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Soziale Kränkungen machen krank

Ein Gastkommentar von Prof. Dr. Gerald Hüther, Gehirnforscher:

Jetzt haben die Hirnforscher endlich herausgefunden, dass es im Gehirn eines Menschen, der sich gekränkt fühlt, weil er in einer sozialen Gemeinschaft ausgegrenzt wird, zur Aktivierung der gleichen neuronalen Netzwerke kommt, die auch immer dann aktiviert werden, wenn er körperliche Schmerzen empfindet. Jeder, der im Elternhaus, in der Schule oder im Beruf diese traurige Erfahrung machen musste, dass er so, wie er ist, nicht „richtig” ist, muss diesen Schmerz also irgendwie unterdrücken.

Gelungen ist das den meisten Menschen mehr oder weniger gut. Aber um welchen Preis? Die Unterdrückung dieses sozialen Schmerzes führt zwangsläufig dazu, dass auch all jene schmerzhaften Signale, die aus dem eigenen Körper kommen, im Gehirn nicht mehr sensitiv wahrgenommen werden können.

Das Ergebnis: man spürt sich dann selbst nicht mehr richtig. Merkt nicht mehr, dass irgendetwas weh tut. Geht darüber hinweg und hält es aus, genauso wie den Schmerz über die soziale Ausgrenzung. Beides beruht ja auf der Erzeugung des gleichen Signalmusters im eigenen Gehirn.

Die Folge: Man reagiert nicht mehr auf Signale aus dem eigenen Körper, auf die man eigentlich – um gesund zu bleiben – reagieren müsste.

Ahnen Sie jetzt, weshalb so viele Menschen, die in gestörten Beziehungen leben, krank werden? Haltungsschäden bekommen, Übergewicht entwickeln, ihre Gesundheit durch krankmachende Lebensgewohnheiten ruinieren, ohne zu spüren, dass das ihrem Körper weh tut? Wie soll ihr Gehirn merken, dass etwas im Körper nicht stimmt und korrigierend darauf einwirken, wenn es davon nichts mehr mitbekommt? Eine Verbesserung unserer Beziehungskultur hätte daher weniger Erkrankungen und eine enorme Kostenersparnis im Gesundheitswesen zur Folge.

Professor Dr. Gerald Hüther ist Leiter der Zentralstelle für Neurobiologische Präventionsforschung der Psychiatrischen Klinik der Universitäten Göttingen und Mannheim/Heidelberg

zuerst erschienen auf www.denkwerkzukunft.de

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8 Gedanken zu “Soziale Kränkungen machen krank;”

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    jan z. Volens: Die “Enge” – besonders in einem Land mit humorloser Kultur wie Deutschland – wirkt auch besonders laehmend auf den “untergeordneten” Mensch.

    … muhahaha “untergeordnete” Mensch … der war gut. Aber das ist nicht Deutschland.

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    Die “Enge” – besonders in einem Land mit humorloser Kultur wie Deutschland – wirkt auch besonders laehmend auf den “untergeordneten” Mensch. Sicherlich haben viele die Moeglichkeit ihre Persoenlichkeit zu aendern, erweitern, zu entfalten – wenn sie in eine neue Kultur und deren Sprache “einziehen”. Goethe: “Ich habe mich in Rom gefunden!” Claude Levy-Strauss (der Anthropologe): “Haette ich gewusst wie ich bin, dann haette ich mich nicht erst in exotischen Abenteuern such muessen!”.

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    @KJN
    Sicher, aber zur Kränkung gehören immer zwei, einer der kränkt und einer der sich kränken lässt. Im Artikel wird nur die eine Seite gesehen.

    Übrigens gibt eine jahrhunderte alte ostasiatische Tradition des “Selbstgewahrsein und Selbstakzeptanz entwickelns”. Jedem empfohlen, der Kränkungsresistenz entwickeln und mündig werden will.

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    @Hänschen Klein
    “Wer “Kränkung” nicht aushält, ist nicht mündig.”
    Zustimmung. Allerdings gilt auch der Schluss:”Wer Menschen kränkt, will sie unmündig.”

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    Nachtrag:

    “weil er in einer sozialen Gemeinschaft ausgegrenzt wird”

    Den Menschen über seine “gemeinschaftliche” Akzeptanz zu definieren, erinnert mich stark an die bekannten rechts- und linkssozialistischen Gesellschaftsmodelle.

    Mit dem “mündigen Bürger” hat das definitiv nichts mehr zu tun. Der mündige Bürger hält “Kränkung” aus. Wer “Kränkung” nicht aushält, ist nicht mündig.

    Ab der mündige Bürger scheint eh out zu sein. Lemminge sind gefragt.

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