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Erst die Moral, dann das Fressen

Von Alexander Görlach, Herausgeber und Chefredakteur “The European”:

Was lässt die Finanz- und Wirtschaftskrisevon einem Weltbild übrig, das den freien Markt als Angelpunkt gelingender freier und demokratischer Gesellschaften betrachtet hat?

Charles Moore in England und Frank Schirrmacher in Deutschland haben nun laut diese Frage gestellt und sie verknüpft mit einer politischen Zuspitzung: Hatte die Linke nicht doch recht? Recht mit ihrem Verdacht, dass der freie Markt mehr Regulierung und Kontrolle durch den Staat braucht? Recht mit der Behauptung, dass ein ungenügend oder falsch regulierter Markt wenige ganz reich macht und ganz viele daran hindert, sich wirtschaftlich zu entwickeln? Recht damit, dass uneingeschränkte Spekulationen das Finanzsystem überhitzen und es kollabieren lassen?

Der freie Markt, das war in der konservativen Vorstellung die Bühne, die Gott allen Menschen gebaut hat, auf der sie sich gemäß ihren Anlagen verwirklichen konnten. Der calvinistische Grundgedanke, dass Fleiß und Strebsamkeit in wirtschaftliche Erfolge münden, konnte darin ebenso untergebracht werden wie die Position der katholischen Soziallehre, die den freien Markt als natürlichen Lebensraum für das zur Freiheit berufene Individuum ausgemacht hat, auf dem es sich seinen Anlagen gemäß entwickeln könne. Bürgerliche Tugenden wurden, und da hat Frank Schirrmacher mehr als recht, von den raffgierigen Meistern der Finanzwelt auf die immaterielle Welt der Spekulation und der Finanztransaktionen übertragen. Irgendwann in der Zeit hat die CDU einen Parteitag abgehalten. Das war 2003 in Leipzig. Der Sündenfall, ein Eber im Weinberg!

Zu den klassischen Versprechen der Konservativen gehörte: Fleiß zahlt sich aus, ebenso Strebsamkeit, Pünktlichkeit und Ehrlichkeit. Dieses Versprechen kam in Deutschland im Kleid der sozialen Marktwirtschaft daher, die es ermöglicht hat, dass breite gesellschaftliche Schichten in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zu Wohlstand kamen. Nun muss man um der Vollständigkeit willen sagen, dass nicht allzu lange nach dem Wirtschaftswunder auch das Schuldenmachen begonnen hat. Der Optimismus war groß: der Glaube an das Wachstum.

Ein Wachstum, das Steuereinnahmen brachte, was wiederum für den Ausgleich sozialer Ungleichheiten sorgen konnte. Aber all das, der soziale Ausgleich für die weniger Begabten genauso wie die Investitionen der Mittelschicht in die Bildung ihres Nachwuchses, wurde schon auf Pump realisiert. Das Schulden-Pulverfass, auf dem wir heute sitzen, hat, was das betrifft, nichts mit den Finanzspekulanten der Gegenwart zu tun. Die Verschuldungsspirale, für die sich aus unterschiedlichen Gründen Konservative und Linke gleichermaßen erwärmen konnten, ist zu Ende gedreht. Deshalb liegt nicht nur der konservative Gesellschaftsentwurf am Boden, sondern auch der linke.

Wir haben nun unseren Narrativ verloren, der legitimerweise Fleiß und Strebsamkeit mit wirtschaftlichem Erfolg zu verbinden wusste. Dabei rede ich nicht von großen Reichtümern, die die Mittelschicht auftürmen wollte, sondern von dem „guten Gehalt“, vom „guten Auskommen“, von dem die Erwachsenen immer sprachen, während man selbst ruhig am Tisch sitzen musste. Was waren das für Zeiten! Ein Gehalt, davon konnte man sich leisten: ein Haus, zwei Autos, zwei Kinder, zwei Urlaube im Jahr. Das geht heute nicht mehr, auch nicht mit einem abgeschlossenen Studium und einem, wie es heute heißt, gut bezahlten Job.

Wann hat die Genügsamkeit mit dem „guten Auskommen“ hyperventiliert in ein Immer-Mehr? David Cameron sagt angesichts der Handy-Plündereien in England ganz richtig, dass wir alle zu Asozialen geworden sind im Angesicht immer größerer Konsumversprechen. Als Saturn mit seiner „Geiz ist geil“-Kampagne an den Start ging, haben sich die Kirchen erlaubt, darauf hinzuweisen, dass Geiz nicht geil, sondern eine Todsünde ist. Gut, sie wurden natürlich dafür ausgelacht. Heute wundert es niemanden mehr, wenn die Postbank mit einem Slogan operiert, der heißt: „Unterm Strich zähl ich“. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass es bei der Bewältigung der gegenwärtigen Krise nicht nur darum gehen wird, unsere Ersparnisse zu retten, sondern auch unsere Seelen.

Es muss heißen – und da haben die Linken, allen voran Bert Brecht, unrecht: „Erst die Moral, dann das Fressen.“ Denn die Moral ist die Grundlage für jedes menschliche Handeln. Ein moralischer Kompass kann verloren gehen. Ich wünsche mir keine Wiederkehr eines Moralisierens, für das die Linken das Bürgerliche immer gern als Synonym gebraucht haben. Es kann nicht darum gehen, sich als Konservativer darüber zu empören, dass ein 40-jähriger CDU-Politiker ein 16-jähriges Mädchen liebt. Das ist vielleicht eine außergewöhnliche Konstellation, aber erst mal die Sache der beteiligten Personen. Es muss darum gehen, Moral als Konstante in den Diskurs überhaupt wieder einzuspeisen. Es geht um Moralisches, Ethisches, das zu einem anständigen Wirtschaften führt. Und es geht um einen Konsens in der Gesellschaft darüber.

Jüngst bei der Vorstellung meines Buches, die von Frank Schirrmacher moderiert wurde, fragte er mich an einer Stelle, warum ich mich als konservativ bezeichne: Ich glaubte und glaube, dass wir in der Tradition das Vokabular und die Denkvorlagen finden, wie wir künftig unsere Gesellschaft gestalten können. Wir können in Kontinuität, das, was uns geprägt hat, fortentwickeln. Mehr ist von meinem alten Weltbild nicht übrig. Zum Glück sind sich Konservative und Linke noch nie so nahe gewesen wie in diesem historischen Moment, in dem unsere Welt auf der Kippe steht. Hoffentlich entsteht etwas Neues daraus.

Zuerst erschienen auf www.theeuropean. de. Alexander Görlach ist Herausgeber und Chefredakteur des Debatten-Magazins The European.

 

16 thoughts on “Erst die Moral, dann das Fressen

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    “Es muss darum gehen, Moral als Konstante in den Diskurs überhaupt wieder einzuspeisen.”

    Man sollte statt über Moral über “Spielregeln” diskutieren.

    Damit ein Spiel für alle Mitspieler interessant ist, müssen die Spielregeln so gestaltet sein, dass alle Beteiligten gleichermaßen Gewinnchancen und Verlustrisiken haben. Hier liegt in unserer Gesellschaft manches im Argen. Die Spielregeln unserer Gesellschaft führen dazu, dass sich bei manchen Spielern nur die Gewinnchancen und bei anderen nur die Verlustrisiken ansammeln. So kann es aufDauer nicht gehen. Ein solche Gesellschaft ist nicht wert, bewahrt zu werden.

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    @Susannah Winter

    Drei Beispiele für Gesellschaften, die explizit “moralisch” sind oder waren:

    Iran, Sozialistischer Ostblock, Nazideutschland

    In welcher möchten Sie leben?

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    @ Alan Posener

    Sie schreiben “Die Bourgeoisie, wo sie zur Herrschaft gekommen, hat alle feudalen, patriarchalischen, idyllischen Verhältnisse zerstört. Sie hat die buntscheckigen Feudalbande, die den Menschen an seinen natürlichen Vorgesetzten knüpften, unbarmherzig zerrissen, und kein anderes Band zwischen Mensch und Mensch übrig gelassen, als das nackte Interesse, als die gefühllose „baare Zahlung.“ Sie hat die heiligen Schauer der frommen Schwärmerei, der ritterlichen Begeisterung, der spießbürgerlichen Wehmuth in dem eiskalten Wasser egoistischer Berechnung ertränkt.”

    Was wollen Sie uns damit sagen? Ist das gut oder schlecht, oder falls dies eine kindliche Frage ist, schlicht notwendig? Was fällt, muß man noch stoßen? Sie arbeiten mit? Wer ist die Bourgeoisie unserer Tage? Was muß heute noch an falsch Nostalgischen zerissen werden?

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    @Hänschen Klein
    Nur weil Ihre Auffassung von Tugend und Moral so erbärmlich ausfällt müssen Sie nicht gleich von sich auf andere schließen. Ich habe mir immer zuerst an die eigene Nase gefasst. Und nie gepredigt, worum ich mich nicht auch selber bemühe. Der Heuchler sind wohl eher Sie, oder auch einfach nur kurzsichtig, wenn Sie glauben, Ihre Erfahrungen und Nicht-Werte auch zu denen anderer Leute machen zu können und dabei zu glauben, Sie würden damit etwas anderes tun als die, die Tugenden oder Moral predigen.
    Ich hoffe übrigens, dass Sie Ihren Standpunkt beibehalten, auch wenn Sie mal auf Tugenden angewiesen sind. Wer dumm genug ist, bekennenden Egoisten und Anti-Moralisten wie Ihnen im Alter den Hintern abzuputzen für einen Sklavenlohn ist selber Schuld. Seien Sie doch so gut, Ihre Haltung kundzutun, bevor Sie derartiges in Anspruch nehmen. Und entlasten Sie damit das System und die Dummen, die glauben, Tugenden und Wertvorstellungen seien als Lebensbedürfnis ebenso wertig wie Ihre Anti-Haltung.

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    “ein gewisses Maß an Tugend von JEDEM zu erwarten”

    Da fällt mir eine schöne Definition von Moral und Moralist ein:

    Moral ist, anderen Tugend zu predigen und ein Moralist ist einer, der von anderen die Befolgung von Tugendgrundsätzen verlangt, die er selbst (der Moralist) aufgestellt hat.

    Zeige mir einen Moralisten und ich zeige dir einen Heuchler.

    Soviel auch dazu:

    “Es muss darum gehen, Moral als Konstante in den Diskurs überhaupt wieder einzuspeisen.”

    Bitte nicht!!!

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    Werter Herr Posener,
    bevor Sie an meinem Kommentar kritisieren, Sie persönlich anzugehen, so halten Sie sich doch bitte selber an Ihre Vorgaben zu mehr Sachlichkeit. Ich zitiere Ihren ersten Kommentar: “…Allenfalls steht Ihre Gedankenwelt auf der Kippe.” Um zu wissen, dass Ihre und meine Erfahrungen unterschiedlicher kaum sein könnten muss ich mir auch nicht die Biografie Ihres Vaters zu Gemüte führen. Papier lügt und Ihr persönliches Erfahren mache ich deswegen noch lange nicht. Gerade aus Ihren Lebenserfahrungen heraus sollten Sie deswegen mit Ihrer Kapitalismus-Lobhudelei vorsichtiger sein. Außerdem, zur Sachlichkeit, Ihr “Unsinn reden” macht meinen Kommentar allemal wett. Ich habe auch nichts von der “Tugend der Christen” geredet. Mir ist die Konfession eines jeden gleichgültig. Vielmehr ist ein gewisses Maß an Tugend von JEDEM zu erwarten, ganz besonders aber von denen, die das Glück haben zu den Gewinnern einer Gesellschaft zu gehören.

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    “Zum Glück sind sich Konservative und Linke noch nie so nahe gewesen wie in diesem historischen Moment, in dem unsere Welt auf der Kippe steht.”

    Dass das ein Glück ist, bezweifle ich. Dieses “Glück” führt nämlich dazu, dass es in der offiziellen Politik keine Alternativen gibt. “Alternativlos” eben. Wozu wählen, wenn es keine Alternativen gibt? Und wer von den Leuten oder Parteien, die uns in den Schlamassel reingeritten haben, die Lösung des Schlamassels erwartet, der ist wirklich ein lernresisteneter Träumer.

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    “Die Bourgeoisie, wo sie zur Herrschaft gekommen, hat alle feudalen, patriarchalischen, idyllischen Verhältnisse zerstört. Sie hat die buntscheckigen Feudalbande, die den Menschen an seinen natürlichen Vorgesetzten knüpften, unbarmherzig zerrissen, und kein anderes Band zwischen Mensch und Mensch übrig gelassen, als das nackte Interesse, als die gefühllose „baare Zahlung.“ Sie hat die heiligen Schauer der frommen Schwärmerei, der ritterlichen Begeisterung, der spießbürgerlichen Wehmuth in dem eiskalten Wasser egoistischer Berechnung ertränkt. Sie hat die persönliche Würde in den Tauschwerth aufgelöst, und an die Stelle der zahllosen verbrieften und wohlerworbenen Freiheiten die Eine gewissenlose Handelsfreiheit gesetzt. Sie hat, mit einem Wort, an die Stelle der mit religiösen und politischen Illusionen verhüllten Ausbeutung die offene, unverschämte, direkte, dürre Ausbeutung gesetzt.
    Die Bourgeoisie hat alle bisher ehrwürdigen und mit frommer Scheu betrachteten Thätigkeiten ihres Heiligenscheins entkleidet. Sie hat den Arzt, den Juristen, den Pfaffen, den Poeten, den Mann der Wissenschaft in ihre bezahlten Lohnarbeiter verwandelt.
    Die Bourgeoisie hat dem Familienverhältniß seinen rührend-sentimentalen Schleier abgerissen und es auf ein reines Geldverhältniß zurückgeführt.”

    Karl Marx und Friedrich Engels, Manifest der Kommunistischen Partei, 1848

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    Liebe Frau Winter, bevor Sie solchen Unsinn reden, sollten Sie vielleicht die Biographie meines Vaters kennen. Nichts gegen den Grundsatz “Warum sachlich, wenn es persönlich geht”, aber das Persönliche sollte dann auch sitzen. Das schreibe ich Ihnen übrigens als einer, der seit 40 Jahren Gewerkschaftsmitglied ist (zuerst IG Metall, dann GEW, dann VS, jetzt Ver.di) und sich bestimmt keinen Illusionen hingibt über die inhärente Menschenfreundlcihkeit des Kapitalismus, wie sie offensichtlich einige Christdemokraten gepflegt haben. Übrigens ist an kirchlichen Einrichtungen die gewerkschaftliche Tätigkeit ebensowenig gestattet wie die Einrichtung von Betriebsräten. So viel zur überlegenen Tugend der Christen.

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    Warren Buffet schrieb in der New York Times: “Verwoehnt die Reichen nicht mehr!” Er bemerkte, dass er mit seinen $50 Millarden weniger Prozent Steuern zahlt als seine Bueroangestellten. Er erklaerte, dass die Reichen in USA in allen Beziehungen weniger wirkliche Steuern zahlen als der Mann-auf-der-Strasse. Und erklaerte: In USA verdienen 240,000 Familien ueber eine Million im Jahr, und 8,200 verdienen mehr als zehn Millionen im Jahr. Auch die Tea-Party kann kaum etwas gegen Warren Buffet entgegnen. Ralph Nader hat jetzt ein Buch: “Only the Super-Rich can saves us!” – er meint, was in USA fehlt sind mehr solche wie Warren Buffet, welche die Moeglichkeit haben dramatische Veraenderung zu empfehlen. — Donald Trump, der exentrische Inmobilienmagnat, welcher auch ein Goetze vieler “Republicans” war, verblueffte jetzt mit: “Ich wuerde bis zum Tod fuer den Erhalt der ‘Medicare’ kaempfen – das beste Sozialprogramm bis jetzt!” —Vermutlich taut es jetzt in den Ueberlegungen einiger der Superreichen, dass eine kritische Entwicklung in USA enstehen kann, welche in der Zukunft zur radikalen Veraenderungen zwingen koennte: Also zur Vorbeugung besser nicht alle Sozialprogramme abholzen…

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    @Alan Posener

    “Entschuldigung, ich will aber nicht in einer gestalteten Gesellschaft leben. Mir gefällt sie so, wie sie ist. Was doch auch irgendwie konservativ ist, oder?”

    Klar, Herr Posener, Sie gehören schließlich zu dem winzigen Prozentsatz derer, die klare Kapitalismusgewinner sind. Kein Geschenk des Kapitalismus sondern vermutlich ihrer Eltern, Freunden und ein wenig Glück.
    Meine Startchancen und Voraussetzungen waren nicht die Ihren. Sie haben nicht ihr Leben konfrontiert mit der hässlichen Seite des Kapitalismus verbringen müssen, die Eltern arbeits-und perspektivlos macht um sie am Ende wie Abfall zu entsorgen. Kostengünstig, versteht sich.
    Sie haben sich einen hübschen, weißen Gartenzaun um ihr kapitalistisches Weltbild bauen dürfen, den es nun gegen jede Vernunft zu verteidigen gilt. Für Sie ist sie schließlich wahrgeworden, die kapitalistische Propaganda von Freiheit. Eine Freiheit, die ich wie auch meine Eltern nie erleben durften. Mitten im Kapitalismus, der uns doch alle so reich machen soll, frei, gleich. Nur nicht charakterlich, versteht sich. Und Geiz ist geil gilt auch für die Haltung dieser Tage. Was schert mich, ob das System auch anderen etwas zu bieten hat, solange es mich bereichert. Als Vertreter von einem Höchstmaß an Freiheit und damit auch des Individualismus, gibt es Ihnen nicht zu denken, dass der Kapitalismus viele Individuen schädigt und ihnen Selbstverwirklichungsmöglichkeiten nimmt, damit sich wenige bereichern dürfen? Was hat das noch mit Freiheit zu tun? Ich bin jedenfalls nicht frei. Auch wenn Sie mir tausendmal das Gegenteil einreden wollen.
    Ich bin durchaus auch wertekonservativ. Und ein freier Markt ist mir willkommen, solange er sich um Gleichgewicht müht.

    @Herr Görlach
    Vielen Dank für diesen Satz, simpel wie alle Wahrheiten:
    “Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass es bei der Bewältigung der gegenwärtigen Krise nicht nur darum gehen wird, unsere Ersparnisse zu retten, sondern auch unsere Seelen.”
    Was wir heute nicht regulieren,das reguliert sich in absehbarer Zeit von selbst. Ohne Kontrolle und vermutlich ebenso maßlos.

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    Ich bin der Ansicht, dass klassische Konservative sehr wohl mit Freiheit und freiem Markt zu tun hatten und stimme Herrn Görlach zu wie auch Herrn Schirrmacher oder Charles Moore, der der Biograph immerhin von Maggie Thatcher ist. Außerdem hatten sie mit Bildung und mit Familienwerten zu tun. Wir sehen gerade, wie der Verlust von beidem zugunsten blinder Gier in allen Schichten beklagt und für die Ausschreitungen mitverantwortlich gemacht wird. Man kann auch Tugenden sagen. Die katholische Kirche und die CDU/CSU überlappten hier oft. Ich fühle mich inzwischen von der CDU hintergangen oder gar verraten.

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    “Was lässt die Finanz- und Wirtschaftskrise von einem Weltbild übrig, das den freien Markt als Angelpunkt gelingender freier und demokratischer Gesellschaften betrachtet hat?”

    Wo haben wir denn bittschön noch einen freien Markt? Sämtliche Märkte sind durch staatliche Eingriffe und Manipulationen korrumpiert. Und die aktuelle “Finanzkrise” ist eine Krise von überschuldeten Staaten. Konservative und Linke: aus heutiger Sicht (und ja auch schon aus früherer) haben beide mit dem freien Markt und mit Freihteit generell nichts am Hut und beide gehören auf den Müllhaufen der Geschichte.

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    “Unsere Welt steht auf der Kippe” – Alex, hamses nich ne Nummer kleeener? Allenfalls steht Ihre Gedankenwelt auf der Kippe. Die Anhänger des Kapitalismus haben nie behauptet, diese Form, Produktion und Verteilung zu organisieren, sei moralisch. Wenn Ihre Kirche Ihnen das eingeredet haben sollte, dann sollten Sie mit ihr hadern, nicht mit dem Kapitalismus. “Geiz ist geil” ist nicht bloß der Werbespruch eines Elektromarkts, sondern die auf den Begriff gebrachte Lehre des Adam Smith. Wobei ich Ihren Papst gegen Sie verteidigen muss. Er hat schon – wie sein Vorgänger – den westlichen Materialismus immer in selben Atemzug kritisiert wie den östlichen. Lesen Sie in meinem Papst-Buch nach. Und lange vor Schirrmacher hat der Katholik Matthias Matussek in der Abgrenzung von Jan Fleischauer – aber nicht in der Schirrmacher’schen Haltung von: von hier und heute geht ein neuer Abschnitt der Weltgeschichte aus – mit Berufung auf den Vatikan erklärt, er sei ein Linker. Wenn ich aber Katholiken höre, die “unsere Gesellschaft gestalten” wollen, dann sage ich: Entschuldigung, ich will aber nicht in einer gestalteten Gesellschaft leben. Mir gefällt sie so, wie sie ist. Was doch auch irgendwie konservativ ist, oder?

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