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Wenn für Kinderarmut kein Geld da ist

Es ist der unerklärte Krieg von reich gegen arm. Er währt seit Jahrhunderten und ein Friedensschluss ist nicht in Sicht. Vielmehr verschärft sich dieser Kampf ohne Kanonen von Jahr zu Jahr. Das ist der eigentliche Skandal.

Nach der jetzt von UNICEF vorgelegten aktuellen Statistik über weltweite Kinderarmut hat die globale Wirtschaftskrise in Entwicklungs- und Schwellenländern mehr als eine Milliarde Menschen unter die Armutsgrenze katapultiert, das sind 100 Millionen mehr als im Vorjahr. Nach Berechnungen der Weltbank werden allein in den nächsten Jahren zusätzlich 400.000 Kinder keine Schulbildung erhalten.

Insofern ist der Appell des Uno – Kinderhilfswerk an die Gipfelteilnehmer dieses Wochenendes in Kanada mehr als berechtigt, die hohe Kindersterblichkeit zu bekämpfen, für ausreichende Ernährung zu sorgen und die Ausbeutung durch Kinderarbeit zu beenden.

Doch mehr als ein schon oft gehörter aber kaum beachteter Appell ist das nicht. Es macht nur noch wütend, wenn dann großes Verständnis für diese Forderungen geäußert wird und alle versprechen, das Mögliche tzu tun.

Ein politischer Zynismus sondergleichen hat sich seit Jahrzehnten in den Gipfelkronen der Weltpolitik eingenistet. Der Schwur der reichen Regierungen, mindestens 0,7 Prozent des jeweiligen Bruttosozialprodukts für Entwicklungshilfe auszugeben, hat bald goldenes Jubiläum und ist noch von niemandem befolgt worden. Deutschland bringt es gerade mal auf den halben Tarif.

Angeblich ist nicht mehr Geld da. Jedenfalls nicht für diese humanitäre Pflichterfüllung. Stattdessen werden den Börsenspekulanten und Finanzbankstern die Milliarden hinter her geworfen, weil es hier ja gelte, systemische Strukturen des internationalen Kapitalismus zu bewahren.

Autos kaufen keine Autos, hat Altkanzler Schröder mal formuliert. Falsch. Seit der Abwrackprämie, die hunderte von Millionen verschlungen hat, wurde alt gegen neu auf Kosten der Allgemeinheit eingetauscht. Internationale Solidarität? Fehlanzeige.

Und so sterben Tag für Tag auf dieser Erde rund 40 000 Menschen an Unterernährung, zumeist sind es Kinder der Dritten Welt. Nein, unsere Politiker, die übrigens schon zu Jahresbeginn zur Kenntnis nehmen mussten, dass auch hierzulande sich eine massenhafte Kinderarmut breit macht, gehen achselzuckend zur Tagesordnung über, die von einem angeblichen Sparpaket dominiert wird.

Dass diese heimtückische und egoistische Selbstbereicherung der wenigen reichen Länder auf Kosten der vielen Armen Staaten sich eines Tages rächen wird, das interessiert doch heute nicht, wo es um niedrigere Mehrwertsteuern für das Hotel- und Gaststättengewerbe, oder um die Beibehaltung der Pendlerpauschale geht.

Die Probleme der Dritten Welt werden irgendwann vor unserer Haustür landen, und das in nicht allzu ferner Zeit. Erste Zeichen aus dem viel zitierten Migrationshintergrund sind schon sichtbar. Irgendwann finden sich die reichen Regionen als Schlachtfelder dieser nicht erklärten Kriege wieder.

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2 thoughts on “Wenn für Kinderarmut kein Geld da ist

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    Die Katholische Kirche ist das groesste institutionelle Hindernis zur Veringerung der Kinderarmut in Lateinamerika (und in Afrika zusammen mit dem Islamismus). Warum ? Weil die Katholische Kirche die Programme bekaempft welche die Regierungen zu Empfangsverhuetung anbieten. Das wird wiederholt auch erwaehnt in Zusammenhang mit dem groessten Armutslinderungsprogramm der Welt: BOLSA FAMILIA in Brasilien (sehe Wickipedia BOLSA FAMILIA – der Text ist auch in Englisch). Selbst die reichste Frau Brasiliens, Renata Camargo, eine Multimillardaerin, lobt das Programm der “linken” Regierung, aber die Katholische Kirche bekaempft das Armutsverminderungsprogramm: “Es fuehrt zur Abhaengigkeit!” Das stimmt: BOLSA FAMILIA wird nur an die Familie bezahlt wenn die Kinder die Schule besuchen, – und Schulbesuch von Armen fuehrt doch zumindest zu einer Grundbildung und Grundbildung oeffnet einen Pfad zum “Denken” – und das ist Schaedlich fuer den “Glauben” besonders dem Katholischen! Ein konkretes Beispiel: “Belo Monte” – das Energiestaudammprojekt. In einer Gegend in welcher schon seit 100 die Landwirtschaft betrieben wird und wo 20% arbeitslos sind, aber die typische Familie im ihrer Pfahlbaute hat 8 bis 11 Kinder. Die 100 Enkel dieser Familien koennen in einer Generation nicht auch noch von Flussfischfang und Nuessesammeln leben. Der Staudamm erlaubt die Elektrizifizierung des Gebietes und die Entwicklung der Industrie. Dabei geht 0.01% des Amazonasurwalds verloren und 18,000 Menschen koennen in von den Entwicklern gebauten Siedlungshaeuser umziehen. Der Bau das Staumdamms, und die Wirtschaftserweiterung des Gebietes erwirkt bis zu 20,000 neue Arbeitsplaetze. Natuerlich ist die Katholische Kirche gegen diese Eintwicklung, der dort wirkende Bischof, ein Oestreicher, ist sogar am 16. April zum Ratzinger im Vatikan geflogen um die Propaganda gegen die “linke” Regierung und deren “Entwicklungsplan” in Europa und weltweit anzuheizen. Natuerlich ist auch der “Hemispheric Leader” COVERTLY -dagegen, und sogar “Avatar” Produzent James Cameron ,in Hollywood ,hat in USA zusammen mit der New York Times den Bau des Staudamms als Angriffsziel gegen die Wiederwahl der “linken” Regierung ausgenuetzt. Die unheimlichen(!) “gruenen” NROs in USA, England und Deutschland – stehen dabei typischerweise(!) auf der Seite der Katholischen Kirche und der USA… (Fuer die USA und die EU ist Brasilien ein Konkurrent des weltweiten Agrarexportes der von USA und EU Steuerzahlern bezahlten Agrarproduktion. Und fuer USA ist Brasilien heute zu “unabhaengig” in der Weltdiplomatie und einer der BRIC! Jetzt hat Brasilien die USA wegen Baumwollsubvention verklagt und USA muss jedes Jahr $ 147 Millionen Ausgleich an Brasilien bezahlen..)

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    “Rainers Manifesto” ? Irgendwo habe ich den ersten Paragraph schon einmal, irgendwo gelesen…”verschaerfter Kampf – unerklaerter Krieg von reich gegen arm – seit Jahrhunderten – Friedensschluss nicht in Sicht”… Thesis – Antithesis = Synthesis: Dialektik ? Die theoretische “Loesung” ist leider vorlaeufig schief gegangen, und nun sind wir wieder am “Nachdenken”… Beim Militaer wurde uns Rekruten gesagt: “Lass das Denken an die Pferde, die haben groessere Koepfe!” Also biete ich hier nicht eine panoramische Erloesung von dem Klassenkampf. Aber eine Meinung als Beobachter der “Dritten Welt”: Die “Entwicklunghilfe” kann die Kinderarmut und Unterernaehrung nur in winzigen Ausmassen lindern – und ist auch ein verstecktes Geschaeft fuer die “Spendensammler”. Das groesste Problem in der Dritten Welt in bezug auf Kinderarmut ist die VERWANTWORTUNGSLOSIGKEIT der Maenner welche die Empfangsverhuetung verweigern und der Einfluss der Religion welche grundsaetzlich keinerlei Veraenderung der hergebrachten von “Gott” erschaffenen “Ordnung” erlauben. Dort, wo die praktische “Linke” (ohne “Ideologie”!) teilweise die Religion zurueckgedraengt hat (z.B. Brasilien, Mexiko ) – ist die Kinderlawine vermindert worden, und die Kinderarmut und Unterernaehrung teilsweise stark vermindert worden. Gleichzeitig hat die Verminderung des Religionseinflusses eine Befreiung der Frau erwirkt und ihrem Zugang erweitert auch auserhalb des “Hauses” ein aktives Eigenleben zu erstreben: Heute sind in Lateinamerika auch Frauen als Praesidentinen, Ministerinen, Professorinen. Diese “Entwicklung” ist nicht durch guetige Spenden von Europe entstanden, sondern – ja, auch teilweise durch den Einfluss des urspruenglichen Manifestos, welches in Lateinamerika zumindest zum Denken und zur Tat fuer “Veraenderungen” in der Gesellschaft angeregt hatte: Veraenderungen welche erst nach vielen Ringen gegen die Katholische Kirche und den hegemonischen Interessen des “Hemispheric Leaders” durchgekaempft werden mussten. In Afrika und Asien sind die Umstaende natuerlich nicht indentisch – aber die beiden Hauptursacher der Kinderarmut und Unterernaehrung sind die Selben: Verantwortunglosigkeit der Maenner und die Religion.

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