„Aufarbeitung“, so erklärt die deutschamerikanische Juristin Inga Markovits ihrem englischsprachigen Publikum, „ist ein äußerst deutsches Wort.“
Aufarbeitung ist nicht Geschichtsschreibung, schon gar nicht Geschichtswissenschaft. Um wieder Inga Markovits zu zitieren:

„Aufarbeitung meint, über die Vergangenheit zu Begriffen zu kommen. Aber zu wessen Begriffen?“
Und sie weist darauf hin, dass „Aufarbeitung“ im Deutschen auch eine Doppelbedeutung habe („Freudian connotation“): Es bedeute auch, ein altes Kleidungsstück so umzunähen, dass es aussieht, als wäre es neu („Ein Kleidungsstück aufarbeiten“).
Nicht ganz wortgetreu übersetze ich das manchmal mit:
„Aufarbeitung ist auch die Wiederverwertung von Lumpen.“
Das hat mir schon Meldungen aufmerksamer Melder bei diversen staatlichen Aufarbeitungseinrichtungen eingebracht.
„Bodo Walther?“
So fragte mich die Leiterin der Gedenkstätte Kassberg, als ich diese vor sechs Monaten mit meinem Sohn besuchte. Um ihm das Haus zu zeigen, aus dem heraus ich einst die DDR verließ.
„… der Name sagt mir was.“
„So? Muß ich mich da jetzt sorgen?“
Das Zitat Markovits‘ entstammt ihrem Aufsatz: „Aussortierte Erinnerung. Wie Gesetze unser Erinnern und Vergessen verändern. Der Fall Ostdeutschland. Selective Memory: How the Law Affects What We Remember and Forget about the Past: The Case of East Germany
Des Ministers für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik und seines Apparates werde erinnert. Die übrigen Mitglieder des DDR-Ministerrates werden vergessen.
Eine in den 1990er Jahren durchaus gewollte Unterscheidung des Ossis in Gut und Böse. Die mit Geschichtswissenschaft so wenig zu tun hat wie die Behauptung, die Wehrmacht sei eine Versammlung von Ehrenmännern gewesen und die Waffen-SS eine Bande von Verbrechern.
Aber wenn eine Diktatur zusammengebrochen ist, kann man nicht alle dieser DDR-Staatsangestellten, die nun einmal 99 % der Berufstätigen der DDR mittelbar oder unmittelbar waren,…
… kann man die ja nicht alle zu Schergen der Diktatur erklären. Den weit überwiegenden Teil der Bevölkerung braucht man, um einen neuen Staat zu tragen.
Übrigens: Wussten Sie, dass auch das in der DDR existierende Staatliche Amt für Preise neben dem Minister für Staatssicherheit Mitglied in diesem DDR – Ministerrat war? Ein staatliches Amt für Preise legte in der DDR Herstellungspreise fest. Wieviel also mein Vater in seiner Weberei für jeden Schussfaden in einem Gewebe verlangen durfte.

Das Amt legte aber auch Verkaufspreise fest. Dass für Wohnraum höchstens ein Mietpreis von 1 DDR-Mark und 20 Pfennig verlangt werden durfte, zum Beispiel. Warmmiete übrigens, also inklusive Wasser, Abwasser und Heizung. Strom wurde auch in der DDR vom Mieter gesondert abgerechnet.
Wer sich an die Vorgaben dieser DDR-Institution nicht hielt, den konnten aufmerksame Zeitgenossen bei diesem Amt für gerechte Preise melden. Dann nahm die Gerechtigkeit aber ihren Lauf, sag ich Ihnen!
Na ja, werden Sie vielleicht sagen, da gebe es doch einen Unterschied zwischen dem Ministerium für Staatssicherheit, unter dem die 17 Millionen DDR-Bürger gelitten hätten und diesem Preisamt, das mit seiner Mietpreisbremse doch eher ein Segen gewesen sei?
Aber sind Sie sich da sicher?
Litt nicht die Masse der DDR-Bürger unter dem Wohnungsmangel und dem Verfall der Städte, der nun einmal aus Wunschpreisen für eine Wohnungsmiete resultiert? Weil auch eine Wohnbaugesellschaft in sozialem, also staatlichen oder kommunalen Eigentum, ein Mindestmieteinkommen braucht, um zu bauen? Sogar die „Wiener Wohnen„?
Von den Kosten des Erhaltes von Wohnraum ganz zu schweigen! Von den 60 DDR-Mark Miete, die mein Vater dafür erhielt, dass er einen Mieter in seine Doppelhaushälfte zugewiesen bekam … Also davon konnte er doch das Dach nicht neu decken.
Und andersherum: Litten „die DDR-Bürger“ wirklich unter dem Ministerium für Staatssicherheit?
3.000 Verhaftungen durch das Ministerium jährlich betrafen doch „nur“ 0,0176 % der Gesamtbevölkerung, also einen Promillebereich. Die immer wieder bemühten Zersetzungsmaßnahmen des MfS durch „Operative Vorgänge“ betrafen gar nur einige hundert Menschen.
Und was waren das auch für Menschen, mit denen sich „die Stasi“ beschäftigte?
„Die Hauptsorge amnesty internationals“, so heißt es in den Jahresberichten der Organisation in den 1970er und 1980er Jahren zur DDR, „gilt der Verhaftung von Menschen, welche die DDR verlassen wollen.“

Ausreiseantragsteller also. Die Hälfte der jährlich 3.000 vom MfS Verhafteten war direkt einer versuchten Republikflucht beschuldigt. Strafbar nach § 213 des Strafgesetzbuches DDR.
Litten „die DDR-Bürger“ darunter? Wollte wirklich die auch nur Mehrheit von ihnen abhauen? Es gibt keinen Staat auf dieser Welt, wo dies der Fall wäre. Die Mehrheit der Menschen will in ihrer Heimat bleiben, selbst wenn dort der Teufel auf der Straße tanzt. Und vielleicht sogar gerade dann. Weil „man“ die Familie doch nicht verlässt in solch einer Lage.
„Aufarbeitung“ ist eben keine Geschichtswissenschaft. Sondern Geschichtspolitik.
„There is much talk today in Germany about the AUFARBEITUNG (literally, the >>working over<<) of its recent history – a very German word that is usually translated as >>coming to terms with the past<< (on whose terms?) but that also evokes Freudian connotations …,
… and that, in a more mundane and domestic meaning, also can be used to describe the remodeling of an old garment (>>ein Kleidungsstück aufarbeiten<<) to make it look as good as new.“

„Heute wird in Deutschland viel über die AUFARBEITUNG der jüngeren Geschichte gesprochen – ein sehr deutsches Wort, das üblicherweise mit „Zur Vergangenheit in Wertungen kommen“ (zu wessen Wertungen?) übersetzt wird, das aber auch freudianische Assoziationen weckt …
In einer eher banalen und häuslichen Bedeutung kann es auch verwendet werden, um das Aufarbeiten eines alten Kleidungsstücks zu beschreiben, damit es wieder wie neu aussieht.“
Die Bezeichnung „Notlügen“ halte ich für unpassend, lieber Herr Posener. Vielleicht sind das ja „Meme“ (ich habe gestern nochmal Teile unserer Diskussion zum Thema aus der Schirrmacher-Doskussion nachgelesen), wobei ich bis heute immer noch nicht verstehe, was das eigentlichsein soll.
Hatte nach der Mark Carney Rede und der Havel-Geschichte nochmal nachgelesen, wie wir hier über die „Lebenslügen“ unserer westlichen Welt diskutiert hatten.
Und da ist es doch recht spannend, dass eine der wichtigsten Erzählungen des „guten Westen“ bei den Leuten in der DDR, die damals als erste auf die Strasse gingen, durchaus verfangen hat. Spannend ist auch, dass Sie diesen gar nicht erwähnen. Er lautete: „Wir sind das Volk!“
Und da müssen wir so ehrlich wie Carney sein und zugeben, dass das auch ein Irrtum ist. Das ist eine Fiktion, ein Idealbild, dem man sich vielleicht in den 70ern bei uns und noch etwas länger in Skandinavien anngenähert hatte, aber der aktuelle globalisierte Kapitalismus in seiner Extremform mit seiner Tendenz zur Monopolbildung und Kapitalkonzentration begünstigt die Tendenz zur Technokratie.
Aus dieser kranken Theorie entstammt ja auch die Idee, dass Canada und Grönland zu Amerika gehören müssen.
Die Analysen von links und rechts, dass wir ein verkrustetes System haben, dass von wenigen nicht gewählten Eliten gesteuert wird, ist doch nicht zu leugnen.
Schauen Sie sich an, wie weit das in Amerika schon ist. Musk, Thiel oder aktuell Lauder:
https://www.theguardian.com/us-news/2026/jan/15/ronald-lauder-billionaire-donor-donald-trump-ukraine-greenland
Was Carney für die Internationale Politik ausgeführt hat, gilt teilweise auch für unsere „kleine“ Politik. Die Leute sind es satt, die Schilder mit:
„Alle haben die gleichen Chancen“
„Wir sind eine soziale Marktwirtschaft“
„Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“
„Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“
„Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“
„Jeder hat das Recht seine Meinung…“
Fragen Sie doch mal die im Osten, wie selbstbestimmt die sich fühlen. Fragen sie mal den Mieter, ob er das Gefühl hat, dass Vonovia sich an den 2. Satz der Eigentumsgarantie hält. Fragen Sie all die „Neubürger“ (teilweise in 4. Generation und mit deutschem Pass) doch mal, wie sich die Chancengleichheit, von denen Sie ihnen was in der Schule erzählt haben, für jemanden anfühlt, der nicht Hans heisst sondern Cem, der zum Beten in die Moschee geht und nicht zum Beichten in die Kirche, der nicht in Wilmersdorf oder Steglitz aufgewachsen ist und ein Internat besuchen durfte, sondern in Hellersdorf oder im Merkischen Viertel „gross“ geworden (oder klein gehalten?) wurde.
Unser ach so schönes gutes System ist auch im „kleinen“ absolut unsymmetrisch, wie es Carney sagen würde.
Und kommen Sie mir nicht, es sei das beste unter den schlechten, das ist es schon lange nicht mehr, denn wenn wir es nicht schaffen uns ehrlich zu machen, werden wir die Mrnschen verlieren und die Menschen werden sich an den Funken Wahrheit in der „Lebenslüge“ erinnern, die da lautet: „Wir sind das Volk!“
Wenn wir Glück haben, geht es dann leicht nach links, wenn wir Pech haben ganz nach links oder ganz nach rechts.
Die Option, leicht nach rechts haben wir ja schon und die löst offenbar die Probleme nicht. Was ich unter leicht nach links meine, ist eine Politik, wie sie die sozialliberale Koalition ab 1969 betrieben hat, mit enorm positiven Auswirkungen bis heute. Und ich meine das nicht 1 zu 1, sondern vom Konzept her. Man hat damals sich die drängenden Probleme und Reformstaus angeschaut und eine moderne Gesellschafte entwickelt. Dazu sind Leute wie Klingbeil, Bas oder Pistorius gar nicht in der Lage. Die erinnern mich immer an Grothewohl und Pieck in ihren zu grossen Funktionärsmasskonfektionsanzügen, Modell Chrustchow für Arme.
Nur kurz zur Klarstellung:
Die Prinzipien des Grundgesetzes und des Völkerrechts unterstütze ich weiterhin vollauf. Es wird aber kein friedliches Zusammenleben geben, wenn sie nur für einen Teil der Menschen gelten und für andere nicht, bzw. wenn sich die einen dran halten, die anderen aber glauben, sie hätten ältere, bessere oder mehr Rechte. Dann bricht das System irgendwann zusammen.
Und dann noch kurz zu den Technokraten, die ich im Zusammenhang mit Grönland erwähnt habe:
Das sind krude Gedanken die über Leute wie Musk und Thiel aus dem letzen Jahrtausend übernommen worden sind. Das ist sowas ähnliches wie das mit der Meritokratie von Michael Young. Hatten wir auch schonmal bei Schirrmacher:
Wikipedia „Meritokratie“:
„Der Begriff Meritokratie wurde erstmals 1958 von Michael Young in seiner Satire Rise of the Meritocracy (deutscher Titel: Es lebe die Ungleichheit: Auf dem Wege zur Meritokratie) verwendet. Young benutzte den Begriff, um eine zukünftige Gesellschaft zu beschreiben, in der die gesellschaftliche Position des Einzelnen durch Intelligenz (gemessen durch den Intelligenzquotienten) und Einsatz bestimmt ist. Die utopische meritokratische Gesellschaft entwickelt sich darin zu einer elitären Gesellschaft, deren Führer sich über der breiten Masse stehend sehen und letztlich gewaltsam abgesetzt werden.“
https://starke-meinungen.de/blog/2014/06/17/das-ende-von-etwas/comment-page-5/#comment-27121
Das beschreibt doch ganz gut die derzeitige Situation in Amerika, denke ich. Der letzte Satz macht doch Hoffnung, wobei ich gegen eine gewaltsame Absetzung bin.
Was die „Ossis“ „friedlich“ geschafft haben, schaffen wir doch wohl auch!?
Oder sind unsere Leader die böseren und gewalttätigeren Typen, die sich friedlich nicht absetzen lassen und auf Wiederstand mit Gewalt reagieren? Gibt es einen Bürgerkrieg, oder enden wir, wie es Bart de Wever so treffend gesagt hat, als „miserable slaves“, weil wir keine Würde haben,uns zu wehren?
Hier noch ein Kurzvideo mit Bart de Wever:
https://www.youtube.com/shorts/dgDTSR0v4_E
Sie haben Recht, lieber Bodo Walther, und die vielfachen Notlügen der Vereinigung, als da wären „Wir sind ein Volk!“ oder „Die Ostdeutschen haben sich in einer friedlichen Revolution selbst befreit“ oder „Wer 56 Jahre in einer Diktatur gelebt hat, ist gegen Diktaturen gefeit“ oder eben „die Mehrheit war immer schon dagegen“ usw. usf. fallen uns jetzt auf die Füße. Eine weitere Notlüge heißt: Wer gegen das Regime war, ist automatisch ein gestandener Demokrat.
… es gab Millionen Menschen östlich der ehemaligen Demarkationslinie Deutschlands die sich Demokratie und Freiheit, von ’45 bis ’89, selbst erkämpft haben. Zu Lande, zu Wasser, in der Luft oder von den Sozialisten eingekerkert und verkauft.
Davon kann der ‚gemeine Wessi‘ nur
klugscheißenträumen.Die
‚Ostdeutschen‘Mitteldeutschen kennen die sozialistische Mörderbande – DAHER! geben auch sie nicht auf!Ich habe im Übrigen nix gegen den ‚Jammerlappen-Wessis‘. Menschen westlich der ehemaligen Demarkationslinie, denen ab ’45 versucht wurde die Demokratie zu erklären, mit der sie aber bis dato nix anzufangen wissen … aaaber; we shall overcome … … mögen sie ihren Gratismut wiederholen und wiederholen und wiederh … gääähn.
(Ausnahmen, auch hier im Blog, bestätigen … meine These.) 😉
… ooops? Korrektur
… es gab Millionen Menschen östlich der ehemaligen Demarkationslinie Deutschlands die sich Demokratie und Freiheit, von ’45 bis ’89, selbst erkämpft haben. Zu Lande, zu Wasser, in der Luft oder von den Sozialisten eingekerkert und verkauft.
Davon kann der ‚gemeine Wessi‘ nur
klugscheißenträumen.Die
‚Ostdeutschen‘Mitteldeutschen kennen die sozialistische Mörderbande – DAHER! geben auch sie nicht auf!Ich habe im Übrigen nix gegen den ‚Jammerlappen-Wessis‘. Menschen westlich der ehemaligen Demarkationslinie, denen ab ’45 versucht wurde die Demokratie zu erklären, mit der sie aber bis dato nix anzufangen wissen … aaaber; we shall overcome … mögen sie ihren Gratismut wiederholen und wiederholen und wiederh … gääähn.
(Ausnahmen, auch hier im Blog, bestätigen … meine These.) 😉
Ilko Sascha Kowalczuk ahat schon alles Nötige zu dem Blödsinn geschrieben, den Sie hier verbreiten.
„Eine weitere Notlüge heißt: Wer gegen das Regime war, ist automatisch ein gestandener Demokrat.“
Da schaue ich doch, lieber Alan Posener,
auf meine Pensionsmitteilung für Januar. Die Ruhestandsbeamte nun mal bekommen wechens der unzweifelhaften Treue zu unserer Freiheitlich-Demokratischen Grundordnung. Als gestandene Demokraten.
Und lächle versonnen ob Ihrer Worte.
Sicher, habs nicht so weit gebracht wie der Rüdiger oder der Holger. Aber ich bin doch ganz zufrieden.
… ja, genau, woher nimmt Alan Posener eigentlich die Gewissheit anderen Demokratie abzusprechen, keine ‚gestandenen Demokraten‘ zu sein? Als ob ein kommunistischer Funktionär, der er selbst war, dies beurteilen könnte … ts, ts, ts. Da reicht es man gerade für die ‚UnsereDemokratie‘ Oder? 😉
Ja, da fällt mir was zu ein, was mir seit einiger Zeit sehr bitter aufstößt: Natürlich handelt jemand, der sich gegen ein undemokratisches System mit der Absicht stellt, freie und geheime Wahlen zu ermöglichen, im Wortsinne demokratisch und ist also Demokrat. Was denn sonst? Alles was darüber hinaus behauptet wird, ist Propaganda. Außerdem gibt keine ‚unsere Demokratie‘, sondern nur eine Demokratie in einem Staat oder keine. Wenn sie nicht mehr für das ganze Volk gilt, ist sie schon im Wortsinn keine Demokratie mehr. Sondern Diktatur, Faschismus o.Ä.. Und wer eine Oppositionspartei oder unliebsame Medien verbieten will, ist in dem Moment KEIN Demokrat mehr, sondern will sie usurpieren um seine politischen Vorstellungen anderen aufzuzwingen. ‚Wehrhafte Demokratie‘ ist dafür der Euphemismus, der die Menschen manipulieren soll. Um das zu erkennen brauche ich nur ein Lexikon. Ob aber Demokratie und Rechtsstaat immer deckungsgleich sind und alle wählbaren Parteien intern demokratisch funktionieren, ist eine andere Frage, aber Demokratie ist eindeutig definiert und damit seine Gegner auch.
Dass Parteien „intern rechtsstaatlich funktionieren“, lieber Klaus J. Nick,
versucht das Parteiengesetz zu „regeln“. Mit § 14 desselben müssen Parteien ein parteiinternes Schiedsgericht haben. Das soll unabhängig sein von den Parteivorständen. Es soll Parteimitglieder vor „undemokratischen“ Entscheidungen derselben schützen.
Das ist ein frommer Wunsch.
In der Praxis funktionieren dieselben in allen Parteien als Filter vor den ordentlichen Gerichten, vor denen jedes Mitglied eines Vereins (das ja Parteien auch sind) gegen Maßnahmen der Organe des Vereins klagen darf. Auch gegen einen Parteiausschluß klagen darf:
Das Parteimitglied muß zuvor die innerparteiliche Schiedsgerichtsbarkeit ausgeschöpft haben.
Ein langwieriges Verfahren über mindestens zwei Instanzen (Die CDU hat in den meisten Flächenländern sogar drei Parteigerichts-Instanzen: Kreis-, Landes- und Bundesschiedsgericht.),…
Ein langwieriges Verfahren, in dessen Endergebnis das Parteimitglied in allen Parteien meist gar keine Lust mehr hat, weiterhin noch Mitglied in „dieser Partei“ sein zu wollen.
Lieber Bodo Walther, ich meinte bzw. ließ offen, ob „alle wählbaren Parteien intern demokratisch funktionieren..“. Daß sie rechtsstaatlich verfasst sind, steht, glaube ich, außer Zweifel. Daß in Parteien der gewählte demokratische Wille (über die Programme) nur mittelbar umgesetzt wird, mag seine historisch erwiesene Berechtigung haben, allerdings entwickeln Parteien zusehens ein Eigenleben, in dem der demokratisch festgestellte Volkswille keinen Platz mehr findet. Ich erinnere an die Causa Brosius-Gersdorf, wo der CDU vom Koalitionspartner SPD vorgeworfen wurde, daß sich bei der Abstimmung viele Abgeordnete nicht dem Willen der Parteigranden unterordneten. Hier zeigen sich die Grenzen des Wählers bzw. des sie repräsentierenden Abgeordneten (besonderes wenn er keine berufliche Alternative hat). Verschärft durch Bestrebungen, die größte Oppositionspartei zu verbieten. Man braucht kein Verfechter der direkten Demokratie zu sein, um da einen Abbau bei der Umsetzung des demokratischen Willens festzustellen. Wenn der Betrieb wichtiger wird, als dessen Kundschaft..
Da Sie, Bodo Walther, mich in einem Kommentar direkt ansprachen. 1.: Sie sollten doch wissen, was wir in der DDR über den NS und die Gründung der DDR gelehrt bekamen. Natürlich können Sie behaupten, das hat mich nie erreicht. Das traf nicht für alle zu. Deshalb schrieb ich einmal, dass es einer doppelten Aufarbeitung bedurfte. 2.: Den Satz mit den Lumpen halte ich für unanständig. 3.: Ja, ich kannte das Amt für Preise. Meine Mutter machte Preise in der Chemischen Industrie. Ein Kommilitone erzählte mir eine ähnliche Geschichte zum Zusammenhang von Eigentum, Mietern, Mietpreisen und dem Verfall. Das Thema beschäftigte mich damals wie heute. 3.: Die Wirkmächtigkeit der Stasi lässt sich m. E. nicht allein durch eine Statistik ausdrücken. Das Buch »Bilder der Allmacht« (Hsg. Dr. Kötzing) sammelt Beiträge mehrerer Autoren zur Darstellung der Stasi in Filmen, beginnend bei deren Gründung. Bereits sehr zeitig nutze das MfS Filme, um gleichzeitig Vertrauen, Feindbilder und Abschreckung aufzubauen. Ansonsten gab es immer auch das Hörensagen, die Erfahrungen der Familien und die daraus resultierenden Warnungen. Ich hatte eine Akteneinsicht beantragt, um zu prüfen, wie groß der Elefant im Raum wirklich war. Da scheint vieles vernichtet. Schon vor Jahren schrieb ich im Blog: Die DDR war nicht nur Stasi. Damit meinte ich auch, dass es auch andere Organe und Maßnahmen der Unterdrückung gab. 4. Die Geschichtswissenschaft, als Teil der Aufarbeitung, kann noch so viele Studien und Bücher schreiben, wenn die Menschen sich nicht damit auseinandersetzen, es abwehren und sich stattdessen um Bücher, wie von Dirk Oschmann oder Katja Hoyer „Diesseits der Mauer“, wie um ein wärmendes Lagerfeuer, versammeln. 5. Mit Aufarbeitung meine ich, neben der juristischen Aufarbeitung und der Aufarbeitung von Traumata, den fortgesetzten Prozess der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, die Untersuchung von Strukturen, die z. B. Missbrauch und Gewalt ermöglichten, der dahinterstehenden Ideologie und wie diese Vergangenheit heute fortwirkt. Individuelle Aufarbeitung kann ein schmerzhafter Prozess sein. 6. Sie könnten ja einen Beitrag dazu schreiben, warum Ihnen die Themen so wichtig sind, anstatt immer wieder die Aufarbeitung zu delegitimieren.
Stasi ist wahrscheinlich spannender in Filmen umzusetzen als Preisbildung. Im Buch »Die heile Welt der Diktatur« vom Historiker Stefan Wolle, das bereits 1998 erschien und noch immer im DDR-Museum in Berlin erhältlich ist, findet der Leser einiges zum Wohnungsmarkt der DDR und dessen Folgen S. 182ff. 2019 hatte der Historiker Hubertus Knabe als es um die »Mietpreisbremse« ging, die DDR in mehreren Artikeln als warnendes Beispiel genannt. Es fand also eine Diskussion statt. Der Begriff „Aufarbeitung“ war von Anfang an umstritten. Als ich ihn noch einmal googelte, entdeckte ich, dass bereits Adorno 1959 sich mit dem Begriff auseinandergesetzte. Mir sind Ihre Beiträge zur Aufarbeitung zu ICH-bezogen. So interessant und diskussionswürdig Ihre, Bodo Walther, persönlichen Erfahrungen (Flucht, Schwester, Vater) sind, m. E. dienen sie vor allem dem Delegitimieren politischer Gegner, während Sie zum Beispiel zur Geschichtspolitik der AfD schweigen. Dazu könnte Sie ja mal einen Beitrag schreiben, am besten beginnen Sie gleich mit Björn Höcke.
Es gibt meines Erachtens zur DDR keine „Geschichtspolitik der AfD“, liebe Kerstin,
jedenfalls keine einheitliche.
– Es gibt den unzufriedenen Ossi, der sich in DDR- Nostalgie flieht. Und
– Es gibt den unzufriedenen Ossi, der den Bonner Eliten vorwirft, nicht wirklich mit den überbliebenen DDR-Strukturen abgerechnet zu haben („Vollende die Wende.“).
Ines Geipel hat der AfD mal vorgeworfen ,
„… beide Milieus gleichzeitig abholen zu wollen. Was natürlich nicht geht.“
Persönlich (Ja, der Blick auf die Zeitgeschichte ist immer eine sehr persönliche Erzählung, weil der Erzähler auch Zeitzeuge ist. Und das bin nicht nur ich, das sind auch Herr Wolle, Herr Kowalczuk und Herr Knabe, den ich HIER zitiert habe und dessen Zitat ehrlicherweise damit beginnt, dass er es ist, der beobachtete...)…
…Persönlich halte ich diese Beobachtung Ines Geipels für zutreffend.
Mein Vorschlag zum Geschichtsbild der AfD hatte ich nicht auf die DDR begrenzt. Sie weichen erneut aus. Einen Gedanken noch zu diesem Beitrag. Hinter jeder Statistik verbergen sich Menschen. Manche Statistik wird genutzt, um einen Teil der Realität zu verbergen. Die Abgrenzung zwischen eigenem Erleben und objektiver Analyse ist sicher schwer, allerdings strebt ein Historiker nach objektiver Rekonstruktion der Vergangenheit. Da Sie wirklich jede Gelegenheit nutzen Ihre eigene Agenda zu verfolgen, beende ich das hiermit.
Korr.: Sollte heißen: statt „zum Geschichtsbild der AfD“ zur Geschichtspolitik der AfD.
Liebe Kerstin,
das „Prinzip Ausweichen“ ist hier im Blog sehr verbreitet. Ich habe in den letztem 15 Jahren hier viel gelernt. Besonders wenn man sich etwas Zeit genommen hat und einen Gedanken etwas ausgearbeitet hat und ei Kommentar etwas länger geworden ist, kann man sich darauf verlassen, dass irgend ein Nebenkriegsplatz an einem unbedeutenden Nebensatz angeheizt wird oder die Diskussion versiegt. Gerade bei APO musste man früher dann kurze prägnante Interventionen machen. Manchmal musste man auch provozieren oder immer wieder den Finger in die Wunde legen. Ist nervig, aber das ist ja auch eher ein Vanity Fair hier und das Recht eines jeden, hier mitzumachen, wie es einem Spass macht.
Allen ein schönes Wochenende nach einer Woche, wo ich irgendwann nicht mehr wusste, was Donald meinte, wenn er von ICE-Land/Island/Greenland sprach.
68er: Das Problem für mich ist nicht das „Prinzip Ausweichen“ – auch ich bin hier im Blog schon ausgewichen – sondern das wie. Einen Beitrag erwartete ich nicht. Ich hatte bereits eine längere Diskussion mit Bodo Walther bei Facebook, kenne also die Art seiner Kommunikation. Als ich dort zu Jugendwerkhöfen und Frauengefängnissen in der DDR schrieb, da kam als Antwort von Bodo Walther etwas zu „Berufsverbrechern“ in KZs und wer verhindert haben soll, dass diese nach 1945 in Ost- und Westdeutschland entschädigt wurden. Dass auch das Fortleben von Vorurteilen, Gesetzen und ein Mangel an Aufarbeitung dazu beitrug, ließ er dabei unerwähnt. Ich wollte immer aufklären und keine Feindbilder reproduzieren. Ich beneide jeden, der von sich sagen kann, er sei in seinem Leben noch nicht traumatisiert worden und deshalb nicht weiß, wie PTBS funktionieren. Andererseits empfinde ich es als Anmaßung, Menschen solche abzusprechen. Gleichzeitig verharmlost er damit die Folgen von Gewalt, wie sie in der DDR, aber auch im Westen, existierte. Schon in der DDR wurde uns gesagt, welche Gefühle wir wann und wo zu zeigen hatten. Abweichungen wurden bestraft. Vor Jahren zitierte ich hier im Blog dazu Prof. Maaz „Gefühlsstau“ von (1991). Kennen Sie den Roman »Zeitzuflucht« von Georgi Gospodinow? Was im Roman als Demenzprojekt begann, entwickelte sich bald zu einer Bewegung, da sich die Menschen nach einer Vergangenheit sehnen. Die Fragen sind nur: Gab es den Ort, den diese ersehnen überhaupt, so? und Ist er wirklich erstrebenswert? Wenn ja: Warum? Das allerdings wären dann Sachfragen.
PTBS, Posttraumatische Belastungsstörungen, liebe Kerstin.
wurden zuerst in den 1970er Jahren zu heimkehrende Vietnam-Veteranen in der US-Armee thematisiert. Als psychische Folge erfahrener Gewalt.
Schon damals merkte eine Minderheit in der US-Seelenklempnerzunft an, dass Vietnam-Veteranen nicht einfach „nur“ Gewalt erfahren haben und 58.220 US-Soldaten dort umkamen. Sondern dass Vietnam-Veteranen vor allem Gewalt ausgeübt haben, unter der zwischen 1,3 Millionen und 3 Millionen Vietnamesen umkamen. Da kennt man nicht mal die Zahlen, so viele sind es.
Und diese Minderheit in der US-Seelenklempnerzunft fragte, ob nicht die Diagnose PTBS der Versuch sei, ein schlechtes Gewissen wegzutherapieren. Der Soldat mag es seelisch verkraften, den bewaffneten Feind zu erschießen. Kollateralschäden hingegen verkraften gesunde Seelen in der Regel nicht. Obwohl sie zum Beruf des Soldaten gehören. Wenn er im Krieg zu lange überlegt, ob der Gegenüber bewaffnet oder ein Zivilist ist, ist er möglicherweise dann tot.
Und:
„Gewalterfahrung“ ist immer auch die Erfahrung, dass man selbst sich der Gewalt gebeugt hatte. Die Erzählung, dass „die anderen“ einen dazu gezwungen hätten, auch „gezwungen“ hätten, selbst Gewalt auszuüben, ist da sehr praktisch. Es ist aber nicht die ganze Wahrheit.
Übrigens:
Einweisungen der DDR-JugendHILFE in geschlossene Jugendwerkhöfe werden als eine schlechthin rechtsstaatswidrige Freiheitsbeschränkung von den Rehabilitierungssenaten erkannt, weil sich die Umstände dort nicht als ErziehungsHILFE eigneten. Auf die Vorwürfe gegen die Jugendlichen kommt es dabei nicht an.
Hilfe in der Erziehung seien Jugendwerkhöfe vor allem wegen der dort ausgeübte Gewalt nicht gewesen. Auch die Gewalt der „Selbsterziehung“ der Jugendlichen untereinander. Womit wir dann wieder bei der Frage wären, ob den vormaligen Jugendwerkhöfler „nur“ quält, dass er als Neuankömmling dort erst einmal von den Älteren gedemütigt und zusammengeschlagen wurde. Oder ob ihn auch der Umstand quält, dass er selbst als Älterer dann Neuankömmlinge gedemütigt und zusammengeschlagen hat.
Und die Diskussion, dass es sich dabei um „unschuldige Kinder“ gehandelt habe, ist unsinnig. Auf die Gründe der Einweisung kommt es bei der Rehabilitierung, wie gesagt, nicht an.
Noch übrigens:
Die religiöse Seelsorge der Antike kannte hier die Bilder der Furien bzw. Erinnyen. Der Rachegöttinen, welche die Seele für die begangene Tat (ja auch für die, zu der man sich in einer z.B. Armee oder in einem z.B. Jugendwerkhof gezwungen sah) ….
… quälen.
… ich habe mich nicht gebeugt und werden mich nicht beugen … und oh we can beat them, for ever and ever … we can be heroes …
Das haben Sie, Bodo Walther, mir schon bei Facebook so versucht zu erklären. Die PTBS ist keine Erkrankung, die nur Soldaten trifft, auch wenn diese zunächst im Zusammenhang mit dem Vietnamkrieg beschrieben wurde. Das die Ursachen unterschiedlich diskutiert wurden, heißt nicht, dass dies zu verallgemeinern wäre. Eine PTBS kann jeden Menschen nach Katastrophen, Unfällen, Gewalttaten oder Missbrauch treffen. Unabhängig davon, warum eine PTBS entsteht, Sie machen mit Ihrer Verallgemeinerung Opfer in anderen Zusammenhängen zu Tätern. Es geht auch nicht immer nur darum, was juristisch anerkannt wird, sondern welche Folgen es für die Personen hat.
Eine psychische Störung, das ist richtig, liebe Kerstin,
kann auch auftreten, wenn zum Beispiel das Verkehrsunfall-Opfer mehr tot als lebendig aus seinem brennenden PKW gezogen wurde.
Oder wenn er auch nur Augenzeuge eines gewaltsamen Todes wurde.
Die ständige Rechtsprechung sagt:
„Ist der Traumatisierte nach drei oder vier Jahren nicht wieder arbeitsfähig, liegt ein Vorschaden vor.“
Ich bestreite ja gar nicht, dass das Erlebnis ein Leben lang vorkommen wird in Angst und Angstträumen.
Mein „Lieblings-Angsttraum“ ist z.B., dass ich wieder in einer Stasi-Zelle sitze und deshalb den Prüfungstermin an der Uni verpasse.
Ich bestreite allerdings eine Regelvermutung, nach der bei solchen Angstträumen von einer Schädigung des psychischen Leistungsvermögens von mindestens 30 % wenn nicht gar 100 % auszugehen sei und eine Versorgungsrente fällig wäre.
Vielen Dank, Bodo Walther, dass Sie das so persönlich geschrieben haben. Ich möchte gern umfassender darauf antworten, doch es fehlt mir leider gerade die Zeit dazu. Ich wünsche Ihnen und allen anderen erst einmal ein schönes Wochenende.
Eine PTBS entsteht, wenn Menschen ein extrem belastendes Ereignis erleben, das die eigenen Bewältigungsmechanismen überfordert. Das Erlebte wird nicht verarbeitet, sondern durch Flashbacks, Vermeidung und ständige Alarmbereitschaft immer wieder durchlebt. Es gibt Menschen, die sich Jahrzehnte nicht erinnern können bzw. verdrängen. Schon Ihre Verwendung des Begriffs »US-Seelenklempnerzunft« zeigt m. E. Ihre Verachtung (Framing) gegenüber Fachleuten, die Opfern in solchen Situationen helfen wollen. Nun bin ich keine Sprachpolizei, nur drückt Sprache auch immer etwas aus. Wie man den Opfern am besten hilft und wie nicht, darüber könnte man diskutieren. Dafür werden m. E. Fachleute ausgebildet. Ein solcher bin ich nicht, weshalb mich auch nicht durch den von Ihnen eingestellte Text arbeitete. Bei Facebook schrieben Sie auf meinen Hinweis, dass die Bürger in der Moderne keine Leibeigenen mehr sind, denen physische und ja auch psychische Gewalt im Namen eines Staates entschädigungslos zuzumuten ist: »Ja „links“ ist ihr Ruf nach der Verantwortung des Staates, also seiner Regierung, für Ihren Seelenzustand, besser könnte man gar nicht beschreiben, wie Totalitarismus funktioniert.« Was soll daran Totalitarismus sein?
Warum ersetzen wir den Begriff „Aufarbeitung“ nicht einfach durch „aktive Auseinandersetzung mit der Geschichte der DDR“. Aufarbeitung ist tatsächlich, nicht nur wegen der Aufarbeitung von Klamotten, umstritten. Der Begriff kann einerseits zur Beschönigung („Nostalgie“) führen, andererseits zur totalen Delegitimierung :
DDR ausschließlich als Gefängnisstaat
Reduktion aller Biografien auf Anpassung oder Schuld
moralische Überlegenheit der Nachgeborenen.
Die 68er Bewegung hat auch nicht die Aufarbeitung der NS-Zeit zum Ziel gehabt sondern die bis zu diesem Zeitpunkt unterbliebene aktive Auseinandersetzung damit. Vorher wurde es einfach, weil unangenehm, verdrängt.
Meiner bescheidenen Auffassung nach, lieber Hans Happe,
ist Geschichtsschreibung immer eine Perspektivsache. Wer schreibt „die Geschichte“?
Da ist zum einen die Hand voll von DDR-Dissidenten, welche die DDR, die Alternative zur Bonner Republik, demokratisieren wollten. Die hat sich mit ihrer Erzählung als Deutungselite etabliert. Das war nach 1990 vom promovierten Historiker Dr. Helmut Kohl durchaus so gewollt. Er errichtete ihnen Ihre Aufarbeitungs-Spielwiesen, auf dass sie beschäftigt seien und sich nicht in seine Politik einmischten.
Da ist dann noch das Milieu derer, die schon mehrere Hand voll waren und die unter dem Grundgesetz in der Bonner Republik leben wollten und nicht in einer Alternative dazu. Die rüber machten. Diese Erzählung kommt allenfalls als Opfergeschichte vor, weil ja schon das Rübermachen-Wollen mit Verfolgung, oft mit Haft verbunden war.
Und dann gibt es die grosse Masse, die sich in der DDR durchwurstelten und zu denen ich auch meinen Vater zähle. Der seine Beitragsmarken in sein Blockflöten-Parteibuch klebte und auf bessere Zeiten hoffte.
Ich habe mal hier versucht zu erklären, warum ich mich heute eher mit meinem (verstorbenen) Vater solidarisieren würde.