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Der Komet

Bücher von Freunden lese ich immer mit einer gewissen Bangigkeit: Wenn sie einem nicht gefallen, darf man es ja doch nicht sagen. Es sind ja deren Kinder, und man sagt auch nicht: Was hast du für dumme und hässliche Kinder.

Zwar hat Hannes Stein zwar noch nie ein schlechtes Buch geschrieben; außerdem hat er mir in unseren unregelmäßigen, dafür aber langen Telefongesprächen immer wieder vom Plot seines neuen Romans erzählt, den ich geistreich und faszinierend fand; und dennoch… Nun habe ich am Sonntag in einer einzigen Sitzung die 271 Seiten mit wachsendem Vergnügen ausgelesen, und ich kann sagen: „Der Komet“ begründet das Genre des utopischen Romans neu.

Ein wenig ist die soziale Utopie aus der Mode gekommen. Edward Bellamys „Looking Backward“, der von der Warte des aufgeklärten Jahres 2000 auf seine umnachtete Gegenwart – das Jahr 1897 – zurückschaute, und Theodor Herzls „Altneuland“, der im Jahre 1902 eine zionistische Idealgesellschaft im Jahre 1923 imaginierte – eine Gesellschaft, die stark an das Wien des Jahres 1902 erinnerte, nur mit besserem Wetter und ohne Antisemitismus – waren wohl die letzten bedeutenden Vertreter des Genres. Seit dem Ersten Weltkrieg und erst recht seit dem Zweiten war es schwer, an „Eutopia“, missverstanden als das gute Land, zu glauben; seither bestimmen eher „Dystopien“ die Sicht auf die Zukunft: Man denke an Aldous Huxleys „Brave New World“ und an George Orwells „1984“, an Filme wie „Blade Runner“, „Total Recall“ oder die „Matrix“-Trilogie. 

Aus der Aufzählung wird klar, dass „Dystopien“ – negative Utopien – in der Regel eine kritische Überzeichnung der Gegenwart sind: H.G. Wells’ „Zeitmaschine“ projiziert die Klassengegensätze seiner Zeit in die Zukunft; „1984“ ist eine nur oberflächlich verfremdete Beschreibung der Frustrationen des Autors bei seiner Arbeit für die BBC 1948, „Brave New World“ schildert das Leben in Hollywood in den Jahren vor der Großen Depression.

„Eutopien“ – positive Utopien – hingegen verklären fast immer eine einfachere Vergangenheit, beginnend bei Thomas Morus, der das Genre erfand und im frühkapitalistischen England eine vorkapitalistische, kommunistische Agrargesellschaft imaginierte, verwischen aber meistens sorgfältig diese nostalgische Spur durch allerlei technischen Schnickschnack. Hannes Stein bekennt sich dazu.

Hannes Steins Utopie, angesiedelt im Jahr 2000, ist aber nicht ein ahistorisches Nimmerland, sondern ein kontrafaktisches Waswärewennland: Das Attentat von Sarajewo hat nicht stattgefunden; folglich nicht der Erste Weltkrieg; folglich nicht die Zerschlagung der europäischen Imperien durch Revolutionen und Friedensschlüsse; folglich weder die Revolution Lenins noch jene Hitlers; folglich weder der Zweite Weltkrieg noch der Holocaust; folglich nicht die Entdeckung des Thanatos-Prinzips durch Sigmund Freud.

Das Europa, das Hannes Stein imaginiert, in dessen glücklicher Mitte das Haus Habsburg sein schlampertes, liebenswürdiges, zugleich reaktionäres und fortschrittliches Vielvölkerreich eher beaufsichtigt als regiert, kann seinerseits die Schrecken des 20. Jahrhunderts nicht imaginieren: diese Schrecken quälen nur in Albträumen zwei Patienten, deren Analytiker – der eine in Tiflis, der andere in Wien – darüber brieflich kommunizieren: der eine ist ein Enkel des grusinischen Nationaldichters Soselo; der andere Enkel eines unbedeutenden Wiener Postkartenmalers namens Hüttler.

Der Antisemitismus ist gesellschaftsfähig, aber nicht tödlich; desgleichen das Militär. Europa kommt in dieser Version der Geschichte tatsächlich von der Venus, nicht – wie es leider nach der wirklichen Geschichte des 20. Jahrhunderts der Fall ist – vom Mars. Amerika auch. Das Land ist neutral und weit weg, wissenschaftlich unterentwickelt  und kulturell uninteressant, da es seit den letzten Pogromen ganz zu Beginn des 20. Jahrhunderts keine Massenimmigration verfolgter Juden gegeben hat.

Man spricht – vom Technion in Haifa bis zum Technologischen Institut in Boston – selbstverständlich in der Wissenschaft Deutsch. Und da wir gerade von Venus und Mars reden: Das Buch endet mit dem Ruf „Allahu Akbar!“ hervorgebracht durch eine Delegation bosnischer Muslime, die beschlossen haben, das Ende der Welt in Wien, zusammen mit ihrem geliebten Kaiser zu erleben.

Das Ende der Welt? Ja. Nicht umsonst heißt das Buch „Der Komet“. Dessen angekündigte Ankunft treibt die Handlung – im gemäßigten Tempo, man ist ja in Wien – voran und gibt dem Autor Anlass zu allerlei theologischen Spekulationen. Aber ich will die Schlusspointe nicht verraten.

Unter meinen vielen katholischen Verwandten, Freunden und Ex-Freunden ist der Nichtkatholik Hannes Stein der einzige, der den Katholizismus wirklich versteht und liebt; unter meinen vielen jüdischen Verwandten, Freunden und Ex-Freunden so ziemlich der einzige, der sein Judentum auch religiös lebt und das Judentum versteht; er ist überdies ein vorzüglicher Kenner und Liebhaber William Shakespeares, ohne den man gar nichts versteht, und verbirgt überdies nicht seine Liebe zu Grillparzer, Nestroy und Johann Strauß.

Er ist, mit einem Wort, Österreicher. Nicht in dem banalen Sinn, der heute dem Wort anhängt, sondern im Sinne Joseph Roths. Ein k.k. (nicht k.u.k., das wird im Buch erklärt) Österreicher, kaisertreu, grad weil das Kaisertum etwas Operettenhaftes an sich hat; im Kern antipreußisch, weil dem Preußentum das Operettenhafte abgeht; aber nicht antigermanisch, was in seiner utopischen Welt ein verbreitetes Phänomen ist. Schließlich dominiert das Deutsche Reich, wenn nicht – trotz des Nobelpreises für die Frankfurterin Anne Frank und ihr reiches Lebenswerk – kulturell, so doch wirtschaftlich und wissenschaftlich die Welt. Und so etwas provoziert immer den Neid.

Womit wir in Amerika wären, wo Hannes Stein jetzt als Bürger der USA lebt  und – trotz seiner Mitgliedschaft in der außer ihm eher zum Geifern gegen Linke geneigten „Achse des Guten“ – bei der ersten Präsidentenwahl seines neuen Lebens seine Stimme für Barack Obama abgegeben hat.

Dass er in der Fremde eine so stimmige wie innige Liebeserklärung an die alte Heimat geschrieben hat, verwundert nicht: das passiert oft. Man denke an die Kompositionen der Beatles während ihrer Zeit in Indien, die im „Weißen Album“ kulminierten, einer Liebeserklärung an ihre musikalischen Wurzeln, die so gar nichts Indisches an und in sich hat. Es sind, sagte Friedrich Schiller sehr richtig, nicht alle frei, die ihrer Ketten spotten; aber Hannes Stein spottet seiner Ketten nicht, gerade weil er ihrer frei ist.

Durch eine ironische Pointe der Weltgeschichte allerdings leuchtet im Habsburger-Reich des 21. Jahrhunderts, dem Nachfolger des Römischen und des Heiligen Römischen Reichs, auch ein Modell dafür auf, was die Europäische Union sein könnte, wenn sie nicht die USA zum Modell nehmen, sich nicht neu zu erfinden versuchen, sich von ihrer Fixierung auf das inkompatible Paar Deutschland-Frankreich lösen und sich darauf besinnen würde, was sie tatsächlich ist: die Fortsetzung Habsburgs mit anderen Mitteln.

Hannes Stein hat einen großen geschichtsphilosophischen Roman geschrieben, der einige Gewissheiten der Geschichtsschreibung des 20. Jahrhunderts in Frage stellt: Waren dessen Katastrophen das Produkt des Thanatos, des unbewussten Untergangswunsches eines von den Meisterdenkern Hegel, Marx und Nietzsche korrumpierten, gelangweilten Bürgertums (im Roman verkörpert durch den Philosophen André Malek) – oder konnten diese Untergangswünsche nur zur bestimmenden Kraft des 20. Jahrhunderts avancieren, weil ein dummer Zufall – und eine an sich bewundernswerte aristokratische Tapferkeit – dazu führte, dass der Kronprinz Franz Ferdinand nach dem ersten, missglückten Anschlag in Sarajewo seinen Besuch fortsetzte, satt, wie es in der glücklicheren Welt des „Kometen“ der Fall ist, völlig nachvollziehbar zu sagen: „I bin doch ned deppat, i fohr wieder z’haus!“  

 

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94 Gedanken zu “Der Komet;”

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    Utopien erscheinen mir deswegen lesenswert, weil sie uns zeigen, wie wir leben könnten, wenn wir wollten – oder eben nicht. Ich werd’s daher wohl auch lesen. „1984“ und „Brave new World“ waren für mich sehr wichtige Bücher. Schade daß das Thema hier nicht zum Anlass genommen wird, mal ein paar Vorstellungen über eigene Zukunftsvisionen abzugeben. Stattdessen hier bereits allzuoft diskutierte Obsessionen.
    @M.B.: Sie vermissen den Aspekt „Umwelt“? Kometen sind doch auch Umweltgefahren!
    @Silke & Alan Posener
    Was daran kritisierenswert sein soll, wenn Autoren ihre eigenen Erfahrungen in (Zukunfts-)Romane einbringen, erschließt sich mir nicht.

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    Liebe Angela M.: Ich werde mir Ihren Spruch des Jahres zu Herzen nehmen; ob es mir gelingt, na ja.

    Es wäre mir aber recht, wenn Sie da nicht so konsequent wären und öfters hier präsent!
    Freue mich auf die weitere Zusammenarbeit……..

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    Damit hier die Männer nicht nur wieder den Blog majorisieren,

    Hier für mich der Spruch des Jahres 2013:

    „Auch eine Henne weiß, wann die Sonne aufgeht, aber deswegen muss sie nicht jedes Mal krähen“

    Mit vielen Grüßen an die Kampfhenne Rita E. Groda und auch an Silke

    Neujahrsgrüße auch an die Hähne hier im Blog:

    „Es wird nach Nacht noch Tag, obgleich der Hahn nicht kräht.“

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    @Lyoner

    Lieber Lyoner,

    vielleicht sollten Sie bei allem Enthusiamus für den Pep bei Bayern auf dem Teppich bleiben.

    Die Gier oder/und die Abzockerei gibt es leider auch bei Bayern München.

    Wer solche Devisenspekulation betreibt:

    http://www.cash.ch/news/alle-n.....242383-448

    sollte vielleicht doch einmal wieder die alten Kaufmannsideale aus der Schublade holen, die letztlich zum Erfolg von Hoeneß und seinem Management geführt haben.

    Und was Pep betrifft:

    Hier sollten Sie ebenfalls sich einmal daran erinnern, dass es heißt:

    Verluste frühzeitig ausweisen

    Gewinne dann erst ausweisen wenn Sie realisiert sind.

    Und sehr lustig fand ich heute auch den Artikel von Ulf Poschardt in der Welt:

    Hier ein paar herausgerisene Sätze:

    „München muss eine andere Stadt werden, wenn ein Weltmann wie Guardiola künftig das Schumann’s, den Fischmeister am Starnberger See oder Eduard Meiers legendäres Schuhgeschäft betritt.“

    „Jetzt zieht er nach Bayern. Da sollte auch der CSU zu denken geben: Sie muss weltläufiger werden.“

    „Deutschland hat im globalisierten Wettkampf um Talente nur eine Chance, wenn es ein Wohlfühlort für die Besten der Besten wird.“

    „Die zivilreligiöse Fixierung auf soziale Gerechtigkeit zwingt das Land oft genug in politischen Debatten fast ausschließlich nach unten zu blicken, zu den Schwachen und Hilfsbedürftigen“

    „Zukunftsfähig sind wir nur, wenn wir kompromisslos Exzellenz einfordern.“

    Und wenn ich mir dann noch zusätzlich die Vita von Ulf Poschardt anschaue:

    „Im Skandal um Tom Kummer kam heraus, dass Poschardt gefälschte Interviews und Storys publiziert hatte.[1][2] Daraufhin wurde er von der SZ gekündigt und im Januar 2001 als Berater der Chefredaktion der Welt am Sonntag angestellt.[2] Im Juli 2001 wurde er dort zum „Creative Director“ ernannt.[3]“

    „Poschardt war von Februar 2007 bis Januar 2008 Chefredakteur der im Februar 2007 erstmals erschienenen, deutschen Ausgabe von Vanity Fair, welche jedoch nur schlechte Absatzzahlen erreichte. Nach rund 12 Monaten als Chefredakteur verließ Poschardt das Magazin [4] und wechselte als stellvertretender Chefredakteur zur Welt am Sonntag.[5]“

    aus:

    http://www.welt.de/debatte/kom.....ayern.html

    Dann frage ich mich schon was hier eigentlich gepredigt wird.

    Und um noch einmal zu Ihrem Haus- und Hofphilosophen zurückzukommen, denn Sie hier wie einen Fetisch verehren und wie eine Reliquie immer herumzeigen:

    Beten Sie ruhig weiter für seinen Kapitalismus, wenn Sie sich in der Sackgasse wohlfühlen.

    Mein Gott:

    Die Revolution der gebenden Hände

    geschrieben von jemandem der leider keinerlei Ahnung vom Wirtschaftsgeschehen hat, außer dass sein Marketing so gut funktioniert, dass auch Sie bereit sind Ihren „Ablaß“ zu leisten, indem Sie sich so einen Schmöker in Ihre wohlsortierte Excellenzbibliothek stellen.

    Ich hoffe, dass Sie auch eine signierte Ausgabe der Revolution der gebenden Hände haben.

    Dennoch die Hoffnung ist auch bei Ihnen nicht verloren, wenn Sie sich vielleicht eines Tages die Veröffentlichung von Ellionor Ostrom zu legen:

    Governing the Commons: The Evolution of Institutions for Collective Action, Ostrom, Elinor, Cambridge University Press.

    Wenn Alan Posener hier im Blog bereits unsere quantitative Wachstumphilosophie auf den Prüfstand stellt, dann sollten Sie nicht in Ihrer kapitalistischen “ Sloterdiyk-Sackgasse “ weiter verharren und doch vielleicht einmal es wagen über den Tellerrand zu schauen.

    Und wenn alles nicht hilft, beten Sie doch einmal!!

    Innovationen im gesellschaftlichen Bereich werden nicht in Schubladen kreiiert.

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    Also ich habe darüber nachgedacht, was ich zu dem Thema des Artikels im engeren Sinn beisteuern könnte, aber mir ist leider nichts eingefallen. Nicht einmal lesen könnte ich das Buch von Hannes Stein, selbst wenn ich Zeit und Lust dazu hätte, da es ja noch gar nicht erschienen ist. Gerne will auch ich sagen, dass mir die Idee sehr gut gefällt und ich womöglich das Buch kaufen und lesen werde, aber dieses Vorhaben mitzuteilen ist nicht so reizvoll hier in unserem gemütlichen Debattierclub.

    Um die offene Frage vom Ende des Artikels zu beantworten: Ich glaube nicht, dass es ein Untergangswunsch war, sondern – wenn das die Alternative sein soll – der dumme Zufall, eingespannt in eine ganze Kette dummer Zufälle, die dumme Menschen zu dummen Handlungen motiviert haben.

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    @ Lyoner: Gut, dass Sie – anders als manche Leute – zu einer gewissen Selbstkritik fähig sind. Wenn Sie sich für Hannes Stein interessieren, für seine Herkunft und seinen Werdegang, dann schlage ich vor, dass Sie versuchen, mit ihm Kontakt aufzunehmen. Nur so viel: Konvertit ist er nicht. Nur damit das aus der Welt ist. Und wenn ich Sie bitten darf: Setzen Sie nicht mit weiteren als Fragen verkleideten Verdächtigungen nach.

    @ Alle: In meinem hier zitierten Artikel über die Haltung der Araber zum Heiligen Land habe ich eine Legende zitiert, auf die sie sich beziehen – die Legende von der Abkunft von Ismael. Es versteht sich von selbst, dass ich weder dieser noch der jüdischen Legende von der Abkunft von Isaak irgendwelche reale Bedeutung zuspreche – wohl aber eine Wirkmacht. Darum geht’s. In Bezug auf das Verheißene Land halte ich mich an den alten zionistischen Witz: „Wenn Gott uns ein Land geben wollte, das ihm nicht gehörte und in dem andere Leute schon lebten – warum dann nicht gleich die Schweiz?“ Oder in Abwandlung davon: „… warum hat er das einzige Land im Nahen Osten gewählt, das kein Öl hat?“ So, und nun bin ich, wie ihr es wolltet, wieder bei den Juden und Israel und diesem ganzen langweiligen Kram, der euch so mächtig und dauerhaft erregt, wie ein intellektuelles Aphrodisiakum. 1:0 für euch. Und tschüs.

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    Wenn wir hier schon Gruppentherapie machen, statt über das Buch zu sprechen:

    Der strategische Sieger des 1WK war Deutschland. Bis zur Konsolidierung der UdSSR gab es keinen ernstzunehmenden Gegner auf dem Kontinent. Die Industrie war vollkommen intakt und suchte ihresgleichen. Die verlorenen Gebiete waren nicht mehrheitlich von Deutschen bewohnt, so gut wie keine Minderheitenprobleme im Inneren. Dafür deutsche Minderheiten in den Nachbarländern, die eine antideutsche Politik schwer machen. Die Kolonien haben nur gekostet, die USA waren für Freihandel. Hätte man wirklich was draus machen können. Und was war?
    Die deutsche Inteligenzija heulte DAMALS wegen dem Versailler Vertrag, dem Wesen des Deutschseins, über deutsche Nationalbefindlichkeit. Niemand versteht euch.
    Ihr heult HEUTE über Israel, USA und die Globalisierung- dabei macht ihr Kohle, dass ihr Windrädchen bauen könnt. Trotzdem, niemand versteht euch.
    Wisst ihr was? Den Knacks habt ihr bestimmt nicht wegen der Juden und der Ausschwitzkeule.

    Auch wenn Sarajewo nicht passiert wäre, wärt ihr die gleichen unverstandenen Heulsusen geworden, die ihr nun seit der Reichsgründung von 1871 seid. Ich würde gerne ein „Was wäre wenn“ Buch lesen, in dem ihr Deutsche euch in der Gruppe nicht wie verzogene Kinder benehmt. Und hört endlich auf, den Juden auf den Sack zu gehen.

  8. avatar

    He, Freunde und Nichtfreunde der Juden, jetzt ist die schwäbische Krampfhenne gerade 2 Tage nicht online, und schon wieder wird in alter Manier gezofft.
    Auch ich hatte schon meine persönlichen Differenzen hier; dann sagt man sich einmal ordentlich die Meinung und dann ist es gut. Unter zivilisierten Menschen müßte es doch möglich sein, daß nicht – periodisch – die selben Vorlieben und Abneigungen wiedergekäut werden.Wirklich ein Kindergarten manchmal hier.

    Liebe Silke: Welcome back!Schön mal wieder weibliche Verstärkung hier zu haben.
    Wo ist eigentlich Kerstin?????? Ich vermisse Sie sehr.

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    Herr Posener, ich weiß nicht, wie häufig Sie es im Internet schon mit pikierten Science-Fiction-Nerds zu tun hatten, in diesem Fall kann ich mich aber leider nicht beherrschen.

    Ein 20. Jahrhundert, in dem sich der Erste Weltkrieg und alle seine Folgen nicht ereignet haben, ist eine prima Idee für einen Parallelweltroman, und entsprechend gut gefiel mir vor 20 Jahren „Fatous Staub“ von Christian Mähr. Besonders gut im Kopf habe ich das Buch nicht mehr; ich erinnere mich aber noch an einen „Verdammt, ist das plausibel!“-Moment, als ein jüdischer Bürger des Deutschen Reiches ca. 1992 zwar von niemandem glaubhaft mit dem Tod bedroht, aber von bemerkenswert vielen Leuten wie Dreck behandelt wurde. Wie Sie zu einem anderen Buch schrieben: in dieser Welt ist Antisemitismus „gesellschaftsfähig, aber nicht tödlich“.

    Falls „Der Komet“ so gut ist wie „Fatous Staub“, handelt es sich um ein lesenswertes Buch. Ich halte es im Interesse von Hannes Stein und aller Leser auch für möglich und wünschenswert, dass „Der Komet“ sogar noch besser ist. (Interessiert, aber skeptisch wäre ich, falls jemand behauptet, dass Steins Buch gar an „The Yiddish Policemen’s Union“ von Michael Chabon heranreiche, dessen Parallelwelt auf einer entfernt verwandten Prämisse beruht).

    Worauf, Herr Posener, ich hinaus will: Hätte Stein einen ansprechenden Whodunit oder eine Hard Boiled Novel geschrieben, dann hätten Sie das Buch empfohlen, aber vermutlich nicht behauptet, dass die Kriminalliteratur in eine neue Phase eingetreten sei. Und Steins Parallelwelt-Roman könnte ohne weiteres gut sein – ich muss wohl auf eine Rezension von jemandem warten, der schon ein paar gelesen hat – aber hätten Sie es evtl. eine Nummer kleiner als „begründet das Genre des utopischen Romans neu“?

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    Lyoner: Ein bischen korrigieren will ich Sie: Christen und Juden sind für die Muslime keine Heiden, sondern Völker des Buches, haben somit einen anderen Status. Ich gebe Ihnen recht, den Attacken auf sogenannte Ungläubige, kafirs oder, so Karl May, giaur, muss entschieden entgegengetreten werden. Das geht allerdings nicht mit einem Frontstaatenmythos und einem judäochristlichen Fundamentalismus.

    .. werter Lyoner, Ihre Korrektur wird von uns, also meinen Hamster und mir, abgelehnt. Nur ein Beispiel aus dem Koran. Andere können Sie selber finden:

    Sure 3:67 ‚Abraham war weder Jude noch Christ. Er war vielmehr ein (Allah) ergebener Hanif, und kein Heide (w. keiner von denen, die (dem einen Allah andere Götter) beigesellen).‘

    Was Sie als ‚Frontstaatenmythos und judäochristlichen Fundamentalismus‘ bezeichnen, ist nicht mehr als das Selbstverständnis der Selbstverteidigung eines souveränen, völkerrechtlich anerkannten Staates. Israel. Das sollte man auch ohne Glauben zu können hinkriegen. Oder?

    Noch einmal meine Frage, Lyoner, ich hatte Sie schon zig/mehrfach gefragt, wie denn Ihre Vorstellung für einen Frieden in Nahost aussieht. Haben Sie eine Vorstellung? Werden die Mohammedaner, wenn Sie, Lyoner, es wollen, ihre weltumspannenden Ansprüche und ihre endzeitliche Utopie, damit wären wir beim Thema, ;-), aufgeben?

    Oder spekulieren die Mohammedaner nicht eher auf die Hilfe nützlicher Idioten.

    ‚Erobern kann nur derjenige, der seine Beute besser kennt als sie sich selbst.‘ Oder?

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    @Posener

    wie Doris Lessing im Vorwort zum Golden Notebook so schön erklärt hat, lesen nie zwei Leser das selbe Buch, wenn sie das selbe Buch lesen.

    Zur Würdigung von Orwell in Barcelona könnte ich kein „Gläschen trinken. Oder zwei.“ Ich wäre zu überwältigt von der Erinnerung an das beschriebene Elendige, da würde vermutlich nur ein Vollrausch helfen.

    Und seit wann gibt es FAKTEN zu Romanen, außer vielleicht den ursprünglichen Ladenpreis – so ein gequirltes Etwas kann nur jemand aus der bestallten Literaturkritikecke absondern.

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    @ Vercors aka Parisien

    O.T. So und jetzt etwas schönes. Für mich Fußballfreund ist dies einer der schönsten Tage meines Lebens:

    „Pep“ Guardiola wird neuer Bayern Trainer
    (http://www.spiegel.de/sport/fu.....78008.html).

    Das ist natürlich jetzt das Sahnehäubchen auf der grandiosen Lebensleistung von Uli Hoeness (für die BVB-Fans: ich finde auch die Leistung von Watzke, Zorc und Klopp außerordentlich; außerdem wird auch z.B. bei der Eintracht in Frankfurt und beim SC Freiburg großartige Arbeit geleistet). Wenn der Großteil der Unternehmer und Kapitalisten eine Haltung und unternehmerische Auffassung wie Uli Hoeness hätte, würde ich sofort dafür plädieren, Peter Sloterdijks „Revolution der gebenden Hand“ (http://www.faz.net/aktuell/feu.....12362.html) durch den Gesetzgeber verabschieden zu lassen. Und jeden Tag für den Kapitalismus beten.

    Zu den jüdischen „Genen“ des FC Bayern: http://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Landauer

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    @ derblondehans

    der mohammedanische Abrahammythos hat das Siegel des Propheten, der jüdische inzwischen das Siegel desblondenhans. So what, ist nicht beides dogmatisch oder credo quia absurdum?

    Ein bischen korrigieren will ich Sie: Christen und Juden sind für die Muslime keine Heiden, sondern Völker des Buches, haben somit einen anderen Status. Ich gebe Ihnen recht, den Attacken auf sogenannte Ungläubige, kafirs oder, so Karl May, giaur, muss entschieden entgegengetreten werden. Das geht allerdings nicht mit einem Frontstaatenmythos und einem judäochristlichen Fundamentalismus.

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    @ 68er

    nun ja, das Broder-Fass, wie es Alan Posener nennt, ist jetzt wohl nicht mehr aus diesem thread zu entfernen. M.E. weisen Sie zu Recht darauf hin, dass z.B. ein Augstein nicht einfach gegen Beleidungen klagt. Die Frage ist die nach der realen oder imaginären Macht, die das Broderle (ich sags mol schwäbisch) hat. Da kann das Broderle in BILD an prominenter Stelle, auf der 3. Seite, sich damit erleichtern, dass er Michel Friedman ein „Riesenarschloch“ nennt. Dies in der Sache Sarrazin. Michel Friedman klagt nicht – und unser Herr Posener macht, obwohl ein Chefkläger in der Causa Sarrazin, keinen kleinen Mucks. Ist das nur dem corps d´esprit von BILD, WELT & Dr. Döpfner zu verdanken?

    Noch heikler erscheint mir folgendes: Am 8.2.2007 veröffentlicht das Broderle auf der Achse des Guten folgendes (http://www.achgut.com/dadgdx/i.....nuernberg/):

    „Hamburger hat kein Verständnis dafür, dass Prof. Dr. Rolf Verleger immer noch „Mitglied im
    Direktorium des Zentralrats der Juden in Deutschland“ ist. Der Mann, sagt Hamburger, sei
    „das jüdische Alibi der NPD“, „ein vergiftetes Würstchen“ und „ein Volksschädling“. Und
    damit die Besucher nicht auf die Idee kommen, er habe sich nur versprochen, wiederholt er:
    „Ein Volksschädling“. …
    „Rolf Avraham-Mordechai Verleger“. Hamburger macht ein Gesicht, als habe er in einen
    faulen Apfel gebissen, und wiederholt ganz langsam. „Rolf Avraham-Mordechai Verleger“.
    Und es klingt wie Rolf „Israel“ Verleger“

    Ich habe neben verscheidenen Organen der deutschen Intelligenzpresse den Zentralrat der Juden in Deutschland angeschrieben und auf das Pikante dieser Attacke hingewiesen: Der Begriff „Volksschädling“ stammt aus der Zeit des Nationalsozialismus und wurde durch die Volksschädlingsverordnung vom 6. September 1939 zum Rechtsbegriff. Diese Verordnung wurde z.B. auf Leo Katzenberger, einen Nürnberger Kaufmann und Ersten Vorsitzenden der jüdischen Kultusgemeinde Nürnbergs von 1939 – 1942 angewendet. „Die Anklage gegen ihn wurde kurzerhand auf Verstoß gegen die Volksschädlingsverordnung ausgedehnt, wodurch die Todesstrafe wegen besonders verwerflichen Verhaltens unter Kriegsbedingungen möglich wurde. … Am 3. Juni 1942 wurde Leo Katzenberger hingerichtet.“ (mehr hier: http://von-den-einzigwahren-fr.....erger.html) – Still ruhte der See. Weder der Zentralrat noch irgendeine deutsche Intelligenzpostille hat sich gerührt.

    Nun, nach Graumann oder Korn, könne man nicht alles ernst nehmen, was das Broderle von sich gibt. Also, man lässt ihn gewähren. Fraglich bleibt jedoch, welche reale oder imaginäre Position das Broderle einnimmte. Klar ist doch, dass jeder andere (von dem Integrationsweltmeister Bushido abgesehen) in einen hinteren Winkel des Internet-Orkus verbannt worden wäre. Wenn ich meine Verschwörungstheoretikerseite mobilisiere, kommt die Frage, weiß das Broderle zuviel über die Eingeweide, ist er ein Lance Armstrong von ganz sensiblen Bereichen der Presse, der deutschen, jüdischen und israelischen Gesellschaft. Das ist natürlich sehr verschwörungstheoretisch. Vielleicht kann uns da Alan Posener weiterhelfen.

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    @68er: klar hat er seine Meinung geändert. Seine Schmähungen finde ich nicht so schlimm, aber vielleicht bin ich da etwas unempfindlich. Er sollte darauf achten, nicht wie ein Rumpelstilzchen zu wirken. Die Liste des SMC finde ich wie gesagt albern, wie auch Herr Broder, aber das Gemotze geht für mich in Ordnung.

    @Lyoner: Sie wissen ja: Die größten Kritiker der Elche usw. Wenns mit der gesellschaftlichen Revolution nicht klappt, macht man den Umsturz im Zweifelsfall bei sich selbst. Und wer nicht mitmacht, wird behandelt, wie Revolutionäre Andersdenkende eben behandeln.

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    Lyoner schreibt: @ Alan Posener
    derblondehans sagt´s Ihnen, dass die ismaelische Version der Verheißung nicht wahr ist.
    Ist die Isaaksche Traditionsstrecke gültiger?
    Sollen beide Versionen oder nur eine in dem Weltkrieg um Jerusalem (Jacques Derrida) eine Rollen spielen?

    … Ihre Frage ist Firlefanz. Das wissen Sie auch. Der mohammedanische Abrahammythos beansprucht nicht nur mit Mohammed das Siegel der Propheten und mit dem Koran die abschließende und alle anderen, echte wie falsche, ersetzende Offenbarung zu besitzen, sondern auch durch seinen Abrahammythos zugleich die ursprüngliche und unverfälschte Religion zu sein.

    Juden wie Christen gelten als Heiden, die zu töten oder allenfalls in einem Zustand der Unterdrückung, Ausbeutung und Demütigung zu dulden sind.

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    @ Alan Posener

    derblondehans sagt´s Ihnen, dass die ismaelische Version der Verheißung nicht wahr ist.

    Ist die Isaaksche Traditionsstrecke gültiger?

    Sollen beide Versionen oder nur eine in dem Weltkrieg um Jerusalem (Jacques Derrida) eine Rollen spielen?

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    @ Alan Posener

    Ich gebe Ihnen darin recht, dass die Auseinandersetzung zwischen Parisien und mir nach Schwefel riecht. Ich will Ihnen auch nicht verdenken, dass Sie Partei für den Schwächeren ergreifen und mich tadeln, dass ich ihn vermöble. Vielleicht haben Sie allerdings übersehen, dass dies nach Schlägen unterhalb der Gürtellinie erfolgte? – Soll keine Rechtfertigung sein.

    Ich gebe Ihnen auch recht, dass dieses Broder-Fass eigentlich zum Beitrag von Herrn Dettling gehört. Ich habe mich durch die Intervention von 68er verleiten lassen, ich gebe zu, dass ich da nicht groß verführt werden muss, das Thema hierher zu bringen. Die Anregung von 68er, dass sie dieses Thema in einem eigenen Beitrag mal behandeln könnten, halte ich nicht für unsinnig, sondern höchst anregend.

    Nicht nachvollziehen kann ich Ihren Tadel meine Anfrage bezüglich Hannes Stein betreffend. Das ist doch nicht ehrenrührig und kein Schnüffeln in „religiöser Unterwäsche“ (gibt es die?). Gerade, weil Hannes Stein relativ häufig dezidiert als Jude Stellung nimmt, ist die Frage doch legitim. Und die Antwort für uns interessant: Konversion schafft eine besondere Dynamik.

    Sie schreiben „Wozu – muss ich Sie wirklich darauf hinweisen? – gerade Sie nun weiß Gott keinen Anlass hätten …“ Das verstehe ich nicht, was Sie in diesem Zusammenhang sagen wollen, wenn Sie „gerade Sie“ betonen. Ich komme aus einem erzkatholischen Elternhaus, habe schon als Jüngling die katholische Gewissenserforschung für unangenehm und unangemessen gehalten, als junger Mann deutlich gefühlt, dass ich religiös nicht musikalisch bin (das nicht nur im Katholizismus, sondern auch auf Ausflügen, Exkursionen auf anderen religiösen Pfaden. Am überzeugensten war für mich noch der Zen-Buddhismus). Ich bin aus der Kirche ausgetreten. Ich habe das meinen Eltern nicht erzählt; irgendwann haben sie das von dem Gemeindepfarrer erfahren, ein Schlag für sie. Wie ich hier schon sagte, bin ich ein sehr nüchterner Mensch, Glaube und glauben wollen mir eigentlich fremd, möchte ich gerne besser verstehen. Natürlich weiß ich um die Macht des Kollektivs, der Gemeinde der Heiligen, der Toten, der Lebendigen und der Zukünftigen. – Was das Jüdische angeht, wenige aus meiner Generation haben ihre religiöse Frage unabhängig von dem Horizont der Shoa gesehen. Hier mag ein gemeinsamer Hintergrund von Hannes Stein und mir liegen. In meinem Sabbathjahr in einem Kibbuz bin ich zuweilen gefragt worden, ob ich mir vorstellen könne, dort zu bleiben. Das wäre in meinem Fall nur mit einer Konversion möglich gewesen. Mir war jedoch klar, dass als Jude genau so wenig musikalisches Vermögen gehabt hätte wie als Katholik. Außerdem habe ich dies für eine schlechte Möglichkeit gehalten, aus meiner deutschen Geschichte auszutreten, mich, wie es Walser ausdrückt, auf die Seite der Opfer zu mogeln. – Was also soll schlimm sein, wenn ich frage, ob Hannes Stein ein Konvertit ist oder nicht? Die Frage lässt sich beantworten.

    @ Roland Ziegler

    Broder hat sich von seinen früheren Ansichten distanziert, aber hat er sie nachvollziehbar gemacht? Ich verstehe nicht, warum nineeleven zu einer diametral anderen Haltung mit Verfluchungen und Verdammungen der vorhergehenden Haltung führen soll. Anreichern und relativieren ja, aber keine diametrale Umkehr. David Grossman z.B. ist bis heute bei seiner empathischen Haltung, wie er sie im „Gelben Wind“ dargestellt hat, geblieben.

    Ich finde, Sie haben einen Teil der Dynamik in Ihrer verbindlichen Art gut analysiert. Die (Psycho-)Genese der Konversion ist jedoch nicht deutlich (ich hüte mich vor analytischen Ferndiagnosen). Ich glaube, wenn wir beide bei der Polizei wären, wären Sie der good cop, ich der bad cop. Wir könnten uns gut ergänzen. Während ich den verdächtigen Subjekten Angst und Bange mache, bekommen Sie die Geständnisse.

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    @ Alan Posener und Roland Ziegler

    In den Fragen, wegen derer HMB Herrn Augstein einen „kleinen Streicher“ zieh, hat HMB seine Meinung sehr wohl geändert, wenn die Passagen, die Lyoner hier im Blog zitiert hat, wirklich so im SEMITen standen (was ich bisher leider nicht verifizieren konnte). Daher nervt es mich einfach, wenn dieser Renegat aus selbstexorzistischen oder sonst welchen Gründen heute mit seinem Verbalmüll um sich wirft, um Leute gezielt aus dem gesellschaftlichen Diskurs auszugrenzen.

    Mich nervt es auch, dass Herr Broder nicht wie jeder normale Vollpfosten behandelt wird, der andere Leute als „Arschloch“, „Riesenarschloch“, „kleiner Streicher“ oder sonst wie beleidigt. Das scheint für mich ein Indiz für ein gestörtes Verhältnis Jakob Augsteins gegenüber Juden zu sein, wenn er Broder nicht wie seinesgleichen behandelt. Augstein sollte Broder einfach wegen Beleidigung anzeigen oder ihm eine gepfefferte Abmahnung zusenden lassen. Das wäre aus meiner Sicht angebracht. Wenn er ihn für nicht satifaktionswürdig
    erachtet, frage ich mich warum?

    Vor 15 Jahren hätte Broder seinen heutigen Streicher-Ausfalll möglicherweise mit seinen eigenen Sätzen wie folgt kommentiert:

    „So wird mit den Opfern der Nazis zum zweiten mal Schindluder getrieben. Ein Satz wie dieser bleibt in der Luft stehen, ohne daß derjenige, der ihn ausgesprochen hat, vom Erdboden verschluckt würde…“

    Das gleiche Phänomen kann man beobachten, wenn z. B. Serdar Somuncu Politiker als Schwuchteln etc. beschimpft aber von niemanden verklagt wird. Der wird als Türke einfach nicht ernst genommen und damit letztlich auch diskriminiert.

    @ Alan Posener

    Lyoner wegen seiner Themenabschweifung die gelbe Karte zu zeigen, wirkt in diesem Blog, bei dem sich unter einem Artikel zuweilen 15 verschiedene Neben- bis Unterthemen entwickeln, doch recht oberlehrerhaft.

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    Lyoner schreibt: “Wir sind die Abkömmlinge Ismaels, des Erstgeborenen unseres Urvaters Abraham. Ihm ist dieses Land von Gott verheißen worden – also uns, seinen Erben….” – Ich habe hier in einem ceterum censeo immer wieder auf die nationalreligiöse Agenda Israels hingewiesen, in diesem Kontext ist die Zwei-Staaten-Lösung auch für die Israelis eine Beleidigung, eine Kränkung.

    Was heißt Kränkung? Eine dreistdumme Fälschung der Mohammedaner, die behaupten, dass der Abrahamssegen auf Ismael als Stammvater der Araber und Erbauer der Kaaba übertragen wurde.

    Wahr ist:
    1. Mose 21,12: Gott sprach aber zu Abraham: Sei wegen des Knaben und deiner Magd nicht verdrossen! Hör auf alles, was dir Sara sagt! Denn nach Isaak sollen deine Nachkommen benannt werden.‘ … wonach sich der Abrahamssegen nur auf Isaak und dessen Nachkommen vererbt.

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    Franz Ferdinand war insofern eine tragische Figur, als er vorausahnte, dass das Selbstbestimmungsrecht der Völker im Völkergemisch Osteuropas das Potential zum großen Schlachthaus hat, auf der anderen Seite das nationale Kastensystem nicht zu halten war. Die Geschichte setzt am richtigen Punkt an, Franz Ferdinand hätte vielleicht verhindern können, dass Habsburg im Blut der nationalen Aufstände untergeht, letztlich hat Woodrow Wilson Habsburg dieses Schicksal erspart. Der Balkan war durch 100Jahre blutiger Unabhängigkeitskriege gegen die Osmanen durchmilitarisiert. Wie schwach Habsburg war, zeigte sich im Kriegsverlauf gegen Serbien, das besser gerüstet und organisiert war als das Großreich (aller serbischen Heldenlieder vom mutigen David zum Trotz). Gerade Franz Ferdinand versuchte die Armee noch zu reformieren, deswegen war er an dem Tag in Sarajewo, es fand ein Manöver statt. Habsburg wäre auch nach einem Deutschen Sieg untergegangen, das Schlachten des 2WK wäre dann nicht unter deutscher Schirmherrschaft erfolgt, vielleicht unter habsburgischer, was den, für mich naiven, Blick auf diese Monarchie entschieden getrübt hätte. Habsburg hatte schlicht die Gnade des frühen Todes, was aus österreichischer Sicht gerne zur Verklärung führt . Den Unterschied hätte Franz Ferdinand vielleicht machen können, hätte er sich gegen die ungarischen Interessen durchgesetzt, die noch vor den Österreichern gegen die Aufhebung des Kastensystems waren. Ironie der Geschichte, die Ungarn hätten in dem Fall mehr gehabt als nach Trianon. Vielleicht hätte Franz Ferdinand ein funktionierendes Modell eines Vielvölkerstaates hinbekommen, seine Pläne lagen ja noch in der Schublade. Vielleicht wäre die Lösung auch für das deutsche und russische Reich spannend gewesen. Vielleicht wäre der tollwütige Nationalismus Osteuropas verklungen. Franz Ferdinand hatte das Potential zu einer großen Regentschaft. Tja, wussten die serbischen Nationalisten auch. Peng. Es gibt keinen besseren „Was wäre wenn“ Punkt in der jüngeren europäischen Geschichte. Ein Buch ohne Nazis und ohne Broder, ich hoffe, die Leute lesen es trotzdem – ich werde es tun.

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    Stefanovic, sie haben Recht.
    Und wie Sie, Herr Kaufmann, Mercator, Lyoner, mit Parisien umgehen, ist eine Sauerei. Wir haben hier mal eine Debattenkultur gehabt. Sie gerieren sich wie eines der unangenehmeren Mitglieder der Achse des Guten, nur mit umgekehrten Vorzeichen. Jetzt schnüffeln Sie auch noch in der religiösen Unterwäsche von Hannes Stein herum. Wozu – muss ich Sie wirklich darauf hinweisen? – gerade Sie nun weiß Gott keinen Anlass hätten – außer einer immer wieder ins Krankhafte abgleitenden Obsession mit Juden. Wollen wir also bitte zum Thema zurückkehren? Und wenn Sie dazu nichts beizutragen haben, dann schweigen Sie doch einfach. Israel usw. ist Thema beim Beitrag von Herrn Dettling, machen Sie dort Ihr Broder-Fass auf.

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    @Lyoner/68er: Soweit ich mich erinnere hat Broder am 11. September 2001 einen Sinneswandel vollzogen und dies auch öffentlich beschrieben. Insofern verstehe ich nicht, warum Sie ihn bzw. stellvertretend uns mit Zitaten aus der Zeit davor konfrontieren; der Fall ist doch geklärt? In der Zeit davor, aus der diese Zitate stammen, hatte er sich – aus seiner heutigen Sicht – schlicht geirrt.

    Was man allerdings bei den Gutachslern inklusive Herrn Broder (insb. bei den älteren Semestern) feststellen kann, ist, dass die mit ihrer persönlichen Vergangenheit außerordentlich hart und über aktuelle Stellvertreter abrechnen. (Letzteres ist eigentlich inakzeptabel.) Das waren früher alles Linke, die irgendwann ihr Erweckungserlebnis hatten. Eigentlich sollten sie besser nachvollziehen können, wie und warum man so denkt als „Linker Gutmensch“; sie waren ja früher selber einer. Aber vielleicht verstehen sie sich selber nicht. Zumindest verstehen sie nicht, wie sie selber früher so idiotisch gewesen sein konnten, und man kann sich deshalb fragen, ob sie denn, wenn sie früher so waren, vielleicht auch heute, nur auf andere Weise, immer noch idiotisch sind? Dann wären sie sich also doch „treu geblieben“. Zumindest geht für die Gutachsler alles Übel von den Linken (insb. den Grünen) aus; dass seit einiger Zeit eine christdemokratische Regierung am Drücker ist, stört da offenbar nicht.

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    @ Alan Posener

    Ist das obsolet zu fragen?

    By the way: Ist Hannes Stein Konvertit? I can´t help, aber bei ihm muss ich immer denken, das ist ein paradigmatischer Konvertit. Falls das nicht stimmt, möchte ich diese Vermutung korrigieren.

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    @ Stevanovic

    meinte ich doch, romantische, nostalgische, geschichtsblinde kakanische Schrulle. Aber ich muss auch sagen, dass dieses Kontrafaktische allen Notwendigkeiten und faktischen Abläufen der Geschichte vorzuziehen gewesen wäre. Denke auch, dass die Südslawen im Paralleluniversum eine andere Chance genutzt haben.

    Als ein wirklich wunderbares, nicht kontrafaktisches, aber sehr aufschlußreiches Buch, das die Epoche nicht im Schatten der späteren Verhängnisse stehend erzählt, ist „1913“ von Florian Illies (http://www.amazon.de/1913-Somm.....3100368010)

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    @ 68er

    Das würde mich sehr wundern, wenn Alan Posener diesen Broderschen Text (encore: http://starke-meinungen.de/blo.....ment-18618) hier zum Thema machen würde. Ich will nicht sagen, dass der Herr gerne lau badet, aber das zu thematisieren wäre m.E. mit seiner Position u.a. in der WELT Gruppe, die ja bekanntlich einen besonderen corps d´esprit hat, schlecht vereinbar. Da könnte er in Teufels Mühle kommen.

    Bei der Metamorphose Broders vermute ich als größter aller Verschwörungstheoretiker, dass man ihn nach diesem „Pamphlet“ stante pede von seinen Spiegelneuronen befreit hat. Spaß beiseite: kennen Sie einen Text Broders, in der seine Metamorphose nachvollziehbar macht?

    Dieser „Lichtblick“, auf den Parisien aka Vercors verlinkt hat „Der blinde Fleck der Israelkritik“ (http://www.welt.de/print/wams/.....ritik.html) dürfte für Sie auch ein Leckerbissen, alaaf, sein. Der Text ist Kraut und Rüben, helter skelter (für den Beatles Kenner), aber doch sehr aufschlußreich, wenn Posener von von der Geschichtsmächtigkeit der Wüstenvölker im Heiligen Land schwärmt – und uns als letzte Menschen diagnostiziert. Immerhin hat mich das zu dem Gedanken angeregt, dass wir eine andere Geschichte begründen erzählen sollten als die Schablonen der abrahamistischen Völker und Religionen.

    Mir scheint bezeichnend, dass er – ohne auf das spiegelbildliche Narrativ der Israelis zu verweisen – den archaischen Monolithen der Palis erzählt

    „Wir sind die Abkömmlinge Ismaels, des Erstgeborenen unseres Urvaters Abraham. Ihm ist dieses Land von Gott verheißen worden – also uns, seinen Erben….“ – Ich habe hier in einem ceterum censeo immer wieder auf die nationalreligiöse Agenda Israels hingewiesen, in diesem Kontext ist die Zwei-Staaten-Lösung auch für die Israelis eine Beleidigung, eine Kränkung.

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    Liebe Silke, Ihnen darf man also nicht mit Fakten kommen, Sie pflegen Ihr Vorurteil. Das ist wenigstens ein Standpunkt. Nichts gegen „Hommage…“ übrigens. Auf dem Orwell-Platz in Barcelona habe ich letztes jahr darauf ein Gläschen getrunken. Oder zwei.
    Lieber 68er, ich staune über die Konsequenz, mit der HMB in seiner damaligen Kritik des Wiesenthal-Zentrums seine heutigen Positionen zum Holocaust-Gedenken – „Vergesst Auschwitz!“ – vorwegnimmt. Er ist sich in der Tat, wie Matussek schreibt, treu geblieben. Dass diese Aufforderung leichter auszusprechen als einzuhalten ist, zeigt der Streicher-Vergleich, für den sich Henryk entschuldigt hat. Hätte er aber seit 1989 seine Meinung oder Haltung in dieser oder jener Frage geändert, so wäre das wohl nicht ein Ausweis von Charakterlosigkeit. Meine Differenzen mit Henryk sind offen dokumentiert, es reicht die oberflächlichste Internet-Suche, und ich wüsste nicht, weshalb ich sie hier noch einmal thematisieren sollte.
    Danke an verschiedene Leser für den Hinweis auf „Fatherland“. Das Buch habe ich mit Vergnügen (und Grauen) gelesen. Es ist zwar eine kontrafaktische Erzählung, aber ich habe das eher als Kulisse für einen Thriller gelesen denn als Anlass für eine Kritik der Gegenwart. Hannes Stein meint auch, SO neu sei seine Idee nun auch nicht, und er will etwas über das Genre in der „Literarischen Welt“ schreiben. Nun, ich bin gespannt. Ob neu oder nicht, und ob Franz Ferdinand die Kugel verdient hat oder nicht: „Der Komet“ ist lesenswert.

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    @ Vercors aka Parisien

    Nun, haben Sie inzwischen herausgefunden, welchem Autor sich diese Ausführungen (http://starke-meinungen.de/blo.....ment-18618) verdanken?

    Sie haben mit einer erheblichen kognitiven Dissonanz zu kämpfen, aus jeder Ihrer Zeilen kriecht die geistige und spirituelle Not. Kein Seelsorger in Sicht und keine Münchhausentaktik, mit der Sie sich aus dem Sumpf ziehen können. Es hilft Ihnen nicht, den Kopf in den Sand zu stecken. Ziehen Sie ihn raus. Setzen Sie sich mit dem Text und sonstigen Verweisen auf die Realität auseinander.

    Schon gar nicht hilft Ihnen, wenn Sie mich hier weiterhin verunglimpfen, mich jetzt als Guineawurm, der in die Mente kriecht, bezeichnen (http://starke-meinungen.de/blo.....ment-18662). Schauen Sie mal diesen und jenen ominösen Blog durch, Sie werden keine einzige Stelle finden, an denen ich irgendjemanden, auch wenn ich mich mit ihm äußerst scharf auseinandersetze, dehumanisiert und dämonisiert habe. Schneiden Sie sich eine Scheibe von mir ab.

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    Jetzt werde ich sauer: ein Roman, in dem Österreich-Ungarn nicht untergeht, ein Kulturraum, der Millionen von Menschen geprägt hat und immer noch prägt und ihr labbert über Juden und die Fehler der Amis. „Kakanien weiterzuspinnen ist wohl eine liebenswürdige Schrulle, wenn man genügend Zeit hat.“ Die ist es dann, lieber Lyoner, wenn einem außer deutscher Seelenqualen und Weltphantomschmerzen der Rest der Menschheit am Allerwertesten vorbeigeht. Orban hat die Verfassung geändert, weil er die Ergebnisse des 1WK nicht akzeptieren will, aber wenn man sein Weltbild aus Sissi-Filmen hat, dann kann das einem schon schrullig vorkommen. Stattdessen wird hier über Broder losgeheult, lieber 68er, als ob die ganze Welt sich nur um den deutschen Bauchnabel drehen würde. Man Leute, reißt euch mal zusammen, es muss nicht immer um euren Opa gehen. So!

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    PS: immer lieber back to the root von dem was der Autor selbst erzählt und erlebt hat und wer die (auch rattenfreie) Deckungsgleichheit nicht sehen will, kann mich mal, auch wenn es Burgess ist.

    Daß ein Autor mehrere Erfahrungen verarbeitet, geschenkt …

    doch Orwell in Barcelona is it und alles andere kommt bestenfalls weit weit danach

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    @ Alan Posener

    Das mit dem „arisieren“ will Ihnen vorsichtshalber richtig stellen. Curies gehören sowieso nicht in diese Kategorie. Sie haben Neumann, Teller und Szilard genauso gern in ihr Land gelassen wie später den Nazi Wernher von Braun, während sie Boote mit armen Juden abgewiesen haben. Diese landeten später im KZ. Aber das wissen sie ja. Im einfachsten Fall nennt man sowas Rhett Butler-Mentalität (Kriegsgewinnler). Mit sie meine ich WASP’s.

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    Also, dass Obama „links“ klassifiziert werden muss, finde ich nun auch nicht zwingend…..Hat Hannes Stein nicht auch irgendwo die Kuriositäten seiner Einbürgerung beschrieben? Die deutsche Bürokratie scheint ein Klacks dagegen zu sein…….
    Auf das Buch bin ich sehr gespannt, danke also schon mal für den Link zum Warenlager!

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    Kontrafaktische Narrative sind gar nicht so selten, vor nicht langer Zeit „Vaterland“. Kakanien weiterzuspinnen ist wohl eine liebenswürdige Schrulle, wenn man genügend Zeit hat.

    By the way: Ist Hannes Stein Konvertit? I can´t help, aber bei ihm muss ich immer denken, das ist ein paradigmatischer Konvertit. Falls das nicht stimmt, möchte ich diese Vermutung korrigieren.

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    Liebe Silke, lesen Sie die Einführung von Anthony Burgess zu seinem Roman „1985“, wo er das im einzelnen nachweist, bevor Sie hier persönlich werden. Glauben Sie mir: Die Ratten sind nicht das Problem bei „1984“; im Zentrum des Buchs steht die Frage der Manipulation der Wirklichkeit.
    Lieber „Vercors“ (Parisien?): Die Aussage, die Amerikaner wären ohne die massenhafte jüdische Zuwanderung unkultiviert geblieben, referiere ich aus dem Roman. Ob das stimmt oder nicht, darüber kann man natürlich streiten. Kein Grund, in arische Wallungen zu geraten. „Links“ ist natürlich in Bezug auf Obama ein relativer Begriff. Aber andererseits müssten Sie mal lesen, wie vonseiten mancher übereifriger Rechter gegen ihn gehetzt wird.

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    @ Alan Posener

    Da Sie um Themenvorschläge gebeten hatten, könnten Sie vielleicht den Hinweis Lyoners auf die Artikel Ihres Freundes HMB aus den späten 80er-Jahren im SEMIT aufgreifen. Leider gab es hier in der Bibliothek des Ruhrgebiets nur ein Exemplar der Zeitschrift mit Broderergüssen. Aber die war schon hoch interessant, da er dort einen Artikel über das Simon Wiesenthal Center mit der Überschrift „Jede Nacht ist Kristallnacht“ versah:

    Original Zitat Broder

    „…Der Holocaust ist zu einem gesellschaftlichen Ritual geworden, zu einem Anlaß, Abendkleider vorzuführen und Reden zu halten. Und eine beachtliche Anzahl von Würdenträgern und Funktionären hat eine Spielwiese gefunden, einen Abenteuerspielplatz auf dem die Reise nach Auschwitz gefahrlos nachvollzogen werden kann. ‚Für uns hier, meine Freunde‘ sagte Rabbiner Marvin Hier, Gründer des Simon Wiesenthal Centrums, in den USA geboren und aufgewachsen, in seiner Grußadresse, ‚für uns ist jede Nacht Kristallnacht‘

    So wird mit den Opfern der Nazis zum zweiten mal Schindluder getrieben. Ein Satz wie dieser bleibt in der Luft stehen, ohne daß derjenige, der ihn ausgesprochen hat, vom Erdboden verschluckt würde; die Trittbrettfahrer der Geschichte holen nun nach, was vor 40, 50 Jarhen, als Hundert(t)ausende von Juden vergeblich auf Hilfe hofften unterlassen wurde: Sie erklären sich zum Nulltarif mit den Opfern solidarisch und sich selbst zu Opfern zweiter Hand.“

    Semit 2/89 S. 28

    Zum Thema passt auch der Aktuelle Beitrag des Beichtstuhlrenegatens St. Mattes Matusskirchen auf der Achse der Ach so Guten, der wahrscheinlich nach einem Parteiverfahren alter Schule folgende Selbstkritik veröffentlichen durfte? oder musste?:

    Meine Stunde als Antisemit

    http://www.achgut.com/dadgdx/i.....er_sache2/

    Als Rheinländer kann ich das nur noch unter Karneval einsortieren.

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    Gavrilo Princip wäre weiter zur Schule gegangen, Serbien hätte nicht Jugoslawien gegründet, Ustasa hätten keinen Völkermord begangen und Tschetniks hätten sich nicht revanchiert. Die Völker EX-YUs hätten die doppelte Einwohnerzahl und würden den Österreichern und Ungarn, zwar benachteiligt, aber im Inneren glücklich, weiter mit einem volkstümlichen Lied auf den rauen Lippen, die Stiefel putzen. Ihrer bäuerlichen Natur entsprechend würden sie heute auf freier, biologisch-gesunder Wiese Schafe lieben und sich nicht mit dem ganzen wissenschaftlichen Kram, lesenschreiben und so, belasten. Ja, ein wirklich österreichisches Eutopia.

    Ich behaupte nicht, dass die Sache ab Sarajewo so lief, wie sich ein gesunder Mensch das gewünscht hätte, es ist fast alles schiefgelaufen. Aber es gerät aus dem Blickfeld, warum der Erbe Habsburgs die Kugel fing: weil er es verdient hatte. Daran sollte Stein, gerade er als Österreicher, denken:-)
    Ich freue mich sehr auf das Buch.

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    Ich bin neugierig geworden. Solche Was-wäre-wenn(-nicht) können elektrisierende Geschichten sein, die den Leser fordern, umso mehr den Autor, wenn er es gut machen will.

    Es erinnert mich an „Catch the Zeppelin“ von Fritz Leiber – eine meiner liebsten Was-wäre-wenn(-nicht). Eine Kurzgeschichte, in der Hitler ein erfolgreicher Ingineur wurde…

    Siehe da:
    http://www.nicholaswhyte.info/sf/ctz.htm

    Natürlich gibt es auch noch „Fatherland“ von Robert Harris.

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    @ Alan Posener

    Noch was hat mich gerissen:
    „wo Hannes Stein jetzt als Bürger der USA lebt und – trotz seiner Mitgliedschaft in der außer ihm eher zum Geifern gegen Linke geneigten „Achse des Guten“ – bei der ersten Präsidentenwahl seines neuen Lebens seine Stimme für Barack Obama abgegeben hat.“

    Wie kann man BHO, der gerade Jack Lew als Personalie für den Finanzminister ausgeworfen hat, indirekt als links bezeichnen? Jack Lew, der als COO von Citigroup shit gekocht hat, dabei angeblich gegen den shit hat wetten lassen und dann noch ein Supergehalt abgezogen hat, während die Bank einen großen Teil ihrer Angestellten entließ? Ist Crony Capitalism jetzt links? Nun gut, von mir aus. Ich glaube, dass HSt Obama wegen der KV und einiger Dinge im Genderbereich gewählt hat. Vergessen Sie nicht, zu erwähnen, dass er an sich registrierter GOP-Wähler ist, aber die Partei ihm zur Zeit nicht so behagt.

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    Lieber Alan Posener,

    Hier hat mich ezwas so gerissen, dass ich meinen Vorsatz, hier vorerst auszusteigen, sofort brechen muss:
    Sie schreiben;
    „Das Land ist neutral und weit weg, wissenschaftlich unterentwickelt und kulturell uninteressant, da es seit den letzten Pogromen ganz zu Beginn des 20. Jahrhunderts keine Massenimmigration verfolgter Juden gegeben hat.“

    Ich konstatiere:
    Sie sind der zweite nach Sarrazin, der sämtliche Entwicklung auf jüdische Intelligenz zurückführt.

    Dazu muss man eins sagen: Hätte es Szilard, Neumann, Teller und Oppenheimer nicht gegeben, hätten es die Curies oder Lise Meitner gemacht: Den Geist aus der Flasche gelassen. Es wäre in D gewesen, und die Russen hätten es nachgemacht. Der Kalte Krieg wäre trotzdem entstanden. Eutopia? Ein Roman. Bestimmt großartig, Stein kann schreiben.
    Noch ein Gruseltopia: SLAM von Akif Pirincci. Der schreibt auch prima.
    Armer Alan Posener: Auf der Schlinderbahn jüdischer Einmaligkeit. Natürlich sind sie großartig, aber andere auch, das ist der Witz daran. Ich meine, bitteschön, Leonardo oder Goethe waren auch keine und hatten ebfs. bahnbrechende wissenschaftliche Erkenntnisse.

  40. avatar

    „1984“ ist eine nur oberflächlich verfremdete Beschreibung der Frustrationen des Autors bei seiner Arbeit für die BBC 1948

    watt soll datt denn sein? ne subkutane Rache dafür, daß Orwell es mit den Katholen nich so hatte?

    U.a. das mit den Ratten soll übrigens Tatsache sein, ist aber bei der BBC meines Wissens nicht gängige Praxis gewesen –

    aber Orwell klein machen, ist bei Journalisten, die nich an ihn ranreichen, aber dennoch gern würden, ja nich weiter unüblich …

    http://www.george-orwell.org/L.....War/0.html

    Looking Back On The Spanish War

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