
Wie kann man nur so eklatant versagen? Der Ball liegt auf dem Elfmeterpunkt. Das gegnerische Tor ist frei. Kein Torwart weit und breit. Deutschland ist bereit für eine radikale FDP, die sich wieder auf sich selbst besinnt. Aber die Partei will nicht schießen. Sie nimmt nicht einmal Anlauf. Warum?
Friedrich Merz und seine Union irrlichtern zwischen Retro-Konservatismus und Anbiederung an den Zeitgeist. Wir sind inzwischen Kanzler gewöhnt, von denen keine große Strahlkraft ausgeht. Olaf Scholz war meistens stur, stumm und unsichtbar. Kanzler Merz hingegen spricht. Immerhin. Er verspricht sehr viel. Laut und vernehmlich. Manchmal sogar unter Tränen. Doch bei seinen Wählern kommt wenig an. Jetzt versucht er es mit einem neuen Büroleiter, der sich um die Wirtschaft kümmern soll. Für eine Rückkehr zu Deutschlands wirtschaftlichen Erfolgen wird es jedoch mehr brauchen.
Die SPD hat sich von ihrer Stammwählerschaft verabschiedet. Aus der einstigen Interessenvertretung der Arbeitnehmer ist eine Partei geworden, die vor allem Leuten Geld verspricht, die nicht arbeiten. Verantwortung für das zukünftige Wohlergehen unseres Landes? Nicht erkennbar. Auf dieser linkspopulistischen Linie ist „Die Linke“ allerdings noch schamloser unterwegs und dadurch zur gefährlichen Konkurrenz geworden. Ihr ebenso simples wie wirkungsvolles Versprechen: Mehr Geld für alle! Zahlen sollen das die „Reichen“. Menschen, die morgens zur Arbeit gehen, wählen inzwischen oft die AfD.
Wohlstandsverlust und Talkshow-Traumtänzer
Die Grünen leiden unter ihrer Fixierung auf die Klimakrise. Die Deutschen haben erkannt, dass sie das globale Klima nicht retten können. Auch wenn sie alle Kraftwerke und Industrieanlagen in die Luft sprengen und die Autoindustrie abschaffen würden. Sie spüren die fragenden und belustigten Blicke aus dem Ausland. Deutschland kann und sollte seine Industrie intelligenter aufstellen. Keine Frage. Aber dafür will sich – abgesehen von einigen radikalen Talkshow-Traumtänzern – kaum jemand vom Wohlstand verabschieden. Vielleicht ist es einigen im Thailand-Urlaub gedämmert. Dort lebt es sich sehr gut. Und das, obwohl die Durchschnittstemperatur rund 20 Grad höher liegt als in Deutschland.
Die AfD ist zu einem Sammelbecken für Enttäuschte und Verzweifelte geworden. Viele Wähler haben sich mit dem strengen Geruch der Partei abgefunden.
Deutsche Meisterin im Anzeigen
Somit ist die Bahn frei für eine Partei, die zur Vernunft und Verantwortung zurückfindet. Radikale Vernunft und radikale Freiheit. Das waren einmal die Kernpunkte der FDP. Doch diese Zeiten sind vorbei. Der neue Parteichef Christian Dürr spricht von einer „radikalen Mitte“. Was auch immer das sein mag. Unter diesem inhaltsleeren Slogan versammelt die Partei derzeit alles, was auch die anderen Parteien versprechen, aber nicht liefern. Staatsreform. Zuwanderung neu ordnen. Den Sozialstaat neu aufstellen. Und so weiter. Alles altbekannt. Das glaubt niemand. Das wird nicht funktionieren. Warum sollte es auch?
Die aktuellen Liberalen tun sich schwer mit freiheitlichen Grundüberzeugungen. Frau Strack-Zimmermann ist deutsche Meisterin im Anzeigen von Beleidigungen. Konstantin Kuhle und Johannes Vogel schmiegen sich elastisch an linke Befindlichkeiten und deren flauschiges Gaga-Vokabular an. „Vielfalt“ statt Freiheit. „Ökologische” statt erfolgreiche Marktwirtschaft. Die Chefin der Jungen Liberalen, Franziska Brandmann, gründete eine Firma, die das Internet mithilfe von KI nach Hass und Hetze durchsucht. Überwachung statt Meinungsfreiheit. Das alles ist das Gegenteil von liberal.
Meldestellen oder Meinungsfreiheit?
Nein, so wird das nichts! Höchste Zeit für eine radikale FDP! Ohne Mitte-Kuschelei. Die Menschen sehnen sich nach einer kraftvollen Partei, die den Staat zurechtstutzt. Eine Partei, die unsinnige Gesetze abschafft, Regulierungen stoppt, unternehmerische Freiheit unterstützt, Leistung belohnt, moderne Technologie zum Wohl der Deutschen einsetzt und Geld in Fortschritt statt in den Erhalt sozialer und sonstiger Irrwege investiert. Die Deutschen sehnen sich nach Klarheit. Umfragen zeigen, dass man sich in unserem Land immer weniger traut, seine Meinung zu sagen. Im Internet gibt es „Meldestellen“. Wo ist die FDP, die radikal für Meinungsfreiheit eintritt?
In puncto Klarheit könnte der erfolgreiche Präsident Argentiniens Javier Milei ein Vorbild sein. Stattdessen blickt man beschämt zu Boden, wenn ein Liberaler mal richtig auf die Pauke haut. Was ist mit Donald Trump? Man kann sich täglich über den US-Präsidenten aufregen. Das wird ja auch zur Genüge gemacht. Kluge politische Köpfe könnten von ihm lernen. Politik muss nicht immer sympathisch oder moralisch sein. Sie muss klar und kräftig sein, wenn sie bei den Wählern erkannt werden will. Deutlich Flagge zeigen ist angesagt. Unsinnigen Flausch haben wir genug. Vielleicht sollte man sich Lily Wu zum Vorbild nehmen? Die libertäre Bürgermeisterin von Wichita in Kansas (USA) kürzt Budgets und treibt die Deregulierung erfolgreich voran. Und sie wird gewählt.
Erfolgsprogramm für Deutschland
Die Parteienlandschaft in Deutschland befindet sich im Umbruch. Die traditionellen Gesellschaftsgruppen wird es bald nicht mehr geben. Die politischen Parteien müssen sich unter Schmerzen den neuen gesellschaftlichen Gegebenheiten anpassen. Die FDP hat dafür den aussichtsreichsten inhaltlichen Kern. Mehr Freiheit. Weniger Staat. Mehr Eigenverantwortung. Leistung. Aufbruch. Das könnte das Erfolgsprogramm der kommenden Jahre für Deutschland sein. Jetzt müsste sie nur noch jemanden finden, der diesen einmaligen Kern wiederentdeckt, ihn in kräftige politische Botschaften übersetzt und den Ball, der immer noch wartend auf dem Elfmeterpunkt liegt, endlich in Richtung Tor befördert.
Frank Schmiechen ist Journalist und Musiker. Er startete als Reporter bei der Bergedorfer Zeitung, war später unter anderem Stellv. Chefredakteur der WELT und Chefredakteur des Online-Mediums Gründerszene. Seit einigen Jahren arbeitet er als Kommunikationsberater. In den 70er Jahren begann er seine Musiker-Karriere als Songschreiber, Bassist, Gitarrist und Pianist. Sein Herz schlägt auch für guten Wein und den HSV. Frank Schmiechen lebt in Berlin und hat vier Töchter.
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Deutschland braucht alles Mögliche, eine eigenen Kompass, mehr sozialen Zusammenhalt, eine bessere Bildungspolitik, Haltung und den Mut, die eigene Zukunft zu gestalten. Worauf wir verzichten können, ist eine radikale FDP. Das haben die letzten 44 Jahre gezeigt. Seit dem Lambsdorff-Papier sind die auf dem falschen Dampfer unterwegs.
Danke Herr Schmiechen für diesen Beitrag, dem ich 100% ig zustimme.
Ich bin nach wie vor überzeugter Liberaler – auch wenn ich die FDP, die ich jahrzehntelang gewählt habe, aktuell nicht mehr wählen kann. Zu wenig Freiheit, zu wenig Liberalität.
Ebensowenig andere Parteien. Nirgends finde ich das Thema Liberalität, Eigenverantwortung, Abkehr vom bevormundenten Staat, radikale Kürzung der staatlichen Ausgaben etc. sinnboll und aufrichtig vertreten. Es ist echt bitter.
Was ist eine „radikale FDP“, lieber Frank Schmiechen ?
Und:
Gibt es diese nicht bereits in unserem Nachbarland? Die Freiheitliche Partei Österreichs, FPÖ ? Einst Schwesterpartei der Deutschen FDP, dann “ umgebaut“ vom Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider?
Und heute Schwesterpartei der AfD ?
Was würde eine „radikale FDP“ von der AfD unterscheiden?
Möglicherweise sagen Sie jetzt:
„Eine radikale FDP würde nicht vom Bundesamt für Verfassungsschutz als rechtsradikal eingestuft werden.“
Aber sind Sie sich da sicher?