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So was wie ein Nachruf …

Rüdiger ist tot. Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Magdeburger Landtag. Er wurde nur 58 Jahre alt.

Rauchte nicht, trank nicht, trieb Sport, …

In all diesen Dingen war ich ihm unterlegen.

Die Wende hatte ihn 1990 als Zeitsoldaten der Nationalen Volksarmee in der Kaserne zu Weißenfels erwischt.

Unteroffizier. Umzuschulen in einen Zivilberuf gemäß Anlage I, Kapitel XIX B II, § 6 Absatz II des Einigungsvertrages:

„(2) Für die Eingliederung in das zivile Berufsleben gelten die Vorschriften des Arbeitsförderungsgesetzes, insbesondere für Maßnahmen der beruflichen Ausbildung, Fortbildung und Umschulung. Durch den Berufsförderungsdienst der Bundeswehr wird zusätzliche Hilfestellung gewährt.“

Der Berufsförderungsdienst der Bundeswehr verankerte den damals 24-Jährigen im Weißenfelser Landratsamt und schulte ihn zum Beamten des gehobenen nichttechnischen Verwaltungsdienstes um. Er lernte schnell und gut. Bald schon war er in dem Haus „der Rüdiger, den man alles fragen kann zu diesem Paragraphenzeugs“.

Selbst als er ab 1994 schon das Verwaltungsamt der Verwaltungsgemeinschaft Teucherner Land leitete, riefen ihn die alten Kollegen aus Weißenfels noch an: „Rüdiger, wie geht das?“

Obwohl oder vielleicht gerade weil er katholisch aufgewachsen war, konnte er nicht mit dem Weißenfelser CDU-Klüngel, ging in die SPD und auch die kam dann kaum noch ohne ihn aus.

Als er 2001 zum Weißenfelser Landrat kandidierte, wollte keiner in der CDU gegen ihn antreten. Curt Becker, also der Mann, der seinen Geburtsort dann an André verkaufte, rief mich gerade frisch nach Weißenfels Gezogenen in sein Naumburger Rathaus.

Und schlug mir vor, ich solle das doch machen.

Teil des Wahlkampfes war eines dieser Langstreckenläufe, die Rüdiger so liebte. Ich keuchte neben ihm her:

„Ich bin der Ältere, sagen wir Du? Bodo.“

„Rüdiger.“ Keuchte er zurück, und reichte mir die Hand.

Das behielten wir selbst dann noch bei, als ich als Berater der AfD-Landtagsfraktion im Magdeburger Parlament unterwegs war und wir uns dort auf den Fluren begegnete.

Nö, zur Landratswahl 2001 war das Höchste, was ich zu meiner Überraschung erreichte, dass er die absolute Mehrheit verfehlte und es zur Stichwahl kam. Und in der Stichwahl wurde er „mein“ Landrat.

Später, als ich mich entgegen seiner eindringlichen Warnung selbst zu einem Leiter eines Verwaltungsamtes einer Verwaltungsgemeinschaft wählen ließ, war er dann im Landtag und „mein“ Staatssekretär.

„Der Minister, der Holger und ich, wir haben uns das aufgeteilt. Er ist im Norden unterwegs, ich im Süden.“ Sagte er.

Ein Traumpaar, die beiden. Holger ist ja auch ein Umgeschulter aus der Nationalen Volksarmee. Wollte mal Politoffizier werden. 

Rüdiger ist tot. Er rauchte nicht, trank nicht und trieb Sport, …

In all diesen Dingen und noch noch ein paar anderen war ich ihm unterlegen.

Möge er ruhen in Frieden. Und das ewige Licht leuchte ihm.

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Über Bodo Walther

Bodo Walther, geboren 1960 in Weißenfels im heutigen Sachsen-Anhalt, studierte 1985 bis 1991 Rechtswissenschaften in Tübingen und Bonn. Er war aktiver Landes- und Kommunalbeamter in Sachsen-Anhalt, ist heute im Ruhestand und Anwalt in der Nähe von Leipzig.

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