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Japan ist nicht Deutschland

Japan erlebt in diesen Tagen die schlimmste Zeit seit Ende des 2. Weltkriegs. Das Kombipaket aus Erdbeben und Tsunami hat zehntausende Menschen getötet, verletzt und obdachlos gemacht. Da von der Katastrophe bislang mindestens drei japanische Atomkraftwerke betroffen sind, hat das Unglück globale Folgen. Wie sicher ist die Kernenergie, wenn selbst in einem High Tech-Land wie Japan der GAU zum Realereignis werden kann?

Die gute Nachricht: In Japan ist noch keine Radioaktivität ausgetreten. Der GAU ist nicht Realität. Zu einer Kernschmelze ist es nicht gekommen. Und die deutschen AKWs? Sie zählen zu den sichersten der Welt. Im erdbebengefährdeten Rheinbecken ist das gebaute AKW Mülheim-Klärlich nie ans Netz gegangen.

Aus der Katastrophe in Japan jetzt innenpolitisch Profit schlagen zu wollen, wie es SPD und Grüne tun, ist zwar Wahlkampfgetöse, aber legitim. Die CDU trifft es zwei Wochen vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg, dem Land der Kernenergie, hart. Ein Verlust der Macht in Stuttgart käme einem „politischen Erdbeben“ gleich, wie der grüne Spitzenkandidat Winfried Kretschmann richtig und dennoch makaber feststellt.

Haben wir eine Alternative? Gas und Kohle sind als Energieträger sicherer, aber klimagefährlicher. Und der schnellere Umstieg auf Erneuerbare kostet jeden Bürger viel Geld. Um die 50 Euro pro Monat. Diesen Preis sollten die Anti-AKW und Kohle-Streiter ehrlich benennen.

Der deutsche Verbraucher muss sich am Ende entscheiden und ehrlich machen. Wie die jüngste Debatte um das Agrar-Benzin E10 gezeigt hat, zieht er schmutziges Öl Bioethanol vor.

Möglicherweise langfristig sicherer, aber kurzfristig  umweltgefährdender  – ist das der neue deutsche Weg? Wir haben wohl nur die eine Alternative: Ja zum Energie-Mix aus Atom, Kohle, Gas und Erneuerbaren, aber zu möglichst sicheren Konditionen und mit einem klaren Ziel: baldmöglichst auf Erneuerbare umsteigen. Zum von einer Mehrheit akzeptierten Preis.

18 thoughts on “Japan ist nicht Deutschland

  1. avatar

    Lieber Herr Gattling,
    nachdem der GAU nun eingetreten ist, erhoffe ich mir von Ihnen einen weiteren Kommentar hierzu. Sie schrieben:
    “Der Tsunami hat das ganze Werksgelände 10 m unter Wasser gesetzt und die Notstromversorgung zerstört. Es kam infolge der miesen Konstruktion der Kraftwerke zu Überhitzungen, zu Wasserstoffansammlungen und zu Explosionen.”

    Ok, die Notstromversorgung wurde zerstört. Kleine Gegenfrage: Haben die, Ihrer Meinung nach sicheren, deutschen Kernkraftwerke denn eine Notstromversorgung? Sind diese gegen Störungen ausgelegt? Wie lange hält diese Versorgung an? Was ist mit der Erdbeben-Sicherheit von japanischen Kraftwerken gegenüber den deutschen, gibt es da Unterschiede und welche Bebenstärken sind denn zu erwarten?

    Nach Beantwortung dieser Fragen habe ich zum Schluss nur noch eine:
    Wieso sollten deutsche Kernkraftwerke sicherer sein als japanische?

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    @ Dieter Glatting

    Ich bin kein Atomexperte wie Sie. Was ultimativ gegen Ihre Argumentation spricht, ist, dass Sie schreiben

    “Im Prinzip war es der ultimative Beweis, dass kommerzielle Kerntechnik (also keine sowjetischen Plutoniumfabriken)sicher ist.”

    Wenn jetzt, was wir alle hoffen, der Super-GAu vermieden wird (und durch günstige Witterungsverhältnisse, sprich Windrichtung, der Großraum Tokio nicht durch radioaktiven Fallout kontaminiert wird), ist das für Sie ein QED. Ich persönlich will für meine skeptischere Haltung kein QED. Ich will hier nicht auf die Diskussion von sicherer Technik und Risikofaktor Mensch eingehen. Erstaunlich finde ich Ihren quasi technoreligiösen Glauben von ultimativer Sicherheit. Mit den KKW-Sarkophagen haben Sie die ewigen Gräber, zu denen Sie pilgern können. Soweit ich orientiert bin, beträgt die Halbwertszeit von Plutonium über 20 Tausend Jahre, das ist 4 mal so lange wie die menschliche Geschichte seit Beginn der schriftlichen Aufzeichnungen. Versuchen Sie zu verstehen, dass wir eine technische Entwicklung haben wollen, die wir verstehen und kontrollieren können, dass wir uns nicht 20.000 Jahre auf Experten wie Sie verlassen wollen. Ich bin auch kein Experte in Risikoprognosen; wenn jedoch durch Stuxnet iranische Atomfabriken beeinflusst werden können, könnte ich mir durchaus Szenarios vorstellen, in denen in Informationskriegen der Zukunft auch KKW “übernommen” werden können.

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    Argumente:
    Seit dem Störfall in Tschernobyl wurde immer wieder über die Gefährlichkeit der Kernkraft diskutiert. Trotz verschiedenster vernünftiger und unvernünftiger Argumentierung, war das Resultat kürzlich eine Laufzeitverlängerung der Deutschen Atommeiler.

    Meine Einschätzung endgültig und einmalig:

    Zu meinem größten Bedauern benötigen wir Kernenergie noch eine gewisse Zeit, um keine Energielücken zu haben.Zu diskutieren wäre daher – nach den neuesten Erkenntnissen von Japan – die Sicherheit der am Netz verbleibenden Kernkraftwerke, wie auch eine schnellste Förderung des Verständnisse für Regenerative Energien und deren Umsetzung.

    Mehr Diskussionspielraum haben wir leider nicht mehr. Selbst wenn der Ausstieg in Deutschland vollständig vollzogen ist, wird die Gefährlichkeit der Endlagerung weiterhin Realität sein.

    Weiterhin gibt es keinen Sicherheitskonsens in Europa, die Kernkraftwerke betreffend.
    Frankreich, Polen, und die Skandinavischen Länder werden weiterhin neue Meiler bauen, bzw. die alten möglicherweise nicht sicherheitstechnisch aufrüsten. Wenn Deutschland also total abschaltet ,gibt es zwar eine Gefahr weniger, aber das Nukleare Restrisiko in Gesamteuropa wird doch nicht kleiner.

    Welche anderen Optionen habe wir in der Realität überhaupt noch, als Diskussionsgrundlage?
    Keine – und je früher wir das realisieren desto vernünftiger und angstfreier werden wir damit umgehen können.

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    @Susannah Winter,

    sie schreiben:

    “Sie haben Recht. Deutschland ist nicht Japan. Japans AKWs waren moderner und sogar für Erdbeben bis zur Stärke 8,0 als Erdbebensicher deklariert, während die deutsche Technik einiger AKWs klar als veraltet gilt.”

    Woher wissen Sie denn das?

    Die betroffen Anlagen stammen von GE und sind gelinde gesagt Murkskonstruktionen. Rohranschlüsse unter dem Core und und die Kondensationskammer im Keller. Der Vergleich zu den KWU Konstruktionen stellt sich dar wie Mercedes gegen Dodge.

    Es ist nicht verwunderlich, dass die Kraftwerke das Erdbeben ausgehalten haben. Die Kerntechnischen Komponenten in allen Kraftwerken haben viel Luft bei den Erdbebennachweisen. Rohrbrüche in konventionellen Leitungen, haben da z.T. erheblich größere Auswirkungen. Entsprechende Nachrechnungen gehören zu meinem Tagesgeschäft.

    Na was ist denn nu?

    Das Erdbeben konnte den japanischen Kernkraftwerken gar nichts anhaben.

    Der Tsunami hat das ganze Werksgelände 10 m unter Wasser gesetzt und die Notstromversorgung zerstört. Es kam infolge der miesen Konstruktion der Kraftwerke zu Überhitzungen, zu Wasserstoffansammlungen und zu Explosionen.

    Und selbst diese Verquickung ungünstiger Vorkommnisse, reichen nicht aus um zu einer Freisetzung von Kerninventar, zu führen.

    Was soll denn noch mehr passieren? Ein Kometeneinschlag?

    Im Prinzip war es der ultimative Beweis, dass kommerzielle Kerntechnik (also keine sowjetischen Plutoniumfabriken)sicher ist.

    Aus Unfällen lernt man auch in der Luftfahrt. Aus diesem Unglück kann man auch was lernen. Wo ein Tsunami auftreten kann, muss man auch dagegen vorsorgen. An Rhein und Neckar kann es keine Tsunamis geben.

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    @68er

    Vielen Dank für den Link. Ich hatte dies heute schon einmal geschrieben, plus einen ausführlicheren Dank bez. Ihres Dettling Hinweises. Leider wurde der Beitrag nicht veröffentlicht. (Gibt einem zu Denken, nicht wahr?)
    Bin dem nachgegangen und auch dafür danke vielmals.
    Liebe Grüße

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    ps: jeder, der im physikunterricht nur EIN WENIG aufgepasst hat, weiß, dass der austritt von cäsium plus wasserstoffexplosionen bester beweis für eine kernschmelze sind.
    danke, dettling, setzen, sechs.

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    selbst das us-militär berichtet von strahlenwolken und bricht wegen eben dieser gefahr den hilfeinsatz ab. wie gestört muss die wahrnehmung der akw-befürworter sein?

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    @ der “Kritische” (wer bezahlt Sie eigentlich?)

    Lesen Sie einfach die Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Abgeordneten Fell u.A. vom 19.04.2006 Drucksache 16/1249.

    dipbt.bundestag.de/dip21/btd/16/012/1601249.pdf

    Da steht z.B. der schöne Satz drin,

    “Keines der in Deutschland betriebenen Kernkraftwerke ist gegen die Folgen von Kernschmelzunfällen ausgelegt.”

    Auch findet man dort auch Angabend darüber, bis zu welchen Erdbebenstärken die AKWs in Biblis und Neckarwestheim ausgelegt sind und mit welchen Erdbebenstärken man in den Gebieten bisher gerechnet hat.

    Wer wirklich kritisch ist, der lese!

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    Ich schlage vor, Herr Dettling meldet sich als freiwilliger Helfer in Fukushima, da wird gerade jeder Naivling gebraucht, der glaubt, die Sache sei noch kontrollierbar.

    Wenn er zurückkommen sollte, kann er ja seine Erfahrungen hier berichten. Dann werde ich auch gerne zu seinen Ausführungen Stellung nehmen. Bis dahin sollte er aber besser still sein.

    Sollte er bei seinem freiwilligen Dienst “drauf gehen” werde ich anregen, hier im Forum für ihn eine “Heldengedenkecke” einzurichten. Je nach Ausgang der Sache, mit dem Zusatz “Held der Dummheit” oder “Held der Weisheit”.

    So wie ich Herrn Dettling in diesem Forum kennen gelernt habe, wird er sich hüten, seine eigene Person in Gefahr zu bringen, denn eigentlich geht es ihm ja nicht um die Sache sondern meistens um die Interessen seiner Auftraggeber. Und die sind ja manchmal sehr widersprüchlich. Vor nicht allzulanger Zeit war er z. B. ganz aktiv für die Biospritindustrie tätig.

    Wen’s interessiert kann das nachgooglen mit den Stichworten “Dettling” und “lobbycontrol” (wenn ich hier einen Link rein setze, wird mein Kommentar, so wie 3 oder 4 andere davor, von Frau Heckel nicht freigeschaltet).

    Vielleicht ist der Beitrag hier schon im Auftrag der Atomindustrie verfasst worden oder aber auch als eine Art Bewerbungsschreiben zu verstehen.

    Man wird es beobachten. Spätestens wenn die Beschwichtigungslügen der Atomindustrie von Herrn Dettling oder seinen “Kollegen” Kocks und Co. im Maischbergerillnerlanzwillbeckmannplasberg-Verdummungsbrüter wiederaufbereitet werden, wissen wir, wer de lukrativen Auftrag bekommen und seine Seele verkauft hat.

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    @der Kritsche

    Sehr geehrter Herr Kritsch (oder sollte das ein kritisch werden und Sie haben das I ebensowenig gefunden, wie die Presse über AKWs der letzten Jahre?)
    Wie Sie so schön schrieben: Wer sich richtig informiert weiß mehr. Da ich natürlich nicht nur Artikel sondern auch Bücher zum Thema gelesen habe, die sich hier nicht posten lassen, hier ein paar Links zu Artikeln der letzten Jahre. Selbst Wissenschaftler, die nicht der Greenpeace/Links/Grün – Bewegung angehören warnen vor “technischer Aufbesserung” heißt Austausch alter Teile in den veralteten AKWs durch neuere Technik, da in manchen Fällen schon durch Inkompatibilität Störungen entstehen können.

    Hier erstmal Links (zugegeben habe ich meine entsprechenden Quellen nicht abgespeichert. Ich kann hier also nur einen kurzen Artikelüberblick liefern.)

    http://www.taz.de/1/zukunft/um.....as-risiko/
    http://www.tschuess-vattenfall.de/kruemmel0.html
    http://atominfomedia.blogspot......eim-i.html
    http://www.eco-world.de/script.....a_no=22908
    http://www.sueddeutsche.de/pol.....n-1.116898
    http://www.focus.de/politik/de.....15040.html

    Davon gibt es eine Menge im Netz. Trauen Sie sich und nutzen Sie die Zeit, die Sie hier mit überheblichen, faktenfreien Kommentaren verwenden (Haben Sie doch nicht ein Argument genannt, sondern nur welche eingefordert) und lesen Sie.
    Vielleicht auch noch das hier:
    http://de.wikipedia.org/wiki/L.....en_Anlagen

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    In Japan ist noch keine Radioaktivität ausgetreten? Da widerspricht sogar die Regierung bzw. die Betreibergesellschaft – mindestens der radioaktive Dampf wurde abgelassen, um den Druck im Inneren zu regulieren. Ob eine Kernschmelze stattgefunden hat, steht nicht fest, es deutet aber einiges darauf hin.

    Abgesehen davon kostet der Umstieg auf erneuerbare Energien den Verbraucher deutlich weniger Geld, als durch einen längeren Betrieb auf unsere Nachfolgegenerationen abfallen würde. Ist ja nicht so, dass die Endlager-Frage geklärt wäre, und jedes Kilo mehr Atommüll ist teurer als irgendwelche kurzfristigen Extrakosten zum Windräder aufstellen.

    Nur, weil es nicht die Kraftwerkbetreiber zahlen, sind die Kosten noch lange nicht nicht vorhanden. Aber klar, dass CDU, FDP und die vier Atomkonzerne personelle Verquickungen haben und deshalb wieder gemeinsam an der Gewinnerhöhung auf Kosten der Allgemeinheit arbeiten.

  12. avatar

    Frau Winter,

    würden Sie mir bitte einen Beleg für Ihre pauschale Ausage

    “während die deutsche Technik einiger AKWs klar als veraltet gilt.”

    vorlegen, bzw. hierzu technische Details nennen!

    Oder rennen Sie hier nur der durch die Mainstream-Medien angetriebenen Sau durchs Dorf hinterher?

    Wer sich richtig informiert weiss mehr

  13. avatar

    Herr Dettling,

    Sie haben Recht. Deutschland ist nicht Japan. Japans AKWs waren moderner und sogar für Erdbeben bis zur Stärke 8,0 als Erdbebensicher deklariert, während die deutsche Technik einiger AKWs klar als veraltet gilt.

    “Die gute Nachricht: In Japan ist noch keine Radioaktivität ausgetreten. Der GAU ist nicht Realität. Zu einer Kernschmelze ist es nicht gekommen”
    Ich weiß nicht, ob ihre konservativen Bedürfnisse an dieser Stelle Realität verweigern, ob Sie zynisch sind oder vor Ort und es besser wissen. Aber falls Sie es noch nicht mitbekommen haben: Noch ist keines der betroffenen AKWs in Japan sicher und “aus dem Schneider”. Es wird eine Teil-Kernschmelze zugegeben. Und Radioaktivität ist ausgetreten. Hier für Sie zum Nachlesen die neueste Meldung von heute Nacht. http://www.tagesschau.de/ausland/fukushima154.html
    Schön auch, dass Sie das Gute sehen können in einer Situation, die wohl eine Opferzahl von über 100.000 Menschen mit sich bringt. Ein wenig Westerwellscher Optimismus, der heute verkündete, es seien keine Deutschen unter den Opfern. Welch eine Erleichterung, nicht wahr?
    Dann das hier: “Aus der Katastrophe in Japan jetzt innenpolitisch Profit schlagen zu wollen…”
    Was tun Sie denn hier gerade? Konservative Schadensbegrenzung geschmacklosester Art auf dem Rücken derer, die gerade sicherlich Besseres zu tun haben. Einfach nur, um mal wieder auf Grün/Rot einschlagen zu dürfen.
    Ich bin kein Grünen – Wähler. Aber seit die konservative Fraktion Ihrer Art vom Wetterumschwung jeder Art bis hin zum Hunger in Afrika ALLES auf die bösen Grünen zu schieben versucht, können selbst die mir glatt sympathisch werden. Hier eine kleine Erinnerung: Es ist Schwarz/Gelb die Regierung der letzten Jahre. Und die hat sich nicht an einer einzigen Stelle mit Ruhm bekleckert.
    Und, Herr Dettling, wie schön, dass Sie uns zum Ende Ihres geschmacklosen Artikels auch noch zynisch vorrechnen, wie teuer unsere Sicherheit wäre. Schade, dass Sie vergessen, die versteckten Kosten und Unterstützungen für Atomlobby und Endlagerungsproblem für die nächsten paar Millionen Jahre gegenzurechnen.
    Alles in allem tun Sie hier, was Sie Rot/Grün vorwerfen. Pro-Atomkraft BlaBla zu einem Zeitpunkt, der unglücklicher und pietätloser kaum sein könnte. Ein Armutszeugnis

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