goldhagen es beschreibt, wenn er auch übertrieben hat. Man kann dieses Deutschland daran messen, dass es zeitgleich mit den Juden die ebenfalls und als meschugge angesehenen Zigeuner wie auch alle Meschuggenen generell vernichtete. Man kann es heute noch daran messen. In den meisten politisch-gesellschaftlichen Debatten geht es letztlich um stromlinienförmige Leistung und Effizienz. Die Tugenden Fleiß und Intelligenz, die nur Tugenden sind, wenn sie mit anderen Charakterzügen kombiniert vorkommen, stehen auch heutzutage wieder stärker im Vordergrund als in allen anderen Ländern meiner Kenntnis. Wie man sein und denken sollte, wird regelrecht gezüchtet, auch aktuell, und schnell wird ein Neusprech geschaffen, das Tendenzen fördert. So gesehen ist Deutschland in der Tat vielleicht das einzige Land, in dem effizient eine Stimmung gegen eine ganze Gruppe erstellt werden kann. Und deswegen gebe ich Goldhagen Recht, denn der Widerstand in diesem Land ist immer klein und war auch damals klein und vor allem zu spät, denn er hätte schon 1938 nach der Pogromnacht kommen müssen.
    So betrachtet ist man in diesem Land nur hundertprozentig sicher, wenn man sich an die vorherrschende Stimmung chamäleonhaft anpassen kann und zur gleichzeitig zur richtigen Gruppierung gehört (heute wäre das Migrationshintergrund, die 180°-Umkehr), und das können viele. Nicht umsonst haben wir den Ausdruck Wendehals. Daher ist es das beste für dieses Land, möglichst viele Gruppen zu haben, die sich auch ihr eigenes bewahren und vom Mainstream abweichen und dabei möglichst viele Deutsche zu haben, die das tolerieren oder gar wünschenswert finden.
    Ein wenig mehr meschugge würde dem Land gut tun. Aber es ist das Land, das einen seiner größten Dichter und Denker, Friedrich von Hardenberg, genannt Novalis, bespöttelt hat, weil er über das Ableben seiner Braut nicht hinweg kam. Es ist auch das Land, das einen anderen seiner größten Dichter, Hölderlin, in einen Turm gesperrt hat, weil er über den Verlust seiner Geliebten untröstlich war. Außerdem das Land, in dem einer der größten Musiker, Robert Schumann, nach einem Selbstmordversuch in der Psychiatrie verreckte. Das Land, in dem der Dichter, den Schumann mit Vorliebe vertonte, Heinrich Heine, es nicht aushielt. Das Land, in dem außer Caspar David Friedrich und Max Liebermann kaum ein Maler existiert, der das Gemüt bewegen konnte. Und in dem ein Liebermann seine Schwierigkeiten hatte, seine Kunst an den Mann zu bringen, weil er Jude war.
    Es ist somit ein Land, mit dem man in der Tat Schwierigkeiten haben kann, dessen Mentalität man mit Argusaugen betrachten sollte. Ein vornehmlich von seiner Industrie influiertes Land. So betrachte ich Goldhagen erheblich nüchterner und möchte eher konstatieren, dass er wohl übertrieben hat, aber nicht ganz daneben lag. Die Reaktionen auf Daniel Goldhagen beweisen das. Solche Reaktionen gibt es nur, wenn jemand ganz dicht bei der Wahrheit angesiedelt ist und dem Anderen seine hässliche Fratze im Spiegel zeigt, was dieser nicht ertragen kann.
    In den meisten Aussagen über Griechenland, Portugal, Spanien und Italien kam diese hässliche Fratze ungeschmikt wieder hervor. Nur in diesem Land kann eine Währung wichtiger sein als das Glück von Menschen, bei denen man gleichzeitig ungehemmt Urlaub macht. Auch bei Sarrazin kam sie leider zu roh zum Vorschein. Und auch, wenn Bueb von Disziplin anfängt, werde ich etwas unruhig.
    Ich will nicht vergessen, dass es auch das Land ist, in dem ein Rohling, der sich des nachts selbst züchtigte, den Protestantismus geprägt hat. Ein von Erasmus geprägter Protestantismus hätte eine ganz andere Struktur geschaffen, denn Erasmus war der geistig bedeutend Größere, Weitere und Sanftere. Und vielleicht kommt es nicht von ungefähr, dass mit der prägung durch diesen ziemlich einseitigen von sich selbst eingenommenen Selbstkasteier der heutige Iran in seiner eigenen Rigidität auf Verständnis stößt, ein Land, in dem Sufis verfolgt wurden, Bahai eingelocht werden, weil sie Bahai sind, und weiteres.

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