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Das Märchen vom großen Klaus und vom kleinen Klaus

… oder: vom Vermögen in West- und Ostdeutschland

Kennen Sie Hans Christian Andersens Märchen vom großen Klaus und vom kleinen Klaus? Also das geht so:

In einem Dorf lebte einmal ein Klaus, der hatte drei Pferde. Der große Klaus wurde er genannt. Und es lebte noch ein Klaus im Dorf, der hatte nur ein Pferd. Und hieß deshalb der kleine Klaus.

Montag bis Samstag lieh der kleine Klaus dem großen Klaus sein eines Pferd. Und Sonntags lieh der große Klaus dem kleinen Klaus seine drei Pferde.

Die spannte der kleine Klaus mit seinem eigenen Pferd vor seinen Wagen und rief: „Hü, alle meine vier Pferde!“

Was den großen Klaus erzürnte denn es waren ja seine Pferde und er schlug das eine Pferd des kleinen Klaus tot…

Bild oben: Der große und der kleine Klaus, Alfred Walter Bayes, 1895, aus Wikipedia

Ach, lesen Sie doch die Geschichte im Netz zu Ende.

Das Durchschnittsvermögen eines Westdeutschen betrug vor acht Jahren etwas mehr als das Doppelte des Durchschnittsvermögens eines Ostdeutschen. Die konkreten Zahlen von 2017 haben sich seitdem noch verschärft. 2021 betrug das Durchschnitts-Nettovermögen eines westdeutschen Haushaltes 127.900 €, das eines ostdeutschen Haushaltes 43.400 €.

Das entspricht etwa den Vermögensverhältnissen des großen Klaus gegenüber dem kleinen Klaus: Drei Pferde gegen ein Pferd. Und das wird sich keineswegs ändern, weil der große Klaus mit drei Pferden ja immer besser wirtschaften kann als der kleine Klaus mit nur einem Pferd.

Ich bin kein Sozialist. Bin keineswegs der Meinung, dass alle Menschen gleich viele Pferde haben müssten.

Nur eben: Der kleine Klaus wird immer anders ticken als der große Klaus. Und das liegt keineswegs daran, dass er zu wenige Polit-Schulungen besucht hätte.

Offenbart allerdings, dass der große Klaus, der so etwas herausposaunt, einen großen Unwillen hat in Sachen Länderfinanzausgleich und gemeinsames Tragen der sozialen Lasten in Deutschland.

Logisch.

Es ist immer der kleine Klaus der ruft: „Wir sind doch ein Volk!“

Und es ist immer der große Klaus, der entgegnet: „Wir sind aber auch ein Volk!“

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Über Bodo Walther

Bodo Walther, geboren 1960 in Weißenfels im heutigen Sachsen-Anhalt, studierte 1985 bis 1991 Rechtswissenschaften in Tübingen und Bonn. Er war aktiver Landes- und Kommunalbeamter in Sachsen-Anhalt, ist heute im Ruhestand und Anwalt in der Nähe von Leipzig.

2 Gedanken zu “Das Märchen vom großen Klaus und vom kleinen Klaus;”

  1. avatar

    Lieber Bodo Walther,
    Sie zitieren falsch. Das ist nicht das Durchschnittsvermögen, sondern der Median, der Wert genau in der Mitte. 50 % der Haushalte haben mehr, 50 % weniger.
    Ja, es gibt eine Vermögenslücke. Aber vieles ist relativ. Selbst eine Wohnung in einem niederbayerischen Kaff steht bilanziell höher als eine in ostdeutschen Städten. Die Wessis konnten über Jahrzehnte Immobilien, Unternehmen und Kapital aufbauen. Sonst hätten auch nicht seit 1990 über 2 Billionen Euro in den Osten fließen können, überwiegend finanziert aus westdeutschen Steuern. Westdeutsche Beitrags- und Steuerzahler haben Renten und Pensionen übernommen. Infrastruktur, Innenstädte, Hochschulen wurden massiv modernisiert. Ich habe Ende der 90er in Ostdeutschland studiert: neue Gebäude, kleine Seminare, hervorragende Ausstattung, niedrige Lebenshaltungskosten. Während im Westen Hörsäle bröckelten und Studierende auf dem Boden saßen. Das alles blendet aus, wer sich gerne dauerhaft im Status des „kleinen Klaus“ einrichtet. Man kann Probleme benennen oder man kann das Gefühl der Benachteiligung pflegen und bis zur Identität ausbauen. In Deutschland ist das beliebt. Im Osten hat man es zur politischen Kultur veredelt.

    1. avatar

      Nein. lieber Ben Frick,

      es geht mir nicht um „das GEFÜHL der Benachteiligung zu PFLEGEN“.

      Es ist der Generation meiner Kinder nicht mehr möglich, was mir noch möglich war:
      Aus eigener Leistung ein Eigenheim zu erarbeiten.
      Im Westen sowieso nicht. Im Osten allenfalls noch dort, wo sie nicht wohnen wollen.

      Sie nannten bereits die Grundstückspreise, sie betreffen ja auch das Bauland.

      Ein Eigenheim wird erbaut mit Baukostenzuschüssen von Vati und Mutti oder wird erebt.

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