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IKEA-Tand aus dem DDR-Knast: das passt!

Reden wir über den grünen Zeitgeist anhand dessen, was in Berlin Bulette heißt und in Bochum Frikadelle; reden wir über die Ökos im Spiegel von gebratenem Hackfleisch. Wenn das Brät flach ist und in einem Brötchen steckt, nennt es sich Hamburger; es wird dann bei McDoof oder WürgerKing serviert und ist der Untergang der Menschheit. Wegen der Regenwälder und der fettleibigen Kinder. Darum auch die Energiewende, wo wir in der Landwirtschaft durch Verstromung von Mais aus Nahrungsmitteln Bio-Brennstoffe herstellen. Das habe ich verstanden.

Rollt man das Brät zu kleinen Kugeln und legt es zu Preisselbeerkompott an Pommes und Erbsen auf einen Teller, dass sind das Köttbullar. Die gibt es bei IKEA, und sie sind moralisch ziemlich erhaben. Amerikanisches fast food richtet die Menschheit zu Grunde. Schwedischer Lachs oder eben Hackfleischbällchen, dabei erklingt ein leises Hosianna. Selbst Hot Dogs werden hier zu Hostien, auf die man sich zudem so viel Senf und Ketchup schmieren darf, wie man will. IKEA, das ist real existierender Sozialismus, konsumtechnisch aber auf hohem Weststandard.

Es gibt eben die Buletten des Bösen, Burger genannt, die aus den USA kommen und wahrscheinlich gerade im Nahen Osten einen Krieg anzetteln. Und es gibt die friedfertigen Bullar mit Preisselbeeren, die dem besseren Menschen munden und die Glöckchen der Freidensengel erklingen lassen. Von wegen, Hack ist Hack. Alles hat, wenn man ökologisch bewusst lebt, seine tieferen Gründe.

Der Gutmensch, das wissen wir längst aus den Schweden-Krimis und von Pipi Langstrumpf, wohnt in Skandinavien. Da kommen ja auch ursprünglich die Piraten her, die missratenen Kinder der Grünen. Aber nicht jeder hat das Glück, sich von Knäckebrot und den genannten Köttbullar vor Ort ernähren zu können. Darum zog diese wunderbare Marke des grünen Lifestyles um die Welt. Die Tempel der Gutmenschen sind nunmehr aller Orten kenntlich als blaue Hallen mit der Aufschrift IKEA.

Wohnst Du noch oder lebst Du schon? Teelichter mit Duft, das ist hier der Schlager. Marketingleute nennen das einen Schnelldreher. Kaum im Regal, schon verkauft. Weihrauch erfüllt als bald die schlecht gelüftete Spießerbude. Das Rezept hatte die katholische Kirche schon bei einer heiligen Handlung, die sich Wandlung nennt. IKEA wandelt das öde Leben in ein glückliches. Man kann sein Glück kaufen, jedenfalls ein ganz kleines Stück.

IKEA, das sind Kathedralen der Ausstattungskultur, Dome des heilen Lebens, getarnt als  Möbelhäuser. Schauen Sie sich an einem Samstagmorgen mal das Publikum an, mit Sinn und Verstand. Schauen Sie sich an, was da abläuft. Hier werden tausend kleine Dinge feilgeboten, deren Anhäufung in den Privatgemächern der Mietskasernen erfülltes Leben garantieren sollen. Man hört die Elfen raunen: Tand, Tand ist alles Gebild von Menschenhand. Und doch nimmt die Öko-Mama in Schlabberjeans dann die Duftkerze im Glas namens Mattfull und den Tischteppich Torben mit. Ihre Kinder heißen wie die Produkte.

IKEA bietet einen Devotionalienhandel zu kleinen Preisen. Was früher ein Wässerchen aus Lourdes oder ein Splitter aus dem Kreuz des Herrn war, das ist heute die Duftkerze im Glas. Sie kostet 99 Cent, nicht mal einen Euro. Dafür erklingt das Glöckchen der Wandlung im eigenen Heim. Der Aufbewahrungscontainer für die Infanten heißt hier in der blauen Halle, wo Torben und Inga toben, Kinderparadies. Paradies, drunter tun sie es nicht; man liebt das große Wort.

Wir wissen nun, dass IKEA nicht nur die Fähigkeit war, Pressspanmöbel aus Polen als schwedischen Lifestyle zu verkaufen, sondern auch Sofas aus dem DDR-Knast, gefertigt von Zwangsarbeitern der SED-Diktatur. Wir haben den Schund des Ostens und seine Schande angebetet als Reliquien einer westlichen Welt, als Symbole unserer Freiheit. Dazu erinnere ich ein Wort des Bundespräsident, dem ich in dieser Woche bei einer großen Rede zugehört habe.

Gauck schlug im Berliner Adlon bei einer Werbeveranstaltung der Süddeutschen Zeitung auf und sprach zur Wirtschaftsethik. Das war eine wirklich gute Rede, die sich mit Freiheit und Verantwortung beschäftigte. Gauck predigte lutherisch: in fester Moral und handgreiflichen Beispielen. Ob ausgerechnet das Luxushotel Adlon der richtige Ort für eine solche Ansprache war, daran mag man Zweifel haben, aber wir wollen nicht beckmessern.

Vor dem Adlon bis runter zum Brandenburger Tor war schon am Vorabend eine Demo mit Lichterkette gegen das Unrecht in der Welt. Der Pariser Platz schimmerte weihnachtlich im Glanz der deutschen Gutmenschen. Die dabei massenhaft verwendeten Teelichter kosten im Beutel zu 48 Lichtern 1 € 99 bei IKEA. Das Teelicht wird also für 0,4 Cent verkauft. In einem Aluminiumbecher. Die Herstellung des Alubechers verzehrt etwa das fünfhundertfache an Energie, die das Lichtlein dann erbringt. Aber es kostet halt nichts; nun, dazu später.

Der Satz des Bundespräsidenten lautete: Wer eine Jeans für zehn Euro kauft, kann wissen, dass er damit an Verbrechen an der Menschlichkeit teilnimmt. Ich würde es noch schärfer sage: Mit diesen Spottpreisen finanziert man Kinderarbeit und Umweltzerstörung; man schafft sie geradezu. Denn es ist der Junkie, der die Drogenszene nährt, nicht der Dealer. Wer ein T-Shirt für zwei € erwirbt, macht sich schuldig, ob er das nun wahrhaben will oder nicht. Und wer einen Döner für 99 Cent verzehrt, isst Gammelfleisch; er ist nicht nur ein Idiot, sondern auch ein Verbrecher.

Denn wir tragen als Verbraucher die Verantwortung für die Voraussetzungen unseres Verhaltens. Die wahren Preise werden immer gezahlt; die Frage ist nur, von wem. Dass gerade die grünlackierte Öko-Generation, die die IKEA bevölkert, sich darüber hat hinwegtäuschen lassen, gehört zur Ironie der Geschichte. Und ist typisch zugleich.

Der Traum dieses grünen Zeitgeistes ist „Genuss ohne Reue“: die Welt retten, einen Hot Dog schnappen und Billy aufbauen, all das geht hier, wo die Wähler von Jürgen Trittin und Claudia Roth ihre Feierabende verbringen, um die Reliquien zu erwerben, mit denen sie dann ihre Bio-Strom erleuchteten dreieinhalb Zimmerwohnungen anfüllen. Die Baumwolle ist unbehandelt, der Kaffee fair getradet, und die hübsche Couch preiswert. Man kann von der heilen Welt träumen, während man mit seinem Kleinbürgerhintern auf der Chaiselongue aus dem DDR-Knast sitzt.

Der grüne Zeitgeist ist eine Vulgär-Religion. Es gehört zum Wesen aller Religionen, dass ihnen selbst offenkundige Widersprüche nichts anhaben können. Die Welt retten und auf Kosten der anderen leben, das geht in der Seele des deutschen Hauptschullehrers. Solche  Bigotterie ist dem gesamten grünen Milieu nicht fremd. Vielleicht ist es dessen Grundfeste. Es ist diese konsumorientierte Verlogenheit, die den moralischen Anspruch der Weltretter beflügelt. Ob Weihrauch oder Duftkerze, ob alte oder neue Verlogenheit, es stinkt zum Himmel.

 

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36 Gedanken zu “IKEA-Tand aus dem DDR-Knast: das passt!;”

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    Cher Parisien,

    ich wuerde sie gerne einmal in die US einladen, um sich einen etwas objektiveren Blick ueber die Situation zu verschaffen.

    Das sie aber fuer die Sezession sind haben sie sicherlich Schwierigkeiten ehrlich die Einreiseformulare auszufuellen.

    Dass California in wirtschaftlichen Schwierigkeiten ist weiss jeder in den US.

    Ob wir in Califoria allerdings schon Socialismus haben…

    Da fragen sie doch bitte den CEO von Intel oder Apple???

    Aber die Leute in California haben bisher jede Krise ueberwunden.

    Aber fuer sie sind die Californier alle nur hippies…

    Wann sind sie eigentlich das letzte Mal in den US gewesen??

    Und sie suchen sich leider immer die figures aus die in ihr teaparty Bild von den US passen.

    Aber ich vermute einmal wie die GOP verfallen sie in eine Depression…

    Da sind zum Glueck die echten konservativen , die Nicht-Teetrinker in der GOP etwas weiter und verfallen nicht in Panik und Sezessionsgedanken.

    Trinken sie doch zur Abwechslung einmal eine guten Espresso am Morgen.

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    @Parisien

    Die Hotels werden nicht wegen der Steuergesetzgebung der Grünen schließen, sondern weil mittlerweile die Ketten wie Motel One etc. die einzelnen Hotels verdrängen.

    So etwas nennt man dann Marktbereinigung.

    Aber warum gehen sie eigentlich nicht auf das Putzfrauenthema ein???

    Demnach finden Sie es o.k. dass hoer Löhne von weniger als 3 Euro pro Stunde gezahlt werden und Sie und ich als Steuerzahler hier für das Aufstockgehalt eintreten müssen.

    Auch dass an Warnung an Sie!!!

    Und noch einmal das Thema waren die Putzfrauen und nicht Monaco, Island, Kalifornien und Texas und die Latinos.

    Wenn Sie auf meine Argumente nicht eingehen wollen, dann lassen wir doch die Diskussion.

    Ich kann ja verstehen dass Sie immer noch Mitt nachtrauern und alles Unheil über die Welt von den USA kommen sehen.

    Aber Sie sind doch sonst ein pragmatischer Mann mit Bodenhaftung.

    Oder sehen Sie wie im Mayakalender jetzt auch den Untergang der Welt angesichts der Niederlage von Romney kommen??

    Darum, eine Bitte, erklären Sie mir ganz einfach, dass Sie es für akzeptabel finden, dass Putzfrauen in diesem unserem Land in Hotels einen Stundenlohn von weniger als 3 Euro erhalten.

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    @ MB
    Apropós Latinos: Die katholische Kirche entdeckt ihre neue Chance. Wenn das nicht für Sie ist,vielleicht interessiert es jemand anderen: “Wir waren schon 1500 da.”
    http://www.nationalreview.com/articles/333623/we-are-mission-territory-kathryn-jean-lopez#

    Übrigens hat das mehr mit den Putzfrauen zu tun, als Sie meinen. Mit der erträumten Steuergesetzgebung der Grünen wird manches Hotel einfach schließen müssen. Kleine Warnung aus Kalifornien, einst ein reiches Land.

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    @Roland Ziegler und alle:
    “..nachdenken müssen, ob das nun ein korrekter Kauf war oder nicht..”
    Da bin ich absolut Ihrer Meinung, daß wir da <i<nicht ständig drüber nachdenken sollten. Das können wir auch gar nicht abschätzen. In den 80ern war es verpönt Tropenholz (Bangkirai u.Ä.) zu kaufen – wg. Regenwald-Abholzung und so. Möbel aus Tropenholz sind eine feine Sache: Witterungsbeständig, langlebig, elegant – eine gute Investition für Jahrzehnte, wenn nicht gar Generationen. Der Tropenholzmarkt war daher stark eingebrochen, Holzfäller und Händler verloren ihre Arbeit und die indonesischen Wälder wurden zwecks Landgewinn nicht mehr abgeholzt, sondern angezündet.

    Ich habe letztens noch eine Jutetasche gefunden – damals noch liebevoll geflickt von meiner Mutter: Aufschrift: “Jute statt Plastik – Handarbeit aus Bangladesh”, oder sollte es heißen “Kinderarbeit aus ..” ?
    Was ich meinte ist: Man sollte sich beim Kauf überlegen, ob sich die Investition wirlich lohnt, mehr nicht. (Bei Computern nimmt man das Billigste, Prozessoren sind zu schnell veraltet. Bei Möbeln ist es anders, die “veralten” eigentlich nicht.) Dann klappt’s auch mit der “Nachhaltigkeit”.

  5. avatar

    @Parisien

    Was Kalifornien und Texas betrifft, ist dies nicht my cup of tea und was dieses Thema mit den Putzfrauen in Deutschland zu tun hat?????

    Und wenn es um Steuern geht, da rangiert bei mir Monaco weit vor Texas und hat auch viel weniger Latinos.

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    @ MB
    What socialism does to countries. (And make no mistake: Our socialist party is the Green Party.):
    Middle-class families that want actual jobs, not welfare, are fleeing California in droves. According to IRS data compiled by the Manhattan Institute, since 2000, almost 2 million Americans have left California for other states. Their most popular destination: Texas.

    It isn’t a tough move to make. Thanks to low taxes and simple regulations, Chief Executive magazine ranked Texas as the best state to do business in for 2012. Guess who ranked dead last? That’s right, California. And not only does Texas (6.8 percent) have a far lower unemployment rate than California (10.2 percent), but, according to the Census Bureau, income inequality is worse in California than it is in Texas.
    http://washingtonexaminer.com/can-conservatives-prevent-the-u.s.-from-becoming-california/article/2513695#.UKpnLNWoH79

  7. avatar

    Lieber Herr Kocks, Sie haben uns hier kalt erwischt und zwar alle. Wer kommt schon völlig ohne Ikea-Regal aus? Das machen allein die zunehmenden Bücher, also je belesener, desto mehr Billy. Jessica und Kevin, siehe Ortner, achgut, haben eher weniger Billy, denn Unbelesenheit macht manchmal unschuldiger. Wir sind gerade dabei, das System umzustellen und einen Großteil der gelesenen Bücher in Kisten zu verstauen,zu etikettieren und zu stapeln. Der Staub wird deutlich weniger. Wer aber hat die Kisten produziert? Die sind richtig billig. Ich fürchte, die sind aus China. Schönes Stück. Ich gebe zu, ich bin noch immer dabei, bei Billy.

  8. avatar

    @Parisien

    wenn Sie sich nicht die Mühe machen und den Artikel im Stern lesen, dann finde ich Ihre Argumente ebenso unpassend.

    “Ich könnte mir trotzdem vorstellen, dass Putzen in einem guten Hotel mehr Spaß macht als in einer Klitsche.”

    Sie haben vollkommen recht… bei einem Stundenlohn von 3 Euro und z.B. weniger macht es sehr viel Spaß auch in einem guten Hotel zu putzen.

    Ganz nebenbei:

    Die Klitschen zahlen höhere Putzstundenlöhne als 3 bis 4 Sterne Hotels!!!!

  9. avatar

    Eigentlich ist das eine sehr interessante Kritik von Herrn Kocks, der uns sagt, wir wären noch nicht grün genug. Die Standardtheorie zu den Grünen lautet, sie seien eine Partei der “Political Correctness”, der “Gutmenschen”, die mit ihrem penetranten moralischen Anspruch uns lässlichen Sündern gehörig auf den Geist geht. Nun kommen Herr Kocks und Herr Gauck und sagen uns: “Ihr seid ja immer noch Sünder, obwohl satte 10 % von euch grün wählen! Ihr müsst härter an euch arbeiten (und überhaupt). Werdet päpstlicher als der Papst und grüner als die Grünen! Boykottiert nicht nur T-Shirts aus Kinderarbeit, wie es die Grünen schon lange fordern, sondern zusätzlich auch Ikea-Kerzen zu 4 Cent das Stück!”

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    @ Moritz Berger
    Das ist irgendwie unpassend. Gute Hotels zeichnen sich doch aus durch z.B. teures Mobiliar auf dem letzten Stand, eine bessere Service/Gast-Relation und bessere Küche, wobei Chefköche durchaus unterschiedlich verdienen. Putzen ist aber putzen. Ich könnte mir trotzdem vorstellen, dass Putzen in einem guten Hotel mehr Spaß macht als in einer Klitsche. Das Schlimmste, das dem Personal passieren könnte, wäre, dass an der Rezeption gefragt wird, ob man das Bettenmachen und Putzen braucht, wenn man – sagen wir – drei Tage gebucht ist. Ich würde nein ankreuzen. Man kann sein Bett schnell selbst machen. Außerdem vergessen Sie das durchaus höhere Trinkgeld.

  11. avatar

    …was ich aber so verwirrend finde bei der zweiten Möglichkeit: die “Graswurzelbewegung der konsequent moralischen Käufer” – welche Farbe hat denn die…

  12. avatar

    @KJN: Billige “Masse statt Klasse” wird hier wie überall auf der Welt gekauft. Der internationale Erfolg von Ikea zeigt ja gerade, dass dieses Prinzip nicht auf Deutschland beschränkt ist. Wenn hierzulande trotzdem Menschen- und Tierrechte “ach so hoch” gehalten werden, ergibt sich die Frage, ob wir die Menschen- und Tierrechte nicht etwas tiefer hängen sollten, damit sich kein so großes Gefälle zwischen Kauf- und Wahlverhalten ergibt? Oder sollen wir die Rechte weiterhin hochachten und uns mit Herrn Kocks in die Gaucksche Graswurzelbewegung der konsequent moralischen Käufer einreihen?

    Es gibt sogar noch eine dritte Möglichkeit: Wir kaufen nach wie vor das, was uns passt oder passend erscheint, und wenn es in Wahrheit billiger Tand ist, dann ist das eben so. Und trotzdem halten wir die Rechte ach so hoch, womöglich sogar noch höher, und kontrollieren dementsprechend die Produkte auf unserem Markt, so dass wir nicht jedesmal, wenn wir etwas kaufen, darüber nachdenken müssen, ob das nun ein korrekter Kauf war oder nicht.

  13. avatar

    IVAR (die umzugsfreundlichen Kieferholzregale) sind durchaus erbstücktauglich – meine beinhalten mittlerweile Bücher, für die die Wohnung zu klein ist und wurden, weil der Keller niedriger ist, obenrum gekürzt, was ihrer Gebrauchstüchtigkeit nicht geschadet hat – sollten sie wieder auf Raumhöhe wachsen, müssten lediglich neue Seitenholme gekauft werden.

    Billig, billig, billig fürwahr – aber eben auch unübertreffbar durchdacht

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    @KJN

    ob tatsächlich IKEA Möbel zu den Wegwerfartikeln gehören, mag ich bezweifeln..

    Ihre Forderung nach einer nachhaltigen Wirtschaftsform kann ich durchaus unterschreiben.

    Nur müßten wir dann von dem Wirtschaftswachstum wie es sich derzeit in GDP ausdrückt Abschied nehmen.

    Und generell zum Kommentar von Herrn Kocks,

    auch die ” Reichheimer ” wie auch die
    ” Billigheimer ” profitieren von der Kinderarbeit und der Zwangsarbeit.

    Und Alan Posener hat es treffend beschrieben:

    “Teuerer ist nämlich moralischer. Die Reichen sind also nicht nur intelligenter, fleißiger und charakterlich fester als die Armen, sonst wären sie nicht reich, sie verhalten sich auch moralischer, weil sie nicht bei Wulle und C&A einkaufen und keine billig-Döners verspeisen. Danke, Herr Bundespräsident Gauck, für diese Erkenntnis!”

    Ich habe nur hinzuzufügen:

    Danke lieber Herr Kocks für diese Erkenntnis

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    Ikea hat von Zwangsarbeitern profitiert? Na klar, machen sie noch heute, nur nicht mehr in der DDR, sondern in China. Da ist das schwedische Möbelhaus übrigens nicht alleine, auch die unbedingt nötigen Smartphones, auch die von Apple werden dort billig produziert. Und derartiger Handel funktioniert in beide Richtungen: In meiner (West)berliner Grundschule hing in den 60’ern ein Plakat: “Fahrt nicht mit der S-Bahn, Ihr bezahlt sonst Ulbrichts Stacheldraht!”
    Was nicht darauf stand: Der Stacheldraht stammte von der Firma Mannesmann!
    Und die Moral von der Geschicht? Gibts nicht!

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    Cher M. Kocks,

    deutsche Sprak, schwere Sprak

    Wenn ich ihren Satz lese:

    /Rollt man das Brät zu kleinen Kugeln und legt es zu Preisselbeerkompott an Pommes und Erbsen auf einen Teller, dass sind das Köttbullar. Die gibt es bei IKEA, und sie sind moralisch ziemlich erhaben./

    habe ich Verstaendigungsschwierigkeiten:

    …..dass sind das Koettbullar.

    muss es nicht heissen:

    ….. dann sind das Koettbullar

    ??

    und:

    Die gibt es bei IKEA/…und sie sind moralisch ziemlich erhaben…

    Wer ist moralisch erhaben “die Koettbullar”

    oder meinen sie dass IKEA moralisch ziemlich erhaben ist??

    ????

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    @Roland Ziegler
    “Pragmatiker auf niedrigem Niveau” ..die sich alle 5 Jahre neue Möbel in ihre durchgestylten Aufenthaltsräume und Nichtaufenthaltsräume stellen. Das ist auch Realität, die ich wahrnehme. Sicher gibt es auch andere Firmen (Kik, Aldi etc.), die sich auf Kosten ihrer Zulieferer und Produzenten mit Dumpingpreisen in die gesättigten Märkte breitmachen. Aber keine andere hat es geschafft, sich ein dermaßen gutmenschenhaftes Image zuzulegen. Daß in einem Land, wo Tierschutz und Menschenrechte ach so hoch gehalten werden, lieber Masse statt Klasse gekauft wird, lieber billige Wegwerfware, als langlebige, reparable Gebrauchsgegenstände ist nicht nur ein Zeichen von Scheinheiligkeit, sondern auch von mangelnder Wertschätzung sich selber und – daraus resultierend – anderen gegenüber. Letztlich Verwahrlosung. Daß auch damit wieder ein Stück Wertschöpfung exportiert wurde und wird, das nur am Rande.
    Möbel: Früher gab es man so was wie “Erbstücke”.
    KK hat daher m.E. völlig recht mit seiner Kulturkritik.

    PS: Ich hatte auch noch 2 Ikea-Reagale aus diesem rohen Fichtenholz aus den 80ern. Damit kann man gut umziehen, was auch der Nachwuchs zu schätzen weiß.

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    Ich bekenne: Seit Studententagen bringe ich meine Bücher in Billy-Regalen unter. Ich besitze derer 12. Ich dachte, das ist, weil sie praktisch und unschlagbar billig sind. Aber nun muss ich feststellen, dass ich DDR-Knastarbeit unterstützt habe. Und frage mich: Hat das Bundesministerium für innerdeutsche Fragen gepennt? Der BND? Der Zoll? Die jeweiligen Minister für Verbraucherschutz? Aber nein, nicht sie sind schuld, die dafür bezahlt werden, die Herkunft der hier eingeführten Waren zu prüfen – ich, ich allein bin schuld, weil ich auf Billig stand. Ach, hätte ich doch nur etwas mehr Geld ausgegeben! Ablass, Ablass!
    Teuerer ist nämlich moralischer. Die Reichen sind also nicht nur intelligenter, fleißiger und charakterlich fester als die Armen, sonst wären sie nicht reich, sie verhalten sich auch moralischer, weil sie nicht bei Wulle und C&A einkaufen und keine billig-Döners verspeisen. Danke, Herr Bundespräsident Gauck, für diese Erkenntnis!

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    @Klaus Kocks: Das der grüne Zeitgeist für die Ausbeutung von Zwangsarbeitern verantwortlich sein soll, erschließt sich mir nicht. IKEA ist zunächst ein Wirtschaftsunternehmen und es gab noch mehr Unternehmen, die in der DDR unter schlechten Bedingungen produziert haben. In den 70-iger und 80-iger Jahren wurden viele Konsumgüter für den Westen in Ostdeutschland hergestellt, auch von Zwangsarbeitern, aber nicht nur.

    Brandenburgs CDU-Generalsekretär Dieter Dombrowski, der 20 Monate Häftling in Cottbus gewesen war, sagte der Zeitung: “Ich habe Gehäuse für Praktika-Kameras hergestellt, die in Versandkatalogen im Westen verramscht wurden.” Seine Schwestern hätten im Frauengefängnis Hoheneck Bettwäsche für Quelle und andere Versandhäuser genäht. (.. ) Neckermann bestätigte dem “Tagesspiegel”, das Versandhaus habe zu DDR-Zeiten Waren “wie Spielzeug, Möbel und Textilien von Lieferanten aus der DDR bezogen”. (Quelle: Stasi-Beauftragter: Firmen sollen DDR-Zwangsarbeit offenlegen http://www.dradio.de/aktuell/1748454/)

    Auch ich hatte hier schon einmal geschrieben: „Oh ja, an die Lampenherstellung erinnere ich mich noch. Wir mussten ganz vorsichtig arbeiten, weil es für den Westen war (..) Die Lampen montierten wir im Rahmen der Unterrichtfaches Produktionsarbeit. Kinderarbeit?! Darüber habe ich nicht nachgedacht. So ist es, wenn solche Fragen nicht gestellt werden. Hat das irgendjemanden interessiert? Interessiert heute die Masse der Konsumenten wer die Güter herstellt und wie?“ Sicher waren die Arbeitsbedingungen nicht vergleichbar mit Kinderarbeit in Asien und Afrika.

    Sehr häufig wurde auch in der DDR die Umwelt stark belastet, dies war dann auch im Westen durch Waldsterben, verschmutzte Flüsse (Saale, Elbe) zu spüren und irgendwann nicht mehr wegzudiskutieren. China dagegen ist weit weg, das Prinzip ist jedoch ähnlich: Takko produzierte in chinesischen Gefängnissen (Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/textil-discounter-takko-produzierte-in-chinesischen-gefaengnissen-a-865203.html)

    Auch hier Umweltschäden: Allerdings bereiten auch die Verschmutzung der mancherorts ohnehin kärglichen Wasservorräte und die Vernichtung von Waldbeständen Probleme. (Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/umweltschutz-china-dreht-schmutz-fabriken-den-strom-ab-a-712143.html)

    Die andere Seite ist das Verbraucherverhalten, das ja durch Werbung („Geiz ist geil“) und Versprechungen („Luxus für alle“) beeinflusst wird.

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    Im Vergleich zu den anderen 200 Nationen dieser Welt, scheint Deutschland heute einsam in dieser grimmigen “Alles Gute und alles Gruene” Hysterie. Alles muss 100% “gut & gruen” Korrekt sein! Dabei wird es am Ende diese Jahrhunderts kaum noch “Deutsche” in Deutschland oder auf diesen Planet geben. Na, ja zumindest muessen sie sich dann nicht mit warmen Winter quaelen, und anstatt Eichen wehen Palmen ueber ihren – neh – nicht Graeber – sondern “Gedenkgaerten”.

  21. avatar

    @Roland Ziegler

    Nun ja was das Niveau der Diskussion von Herrn Kocks betrifft, da möchte ich z.B. nicht wissen wieviele der Produkte seines ehemaligen Arbeitgebers in der VR China von Zwangsarbeitern hergestellt werden.

    Nicht zu vergessen auch die Zwangsarbeiter bei VW. Da hat es auch über 50 Jahre nach Kriegsende gebraucht, bis dieses Thema aufgearbeitet wurde.

    Und wenn er tatsächlich die Rede von Gauck ernstnehmen würde, müßte er doch sich auch sehr schnell seines i-phones entledigen.

    und wenn man z.B. das Buch:

    Gomorrha. Reise in das Reich der Camorra

    von Roberto Saviano gelesen hat und erfährt dass in den sweat-shops von Neapel nicht billige 1 Euro T-shirts hergestellt werden, sondern auch hochpreisige Luxusdesigntextilen, dann sollte sich Herr Kocks auch seine Designerklamotten einmal genauer anschauen und sich fragen, ob da auch Näher für > 3 Euro Stundenlohn tätig waren.

    Billig und Ausbeuterarbeit, Herr Kocks, ist leider nicht auf Billigprodukte beschränkt.

    Die Herstellung von Luxusschmuck und die berühmten Blutsdiamanten fallen leider auch in dieses Kapital.

    Wie heißt es bei Henry Ford:

    “Reich wird man nicht durch das, was man verdient, sondern durch das, was man nicht ausgibt”

    Daher können Sie lieber Herr Kocks zugeben, dass Sie sehr gerne bei IKEA Köttbular essen 🙂

    Und was Herrn Gauck betrifft,

    Wenn er wüßte z.B. unter welchen Bedingungen, die Blumen, die sicherlich zu vielen Zwecken im Schloß Bellevue eingekauft werden, in Kolumbien und Kenia angebaut und verarbeitet werden.

    Ob das Bundespräsidialamt hier ” fair trade ” Produkte einkauft mag ich bezweifeln.

    Ein guter Indikator für die Billigheimer in der Verwaltung ist auch der Skandal mit der Beschäftigung von Billigarbeitskräften im Bundestag. warum sollte es in anderen Bundesverwaltung nicht anders sein??

  22. avatar

    Wenn die parteipolitische Schlagseite des Artikels korrigiert ist, bleibt die typisch Gaucksche These der unmoralischen Billigkäufe bzw. des frei-verantwortlichen Käufers. Die scheint mir richtig, aber leider wenig mächtig. Es nützt nichts, wenn man die Leute zum Boykott von unmoralisch produzierten Billigwaren auffordert. Es werden genug übrig bleiben, denen das Preisargument stärker einleuchtet. Wirkungsvoller ist es, statt der Nachfrage das Angebot zu regulieren. Sollte Moral überhaupt in die Hände der Käufer gelegt werden? Welche Produkte lassen wir auf unseren Markt? Welche Prüfungen stellen wir an?

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    Tja, Zwangsarbeit in DDR-Gefängnissen … Schuften für den Westen

    Nicht nur Ikea, auch Firmen wie Schiesser, Underberg oder Beiersdorf haben von Häftlingsarbeit in der DDR profitiert. Auch wenn die das bestreiten.

    … dass im Stasigefängnis in Cottbus Häftlinge Gehäuse für Pentacon-Kameras gefertigt haben, die später an westliche Handelsketten geliefert wurden, kann ich bezeugen. 3-Schichtsystem im Akkord. 40-Stundenwoche. ‘Spitzenverdienst’ ausbezahlt maximal etwa 120 Mark/Monat. Wer die Norm, aus welchen Gründen auch immer nicht ‘brachte’, kam in Einzelhaft, nebst Wasser, Brot und Schlägen.

    Werter R.Z. – es klebt das Blut unschuldiger Menschen an Ikeas Regalen.

  24. avatar

    @Silke: Bei mir sind schon diverse Halterungen aus der Presspappe gebröckelt, zugegeben mag das an wenig pfleglicher Behandlung und nicht 100%ig sachgerechter Montage meinerseits liegen. Unfassbar schwer sind die Dinger jedenfalls schon.

  25. avatar

    @Klaus Kocks: Das Anspruchsniveau der Debatte befindet sich in einer derart schwindelerregenden Höhe, dass Sie meinen, eine Doppelmoral der Ikeakäufer und – ergo – der Grünenwähler wahrzunehmen. Es gibt aber keinen moralischen Anspruch beim Kaufen von Ikeamöbeln, entsprechend auch keine Doppelmoral, die Kundschaft wählt nicht häufiger grün als bei Ihrem Bäcker, und überhaupt wählen nur 10 – 15 % des “Zeitgeistes” grün.

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    Herr Kocks,maßlos überzogen und aufgeblasen. Viel Worte, wenig Substantielles. was ist mit Ihnen los? Sie waren mal scharf und intelligent provozierend; jetzt wird es immer flacher; Plaudereien aus der Kneipe mit Pseudophilosophie und die große Aufregung über den grünen Zeitgeist und ein Möbelhaus, über das sich alle ausgeschrieben haben. Als Themenvorschlag:der Einsatz von I-Pads bei Schuhmanns’ in München. Da können Sie dann eine pseudoreligiöse Firmenkultur mit Ausnützerfaktor und B-C Promi Verblödung anmischen. Dazu noch-da wir schon in einer Bar sind- und der Originalität wegen, einen kleinen Schuß Valentin.Das bringts. Um Kommentare müssen Sie sich dann auch nicht mehr sorgen.

  27. avatar

    die Kurzlebigkeit von IKEA-Produkten ist ein Mythos

    Meine 3 weißen IKEA-Kommoden von ca. 1978 haben Generationen von Katzen überstanden, sehen nach wie vor nahezu tadellos aus und stehen nur deswegen im Keller, weil ich keinen Platz mehr in der Wohnung habe.

    Die Schubladen laufen rein und raus wie am ersten Tag.

    Es gibt IKEA-Kunden, die dort kaufen, weil sie gutes Design schätzen und auf Label-Status gut verzichten können.

  28. avatar

    Außerdem: Glauben Sie wirklich, dass Herr Ikea – aka Ingvar Feodor Kamprad – zu einem der reichsten Menschen der Welt wurde, weil die “Wähler von Jürgen Trittin und Claudia Roth ihre Feierabende” in seinen Läden verbringen? Die wurden von schlappen 10,7 % aller Wähler gewählt. Das ist gerade mal jeder Zehnte, der zur Wahl gegangen ist, und damit wohl kaum sehr zeitgeistig. Sie sollten die Werbesprüche von Ikea nicht so ernstnehmen und außerdem nicht alles glauben, was zum Zeitgeist in der Zeitung steht.

  29. avatar

    @ Roland Ziegler: Wir sprachen von Alulichtern zu einem halben Cent und der Duftkerze Mattfull im Gals zu 0,99€. Und von Zangsarbeit in DDR-Knästen.Und von Gaucks Argument, dass die Freiheit zu solchen Preisen kaufen zu können, mit der Verantwortung zu den entsprechenden Produktionsbedingungen einhergeht.Fällt Ihr Einwand nicht etwas hinter diesem Anspruchsniveau der Debatte zurück? Mir scheint das so. KK

  30. avatar

    @Roland Ziegler

    Er hat Köttbular gegessen. er hat doch die Bonuskarte:

    http://www.ikea.com/de/de/store/koeln_butzweilerhof/restaurant

    Und um es mit Benjamin Franklin zu sagen:

    “Der Weg zum Reichtum hängt hauptsächlich an zwei Wörtern: Arbeit und Sparsamkeit”

    oder noch besser:

    “Reich wird man nicht vom Geld, das man verdient, sondern von dem Geld, das man nicht ausgibt.”
    Henry Ford

    Seine Dornblüth Uhr hat er sich auch durch Arbeit und Sparsamkeit erworben:

    http://www.dornblueth.com/flash.php

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    Herr Kocks, das war zwei Nummern zu groß. Sie erzählen hier mehr über Ihre persönliche Verachtung als über Ikeakunden. Zu Ikea geht man, weil man sich nichts anderes leisten kann, eine große Auswahl hat und die Produkte unterm Strich zwar kurzlebig, aber nicht unpraktisch sind. Dass sie hässlicher, übergewichtiger Sperrholztand sind, brauchen Sie mir nicht zu erzählen, aber meine Wohnung wurde trotzdem zum Teil mit Ikeamöbeln eingerichtet. Geben Sie mir Geld und´ich kaufe gern woanders. Wenn Sie behaupten, dass das Geld nebensächlich ist und man stattdessen zu Ikea fährt, um die Welt zu retten, dann sollten Sie diese völlig unplausible Behauptung irgendwie beweisen. Die heutigen Generationen sind im Gegensatz zu der Ihrigen Pragmatiker auf niedrigem Niveau. Sie kaufen da, wo es am billigsten ist. Gezwungenermaßen meistens.

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