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Erbe, Umwelt, Vergangenheit: Warum die WHO Gesundheit falsch definiert

Die Molekularbiologie lehrt uns derzeit ein völlig neues Verständnis von Gesundheit: Sie ist auf keinen Fall das Gegenteil oder die Abwesenheit von Krankheit. Sie ist auch kein Zustand, sondern ein Prozess. Und der macht vor Generationsgrenzen nicht Halt. Warum das so ist, warum es sogar die Weltgesundheitsorganisation (WHO) interessieren sollte, und was es für uns bedeutet, beschreibe ich in meinem neuen Buch „Gesundheit ist kein Zufall. Wie das Leben unsere Gene prägt“. Wer ist die uralten, unfruchtbaren, immer gleichen Diskussionen nicht schon lange leid: Welchen Teil unserer Persönlichkeit und Gesundheit verdanken wir wohl dem genetischen Erbe der Eltern, welchen Teil verdanken wir ihrer Erziehung und dem Lebensstil, den sie uns mit auf den Weg gaben? Ist es das Erbe oder die Umwelt, was maßgeblich unsere Intelligenz, unsere Neigung zu Übergewicht oder zu Depressionen verantwortet?

Doch diese Fragen sind nicht mehr zeitgemäß. Sie haben die Biologie lange genug gelähmt. Diese Fragen entstammen dem Irrglauben, man könne den Einfluss von Erbe und Umwelt sorgfältig auseinander halten und zu einhundert Prozent aufaddieren. Noch immer denken viele Menschen, alle unsere Merkmale verhielten sich wie Erbkrankheiten oder simple äußere Kennzeichen wie Augen- oder Haarfarbe. Solche Eigenschaften sind mehr oder weniger direkt auf Varianten einzelner oder einiger weniger Gene zurückzuführen. Und was darüber hinaus noch an Unschärfe bleibt, muss zwangsläufig durch die Umwelt verursacht worden sein.

Doch mit den allermeisten menschlichen Eigenschaften – vor allem mit jenen, die uns besonders interessieren – ist es anders. Sie sind komplex. Experten sagen, ihre Ursache ist multifaktoriell. Geht es um das Risiko für Volks- und Alterskrankheiten, um allgemeine Persönlichkeitsmerkmale oder um positive Eigenschaften wie Resilienz und Langlebigkeit, versagt der Versuch einer eindimensionalen Aufteilung in Erbe oder Umwelt.

Im Frühjahr 2016 sorgte die Studie eines großen internationalen Forscherkonsortiums für Aufsehen, weil sie neu entdeckte Genvarianten präsentierte, die unsere Lebensfreude, das subjektive Wohlbefinden und den ganz persönlichen Hang zu neurotischem Verhalten und Depressivität beeinflussen. Fast 300 000 Menschen hatten Daten zu ihren Genen und ihrer psychischen Verfassung zur Verfügung gestellt. Rund 150 Forscher hatten die Daten in mühevoller Kleinarbeit daraufhin analysiert, ob überhaupt irgendein Zusammenhang zwischen Genvarianten und derart komplexen Merkmalen besteht. Am Ende hatten die Wissenschaftler drei Veränderungen des DNA-Codes aufgespürt, die unser Wohlbefinden mitbestimmen. Hinzu kamen zwei Veränderungen, die mit Depressivität, sowie elf Veränderungen, die mit Neurotizismus in Verbindung stehen.

Aber wozu das Ganze? Drei der beteiligten Genetiker erklärten in einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die neu gefundenen Gen-Effekte seien „nur für einen Bruchteil der Erblichkeit von psychologischem Wohlbefinden verantwortlich“. Die Genvarianten erklärten „weniger als ein Prozent der Unterschiede im Wohlbefinden in der Bevölkerung“. Die untersuchten Merkmale seien einfach viel zu komplex, zu viele Gene seien daran beteiligt, zu viele Umweltfaktoren wirkten darauf ein, um einzelnen Genvarianten deutliche Auswirkungen zuschreiben zu können. Letztlich sind die Ergebnisse der Studie vor allem für die Grundlagenforschung interessant.

Ähnliche Resultate ergeben sich, wenn Forscher Phänomene wie Intelligenz, die Neigung zu Übergewicht oder zu Persönlichkeitsstörungen analysieren. Immer scheinen mehrere Hundert, vielleicht auch einige Tausend Gene im Zusammenspiel einen jeweils extrem kleinen Beitrag zum gesamten Merkmal zu leisten. Dabei gleichen sich die Effekte mehrerer Genvarianten oft aus: Die eine Variante erhöht ein Risiko minimal, während eine andere das Risiko ein wenig senkt.

Viel entscheidender ist letztlich die Regulation des gesamten Netzwerks aus sehr vielen sich gegenseitig in ihrer Aktivität beeinflussenden Genen. Erst aus dieser Regulation resultieren unsere Gesundheit und Persönlichkeit. Und diese Regulation wird nicht nur durch die gegenwärtige Umwelt, durch unseren Lebensstil und andere soziale Einflüsse verändert. Sie wurde vor allem in unserer gesamten Vergangenheit geprägt. Der US-Amerikanische Intelligenzforscher Eric Turkheimer wies schon vor Jahren darauf hin: „Ein Modell, in dem die Variabilität der Intelligenz unter Kindern auf unterschiedliche Komponenten aufgeteilt wird, die entweder den Genen oder der Umwelt zugeschrieben werden, ist angesichts der dynamischen Interaktion zwischen den Genen und der faktischen Umwelt während der biologischen Entwicklung zu einfach.“

Die wichtigste Botschaft der aktuellen Molekularbiologie lautet also: Unsere komplexen Eigenschaften entstehen immer aus Erbe, Umwelt und Vergangenheit zugleich: Einflüsse aus der Gegenwart, die Prägung aus der Vergangenheit und genetisch gespeicherte Programme „spielen“ gemeinsam mit den geerbten Genvarianten und machen erst im Zuge dieses Prozesses das aus uns, was wir sind. Fällt einer der Spieler aus, ist das gesamte Spiel hinfällig. Das Resultat des Zusammenspiels – etwa ein besonders langlebiger, gesunder und resilienter Mensch – ist folglich immer zu hundert Prozent auf die biologische Entwicklung in einer persönlichen Umwelt und zugleich zu hundert Prozent auf die geerbten Gene zurückzuführen. Wir sind niemals die Summe aus Erbe und Umwelt sondern immer deren Produkt.

Es ist dieser völlig neue, moderne Blick auf unsere Gesundheit, der mich dazu bewogen hat, das Buch „Gesundheit ist kein Zufall“ zu schreiben. Immer mehr Experten begreifen Gesundheit und Persönlichkeit nicht mehr als Zustände sondern als dynamische Prozesse. Der Berliner Andreas Plagemann, Leiter der Abteilung für experimentelle Geburtsmedizin an der Charité, spricht zum Beispiel vom Leben als einen „individuellen, permanent umweltabhängigen Entwicklungsprozess“ – als „Ontogenese bis ins Alter“.

Der französische Arzt und Philosoph Georges Canguilhem sagte einst, „Gesundheit“ sei „die Fähigkeit, sich anzupassen“. Das scheint mir bis heute die treffendste Definition von Gesundheit überhaupt. Sie unterstreicht nicht nur, dass Gesundheit ein Prozess ist, sie legt auch nahe, dass Gesundheit nicht zufällig sein kann, denn äußere Lebensumstände sind immer auch ein Stück veränderbar.

Seit zwei Wochen sorgt eine Studie für Aufsehen, nach der etwa sechs Zehntel aller Krebserkrankungen auf zufällige genetische Veränderungen zurückzuführen seien. Der Rest der Fälle geht demzufolge direkt auf Lebensstilfaktoren, wie den Nikotin- oder Alkoholkonsum zurück und zu einem kleinen Teil auch auf negative Genvarianten, die von den Eltern geerbt wurden. Was in der Berichterstattung über diese Studie viel zu kurz kommt, ist der Unterschied zwischen „Zufall“ und „Wahrscheinlichkeit“: Zwar mag das Krankwerden oft genug dem Zufall geschuldet sein. Die Wahrscheinlichkeit aber, mit der dieses zufällige Ereignis eintritt, ist beeinflussbar, es ist eine Frage der Gesundheit.

Aus diesem Grund beeinflussen unser Lebensstil und der Lebensstil unserer Eltern nicht nur direkt sondern immer auch indirekt das Risiko für komplexe Krankheiten – also auch das Krebsrisiko. Wenn ich eines Tages an Krebs erkranke obwohl ich sehr gesund lebe, habe ich also vermutlich schlicht Pech gehabt. Aber ich werde dann immerhin wissen, dass ich mit der Unterstützung meiner Gesundheit dafür gesorgt hatte, dass dieses Pech sehr unwahrscheinlich war.

Die wichtigsten molekularen Strukturen, die all diese Prozesse begleiten, sind so genannte epigenetische Schalter und Dimmer. Sie verändern nicht den genetischen Code selbst. Aber sie befinden sich am und im Erbgut und entscheiden dort, welche ihrer Gene eine Zelle des Körpers überhaupt einsetzen kann und welche nicht.

Erst mit Hilfe dieser Werkzeuge können Zellen eine unterschiedliche Identität annehmen, etwa als Nerven-, Haut- oder Muskelzelle. Sie können aber auch in Abhängigkeit von äußeren Einflüssen – Hormonen, Ernährung, Belastungen oder Training – in ein anderes epigenetische Programm wechseln. Die Muskelzelle eines Hochleistungssportlers reguliert ihre Gene beispielsweise völlig anders als jene des Stubenhockers. Und die Zellen im Stressregulationssystem eines Menschen, der in frühester Kindheit vernachlässigt wurde und wiederholte schwere Gewalterfahrungen machen musste, arbeiten völlig anders als bei jemandem, der von klein an stabile Bindungen zu liebevollen Bezugspersonen aufbauen durfte und in Geborgenheit groß wurde.

All diese Dinge können Epigenetiker heutzutage direkt messen. So erklären sie einen Großteil unserer individuellen Gesundheit – etwa, warum die Einen eher zu Angststörungen, Depressionen oder Fettsucht neigen und die Anderen besonders lange fit bleiben und erstaunlich resilient und charismatisch sind. Seit gut zehn Jahren begleite ich als Autor dieses wichtige neue Forschungsgebiet. Im Jahr 2009 erschien mein erstes Buch dazu. „Der zweite Code“ war das weltweit erste populärwissenschaftliche Buch über Epigenetik überhaupt.

Damals kündigte ich eine wissenschaftliche Revolution an. Und tatsächlich ist diese Revolution derzeit im Gange. Heute erklärt uns die Epigenetik, wie das Leben unsere Gene prägt. Sie zeigt, wie wir werden, was wir sind.

Im aktuellen Buch schildere ich indes nicht nur diese neuen Erkenntnisse. Ich fordere auch eine neue Biologie der Vererbung. Denn es wird immer klarer, dass wir in der Lage sind, unsere im Laufe des Lebens erworbenen Umweltanpassungen und damit auch unsere Gesundheit und Persönlichkeit ein Stück weit zu vererben – völlig unabhängig von den Genen.

Das geschieht zum einen während der wichtigen Phase der so genannten perinatalen Prägung. In dieser Zeit, die im Mutterleib beginnt und mit etwa einem Lebensjahr endet, bestimmen die Eltern über Umwelt und Lebensstil ihrer Kinder. Dieser prägt sich nun besonders fest in das Erbgut der Kinder ein und beeinflusst manchmal lebenslang die Aktivierbarkeit der Gene.

Darüber hinaus gibt es immer mehr Hinweise, dass epigenetische Strukturen auch über die Keimbahn, also über Ei- und Samenzellen, weitergegeben werden und nach der Befruchtung den heranwachsenden Keim beeinflussen. Damit vererben wir also nicht nur die Gene sondern auch umweltabhängige Informationen darüber, wie wir diese Gene regulieren sollen. Eine Sensation!

Vieles spricht also dafür, dass unsere Gesundheit nicht nur das Produkt des eigenen Lebens ist. Sie scheint zusätzlich durch das Leben der Eltern und Großeltern beeinflusst zu sein. Gesundheit ist ein generationenüberschreitendes Projekt.

Für die Gesellschaft haben all diese neuen Erkenntnisse weit reichende Konsequenzen:

  • Jedes Individuum dürfte sich zusätzlich zu einer gesunden Lebensweise motiviert fühlen, mit ausreichend Schlaf und Entspannung, ausgewogener, nicht zu kalorienreicher Ernährung sowie reichlich körperlicher Aktivität. (Weitergehende Tipps, wie Sie vielleicht in einem Gesundheitsratgeber auftauchen, verbieten sich an dieser Stelle. Sie sind machen unfrei!)
  • Werdende Eltern, die ohnehin eine immer größere Verantwortung für das Wohlergehen ihrer Kinder spüren, müssen zunehmend entlastet werden. Es geht nicht darum, ihnen zusätzliche einengende Vorschriften zu machen, sondern die Erfüllung grundliegender Bedürfnisse wie den Aufbau einer stabilen Eltern-Kind-Bindung zu erleichtern.
  • Krankheitsprävention muss sich viel mehr als heute mit ungeborenen Kindern und der ersten Zeit nach der Geburt beschäftigen.
  • Die Gesellschaft muss insgesamt mehr gegen soziale Ungleichheit und Armut unternehmen.

Ich wiederhole es gern: Gesundheit ist ein Prozess. Es geht bei Gesundheitsprävention nicht um Zwang, wie sie Ratgeberliteratur verordnet, oder um das Streben nach einem unerreichbar utopischen, letzlich sogar viele Menschen diskriminierenden Zustand des höchsten individuellen Wohlbefindens, wie es etwa die WHO in ihrer Definition von Gesundheit anstrebt („Gesundheit ist nicht nur die Abwesenheit von Krankheit oder Gebrechlichkeit, sondern ein Zustand kompletten körperlichen, mentalen und sozialen Wohlbefindens“), sondern darum, möglichst vielen Menschen möglichst gute Chancen auf eine freie und normale biologische Entwicklung zu sichern. Denn die Gesundheit ist Produkt dieser Entwicklung. Gesundheit ist alles andere als zufällig.

 

Infos zum Buch

Peter Spork: Gesundheit ist kein Zufall. Wie das Leben unsere Gene prägt. Die neuesten Erkenntnisse der Epigenetik. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2017, 416 Seiten, 22,99 EUR.

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5 thoughts on “Erbe, Umwelt, Vergangenheit: Warum die WHO Gesundheit falsch definiert

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    Nun, daß Krankheit genauso wie gesunde Vitalität Reaktionen eines Organismus auf die Umwelt sind, über die Epigenetik eben auch auf die Umwelt der Vorfahren, wird jedem plausibel erscheinen, der von der Vorstellung ablässt, daß z.B. der menschliche Körper ein Uhrwerk ist, das ab und zu zur Reparatur zum Uhrmacher muss, um ‘perfekt’ zu funktionieren (‘Gesundheits-Checkup’ usw.).
    Um es noch deutlicher zu sagen: Krankheiten (und ‘Behinderungen’) nur als Defizit zu sehen, das ist mir zuwider. Es ist das Defizit in einer bestehenden (ökonomischen) Werteordnung (ich denke da mal an die Autisten, die oft sehr gut Probleme lösen können, die aber i.d.R. niemand brauchen will..)
    Ich bin sehr für Ihre Forderungen, eine Weiterentwicklung der Gesellschaft zur artgerechten Haltung von homo sapiens, genügend ‘Auslauf’ usw., aber ich glaube ‘die WHO’ ist jetzt auch nicht so doof, daß ihr solche Sichtweisen verschlossen wären. Warum sie sich als Weltorganisation so konservativ zeigt, wie die Katholische Kirche, wird Gründe haben und über die sollte man auch sprechen:
    Was wäre denn, wenn Gesundheit nach Zweck oder Kassenlage definiert würde? Der Lungenkrebs westafrikanischer Kinder, die das Kupfer aus ausgedienten Röhrenmonitoren auf Müllhalden freibrennen als als ‘Umweltfaktor’ so zu bewerten, wie die Kindersterblichkeit in Hungerregionen? So nach dem Motto: Nicht schön, aber alles Übergangsstadien in einem gesellschaftlichen Entwicklungsprozess? Nicht daß ich Ihnen eine solche Sichtweise unterstellen wollte, ich meine aber, daß wir Aussagen brauchen, wie “ein gesunder Mann wird durchschnittlich 70 jahre alt, eine gesunde Frau 75” (oder vergleichbares), auch wenn das zu arg vereinfacht oder gar wissenschaftlicher Unsinn ist. Es dürfte für die Politik – insbesondere weltweit – jedenfalls einfacher sein, mit solchen Standards zu arbeiten, als zu versuchen, durch detaillierte Regelungen gesunde Lebensumstände in den Ländern zu erwirken. Ich habe dergleichen bei den Wasserrahmenrichtlinien gesehen, die gesundes Trinkwasser EU-weit gewährleisten sollten und (insbesondere von den Südländern) fleißig ratifiziert wurden. Passiert ist (gerade bei den Südländern) nichts, sicher auch weil die Richtlinien in wesentlichen Teilen (toxikologisch) völlig überzogen sind. Ich könnte mir vorstellen, daß die WHO auch im Blick hat, wie Politik funktioniert.

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      KJN: ‘Warum sie sich als Weltorganisation so konservativ zeigt, wie die Katholische Kirche, wird Gründe haben und über die sollte man auch sprechen:
      Was wäre denn, wenn Gesundheit nach Zweck oder Kassenlage definiert würde? Der Lungenkrebs westafrikanischer Kinder, die das Kupfer aus ausgedienten Röhrenmonitoren auf Müllhalden freibrennen als als ‚Umweltfaktor‘ so zu bewerten, wie die Kindersterblichkeit in Hungerregionen?’

      … war klar, Klaus, die Katholische Kirche, das musste kommen. Nicht die Aktienkurse, wie die staatlicher Industrie-Konzerne, Areva, zum Beispiel, oder die Stammes-Chiefs im Commonwealth, nein, die Katholische Kirche ist verantwortlich für Lungenkrebs westafrikanischer Kinder. Überhaupt verantwortlich für die Kindersterblichkeit in Hungerregionen.

      Ich stimme Ihnen sogar zu, alles hat was mit der Kirche Christi zu tun.

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        Na, hans, nicht richtig lesen und dann aus der Hüfte..
        Ich hatte bei der WHO eine konservative Haltung vermutet, die vielleicht alle Weltorganisationen auszeichnet, die sich nicht den unverantwortlichen Aktivismus von NGOs a la Greenpeace leisten können. Die Katholische Kirche habe ich nur als Beispiel für diese konservative Haltung, die einen Kontrapunkt zur Realpolitik liefert, angeführt. Kurz: Die WHO hat recht, wenn sie überkommenen Kriterien so lange nutzt, bis die Fallstricke erkundet sind, die neuere Sichtweisen auf die menschliche Gesundheit mit sich bringen, wie eben deren Relativierung. Habe ich mich wirklich so unklar ausgedrückt?

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    Apropos maligne Tumoren:
    Mit zunehmendem Alter häufen sich die Menschen in meiner Umgebung, die an “Krebs” erkranken und entweder überleben oder auch sterben. Viele, ja die meisten dieser Bekanntschaften haben sehr gesund gelebt, weil das vernünftige Leben in der Oberschicht und oberen Mittelschicht (Manufaktumfans) schon eine ganze Weile propagiert und teilweise befolgt wird. Die Tatsache, dass ich diese Häufung an Tumoren bemerke, lässt mich zunehmend skeptisch gegenüber jeder Theorie werden und sehr viel mehr an Genetik denken als in früheren Zeiten, außerdem weniger an Wahrscheinlichkeit oder Zufall, sondern an Alter, da wir, kollektiv betrachtet, deutlich älter werden, Erklärung im zweiten Absatz.

    Leider haben wir wie auch in der Klimaforschung nicht genügend Daten. M.E. reicht es nicht, Eltern und Großeltern zu betrachten. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Vorfahren in den beiden Kriegen jung verstarben und in den Jahrhunderten davor oft durch Infektionskrankheiten hinweggerafft wurden. Somit empfinde ich das Wissen auf diesem Gebiet inzwischen mangels Masse an Forschungsobjekten/Daten als lückenhaft.

    Nachteilig erscheint mir, wenn wir mit dem Kopf und folgend Modeerscheinungen oder Erkenntnissen, die morgen anders sein können, entscheiden, wie wir leben, weil ich der allerdings unbewiesenen Meinung bin, dass der Körper selbst besser entscheidet, was er braucht, als der Intellekt. So gibt es Kinder mit einem höheren Bedürfnis nach Zucker als andere Kinder. Dies leitet mich zu Zwängen:

    Ich habe im Berufsleben diverse Patienten mit malignen Tumoren erlebt, die unter erheblichen psychischen Härten gelitten hatten. Mal war es eine miserable Ehe, mal Kriegserlebnisse, mal Verluste jeglicher Art. Der psychisch-soziale Faktor bei der Auslösung von Krankheiten erscheint mir daher nach wie vor extrem wichtig, bedeutend wichtiger als die Ernährung. Hierbei meine ich unterdrückte Ängste, Sorgen, Hemmungen und das in jedem Milieu, also die klassische psychosomatische Medizin. Dieses Gebiet ist schwer erforschbar, da viele Menschen ihre Einschränkungen verbergen würden.

    Interessante Ausführungen oben, danke, m.f.G.

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