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Kehrt der genetische Determinismus zurück?

Genetiker machen immer mehr genomweite Assoziationsstudien und berechnen polygenetische Werte. So wollen sie auch unsere komplexesten Merkmale wie Intelligenz und Bildungserfolg vorhersagen. Die Medien sind begeistert. Doch was ist wirklich dran am Hype?

Eine Titelgeschichte in der ZEIT, ein Aufmacher im Wissen der Süddeutschen Zeitung. Veröffentlichungen des bekannten britischen Verhaltensgenetikers Robert Plomin in Fach- und Publikumszeitschriften und viele weitere Artikel in diesen und anderen populären Medien lassen keinen Zweifel aufkommen: Die Gen-​Deterministen schlagen zurück. Dem aufmerksamen, naturwissenschaftlich interessierten Leser kann in diesem Sommer und Herbst nicht entgangen sein, aus welcher Richtung gerade der biologische Wind weht. Die Gene sind wieder an der Macht. „Eine neue Genetik der Intelligenz“ hat Robert Plomin gar versprochen.

Wenn es um die Frage geht, was unser Schicksal bestimmt, lautet die hippste Antwort derzeit: Es sind die Varianten von tausenden Genen zugleich. Jede einzelne hat nur einen winzig kleinen Einfluss, aber in der Summe sind sie Determinanten. Polygenetische Werte können das quantifizieren – und immer bessere und größere Zwillingsstudien auch. Was nun?

Gerade erst hatten wir uns von den völlig übertriebenen Versprechungen erholt, die uns im Zuge des Humangenomprojekts gemacht worden waren. Die Lebenserwartung sollte um 25 Jahre steigen, allein deshalb, weil wir den Text der Gene lesen lernten. Das hatte uns US-​Präsident Bill Clinton im Jahr 2000 versprochen. Im Nachhinein waren solche Aussagen den beteiligten Forschern wie zum Beispiel Craig Venter schlicht „peinlich“. Das Fachblatt Nature schrieb Jahre später, man habe damals ganz vergessen, dass nur eine Hand befreit worden sei. Die andere Hand, die Erforschung der Genregulation, sei weiter auf dem Rücken gefesselt gewesen.

Seitdem durften wir also mühsam lernen, dass die ewige Konkurrenz von Erbe und Umwelt ausgesorgt hat, dass der Text der Gene für sich selbst genommen wenig bedeutet, dass er eben nicht alles ist – genauso wenig wie der Umwelteinfluss, den man vor dem Zeitalter der Genetik zum Maß aller Wesens-​Dinge erklärt hatte. Die Genregulation ist mindestens genauso wichtig wie die Gene selbst. Wir brauchen beide Hände. Und damit auch die Umwelt. Denn bei der maßgeblichen Entscheidung, welches Gen wann, wo, in welcher Zelle und unter welchen äußeren Umständen abgelesen werden kann und welches nicht, hat die Umwelt ein gewichtiges Wörtchen mitzureden.

Komplexe Merkmale wie Gesundheit, Intelligenz, Lebenserwartung, Bildungserfolg oder Persönlichkeit sind deshalb immer das untrennbare Resultat aus der Summe der individuellen Varianten tausender geerbter Gene und der Umwelteinflüsse und Lebensstilfaktoren, die mit diesen Genen kooperieren, die sie antreiben – und die ein Stück weit auch von diesen Genen angetrieben werden. Es gilt mittlerweile als müßig, wenn nicht gar als gestrig, den Anteil von Erbe und Umwelt an einem komplexen Merkmal in Prozentzahlen ausdrücken zu wollen. Schon im August habe ich in meinem Online-Magazin Erbe&Umwelt bei RiffReporter, der Genossenschaft für freien Wissenschaftsjournalismus, in einem Kommentar, der sich mit einer aktuellen Studie zum polygenetischen Wert des Bildungserfolgs beschäftigt, darauf hingewiesen, dass Erbe und Umwelt zu solchen Merkmalen letztlich beide zu je hundert Prozent beitragen.

Wen es interessiert, der wird auch eine Menge Hintergrundinfos zum Thema in meinem Buch Gesundheit ist kein Zufall. Wie das Leben unsere Gene prägt finden (DVA 2017). Nicht umsonst heißt der erste von drei Teilen des Buchs „Mehr als Lebensstil plus Gene: Der neue Blick auf Volkskrankheiten“. Und das erste Kapitel heißt: „Vergesst die Gene! Vergesst die Umwelt!“

So weit so gut. Folgen wir nun dem aktuellen Hype um Plomin und Co., dürfen wir all das wieder vergessen. Die für unsere Gesundheit und Persönlichkeit maßgeblichen Botschaften stecken angeblich größtenteils im Text der Gene. Auch komplexe Merkmale sind danach zu weiten Teilen schlicht genetisch determiniert. Determinanten sind allerdings nicht mehr einige wenige Intelligenz-​, Übergewichts-​ oder Depressions-​Gene, wie man früher dachte. Sondern es ist die Kombination aus den Varianten von tausenden Genen zugleich, die den neuen Gen-​Deterministen zufolge unser Schicksal bestimmt.

Man müsse nur möglichst viele Menschen genomisch analysieren, am besten die DNA von mehreren Millionen Menschen miteinander vergleichen, dann finde man schon genügend Korrelationen zwischen im Idealfall abertausenden winzigen genetischen Unterschieden und hochkomplexen Merkmalen wie Bildungserfolg, Intelligenz oder dem Hang zu Persönlichkeitsstörungen oder Übergewicht. Aus diesen Korrelationen könne man dann sogar Werte berechnen – polygenetische Werte -, die zuverlässige statistische Prognosen erlauben, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein gewisses Merkmal – Hauptschulabschluss oder Promotion zum Beispiel – eintreten werde.

Bitte nicht falsch verstehen: Polygenetische Werte sind sicher ein fantastisches Werkzeug. Erstmals haben Forscher eine vernünftige, zielführende Strategie, wie sie berechnen können, wie hoch der Anteil der streng genetisch erblichen Variablen im menschlichen DNA-​Code an komplexen Persönlichkeitsmerkmalen und dem Risiko vieler Volkskrankheiten tatsächlich ist. Wir sollten aber nicht den Fehler machen, diesen Umstand erneut zur Schicksals-​ oder gar Machtfrage zu stilisieren. Niemand wird jemals einen Gentest bei einem Säugling machen können und zuverlässig vorhersagen können, mit welcher Wahrscheinlichkeit dieser Mensch eines Tages das Abitur macht oder einen Typ-​2-Diabetes bekommt. Dazu ist die Sache schlichtweg zu komplex. Die Sache ist das Leben!

Wenn zum Beispiel ein bestimmter Mix aus Genvarianten tatsächlich dafür sorgt, dass sich Eltern gerne viele gehaltvolle Bücher ins Regal stellen, dann werden diese Genvarianten indirekt auch die Bildungschancen der Kinder erhöhen. Denn die Kinder werden vermutlich früher vernünftige Literatur lesen als andere Kinder. Da die Kinder ungefähr jeweils die Hälfte der Genvarianten ihrer Eltern erben, wird man also nun auch aus ihrem eigenen Gentext gewisse Rückschlüsse auf ihre Bildungschancen ziehen können. Aber: Ganz abgesehen davon, dass es hier die Gene der Eltern sind, die wirken, wäre es nicht sehr viel einfacher, schlicht zu zählen, wie viele Bücher im Regal der Eltern stehen? Und wäre es dann nicht die richtige Konsequenz, ganz allgemein dafür zu sorgen, dass Menschen mehr Bücher lesen und sich mehr Bücher kaufen können?

Was ist hier der Umwelteinfluss, was die Wirkung der Gene? Und vor allem: Wie erreiche ich für die Zukunft mehr: Indem ich die Gene ändere? (By the way: das will niemand, und es geht auf polygenetischer Ebene gar nicht.) Oder indem ich die Umweltbedingungen verbessere?

An anderer Stelle habe ich bereits darauf hingewiesen, dass genomweite Assoziationsstudien, aus deren Resultaten die polygenetischen Werte berechnet werden, nur Korrelationen messen. Sie belegen keinen kausalen Zusammenhang in dem Sinn, dass ein bestimmter Mix aus Genvarianten ein bestimmtes Merkmal direkt verursacht. Im obigen Beispiel ist der eigentliche Auslöser des Bildungserfolgs der Kinder die Benutzung der elterlichen Bibliothek. Schließen die Eltern den Zugang zu ihren Büchern ab, damit die Kinder sie nicht lesen können, bringen ihre bücherfreundlichen Genvarianten den Kindern gar nichts. Sehr gut veranschaulicht dieses Paradox der Umstand, dass Genvarianten der Eltern auch dann die Eigenschaften ihrer Kinder prägen können, wenn sie gar nicht an diese vererbt worden sind.

Die anderen Studien, die immer wieder bemüht werden, wenn es um die Erblichkeit von Merkmalen geht, sind Zwillingsstudien. In ihnen kommen oft erstaunlich hohe Werte heraus, die weit höher liegen als die Resultate, die aus genomischen Daten ermittelt wurden. Da die Gen-​Deterministen annehmen, dass sie in den Zwillingsstudien tatsächlich exakt den Anteil der streng genetischen Erblichkeit messen, gehen sie felsenfest davon aus, man könne diese Lücke alleine dadurch schließen, dass man immer mehr Menschen in die genomweiten Assoziationsstudien einschließt. Nach dieser Theorie müsste man nur das Genom sämtlicher Erdenbewohner lesen und Korrelationen zwischen DNA-​Varianten und einem bestimmten Merkmal berechnen, schon bestätige sich das Resultat aus den Zwillingsstudien.

Doch was wäre, wenn man zusätzlich alle Zwillinge dieser Welt in einer riesigen Zwillingsstudie untersuchte? Dann würde mit Sicherheit der ermittelte Wert der Erblichkeit der allermeisten Merkmale deutlich zurückgehen. (Und es würde ganz nebenbei das Ausmaß der tatsächlichen Unterschiede zwischen den Menschen deutlich steigen.) Die Resultate beider Ansätze – der genomischen Analysen und der Zwillingsstudien – würden sich irgendwo in der Mitte treffen. Viele Gen-​Deterministen übersehen nämlich, dass die Resultate aus genetischen Studien inklusive Zwillingsstudien immer nur für jene Gruppe gelten, in der sie gemessen wurden. Und man kann noch so sehr versuchen, störende Einflüsse durch mehr oder weniger gewollte ähnliche Umweltbedingungen herauszurechnen, es wird nie ganz gelingen. Wird eine untersuchte Gruppe also immer größer, werden auch die Unterschiede in der Umwelt größer und damit zwangsläufig auch deren Einfluss auf Gesundheit und Persönlichkeit. (Ganz abgesehen davon, dass man das Resultat, das für eine statatistische Gruppe gilt, ohnehin nicht auf das Individuum anwenden kann. Darauf hat der Regensburger Psychologe Christof Kuhbandner gerade in einem  lesenswerten Gastbeitrag für die Süddeutsche Zeitung hingewiesen.)

Noch gar nicht berücksichtigt ist bei dieser Einschätzung, dass die Prägung durch Umwelteinflüsse – vor allem auch die biologische, epigenetisch gespeicherte Prägung – lange vor unserer Geburt beginnt. Immer mehr Hinweise zeigen, dass bereits die Erfahrungen der Eltern, vielleicht sogar der Groß- und Urgroßeltern das Wesen unserer komplexen Eigenschaften mitbestimmen. Erst vor wenigen Wochen haben Forscher Resultate veröffentlicht, nach denen traumatische Erlebnisse, die Mäuse kurz nach ihrer Geburt durchmachen müssen, einen messbaren Einfluss bei ihren Urenkeln hinterlassen. Wenn Anweisungen zur Genregulation aber tatsächlich auch beim Menschen über mindestens drei Generationen vererbt werden, dann ist klar: Unsere Keimbahn – die Ei- und Samenzellen – transportiert mehr Informationen als den bloßen Text der Gene. Sie enthält auch Anweisungen, wie das kommende Leben diese Gene vor dem Hintergrund einer bestimmten Umwelt interpretiert. Diese Vorstellung dürfte den Gen-​Deterministen Schauer des Entsetzens über den Rücken jagen. (Lesen Sie dazu mehr im nur für Erbe&Umwelt-​Abonnenten oder nach einer Einmalzahlung vollständig sichtbaren Beitrag „Trauma wirkt noch bei Urenkeln“.)

Und was lernen wir aus alledem? Natürlich sind genomische Studien wichtig. Und auch Zwillingsstudien verraten uns viele spannende Details. Aber wir sollten endlich damit aufhören, unser Schicksal – oder auch nur einen gewissen Prozentsatz davon – nur in den Genen zu verorten. Jeder Teil von uns entsteht aus dem, was biologische Programme in gegenseitiger Wechselwirkung mit der Umwelt aus dem Text unserer individuellen Gene machen. Es ist nun mal nur das Leben, das wir leben. Wir leben nicht unsere Gene.

Selbst wenn sich eines Tages herausstellt, dass tatsächlich wichtige komplexe Merkmale existieren, auf die die Umwelt einen vergleichsweise geringen Einfluss hat, so bleibt uns dennoch nichts anderes, als am Rädchen soziales Umfeld und Lebensstil zu drehen. Nur die Komplexität des Lebens wird der Komplexität des Lebens gerecht.

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11 Gedanken zu “Kehrt der genetische Determinismus zurück?;”

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    Ein kleines Gedicht zur Genetik:

    DIE MACHT DER GENE

    Ein großes Hoch der Genetik,
    Sparen wir uns jede Kritik.
    Man kann nun nach Belieben
    Alles auf die Gene schieben.

    Ist der Mensch nicht so perfekt,
    Liegt wohl vor ein Gendefekt.
    Der Laster hat man gar viele,
    Gene trieben ihre Spiele.

    Gene steuern unser Leben,
    Was nützt das ganze Streben.
    Wir lehnen uns einfach zurück,
    In den Genen liegt alles Glück.

    Sie entlasten unser Gewissen,
    Sind Alibi und Ruhekissen.
    Wir laden ab bei ihnen die Schuld,
    Erweisen den Genen uns’re Huld.

    Rainer Kirmse , Altenburg

    Mit freundlichen Grüßen

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    Die Bildung, Ausbildung und das Bildungssystem sind entscheidend für die Konstituierung der Intelligenz!

    Es stimmt schon, dass sich die allgemeine Intelligenz mit höherer Bildung (Bildungssystem, Bildung Ausbildung, der Eltern, Bücher,…) und optimalen Umweltbedingungen, wie ein positives Reiz- und Informationsangebot und vor allen Dingen mit einer guten Ernährung (Stichwort: Proteine/Eiweißangebot) gut und rasant entwickelt – dies ist schon zu einer Binsenweisheit geworden. Einfache Beobachtungen von Babys und Kleinkindern lassen bereits erkennen, dass die einzelnen Entwicklungsstufen der kognitiven und sensomotorischen Entwicklung und des Spracherwerbs bei optimalen Förderbedingungen immer früher einsetzen! – da braucht man kein Entwicklungs- bzw. Kinderpsychologe zu sein. Dies ist eben den optimalen Rahmenbedingungen, wie Kitas mit qualifizierten Pädagogen, guter und effektiver Frühförderung mit viel Spiel und Spaß und optimalen Ernährungsbedingungen geschuldet. So nimmt es nicht Wunder, dass James Flynn 1984 prinzipiell konstatieren konnte, dass ein signifikanter Unterschied im IQ der Soldaten des I. Weltkrieges (Anwendung des Army Alpha/Beta-Tests 1917) und der Rekruten des II. Weltkriegs (Anwendung des Army Classification-Test 1941) bestand (wobei der Vergleich ein wenig problematisch ist, weil die Testanforderungen stark differierten/variierten). Übrigens konnte in beiden Fälle keine Bestätigung dafür gefunden werden, dass intelligentere Kandidaten/Soldaten im Krieg erfolgreicher waren. Welche Rolle die Bildung bzw. das Bildungssystem für den IQ spielt, wurde in den siebziger Jahren durch prominente europäischer Psychologen /Pädagogen in einer internationalen Untersuchung eruiert [siehe „Zwillingsforschung international“, Walter Friedrich, Svenn Torgersen (Oslo), Steven G. Vandenberg (Boulder), Renè Zazzo (Paris), VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, 1986)]. Dabei stellte sich beispielsweise heraus, dass das Polytechnische Bildungssystem der DDR dem Bildungssystem der damaligen Bundesrepublik Deutschland überlegen war, weil die Schüler der Klassenstufen 6 bis 10 im Mittel einen um 10 Punkte höheren IQ hatten (Anwendung des Leistungsprüfsystem von Horn und der Positiven Matrizen nach Raven – diese Differenz ist signifikant bei einem Signifikanzniveau von 5 Prozent). Dies weist dann auch drauf hin, dass genetische Faktoren an diesem Geschehen eine absolut untergeordnete Rolle spielten! Sieht man einmal von genetischen Erkrankungen (Trisomie 21, Phenylketonurie, ..) und negativen Umweltbedingungen (Sauerstoffmangel bei der Geburt, Infektionskrankheiten und Alkoholismus während der Schwangerschaft, ….) ab, dann sind die Bildung, Ausbildung und das Bildungssystem entscheidend für die Konstituierung der Intelligenz eines Kindes/Jugendlichen und nur 5 Prozent genetische Einflüsse sind hier nach niederländischen Hirnforschern entscheidend (siehe Posthuma, D. et.al. 2017). Der „Hirnkasten“ muss ja schließlich irgendwie anatomisch und physiologisch „konstruiert“ werden. Die Grafik vom RND (Quelle: Frisch Centre der Uni Oslo) zur Entwicklung des IQ von norwegischen Rekruten von 1962 bis 1991 muss durchaus kritisch hinterfragt werden! Eine Differenz von ca. 3 IQ-Punkten (1962→ 99,4 – 1975→102,3) ist eigentlich nichtssagend nach Erkenntnissen der Psychometrie – ob diese Differenz wirklich signifikant ist, steht in den Sternen! (hier müsste zur Prüfung der t-Test für unabhängige Stichproben zur Anwendung gelangen). Es soll noch folgende Episode angeführt werden, die sehr interessant ist: Nach dreijährigem Wehrdienst bei den Fallschirmjägereinheiten der NVA sank der IQ der Armeeangehörigen um mehrere IQ-Punkte signifikant ab! Dies belegten militärpsychologische Untersuchungen Mitte der sechziger Jahre eindrucksvoll. Anderseits: Mit der Ausbildung/Beschulung von lernbeeinträchtigten Jugendlichen um ein weiteres Jahr nach drei Jahren regulärer Ausbildung, konnte ein IQ-Zuwachs von 10 Punkten konstatiert werden. Zum Schluss: Man kann durchaus optimistisch sein – der Nachwuchs wird in der Regel immer intelligenter, und nicht dümmer, wenn keine Erkrankungen, genetische Defekte, oder Chromosomenaberrationen bzw. andere widrigen Umstände auftreten!

    Siegfried Marquardt, Königs Wusterhausen

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    sehr überzeugend.
    Wir sind eben kulturell und biologisch – genetisch nur bedingt determiniert, wenn man sich auf komplexe genetische und kulturelle Phänomene bezieht. Vielleicht erlebe ich es ja noch, dass es als „unterkomplex“ gilt, Biologen biologistisch und Kultur- Sozial-Psycho-wissenschaftler als kulturalistisch zu bezeichnen.

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    Immer wieder auffällig, wenn dieses Thema kommt: Denjenigen, die auf die unbestrittene Tatsache hinweisen, dass das „biologische Modell“ Mensch nur erfolgreich sein konnte und kann, wenn es in der Lage ist, auf Umweltveränderungen zu reagieren, wird „Linkismus“ vorgeworfen. Wer ist nun der Ideologe?

    Zur Sache: Noch immer wird die Vererbung einfacher und komplexer Merkmale verwechselt, der alte Sarrazin-Fehler. Es gibt zwar ein Mukobiszidose-Gen (weder Herr Spork noch zum Beispiel ich bestreiten das), aber eben kein Intelligenz-Gen. Sondern Korrelationen mit genetischen Mustern, deren inhaltliche Bedeutung wir aber aktuell nicht kennen.

    Darüber hinaus gibt es mittlerweile einen sinkenden Intelligenzquotienten in saturierten Populationen.

    Vergesst also nicht nur die Gene und die Unwelt (und denkt statt dessen dialektisch im Sinn von deren notwendigem Zusammenspiel), sondern vergesst auch das Bell Curve Argument. Es ist falsch, denn wie kann die angeblich genetisch bevorzugte Population mittlerweile einen sinkenden IQ zeigen. Sind „die Gene“ mittenmang degeneriert oder liegen gar -oh Schreck, oh Graus – Umweltgründe vor😉

    Ach Herre, Schenk uns zu Weihnachten endlich mal intelligente Intelligenzforscher.

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      Die Gene wirken auf den Körper, damit auch auf die Intelligenz – und die Umwelt wirkt auf den Körper und damit auch auf die Intelligenz und sogar wieder auf die Gene. Und dann wird auch noch die Wirksamkeit einzelner Gene (-> Genexpression, Epigenetik) durch Umwelteinflüsse gesteuert. Politischer Aktivismus von jeder Seite ist bei der Interpretation dieser Zusammenhänge übergriffig: Rechte definieren den gegenwärtigen Menschen, bzw. eine bestimmte Rasse als unveränderlich und genetisch schützenswert – linke wollen Gene durch Erziehung und Gestaltung der Umwelt nach ihren Vorstellungen (Abschaffung des Patriarchats usw.) manipulieren, was auch ein Menschenzüchtungsversuch ist. Wissenschaftler sollten dieser Übergriffigkeit eine Absage erteilen – sozusagen einen erweiterten Hippokratischen Eid leisten.

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    Die Linke schreit nun auf, weil sie nicht anerkennen kann, daß es Naturgesetze gibt, wie die der Vererbung.
    Der Linksismus in allen seinen Spielarten ist zu einem modernen Aberglauben geworden bzw. verkommen. Aber…war er denn jemals etwas anderes?

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      Lieber Hermann Fliegenkäfig, Ihren Einwurf verstehe ich nicht. Hier geht es um Naturwissenschaft, nicht um Politik. Außerdem hätten Sie gelesen, wenn Sie denn gelesen hätten, dass in dem Beitrag keinesfalls die Vererbungslehre bestritten wird.

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    “ Viele Gen-​Deterministen übersehen nämlich, dass die Resultate aus genetischen Studien inklusive Zwillingsstudien immer nur für jene Gruppe gelten, in der sie gemessen wurden. “

    Dann müßte man ja jegliche Forschung einstellen.
    Jegliche Messung, egal ob in der Soziologie menschliches Verhalten oder in der Naturwissenschaft Daten, gilt immer nur für das, was konkret gemessen wurde.
    Ich frage mich, wieso Klimaforscher und Meteorologen bisher noch nicht die Erkenntnisse von Herrn Stork hatten und sich anmaßen, aus vergangenen und aktuellen Messungen Prognosen für die Zukunft zu erstellen.

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      Lieber Don Geralto, man muss Forschung nicht einstellen, aber man muss intelligent forschen: kein Soziologe wird seine Erkenntnisse aus Deutschland auf Menschen in Indonesien anwenden, Pharmakologen kritisieren seit langem, dass Kinder Medikamente erhalten, die nur an Erwachsenen getestet wurden usw. Und was die Klimaforschung betrifft: Prognosen für die Zukunft sind hier natürlich immer sinnvoll, aber niemand wird mit Klimadaten von der Erde die Entwicklung des Klimas auf dem Mars vorhersagen wollen.

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      Echt, Don Geraldo? Sie unterstellen dem Wetter oder Klima einen freien Willen? Heißt das, daß die Gletscher sich deshalb ins höhere Gebirge zurückziehen, weil es ihnen im Tal zu laut ist? Heißt es, daß es deshalb auf der arabischen Halbinsel nicht regnet, weil der Regen auch seinen Stolz hat?
      Aber ernsthaft: Der Erfolg von Kindern hängt nicht nur davon ab, über welche Talente sie verfügen, sondern ob ihr Umfeld sie dazu animiert (oder es unterbindet), etwas aus ihrem Talent zu machen. Maria Callas‘ Erfolg hing entscheidend davon ab, daß sie in einem Umfeld aufwuchs, in welchem Frauen als Solosängerinnen Karriere machen durften; Max Planck wie auch Galileo Galilei wuchsen in Gelehrtenfamilien auf, und das mathematische Jahrhundertgenie Ramanujan wäre ohne die aktive Unterstützung Godfrey Hardys, des bedeutendsten Mathematikers Großbritanniens, in der Hafenbehörde von Madras als kleiner Angestellter versauert.
      Auf Zwillinge bezogen, bei denen das genetische Material identisch ist, hieße das: Wenn man wirklich die Bedeutung der Gene und des Umfelds trennen möchte, müßte man die Zwillinge bei der Geburt trennen und in komplett unterschiedlichen Umgebungen aufwachsen lassen. Da dies niemand freiwillig macht, ist das verfügbare Datenmaterial entsprechend dürftig.

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