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Size Matters, Teil II: Kredite und andere Vergehen

Wenn man zu den Wurzeln der Wulff-Affäre zurückkehrt, findet man einen Privatkredit. 500.000 Euro bekam der damalige niedersächsische Ministerpräsident, und zwar zu einem Zinssatz von vier Prozent. Da das gekaufte Haus dem Kredit gebenden Ehepaar Geerkens nicht als Sicherheit überschrieben wurde, kann man diesen Zinssatz nicht mit den damals geltenden Hypothekenzinsen vergleichen, sondern nur mit den allgemein geltenden Zinsen für Privatkredite.

Auftritt eines Bekannten von mir, nennen wir ihn A. Er verdient gut, seine Frau ist Beamtin. Darum hatten sie bei ihrer Bank einen Dispo von 15.000 Euro. Das entsprach etwa dem Dreifachen ihres Monatsnettoeinkommens. 2008 geriet das Ehepaar in Schwierigkeiten. In Erwartung einer bereits zugesagten höheren Summe aus Immobiliengeschäften hatten sie Ausgaben getätigt, die Summe traf nicht zum erwarteten Zeitpunkt ein, das Konto war mit 18.000 Euro überzogen, die Bank verlangte die Umwandlung in einen regulären Privatkredit.

Nun befand man sich 2008 mitten in der Bankenpanik. Die Bedingungen der Bank lauteten: Nettokredit: 18.000,- Euro. Versicherungsprämie (wohlgemerkt für einen faktisch unkündbaren Angestellten und eine Beamtin, Risiko der Bank also gleich null): 3.549,80 Euro. Bearbeitungsprovision (für die Umwandlung eines Dispokredits in einen Privatkredit bei derselben Bank): 431,- Euro. Zinsen (jetzt kommt’s): 9.518,57 Euro, effektiver Jahreszins 12,24 Prozent. Gesamtbetrag aller Zahlungen: 31.499,37 Euro. Befund: Wucher in Verbindung mit Nötigung.

Es handelt sich, wohlgemerkt, nicht um Herrn Shylock aus Shakespeares bekanntem und problematischem Schauspiel, sondern um eine alteingesessene, seriöse Institution, die heute eine hundertprozentige Tochter der Deutschen Bank ist.

Wie viel Herr Wulff bei ähnlichen Bedingungen für seine halbe Million hätte zahlen müssen, lässt sich leicht ausrechnen. Dass er das nicht wollte, kann man nachvollziehen.

Es gibt hier zwei Probleme, jenseits der für die weitere Amtsführung des Präsidenten entscheidenden Frage, ob er den Landtag belogen hat, als er diese Geschäftsbeziehung zum Ehepaar Geerkens vornehm auf Anfrage verschwieg:

Erstens gibt es in diesem Land offensichtlich zwei Klassen von Menschen. Wer Geld oder Einfluss besitzt, lebt in einer anderen Welt als die normalen Bürger. Wir wissen das natürlich. Wir wissen: Wer hat, dem wird gegeben. Normalerweise spüren wir das aber nur, wenn wir uns im Flugzeug an den Champagner süffelnden Leuten vorbeidrängeln, deren Firmen ihnen Sitze in der Business Class spendieren (für die am Ende natürlich wir als Konsumenten bezahlen), oder wenn wir uns beim Arzt aus Versehen ins Wartezimmer der Privatpatienten verirren. Und wenn es uns, wie beim Fall Wulff, unter die Nase gerieben wird, stinkt es uns doch.

Zweitens bestätigt sich die Volksweisheit, dass Banken Institutionen sind, die einem bei Sonnenschein Regenschirme leihen und sie zurückfordern, wenn es regnet. So erging es meinem Bekannten A. mit seiner Bank. Sowohl Wulff als auch sein Vorgänger im Schloss Bellevue haben auf „die Märkte“ geschimpft, weil die es dem Staat schwer machen, Geld zu leihen. Immerhin haben die Staaten in Gestalt der Zentralbanken, der Weltbank und des Weltwährungsfonds Institutionen, die bei Bedarf den Markt mit Geld fluten können, damit die Banken den Staaten wiederum Geld leihen können. Eine Institution, die in schwierigen Zeiten dem in Not geratenen Normalbürger unter die Arme greift, gibt es nicht.

Statt also über die Märkte zu schimpfen und ansonsten zuzusehen, dass man selbst nicht die Marktpreise für Privatkredite zahlt, sollte sich Christian Wulff in der ihm verbliebenen Amtszeit dafür einsetzen, dass es eine staatliche Bank gibt, die in Krisenzeiten für die Bürger da ist.

Bekanntlich hat Wulff seinen Kredit beim Ehepaar Geerkens durch einen ausgesprochen günstigen Kredit der Landesbank Baden-Württemberg abgelöst. Die Reaktion darauf ist typisch:  „Baden-Württembergs Finanzminister Nils Schmid (SPD) hat die landeseigene BW-Bank wegen des Kredits für Bundespräsident Christian Wulff ermahnt. ‚Es sollte keine Sonderkonditionen für Politiker und Prominente geben’, sagte der Vize-Regierungschef am Sonntag nach einer SPD-Klausur in Bad Boll“. So die „Stuttgarter Nachrichten“.

Schmid will, Sozialneid pur, dass Wulff mehr zahlt. Er sollte sich stattdessen dafür einsetzen, dass kleine Häuslebauer und andere Kreditnehmer ohne reiche Freunde auch in Krisenzeiten die günstigen Konditionen bekommen, die unsere Herren gewohnheitsmäßig genießen, falls sie überhaupt mal in die Verlegenheit kommen, einen Kredit zu brauchen. Wofür sonst gibt es staatliche Banken?

Noch einmal: Dafür sollte sich Christian Wulff stark machen, falls er im Rest seiner Amtszeit noch etwas Glaubwürdigkeit zurückgewinnen will.

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94 Gedanken zu “Size Matters, Teil II: Kredite und andere Vergehen;”

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    @derblondeans
    „Aber das wissen doch hier alle. Oder?“
    Ja eben! Aber warum schreibt denn niemand was dazu?
    Statt dessen diskutiert man über Dr. Sarrazin, der sich offensichtlich eher für Genetik, oder was er dafür hält, interessiert.

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    … Kapitalismus ist keine Gesellschaftsform und kann daher auch nicht ungerecht sein. Wenn – dann ist es der Betrug der ‚minimiert‘ werden muss. Aber das wissen doch hier alle. Oder?

    Übrigens – von welchem ‚Staat‘ wird hier eigentlich geschrieben? Von der ‚BRD‘-Finanzagentur GmbH?

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    Soll heißen, für mich hapert es ganz oben in der Struktur. Ich habe mal ein Interview mit Fischer gelesen, der Fischerdübel aufgebaut hat. Das war ein verantwortlicher Unternehmer, der auch an seine Angestellten dachte. Wenn ich dagegen ansehe, dass Carnival schon wieder zehn neue Boote bestellt hat, aber nicht bereit ist, diese mit verantwortungsbewusstem Personal auszustatten, stimmt es dort nicht mehr, in der Grundstruktur. Und Carnival steht symbolisch für diese Verirrungen. Das ist keine neue Erkenntnis, die ist schon mindestens zehn Jahre alt, und im Volksmund heißt sie Turbokapitalismus, Gewinnmaximierung um jeden Preis. Die andere Seite der Medaille ist, dass Carnival am Montag 1,5 Mill. verloren hat. Wenn eine Fa. dieser Größe pleite geht, gibt es i.d.R. einen vom Steuerzahler finanzierten Bailout, den ein Schreiner mit Bankrott nicht bekäme. Das erscheint mir total krank. Und deswegen bricht das ganze System in die Knie. Es ist menschenverachtend. Man sollte überhaupt nicht auf Ratingagenturen hören, m.E., sondern wieder einen besseren Kapitalismus mit Verantwortung aufbauen, zumindest versuchen, und das Prinzip Gewinnmaximierung um jeden Preis in Frage stellen. Statt dessen wird oft Neid auf den oberen Mittelstand geschürt, weil das am leichtesten ist. Weil Schaf nicht protestiert und nicht erpressen kann.
    Was APo oben schreibt, Häuserkredite für jeden, geht auch nicht, siehe 2008. Das wäre Leben auf Kredit wie bei Uncle Sam, und wenn der Arbeitsplatz weg ist, wird’s eng.
    Da ich dieses System als krank ansehe, glaube ich, dass es kaum Patentlösungen gibt, sondern nur kontinuierliche Bastelarbeit. Und wenn ich die kleinen Vergünstigungen für einen Politiker anschaue, weiß ich wie jeder andere auch, dass das an jeder Ecke passiert.
    Um auf Giglio zurückzukommen: Jeder Hobbyschiffer dürfte diese Felsen kennen. Das ist ein Unding.

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    @ EJ, Moritz Berger
    tatsächlich wäre eine Umwidmung der Sparkassen und der KFG als seröse Referenzbank mit, sagen wir gedämpften Zinsen, eine Wohltat für den Mittelstand, egal wie man nun letzteren versteht.
    Anstatt weiter speziell nach bürokratisch und politisch opportuner Bewertung irgendwelche Darlehen gemäß komplizierter Förderrichtlinien zu subventionieren, sollte der Staat sich um eine Stabilisierung des Rahmens, in dem Wirtschaft stattfindet, bemühen – sich aber aus dem inhaltlichen Wirtschaftsgeschehen weitgehend heraushalten. Leider spielt der Staat, EJ, sehe ich genauso, immer weiter Kapitalismus und das ist höchst gefährlich und in Wirklichkeit institutionalisierte Korruption.
    Für mich ist das Thema Wulff nur eins der vielen Anzeichen für die Instabilität des derzeitigen Systems.
    Diese Staatsbank übernimmt ebenfalls ein erhebliches Risiko, aber es dürfte keinesfalls größer sein, als die derzeitige Vabanque-Politik der Rettungsschirme.
    Ich glaube, wir sind in der Phase angelangt, wo Neues zu wagen weniger Risiko birgt, als das berühmte „weiter so“. Die Konservativen werden zu Hazardeuren.
    Leider ist seit 2008 schon viel Zeit vertan worden und Deutschland wird nicht andauernd Krisengewinnler bleiben.

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    @ Moritz Berger: „Daher bin i c h der Meinung, wenn ich mir die Prognosen der deutschen Unternehmen für 2011 anschauen, daß doch sehr viel verdient worden ist.

    Und eine kleine Anmerkung:

    Einkommen ist nicht identisch mit Vermögen“

    D’accord. Aber das richten Sie nicht mit Vermögenssteuer, meiner Ansicht nach. Vermögenssteuer würde zu einem Teil Abwanderung führen, auch bei einigen zu Verarmungen. Dann würde das eine oder andere verkauft werden, aber wirkliche Käufer wären u.U. nicht vorhanden. Die Steuer würde in die Politik fließen, und diese würde weiter gestalten, wie, das sehen wir ja. Ich bin ganz grundsätzlich gegen Steuererhöhungen als Mittel zur Regulierung, weil diese Gelder woanders versacken. Als Bonbon kriegt der Bürger dann mal 20 Euro mehr Kindergeld.
    Es ist etwas ganz anderes, das ich kritisiere: Die Gewinnmaximierung zu Gunsten von Aktionären auf dem Rücken von, wie man aus dieser Statistik ablesen kann, mager bezahlten Angestellten. Dieses Grundprinzip der Gewinnmaximierung zu Gunsten von Leuten, die nicht arbeiten bei grenzwertiger Bezahlung von Leuten, die etwas herstellen, sagt mir mit meinem in diesen Dingen noch bescheidenen Verstand und meinen oft zu philosophischen Vorstellungen nicht zu.
    Aber das kann man nicht ändern, indem man Geld in die Politik schiebt. Was dort so abgeht, sehen wir ja auch. Das können m.E. nur die Gewerkschaften ändern, von denen man in den vergangenen Jahren wenig hörte. Es sagt mir also nicht zu – und ich hoffe, dass das für mich spricht – dass Leute von acht bis halb fünf mindestens auf der Matte stehen, dann noch fünf Jahre länger arbeiten sollen als z.B. die Franzosen, dass wir insgesamt ein wohlhabendes Land sind, aber die Malochenden nicht genug abkriegen und den ehemals Malochenden über Steuern die Renten gekürzt werden, dass also insgesamt die Bevölkerung von der wirtschaftlich gut aufgestellten BRD nicht viel hat. Und sie hätte auch nichts davon, wenn das Geld in die Politik fließt. Das wird dann für dubiöse Rettungsschirme verwendet für Länder, in denen gern Däumchen gedreht wird (Griechenland), andere, in denen Leute mit Lamborghini nach Cortina fahren, aber nur 30.000 Euro auf der Steuererklärung stehen haben (Italien) oder ab jetzt solche, wo nur bis 62 gearbeitet wird und, soweit ich weiß, nur 35 Stunden. Sie – die Bevölkerung – hätte nur etwas davon, wenn sie dagegen protestiert. Da das immer weniger passiert, muss man davon ausgehen, dass Deutsche sich mit ihrem bescheidenen Dasein in einem der wirtschaftskräftigsten Länder abgefunden haben, dass man sich also das ideale Schaf herangezüchtet hat, dasselbe Schaf übrigens, das in einer anderen Sache, dem Holocaust, einfach zugesehen hat. Ich muss also davon ausgehen, zwangsläufig, dass dies ein Schafsvolk ist, während die Franzosen Barrikaden errichten, wenn die Rente von 60 auf 62! erhöht wird. Ein gehorsames Volk, das erst eine ganze Gruppe opfert und in den Tod schickt bzw. passiv bleibt und danach sich selbst verschaukeln lässt. Oder sehe ich da was nicht?

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    @ Parisien: Ausgerechnet mir Reichen-Hass und Sozialneid zu unterstellen, ist absurd. Das kritisiere ich gerade. Das heißt aber nicht, dass man jede Ungerechtigkeit gutheißt. Ich weiß, wie es bei Privatversicherten zugeht, weil ich selbst als Beamter jahrelang privat versichert war und meine Frau bis heute privat versichert ist. Ich bezahle jetzt als gesetzlich Versicherter mehr Geld für eindeutig schlechtere Leistungen. Wenn die Ärzte nicht überleben können ohne Privatkassen, dann stimmt etwas am System nicht. Und im übrigen ist „überleben“ ein relativer Begriff, gerade bei Ärzten.
    Die Business-Klasse-Leute, die ich meinte, waren die im Flugzeug. Haben Sie schon mal gesehen, wie es nach dem Flug in der Business-Klasse aussieht? Es ist, als wollten die Leute mit Absicht eine Sauerei hinterlassen, nach dem Motto ich räume doch nicht meinen eigenen Dreck weg, dafür gibt’s Personal. Ich darf übrigens gelegentlich selber Business fliegen (neulich dienstlich mit Etihad Airways auf die Seychellen) und genieße das dann sehr; merke aber, wie schnell sich eine Haltung einschleicht, man habe sich das Privileg irgendwie verdient. Was ja nicht stimmt. Ansonsten: Wenn ich mit Easyjet fliege, sehe ich keine Business Class, und die scheinen einen ordentlichen Gewinn zu machen. Zu sagen, ohne Business gehen die Airlines ein, ist also kein richtiges Argument. Aber ich bin nicht dagegen, dass es Unterschiede gibt, dass man sich eine bessere Behandlung beim Arzt oder beim Fliegen kaufen kann. Ich wollte nur sagen, dass diese Unterschiede einem nur bei bestimmten Gelegenheiten unter die Nase gerieben werden. )
    @ Moritz Berger: Nein, das war nicht die Postbank. Vergünstigungen bei Journalisten: siehe oben, Seychellen-Reise. Ich bin mir stets bewusst, dass ich ein sehr privilegiertes Dasein führe. Und richtig: ich wandle mich nicht vom Saulus zum Paulus. Ich bin für den Kapitalismus. Und gegen Praktiken, die den Kapitalismus diskreditieren. Denn die einzige Rechtfertigung für dieses System ist, dass er bei einem Höchstmaß an Freiheit ein Höchstmaß an Effektivität garantiert. Das heißt, dass der Kapitalismus gut ist, weil, wenn und so lange er für die Masse der Menschen ein besseres Leben ermöglicht. Auf der anderen Seite ist er natürlich höchst ungerecht. Wenn diese inhärente Ungerechtigkeit den Leuten unter die Nase gerieben wird, während sich – siehe Griechenland – das Wohlstandsversprechen auflöst, graben sich die Nutznießer des Kapitalismus ihr eigenes Grab. Und das fände ich schade.

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    @Parisien

    „Ich bin nicht der Meinung, dass in diesem Land viel verdient wird“

    Es kommt darauf an wo Sie hinschauen.:-)

    Daher bin i c h der Meinung, wenn ich mir die Prognosen der deutschen Unternehmen für 2011 anschauen, daß doch sehr viel verdient worden ist.

    Und eine kleine Anmerkung:

    Einkommen ist nicht identisch mit Vermögen

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    @EJ

    „Eine (Mehr-als-)Verdoppelung des Eigenkapitals, Moritz Berger, ist schon ein ziemliches Dingen, finde ich. „

    Da gebe ich Ihnen durchaus Recht. Besser wäre es m.E. gewesen diesen Prozess der EK Erhöhung kontinuierlich über mehrere Jahre anzulegen.
    Dennoch habe ich zunehmend Schwierigkeiten bei der Beurteilung Ihrer Analyse:

    Sie fordern „ meine „ staatlichen Banken. Sind Sie der Auffassung dass es in dem bestehenden System möglich ist „ Inseln „ zu schaffen.
    Vielfach wird die These vertreten, dass erst durch den Zusammenbruch des sozialistischen Systems Anfang der neunziger Jahre, die „ Deregulierung „ im Kapitalismus möglich war. Da begann m.E. Auch die Vertreibung aus dem Paradies. Der Adamsapfel waren die Renditevorstellungen in allen Bereichen unserer Ökonomie die keine Grenzen kannten. Vorbild waren mehr oder weniger die USA und UK sowohl durch Reagan wie auch Thatcher geprägt, die der Auffassung waren, weniger stattliche Einflüsse, niedrigere Steuern würden den Wohlstand aller vermehren (trickle down effect)
    Das dem nicht so ist,können wir heute sowohl in UK, in den USA und auch in Deutschland seit der Ära Schröder, Eichel und Steinbrück feststellen.

    Ich weiß nicht ob Sie es waren der die Büchse der Pandora in einem Thread erwähnte. Dennoch,.. sind Sie der Meinung, dass wir mit den traditionellen Mitteln, sprich staatlicher Regulierungen wieder die Büchse der Pandora schließen können.
    Da habe ich persönlich erhebliche Zweifel 🙂

    Unsere Nomenklatura ist doch, gerade wenn Sie die Bewältigung der Eurokrise betrachten, so sehr im Schubladendenken verhaftet, so phantasielos und letztlich so wenig innovativ, dass ich der Auffassung bin, die Veränderung kann nur von unten kommen. Selbst wenn ich hier vielleicht als Prediger in der Wüste auftrete 🙂 solange wir Bürger die Dinge nicht selbst in die Hand können wir sehr lange auf den trickle down effect warten.
    Das beginnt letztlich auch damit, dass Sie in Ihrem Wohnort vielleicht einmal beginnen sollten Ihre Stadtsparkasse stärker zu kontrollieren, dass Sie vom Vorstand und Aufsichtsrat Transparenz einfordern. Das ist letztlich auch Ihr verbrieftes Recht.

    Wenn ich hier Münchau und auch Hüther vom Institut für Wirtschaft in Bezug auf Verstaatlichung der Banken erwähnt habe, dann nicht weil ich der Auffassung bin, dass diese Personen sich auf einmal vom Saulus zum Paulus verwandeln.
    Für mich sind die beiden eher Indikatoren, daß die Ökonomie wie sie sich selbst derzeit sieht, große Schwierigkeiten hat den „eingeschlagenen Weg „ der Deregulierung weiter zu gehen. Dennis Snower vom Weltwirtschaftsinstitut in Kiel spricht selbst davon dass der homo oeconomicus (wie ihn auch Herr Posener immer wieder gerne aus dem Zylinder zaubert 🙂 nicht existiert.
    http://www.ftd.de/politik/konj.....55490.html

    „ Wir stehen am Anfang einer Revolution „ mag vielleicht etwas theatralisch klingen, aber die „ Ratlosigkeit unserer Ökonomen „ und letztlich auch die Hilflosigkeit, siehe Eurokrise, ist doch bezeichnend für die Zweifel unserer ökonomischen Nomenklatura.
    In einem anderer Thread, sprach ich davon, daß wir uns zunehmend von einer owner- zu einer share- Gesellschaft wandeln werden.

    Warum daher noch versuchen die alten (mehr oder weniger pervertierten 🙂 Banken zu reformieren.
    Ansätze des Wandels sind für mich zu erkennen. Siehe http://www.kiva.org, die bereits ein Volumen von mehr als 100 Mill. € erreicht hat.

    Oder nehmen Sie den Versuch von Kiva ein peer to peer lending zu beginnen ohne Intermediäre, sprich Banken.

    http://www.wiseclerk.com/group…..ance/kiva/
    https://zip.kiva.org/

    Im Vergleich zu den Billionen (europäische 🙂 die derzeit einmal um die Welt „ fliegen „ sind dies sicherlich nur ein, zwei Reiskörner.
    Dennoch Veränderungen der Gesellschaft werden nicht mit Fanfaren angeschoben, sondern beginnen zuerst in Nischen 🙂
    Und um Ihr Beispiel von den Kleinunternehmen aufzunehmen, die durch die Finanzkrise 2008 bankrott gingen.
    Der Mittelstand beginnt sich zunehmend mehr zu vernetzen. Gerade vor ein paar Tagen habe ich erfahren, dass mehrere Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Beschäftigte sich in Form einer Energiegenossenschaft in ihrer Straße zusammengeschlossen haben,um eine eigenes Blockheizkraftwerk zu errichten, damit sie nicht länger von den großen Energieversorgern wie RWE, etc. abhängig sind.

    Solche Projekte stehen nur selten im Wirtschaftsteil von der Welt oder dem Handelsblatt, weil es derzeit noch „ peanut Projekte „ sind. Aber diese Kleinstunternehmen können sich auch poolen, um z.B. bessere und günstigerige Versicherungs- und Kreditverträge abzuschließen.
    Ähnliches wird z.B. in meinem Bekanntenkreis bereits bei der Baufinanzierung für das Eigenheim praktiziert!!
    Daher ärgere ich mich ein bißchen, daß die Bekannten von Herrn Posener nicht schon 2008 an mich herangetreten sind. Bei deren Kreditscoring hätte sie damals sehr gerne einen 4 Jahreskredit zu 6% von mir bekommen 🙂

    „Klar scheint mir aber, dass man dringend darüber nachdenken und, vor allem, das wäre wirksame Krisenteuerung, gegen allen Widerstand aller möglichen Seiten, schon mal damit anfangen muss – heißt tatsächlich aber leider nur: müsste – wirklich zu sehen, ist von beidem nämlich bisher nichts.“

    Wenn Sie nichts sehen,hat das vielleicht den Grund, dass nur nur immer nach oben schauen 🙂
    Glauben Sie daß Angela Merkel und andere noch in der Lage sind /wenn sie es überhaupt jemals waren 🙂 gesellschaftliche Innovationen anzustoßen 🙂 🙂 🙂

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    17. Januar 2012 um 22:26 schreibe ich:

    “Verstaatlichung der Banken” kann nur heißen …

    Das ist eine falsche Formulierung. Ich plädiere hier nicht für eine Verstaatlichung aller Banken.

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    @ KJN @ Moritz Berger

    Sicher, KJN, die staatlichen Banken haben ihre Unschuld verloren. Das haben sie aber nicht deswegen, wie ich hier schon mehrfach geschrieben habe, weil sie „in Staat“, sondern – ganz im Gegenteil – deswegen, weil sie „in Kapital gemacht“ haben. „Verstaatlichung der Banken“ kann nur heißen, dass sie ihre Zielorientierung von maximalem Gewinn radikal auf Gemeinwohl ändern müssen.

    Eine (Mehr-als-)Verdoppelung des Eigenkapitals, Moritz Berger, ist schon ein ziemliches Dingen, finde ich. Und gerade dann, wenn man sich vom Wahn verabschieden möchte, dass Banken – eben weil sie Banken sind – das eben mal so aus dem Handgelenk heraus schaffen (sollten). Genau das sollen sie nicht!

    Tatsächlich bedeutet der Zwang zur Verdoppelung der Eigenkapitals entweder noch mehr Orientierung auf Gewinn, noch mehr Kapitalismus, noch mehr Kasino, mindestens vorübergehend, oder, um das geforderte Verhältnis zum Eigenkapital auf dem entgegengesetzten Wege zu erreichen, eine Beschränkung z.B. in der Kreditvergabe. Beides kann nicht das Erwünschte sein.

    Sicher wird der Wunsch nach staatlichen Banken bzw. Bankenverstaatlichung inzwischen vermehrt geäußert. Es ist aber, ähnlich wie bei der Aufforderung zur Verdoppelung des Eigenkapitals, nicht immer ganz klar, was eigentlich sich dahinter verbirgt. Manchmal hört es sich stark nach Kapitalismus ohne Risiko bzw. nach unbegrenzter Nachschusspflicht des Staates an. Das kann es aber nicht sein.

    „Meine“ staatlichen Banken hätten am Finanzmarkt, wie wir ihn kennen, in nur sehr engen Grenzen etwas zu suchen. Dass beispielsweise der von ihnen zitierte Münchau das ebenfalls meint, ist eher zu bezweifeln. Er scheint mir die am gängigen Finanzmarkt üblichen Operationsbestecke eher nur ein bisschen entschärfen und abstumpfen zu wollen.

    Mir geht es um die Etablierung eines geregelt verlässlichen, (@ KJN:) sich selbstfinanzierenden Kapitalmarkts für die Realwirtschaft, der mit dem L’art-pour-l’art-Finanzmarkt, dem neoliberal selbstbezüglichen Gier-Markt nach Möglichkeit nichts zu tun hat. Wie weit die Regelungsmöglichkeiten (welcher staatlichen Akteure (neben nationalen ist an europäische zu denken)) dazu reichen, ist längst nicht klar, z.B. im Hinblick auf den (grenzüberschreitenden) Devisenmarkt.

    Klar scheint mir aber, dass man dringend darüber nachdenken und, vor allem, das wäre wirksame Krisenteuerung, gegen allen Widerstand aller möglichen Seiten, schon mal damit anfangen muss – heißt tatsächlich aber leider nur: müsste – wirklich zu sehen, ist von beidem nämlich bisher nichts.

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    Herr Posener

    Zu Ihrer Information:

    „Die Zinsen sind im Vergleich zu anderen Kreditformen relativ hoch. Aus diesem Grund sollte eine Umschuldung in einen Ratenkredit vorgezogen werden, sofern eine dauerhafte Inanspruchnahme des Dispokredits absehbar ist. Das Magazin Finanztest der Stiftung Warentest ermittelte im Herbst 2011 bei 1039 Banken und Sparkassen in Deutschland einen durchschnittlichen Zinssatz von 12,4 Prozent für Dispokredite. Die Spanne reichte dabei von 6,0 Prozent bis 14,75 Prozent.[7]“

    http://de.wikipedia.org/wiki/Dispositionskredit

    Und das kommt leider zu spät für Ihren Bekannten A:

    http://www.handelsblatt.com/fi.....45206.html

    Und was das Zinsniveau bei Ratenkrediten betrifft;

    http://ratenkredit.focus.de/focus/
    http://www.focus.de/finanzen/b.....10385.html

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    @Parisienne: Ich zitiere:
    „A propos Privatpatient: Wissen Sie
    a) was diese Leute zahlen,
    b) dass deren Arztbesuche sich auf Minima beschränken und
    c) dass die meisten Praxen ohne sie nicht existieren könnten?“
    Ja, die Armen!

    ad a) Was die Leute zahlen ist überall nachzulesen, das ist kein Geheimnis und arm wird eine/r da auch nicht davon…
    ad b) …wäre mir jetzt neu… und hängt doch sehr vom Krankheitsbild ab. Konkret gefragt: Was soll der Käse???
    ad c) Von den chicken, ruhigen, übersichtlichen Privatpraxen ohne Wartezeiten (in jeder Hinsicht) haben Sie offenbar noch nichts gehört. Der Werbeslogan heißt hier: „Mensch, sei doch nicht blöd: Gib die Kassen ab“… Sie verstehen?

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    @Lyoner: Warum rege ich mich im Angesicht der scheinbaren (oder ‚unscheinbaren‘) Unendlichkeit der Multiversen dann über die Grundschule meines Kindes auf??? Aus astrophysikalischer Sicht hieße die Antwort – …weil alles EINS ist, weil deine Haltung der Lehrerin/ der Schule gegenüber sich im ‚Multiversum‘ milliardenfach widerspiegelt/ fortsetzt, weil jeder Gedanke Energie ist, die sich manifestiert, egal ob du liebst oder hasst, und weil jeder Gedanke MACHT ist…(Meister Yoda ist stets mit euch!)… Exoplanetarische (was für ein Wort!) Grüße sendet E.T., der so große Sehnsucht nach dem blauen Planeten hat, aber leider nicht mehr weiß, wie er dahin zurückkommen soll. Hat A.P. eine Idee???

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    Ich bin nicht der Meinung, dass in diesem Land viel verdient wird. Und wenn man den hier angegebenen 3,4 Prozent Spitzenverdienern (sehr dünn) auch noch was weg nimmt, wird nichts besser. Aufgrund dieser Statistik – so sie stimmt – erscheint mir jegliche Neiddebatte verwerflich:
    http://www.welt.de/wirtschaft/.....uiert.html
    Hatte mich schon gewundert, dass dieses Land vollgebaut wird mit Doppelhaushälften und freistehende Häuser oft lange auf dem Markt sind.

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    @AP: Ihre wulfffreundliche Haltung fand ich schon letzte Woche befremdend….Das mit Ihrem Kredit (mutmaße ich; s.o.) mag ein Ärgernis sein, dennoch, Präsidenten und Ministerpräsidenten sind nicht otton…
    Lieber wäre mir daher heute aus Ihrer Feder ein Artikel zu Iran gewesen, ‚echte‘ Politik scheint Ihnen mehr zu liegen (…eine Anmaßung? Meinetwegen!)——
    Daher mal zur Abwechslung jetzt was völlig anderes: Heute auf DLF „für Sie“ gehört, dennoch leider schon vergangen: http://wwwuser.gwdg.de/~citg/

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    @ Moritz Berger: „Sie täuschen sich, nicht die Reichen schieben die Konjunktur an. Deren Konsumquote ist im Verhältnis zu anderen Einkommensgruppe sehr niedrig.“

    Das glaube ich nicht ohne Weiteres. Es kommt darauf an, was und wie das gemessen wird. Wenn es nur um Zahlen geht, mag das hinkommen. Da kauft vielleicht ein „Normaler“ alle paar Jahre neue Vorhänge, z.B. wenn er umzieht. Andererseits kenne ich Leute, die 50.000 Euro für ihre Vorhänge hingelegt haben, was man sieht, und mit denen umziehen.
    Gleichermaßen kauft ein Jugendlicher jede Saison neue Klamotten,z.B.von H&M, während seine Mutter oder sein Vater sich möglicherweise seltener etwas kaufen, dafür aber mehr hinblättern.
    Oder nehmen Sie mal diesen Pott. Ich habe in Venedig gelernt, diese schwimmenden fünfstöckigen Altersheime zu hassen. Diese Pötte machen Entertainment,und sonst bieten sie nicht viel. Sie machen natürlich – ist mir völlig klar – den Umsatz über Masse. Das geht gut, so lange die Versicherungen mitspielen. In kleinen Dingen, die akkumulieren, haben Sie natürlich recht. So wird in der Masse etwas mehr Andenken gekauft, mehr gesoffen usw.
    Bei Produkten von höherem Wert können Sie nicht Recht haben. Und diese Produkte sind auch wichtig. Dieser Konsum muss anders berechnet werden. Bei gesunden Leuten findet er zwangsläufig seltener statt, weil sie ihre teuer erworbenen Preziosen nicht einfach wegwerfen.
    Ich weiß auch nicht, inwieweit die Spielerei mit Zahlen, z.B. Zahl von Paxen, tatsächlich wiedergibt, wie erfolgreich eine Firma ist. Es gehen ja genug Firmen pleite, immer wieder. Opel z.B. Nicht etwa BMW. Nach Ihrer Theorie dürfte Griechenland nicht pleite sein, und zwar wegen seines kontinuierlich aufgebauten Massentourismus und reger Bautätigkeit. Spanien und Portugal müsste es auch gut gehen. Der Maghreb müsste blühen. Es geht aber Deutschland relativ gut, einem Land, das keine Touristenhochburg ist, dafür aber Firmen wie Siemens, BMW, Mercedes-Benz und Audi hat.
    Somit frage ich mich immer, ob Konsum richtig gemessen wird. Wenn man immer nur große Ketten in die Statistik bringt, entsteht ein falsches Bild.
    Ich will Ihnen mal erklären, wohin ich damit will: Ich unterstütze immer meine lokalen Händler, wenn sie nett sind, natürlich, hauptsächlich, damit sie erhalten bleiben. Kleiner bis mittlerer Mittelstand. Dafür muss ich etwas mehr zahlen. Aber ich will, dass sie bleiben. Ein wenig spart man dadurch an Benzin. Ich fahre immer in persönlich geführte Hotels, Familienbetriebe, wenn es irgend geht. Rabatte sind da nicht drin. Das geht nur mit einmal Marriott, immer Marriott. Nichts gegen Marriott, Marriott ist gut. Aber der Mittelstand ist noch besser, weil er sich persönlich bemüht. Die FDP,die ich deswegen mit einer Stimme gewählt habe, hat nicht viel getan für den Mittelstand. Es geht mir nicht um den deutschen Mittelstand allein, denn ich mache das in England, Frankreich und Italien genauso.
    Sie wollen doch alle was ändern und beklagen sich hier teilweise über Dinge, die von ganz Großen ausgehen. Wenn jeder so konsumieren würde wie wir, würde sich einiges ändern. Der Mittelstand würde profitieren und wiederum mehr Leute beschäftigen und mehr ausgeben.
    Costa Crociere z.B.gehört zur Carnival Corporation. Die haben auch kleinere Schiffe von Seabourne, wunderschön. Insgesamt haben sie 100 Schiffe, d.h. hatten. Jetzt haben sie nur noch 99. Der Sitz ist teils in London, teils in Panama.
    Ich hoffe, Sie verstehen in etwa, worauf ich hinaus will: Size matters or small is beautiful.

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    @ EJ:
    „Es ist das Deprimierende an dieser Affäre, dass sie in jeder Situation immer wieder einen Mann zeigt, dessen Möglichkeiten mit den Ämtern wachsen, ohne dass sich die Verhältnisse seines Denkens ändern. Das geborgte Haus ist nur ein Klinkerhaus, der geschenkte Urlaub führt nicht auf eine Südseeinsel, die Piefigkeit ist immer wieder nur dieselbe Piefigkeit.“
    http://www.spiegel.de/politik/.....51,00.html

    Ich finde, dass Fleischhauer die Situation perfekt beschrieben hat. Und wenn Wulff in einer gemieteten Altbauwohnung ohne Zimmerpflanzen, mit bezahlbaren! ausgesuchten Sachen von Ikea leben würde, würde kein Hahn danach krähen. Das Ganze eckt an dieser Vermischung von politischem und gleichzeitig privatem Aufstiegswillen an, auch an dieser Vermischung in dem Fernsehinterview am 4.1., dieses „man“ oder „man wird sich doch von Freunden helfen lassen dürfen“, diese Verallgemeinerungen, dieses Abgleiten in Allgemeinplätze. Frau Merkel lebt diese Vermischung gar nicht. Sie hat einen unbedingten Machtwillen, ihr Privatleben jedoch scheint damit nichts zu tun zu haben, und hier muss ich mal sagen: „Und das ist auch gut so.“ Es liegen Welten zwischen den beiden, und vielleicht sollte man ihr sogar dankbar sein, dass er uns dadurch als Bundeskanzler erspart bleibt.

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    @Parisien

    Sie täuschen sich, nicht die Reichen schieben die Konjunktur an. Deren Konsumquote ist im Verhältnis zu anderen Einkommensgruppe sehr niedrig.

    Und warum sind die Reichen wohl so reich, weil sie weniger ausgeben 🙂

    Was die “ Quersubventinierung “ betrifft, kann ich Ihnen leider nicht folgen.
    Wenn der der First Class Flieger sein Ticket selber zahlen würde, ist nicht automatisch sein Produkt teurer. Evtl wird seine Marge niedriger aber das dürften wirklich nur peanuts sein. Vom anfallenden Kostenkuchen für ein Produkt stellen die Reisekosten wirklich nur ein sehr, sehr geringe Größe dar

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    @EJ

    Basel III

    Ist eine Eigenkapitalquote von rd.9 % mächtig?

    Bisher lag die Quote gerade bei 4%.

    Nach Basel III soll die Eigenkapitalquote auf 6% steigen (Kernkapitalquote) plus einem Kern erhaltungspuffer von ca. 2,5 %.

    Das die Mittelständler mit wenig Eigenkapital darunter zu leiden haben ist daher auch logisch.Und natürlich auch der Endverbraucher, falls er gezwungen ist sich verschulden.

    Ihre Forderung nach einer “ Verstaatlichung “ stößt selbst in der freien Wirtschaft auf Resonanz. Siehe

    Das Institut der Wirtschaft fordert Teilverstaatlichung der Banken 🙂

    http://www.manager-magazin.de/…..08,00.html

    Da die Sparkassen mehr oder weniger noch kommunale Institutionen sind, ist auch der Bürger angesprochen hier über demokratische Institutionen seinen Einfluß auszuüben. Angefangen von einer Begrenzung der Vorstandsgehälter.

    Und wenn selbst Wolfgang Münchau von der FT schon fordert:

    „Anstatt Transaktionen zu besteuern, befürworte ich Bankabgaben und progressive Einkommensteuern auf Gewinne, Bonuszahlungen und auch regulatorische Beschränkung von Dividenden und Optionen. Ich würde sogar Einkommensobergrenzen befürworten. Der Staat hat alle technischen Instrumente in der Hand, Finanzblasen zu verhindern. “

    http://www.spiegel.de/wirtscha.....51,00.html

    dann scheint sich ein Wandel anzubahnen.

  20. avatar

    Kriterium für Verstaatlichung sollte sein, ob wirksame Konkurrenz Preise und Qualität erträglich hält und Exzesse verhindert, oder nicht. Ich denke, das Kriterium ist gegeben.
    Gegen die seit längerem geforderte Verstaatlichung wurde aber bis dato u.A. mit dem Hinweis auf die Misswirtschaft der Landesbanken, nicht zu Unrecht, argumentiert („warum soll’s der Staat besser machen“).
    Die erforderliche Verstaatlichung eines Teils des Kreditwesens muß daher mit einer Zinsbindung einher gehen. Es kann nicht angehen, daß der Staat weiterhin am Finanzmarkt versucht zu profitieren, wie private Oligarchen und dabei Steuergelder verbrennt.

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    @ Moritz Berger: Irgendwas finanziere ich immer. Wenn ich nicht indirekt über Steuern Tickets finanzieren würde, wäre, wie ich sagte, wohl mein Ticket teurer. Wenn Business sein Ticket selbst finanzieren würde, wären seine Produkte teurer. Oder man würde weniger fliegen. Auch dann würde mein Ticket teurer, oder die Airline ginge pleite. Wenn ich unrecht habe, korrigieren Sie mich, bitte. Im Gegensatz zu Wulff darf ich noch lernen, schließlich bin ich nicht BuPrä. Zu dieser Frage:
    100.000.
    100.000 ist auf jeden Fall gut,aber vielleicht nicht für Berufe mit starken Repräsentationspflichten wie Ministerpräsident oder Bundespräsident. Oder man müsste wieder dazu übergehen, dass die Herren/Damen allein auftreten und auch sonst einige Austeritätsmaßnahmen in diesem Bereich populär machen. Oder dass sie aus Kostengründen Scheidungen vermeiden oder der Nachfolgerin sagen, ein Haus sei nicht drin. Heide Simonis sagte, sie habe immer zur Miete gewohnt.
    Mit 100.000 muss man übrigens nicht bei Aldi kaufen, sondern kann seinen mittelständischen Händler, so er gut ist, unterstützen, der höhere Preise hat, weil er z.B. mehr Personal beschäftigt und höhere Einkaufspreise vom Zulieferer bekommt, an sich eine Absurdität, Mengenrabatt.
    Ich will mal was klarstellen. Armut ist ja relativ, und wenn ich etwas bemängele, dann sicher nie die Zwangslagen von ganz Armen. Der Spießer, der mit C-Klasse zum Discounter fährt, ist eher mein Ziel, der „Geiz ist geil“-clevere Deutsche, der es alles will und jetzt um sein Sparkonto bangt, der, der z.B. eine Kreuzfahrt auf einem Mammutkasten macht und dann auf holidaycheck darüber klagt, dass die Ausbildung des Personals nicht gut sei.
    Freut mich, dass Sie doch in die Oper gehen. Dann wissen Sie ja, dass dort gemischtes Publikum ist. Und Sie wissen auch, dass das Ganze auf leerer Bühne wenig Sinn macht.
    Dann wissen Sie auch, dass die Karten trotz Subventionen teuer genug sind. Und die „Reichen“ zahlen freiwillig mehr, denn sie nehmen ja meistens bessere Plätze. Die Spanne zwischen schlechten und exzellenten Plätzen ist gewaltig. Außerdem gehen die „Reichen“ in der Pause ins Opernrestaurant, alles freiwillig. Ich will also schon darauf hinaus: Man kann nicht dauernd Leute verteufeln, die den Konsum anschieben und damit Arbeitsplätze erhalten.

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    Um auf das Thema zurück zu kommen:

    Apo hat in seinem Beispiel gezeigt, wie „ordentliche“ Zinsüberschüsse generiert werden. Gerade auch popelige Sparkassen tun das – obwohl öffentlich rechtlich verfasst. (Ist die Sparkasse nicht ganz klein, dürfen dafür die Vorstandsmitgleider ein mehr als doppelt so hohes Einkommen wie unser Bundespräsident einstreichen.)

    Angesichts der gegenwärtigen Möglichkeiten, sich zu refinanzieren, erscheinen Banken bzw. Sparkassen regelrechte Krisengewinnler zu sein. Ob das tatsächlich so ist und/oder so bleiben kann, ist aber sehr fraglich. Es spricht viel dafür, dass der zu erzielende Zinsüberschuss noch stärker als bisher das Kerngeschäft der Kreditinstitute sein wird und sein muss – mangels geeigneter Alternativen.

    Basel III, das auf die Finanzkrise reagiert, schränkt die Möglichkeiten des Eigengeschäfts gerade auch der Sparkassen krass ein und schraubt die Eigenkapital-Anforderungen mächtig hoch. Angesichts der Krise ist das völlig vernünftig, geht tatsächlich wohl aber nicht weit genug. Denn es bedeutet auch, dass ein weiteres Mal, nach dem Steuerzahler, nun der „kleine Mann“ als Kreditnehmer die Zeche zahlen muss.

    Soll heißen: Wenn wir nicht mindestens einen Teil des Kreditwesens verstaatlichen – die ohnehin öffentliche rechtlichen Sparkassen bieten sich da an – wird die Krise sich in einer Strukturkrise bzw. Dauerdepression fortsetzen.

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    @Parisien

    Ich glaube Sie haben mich missverstanden:

    Sie sprechen davon , dass eine Quersubventionierung stattfindet?

    „Wenn die Business- und First-Reisenden nicht die Fluggesellschaften und die Bahn über Wasser halten würden, könnten wir Übrigen nicht einfach so mal für Euro 99,- nach Hamburg machen,“

    Da möchte ich Sie korrigieren. First und Business Reisende setzen zu 100% Ihre Flugkosten von der Steuer ab. Als Privatreisender können Sie dies nur in Ausnahmefällen.
    Damit finanzieren Sie letztlich über Ihre Steuern auch wieder die Flugkosten der First und Business Class Reisenden.

    In dem Zusammenhang wäre es nützlich wenn Sie definieren was Leute sind die noch genug verdienen?

    < 100.000 p.a.
    < 200.000 p.a.

    EJ hat ein paar Beispiele von kleinen Mittelständler gebracht, die durch die Bankenkrise Konkurs gemacht haben. Glauben Sie dass diese Gruppe des Mittelstandes tatsächlich vorher " noch viel
    verdient " hat. Oftmals ist das Einkommen der kleineren Mittelständer geringer als das Einkommen der von Herrn Posener zitierten Familie A, bei weit aus höherem Risiko, siehe auch Ausführungen von EJ.

    Damit Sie nicht überrascht sind, ich gehe auch in Opernhäuser und zähle weder zu den jungen noch den alten Proleten 🙂 Und trinke dort auch keinen Champagner, wegen Preis-Leistungsverhältnis 🙂

    Dennoch frage ich mich schon, ob hier nicht auch die " Reichen " ab Jahreseinkommen 200.000 nicht doch etwas mehr zahlen sollten als die von Ihnen zitierten einfachen Leute??

  24. avatar

    @ Moritz Berger: Was Opern betrifft, ist dieser yahoo Frage- und Antwort-Post gar nicht so übel:
    http://de.answers.yahoo.com/qu.....354AAIJJ73

    Offensichtlich kennen Sie sich mit Opern nicht aus und haben noch nie auf eine Premierenkarte gewartet. Da gehen u.a. die einfachsten Menschen hin, insgesamt gemischtes Publikum, nur keine jungen Proleten. Gerade unter Opernliebhabern finden sich nicht nur die „Champagne Süffelnden“. Jetzt lache ich mal über die Unkenntnis. Oder wollen Sie Kultur abschaffen? Oder durch das Billig-Entertainment made in America ersetzen, das man auf Mammutkreuzfahrtschiffen statt ausgebildetem Personal bietet, um diese attraktiv zu machen?
    Seien Sie jedenfalls unbesorgt, wir Bürger kriegen diese Tendenz absolut mit, auch auf achgut.

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    @EJ „Ich habe mit den “Kleinen” eher die Klein- bis mittelständischen Unternehmer gemeint, die Werkzeugmacher mit 5 Arbeitnehmern oder die hoch spezialisierten Zahnradhersteller mit 50 Arbeitnehmern…., „
    Ich auch.
    „Alles oder Nichts, va banque spielen. (von Unternehmern)“
    So ist das – und das nicht nur für sich selbst.

    Egal, aus welcher (politischen) Richtung kommend man sich der Sache annähert, sie scheint gleichermaßen unerträglich.

    @Parisien
    Nein, nicht der Stil ist unerträglich, sondern die durchscheinende Selbstverständlichkeit, das Selbstverständnis des Akteurs.

  26. avatar

    @ Moritz Berger:
    „Warum sind dort wie bei Aldi die Preise so niedrig?? Weil die Reichen alles sehr teuer einkaufen und dadurch den Armen ermoeglichen billig einzukaufen.

    Selten so gelacht.“

    Dann lachen Sie doch weiter. Die Preise bei Aldi und Lidl sind so niedrig, weil an Personal gespart wird. Wie bei Billigkreuzfahrten. Der Bürger kauft billig und „Geiz ist geil“ und schaffte so langsam seine Arbeitsplätze ab. Manche haben keine Wahl. Aber man sieht auch gute Autos vor Aldi. Wenn der Bürger, der’s auch anders könnte, sein Fressen aus’nem Pappkarton kauft, muss er sich nicht wundern.

    Ich schrieb nicht über „Reiche“, sondern über Leute, die noch genug Geld verdienen.

    @ Jean-Luc: Da auf den Flaschen Champagne steht, ist die Bezeichnung Champagner falsch, auch wenn die meisten das so schreiben. Auf Deutsch kann man auch Schaumwein sagen. APo ist bestimmt schon mal zu einem Glas Champagne eingeladen gewesen und sollte das wissen, auch wenn ihm nicht passend, wenn manche den im Flugzeug „süffeln“.

    Wenn Sie beide nicht argumentieren können und nicht zwischen Reichen und noch verdienendem Mittelstand unterscheiden wollen, dann lachen Sie doch.

  27. avatar

    Die Tastatur von M. Levasydas scheint ohnehin recht launisch zu sein: Manchmal kann sie Umlaute, manchmal aber auch nicht 🙂

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    Kann mir mal jemand erklären, warum Moritz Berger am 17. Januar 2012 um 12:51 so schreibt, als wäre er Jean-Luc Levasydas?

  29. avatar

    @Parisien

    ich musste wirklich ueber ihre Kommentare lachen.

    Und nebenbei:

    Auch als Deutsch-Balte muessten Sie wissen, dass le champagne in der deutschen Sprache Champagner heisst 🙂

    In den US sagt man auch nicht Muenchen, sondern Munich !!!

  30. avatar

    Cher Parisien,

    seit wann subventionieren die Reichen die Armen 🙂

    Etwas Naivitaet ist sicherlich nicht schlecht :-), aber man soll es auch nicht uebertreiben 🙂

    Mit viel deutschen Steuergeldern wird wohl jeder Platz in einer deutschen Oper finanziert 🙂

    Und wenn wir schon bei Armen und Reichen sind:

    Wo war wohl der Koch von Caesar als dieser den Rubikon ueberschritten hat 🙂

    Wie war das noch bei ihnen und dem Einkauf im deutschen Baumarkt??

    Warum sind dort wie bei Aldi die Preise so niedrig?? Weil die Reichen alles sehr teuer einkaufen und dadurch den Armen ermoeglichen billig einzukaufen.

    Selten so gelacht. Man merkt der deutsche Humour erlebt seine Renaissance 🙂 🙂 🙂

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    @ Moritz berger: Glauben Sie tatsächlich dass Herr Posener sich vom Saulus zum Paulus gewandelt hat

    Na, bis jetzt kann ich nur eine veritable Krise diagnostizieren – was immer dabei „hinten rauskommt“ …

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    @ KJN

    Sie müssen „Wucherzinsen“ nicht zu allzu alltagssprachlich nehmen.

    Ich habe mit den „Kleinen“ eher die Klein- bis mittelständischen Unternehmer gemeint, die Werkzeugmacher mit 5 Arbeitnehmern oder die hoch spezialisierten Zahnradhersteller mit 50 Arbeitnehmern. Meine Umgebung ist voll davon. Viele von denen haben in den letzten Jahren nicht nur ihr Erspartes, sondern auch ihr Häuser und ihre Lebensversicherungen etc. an die Banken verloren. Selbst diejenigen, die es so geschafft haben, weitermachen zu können, stehen ohne Altersversorgung da und müssen bei der Bank zur Miete oder bei der Mutter oder den Schwiegereltern wohnen. Vor allem müssen sie aber – es ist ihre letzte Chance – jetzt Alles oder Nichts, va banque spielen.

    Seriöse (Klein-)Unternehmer werden notgedrungen zu zynischen Zockern: Nach mir die Sintflut. Das ist der Punkt! Die Krise führt nicht zur Konsolidierung, sondern – mangels durchgreifender Regulierung – zur Zuspitzung und in die Selbst-Perpetuierung der Krise.

  33. avatar

    Hier noch ein schönes, ganz aktuelles, Beispiel:
    „Weitere Kennzahlen für dieses Segment sind ein Passagier-Platz-Verhältnis (PSR), das kleiner als 45 und ein Passagier-Crew-Verhältnis (PCR), das größer als 2 ist. Die Costa Schiffe besitzen ein durchschnittliches PSR von 30,49 und ein durchschnittliches PCR von 2,94. Vor allem die seit 2000 neu gebauten Schiffe mit Kapazitäten ab 2.680 Passagieren sind auf den Massenmarkt ausgerichtet…“
    http://de.wikipedia.org/wiki/Costa_Crociere

    Das PCR (Verhältnis von Passagier zu Personal) ist auf kleineren teureren Kreuzfahrtschiffen unter 2. Entsprechend besser dürfte die Ausbildung der Kapitäne sein. Man muss auch mal erklären, dass billig zu Ungunsten von a) Arbeitsplätzen und b) Ausbildung geht. Das funktioniert anhand von diesem Beispiel sehr gut, denn man muss ja keine Kreuzfahrt machen. Wie Steinmeier kürzlich sagte: Er gehe in den Bergen wandern und müsse sich daher auch nicht einladen lassen.
    Wohlhabende erhalten auch Arbeitsplätze, und Sozialneid ist echt billig, selbst wenn er nur Stilmittel sein sollte.
    Was das Ehepaar Wulff betrifft: Was ich wirklich darüber denke, kann ich gar nicht schreiben, nur andeuten: Es ist weniger der Kredit, der nervt, als vielmehr eine Stillosigkeit in allem, inclusive der Anrufe bei Döpfner und Diekmann. Diese Stillosigkeit verleitet eine Reihe von Leuten dazu, zu meinen, sie könnten Bu-Prä besser, und das ist nicht ganz verkehrt.

  34. avatar

    Noch was dazu, Herr Posener: Wenn die Business- und First-Reisenden nicht die Fluggesellschaften und die Bahn über Wasser halten würden, könnten wir Übrigen nicht einfach so mal für Euro 99,- nach Hamburg machen, sondern wir würden ohne diese Clientèle normale Preise zahlen. Sie glauben doch nicht, dass man Flugzeuge kaufen und unterhalten und warten kann mit Billigreisenden? Oder dass man einen Computertomographen, einen Kernspintomographen oder ein aufwändiges Laborgerät erwerben und unterhalten kann ohne die PKV? Und dass der Allgemeinpatient, der nach statischen Untersuchungen im Schnitt! sechzehnmal im Jahr zum Arzt geht, vermutlich zum Kontakteknüpfen im Wartezimmer, das, so er nicht wirklich krank ist (ich meine keine Erkältung oder sonst ein Zipperlein) auch auf Kosten von Anderen tut, die keine Zeit haben, dort zwei Stunden abzuhängen und sich vollrotzen zu lassen, ist Ihnen anscheinend nicht klar. Hartmut Mehdorn, der frühere Bahnchef, der vermutlich Business oder First fliegt und keinen Champagne, den man übrigens ohne -r- schreibt, „süffelt“, hat in seiner langen Arbeitszeit keinen Tag gefehlt.
    Wollen Sie es etwas gleichmäßiger sozialistischer? Dann gehen Sie doch nach Cuba. Die Insel ist schön, hübsche Strände. Vielleicht wären Sie dann weniger säuerlich.

  35. avatar

    @EJ

    Lieber EJ

    „Das Beispiel trifft den Nagel auf den Kopf: Gier!“

    Glauben Sie tatsächlich dass Herr Posener sich vom Saulus zum Paulus gewandelt hat 🙂

  36. avatar

    Auftritt eines Bekannten von mir, nennen wir ihn A. Er verdient gut, seine Frau ist Beamtin. Darum hatten sie bei ihrer Bank einen Dispo von 15.000 Euro. Das entsprach etwa dem Dreifachen ihres Monatsnettoeinkommens. 2008 geriet das Ehepaar in Schwierigkeiten. In Erwartung einer bereits zugesagten höheren Summe aus Immobiliengeschäften hatten sie Ausgaben getätigt, die Summe traf nicht zum erwarteten Zeitpunkt ein, das Konto war mit 18.000 Euro überzogen, die Bank verlangte die Umwandlung in einen regulären Privatkredit.
    Nun befand man sich 2008 mitten in der Bankenpanik. Die Bedingungen der Bank lauteten: Nettokredit: 18.000,- Euro. Versicherungsprämie (wohlgemerkt für einen faktisch unkündbaren Angestellten und eine Beamtin, Risiko der Bank also gleich null): 3.549,80 Euro. Bearbeitungsprovision (für die Umwandlung eines Dispokredits in einen Privatkredit bei derselben Bank): 431,- Euro. Zinsen (jetzt kommt’s): 9.518,57 Euro, effektiver Jahreszins 12,24 Prozent. Gesamtbetrag aller Zahlungen: 31.499,37 Euro. Befund: Wucher in Verbindung mit Nötigung.

    Sehr geehrter Herr Posener,

    In toto stimme ich Ihrem Kommentar zu, dennoch gibt es zu Ihrem Fall ein paar Anmerkungen zu machen.

    1.Bei der 100%igen Tochter der Deutschen Bank handelt es sich mit aller Wahrscheinlichkeit nach um die Postbank,
    2.Wenn Sie sich ein bißchen Mühe gemacht hätten, wäre Sie auch auf diese url gekommen.
    http://www.postbank.de/privatk.....ionen.html

    Ob die Umwandlung in einen Privatkredit tatsächlich Wucher ist, würde ich angesichts der Zinssätze anzweifeln. Und was die Nötigung betrifft: Sie halten doch immer wieder die Fahne des freien Marktes so hoch. Es wäre Ihren Bekannten auch möglich gewesen sich anderswo einen günstigeren Privatkredit zur Ablösung Ihrer Schulden zu beschaffen.

    Es wäre für uns „ nichteinweihte „ Leser auch sehr schön wenn Sie die Laufzeit des Kredites angegeben hätten. Ich vermute einmal 4 Jahre ??
    Aber hier ohne Zusammenhang Zahlen in den Raum zu stellen ist mit Verlaub gesagt etwas unsinnig.

    Da Sie wie schon früher angemerkt, Schwierigkeiten mit der Zinsrechnung haben, wundert es mich nicht dass Sie solche Formulierungen wie „ jetzt kommt´s „ hier herausschießen.

    Da mir die notwendigen Zahlen aus dem Jahr 2008 zur Postbank fehlen kann ich nur auf der Basis der heutigen Zahlen urteilen:

    Der Dispokreditzinssatzbeträgt 13,26%

    Bei Überziehungskrediten liegt der Satz bei 16,90%

    Damit bewegt sich das derzeitige Zinsniveau im mittleren Bereich auch der anderen Banken und Sparkassen in Deutschland.

    Ihrer Logik zufolge sind die Banken und Sparkassen Wucherbanken 🙂

    Übrigens die Bank Ihrer Bekannten hättte auch den Dispositionskredit kündigen können, mit Tageswirkung!!! Das wird oft übersehen, wenn man sich auf einen Dipositionskredit oder Kontokorrentkredit einläßt.

    Und noch eine Anmerkung:

    Die eiserne Kaufmannsregel lautet: Gewinne erst dann ausweisen, wenn sie realisiert sind. Wenn Ihre Bekannten diese Regel nicht eingehalten haben, jo mei dann müssen sie es eben lernen 🙂

    Und was die Zweiklassengesellschaft betrifft, da wissen Sie als Journalist doch auch bestens Bescheid: Rabatte beim Autokauf, beim Flieger ein upgrading mit Schampus und auch Zinsvergünstigungen bei der Bayerischen Landesbausparkasse 🙂

    Nachzulesen bei Götz Aly: Journalisten, Rabatte und Moral

    http://www.berliner-zeitung.de.....58942.html

    Das die Banken und Sparkassen derzeit einen enormen „ Reibach „ machen ist klar.

    Zinssatz bei der EZB 0% Zinsatz bei Dispositionskredit durchschnittlich 12 bis 14% !!!

    Aber so sind eben Ihre hochgelobten Märkte!!!

    Hieß es nicht auch bei den Privatbanken, die staatlichen Banken müßten sich dem Wettbewerb stellen, soll heißen ihre Konditionen den der Privatbanken angleichen.

    Ein Lächeln kann ich mir nicht verkneifen, da fordern Sie doch tatsächlich, dass die Staatsbanken (welche das sind, da schweigen Sie sich leider aus 🙂 den „ Armen „ günstige Kredite geben sollen. Auf der anderen Seite fordern Sie den Abbau von staatlichen Institution.
    Der Markt reguliert alles besser.

  37. avatar

    EJ: „..Gier ..Deregulierung .. Büchse der Pandora
    Offensichtlich aber nur für „Große“, Organisationen und Institutionen. „Kleine“ haben ja die Moral, die Religion und das Arbeitsrecht.
    Ich meine, das ist Feudalismus im demokratischen, kapitalistischen Gewand.
    Man könnte Christian Wulff (Parisiens „Marie Antoinette“) für diese Vorführung und Erkenntnis glatt dankbar sein.

  38. avatar

    Lieber Herr Posener!
    Ihr Sozialneid, der m.E. an dieser Passage ablesbar ist – „Wir wissen: Wer hat, dem wird gegeben. Normalerweise spüren wir das aber nur, wenn wir uns im Flugzeug an den Champagner süffelnden Leuten vorbeidrängeln, deren Firmen ihnen Sitze in der Business Class spendieren (für die am Ende natürlich wir als Konsumenten bezahlen), oder wenn wir uns beim Arzt aus Versehen ins Wartezimmer der Privatpatienten verirren.“ – geht mir des öfteren auf die Nerven.
    A propos Privatpatient: Wissen Sie a) was diese Leute zahlen, b) dass deren Arztbesuche sich auf Minima beschränken und c) dass die meisten Praxen ohne sie nicht existieren könnten?
    Und wissen Sie was?: Ich sehe äußerst selten Champagnersüffelnde in der Business-Class. Meistens sehe ich, wenn ich mal reinschaue, wie auch in der Bahn First, Leute, die sehr konzentriert an ihrem Computer arbeiten, am ehesten mit Kaffee daneben. Im Übrigen kommt man an denen nur vorbei, wenn man auf die falsche Toilette geht. Die wirklich Wohlhabenden fliegen übrigens Gulfstream.
    Falls Sie sich mal delektieren möchten an einem der Ihnen scheinbar verhassten Reichen, gehen Sie doch mal in eine Ausstellung über einen berühmten Maler, der ohne seine finanzielle Unabhängigkeit verhungert wäre, weil man ihm als Juden, schon vor Hitler, ständig das Leben schwer machte. Die Ausstellung ist einfach großartig, reichhaltig mit Bildern ausgestattet und somit empfehlenswert. Am Ende ein lohnender halbstündiger Film:
    http://www.hamburger-kunsthall.....n2011.html

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    „In Erwartung einer bereits zugesagten höheren Summe aus Immobiliengeschäften hatten sie Ausgaben getätigt, die Summe traf nicht zum erwarteten Zeitpunkt ein, das Konto war mit 18.000 Euro überzogen, die Bank verlangte die Umwandlung in einen regulären Privatkredit.“
    Ist mir eigentlich alles bekannt, seit ich mich erinnern kann. Lehre daraus an sich: Nichts ausgeben, bevor man es hat. Dispokredite nur für Notfälle (Autoreparatur, Dach, Heizung) nutzen. Dispokredite machen einem doch nur was vor, wenn man sie immer bis zum Anschlag ausschöpft.

    Zu Shylock:
    Shakespeare am Schauspiel Frankfurt Verjuxt und zugenäht

    16.01.2012 · Schwerer Verdacht: Shakespeare war ein schwuler Antisemit. Jedenfalls so, wie Barrie Kosky den „Kaufmann von Venedig“ im Schauspiel Frankfurt inszeniert. Dort stellen sich nun einige Fragen.
    http://www.faz.net/aktuell/feu.....07766.html

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    Das Beispiel trifft den Nagel auf den Kopf: Gier! Der Finanzmarkt soll für „Liquidität“ sorgen. In seiner Gier – 25 und mehr Prozent Eigenkapitalrendite! – tut er genau das Gegenteil.

    Was bezogen auf die Kleinen Wucherzinsen sind, sind bezogen auf die Großen undurchschaubar abenteuerliche, faktisch weder auf der Geber- noch auf der Nehmerseite bilanzierbare hoch riskante Finanzkonstruktionen. Folge ist ein sich permanent aufblähender, zum Selbstzweck gewordener globaler Finanzmarkt, der an der Realwirtschaft weitgehend vorbei läuft, mit seinem jederzeit erwartbaren Zusammenbruch aber eine gesamtwirtschaftliche Bedrohung darstellt.

    Deregulierung – die Büchse der Pandora ist geöffnet! Hoffnung liegt nur noch in der Katastrophe: dass die entwichenen Laster und Untugenden ihr Werk in der schlimmstmöglichen Wende tun, sich so aber auch aus der Welt schaffen.

  41. avatar

    In komplexen Systemen, muss – Vertrauen – das – Verstehen – ersetzen.

    Sowohl „Staat“, als auch „Banken“ (samt ihrer Produkte) zählen zu den komplexesten Einrichtungen unseres Gesellschaftssystems.

    Ihr Bekannter A hat beiden Vertrauen geschenkt. Vertrauen beruht auf Gegenseitigkeit, von beiden wurde dieses Vertrauen nicht erwidert.

    Der Bock Ihres Bekannten A wird erst richtig fett, wenn er merkt, dass von ihm erwartet wird, dass genau diese Bank von ihm, als Steuerbürger, zu retten ist. Im Fall – X – falls er seinen Verpflichtungen aus seinem Kredit nicht nachkommen kann -, kann es ihm passieren, dass genau die Bank, die er gerettet hat, ihm die Pfändung in sein Eigentum betreibt.

    An Ihrem anschaulichen Beispiel wird deutlich, dass sich in jedem System, auch in der sogenannten Demokratie „Herrschende“ und „Beherrschte“ gegenüber stehen.

    Die Leute auf die es ankommt, wissen, was sie tun!

    Ich wiederhole mich mit Kernaussagen aus einem Dialog von 1931(Fabian von Erich Kästner, 1931)

    – Sie wissen, dass das System falsch ist
    – Sie sehen, dass es selbst ein Blinder sieht
    – Sie dienen diesem System mit Hingabe
    – Sie stellen dem falschen System ihr bescheidenes Talent zur Verfügung
    – Sie erkennen, dass im falschen System die falschen Massnahmen naturgemäss richtig sind und die richtigen begreiflicher Weise falsch
    – Sie sind ein Anhänger der eisernen Konsequenz und sind aussderdem….

    …. Feiglinge.

    – Manche bedauern dies aufrichtig, aber tun nichts dagegen.

    – Er hilft dabei das Verkehrte konsequent zu tun. Alles, was gigantische Formen annimmt, kann imponieren, sogar die Dummheit.

    —-

    Das Personalpronomen – SIE – kann durch jedes andere – ER – oder auch – ICH -, ersetzt werden. Selbstverständlich kann auch Bekannter – A – eingesetzt werden. Auch „HERR BUNDESPRÄSIDENT“ ist möglich…..

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