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Wir Deutschländer

Die Wirtschaft brummt, der Aufschwung hält an und die Arbeitslosigkeit befindet sich auf einem Tiefstand. So gut ging es den Bürgern lange nicht mehr. Zeit also eine neue Identitätsdebatte zu führen, diesmal unter der Leitfrage „Wer ist feindlicher: die Migranten gegenüber den Einheimischen oder je gegenüber den Ausländern?“

Glaubt man in den letzten Tagen veröffentlichten Studien und ihren Schlagzeilen macht sich in deutschen Schulen eine neue „Deutschenfeindlichkeit“ breit, die prompt mit einer weiteren Studie konterkariert wird, wonach jeder vierte Deutsche ausländerfeindlich und rechtsextrem eingestellt ist. Mit solchen Studien wird, das wissen ihre Autoren und bezwecken es auch, Politik gemacht. Die Reaktionen der Politik sind (parteiübergreifend) wohlfeil.

Mehr Geld für Bildung ist einer der „neuen“ Erkenntnisse. Der neue hessische Ministerpräsident hält dagegen und meint, die meisten „Integrationsverweigerer“ kämen aus dem akademischen Milieu.

Deutschland, ein Land von Integrationsverweigerern. Das Wort hat alle Chancen, zum „Unwort des Jahres 2010“ zu werden. Zur Integration gehören immer zwei: die aufnehmende und die aufsuchende Gesellschaft. Die ersten Zugewanderten hießen noch „Gastarbeiter“ und sollten, so die Erwartung, auf Zeit kommen.

Heute kommen noch allenfalls Familienangehörige nach und kaum noch „Arbeitsmigranten“. Der Haupeinreisegrund nach Deutschland ist demnach die Liebe und das mit ihr verbundene Geld. Die Antwort einer Mehrheit von Deutschen, einreisende Ausländer hätten es alleine auf Sozialunterstützung abgesehen, ist demnach nicht falsch.

Faktisch hat sich die deutsche Zuwanderungspolitik auf den Sozialstaat reduziert. „Arbeitsmigration“ heißt heute den Wettbewerb um die besten Köpfe gewinnen zu wollen und diesen haben wir offenbar aufgegeben. Es verlassen mehr Hochqualifizierte das Land als neue herein kommen.

Zwanzig Jahre nach der Deutschen Einheit und fünfzig Jahre nachdem die erste „Gastarbeiter“ ins Land gekommen sind, wäre es an der Zeit, eine ehrliche Bestandsaufnahme aufzustellen und zu diskutieren, was wir Deutschländer von Neuen und Immigranten erwarten. Ohne eine gelebte „Willkommenskultur“ werden „wir“ nicht zu uns selbst finden.

Wollen wir beispielsweise einen deutschen Islam oder heißt die Alternative allein ein islamisches Deutschland? Gemeinsam mit der Türkei und unseren europäischen Nachbarn sollten wir überlegen, worauf wir uns mit fremden Kulturen und Religionen einigen können und darauf bestehen, dass die europäischen Grundrechte und die universellen Menschenrechte nicht verhandelbar sind. Der Islam kann eines Tages Teil dieses Landes und seiner Werte werden, wenn wir diese klar benennen und für sie kämpfen. Symbolisch könnte dies an einem „Tag der Integration“ gefeiert werden.

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13 Gedanken zu “Wir Deutschländer;”

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    Nachtrag zum Kommentar vom 16.10.2010, 08:07 Uhr:

    Im Zusammenhang hiermit ist dem zum Gelingen genötigten Unternehmen einer Morphologie deutschen Seelentums von

    Thea Dorn/Richard Wagner (2011) Die deutsche Seele. München

    eine breite leserschaftliche Begleitung zu wünschen. Anderes meide. Weitgehend.

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    “Menschen mit Migrationshintergrund“: Unwort des Jahrhunderts… Die Ostdeutschen sind auch „Menschen mit Vergangenheitshintergrund“.
    Das ist die (oder meine) Definition von Rassismus: Menschen aufgrund ihrer Herkunft zu definieren. Das ist die Multikulti-Regression, die die Republik tribalisiert bzw. ethnisiert. Rot-Grün wohnt in Nobelvierteln, lass die „Menschen mit Migrationshintergrund“ doch ihre Ethnien durchleben…in Kreuzberg und woanders (da erscheinen wir nur zu medienwirksamen Pressefoto-Termine), aber bitte nicht vor unserer Tür.

    Die Republik ist aber auf Bürgersinn, gemeinsamen Werte und einen Vertrag mit Rechte und Pflichten (nicht so ein Bullshit wie Ethnien, obskurantistischen Traditionen und steinzeitliche Aberglaube) basiert. Die Forderung nach Erlernen der deutschen Sprache ist eine typisch deutsch-deutsche Debatte. Das ist in anderen Ländern sowas von selbstverständlich, dass man sowas nicht einmal diskutieren sollte.

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    @David Berger:
    „…Dieses Unwort “Menschen mit Migrationshintergrund”. Dieses Wort kann ich nicht mehr hören. Damit diskriminiert man sie auch, in dem man sie in einem Ghetto parkt…“

    Hier mal ein paar „Gedanken mit Migrationshintergrund“ aus Kreuzberg. Der deutsch-afrikanische Rapper Harris vertritt seine Ansichten.
    http://www.spreeblick.com/2010.....ugenblick/

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    @ uniquolol
    Linksintellektuellen, das hört sich wie eine ansteckende Krankheit an, wie dieses Unwort „Menschen mit Migrationshintergrund“. Dieses Wort kann ich nicht mehr hören. Damit diskriminiert man sie auch, in dem man sie in einem Ghetto parkt. Der sekuläre Staat erkennt (oder sollte) nur Bürger ohne Ansehen der Geburt, Nationalität, Sprache, Rasse oder Religion.

    Ich kenne nur das Wort Intellektuellen.Links- oder Rechtsintellektuellen gibt es nicht. Es sei denn, diese Intellektuellen sind in was Julien Benda nannte „Der Verrat der Intellektuellen“ verfallen sind:
    http://www.amazon.com/Treason-.....0393004708

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    @David Berger:
    Danke für den Video-Link. Ich denke, besser kann man die schräge und realitätsferne Denkweise der Linksintellektuellen in diesem Land nicht dokumentieren…

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    Diese Stimmung gegen Andersdenkende ist unerträglich. Eine Atmosphäre der Intoleranz bahnt sich in Deutschland an. Zuviele Ausländer, dann kommt als nächstes: zuviele Juden, zuviele Schwulen, zuviele Frauen die die Kinder-Küche-Familie-Politik verweigern und ihr Leben als Frau erleben wollen. No Pasaran.
    Da hat ZEIT-Feuilleton-Chef Jens Jessen ausnahmsweise recht:

    http://hiram7.wordpress.com/20.....l-debatte/

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    „…Es gehört zu den unguten Entwicklungen der vergangenen Jahre und Jahrzehnte, dass in der öffentlichen Diskussion „unerwünschte Themen“ einer gewissermaßen nicht exakt fassbaren, doch wirksamen (Selbst-)Zensur ausgesetzt waren und lange Zeit beharrlich beschwiegen wurden. Dazu gehörte das Thema Einwanderung, dem man sich nicht wirklich stellte, aber auch die Frage, inwieweit eine fremde, als verhältnismäßig neues Phänomen in Mitteleuropa auftauchende Religionsgemeinschaft mit teilweise abweichenden Vorstellungen von Glaube, Gesellschaft und Lebenswelt in die deutsche Gesellschaft integriert werden könne…“

    „…Der Philosoph Baruch Spinoza lehnte es ab, zu verurteilen oder zu lobpreisen; er wollte verstehen. Weder „Islamophobie“ noch „Islamophilie“, sondern nur ein offener, doch kritischer Realismus auf allen Seiten wird uns zusammen weiterbringen…“
    http://www.faz.net/s/Rub9B4326.....ntent.html

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    Ich kann die Islamphobie nicht mehr hören.
    Deutschland sei ausländerfeindlich wird verbreitet.
    Ich kann alle Argumente nicht mehr hören.
    Die Feinheiten liegen viel tiefer.
    Unsere Wirtschaft sucht immer billige Arbeiter.
    Nun hat unsere Wirtschaft die Löhne so nach unten gedrückt,dass für Einheimische heute auch die Billiglohngruppe gilt, wie für Ausländer.
    Die blumige Vorstellung von Mulikulti kann sich nicht verwirklichen,weil Kulturen nicht einfach mal vermischt werden können.
    Niemand mischt alle Farben um mehr Buntheit zu erlangen.
    Niemand mischt sein Essen zu einem Einheitsbrei ,damit er besser schmeckt.
    Die Türkei ist ein so großes Wirtschaftsland
    und müßte heute seine Bürger selber gut versorgen können.
    Wir können nicht das Sozialamt der ganzen Welt sein!
    Jedes Land hat die Aufgabe für seine Büger zu sorgen.
    Wer seine Wurzeln verlassen muß kommt im Leben sehr viel schwerer voran.
    Das gilt für Deutsche genauso.
    Die wandern aus,
    weil sie unzufrieden sind mit ihrer Heimat.
    Das sind Facharbeiter im Gegensatz zu denen die uns kommen.

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    Es ist in der Tat angezeigt, eine neue Identitätsdebatte zu führen. D a ß die Deutschen eine Nation bilden, ist insbesondere jungen Menschen im Verlauf der zwei letzten Fußballweltmeisterschaften durchaus bewußt gewesen, farbenfroh und friedlich. W a s oder w e r wir denn nun sind, bleibt u. a. aufgrund der Selbstvergessenheit entsprechender Referenzgrößen nationaler Identität und im Zusammenhang mit der Integrationsdebatte jedoch in weiten Teilen der Gesellschaft mehr gefühlt als gefragt. Oder anders: Deutschland ist offenbar eher ein Bedürfnis als eine Idee. Dieses allerdings gleichsam an der Brust des Islam stillen zu wollen, halte ich schlicht und ergreifend für absurd. Nichtsdestotrotz: Ein alles in allem gelungener Blogeintrag.

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    Daniel Dettling sagt:

    **Zwanzig Jahre nach der Deutschen Einheit und fünfzig Jahre nachdem die erste „Gastarbeiter“ ins Land gekommen sind, wäre es an der Zeit, eine ehrliche Bestandsaufnahme aufzustellen und zu diskutieren,….**

    Der Ausweg ist ein radikales Umdenken.
    Die Qualität einer Gesellschaft misst sich nicht an der Addition der Ansprüche an den Staat, sondern durch die Fähigkeit ihrer Bürger zur Selbstverantwortung. Selbstverantwortung beginnt bei der Verantwortung für das eigene Leben. Wir helfen den Schwächsten der Gesellschaft am besten und nachhaltigsten, wenn wir sie befähigen, ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen.
    Wir werden merken, dass wir damit alle mehr gewinnen, als wir zu verlieren befürchten.

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    Daniel Dettling sagt:

    **Die Wirtschaft brummt, der Aufschwung hält an und die Arbeitslosigkeit befindet sich auf einem Tiefstand. So gut ging es den Bürgern lange nicht mehr.**

    ….und mit Beseitigung des Ausländerproblems, sind alle anderen Problem gelöst, so der Tenor der „herrschenden Meinung“.

    Alles wird, wie es war, – damals, als es noch aufwärt ging, mit 7 % Lohnaufbesserung – netto -; 8% Wirtschaftswachstum, Arbeitslosigkeit gleich null; mehr Nachfrage, als Angebot; Auswahl zwischen drei verschiedenen Stellen; alles nur eine Frage der sozialen, gerechten Umverteilung war, Deutschland das Wirtschaftswunder geschafft hatte, wir oben standen in Europa und der Welt.

    Es war ein mal… So beginnt das Märchen von den Gebrüdern Grimm. Märchen wiederholen sich nicht, – werden vor allem selten wahr:

    Sind Problem gelöst, wenn das Ausländerproblem „gelöst“ ist?

    – haben wir dann wieder intakte Familien, die sich ihren Kindern widmen, die einen Sinn darin sehen, ihre Schaffenskraft den Nächsten zu übertragen, dafür bereit sind, Verzicht, bis ans äußerste, zu üben?

    – haben wir dann ein gesichertes Rentensystem, bei dem die 45-jährige Beitrags- und Lebensleistung so honoriert wird, wie von oberer Stelle versprochen?

    – kommt dann ein Bildungssystem, das – ohne Rücksicht auf Herkunft und Vermögensstand – die Willigen und Bereiten – so fördert und zu Höchstleistungen bringt, daß sie künftiger globaler Konkurrenz standhalten können, die Schwachen mitnimmt?

    – sind die öffentlichen Finanzen dann so geordnet, daß wir ruhigen Gewissens sagen können: „Wir leben nicht auf Kosten der Nächsten, und nicht nach der Prämisse – nach uns die Sintflut?“

    – haben wir die Garantie, daß sich unsere „deutsche“ Gesellschaft wieder fortpflanzt, im Vertrauen auf die Zukunft, daß sie Kinder in diese problembeladene Welt setzt, weil diese für den Fortbestand einer Gesellschaft ganz einfach Grundbedingung sind?

    Nur wenn Sie alle Fragen mit – Ja – beantworten, sehen Sie die Lösung der Problematiken allein in der Ausländerfrage. Wenn – ein Nein – dabei ist, sollte Nachdenken über Weiteres nicht – Tabu – sein.

    Ich hoffe, unsere Gesellschaft ist dazu in der Lage.

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    „…Heute kommen noch allenfalls Familienangehörige nach und kaum noch „Arbeitsmigranten“. Der Haupteinreisegrund nach Deutschland ist demnach die Liebe und das mit ihr verbundene Geld. Die Antwort einer Mehrheit von Deutschen, einreisende Ausländer hätten es alleine auf Sozialunterstützung abgesehen, ist demnach nicht falsch…“

    Auweia! – In Deckung! – Gleich hagelt es hier Diskriminierungs- und Rassismusvorwürfe!

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