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Fifty Shades of Dorian Gray

Foto: Buchcover, fotografiert von Hans von Seggern

Auf den Spuren Oscar Wildes erzählt Andreas Schäfers Roman „Letzter Akt“ von der midlife crisis als Menschheitsfrage. Eine Rezension.

Oscar Wildes Roman „The picture of Dorian Gray“ von 1890, der seinem Autor einen Unzuchtsprozess einbrachte, hat in der Historie seiner Rezeption eine ganze Reihe von literarischen Nachfolgern emporgebracht. Ein Thema für sich wäre es, die faszinierenden Metamorphosen von Wildes Motiv durch die Jahrzehnte seit seinem Erscheinen zu verfolgen: Die Geschichte eines Adonis’, der durch eine Art Teufelspakt nicht altert, während sich in seinem Portrait sämtliche Missetaten eines immer abwegigeren Lebenslaufes widerspiegeln.

In der Metapher dieses Porträts variiert Wildes Roman einen bekannten Topos der Antike: Die Vorstellung, nach der die moralische Vollkommenheit des epischen Helden einhergeht mit dessen Schönheit in der äußeren Erscheinung. Allein nach außen bleibt die Schönheit des Adonis’ Dorian im Laufe der Romanhandlung konserviert, während seine moralische Verkommenheit sich spiegelt in der fortschreitenden Hässlichkeit des gemalten Konterfeis. Weiterlesen

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Vier Namen – eine Stimme: Die Wiederkehr der Expressionistin Else Onno

Ihre Texte wirken wie Storyboards zu expressionistischen Kurzfilmen: anarchisch, temporeich und von psychologischer Tiefe. Nach aufwändigen Recherchen ist nun das Rätsel ihrer Identität gelöst: Mit der Edition „Streichhölzer“ bekommt das deutschsprachige Feuilleton der Zwischenkriegszeit nun eine seiner faszinierendsten Stimmen zurück.

 Die Prager Presse bestach in den 20er Jahren durch ein herausragendes Feuilleton. Allein Robert Walser steuerte rund 200 Artikel zu diesem Leuchtturm deutschsprachiger Feuilleton-Kultur bei. Mit ähnlich namhaften Stars warb seinerzeit das Prager Tagblatt: Über zwanzig Jahre hinweg – von 1917-1937 – schrieb Joseph Roth ungezählte Beiträge, die dem stets in Geldnot lebenden Literaten sich über Wasser zu halten halfen. Der Wallstein Verlag konnte im Jahre 2012 mit einer kritisch edierten Erstausgabe aufwarten. Das Publikumsinteresse war so erfreulich, dass Diogenes nur drei Jahre später eine Taschenbuch-Ausgabe eben jener Texte nachlegte. Weiterlesen

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Kurze Phänomenologie des Euligen in der Musik – Ein Beitrag zur Eulologie der Populärkultur

Unser Autor Hans von Seggern führt die Tradion der Top 5 Song Listen aus dem Kultroman „High Fidelity“ von Nick Hornby fort. Den Auftakt machen die besten Tracks zur „Eulologie“.

In dem Kultroman „High Fidelity“ lässt Autor Nick Hornby seine Hauptfigur, den Besitzer eines Londoner Plattenladens, mit seinen Angestellten immer wieder neue Top 5 Listen von allem und jedem ersinnen: Die Top 5 Hits aller Zeiten, die schlechtesten 5 Songs aller Zeiten, die Top 5 der besten ersten Songs auf Seite 1 von Pop-Platten etc. pp. Dabei stellt Hornbys Protagonist die Frage nach dem Ursprung des Blues:

“What came first – the music or the misery? Did I listen to the music because I was miserable? Or was I miserable because I listened to the music?”

Während diese Frage – es ist die Frage nach der Henne und dem Ei – wohl nie beantwortet werden wird, kann man festhalten: Die Top 5 Listen aus „High Fidelity“ müssen fortgeführt werden – just for the heck of it! Weiterlesen

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