avatar

Keynes hat ausgedient

In seiner wirtschaftstheoretischen Schrift  „General Theory“ formuliert  John Maynard Keynes seine klassisch gewordene Auffassung von der antizyklischen Steuerung der Wirtschaft. Aus den falschen Rezepten, die die Industriestaaten nach der Weltwirtschaftskrise zwischen 1929 und 1932 angewandt hatten, zog er die Schlussfolgerung, dass der Zustand der Unterbeschäftigung nur überwunden werden könne, wenn die gesamtwirtschaftliche Nachfrage durch staatliche Konjunkturprogramme stimuliert wird. Da die Nachfrage in einer Gesellschaft das Niveau von Produktion und Beschäftigung bestimmt, müssten die einzelnen Sektoren der Nachfrage – privater Konsum und private Investitionen – durch staatliche Anreize gefördert werden. Keynes zeigte, dass ein Verhalten, das im privaten Einzelhaushalt sinnvoll ist, z.B. Vermögenssteigerung durch Sparen, im Kontext einer Volkswirtschaft kontraproduktiv sein kann, weil die daraus resultierende Deflation die Wirtschaftstätigkeit dämpft, die  Arbeitslosigkeit erhöht und das Volkseinkommen schmälert.
Keynes hatte erkannt, dass vor allem in Deutschland nach Ausbruch der Weltwirtschaftskrise die damalige Regierung unter Reichskanzler Heinrich Brüning (Zentrum) eine schädliche Politik betrieben hatte. Massive Steuererhöhungen bei gleichzeitiger Senkung staatlicher Leistungen und die Absenkung von Löhnen und Gehältern verschärften die Krise und führten zu einem steilen Anstieg der Arbeitslosenzahlen. Da die Handelspartner Deutschlands eine ähnlich prozyklische Wirtschaftspolitik betrieben, ging die Überlegung Brünings, Deutschland durch eine gezielt herbeigeführte Deflation  Handelsvorteile verschaffen zu können, nicht auf. Die Abwärtsspirale, die in den Volkswirtschaften der Industriestaaten in Gang gekommen war, verschärfte die Krise in bisher noch nicht gekanntem Ausmaß. Keynes zog daraus den Schluss, dass eine antizyklische Wirtschaftspolitik viel vernünftiger gewesen wäre, selbst wenn sie die Staatsschulden vorübergehend in die Höhe getrieben hätte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg fand die Keynes´sche Wirtschaftspolitik bei uns  zuerst keine Anhänger. Das war auch nicht nötig, weil die Wirtschaft kriegsbedingt linear stark wuchs und bald auf Vollbeschäftigung zusteuerte. Erst als im Gefolge der Ölkrise zwischen 1973 und 1975  die Wirtschaftstätigkeit nachließ, besann sich der damalige Finanzminister Helmut Schmidt auf das Rezept von Keynes. Er startete mit einer Neuverschuldung von zehn Milliarden DM. Als er 1982  als Kanzler abtrat, hatten sich die Schulden auf 126 Milliarden DM erhöht. Heute sind wir bei 2,3 Billionen Euro angekommen. Schmidts Vorgänger im Amt des Finanzministers Karl Schiller (SPD) war mit der Begründung zurückgetreten, er könne eine Politik des „Nach mir die Sintflut“ nicht länger mittragen. Schiller war der Erfinder der Globalsteuerung, die zum Ziel hatte, die Wirtschaft durch staatliche Konjunkturprogramme  so zu stimulieren, dass Ungleichgewichte, vor allem ein Absinken in die Rezession, verhindert werden können. Ihm war bewusst, dass eine antizyklische Wirtschaftspolitik in beiden Zyklen, in  der Rezession und  im Boom, angewendet werden müsse. Vor allem glaubte er noch daran, dass es nötig sei, die in Zeiten der Krise vorgenommene Ausweitung der Staatschulden in den Zeiten höherer Steuereinnahmen wieder zurückzuführen. Insofern war er ein theorietreuer Gefolgsmann von John Maynard Keynes. Alle nach Schiller kommenden Finanzminister und alle nachfolgenden Bundeskanzler verstießen gegen dieses eherne Gesetz der antizyklischen Konjunktursteuerung. Der Grund ist einfach. Die Politiker wollen gewählt werden.  Deshalb glauben sie, dass sie den Wählern das, was sie ihnen einmal als  Sozialleistung spendiert haben, nicht wieder wegnehmen können. Politiker  denken immer in Zyklen einer Legislaturperiode. Ihr Credo ist tatsächlich: „Nach mir die Sintflut!“ oder milder ausgedrückt: Sollen sich doch meine Nachfolger mit dem unbequemen Geschäft des Schuldenabbaus herumärgern, ich verteile lieber Wohltaten. Als Wähler gewöhnt man sich sehr schnell  an Wahlgeschenke. Man  betrachtet sie als Besitzstände mit Ewigkeitswert, die man mit Zähnen und Klauen verteidigt. Die Gewerkschaften und die Sozialverbände bilden inzwischen eine so starke Lobby, dass es für eine Regierungspartei gefährlich wird, wenn sie den Daumen senken. Wie sehr sich die Bevölkerung an das süße Gift der Neuverschuldung gewöhnt hat, konnte man vor einiger Zeit in Nordrhein-Westfalen besichtigen. Dort weitete die sozialdemokratische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (Spitzname: „Schuldenkönigin“) die Neuverschuldung des Landes gegen jeder Vernunft (und gegen die Bestimmungen der Landesverfassung) um vier Milliarden € aus. Sie wurde bei den vorgezogenen Neuwahlen trotzdem (oder gerade deshalb) wieder gewählt. Die jetzige Bundesregierung könnte nach den üppig sprudelnden Steuereinnahmen locker einen ausgeglichenen Haushalt verabschieden. Stattdessen beschließt  sie weitere  sozialpolitische  Geschenke  (Betreuungsgeld, Aufstockung niedriger Renten) – natürlich schuldenfinanziert. Die jüngere Geschichte der europäischen Südstaaten ist eine Geschichte des verantwortungslosen Schuldenmachens. Mit Schulden wurden Wohltaten (Griechenland: Rente mit 50!) bezahlt, die von den Erträgen  der eigenen Volkswirtschaft nie zu finanzieren gewesen wären. Das Ergebnis kann man jetzt in der “Haftungsgemeinschaft  EU“ besichtigen.
Für meine Begriffe hat die Keynes´sche Wirtschaftspolitik deshalb ausgedient, weil die Politiker immer nur die eine Seite, die der Neuverschuldung, realisieren. Dies führt schon nach wenigen Generationen zu einem Schuldenberg, der den politischen Spielraum massiv einengt und die künftigen Generationen mit Verpflichtungen knebelt, die sie nie eingegangen wären, hätten sie die Entscheidungsfreiheit. Politiker finden immer eine Ausrede, die sie mit  einer wirtschaftspolitischen Notwendigkeit bemänteln, um den Schuldenberg zu erhöhen. Für Willy Brandt war es die Ölkrise, für Helmut Schmidt die hohe Arbeitslosigkeit, für Helmut Kohl die Wiedervereinigung, für Gerhard Schröder die geplatzte IT-Blase, für Angela Merkel die sich abschwächende Konjunktur im Gefolge der Lehman-Brothers-Pleite  und der  Euro-Krise. Auch der Weltökonom Peer Steinbrück wird einen Grund finden, die Wohltaten, die seine Partei heute schon verspricht, mit einer Erhöhung  der Staatsverschuldung zu finanzieren. Und ein künftiger Finanzminister Trittin wird für die Schaffung des grünen Paradieses jede Ausweitung der Staatschulden für angemessen  halten.   Glaubt jemand allen Ernstes, dass in Staaten, in denen der Lebensstandard der Menschen zu einem Drittel durch Schulden finanziert wird, der Schuldenabbau eine realistische Option von Politikern ist?
Wenn es noch einen Ausweg aus dem Schuldendrama gibt, dann nur den der Einführung rigider Schuldenbremsen und ihre Verankerung in der Verfassung eines jeden EU-Landes. Dann könnten die Schulden über Wachstum der Volkswirtschaften langsam aber stetig verringert werden.  Mir ist klar, dass dies für die Menschen in den Südländern für einige Jahre soziale Härten bedeuten würde. Am Endes des Tunnels würden sie  jedoch den Lebensstandard finden, den sie mit ihrer Hände Arbeit und ohne Schulden erwirtschaftet haben. In Deutschland würden wir, wenn alle schuldenbasierten staatlichen Leistungen wegfielen auf den Lebensstandard der BRD von 1980 zurückfallen. Eine unglückliche Zeit war das nicht!

Shares
Folge uns und like uns:
error20
fb-share-icon0
Tweet 384

16 Gedanken zu “Keynes hat ausgedient;”

  1. avatar

    Natürlich hat Keynes nicht ausgedient, Alan Posener hat das Ansinnen des Autors richtig einsortiert. Es geht um antizyklisches Verhalten, um (hier wirtschaftliche) Katastrophen zu vermeiden.

    Was den Sozialismus angeht: Er ist eine Reaktion auf die industrielle Arbeitswelt und postuliert letztlich eine Ständegesellschaft (Klassengesellschaft), die auch die Industrie durchaus erfordert.
    (Man lese nochmal Aldous Huxleys “Brave New World” über die gentechnisch manifestierte Klassengesellschaft.)
    Sozialismus/Gleichmacherei ist also wie die zentralisierte Industrie vor allem rückwärtsgewandt.
    Aber er thematisiert das Thema “Gerechtigkeit”. Übrigens meiner Beobachtung nach ein weibliches Thema.
    Die Frage bleibt daher: Wieviel Gerechtigkeit brauchen wir, damit sich Anstrengung lohnt (z.B. Studium, Ausbildung) und wieviel Ungerechtigkeit müssen wir ertragen, damit die persönliche Freiheit nicht auf der Strecke bleibt.
    Aldous Huxleys Mr. Savage (der “Wilde”) reklamierte jedenfalls das Recht auf die Freiheit, auch unglücklich zu sein.

  2. avatar

    @ 68er

    Lesen Sie mal das. Den wichtigsten Satz darin werde ich unten noch einmal bringen. Wir müssen letztlich aus alten Denkschemata ausbrechen, um weiter zu kommen, z.B. dem Schema: Links ist besser für die Bevölkerung:

    Modern “liberals” constantly extol our federal leviathan and want to increase its size and power, but if you go back in time, you find that liberals (true liberals — people who wanted more liberty) understood that government was the enemy of prosperity. French liberals of the 18th century knew that the lavish spending of their monarchs did not stimulate the economy, but merely transferred wealth produced by the farmers, artisans, and businessmen into the maw of the state, where aristocrats and their hangers-on mostly squandered it. French liberals did not think there was some “multiplier” when Louis XIV built palaces and paid his bureaucrats. They knew that the state was enriching a few at the expense of the many, and making the whole society poorer.

    Unfortunately, later liberals figured out that they could control the state and thereby enjoy power and wealth. That was when they turned from liberals into authoritarians and began an ongoing campaign to hoodwink people into believing that government was their friend and protector. That campaign has been extremely successful. Millions of Americans have been conditioned to focus solely on the crumbs the state hands them and never to think that they would live better if it weren’t a millstone around the neck of productive people.

    Die Passage, auf die es ankommt:

    Unfortunately, later liberals figured out that they could control the state and thereby enjoy power and wealth. That was when they turned from liberals into authoritarians and began an ongoing campaign to hoodwink people into believing that government was their friend and protector.

    Lesen Sie das Ganze:

    http://pjmedia.com/blog/the-roots-of-our-economic-trouble/?singlepage=true

    In dem Moment, in dem es nicht mehr Wirtschft plus begleitender Sozialstaat ist, sondern erstickender, aufgeblähter Sozialstaat mit schrumpfendem Wachstumsimpuls, muss es sich ausverteilt haben und umgedacht werden. Und die Planwirtschaft der Energiewende ist auch verkehrt.

  3. avatar

    @ 68er

    Ihr Beispiel mit dem Geschäftsführer leuchtet ein. Aber wie häufig kommt das vor?
    Nun arbeitet der normal denkende und liebende Mensch am ehesten für seine Nachkommen. Nichts ist ihm mehr ein Greuel, als wenn diese dann später über das Erbe zoffen. Worauf ich hinauswollte, ist die Tatsache, dass die Steuern eigentlich hoch genug sind und praktisch am Anschlag. Sozialismusströmungen in jeder Partei hätten aber gern immer noch mehr und verkalkulieren sich dabei. Sie sind unfähig,zu begreifen, dass der Staat zu aufgebläht sein mag, Brüssel schon seit der Beschäftigung mit der Bananenkrümmung geschrumpft werden könnte, statt als Müllaufbereitungsanlage für abgewählte Politiker zu dienen, dass außerdem Gruppen und Vereine wie auch NGO’s zu sehr ins Kraut geschossen sind und zu viel Geld abgreifen. Sozialistische Strömungen waren schon immer darauf aus, dass ein signifikanter Anteil der Bevölkerung den Staat lieber hat als die familiäre Bindung, woraus sich logischerweise die gleichzeitig oft zu beobachtende Kirchenferne ergibt. Am Ende haben Sie dann das Ergebnis, was Sie derzeit drüben beobachten können: Angeblich 41% aller Kinder unehelich geboren und, wie Mitt Romney politisch unkorrekt, aber deswegen noch lange nicht falsch, feststellte, ein Anteil von 47%, der sicher seine Nanny wieder wählt, also abhängig geworden ist von staatlichen Wohltaten, deswegen aber nicht glücklicher. Und Nanny ist der richtige Ausdruck, denn diese Menschen werden nicht tüchtiger dabei, sondern abhängig wie Kinder von ihren Eltern. Der legendäre türkische Gemüsehändler von Sarrazin ist mir daher bedeutend lieber als einer, der sich dauerhaft als Transferempfänger einrichtet. Aber auch der arbeitet für seine Nachkommen. Ohne Nachkommen hätte man gar kein Motiv, weiter zu kommen.
    Was den Verkauf an die Mieter betrifft: Das läuft so nicht ab. Die Mieter haben in der Regel nicht das Geld, ihre Wohnung zu kaufen. Wollen Sie die amerikanische Immobilienkrise haben und Mietern ohne Bonität Geld leihen? Bei einem Verkauf eines Mietshauses kann es daher eher passieren, dass wegen Renovierung allen Mietern gekündigt wird. Ein Mieter, der eine Wohnung kaufen will, kann das jederzeit. Es sind genug Wohnungen auf dem Markt.
    Wie viele Leute besitzen mehrere Mietshäuser? Ganz wenige. Mich erinnert diese Diskussion an eine ähnliche, die ich mit einer Verückten über SUV’s führte. Die Verrückte lebt in einer Stadt auf 4000 qm in bester Lage und echauffiert sich über SUVs, weil sie keinen fährt. Die paar SUVs. Lesen Sie mal das:
    http://www.welt.de/wirtschaft/article111760437/Wie-die-Briten-ihre-Millionaere-verprellten.html

    Der Staat sollte mal anfangen, mit den Steuern auszukommen, sonst enden wir noch wie Griechenland, und dann ist gar nichts mehr zu retten. Der Staat sollte mal Etats machen, die unter den erwarteten Einnahmen liegen.

  4. avatar

    @Parisien

    … Sozialismus/Kommunismus ist eine widernatürlich, gegen den Menschen und rein auf Machterhalt ausgelegte Gesellschaftsform, die nur so, wie beschrieben, überhaupt existieren kann. Die Historie hat ‘s bewiesen.

  5. avatar

    @ Parisien

    Eine Erhöhung der Erbschaftssteuer, wie sie seit langem von vielen gefordert wird, will die Freibeträge für “der Oma ihr Häuschen” natürlich nicht abschaffen. Ein Effekt wäre, vielleicht, dass der eine oder andere Großerbe, der z.B. 3 oder 4 Mehrfamilienhäuser erbt, sich überlegt, ob er zur Finanzierung der Steuer ein Haus in Wohneigentum umwandelt und den Mietern zum Kauf anbietet. Diese Umwandlungen könnte man übrigens, wenn man eine breitere Vermögensverteilung wünscht, erbschaftssteuerrechtlich begünstigen. Genauso würde ich es steuerrechtlich begünstigen, wenn ein Unternehmer sein Vermögen nicht nur an seine Verwandten steuerbegünstigt vererben kann sondern z.B. an seinen Geschäftsführer, wenn dieser den Betrieb weiterführt. Genau solche Erbeinsetzungen wurden aber in den letzten Jahren höher besteuert. Dieses Blut-und-Boden-Erbschaftssteuersystem ist absolut krank und genau das Gegenteil von freier Marktwirtschaft.

  6. avatar

    @ derblondehans

    Wo haben Sie denn das her? Haben Sie kürzlich der Prozess gelesen oder davon geträumt?
    Oder – erklären Sie sich dazu mal – wollen Sie Angst verbreiten?

  7. avatar

    Genossen

    … was ich noch hinzufügen wollte:

    … wer gegen Sozialismus ist, ist gegen den Frieden, wer gegen den Frieden ist,
    ist für den Krieg und wird daher mit oder ohne ‘Urteil’ weggeschlossen oder ermordet.

    Damit keine Irrtümer aufkommen: Das gilt für alle.

  8. avatar

    Deine Kritik ist eine Kritik an der Politik, nicht an Keynes. Der hatte übrigens als bestes Mittel zur Ankurbelung der Konjunktur in der Krise Steuersenkungen empfohlen. Gegenüber Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen war er skeptisch. Das, was die von dir zitierten deutschen (und nicht nur deutschen) Politiker gemacht haben und machen, ist keine antizykliche Politik, also kein Keynesianismus, sondern schlicht und einfach die Ausweitung von Transferzahlungen, die immer geleistet werden, ob in der Krise oder im Aufschwung.
    Der Fairness halber muss zwar gesagt haben, dass Deutschland auch deshalb gut über den ersten Teil der Krise (die Immobilien- und Bankenkrise) hinwegkam, weil die vorhandenen Sozialleistungen (z.B. Kurzarbeitergeld, Arbeitslosengeld) als “automatische Stabilisatoren”, also faktisch als keynesianische Hilfen, dienten; aber das ist kein Grund, sie in der von dir beschriebenen Weise auszudehnen, die – ich wiederhole es – mit Keynes und der General Theory nichts zu tun hat.

  9. avatar

    “Die Gewerkschaften und die Sozialverbände bilden inzwischen eine so starke Lobby, dass es für eine Regierungspartei gefährlich wird, wenn sie den Daumen senken.!Falls Sie das wirklich ernst meinen, bitte ich um Belege.

  10. avatar

    @ 68er
    Seit 1968/69 erkrankte Gesellschaft. Vielleicht sollten Sie lieber Ihren Namen ändern, falls Sie sich hiermit (wovon ich nie etwas wusste) nicht identifizieren:
    “Schicksalswochen für alle Freunde der Sodomie: Die Bundesregierung will den Geschlechtsverkehr mit Tieren verbieten. Seit dem Bewegungsjahr 1969 ist der Beischlaf mit anderen Arten straffrei gestellt – sofern das Tier dabei keine Schmerzen leidet. Es war ein erster Schritt zur sexuellen Befreiung der Deutschen.”
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/sodomie-regierung-will-sex-mit-tieren-verbieten-a-869948.html

    Keynes+Krugmann+Roger Friedman+Maureen Dowd+Andrew Sullivan+Drogenfreigabe+Rausch+Sodomie: Es gehört irgendwie alles zusammen und hat wieder Konjunktur, weil das stabile Gerüst des Kapitalismus eingebrochen ist. Es wird nicht alles von allen gelebt, aber existiert zusammen unter dem Oberbegriff libertäre Konzepte oder Chaos, und manches ist natürlich durch und durch atheistisch. Schön sind auch Cloward und Piven. Dagegen war Marx fast noch gesund:
    Michael Reisch and Janice Andrews wrote that Cloward and Piven “proposed to create a crisis in the current welfare system – by exploiting the gap between welfare law and practice – that would ultimately bring about its collapse and replace it with a system of guaranteed annual income. They hoped to accomplish this end by informing the poor of their rights to welfare assistance, encouraging them to apply for benefits and, in effect, overloading an already overburdened bureaucracy.”
    http://en.wikipedia.org/wiki/Cloward%E2%80%93Piven_strategy

    Cloward Piven-Strategy: Hat schon mal jemand darüber nachgedacht, ob wir das gerade erleben?

  11. avatar

    Lieber Rainer, wenn einer nicht ausgedient hat, dann ist es Keynes. Der wird gerade von allen wiederentdeckt. Vor allem von Präsident Obama. An dessen Stimulus-Programm hat selbst der “Economist”, dem Leib- und Magenblatt der Neoliberalen, nur auszusetzen, dass er vielleicht nicht groß genug war. Was ausgedient hat, ist die monetäre Politik, wie sie etwa von der Bundesbank vertreten wird. Die Vorstellung, die Zentralbank sorge für eine stabile Währung, alles andere regele sich von allein, ist in der Eurokrise ad absurdum geführt worden. Übrigens, man kann es nicht oft genug betonen: Schulden sind völlig in Ordnung, wenn man sie nur zurückbezahlen – oder besser: wenn man sie bedienen kann. Und das kann man, solange die Wirtschaft wächst. Griechenlands Problem ist ein Wachstumsproblem, kein Schuldenproblem. Das hätte Frau Merkel früher erkannt, wenn sie Keynes gelesen hätte.

  12. avatar

    @ 68er

    Steuererhöhungen können nur zusammen mit konsequentem Sparen funktionieren. Die Republikaner versuchen gerade, das dem Präsidenten zu erklären. Wir haben aber seit Jahren die Situation in allen europäischen Ländern, dass Steuererhöhungen zunächst mal zu einem angenommenen Einkommen hochgerechnet und gleichzeitig die Etats aufgebläht werden mit desaströsen Folgen in ganz Europa, die nur entstehen, weil man anderer Leute Geld verteilt – nicht etwa sein eigenes – um selbst von Armen oder Verarmenden mit umverteilten Geschenken wiedergewählt zu werden.
    Nehmen wir einmal die von Ihnen so geliebte Erbschaftssteuer: Sie würde dazu führen, dass eine ganze Reihe von Leuten ihr Häuschen verkaufen müsste. Der Markt würde überschwemmt mit Immos, deren Preise konsequent sinken würden. Entsprechend würden die Steuereinnahmen durch Grunderwerbssteuer wie auch Steuer von Maklern oder Notaren sinken. Sie könnten gegenargumentieren, dass die Immos sonst nicht auf dem Markt wären, aber das ist verkehrt. Die Immos sind auch so da, sei es, weil Leute wegziehen, sei es, weil manche Erben es nicht schaffen, ihre Geschwister auszuzahlen. Sie hätten nur mehr Immos zu niedrigeren Preisen. Im Endeffekt würde möglicherweise dasselbe Steueraufkommen resultieren wie vorher, wobei die gemutmaßten höheren Steuern längst ausgegeben wären.
    In dieser Spirale bewegen wir uns seit Jahren, statt die Politiker zur Einsicht zu bewegen, bei Beamtenstellen und Beamtenpensionen oder sinnlosen Programmen wie Arbeitskreisen oder Überweisungen an Brüssel anzufangen. Doch das richtete sich ja gegen sie selbst.
    Jetzt haben die USA begonnen, den ganzen Käse nachzuahmen, und das Defizit steigt und steigt und steigt.
    Das ist also sehr einseitig von Ihnen gedacht, so wie nur 68er denken können, also echte Linke. Jeder denkende Mensch kann dagegen diese von der Politik zusammen mit bisher spendierfreudigen Kreditgebern verursachte Todesspirale erkennen. Also muss ich Sie fragen:
    Ist Ihr Traumziel kollektive Verarmung durch Marxismus? Und dann? Würde es die Unglücklichen glücklicher machen, wenn alle zusammen unglücklich sind? Die Geschichte der Ex-DDR spricht doch eine andere Sprache.

  13. avatar

    Wenn es noch einen Ausweg aus dem Schuldendrama gibt, dann nur den der leistungsorientierten Besteuerung von Einkommen, Erbschaften und Vermögen und der Abkehr von Prinzip der Rettung von privaten Banken zu Lasten der Staatshaushalte. Mir ist klar, dass dies für die derzeit begünstigten Menschen in den Vorstandsetagen und SUVs und den Großerben in ihren Erst-, Zweit- und Drittwohnsitzen in der südlichen Sonne eine emotionale Härten bedeuten würde. Am Endes des Tunnels würden sie jedoch weiterhin einen so hohen Lebensstandard pflegen können, den sie niemals mit ihrer Hände Arbeit, ohne Erbschaften oder Steuervergünstigungen hätten erwirtschaften können.

    In Deutschland würden, wenn alle Steuerschlupflöcher, Abschreibungsmöglichkeiten und staatlichen Leistungen für Banken etc. wegfielen und die Steuersätze von 1980 (Spitzensteuersatz 56%) wieder eigeführt würden, die durchschnittlichen Bürger sicherlich sehr profitieren.

    In einer unglücklichen Zeit, daran kann ich mich noch erinnern, lebte man vor 1982 sicherlich nicht!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Shares
Scroll To Top