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Marktwirtschaft braucht Moral und Akzeptanz

Was unterscheidet eine Wirtschaft von einer Räuberbande? Regeln kennt auch eine Bande. Ebenso Vertrauen und Netzwerke. Der bestimmende Unterschied liegt in der Vorstellung einer guten und gerechten Ordnung, die von einer Mehrheit in der Bevölkerung auch akzeptiert wird. An der Akzeptanz hat es zuletzt gefehlt. Zwar war die letzte Finanz- und Wirtschaftskrise nicht „made in Germany“, sondern made in the USA. Dennoch haben deutsche Banken und Unternehmen mächtig mitgezockt beim Spiel der leeren Kredite.

Höchste Zeit also für mehr Moral und Gemeinwohlorientierung. Das neue „Leitbild der Manager für verantwortliches Handeln in der Wirtschaft“ ist eine Kampfansage der deutschen Wirtschaftselite gegen den zunehmenden Vertrauensverlust in der Gesellschaft. Das Versprechen: „sichtbare, alltagstaugliche und überprüfbare Standards verantwortlichen unternehmerischen Handelns“. Hätte die Politik solche verlangt, hätte schnell das böse Wort von der „Bürokratie“ die Runde gemacht. Die Standards werden sehr wahrscheinlich ebenso weich formuliert sein wie die Ziele des Leitbilds. Konkret wird das Papier an keiner Stelle. Das ist wenig überraschend. Überraschender ist dagegen die Rückwärtsgewandtheit. Während das Land zunehmend von Vollbeschäftigung und Fachkräftemangel spricht, ist in dem Papier von „Stellenabbau“ die Rede. Die Zeichen der Zeit erkennen sieht anders aus. Immerhin: Die Dialogbereitschaft der Managerelite steigt. Wohl auch Dank „Stuttgart 21“.

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4 thoughts on “Marktwirtschaft braucht Moral und Akzeptanz

  1. avatar

    Wie glaubwürdig ist so ein Ethikrat in der Wirtschaft,wenn ein Herr Ackermann in dieser Runde sitzt und der Wirtschaft eine Ethik aufzeigen will?
    Er steht für Entlassungen im eigenen Unternehmen
    und hat keine Scham, wenn er seinen Lohn anschaut?
    Würde er ein wenig verzichten,hätten mehr Menschen einen Arbeitsplatz oder einen besseren Lohn!
    Der Staat hätte weniger Arbeitslose und mehr Geld in den Sozialkassen!
    Herr Ackermann und seine Freunde müßen noch sehr viel lernen.
    Es reicht nicht aus einen Ethikrat zu bilden.

  2. avatar

    @Daniel Dettling: In Anbetracht der vorzeitigen Aktienverkäufe der Nobelkarossen-Elite, finde ich Ihren Artikel dermaßen komisch, daß mir die Tränen des Zorns in die Augen steigen müßten.
    Finden Sie sich nicht auch ein wenig komisch, bzw. tragisch?
    Moral ist nur etwas für Arme, wie es aussieht. Und die, die diese predigen. Dennoch ist es äußerst tröstlich, daß eher ein Kamel durch ein Nadelöhr gehen soll, als ein überbezahlter Manager in den Himmel kommen.

    Könnten Sie die Welt vielleicht einmal schildern, wie sie ist, nicht, wie sie sein sollte?
    Für die Moral sind doch die Linken zuständig und die Kirchen, die das ja auch , bekenntnisgenau, umsetzen!?

    Die Juden sind hier vielleicht eine rühmlich Ausnahme.
    Im alten Judentum ging man davon aus, daß der Mensch nach dem Tod in eine Schattenwelt einginge und weit entfernt von Gott weiterlebe. Es gab also nur das Weiterleben in den Nachkommen.
    So waren sie gezwungen in ihrem diesseitigen Leben einigermaßen gute Taten zu vollbringen, da sie kein jenseitiges erwarteten. Daher brauchen sie die” Moral” nicht so notwendigerweise.Ein in dieser Hinsicht glückliches Volk!!!

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    Der Düsseldorfer Journalist, M. Sixt, formiert.
    Auf dem blog”wirhabenkeineangst.de keimen manch zarte Pflänzchen der Freiheitsliebe.
    Die Angst vor der Freiheit scheint sich doch nicht mehr so epidemisch zu verbreiten, in diesem, unseren Land.
    Herr Fromm hätte seine wahre Freude an den neuen Deutschen.

  4. avatar

    “Die Dialogbereitschaft der Managerelite steigt. Wohl auch Dank „Stuttgart 21“.”

    Reeller Dialog oder geschicktere PR und Imagepflege? Staatsgelder kassieren, Stellenabbau planen und Raubbau an der eigenen Gesellschaft betreiben. Sie glauben tatsächlich, ein bisschen “Stuttgart 21” brächte den Sinneswandel?
    An dieser Stelle halte ich’s mit dem Glauben doch lieber realistischer:
    Ich glaube nur was ich sehe… und da es dank geschickter PR oft nicht mehr leicht ist, zu sehen:
    Ich glaube nur was ich sehe, schriftlich und vertraglich festgelegt sowie gesetzlich verankert.

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