20 % aller 65-Jährigen entwickeln eine Altersdepression. In Pflegeheimen steigt die Quote auf 40 %.
Neurologen und Psychiater nennen die Ursachen: Verluste und weitere Verlustängste. Und die Aussicht, sterben zu müssen, ist nicht die rosigste Zukunftsperspektive.
Allerdings:
Das Bundesjustizministerium bastelt gerade an einer Verordnung:

War der depressive alte Mensch vor 35 oder mehr Jahren in der DDR auch nur 30 Tage zu Unrecht in Haft, war’s die Stasi, die das verbrochen hat.
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„Opfer“ hatte immer den Klang, den es hat, werte Kerstin,
die offizielle Sprachregelung der DDR war „VERFOLGTE des Faschismus“. Sicher auch auf Drängen der Betroffenen. Auch in der 1976er Anordnung über Ehrenpensionen für „Verfolgte des Faschismus“.
Diese wurde in der DDR, wie Sie wissen oder nicht wissen an Frauen ab 55, an Männer ab 60 gezahlt. Als durchaus üppige (Zusatz-) Altersversorgung.
Ohne das Etikett, einen Grad der Schädigung des Denkvermögens davongetragen zu haben. Verfolgte hoben ja hervor, durch die Verfolgung politisch besonders helle geworden zu sein.
Der Begriff „Opfer“ ist aber das Gegenteil davon.
Eine „Anerkennung als Opfer“ heute meint zur DDR in der Regel die „Anerkennung“ eines Versorgungsamtes, mindestens einen Grad der Schädigung der geistigen Leistungskraft von 30 % als Diktaturfolge „anerkannt“ bekommen zu haben.
Was ist das für eine „Anerkennung“? So eine „Anerkennung“ will ich doch gar nicht haben!
Was wollen eigentlich Sie als „Anerkennung“ der NS-Verfolgung in Ihrer Familie haben? So was? Dann gar noch in „transgenerativer Weitergabe“?
Ich alter Graukopf von 65 Jahren habe vorige Woche die erste Lateinklausur bestanden (Fragen Sie nicht wie). So was ist Anerkennung. Aber doch nicht irgendeine Bescheinigung darüber, dass ich infolge übler Stasiverfolgung dazu nicht in der Lage sei.
Meine Anerkennung für Ihre bestandene Lateinprüfung. Sie wollen also lieber eine Ehrenpension, wie in der DDR, um das Etikett der „Schädigung der geistigen Leistungskraft“ nicht angehängt zu bekommen? Das ist Ihr Problem? Das erscheint mir als Luxusproblem. Ich hatte mich schon gefragt, was Sie mit diesem Beitrag „Die Stasi wars!!!“ eigentlich sagen wollten. Das schreibe ich als jemand, die die Resilienz nicht hatte (dabei ging es nicht um Stasi), die weiß, was eine PTBS ist, die Jahre brauchte, sich an den Auslöser zu erinnern und noch mehr Jahre um aus den Erinnerungen wieder herauszukommen. Nicht jeder konnte nach einem Ereignis von Gewalt noch studieren und anschließend eine Beamtenlaufbahn durchhalten. Sie haben es geschafft und schaffen es immer noch, darauf können Sie stolz sein.
„Sie wollen also lieber eine Ehrenpension, wie in der DDR, um das Etikett der „Schädigung der geistigen Leistungskraft“ nicht angehängt zu bekommen? Das ist Ihr Problem?“
Werte Kerstin,
Als „DDR – Haftopfer“ erhalte ich jeden Monat derzeit 400 Euro. Ohne das Etikett.
Mehr will ich gar nicht. Und schon diese Summe hat ihre Neider. Also Menschen, die sagen, dass sie dies viel nötiger bräuchten.
Manches kann ich sogar nachvollziehen. Mental ist es meines Erachtens nach wirklich leichter, einer Gefahr in einem Vernehmungsraum Auge in Auge gegenüber zu sitzen, als dieselbe irgendwie im Rücken zu erahnen.
Auch Vaclav Havel beschreibt das in den Briefen aus dem Gefängnis an seine Frau so.
Und im Übrigen ist es über 40 Jahre her.
M.f.G.
Bodo Walther
Lieber Bodo Walther, ich versuche mal die Kurve zu kriegen: Juristische Aufarbeitung von Schuld und Haftung und Psychoanalyse haben wohl i.d.R. nur eine geringe Schnittmenge, es sei denn es wird nachgewiesen, daß das Leben der Opfer nach der Tat nachweislich durch die Tat bestimmt ist. Schwierig, weil, wie immer ‚multikausal‘..
Wer mal in verantwortlicher Position (Personalverantwortung) gearbeitet hat, kennt wohl die Abwägung von Verantwortung, Kausalität und Schuldzuweisung aus seiner Alltagspraxis und ist entsprechend daran gewöhnt, in eigener Verantwortung Entscheidungen zu treffen. Und kann sich vor diesen immer speziellen Entscheidungen am allermeisten nicht mit Handbüchern, dem Arbeitsrecht oder dem BGb absichern.
Unserer stets wohlinformierten Gesellschaft ist erstaunlicherweise die erforderliche Menschenkenntnis soweit abhanden gekommen, daß so hilflos gewordene moderne Mensch eher einen politischen Irrweg nach dem anderen sucht, als noch Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen.
Es wird also eher nach der individuellen oder politischen Schuld bei anderen gesucht, als sich vielleicht selber auch als überlebt habendes Opfer den Umgang mit den Ereignissen zu erarbeiten.
Das heißt aber ja nicht, daß Politik (als angewandte Gruppendynamik, wo jeder sich den bequemsten Weg sucht) da keine Verantwortung hätte, aber genau da müssten sich aber die klügeren Leute mit beschäftigen. Tun sie aber nicht. Herausragendes Beispiel ist die unsägliche Frau Merkel, aber auch so einige andere. Stattdessen wird immer nur über die ‚richtige‘ Ideologie gestritten – leider auch hier – und so ist es nur logisch, daß kein (!) Lernprozess stattfindet. Im Gegenteil, so pflanzt sich Dummheit fort, denn das Gegenteil von Dummheiten können auch immer nur Dummheiten sein. Wie z.B. das von Ihnen zitierte Gesetzesvorhaben. Oder derzeit der Position von AfD, ‚Grünen‘, Linken, SPD und Teilen der CDU beim Thema Iran. Alles das Gleiche in anderen Farben. Naja, und so entsteht auch immer die neue Bürokratie in einer wohlorganisierten Verantwortungslosigkeit.
Natürlich fällt das irgendwann krachend in sich zusammen, i.d.R. durch einen Krieg (nein nicht Ukraine, Iran.., sondern hier, wahrscheinlich infolge an eine KI deligierte Verantwortung..).
Tut mir leid, das macht nicht gerade Hoffnung, aber wir hatten nach WK II in Europa viele gute Chancen, haben sie aber nicht genutzt und werden sie jetzt nicht mehr nutzen, weil die Charakterköpfe mittlerweile fehlen. Vielleicht hilft ja noch mal Amerika..
Jedenfalls halte die Reaktion der Forumsteilnehmer hier auf die Fragen, die sie berechtigterweise hier stellen, unübertroffen billig und intellektuell unterirdisch und es wird hier erkennbar und exemplarisch eine weitere Chance verspielt, aus den Fehlern aus der Vergangenheit zu lernen. Therapieresistent sozusagen. Und.. ’nach mir die Sintflut‘.
Ja, des Menschen Resilienzen, seine psychischen (Gegen-)Kräfte gegen die Unbill des Lebens, lieber KJN,
als junger Assessor hatte ich 1994/95 eine „SED-Unrechtsbereinigungsbehörde“ in Leipzig, die Behörde zum Vollzug des Verwaltungsrechtlichen Rehabilitierungsgesetzes, VwRehaG (mit) aufgebaut.
Und stehe bei dem anderen Verordnungsvorhaben noch ratloser da:
https://www.bmjv.de/SharedDocs/Downloads/DE/Gesetzgebung/RefE/RefE_VwRehaGSch%C3%A4V.pdf?__blob=publicationFile&v=2
Eine „Zersetzungsmaßnahme“ vor 40 Jahren, also ein DDR-Staatsmobbing soll Ursache heutigere Depressionen sein?
Was ist eigentlich als eine solche Maßnahme zu qualifizieren?
Wieso ist der Betroffene da noch immer nicht „drüber weg“ ?
Wo sind seine Resilienzen? Wieso konnte er sie nicht aufbauen?
Und daraus folgend: Was ist hier überhaupt „Ursache“?
P.S.:
Weder die, welche das Konzentrationslager überlebt hatten, noch die, welche aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft heimkehrten, hatten in den 1950er Jahren Zeit oder Willen, sich „mit so was“ auseinanderzusaetzen. Dieser Nabelschau.
Sie haben wohl Recht: Krieg gebiert dann ganz andere Sorgen.
Warum lassen Sie nicht einfach mal die Opfer des NS (KZ-Überlebende) als inzwischen weitestgehende stumme Zeugen beiseite? Wir sind nicht mehr in den 1950igern und ob Sie solche näher kennen, weiß ich nicht. Dass es Mitglieder der AfD waren, die mit dem NS provozieren und damit auch NS-Opfer und deren Nachkommen triggerten, dürften auch Sie wissen. Bereits in der DDR – damals mit der Arroganz einer gut ausgebildeten jungen Frau – äußerte ich mich hinterfragend über Opferrenten. Es gab in meiner Familie Verfolgte des NS. Dies, die Diskussionen um den Begriff »Opfer« und die Frage, wie eine Demokratie mit dem Thema umgeht, ließen mich dann auch zum Buch »Opfer – Die Wahrnehmung von Krieg und Gewalt in der Moderne« von Svenja Goltermann greifen. Darin kann mensch auch lesen: „Wer jedoch als Opfer überhaupt benannt und anerkannt wird, war und ist eine Frage von Hierarchien und Macht – und damit ein eminent politisches Problem.“ In einer Demokratie wird darüber gestritten. Sie dagegen unterstellten mir bei Facebook sofort, dass ich einem Totalitarismus das Wort reden würde. Wie der Begriff »Opfer« umgangssprachlich verwendet und interpretiert wird, ist vom jeweiligen Sprecher und Hörer abhängig. Das Ziel in der Propaganda war »Opfer« zu delegitimieren. Walter Rothschild, um doch noch einmal auf NS-Opfer zurückzukommen, schrieb, soweit ich mich erinnere, in seinem Buch »Auf das Leben!« über einen Juden, der den Holocaust überlebte, sein Leben lang arbeitete und der als er Rentner wurde, sich mit seinen Erinnerungen konfrontiert sah. Mensch kann sein erfahrenes Leiden (verdrängen) aufschieben, das hebt es nicht auf. Ich habe viele ähnliche Geschichten gelesen, da ich wissen wollte, wie andere Familien mit der Vergangenheit umgehen, denn ich wollte meine Kinder unbedingt vor der transgenerativen Weitergabe schützen.