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Unzurechnungsfähig – was für ein Wahnsinn

Vorsicht, bitte! Das, was jetzt folgt, ist weder ausgewogen noch nüchtern analysierend. Kein „Sowohl als auch“ oder „einerseits, andererseits“. Nichts tiefsinnig Reflektierendes und Relativierendes. Im Gegenteil. Hier soll Fassungslosigkeit, Unverständnis, ja blankes Entsetzen zum Ausdruck kommen. Schließlich geht es um den Unsinn mit dem Wahnsinn.

Anders Behring Breivik, der 77-fache Mörder von Oslo, ist von Gutachtern für unzurechnungsfähig erklärt worden. Die Psychiater bescheinigen dem 32-Jährigen eine paranoide Schizophrenie. Er halte sich für den „vollkommensten Ritter seit dem Zweiten Weltkrieg“ und sei überzeugt davon, „aus Liebe zu seinem Volk“ gehandelt zu haben. Ein Auserwählter, der sich zum Richter über Leben und Tod aufschwingt. Einer, der vor Gericht erklärt hat, seine Opfer – darunter 69 Jugendliche, die er in einem Zeltlager der Sozialisten hinrichtete – seien Märtyrer gewesen. Von ihm zum Sterben verurteilt, um vor der Bedrohung durch den Islam zu warnen.

Keine Frage, die Worte eines perversen Sadisten. Nach Meinung der forensischen Gutachter aber eben vor allem die abstruse Gedankenwelt eines Geisteskranken. Und das schließt nach norwegischem Recht eine Gefängnisstrafe praktisch aus. Denn Breivik ist nach Auffassung der Experten nicht schuldfähig. Stattdessen könnte der Gefühlstote in eine geschlossene Psychiatrie eingewiesen werden. Mit anderen Worten: Therapie für einen Durchgeknallten statt lebenslangen Knast für einen rechtsradikalen Attentäter. Was für ein Wahnsinn!

Man stelle sich nur für einen Moment dieses Szenario vor: Breivik wird in einigen Jahren aus der geschlossenen Einrichtung entlassen, weil er als „geheilt“ gilt. Die Ärzte attestieren ihm, keine Gefahr mehr für die Gesellschaft zu sein. Ein Menschenfeind, ein erbarmungsloser Schlächter wieder auf freiem Fuß – unfassbar. Als ob der selbst ernannte Kreuzritter seine Tat nicht minutiös geplant hätte. Als ob der Mann nicht kalt berechnend gemordet hätte. Als ob der Killer nicht stolz auf seine Gewaltorgie wäre.

Schon lässt sich erahnen, wohin die juristisch-medizinische Reise gehen könnte. Von einer schweren Kindheit ist jetzt die Rede, von sexuellem Missbrauch. Entschuldigungen für einen Schuldigen – da wird Unsinn zum Irrsinn. Fehlt nur noch der Hinweis, die widrigen „gesellschaftlichen Umstände“ haben ein derartiges Monstrum geschaffen. So wird aus falsch verstandener Toleranz und abwegiger Selbstkasteiung ein ungerechtfertigter Freispruch. Abwegiger geht es kaum.

Halten wir uns lieber daran, was Anders Behring Breivik zum Gutachten über seine Persönlichkeitsstruktur sagt. Er fühlt sich nämlich geistig gesund und fit genug für den am 16. April 2012 beginnenden Prozess. Deshalb kränke ihn der Befund der Mediziner. Geisteskrank? Wahnsinnig? Mag alles richtig sein. Aber schuldig, schuldfähig ist Breivik allemal. Deshalb gehört der Extremist vor Gericht und dann ins Gefängnis. Für den Rest seines Lebens.


 

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65 Gedanken zu “Unzurechnungsfähig – was für ein Wahnsinn;”

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    @EJ + Frau Groda: Ich habe am Wochenende zwei Dinge unternommen, die Sie interessieren könnten: die FAS gelesen, in der die unglaublichsten Dinge standen, was Ermittlungen und Berichterstattung zur Zwickauer Mordserie und weiteren Brandanschlägen betrifft, und einen Zwiebelkuchen fast exakt nach Frau Grodas Vorgaben gebacken. Fast, denn ich habe den Sauerrahm durch Creme Fraiche ersetzt, was man nicht tun sollte (vielleicht könnte man das entstehende Problem durch Beigabe von Zitronensaft mildern, es fehlt jedenfalls eine Stoibersche Säuerlichkeit) und en Teig auf zwei kleine Backbleche gestreckt (was ganz gut war: Es entstand eine Art Flammkuchen, sehr dünn, sehr knusprig). Mein Fazit: ein problemlos durchzuführendes und sehr leckeres Rezept.

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    Diese Diskussion ist so interessant, wie komisch. Erinnert mich an einen Satz in einem Kommentar zu Sartres Judenfrage:

    “ Das Bild des Juden ist gemacht, konstruiert, es dient nicht dem Juden zu dessen Selbsterkenntnis, sondern dem Antisemiten ,zu dessen Selbstablenkung.“

    Wollte Sartre wirklich vermeiden, geht aber nicht.

    Wie sich die Selbsterkenntnis in der Deutschen Judenfrage an den Zeitgeist anpasst, bzw. wie schuldunfähig z.B. unser erster Bundeskanzler sich gerierte, anbei.
    Unbeschreiblich, diese Zeitdokument fand ich, als ich mal bei schwäbischer Comedy!!!! bei you tube recherchierte. Die Macht der Juden ist es betitelt – nicht die Ohmacht der Opfer!!!!!!!!!!!

    http://www.youtube.com/watch?v=6M2ddX-BRRk

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    Das amerikanische Rechtssystem ist oft ein Kapitel für sich. Hier hätten wir in den meisten europäischen Ländern wohl eher die Mutter verklagt. Zwölfjähriger, der 2jährigen Bruder tötete (eher Totschlag), soll nach Erwachsenenrecht verurteilt werden. Für Interessierte mit Französischkenntnissen:
    http://www.figaro.fr/internati.....eurtre.php

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    …übrigens: Was für ein ironischer Unterton? Im Abschitt zu den Zwickauern gibt es gar keinen, beim Nachsatz zum Lonely wolf lediglich eine minikarikatur…

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    @EJ: Sie müssen sich bei mir nicht entschuldigen; mir ist die Unterhaltung mit Ihnen angenehm. Und wie üblich können unsere Differenzen auch gerne nebeneinander stehen bleiben; ich bin ein großer Freund von Differenzen. Es sagte der große Wittgenstein: „I teach you differences.“

    Ihre Fragen zu Breivik möchte ich dennoch kurz beantworten, soweit mir dies möglich ist. Vorweg: Es ging mir nicht darum, die Tat von Breivik zu einer singulär-privaten, nicht-terroristischen bzw. nicht-politischen Tat zu erklären. Dies wäre eine Verharmlosung. Wahrscheinlich habe ich in der Gegenüberstellung überzogen. Ich halte seine Tat jedoch für keinen klassischen Terrorakt; ich würde das Terrorpotential also relativieren. In erster Linie ging es mir darum, das Terrorpotential der Zwickauer vor Augen zu führen, deren Taten hier von verschiedenen Kommentatoren m.E. unterschätzt werden. Das wäre für sich genommen kein Problem, aber das Terrorpotential von rechts wird zu oft unterschätzt. Wir befinden uns heute in einer Zeit, in der europäische und nationale Interessen miteinander streiten, sie haben dazu an anderer Stelle viel gesagt. Ein Ausgleich ist noch nicht in Sicht; Eine europäische Terrorbewegung, die es sich auf die Fahnen geschrieben hat, nationale Grenzen mit Waffengewalt niederzureißen, ist erfreulicherweise ebenfalls nicht, aber auf der anderen Seite, der natioanlen, besteht eine Terrorgefahr. Einen solchen Terror sehe ich in der Zwickauer Zelle; ein terrorakt ion Deutschland, ich möchte, dass er hier ernstgenommen und wirkungsvoll bekämpft wird, statt dass man sich mit einem norwegischen Amokläufer ablenkt. (Ich übertreibe…)

    Nun zu Ihren Fragen. Der Schleyermordkomplex ist für mich eine klassisch-terroristische Tat, ja. Neben der politischen Intention in der Subjektivität des Täters erfüllt er folgende objektive Kriterien:
    1. Es gab eine Organisation, aus der heraus er konzipiert und durchgeführt wurde (RAF).
    2. Die Organisation intendierte, eine revolutionäre Solidaritätswelle zu generieren, indem eine Stütze des Staates angegriffen wurde.

    Man wähnte, dass die Bevölkerung sich nicht mit dem menschlichen Schicksal der privilegierten Opfer, sondern mit den Motiven der Täters solidarisieren würde. Man hat sich hier glücklicherweise verkalkuliert, aber nichtsdestotrotz gab es in gesellschaftlichen Teilen eine gewisse Sympathie für solche Taten. D.h. es gab eine Szene, die mit der RAF symphatisierte. Ich erinnere mich noch an den zynischen Spruch „Buback, Ponto, Schleyer – der nächste ist ein Bayer.“

    Vergleichen Sie dieses Szenario bitte mit den beiden in Rede stehenden Untaten. Bei Breivik kann ich weder den ersten noch den zweiten Aspekt erkennen. Deswegen relativiere ich das Terrorpotential seiner Tat. Bei den Zwickauern sind beide Aspekte eindeutig vorhanden: Eine Organisation und eine Symphatisantenszene, die konkrete Hilfestellung beim Untertauchen der Täter und ähnlich zynische Schadenfreude gegen die Opfer gezeigt hat.

    Insofern sind meine Antworten auf Ihre Fragen im Einzelnen: Ja: weil Breivik verrückt ist. Ja: weil er über keinen organisatorischen Hintergrund verfügt. Ja: weil seine Tat zu „grausam“ ist. („Grausam“ bedeutet hier: Es gibt keine Sympathisantenszene für Kindermorde und es wird sich auch keine generieren lassen.) Nein: Die Öffentlichkeit kann die politische Zielsetzung durchaus erkennen. (Aber sie geht nicht mit, sondern wird als Ganzes in die Gegenrichtung abgestoßen, ohne dass es zu einer Frontbildung kommt. Die Tat war also in politischer Hinsicht ein Eigentor.) Und nein: Die Bekämpfung eines vermeintlichen „Kulturmarxismus“ kann durchaus ein terroristisches Ziel sein.

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    @ Roland Ziegler

    Ihrer Beschreibung des Politischen kann ich zustimmen. Und zur Terrortat gehört der politische Bezug. Soweit – OK.

    Wenn ich sie richtig verstehe, gehört zur Terrortat aber weiter zwingend hinzu, dass die Tat irgendwie ähnlich „elaboriert“ sein muss wie die dahinter stehenden politischen Vorstellungen und irgendwie „rational“ auf deren Verwirklichung zielen muss.

    Die Entführung Hans-Martin Schleyers, die Ermordung seiner vier Begleiter und schließlich die Ermordung Schleyers wären demnach, so nehme ich an, nicht nur wegen des dahinter stehenden hohen organisatorischen Aufwands, sondern vor allem wegen ihrer erkennbar „antikapitalistischen“ Zielrichtung in Ihrer Sicht terroristische Taten bzw. ein terroristischer Tatkomplex gewesen. Wenn Breivik die „kulturmarxistische“ sozialdemokratische Jugend Norwegens mit diversen Handfeuerwaffen als Solist umzubringen versucht und zum Teil umbringt, ist Ihnen im Gegensatz zur Entführung und Ermordung Schleyers die (politische) „Rationalität“ der Tat jedoch nicht deutlich genug gegeben, um die sie als „rationalen“ terroristischen Akt qualifizieren zu können. Warum nicht? Ich kriege Ihre angedeuteten Antworten nicht auf die Reihe. Weil Breivik „verrückt“ ist? Weil er über keinen organisatorischen Hintergrund verfügt? Weil Ihnen die Tat – Kinder sind Opfer – zu grausam erscheint? Weil die Öffentlichkeit die politische Zielrichtung der Tat nicht erkennen kann? Weil die Bekämpfung des „Kulturmarxismus“ insgesamt und überhaupt kein „rationales“ terroristisches Ziel sein kann?

    Ihrem zweitem Absatz in Ihrem zweiten Kommentar („…nochmal kurz zu den Zwickauern“) stimme ich (abzüglich des ironischen Untertons, versteht sich!) ganz zu. Allerdings würde ich nicht (nur) von Inflation des Terror-Begriffs sprechen. Terror ist ein globales Phänomen und entsprechend vieldeutig. (Davon etwa, dass er den Terroristen u.U. „heiligen“ kann, haben wir noch gar nicht gesprochen 😉 Und es gibt sicher eine Variante, in der nach diversen Kriterien, oben haben wir einige genannt, ausschließlich auf der Opfer- bzw. sozusagen auf Rezipientenseite entschieden wird, ob es sich um eine Terrortat handelt oder nicht.

    Was die Zwickauer betrifft, muss ich mich vielleicht bei Ihnen entschuldigen. Vielleicht habe ich nicht klar genug gemacht, dass ich die Zwickauer nicht für irgendwelche theoretischen Überlegungen heranziehe. Im Prinzip habe ich gegen Ihre Überlegungen nichts einzuwenden. Oder doch nur so viel: Immerhin handelt es sich um einen zehnjährigen Zeitraum, in dem der Terror der Zwickauer auch eine andere Funktion gehabt haben kann, als wir sie ihm mit dem Begriff jetzt zuschreiben – „auch“ und „kann“. Und, wie gesagt, ich meinte das nicht irgendwie theoretisch. Ich meinte es ganz investigativ. Man muss womöglich nach einer (so, per Mord konstituierten) großen bis sehr großen Gruppe von Mittätern, Unterstützern und Mitwissern suchen. Aber inzwischen ist man wohl auch schon ohne mich und auf anderem Wege drauf gekommen: Die mutmaßlichen Mörder der Zwickauer Terrorzelle sollen laut einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ auch im Westen viele Unterstützer und Mitwisser gehabt haben. West-Nazis sollen Ziele für Terror-Trio ausgespäht haben.

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    @BlonderHans: Seeadler, Wölfe und Hirsche sind Gefahren, auf die man sich einstellen kann; Menschen, in MV ebenfalls selten anzutreffen, sind dagegen unberechenbar, insofern glaube auch ich, dass APO Glück hatte, dass es ein Hirsch war.

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    … könnte MV wirklich so einsam und schön werden, wie es auf der Durchreise aussieht.

    Was heißt könnte? Noch vor etwa 10 Jahren wollten meine Familie und ich nach Kanada/BC auswandern. Aber nachdem sich hier in MV sogar der Seeadler, der in seiner Flügelspanne größer als der amerikanische misst, wieder angesiedelt hat, haben wir uns entschlossen in der Heimat zu bleiben und zu kämpfen. Wölfe wurden auch schon gesichtet. 😉 (Da hatte APo ja Glück, dass ihn beim Pinkeln in Brandenburg ’nur‘ ein Hirsch fast umgerannt hätte.)

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    Mon cher aryan blond,

    in meinem Heimatland haben wir einen Spruch:

    Never judge a record by it´s cover.

    wenn sie sich die Muehe gemacht haetten, aich den Artikel nur zu ueberfliegen, waeren sie daraufgekommen, dass der Artikel auf einer wissenschaftliche Studie beruht, aber sie halten es wohl lieber mit Lafargue oder noch besser mit Kant:

    „Denn die Natur hat auch den Abscheu für anhaltende Arbeit manchem Subjekt weislich in seinen für ihn sowohl als andere heilsamen Instinkt gelegt: weil dieses etwa keinen langen oder oft wiederholenden Kräfteaufwand ohne Erschöpfung vertrug, sondern gewisser Pausen der Erholung bedurfte“

    Da sie ein Verehrer von Hans Albers sind sollten sie vielleicht einmal das Lied aus dem Film die 13 Esel singen:

    Mein Junge, halt‘ die Füße still

    und sich nicht so sehr in ihrem rechten Koordinatenkreuz verirren 🙂

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    …nochmal kurz zu den Zwickauern: Sie haben insofern recht, dass die Taten von den Tätern jahrelang bewusst im Verborgenen gehalten wurden, was anscheinend dazu führte, dass man seitens der Ermittler einen terroristischen Hintergrund rundweg ausschloss und in Richtung Mafia ermittelte. (Soweit die merkwürdige offizielle Version.) Hieraus zu folgern, dass es die Täter nicht auf die Öffentlichkeit ihrer Taten angelegt hätten, ist ein Kurzschluss. Die Täter hatten keinen Anlass, sich vorzeitig, in der Gegenwart, zu offenbaren. Dass ihre Taten eines Tages offenbar werden würden, war ihnen aber bewusst; darauf haben sie es angelegt. Die Fortsetzung der ersten Taten zu einer Tatserie zeigt dies bereits, spätestens die DVD ist ein Beweis. Ihr Einwand, die Taten seien nicht-öffentlich und also nicht-politisch, trifft deshalb nicht zu; sie sind öffentlich und auch auf Öffentlichkeit hin ausgelegt. Sie sagen es selbst, wenn Sie die Innenwirkung ansprechen: Erst protzt man nach innen in die „Szene“, später in die ganze Welt.

    „Lonesome-wolf-Terrorismus“ ist übrigens eine seltsame Bezeichnung. Dieser Terrorismus scheint vom gewöhnlichen Amoklauf nur durch die Vorstellungswelt des Täters unterscheidbar zu sein. Hält er sich für Gottes Werkzeug, ist er wahnsinnig, hält er sich für Allahs Werkzeug, ist er ein Terrorist. Entscheidet nur der Psychologe, was Terror und was Amok ist? Vielleicht ist diese begriffliche Einebnung einfach nur ein Ausdruck der Inflation, dem der Begriff „Terrorismus“ heute weltweit ausgesetzt ist.

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    @EJ: OK, ich folge Ihnen und gehe mit bis zur Annahme, dass die politische Motiviertheit einer Tat bzw. Untat genügt, um sie zu einem Terrorakt zu machen. Zweckrationalität und Organisiertheit sind nun aber auch wesentliche Eigenschaften des Politischen. Ein politischer Mensch sucht sich seine „Genossinnen und Genossen“, „Freundinnen & Freunde“, Bündnispartner, Kameraden u. Kampfgenossen. Er unterscheidet sich von Ideologen und anderen Wahnsinnigen dadurch, dass er sich um die Wege kümmert, die zu Zielen hinführen. Das Medium des Politischen ist eben die Macht, nicht die Idee.
    Eine politische Motiviertheit muss deshalb auf eine Anhängerschaft stoßen, die von dieser Welt ist, und einen Weg beschreiten, der zu einem soliden Ziel hinführt. Bei islamistischen Selbstmordattentätern ist dies nichgt anders als bei der RAF oder den Nazis: überall die gleiche kalte Kalkulation. Hinter den Terrorakten stehen Organisationen mit sehr praktischen Vorstellungen, eben weil die Motivation des Täters eine politische ist. Die soeben abgewiesenen Begriffe sind inzwischen durch die Hintertür hereingekommen, und wir noch immer da, wo wir waren.

    @BlonderHans: Und ich will die Zahlen nicht übertreiben; sie sind auch so erschreckend. Dass in den ländlichen Gegenden von MV kaum jemand mehr wohnt, so dass die absoluten Zahlen gering sind, macht die Sache nicht viel besser. Wenn Sie jetzt auch noch die wenigen Verbleibenden in den Westen expedieren wollen, könnte MV wirklich so einsam und schön werden, wie es auf der Durchreise aussieht.

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    .. werter R.Z. ich hatte nicht die Absicht Zahlen zu verharmlosen. Interessanterweise gehen Sie auf meinen Vorhalt zur Herkunft von NPD und deren Führungsspitze nicht ein.

    Es ist müßig alle Zahlen die Sie anführen auseinander zunehmen.

    Insgesamt kommt die NPD in MV auf 6% Zustimmung. Das entspricht 49’642 NPD-Stimmen Im Vergleich dazu kommt in NRW die NPD zwar ’nur‘ auf 0,7%, was aber 73’642 NPD-Stimmen entspricht.

    Prozentrechnung ist in diesem Fall nicht aussagekräftig. Außerdem steht mein Angebot sich die Bagage heimzuholen.

    @J.L.L.

    … na? wieder alles o.k.? bei Ihnen in FrOnkreich?

    Übrigens was ein Spiegel wirklich tut: Er vertauscht vorn und hinten. Wenn der SPIEGEL beispielsweise am Koordinatenursprung in der XY-Ebene liegt, dann wechselt die Z-Koordinate bei der Spiegelung ihr Vorzeichen. Aus dem Punkt [x,y,z] wird also der Bildpunkt [x,y,-z]. (Oder aus ‚braun‘ wird ‚rot‘)

    Eine Beschreibung für beliebig orientierte SPIEGEL erhältst Du durch Transformation in ein Koordinatensystem in dem der SPIEGEL am Koordinatenursprung in der XY-Ebene liegt und anschließende Retransformation nach der Spiegelung. Das ist dann die ‚BRD‘-Journaille insgesamt. So wie die ‚DDR‘-Einheitssystempresse es war.

    *rofl*

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    @ Roland Ziegler: Ich bleibe also bei meiner Einschätzung.

    Ihr letzter Satz zuerst: Ich will Sie gar nicht überzeugen. Ich möchte – mit Ihrer (maieutisch widersprechenden) Unterstützung – über etwas nachdenken, das mir (von mir selbst, aber auch sonst) nicht hinreichend durchdacht zu sein scheint.

    Zweckrationalität und Organisiertheit scheinen mir keine notwendigen Bedingungen eines Terroranschlags, einer terroristischen Tat zu sein. Eine Pistole, ein Messer und das (wahllose) Schießen oder Einstechen auf Menschen würden genügen, um den Schützen oder Messerstecher als einen Terroristen zu qualifizieren – wenn er nur irgendwie ein politisches Motiv äußert. Und im Gegensatz zu Zweckrationalität und Organisiertheit erscheint mir Letzteres unverzichtbar: Zur terroristischen Tat gehört ein politischer Kontext. (Und zu dem wiederum – ist beinahe tautologisch – gehört Öffentlichkeit.)

    Im Extrem unterscheiden sich die Taten des Amokläufers, wie wir ihn etwa aus Schulen kennen, und des terroristischen Einzeltäters tatsächlich nur durch die individuelle Motivation bzw. den ideologischen Kontext, in den sie gestellt sind bzw. gestellt werden. Obama, übrigens, sieht die USA vom lone-wolf-terrorism stärker bedroht als vom organisierten Terrorismus. Und unser Innenminister hält die Gefahr, die von terroristischen Einzeltätern ausgeht, ebenfalls für größer als die, die vom organisierten terrorismus ausgeht.

    Breivik, nebenbei, hat nicht auf die norwegische Jugend schlechthin gezielt. (Was bei entsprechend angepasster Begründung (z.B. ‚Norwegen hat’s nicht besser verdient, soll untergehen‘) aber schon genügt hätte, um den Terror-Begriff zu erfüllen.) Breivik hat ausdrücklich auf die linke, auf die sozialdemokratische Jugend gezielt. Das mag auch krank sein, vor allem stellt es seine Tat, wie krank auch immer, durchaus „planvoll“, wie Sie sagen, in einen politischen Kontext. (Kuriosum? Beim Unabomber, der vor allem im Hinblick auf die ideologische Begründung seiner Tat durch ein extensives „Manifest“ Breiviks Vorbild gewesen zu sein scheint, wurde ebenfalls paranoide Schizophrenie diagnostiziert.)

    Was die Zwickauer betrifft, sehe ich den Terrorismus-Begriff zunächst nicht erfüllt. Eben weil das zugehörige politischen Bekenntnis fehlte. Und eben weil man der (Un-)Tat selbst die terroristische Absicht nicht ansehen kann, ist auch kein Ermittler, kein Kommentator, keine Öffentlichkeit drauf gekommen. Erst der Fund des Bekenner-Videos macht sie – nachträglich! – zu Terror-Taten. Für nicht ausgeschlossen halte ich aber (ich habe das bereits mit der Rede von Struktur angedeutet) dass sie „nach innen“ eine ebenso verbindende (hier geradezu wörtlich: die gemeinsamen Leichen Keller) wie terroristisch drohende Absicht verfolgten: ‚Schaut, wir machen Ernst. Wir haben keine Hemmungen, in keiner Richtung.‘ (Wir kennen diese doppelte Funktion des Terrors aus diversen totalitären Organisationen.)

    Ich denke, Ihre Eingangs-Frage zielt ganz richtig. Die Beurteilung der Zwickauer dürfte nicht zuletzt davon abhängen, wie das Bekennervideo zu verstehen ist, welche Funktion es hatte oder haben sollte. Wer kannte es vor seinem allgemeinen Bekanntwerden? In welchen Kreisen ist es vor seinem Bekanntwerden womöglich zirkuliert? Wie ist – auch in unter dem Aspekt möglicher gezielter Innenwirkung – sein (ich sage mal improvisierend:) höchst sonderbarer Inhalt zu verstehen?

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