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Lenamania – Die Medien und Showbiz-Top-Overkill

Nein, sie hebt nicht ab- sie wird abgehoben. Lena Meyer-Landrut, von einer länderübergreifenden Medien-Paranoika mit ihrem „Satellite“-Song auf eine gefährliche Umlaufbahn gehypt, läuft Gefahr verheizt zu werden. Aus einem Sommermärchen könnte ein Albtraum werden. A star was born, doch Sterne verglühen bisweilen schnell – vor allem wenn sie der Sonne zu nahe kommen oder gebracht werden.

„Natürlich“ sei sie, „authentisch, zwanglos, unkonventionell“. Und überhaupt – mit 19 Jahren so „unglaublich jung“.   Was sich schon im Vorfeld des ESC (European Song Contest) in einer unheiligen Allianz von Springer Presse (allen voran Bild), Pro 7 und nota bene ARD  abspielte, ist gegen die „Lenamania“, die sich seit Null-Uhr Sonntag einstellte, ein Kindervogelschießen.

Ein leibhaftiger Ministerpräsident begrüßt den Kinderstar am roten Teppich des Flughafens, überbringt wie ein verschüchterter Primaner die Glückwünsche der Frau Kanzlerin, faselt etwas von einem in diesen Teen verliebten Europa, Tausende jubeln auf Plätzen und Straßen, Autokorsi zu Hauf, Eintragung ins Goldene Buch einer Provinzhauptstadt, demnächst wahrscheinlich das Bundesverdienstkreuz und eine Audienz beim Papst. Ich vermisse die Bildschlagzeile „Wir sind Lena“.

Natürlich ginge alles auch ein bisschen kleiner, wie damals, als „ein Bisschen Frieden“ zum letzten Mal den Grand Prix holte, doch man gönnt sich ja sonst nichts. Und genau so funktioniert die gesamte Medien-Masche, an deren Ende wo möglich ein „hochgeschossener“ Teenager steht, der schon  jetzt bis zum Überdruss brav seine öffentliche Rolle von frech, frisch, frei spielt.

Dabei ist doch alles so durchsichtig. Aber, das sei konzidiert, „erfolgreich“. In dieser Zeit der Armut an Vorbildern, musste so jemand wie Lena her. Die Kanzlerin, inzwischen auf ihr wahres Maß reduziert, das Kabinett, eine reinste Nichtregierungsorganisation, Hartz IV an allen Ecken und Enden, Banker als Bankster verhöhnt, die Zukunftsangst wächst, kommt Inflation oder Deflation, in der Bucht von Mexiko zeigt die schmierige Ölindustrie ihre hässliche Fratze.

Und da kommt Lena  gerade recht. Endlich mal was zum Freuen-und das meine ich gar nicht ironisch. Denn diese junge Frau, die jetzt erst einmal ihr wahrscheinlich auch von den durchgeknallten Medien sozusagen privat-öffentlich-rechtliches Leben mit Erfolg zelebrieren muss, ist tatsächlich, und das ist durchaus liebevoll gemeint, eine echte „Rampensau“, wie es anerkennend unter Darstellern heißt. Damit kein Zweifel aufkommt: Sie hat den Sieg verdient. Und dennoch: es war mal wieder so ein richtiger „deutscher Sieg“. Schon Platz fünf wäre eine katastrophale „nationale Niederlage“ gewesen.

Es ist der jungen Frau zu wünschen, dass sie das perfide Spiel mit ihrer Instrumentalisierung als Blitzableiter und Ablenkungsmanöver durchschaut und sich eine Pause gönnt. Ein Wunder sei es, dass sie nicht einmal Gesangsunterricht hatte. Sie sollte sich genau den  jetzt gönnen. Ohne Presse, ohne Kamera und falsche Kameraderie.

Brot und Spiele hieß bei den alten Römern diese öffentliche Ablenkung von den Alltagssorgen der Mehrheit des Volkes. Nun, da Religion als Opium fürs Volk nach den Priestersünden nicht mehr so recht taugt, werden wir solchermaßen in einen kollektiven Rausch versetzt. Lena muss aufpassen, auch Satelliten bleiben nicht ewig oben. Schwerelosigkeit ist schön, Bodenhaftung besser.

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8 thoughts on “Lenamania – Die Medien und Showbiz-Top-Overkill

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    MIKE BRANT FOREVER

    Mike Brant was born on February 1, 1947 in a Jewish refugee camp on Cyprus. His parents were Polish Jews, and his mother was a survivor of Auschwitz. He did not begin to speak until the age of five. On November 1947, the family immigrated to the British Mandate of Palestine and settled in Haifa, where they lived in a modest two-room apartment.

    Brant arrived on July 9, 1969 in Paris with a hundred dollar bill in his pocket, determined to make an international name for himself. It took him ten days to find Vartan, but they eventually met, and she introduced him to the French producer Jean Renard, who had turned Johnny Halliday into a star. Under Renard’s guidance, he changed the spelling of his family name from Brand to Brant, and recorded his biggest all-time hit, “Laisse-moi t’aimer” (“Let Me Love You”). The song was a huge success at the Midem music festival in January 1970, and was played on the radio all over France. “Laisse-moi t’aimer” sold 50,000 copies within the first two weeks.

    Success
    A million and half copies of “Laisse-moi t’aimer” were snatched up over the next few months. Brant represented France in a radio contest broadcast all over Europe and also aired in Israel. His song in the contest, sponsored by Radio Luxembourg, was “Mais dans la lumiere” (“But Inside the Light”). Brant took first place. He continued to release new hits: “Qui saura” (“Who Knows”), “Un grand bonheur” (“Great Happiness”) and “Parce que je t’aime plus que moi” (“Because I Love You More Than Myself). His wildly successful first album, “Disque d’Or” (“Gold Record”) sold millions of copies. Brant took a song that was written and composed in English by his good friend Mike Tchaban/Tashban “Why do i love you? Why do i need you?” but French radio would not air this song because it was in English. Brant, saddened,returned home to give concerts and concentrate on the rest of Europe. Brant’s concerts attracted enormous crowds. Wherever he went, he was surrounded by adoring fans, especially girls and women, who screamed and fainted at his performances. His tours took him all over Europe.

    In February 1971, Brant was injured in a road accident. That year, at the peak of his success, he returned home to give several concerts in Israel. During the Yom Kippur War in 1973, he performed in Israel before front-line soldiers.

    Suicide
    After switching managers, Brant found himself performing at an insane pace. By 1973, he was giving 250 concerts a year, some before audiences of 6,000-10,000 people. This went on for two years. He spent those years madly dodging female admirers. Despite all this adulation, Brant suffered from depression and loneliness. On November 22, 1974, he attempted suicide, jumping out the window of his manager’s hotel room in Geneva. He suffered broken bones, but survived. He recovered and began to appear again, but cut down the number of performances and concentrated on putting out another album, Dis-lui (“Tell Her”).

    On April 25, 1975, on the day his new album was scheduled for release on live television, Brant leapt to his death from the balcony of an apartment in Paris. He was 28 years old.

    http://www.youtube.com/watch?v=ZjMbjelXEiM

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    Das Spektakel ist die ununterbrochene Rede, die die gegenwärtige Ordnung über sich selbst hält, ihr lobpreisender Monolog. Es ist die Sonne, die in dem Reich der modernen Passivität nie untergeht. Es bedeckt die ganze Oberfläche der Welt und badet endlos in seinem eigenen Ruhm. Es ist das Gegenteil des Dialogs. Denn es stellt alles zur Debatte – nur nicht sich selbst. (Guy Debord, Die Gesellschaft des Spektakels)

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    Wieso sollte Sie sich verheizen lassen? Sie ist bodenständig und macht den eindruck ganz gut selbst zu wissen was Sie will. Rainer, aus deinem Artikel klingt ein bischen Neid um den Hype. Wärst Du nicht auch gerne Lena-Star, wenn auch nur für einen Tag?

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    Geokosmetisch ist diese Lena-“Lolita” guenstig fuer Deutschland – weil ihre Typ ethnisch-generic ist – ihr Typ passt in andere Nationen und Kontinente: Keine “German Trophy Blond” fuer reiche Sammler. Auch die aeltere, lastgebeugte “Kanzlermutti” wirkt beruhigend auf das Weltpublikum, welches immer noch im TV den Blick auf Parademarschstiefel vorgesetzt bekommt. “Deutschland deine Frauen”: Heute sind die Frauen in Deutschland intelligenter als die Maenner. (Ein Leser bemerkte dazu: “Das stimmt, die muessen doch raus und das Bier kaufen!”) Der deutsche Mann von heute ist vielfach vertrottelt (siehe Koehler und Westerwelle) oder kindisch mit einer erotischen Beziehung zu seinem Auto. Illner, Kaesmann, Wagenknecht, erkennen die nuechterne Wirklichkeit und sind furchtlos. 1959 sagte mir eine platonische deutsche Freundin welche in Los Angeles in der Modebranche arbeitete: “I am not going to stick around here and work my tail off”. Danach began ihre Karriere als Fremdenfuehrerin in Ostasien, and spaeter in Suedamerika. 1972 zog noch eine durch USA – und verdingte sich als Dienstmaedchen in reichen Haushalten – um damit waehrend eines Jahres das Englisch zu beherrschen. Auch eine furchtlose Weltreisende (schon damals in Iran gewesen), dann Entdeckungsreisen (fauna masculina)nach Mexiko und Guatemala, spaeter Urlaub in Senegal. Ueber ihre letzten Arbeitgeber einer Bankiersfamilie in Miami meinte sie: “Mir tun die armen Schweine leid, die sitzen hier fest!” 1983 sagte mir eine Deutsche welche mit einem zweiten wohlhabenden Ami verheiratet war: ” Das Wichtigste ist nicht in USA zu sterben: Zwei Koffer und leben wo du willst!” 1996 sagte mir eine Deutsche welche mit einem netten Mann von Puerto Rico im Bayern lebte (aber zwei nervenzerfetzende Soehne hatte): “Sie ware nie verheiratet ? Was fuer ein Glueck!” 2004 sagt mir eine aeltere Dame in Ostdeutschland: “Meine Tochter ist Chefaerztin der Onkologie in einem Krankenhaus. Zum Medizinkongress faehrt sie nach USA, in den Ferien fliegt sie immer nach Buenos Aires wegen dem Tango!” Von deutschen Frauen kann man was nuetzliches lernen!

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    Als gefragt wurde ob der ARD überhaupt 20 Millionen für den SongContent über hätte, sagte sie “Ich sponsere das dann.”

    Also mehrere zig Millionen hat sie also schon mit ihren Platten verdient.

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    Zustimmung und darüber hinaus:
    Wie armselig ist man schon – hierzulande auf der Suche nach einem Sommermärchen – daß eine begabte Neunzehnjährige und Gewinnerin eines Gesangswettbewerbs zur Projektionsfläche für die Sehnsüchte deer ganzen Nation benutzt wird.
    Die junge Dame wird – auch bei starkem Charakter – komplett damit überfordert sein.
    Auch das ist Kindesmißbrauch!

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    Wenn die “Springer-Presse” dabei ist, muss es ja eine “unheilige Allianz” zur Volksverdummung sein. Was sonst? Dass Richard Herzinger in der “Welt” etwa vor Wochen schon sehr kritisch die ganze Lena-Chose beleuchtete, was bedeutet das schon? Ganz davon abgesehen, dass Deutschlands seriöseste Musikzeitschrift, “Rolling Stone”, bei Springer erscheint, einer Zeitschrift, der Lena allenfalls eine Fußnote wert ist. Aber was bedeuten schon Tatsachen, wenn man ein Vorurteil hat?

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    Joa, Frau Meyer-Landrut läuft schon Gefahr, im Show-Biz verheizt zu werden. Aber deswegen so viele Worte machen? Ausserdem ist sie kein Kinderstar. Und was glauben sie, wie gewitzt manche 17 bis 19-jährige Mädels sich im Leben besser zurechtfinden, als mancher Mann über 50.

    Für die Sentenz “das Kabinett, eine reinste Nichtregierungsorganisation” hätten die aber allein einen Kabarettpreis verdient. *weglach* Treffend und genial!

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