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Was graue Anzugsträger über Arbeitslosigkeit lernen müssen

Neulich an der Supermarktkasse wurde mir wieder bewusst, dass die großen Themen der  gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen im Wahljahr 2009 auch in meinem kleinen Alltag  entnebelt werden.

Frühmorgens also in einer deutschen Großstadt, eingeklemmt in der Warteschlange einer überforderten Kassiererin. Vor mir eine übermüdete junge Mutter mit zwei kleinen, ungeduldigen Kindern und wenig Geld. Um die drei Liter Milch und  vier Bananen auf dem Band zu bezahlen, kramte sie außergewöhnlich lange die restlichen Cents in ihrem Portemonnaie zusammen. Die drei ins Leben drängenden, vor Selbstbewusstsein strotzenden jungen Banker hinter mir wurden in ihren feinen Anzügen langsam ungeduldig und machten, zunächst leise, Bemerkungen über die wohl mickrigen Finanzen der jungen Frau.

Die Zweiklassengesellschaft an der Supermarktkasse. Seit Monaten fragen wir uns woher die Gier, Verantwortungslosigkeit, Gleichgültigkeit und die soziale Kälte kommen?

Wo ist das emotionale Verständnis für diejenigen, die wenig oder nichts haben, bei denen, die oft zu schnell zu viel verdienen? Kann es sein das da eine junge Generation mit Biografien ohne Brüche, Risse und Lücken keine emotionalen Brücken mehr baut, sondern nur noch zynisch  reagiert? Wie wertvoll und wichtig dieser Einkauf  in Höhe von fünf Euro für die Mutter der kleinen Familie war, konnten die drei Männer mit ihren Energiedrinks und Zigaretten auf dem Sprung in ihr Leben des Erfolgs noch nicht einmal ahnen.

Zwei Welten,  in der deutschen Welt.

Nur wenn der graue Anzugträger wieder lernt, das auch er schon morgen arbeitslos  sein könnte und es nicht nur sein Verdienst ist, das er heute extrem viel Kohle auf dem Konto für seine Luxusartikel hat. Vermögen, dieses große Privileg ist doch die Ausnahme und nicht die Regel. Zu vermitteln, Armut ist nicht immer selbstverschuldet und Reichtum bedeutet nicht gleich Stärke, ist wichtig.

Wächst eine Generation mit zuviel Geld in der Tasche und Gleichgültigkeit im Herzen heran? Erst wenn wieder Empathie im alltäglichen Miteinander entsteht, können  daraus wieder politische Brücken der Empathie und Solidarität  ihre Bögen spannen.

Sich nur vorstellen zu können das diese junge Mutter, eines Tages auch ihre  Schwester sein könnte und sie als alter Männer ebenso an der Kasse stehen und die letzten Euros der monatlichen Rente zusammenkratzen, lässt sie wieder menschlich werden.

Keine Frage, die Politik ist am Zug wenn wir über den gerechten Zugang zu Bildung und Einkommen sprechen und eben immer wieder über soziale Gerechtigkeit. Tausendmal gesagt, tausendmal ist nichts passiert und es wird z-o-o-m machen, in einer Gesellschaft der zwei Klassen. Jüngere Generationen müssen im respektvollen Miteinander erzogen werden und dahin, die  Mitmenschen nicht auf ihre Einkommensebene zu reduzieren.

Nur die Politik  kann und muss die Rahmenbedingungen stellen, gegen die Armut und gegen die Angst vor Armut, in unserem Land.

Die nächste Sendung von Bärbel Schäfer hören Sie morgen in hr3. Zu Gast bei  „Bärbel Schäfer live“ ist von 10 h bis 13h der Comedian Bülent Ceylan http://bit.ly/25HLBx

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Ein Gedanke zu “Was graue Anzugsträger über Arbeitslosigkeit lernen müssen

  1. avatar

    Wer oft auch unverschuldet in Armut fällt ist in dieser Gesellschaft bestraft als erstes muss er zu einem Amt gehen und sein „Vermögen“ offenlegen dann lebt er mit 60% von seinem alten Gehalt. Das ist bei 1200€ Netto nicht besonders viel. Wer den HarzIV Regelsatz bekommt der ist so richtig bestraft. Welcher realistisch denkende Mensch glaubt das man davon Leben kann. Man kann kulturelle Interaktionen vollkommen vergessen, geschweige den irgendwelche Anschaffungen. Ich persönlich glaube, das die ganze Arbeitsgeschichte und mit du kannst Arbeit finden wenn du möchtest eine Lüge ist. Im Menschen wird heute eine Gier und Neid gezüchtet. Der finanziell gesichert ist ist überheblich siehe Ihrem Beispiel mit den Bänkern. Wer durch sein Gehalt gerade so leben kann schaut neidisch nach Oben und nach Unten gönnt er keinem etwas; „Der unten soll erstmal Arbeiten gehen, ich stehe morgens auch auf um mein Geld zu verdienen“.

    Ich glaube die Politik sollte endlich mal umdenken, hin zum Menschen…

    Wie soll man verstehen das Milliarden in eine Industrie gesteckt wird die sich hätte weiterentwickeln müssen um am Markt bestehen zu können. Das zahlt der Steuerzahler nun aber der Rentner und die Arbeitslosen bekommen nie etwas und sind von Konsum ausgeschlossen. Wenn im Gegenzug ein Manager, Millionen und ein Politiker über 10.000€ manchmal auch fast 20.000€ verdient wie soll er die Probleme verstehen, die die Menschen beschäfftigen?

    Und bei Herrn Westerwelle kriege ich das Kotzen, als es um den Mindestlohn geht erzählt er was von Marktwirtschaft und man könne nicht eingreifen aber als die Wirtschaft bröckelt zahlen wir Alle.

    Ich wünsche mir das es die so innovative deutsche Politik endlich begreift das wir in der „Politik-Evolution“ entlich mal vorran kommen sollten. Wir haben den Osten und den Kapitalismus als Beispiel. Der Mensch konsumiert also gebt Ihm dann wird er den Konsum vorran treiben. Maschinen fahren Plus ein und aus Rationalisierung ist der Mensch arbeitslos. Ich bin für ein bedingungsloses Grundeinkommen, dies wäre die nächste Stufe in der Evolution dann können die Bänker sich ihr feixen an der Kasse sparen…

    Danke Frau Schäfer das Sie Beispiele aus dem Leben nehmen um die Probleme zu beschreiben.

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