Milo Rau & Ulf Kubanke bei der Afterparty nach dem Auftakt beim „Prozess gegen „Deutschland“. Thalia Theater, 13. Februar 2026. Fotocredit: (c) Zizino Kubanke
Ulf Kubanke mit einem ganz und gar subjektiven Eindruck von Milo Raus „Prozess gegen Deutschland“ im Hamburger Thalia Theater.
„First Murderer:
Banquo: “It will be rain tonight.”
First Murderer: “Let it come down.”
(Macbeth, Akt II, Szene 3)“
„Kunst wird dann interessant, wenn wir vor etwas stehen, das wir nicht restlos erklären können.“
(Christoph Schlingensief)
Das Ziel: „Prozess gegen Deutschland“ im Hamburger Thalia Theater
Die Situation:
Gothy Freitag der 13.
Ziel: „Prozess gegen Deutschland“ von Milo Rau
Tja.
S3 Ausstieg Jungfernstieg. Letzterer wenige Meter vom Thalia Theater entfernt (mit dem richtigen Ausgang, sonst „viel Spaß!“ beim Finden).
Wir?
Meine aus Tbilisi stammende Frau, Zizino und ich als bremischer Wahlhamburger.
Wohin?
„Prozess gegen Deutschland“ von Milo Rau im Thalia Theater zu Hamburg.
Tür öffnet sich zischend.
Steigen aus.
Direkt vor uns „Cuccis“.
Tabak, Presse, Sandwich.
Auf dem Weg: Die Frau am Boden. Tiefer Schmerz. Absoluter Zusammenbruch. Kein Geld
Direkt daneben eine Frau um die 40.
Am Boden.
Weinend.
Sich windend in Wellen tiefen Schmerzes.
Rechtes Bein.
Blut’ger Verband.
Absoluter Zusammenbruch.
Vor ihr ein paar Münzen.
Gute Münzen.
Kein Kleinscheiß.
Achtlos verstreut.
„Aaaaah, Hilfe….ah….helfen…. Schmerzen….kann nicht….aaahh.“
Zizi: „Niemand hilft. Das ist doch schrecklich. Nur, weil sie hier Zuflucht gesucht hat vor sibirischen Temperaturen?“
„Mein Süßes, was soll ich da sagen? Das Land funktioniert eher so, dass ihr zwar nicht unbedingt ärztlich geholfen wird, sie jedoch die Chance bekommt, sich bei minus 7 Grad draußen an der frischen, gesunden Nordluft zu erholen, während die Polizei eine Anzeige wegen womöglich Hausfriedensbruchs und aller weiterer in Betracht kommender Delikte aufsetzt. Wir werden es nicht ändern können.“
„Ich kann ihr wenigstens einen Euro geben, um ein wenig positive Energie auszusenden.“
Zizino fischt in ihrem Portemonnaie nach einer Euromünze.
Währenddessen drängen sich gut zwei bis drei Dutzend Passanten an der Frau vorbei. Die meisten mit mürrischem Gesichtsausdruck. Einige mit Äußerungen wie “ Ach herrje! Im Weg!“, „Auch das noch!“.
Zizino sucht die Security.
„Niemand da?
Da lach ich ja.
Sonst immer.“
Sie legt die Münze zu Boden.
„Nimm es. Wenigstens das. Wir können nicht mehr tun.
Sorry.“
Als Eiswürfel ins Thalia
Treppe hoch.
Eines funktioniert im Hamburger Winter seit Äonen zuverlässig.
Der fiese, Rheuma konstituierende Wind auf den Treppen zum Aufstieg von U- und S-Bahnen.
Also raus als Eiswürfel und ab zum Thalia Theater.
Vor der Tür stehen zwei, drei Leute. Verteilen Sticker und Broschüren.
„Hey, willst du auch was haben?“
„Hm, sag mir erstmal, was auf deiner Broschüre steht. Ich bin viel zu kurzsichtig, alles spontan zu entziffern.“
„Pro AfD-Verbot jetzt.“
„Gib mal für uns beide bitte. Und hol dir nicht den Tod bei der Wolfskâlte. Du möchtest doch sicherlich das Ende der AfD noch erleben oder?“
Ich lachend „Das wird mein Motto der drei Tage sein.“
Szenenwechsel: Wir befinden uns im Theater
Bereits die Räumlichkeit ist verblüffend in ihrer sowohl Widersprüchlichkeit als auch Einheit. Auf der einen Seite hat man in allen Ecken und Enden überall Aktionen von Theaterstudenten, die das ganze parallel flankieren.
Man konnte vor Ort an diesem Tag sogar eine Couch oder eine Waschmaschine kaufen.
„Alles muss raus!“
Versus
„Alles kommt rein.“
Drumherum als Kontrast die magische Erscheinung dieses altehrwürdigen Gebäudes.
Coole Metaebene.
Weit weniger cool:
Unser Gebibber vor der Türe samt Glimmstängel & Winterflüchen.
Wieder rein.
Wieder Türsteher.
Zizi wühlt in der Handtasche nach unseren Karten.
Security lächelt.
Winkt.
Zizino sieht es nicht, weil immer noch im Clinch mit der Handtasche.
Ich sehe es nicht, weil ein Deckenstrahler mich blendet.
„Ihr könnt r e i n gehen. Was wären wir für Loser, wenn wir Leute wie euch in unserem Job nach 5 Minuten nicht wiedererkennen?“
„Achso, ‚zeihung.“
Der sympathische Eindruck des Theaterpersonals setzt sich innen ausnahmslos fort. So ist zunächst einmal nach der Eiswüste draußen die Bar unser Ziel. Zizi nimmt einen Sekt, ich ’nen Riesling. Beide rattenteuer, aber top Qualität.
Und hey? Warum sollte nicht das mit den Moneten ansonsten so klamme Theater auch einmal vom Lebendigen nehmen dürfen? So es doch sonst bereitwillig auch den Scheintoten seine letzte Energie spendet.
Ab in den Saal
Wird Zeit.
Garderobe.
Personal – wir nahmen ca ein halbes Dutzend Leute wahr – scheinbar widersprüchlich wie das Eingangsbild. Rein äußerlich leger gekleidet, boten sie gleichwohl Manieren und Gastgebertum, welches man auch in den besten Hotels nicht zuvorkommendar anzutreffen pflegt.
Im Saal bereits gedämpftes Licht.
Sicherlich angenehm lichttemperiert.
Für mich, bzw. meine Augen, gleichwohl
ein recht gravierender Kontrast.
Zizi: „Reihe 1 – mittig.“
VerführerischeIinformation. Unsicher wie ich mich ob der Lichtverhältnisse optisch fühlte, neigte ich selbstverständlich dazu, alter Bremer Teebeutel der ich bin, jenes Gefühl zu kompensieren, indem ich an einem anderen Punkt spontan die Steuerung übernehme. So lag nichts näher als vollmundig zu verkünden:
„OK cool, so schwer kann das ja nun mal nicht sein. Reihe eins bedeutet natürlich, dass keine andere Reihe vor uns ist. Da müssen wir ja nur vom schick beleuchteten Part vor der Bühne reinkommen.“
Reihe 1 – Hinter Reihe 0 – Erste Begegnung: unbewusst: Milo Rau
Vergesst es.
Selbstverständlich kollidierte mit einem Herrn, der vor dem mittigen Platz dieser Reihe stand. Selbstverständlich war es die falsche Reihe, weil in diesem Theater die Sitzreihen mit der Gruppierung 0 beginnen.
Inzwischen war unsere eigentliche Reihe nahezu vollständig befüllt.
Während ich mit Oliver Hardy-artiger Entschuldigungs-Geste per Kruzifix meiner Peinlichkeit darüber Ausdruck gebe, gefühlt 2 Dutzend Füße der freundlich aufstehenden Sitznachbarn versehentlich zu treten, schaut die eine Hälfte von ihnen mich an, als käme ich vom Mond.
Zizino findet unsere Plätze.
Wir nehmen Platz.
Sie formvollendet.
Ich schweißgebadet.
Wir sitzen direkt hinter dem freundlichen Mann aus der Reihe 0, den ich vorhin fast umgerannt habe.
Wir grüßen einander noch einmal kurz.
Er wird von der Bühne angesprochen.
„Milo…..“
„War so klar. 500 Leute im Parkett. Und ich renne fast Milo Rau über den Haufen.“
Gleich beginnt es – Beginnt was? Das „Spektakel“?
Was genau ist das denn hier für ein …… Goth, jetzt hätte ich fast geschrieben, „Spektakel“.
Im Kontext meiner womöglich typischen Wortwahl hätte ich diesbezüglich gerne zugegriffen.
Gleichwohl:
Bereits im Vorfelde bemühten sich so mannugfaltig viele Stimmen jedweder Couleur von allen Seiten, mit diesem Begriff eine mindestens skeptische (legitim) bis polemisch vorverurteilende (nicht ganz so legitim) Wertung zu konnotieren.
Unterkomplex of Death.
Andererseits sollte man sich ja auch n Dreck dafür interessieren, wie andere das Wort nutzen.
Also nicht kneifen, lieber rückerobern.
Ich erwarte mir tatsächlich ein Spektakel im besten Sinne.
Warum?
Meine Antwort – unsere – fällt da freilich rein subjektiv aus.
Darum wird es gehen: Um die Fragen unserer Zeit
Die Chance: Anhand d e r Fragen unserer Zeit:
- verschiedene politische Positionen aus höchst unterschiedlichen sozialen wie biografischen Milieus einander so gegenüberstellen, wie sie es im Alltag eher zu vermeiden verstehen.
- dasselbe auch sich sagen und daran glauben, selbst als Teil des Publikums und damit der Inszenierung nicht zu versagen auf der Ebene des gefühlt Tolerablen.
- einerseits darüber aufgeklärt werden, wie genau die juristischen Hürden gestrickt sind
- andererseits genug über das allgemeine Gesamtbild zu erhaschen, sich ein eigenständiges Urteil analog der Geschworenen bilden zu können.
Warum im Theater?
Theater ist genau jener zwar öffentliche, gleichsam geschützte Raum, dessen Bühne es gerade ermöglicht, die wichtigsten, essentiellsten Fragen unserer Zeit zu verhandeln.
Wo denn sonst?
Wenn nicht an einem solchen Ort der Debatte und Kultur.
Wer derlei Vorgänge verquengelt zu delegitimieren trachtet, offenbart sich selbst als Hinderer des Diskurses, des Themas, des notwendigen Enttabuisierens.
Ein Hauch episches Theater oder doch fieser Schauprozess?
Schauprozess?
Weit gefehlt.
Es ist offenkundig das Gegenteil. Während bei einem Schauprozess das Ende bereits im Vorhinein feststeht, handelt es sich bei Milo Raus Ansatz um ein offenes Konzept.
Somit handelt es sich um das Gegenstück zum Schauprozess.
Hier findet drei Tage ein pluralistischer Meinungsbildungsprozess statt.
Danach bleibt jede einzelne Silbe per YouTube und als Schriftprotokoll für die virtuelle Ewigkeit.
Einsehbar für alle.
From here to eternity.
Ist es nicht in Wahrheit nur eine Bühne für extremes Gedankengut?
Offenkundig nicht.
Man schaue doch bitte hin,
indem man den Rahmen, den Fokus vergrößere, nicht verenge.
Warum ist diese Perspektive wichtig?
Milo Raus simultane Verengung und Erweiterung
Ganz einfach: Die große Errungenschaft Milo Raus besteht zumindest aus meiner Sicht darin, dass Verengung und Erweiterung letzten Endes simultan vorhanden sind.
Jeder einzelne Beitrag steht für sich genommen, für eine Verengung, eine Facette, einen Ausschnitt.
Durch das ständige Strobo-Wechselspiel von Pro und Contra sowie die Ansammlung der einzelnen Fragmente zu einem schlussendlich mosaikartig komplettierten Leviathan.
Isoliert betrachtet zeigt sich bei verständigem Augenschein mithin schnell, welche Beiträge der Zeugen und Sachverständigen von diesen selbst konstruktiv oder destruktiv angelegt werden.
Die qualitative Trennlinie liegt in der Comedy Humaine
Die qualitative Trennlinie verläuft meines Erachtens gar nicht mal unbedingt zwischen links und rechts.
Überraschung – es ist wie immer in der Comedy Humaine.
Sie verläuft evident zwischen Leuten die für etwas stehen, und anderen die lediglich konfrontativ das Trennende das Spaltende, das Zerstörende suchen und sich dabei über die bewusste Dramatisierung lediglich selbstherrlich in Szene setzen.
Der Clou: für den Gesamtzusammenhang können sogar die demagogisch oder sonst wie destruktiv angelegten Vorträge sich als konzeptionell nützlich erweisen.
Sichtbar wird etwa, wer Zusammenhänge bewusst verkürzt und selbstreferentiell polemisiert, erhält womöglich das Strohfeuer des Punktens in der eigenen Szene für ein paar Tage. Auf lange Sicht gesehen bleibt es selbstverständlich ein ethisches Negativbeispiel. Aber ein künstlerisches Positivbeispiel. Denn im dramaturgischen Zusammenhang des Bühnenstücks funktionieren solche Leute selbstverständlich auch wunderbar als gute Schurken. Kein gutes Drama, keine gute Comedy, überhaupt kein gutes Stück ohne einen guten Bösewicht.
Authentizität der Menschen auf der Bühne als Kirsche auf der Torte
Die Kirsche auf der Torte:
Das Konzept garantiert maximale – nicht immer ganz freiwillige oder gar vorteilhafte – Authentizität.
Wodurch?
Spontanität.
Niemand weiß, was gleich folgt. Jeder bereitet nur seinen Text vor.
Alle werden direkt aufeinandergeworfen und müssen sich miteinander ins Benehmen setzen, einander aushalten für ein paar Minuten ohne dass im Saal das deutsche Kettensägenmassaker Teil 2 ausbricht.
Wenn das Publikum als wahrnehmbarer Faktor den Kommunikationsraum betritt
Das funktioniert in dem Moment erstaunlich gut, wenn das Publikum – selbst keine homogene Masse – als wahrnehmbarer Faktor den Kommunikationsraum betritt.
Da ist die Bandbreite nicht kleiner.
Ich ertappe mich selbst dabei, wie ich mich bei dem einen oder anderen Beitrag wirklich zusammenreißen muss, ruhig zu bleiben. Eine ganz gute Übung in Selbstbezähmung.
Auf der anderen Seite will man ja auch kein Zombie Publikum. Und da Hamburg hier ohnehin relativ bunt aufgestellt ist, ergab sich spiegelbildlich zur Bühne ebenfalls ein Poppourri aus interessanten emotionalen Reaktionen und der totalen Facepalm jener, die das Konzept weder verstanden haben, noch es ertragen konnten.
Als Beispiel für letzteres sei an dieser Stelle nur der bewusst eingeschobene pseudo-winterhustende Mann imPublikum genannt, der absichtlich genau darauf ausgerichtet war, das Bühnengeschehen durcheinander zu bringen und die Protagonisten, in diesem Fall die Verteidigerin Liane Bednarz zu irritieren.
Das Publikum – wir alle – fingen auf einmal an mit miteinander zu diskutieren – „Der Prozess gegen Deutschland“ als Begegnungsstätte
Aber gut, solche Knicklichter kalkuliert man ja auch im Vorhinein ein. Sie werden automatisch Teil der Satireebene. Leider nicht freiwillig. Aber irgendwas ist ja immer.
Viel besser: Das Publikum – wir alle – fingen auf einmal an mit miteinander zu diskutieren. Ganz spontan in der Fluppen-Pause oder an der Bar etc.
Einer unserer Sitznachbarn etwa klatschte meist bei Sachen, die aus unser beider Sicht eher Quark waren. Und umgekehrt.
Das hat uns alle drei amüsiert. Später ins Quatschen gekommen über Goth und die Welt. Die politischen Unterschiede verschwanden natürlich nicht einfach wie durch Zauberkraft. Die Magie bestand darin, dass sie für uns keine emotionale oder humanistische Differenz mehr bedeutete in der Wahrnehmung des jeweiligen Gegenübers. Wir entdeckten sogar künstlerische Gemeinsamkeiten.
Wären wir einander überhaupt je begegnet, ohne diese Aufführung als Begegnungsstätte? Wohl kaum.
Soll heißen: die ultimative Qualität des Stückes liegt aus meiner Sicht darin dass es also auch in diesem erweiterten Rahmen des quasi Stadtgesprächs bei allem und jedem einen Impuls zu Aktivität und Kommunikation auslöst. So rudimentär diese mittlerweile mitunter auch ausgeprägt sein mag.
Die Besetzung?

Ulf & Zizino Kubanke mit Herta Däubler-Gmelin, Thalia Theater. Fotocredit: (c) Ulf Kubanke.
Thalia Theater on Stage: Als Vorsitzende Herta Däubler-Gmelin.
Vor und hinter der Bühne empfanden Zizino und ich es folgendermaßen:
Sie war so lässig.
So spröde.
Dabei absolut empathisch.
Mir freundlich ironischen Humor.
Teaching without Teaching.
Mehr geht nicht.
Über alle 3 Tage betrachtet mit Abstand die Coolste im gesamten Saal.
Urgestein.
Verteidigung wie Anklage? Hatten alle vier Eier
Keiner bühnenerfahren.
Aber allesamt dauerpräsent.
Trotz emotionalisierter Live-Situation und ebensolchen wechselnden Publikum.
Am ersten Tag geholpert.
Am zweiten Tag das Feld von hinten aufgerollt.
Am dritten Tag als Rampensäue geflogen.
Chapeau allen fantastischen Vier.
Freimütig gestehe ich, dass die Vertreter der Anklage zumindest uns beiden inhaltlich sowohl emotional als auch politisch und in der rechtlichen Bewertung näher stehen als die Positionen der Verteidigung. Auch der Mut einer der Vertreter der Anklage, eigene körperliche Schwächen im öffentlichen Vortrag nicht zu verstecken, sondern in ethisch-empathische Stärke zu wandeln (Stichwort „lebensunwertes Leben“), nötigt mir tiefen Respekt ab.
Die große Leistung der Verteidigung besteht aus meiner Sicht aus zwei Faktoren.
Liane Bednarz gelang die Quadratur des Kreises: Tanz am Vulkanrand, ohne in die glühende Lava zu fallen
Zum einen in der eigentlich unmöglichen Quadratur des Kreises, die Liane Bednarz zu erbringen hatte.
Was meine ich?
Nun, sie hatte die undankbarste Position.
Einzige Juristin im Team der Verteidigung. Dazu der konstante Spagat, einerseits einen guten „Bad Guy“ ab zu geben.
Daneben jedoch eingewoben ihr tatsächliches Wirken im realen Leben – Das Aufklären über rechtsextreme Strukturen, Ideologien und die Abgrenzung deren völkischen Weltbildes zu unserem demokratisch pluralistischen.
An diesem Rand des Vulkans konstant performen zu müssen, ohne in letzteren zu stürzen, ist aller Ehren wert.

Liane Bednarz, Frédéric Schwilden und Ulf Kubanke, Thalia Theater, Fotocredit: (c) Zizino Kubanke
Frédéric Helmut Johannes Schwilden – Für die Bühne gebühren
Und dann ist da noch dieser eine Mensch auf der Bühne.
Frédéric Helmut Johannes Schwilden.
Jurist?
Achwas.
Publizist.
Heimlicher Publikumsliebling.
Extrem charismatisch on stage.
Der Mann gehört den ganzen Tag auf die Bühne – könnte auch ein antiquarisches Adressbuch vorlesen.
Es würde reichen.
Die Geschworenen – Ein in jeder Hinsicht differenziert aufspielender Souverän
Die Geschworenen?
Sich dieses Bombardement von Eindrücken exponiert ausgeleuchtet in Saunatemperatur 3 Tage zu geben.
Und dann von den in jeder Hinsicht filmreif unterschiedlichsten Sorten Mensch das Mehrheits- und Minderheitenvotum vortragen zu lassen, war schon großes Kino zum Schluss. Ein in jeder Hinsicht differenziert aufspielender Souverän.
Unser persönlicher Höhepunkt?
Weshalb?
Na hört doch selbst.
Das ist wie mit „Giri“.Wer es nicht spürt,
hat es nicht.

Ulf & Ziziino Kubanke mit Michael Abdollahs, Thalia Theater. Fotocredit: (c) Ulf Kubanke
Gesamtergebnis „mein Senf“
Vielen Dank an Milo Rau samt aller Beteiligten für ein – trotz kleiner Schwächen und Unwägbarkeiten – herausragendes Theaterexperiment auf philosophischem wie philanthropem Weltniveau.
Eine Frischzellenkur zwischen Gewürzen der Sorte Brecht, Dürrenmatt und Schlingensief – schlussendlich jedoch Milos und des Ensembles ganz und gar eigene Kreatur.
Sogar diese Geburtshelfer müssen das Stück nunmehr allesamt loslassen und der Welt per Mausklick überantworten. Jedem neuen Zuschauer.
Manche werden verstehen, dass dieses Loslassen in Wahrheit ein Akt ultimativer Verbindung ist.
Kein Verlust.
Ein bisschen mehr Pantha Rei
Ein Haarriss weniger Fragmentierung
Gut so.
Was für ein Musiktipp dazu?
Klar.
John Cale – Fragments Of A Rainy Season (1992)
„I’ve been chasing ghosts and I don’t like it.“
Oft jagte John Cale fremden wie eigenen Geistern nach. Auf Fragments Of A Rainy Season stellt er sie 1992 schließlich.
„I wish someone would show me where to draw the line.“
Mit diesem Album – einem der eindringlichsten Akustik-Konzerte überhaupt – zieht er 1992 seine eigene Linie.
Ohne Koks.
Ohne Alkohol.
Der musikalische Solotanz auf der Rasierklinge
Weder davor noch danach gelang ihm der musikalische Solotanz auf der Rasierklinge so präzise wie in diesen knapp dreißig Songs.
Die Veröffentlichungsgeschichte zum Titel: verregnet, fragmentarisch.
Das Album?
Nur kurz erhältlich, schnell vergriffen.
Um alles auf eine CD zu pressen, strich man Stücke, änderte die Chronologie.
Erst die späteren Ausgaben an 2016 bieten das komplette Konzert.
Entscheidend: Cales Dramaturgie entfaltet sich endlich ohne Brüche.
Viel braucht er nicht.
Piano. Akustische Gitarre. Ein stilles Publikum
Reicht.
Mehr Gefühl als manches Aushängeschild der MTV-Unplugged-Ära. Mehr auch als viele seiner eigenen Studioscheiben.
Weshalb?
Kein Zufall.
Die 70er und 80er verbrachte Cale im alkoholischen Nebel. Große Songs entstanden trotzdem.
Ihre Produktionen? rumpelnd, spröde, klinisch.
Erst die letzte Zusammenarbeit mit Lou Reed – Songs For Drella, im Gedenken an Andy Warhol – brachte ihn künstlerisch ganz zu sich.
Privat fast zurück an die Flasche.
Aus dieser Spannung erwachsen definitive Versionen seiner Schlüsselstücke. Manche Originale erstarren daneben.
Entbehrlich.
Zwischen die eigenen Songs legt Cale zwei Fremd: Presley und Cohen.
Elvis Presleys „Heartbreak Hotel“ verliert jeden Mythos. Zurück bleibt Einsamkeit in Zeitlupe.
Leonard Cohens „Hallelujah“ wird nicht zur Hymne.
Reine Demontage.
Kein Trost. Nur Stimme, Desillusion und Fallhöhe. Jeff Buckley hörte genau hin. Nutzte Cales Flow für seine Version.
Fast so gut.
Cohen nannte Cales Fassung die intensivste.
„I got the style it takes!“
Und er hat ihn.
Klassik im Blut. Rock im Nerv.
Am Piano reicht ein Atemzug vom perlenden Schwelgen zum harten Akkord.
Sein Gesang: stoisch, brüchig, plötzlich lodernd.
„I’m Waiting For My Man“ zerlegt jede Coolness.
Kein distanziertes Flirren – volle Substanz im Blutkreislauf.
„Fear Is A Man’s Friend“: Eine Runde blank gelegte Innenwelt voller Panik Attacken?
„Life and death are just things you do when you’re bored.“
Als Gegengewicht Momente beinahe schmerzhafter Ruhe.
„Buffalo Ballet“ liegt in der Mittagssonne, bevor Geschichte und Gier alles verschlingen.
„Gold came and went, quickly spent.“
Und dann: „Dying On The Vine“.
Im Studio einst unscheinbar, steht das Stück hier nackt im Raum. Keine Produktion als Versteck. Nur Melodie. Nur Text. Die Zeilen schwanken zwischen Burroughs Surrealismus und den Narben realer Kriege.
Cale singt nicht dramatisch. Ganz klar.
Nahezu geläutert.
Jede Phrase sitzt. Jede Pause atmet.
Früher Behauptung.
Hier Bekenntnis.
Vielleicht sein menschlichster Moment.
Zum Schluss „Style It Takes“.
Drei Minuten Verdichtung: Warhol. Velvet Underground. Individualismus
Cale braucht nicht mehr.
„You want your freedom, make your freedom mine!“
Es gibt Platten, die man hört.
Es gibt Platten, die bleiben.
Diese bleibt.
Viel Spaß zum runterkommen nach diesen aufregenden Tagen mit drm John:
From Hamburg with Love
UK
Keywords: Prozess gegen Deutschland, Thalia Theater, Milo Rau, Thalia Theater, AfD, Meinungsbildung, Diskus, Herta Däubler-Gmelin, Liane Bednarz, Frédéric Schwilden, Verteidigung, Anklage, Gericht, Schauprozess, Michael Abdollah, Ulf Kubanke, Zizino Kubanke, Christoph Schlingensief, Spektakel, Kunst, Inszenierung, Konzept Polemik, destruktiv, konstruktiv, Thema des Jahres, Stadtgespräch, John Cale, Velvet Underground, Andy Warhol, Leonard Cohen, Elvis Presley
o Mail: Suchen, organisieren, erobern
Korrektur: Sofort, als Sommer-82-Wandbecker, wegen des lokalen Bezugs und des U-Bahnhofs Jungfernstieg, wo ich im Foto-Fix-Automaten, frisch von drüben, erste, noch verwunderte Selbstporträts machte.
„Mir gefällt Ulf Kubankes Struktur und Stil, dass weder Mühe noch Druck aufgebaut oder Dampf abgelassen wird, sondern dass seine Gedanken sehr ausbalanciert, empathisch…“
Oh bitte hör nicht auf.
🤘🤘🙏🙏
Ja, danke, mein Lieber.
Freut mich sehr, besonders von dir.
Diese Automaten gibt es hier immer noch. Zumindest an der Schanze.
Und hey, ich kann das liebe Kompliment nur zurück geben. Deine Art des Schreibens und Wahrnehmens macht sogar jeden nebenher erbrachten Comment zum essayistischen Ereignis. 🏴☠️
Erfrischend nach den ganzen Cordhutcomments hier umzu.
Bei d i r würde mich wirklich interessieren, was du von Teil 2 hältst.
Nur zusammen ist es philosophisch und perspektivisch komplett.
Liebe beide, ich erfreue mich sehr an Eurem schönen Gespräch hier! Nun noch der Link zu Teil 2 von Ulfs Beobachtungen des „Prozesses gegen Deutschland“, erschienen bei dem befreundeten Blog der „Kolumnisten“: https://diekolumnisten.de/2026/02/20/zwischen-sicheln-und-sensen/
Mir gefällt der Text sehr gut.
Sofort, als Sommer-82-Wandbecker, wegen des lokalen Bezugs und des U-Bahnhofs Jungfernstieg, wo ich im Foto-Fix-Automaten, frisch von drüben, einst erste, noch verwundete Selbstporträts machte.
Weiter, als Fünf-Ender-studentische Hilfe an der Schaubühne, vor allem auch an die Karriere meines in Rostock ausgebildeten Schauspieler-Bruders Ralf denkend, der zuletzt über Marbach ans Thalia sollte – und zuvor von einem Stasi-Killer in der vierspurigen Autobahnkurve am Honda-Hinterrad touchiert wurde.
Wegen Ralfs „Leitplanken“ aus dem 4. Band der Dietz-Ausgabe von Rosa Luxemburg (ja, auch der mit der Freiheit der anderen), wie: „Das alles zeigt, dass der ,schwerfällige Mechanismus der demokratischen …‘ ein kräftiges Korrektiv hat – eben in der lebendigen Bewegung der Masse, in ihrem unausgesetzten Druck.“ (Der ganze zu empfehlende Abschnitt: S. 355 a.a.O.)
Mir gefällt Ulf Kubankes Struktur und Stil, dass weder Mühe noch Druck aufgebaut oder Dampf abgelassen wird, sondern dass seine Gedanken sehr ausbalanciert, empathisch und doch keinesfalls unkritisch komponiert sind.
Ich kenne niemanden in der AfD, ich kenne das Parteistatut nicht. Bei der ersten Kenntnis sendeten meine Erinnerungen nach Millisekunden Auftritte der Blaumiese im Pepperland.
Jetzt habe ich auf der Seite der „Landeszentrale für politische Bildung“ das Wahlprogramm der AfD zur Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg kursorisch überflogen.
Überschrift: „Unser Land verdient ein Comeback.“ Mit einem „9-Punkte-Sofortprogramm für die ersten 100 Tage“ – gesellschaftliche Problemzonen aus dem Internet zusammengekehrt.
Fett gedruckt aber: „Wir wissen, dass Ideenreichtum und Fleiß der Baden-Württemberger uns auch aus dieser hausgemachten Krise herausbringen können. Es wird nicht das erste Mal sein, dass unsere Bürger schwierige Situationen nicht nur überstehen, sondern erfolgreich meistern.“
Wenn nun das größere Ungeschick – als langjähriger freier ARD-Mitarbeiter, sage ich mal – aus den eigenen Reihen durch Anja Reschke, wenn auch mit hehren Sinnen, ausgesprochen wird, dann klingt das leider so: „Nicht von dem einen mir sagen lassen, das muss ich denken, sondern: Ich kann auch diese Meinung haben. Das meine ich mit Erziehung an mündigen Bürgern, und das ist schon unsere Aufgabe.“
()
Erziehung ist nicht Aufklärung. Das sind ja auch irgendwie zwei nicht so identische Wörter.
Und damit bin ich wieder bei Ulf Kubankes vorzüglichem Text – Tadel wegen des zu vielen Lobes? Wenn ich mich freue, lobe ich gern –, und dem „Prozess gegen Deutschland“ von Milo Rau plus Pro-und-Contra-Ensemble aus bekannten Persönlichkeiten.
Mein Interesse gilt – aus Sympathie dem einen oder der anderen – vor allem unserem freiheitlich-demokratischen Rechtssystem. Es geht nicht um Links und Rechts, das sind Machtfarzereien. Wer aber das nicht vertritt, trifft bei mir auf kein Echo. Das ganze Agenda-Geschrei von rechts und links geht „hier rein und da raus“.
Obwohl nicht direkt anweisend, kann ich
a) dank Ulf Kubankes Denkansatz teilen: „Vielen Dank an Milo Rau samt aller Beteiligten für ein – trotz kleiner Schwächen und Unwägbarkeiten – herausragendes Theaterexperiment auf philosophischem wie philanthropem Weltniveau.“
Ich hätte es mir irgendwo welterfahrener sagen können.
Und
b) wegen Rosa Luxemburg: Frau Dr. Liane Bednarz, die wissend, gelehrt, aber nicht belehrend und beherzt auf das „Ein- und Entgegenwirken durch Dialog“ setzt, um den „Druck“ aus den Köpfen zu nehmen.
Es muss nicht bei den Blaumiesen bleiben. Deren Chef ändert nämlich seine Meinung – und die Blue Meanies schließen sich ihren neuen Freunden John, Paul, George und Ringo an und feiern mit ihnen.
Deswegen bin ich für die Ausführungen von Liane Bednarz beim „Prozess gegen Deutschland“ – für Demokratie, Recht und Freiheit.
De Profundis:
Und nein, ich spare mich auch selbst nicht aus.
Was habe ich ganz subjektiv für Gefühle zur Problematik?
Hier das Yang zum Yin:
Ulf Kubanke – „Zwischen Sicheln und Sensen“
Video-Clip:
https://youtu.be/DxQN6omwGfI?si=3JxGQ1WAw8n241MU
&
Artikel:
https://diekolumnisten.de/2026/02/20/zwischen-sicheln-und-sensen/
Ich hatte nach einem Verriss Hausverbot im Thalia-Theater:
https://www.welt.de/welt_print/kultur/article9817417/Nicht-satisfaktionsfaehig.html
Weiß nicht, ob es inzwischen aufgehoben wurde.
Tja, Alan.
Das weiss ich natürlich auch nicht.
Wenn Du da ähnlich dicht am Thema warst, wie hier bei mir….
Ja nun, dann glaube ich eher, das ist wie bei Kinks und Amerika gelaufen
Aber was weiß ich schon….🏴☠️
Da hätte ich geren deinen ganzen Artikel gelesen. Aber die Zitate sind schon so großartig, dass ich vor Begeisterung brüllen musste und dachte: So möchte ich auch mal Verrisse schreiben. Diese Thalia-Theater-Freaks scheine ja wahre Stalinisten zu sein…..
Habe mal, liebe Liane Bednarz,
tatsächlich die AfD, also die AfD-Stadtratsfraktion von Halle verteidigt dagegen, dass ihr die Stadtrats-Mehrheit die ihr zustehenden Sitze in den Ausschüssen nicht zugestehen wollte.
Vier Verfahren. Alle gewonnen.
https://dubisthalle.de/sondersitzungen-noetig-die-naechste-klage-der-afd-gegen-den-halleschen-stadtrat/
Schon nach dem dritten Urteil sagte ich dem Beigeordneten:
„Bisher habe ich mich ja an der Sturheit Ihres Stadtrates nur dumm verdient. Würde mich aber gern noch dumm und dämlich verdienen.“
„Ich fürchte, sie haben es jetzt begriffen.“ Erwiderte dieser.
Hm, hätte ich jetzt noch mit ihm ne After-Show-Party machen sollen?
Haste dich in der Tür geirrt?
Kann passieren.
Liane und ich sehen einander ja recht ähnlich.
Ihr Thread: nebenan
Mein….hust….Thema hier.
Schaffste schon.
Übrigens, Herr Kollege Kubanke,
kann man sich als Anwalt an der Ungebildetheit der Partyfreunde in den Rathäusern noch immer dumm und dämlich verdienen. An dieser z.B.: https://www.bild.de/politik/inland/hoecke-rausgeworfen-dortmunds-ob-stoppt-afd-event-69983c90ee35d0f0647c1b51
Dicht am Thema.
Es gibt offenbar noch ein paar aufrechte konservative Demokraten in der CDU. Dank an diesen OB.
Hat abermals nichts mit Ulfs Text zu tun, Herr Zimmer.
Ich bin überzeugt, lieber Ulf Kubanke:
Mein „Verteidiger“ am 14. September 1984 vor dem Obersten Gericht der DDR und mein Ankläger und meine drei Richter, von denen ich hier erzähle …
https://starke-meinungen.de/blog/2026/02/17/als-ich-vor-gericht-nicht-das-letzte-wort-hatte/
Die machten hinterher auch noch eine After-Show-Party.
Kondolliere
Dicht am Thema
U.K.: ‚Ein Hauch episches Theater oder doch fieser Schauprozess?
Schauprozess? Weit gefehlt.
Es ist offenkundig das Gegenteil … handelt es sich um das Gegenstück zum Schauprozess.‘
… doch, doch, werter Hr. Kubanke, ein Schauprozess, ein ‚geplatzter Schauprozess‘. Das unterstelle ich mal rotzfrech.
Ein ‚geplatzter Schauprozess‘ beschreibt ein Gerichtsverfahren, das – obwohl ursprünglich als inszenierte Veranstaltung mit vorbestimmtem Urteil geplant – vorzeitig abgebrochen wird oder nicht das von den Machthabern [sic!] gewünschte Ergebnis liefert.
Definition: Ein Schauprozess ist eine öffentliche Inszenierung, oft in Diktaturen, [sic!] um Gegner einzuschüchtern.
Es gibt historische Beispiele; ‚DDR‘, Harich/Janka-Prozess (1957): Die Stasi inszenierte einen Schauprozess gegen kritische Intellektuelle. Obwohl die Urteile feststanden, dokumentieren Tonbandprotokolle, dass die Angeklagten nicht immer wie gewünscht gestanden, was den Schauprozesscharakter teilweise entlarvte.
… kann aber noch werden, werter U.K., müssen die Sozialisten halt noch ein wenig üben. 😉
… ich verrate Ihnen aaaber nix Neues; jede Diktatur, insbesondere eine rot-braun-grün-sozialistische, scheitert von Anbeginn. Die Historie mit seinen -zig gescheiterten Sozialismus/Kommunismus-Versuchen innerhalb der letzten 100 Jahre auf verschiedenen Kontinenten, unter verschiedenen wirtschaftlichen und kulturellen Bedingungen sind der Beweis. Nur Bekloppte sind noch der Überzeugung; beim nächsten Mal klappt ’s bestimmt!‘
Bekanntlich hat die Jury ein sofortiges AfD-Verbot abgelehnt. Es war kein Schauprozess. Frédéric Schwilden und mir gelang es, die Jury insoweit zu überzeugen:
„Dass die Geschworenen sich so weit von mir und meiner Kollegin Liane Bednarz überzeugen lassen konnten, dass die AfD nicht sofort verboten werden soll, hat mich und viele andere sehr überrascht. Und es zeigt, Argumente können doch noch überzeugen. Man muss es nur versuchen. Und nur, weil andere pöbeln, sollte man es selbst nicht tun.“
https://www.welt.de/politik/deutschland/plus6994bda66e842744e5c58bcc/prozess-gegen-deutschland-vorurteile-rassismus-sexismus-und-klassismus-und-zwar-von-links.html
Sicher waren auch Sie zur After-Show-Party eingeladen, liebe Liane Bednarz.
Selbstverständlich. So wie das bei Premieren im Theater ist. Erst recht bei einem einmaligen Stück. Ensemble & Zuschauer & Regie des Stücks. Spannende Gespräche.
Fr. Bednarz, Ihr Zitat: ‚Dass die Geschworenen sich so weit von mir und meiner Kollegin Liane Bednarz überzeugen lassen konnten, dass die AfD nicht sofort verboten werden soll, … ‚
‚ … die AfD nicht sofort verboten werden soll … au-haua-ha. Mag sein, das Martensteins ‚Plädoyer‘ vom Verbot der AfD vorerst abhielt. Für mich aaaber ist dieser Passus inszeniert, ein Nachweis eines geplatzten Schauprozesses eben.
In der ‚BRD‘ gibt es beim Schwurgericht keine Geschworenen. Schöffen sind keine Geschworenen. Im anglo-amerikanischen Rechtssystem aaaber, also Jury und Geschworene … 😉 … sähe das Urteil wohl wie aus?
Es war ein Fantasiegericht, deshalb auch die Geschworenen. Ein Theaterstück. Kunst. Kein reales Gericht nach deutschem Prozessrecht.
… na ja. Wenn das ein ‚Fantasiegericht‘ sein sollte, würde die Fairness es gebieten CDUCSUSPDFDPLINKESED auch auf die Anklagebank setzen. Ich mach‘ gern den Kläger. 😉 Das wäre dann ein Prozess gegen die ‚BRD‘-Politik. Ein Prozess gegen Deutschland, wie kolportiert, ist, zumindest fragwürdig. Meine ich.
@Hans
Theater, Hans, Theater. Verwechseln Sie es bitte nicht mit der Realität.
https://www.welt.de/kultur/theater/plus6991e9a391e70faa33106e40/bochum-und-dann-attackiert-das-publikum-den-schauspieler-der-den-faschisten-spielt.html?fbclid=IwY2xjawQEB31leHRuA2FlbQIxMQBzcnRjBmFwcF9pZBAyMjIwMzkxNzg4MjAwODkyAAEeB0TZXcyPXrSitPAdVupMedg_Z2AmEsdp2c99IAJIb7B8G1g_JdH-GzBlur0_aem_4pQIP9J6ra2P4OcuhFKv5g
Nachtrag zu; ‚das wäre dann ein Prozess gegen die ‚BRD‘-Politik‘. Vorsitz beim Fantasiegericht. … no comment.
… und ein Ausschnitt des Schauprozesses. (Übrigens das erste Mal, dass ich Deniz Yücel Respekt zolle.)
„Sicher waren auch Sie zur After-Show-Party eingeladen, liebe Liane Bednarz.“
sagt Bodo Walter
Und hey: in der Tat kann ich bestätigen – Überraschung – die Aftershowparty ist
f ü r
das Ensemble.
….merkste selbst…
Uund für die Theaterbesucher! Genau das hat die Aftershow-Party ja so spannend gemacht! Unmittelbarer Austausch mit dem Publikum!
Ja, Sozialismus ist diese große Kunst, in der „Ankläger“ und „Verteidiger“ ein harmonisches Ensemble bilden, lieber Ulf Kubanke.
Walther schreibt sich übrigens mit „th“.
https://starke-meinungen.de/blog/2026/02/17/als-ich-vor-gericht-nicht-das-letzte-wort-hatte/
Ja, genau, wahnsinnig inline mit der Anklage, wie Frédéric Schwilden Jean Peters, Andreas Kemper und Erik Ahners befragt hat. Und wie ich ausgebuht wurde, als ich die Gewaltbereitschaft von Teilen der Antifa ansprach. Und wie man ausflippte im Publikum, als ich den Vertreter der Linkspartei, der die Versammlungsfreiheit vorgeblich hochhielt, fragte, was er denn dazu sagt, dass linke Demonstranten die Zufahrtsstraßen zum Gründungstag der „Generation Deutschland“ blockierten. Ich muss Ihnen, Herr Walther, keine Leistungsbeweise erbringen. Wenn Sie meinen, ausgerechnet AP auf dessen FB-Seite provozieren zu wollen, und mich hier, tun Sie das, wenn Ihnen das so viel Spaß macht. Ich werde bis auf den Kommentar hiernach ab sofort nicht mehr darauf reagieren.
Bodo W. „…schreibt sich mit „th““
Sorry, ich schreibe nicht mit den Augen.
…das wissen natürlich nur jene, die den Artikel auch lesen.
🍷
Mit „ausgerechnet Alan Posener auf dessen facebook-Seite provozieren“, meinten Sie, liebe Liane Bednarz, sicher das:
https://www.facebook.com/alan.posener/posts/pfbid0qgUVNTZ3yfo8uUR7H1HChBD8BYCmUcjgdhrbXTMP2ezMrZPniiUBkF3eGFSnYL5al
Ich will Ihnen mal VERSUCHEN zu erklären, warum ich 1984 lange 9 Monate in Untersuchungshaft beim Ministerium für Staatssicherheit und anschließend in Bautzen war.
Vergessen Sie erst mal alles, was dazu in Lehrbüchern an Westberliner Gymnasien steht von „Stasi-Willkür“ und so. Ich wurde nicht verhaftet, weil da drei Offiziere gewürfelt hätten um die Frage:
„Wen vorhafd’n mor denn nu?“
Ich wurde verhaftet, weil „Provokation“ in einer Diktatur verabscheuungswürdig, wenn nicht gar strafbar ist.
Anders als in einer offenen Gesellschaft. In dieser ist „Provokation“ die (mitunter) spitzeste Spitze in der wörtlichen Auseinandersetzung.
Wie gesagt, ist ein ErklärungsVERSUCH.
https://starke-meinungen.de/blog/2026/02/17/als-ich-vor-gericht-nicht-das-letzte-wort-hatte/
Es freut mich, lieber Herr Walther, dass Sie wieder konstruktiver sind. Vorab: ich habe den allergrößten Respekt vor Ihrer Vita! Ich bin mit dem Thema aufgewachsen; meine Eltern haben heimliche Dissidenten in der DDR unterstützt. Über sehr viele Jahre. Mein Vater, Soloposaunist bei den Wuppertaler Bühnen, war eng befreundet mit Hans Hombsch, Bassposaunist der Dresdner Staatskapelle (https://www.hans-hombsch.de/). Immer wenn es Gastspiele in NRW gab, konnte er bei uns sein, manchmal brachte er andere Blechbläser mit, meine Mutter hat gekocht, damit die Spesen für den Intershop zu Hause gespart werden konnten. Jedes Telefonat war codiert, weil er und meine Eltern immer damit rechneten, die Stasi könne mithören.
Ich war vor ein paar Jahren in Bautzen. Grauenvoll. Nicht auszudenken, was Sie durchgemacht haben. Ich war schockiert, das alles vor Ort zu sehen. Ich war auch schon in Hohenschönhausen.
Was ich aber nicht verstehe – und wie gesagt, ich sehe, dass Sie konstruktiv werden – ist, dass Sie auf erst mich, dann Alan so losgehen. Einen liberaleren Geist als Alan werden Sie kaum finden. Was kann er denn für den Text unter einem Video mit ihm? Ich habe auf der Bühne drei Tage lang nachgewiesen, warum ein AfD-Verbot nicht geht, und Sie greifen mich an? Ich verstehe es nicht. Lesen Sie hier:
„Bednarz versuchte über drei Tage hinweg, das mehr als 1000-seitige Gutachten des Bundesamtes für Verfassungsschutz als unhaltbaren Schnellschuss der früheren Innenministerin hinzustellen, was ihr mutmaßlich auch gelingen sollte.“
https://www.stern.de/kultur/afd-verbot-auf-der-theaterbuehne–ein-prozess–der-eine-farce-war-37136830.html
Und ja, es gelang mir: Die Jury hat ein sofortiges Verbot abgelehnt. Ich habe minutiös erklärt, warum das juristisch nicht geht und ich es auch politisch für falsch halte. Ich will keine Gedanken verbieten, ich will mich mit Gedanken im Diskurs auseinandersetzen. Sie haben vermutlich keine Vorstellung davon, wie ich von Linken beschimpft werde für das Theaterstück, aber auch für das Interview mit Benedikt Kaiser.
Bin gespannt auf Ihre Antwort.
Ich möchte noch darauf eingehen, warum die AfD nicht als Angeklagte im „Prozess gegen Deutschland“ geladen war. Es gab schon einmal einen ähnlichen „Prozess“ von Milo Rau, und zwar 2024 in Wien gegen die FPÖ. Also mit der FPÖ auf der Anklagebank (https://www.derstandard.at/story/3000000223189/theater-reality-show-mit-frauke-petry-fpoe-bei-den-festwochen-auf-der-anklagebank). Vertigt wurde sie von Frauke Petry und Marcus Pretzell. Beim „Prozess gegen Deutschland“ blieb hingegen bewusst diffus, wer mit „Deutschland“ angeklagt ist. Zum Bsp. konnte man sich damit auch diejenigen vorstellen, die gegen ein AfD-Vebot sind oder speziell diejenigen, die es einleiten könnten, aber nicht tun,. Es saß also nicht die AfD selbst auf der Anklagebank.
Davon abgesehen wundert mich an Ihrer Kritik, dass kein AfD-Vertreter verteidigt hat (was auch andere, nicht nur Sie monieren), dass offenbar nicht gesehen wird, dass es viel objektiver und damit wirkungsvoller ist, wenn AfD-Kritiker wie Frédéric Schwilden und ich uns gegen ein Verbot ausssprechen. Dass AfD.ler das tun, ist ja klar. Bei uns hingegen war das nicht unbedingt zu erwarten. Hätte ich ein AfD-Verbot aus juristischen Gründen für notwendig gehalten, hätte ich die Verteidigung nicht übernommen. Ich halte das Verfassungsschutzgutachten tatsächlich nicht für ausreichend. Und im Schlussplädoyer habe ich den Geschworenen nochmals eindringlich gesagt, dass es hier um Recht geht und dass man das Rechtsstaatsprinzip gerade dann hochalten muss, wenn man jemanden nicht mag. Man darf sich nicht von Emotionen leiten lassen. Und Sie haben ja gesehen, dass wir die Jury davon überzeugen konnten, kein unmittelbares Verbot auszusprechen. Die Enttäuschung des größen Teils des Publikums darüber sprach für sich.
Ja, deine Ansicht.
Haben wir hier pro und Contra
Aber diese Erstsemester-Tricks des rhethorischem Giftschranks gebe ich mir natürlich nicht.
Denn du vermeidest
Auf mich einzugehen
Aber denn man tau
Es war eine Werbeveranstaltung mit dem Zweck der Verharmlosung der AfD.
War es weder noch. Ich empfehle dieses Interview mit dem Regisseur Milo Rau, der definitiv keinen solchen Zweck verfolgte:
https://www.swr.de/kultur/buehne/milo-rau-inszeniert-afd-verbotsverfahren-am-thalia-theater-100.html
Ganz generell zu Milo Raus Haltung sollte man dieses Interview anhören: https://www.deutschlandfunkkultur.de/historische-zaesur-oesterreich-steht-vor-fpoe-gefuehrten-regierung-dlf-kultur-05abacc4-100.html
Wie soll ich denn da ins Gespräch kommen?
Hast du den Artikel überhaupt gelesen?
Tja…
‚Sag mir, mit wem du gehst, und ich sage dir, wer du bist‘
Wiki, u.a., über Rau:
… ‚linksradikaler Kulturbetriebler‘ der ’sich als zuverlässige Stütze des Bestehenden‚ erweise
… ‚predigt‘ einseitigen Antikapitalismus, für den ‚der kapitalistische Westen auf die Anklagebank‘ gehöre, während er vergleichbare Missstände im Realsozialismus oder vormodernen Gesellschaften übersehe.
… ein ‚wenig originelles, aber wirkmächtiges ideologisches Weltbild‘ … ‚Regisseur mit durchaus begrenzter historischer Bildung‘
Schweizer Käse also. Warum wohl wundert mich Raus Machwerk nicht wirklich?