Der Dresdner Autor Michael G. Fritz schildert in seinem Buch persönliche Geschichten von Menschen, die ihm in Israel begegnet sind und die sich selbst wohl als eher gewöhnlich oder unwichtig ansehen, durch ihre Erzählungen aber genau das Gegenteil darstellen. Höchst lesenswert.

Was auf den ersten Blick wirken könnte wie ein launiges Backbuch, ist tatsächlich eines der interessantesten Werke, die mir in der letzten Zeit beggent sind. Der titelgebende Apfelstrudel-Ausspruch gibt dabei bereits früh die Richtung vor. Der volle Titel des Buchs lautet „Meinen Apfelstrudel sollten Sie sich nicht entgehen lassen – Schalom. Begegnungen in Israel“. Eine sperrige Konstruktion, allerdings fällt mir auch kein gleichzeitig origineller und kurzer Titel ein. Fritz hat Israel, dieses Land, das sich so herrlich kontrovers aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft definiert, einige Male bereist und dabei Menschen getroffen. Das klingt selbstverständlich, ist es aber kein bisschen, schließlich neigen Reisende ja gern mal dazu, „unter sich“ zu bleiben und das tatsächliche Land hinter den Urlaubsprospekten auszublenden.
Der Autor tat das nicht, sondern suchte das Gespräch mit Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und deshalb so typisch sind für Israel. Sie erzählten Fritz ihre persönlichen Geschichten und Ansichten über das Leben in einem Land, das allein schon aufgrund seiner mehrtausendjährigen Geschichte etwas Besonderes ist.
Fritz versteht es dabei meisterhaft, authentische Storys wiederzugeben, die den Lesern das Land und seine Bewohner auf eine Art näherbringen, für die man üblicherweise selbst durch Israel gereist sein müsste. Er verzichtet dabei auf belehrende Kommentare und lässt stattdessen die Menschen mit ihren subjektiven Erfahrungen und Meinungen zu Wort kommen. Diese Herangehensweise ist wohltuend anders in einer emotionalen und hysterischen Zeit, in der die eigene Weltsicht nur zu gern jede Objektivität wegwischt. So jedenfalls gelingt es Michael G. Fritz, die Vielfalt und die Widersprüche dieses Landes zu spiegeln.
Was mir besonders gut gefiel: ich meinte, ständig ein Augenzwinkern des Autors mitzulesen.Leichtigkeit zu schaffen bei schwierigen Themen, das ist eine Kunst, die Fritz offensichtlich beherrscht. So macht das Buch Spaß, ohne albern zu werden – und es informiert, ohne zu belehren. Das tut gut.
Wer Israel bereits bereist hat und dabei mit Einheimischen ins Gespräch kam, wird in der einen oder anderen Geschichte sicherlich Bekanntes wiederentdecken. Wer noch nicht dort war, verspürt vielleicht die Lust, das Land einmal kennenzulernen. „Meinen Apfelstrudel sollten Sie sich nicht entgehen lassen“ ist jedenfalls weit mehr als ein herkömmlicher Reisebericht. Es ist ein Blick in die Seele eines komplizierten Volks und gleichzeitig auch eine kleine Liebeserklärung an das Besondere, das Schrullige, das Erzählenswerte.