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Von Schutz und Schutzgebieten

Entgegen dem Rat meiner Frau, auf deren Arbeit Schulausfall angeordnet war, war ich am Freitag an der Uni.  Im Historischen Seminar der Universität Leipzig. Zum Seminar. Es waren ja 20 cm Neuschnee gefallen und erst mal waren wir beide unserer Räumpflicht nachgekommen. Und hatten Schnee geschoben.

 

Im Gegensatz zur Stadt Leipzig. Aber da will ich nicht rumnörgeln. Dass es in Deutschland immer mehr Rentner gibt, welche eine geräumte Straße befahren wollen und immer weniger Arbeiter, welche auf den Straßen den Schnee wegschieben, das ist ja Deutschlands Grundproblem.

Und die Fahrt zum Geisteswissenschaftlichen Zentrum an der Uni-Bibliothek mit dem Auto war ja gar nicht so schwierig. Trotz des Schneematsches. Im Auto konnte ich auch wieder mit meinem Bruder in Berlin telefonieren. Bzw. mit seiner Frau, meiner Schwägerin. Die war nämlich zu Hause. Weil das Amtsgericht in Berlin Homeoffice machte. Wegen Winter.

„Hat`s bei Euch in Leipzig etwa schon geschneit?“ Fragte sie. „Bei uns in Berlin noch nicht!“

„Hä?“

Und ich fragte verblüfft: „Wenn es bei Euch noch gar nicht geschneit hat, wieso ist es dann unzumutbar, ins Büro zu gehen und dieses ganze EU-Recht umzusetzen?“

Aber zurück zum Thema:

Am Freitag war ich also zum Seminar. Trotz Winter.

Es ging um die deutsche Kolonialgeschichte und um Schutzgebiete. Also das deutsche Schutzgebietsgesetz. Was das ist?

Der Reichstag hatte 1886 beschlossen, den Bremer Kaufmann Franz Adolf Eduard Lüderitz davor zu schützen, dass er bei seinen Unternehmungen im heutigen Namibia anderweitig beschützt wird. Vom Vereinigten Königreich von Großbritannien zum Beispiel oder vom Königreich Portugal.

Ja, das ist eine wichtige Frage:

Wer beschützt zum Beispiel die Eskimos in Grönland davor, von Russland beschützt zu werden?

Die gegenwärtige Regierung in Washington bezweifelt, dass Dänemark dazu in der Lage sei. Und auch die EU könne das nicht. Die EU setze allenfalls den Begriff „Eskimo“ auf die Liste der unaussprechlichen Worte.

Und Trump sagt, er wolle, dass Washington das mit dem Schutzgebiet lieber selber macht.

Monroe-Doktrin.

Diese Doktrin beinhaltet entgegen dem weit verbreiteten Narrativ nicht, dass sich eine amerikanische Frau die Haare blond färben müsse (obwohl es auch eine solche Doktrin gibt).

 

Die Monroe-Doktrin besagt, dass die USA bestimmen, was jenseits der Grenzen der USA abgeht. Im „Hinterhof“.

Das finden manche blöd. Was im Hinterhof der USA abgeht, das könnte ja auch die EU bestimmen. Und Washington könnte als Gegenleistung dafür die EU – Außengrenzen verteidigen. Also die Grenzen Estlands, Lettlands, Litauens und Polens.

Diesen Deal will der Trump aber nicht halten und das finden noch mehr Leute oberblöd.

Er sagt, er wolle lieber Grönland als Schutzgebiet, weil das den USA näher sei als z.B. die Ukraine, welche wiederum näher an Dänemark liegt als Grönland. Letzteres könne auch ein Bundesstaat der USA werden. 100.000 Dollar Begrüßungsgeld wolle er zahlen an die neuen grönländischen US-Staatsbürger. Das ist nicht nur oberblöd, sondern auch gemein, weil der Ossi nur 100 Mark Begrüßungsgeld bekommen hat.

Und, das habe ich am Freitag auch gelernt:

So eine Ausweisung eines deutschen Schutzgebietes 1886 ist nicht zu vergleichen mit einem Anschluss eines Volkes an das andere. Wie etwa der Anschluss des Ossis an den Wessi am 3. Oktober 1990. Oder der Anschluss der Eskimos in Grönland an die Eskimos in Alaska.

Das Deutsche Schutzgebiet Namibia war 1886 trotz allem für Deutschland ein Ausland geblieben. Und die „Indigen*innen“ dort (Gendern ist hier verständniswichtig), die blieben Ausländer. Die wenigen deutschen Auswanderer nach Namibia, alles Männer, waren dringend davor gewarnt, mit so einer Frau ins Bett zu gehen.

Da war auf „apart“ zu achten. Das ist niederdeutsch und auch niederländisch und kommt von lateinisch „ab partem = weg von dem Teil“. Auf Afrikaans „Apartheid“. Das ist rassistisch, weshalb uns Deutschen die Kolonie auch 1915 von den Buren weggenommen wurde und 1920 vom Völkerbund, so einer Vorläuferorganisation der United Nations, der Südafrikanischen Union zur besseren Verwaltung übergeben.

So, jetzt muß ich mal gucken, wie ich die online-Übertragung der Lateinstunde auf dem Computer einrichte. Die gibt’s jetzt wegen Winter, hatte der weitere Dozent am Freitag auch erklärt.

Meine Güte, wie will die Frau von der Leyhen dieses ganze EU-Recht eigentlich in Grönland durchsetzen? Da ist doch das ganze Jahr über Winter!

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Über Bodo Walther

Bodo Walther, geboren 1960 in Weißenfels im heutigen Sachsen-Anhalt, studierte 1985 bis 1991 Rechtswissenschaften in Tübingen und Bonn. Er war aktiver Landes- und Kommunalbeamter in Sachsen-Anhalt, ist heute im Ruhestand und Anwalt in der Nähe von Leipzig.

12 Gedanken zu “Von Schutz und Schutzgebieten;”

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    Wir hätten Ostdeutschland 1990 einen Status wie Puerto Rico anbieten sollen. Das hätte uns viele Kosten und viel Ärger erspart.

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        … sehe ich auch so. Schleswig-Hollstein braucht einen ‚vernünftigen MP‘ der weiß wie Demokratie ‚buchstabiert‘ ist … und keine Wichtigtuer.

        (Im Übrigen; wenn ein Clown in einen Palast einzieht, dann wird der Clown kein König, sondern der Palast zum Circus.)

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      Nun, lieber Herr Posener, die Versager aus dem Westen, die nach dem Mauerfall zwecks Karrierebooster hier aufschlugen, bekamen eine „Buschzulage“, wie damals in Deutsch-Südwest bei den Kaffern. Haben Sie so etwas auch bekommen? Egal, schön, wie Sie diese Kolonialistenmentalität auch heute noch verkörpern.
      Aber Sie haben mich inspiriert, die „West Side Story“ mal wieder anzuhören. Hatten wir im Busch sogar eine Schallplatte von, Lizenz von der Deutschen Grammophon.

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        Es gab zwar, lieber Stefan Trute,

        ab 1990 für die westdeutschen Männer die Buschzulage, nicht aber das Verbot sich mit den indigenen Frauen in Ossiland zu paaren.

        Das Bild des Kolonialisten über den Ossi betrifft nur den blöden Ossi-Mann. Über die Ossi-Frau nämlich, das habe ich bei Dirk Oschmann zum ersten mal formuliert gefunden, hat der Wessi ein ganz anderes Bild: Sie ist so gebildet und so emanzipiert und so.

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        Ach ja, Dirk Oschmanns Buch. Auch so ein Wutbuch. Das Buch verkaufte sich gut in Ostdeutschland. Um diese Wut zu rechtfertigen, hat Oschmann eine Menge aus Büchern, der Presse und dem Pfeifen der Spatzen von den Dächern zusammengetragen. Auch dies eine Opfererzählung. Er ist weder Soziologe noch Historiker, sondern Literaturwissenschaftler. Beschämung war in der DDR schon Teil der „Pädagogik“, das ist Teil der Affekte. „Tolles“ Frauenbild (Heiratsmarkt) hat er dort zusammengetragen. Wenigstens hat er erwähnt, dass ostdeutsche Frauen für ihre Emanzipation in der DDR einiges geleistet haben. Sie, Bodo Walther, pflegen Feindbilder und Abwertung. Nebenbei übernehmen Sie eine Kolonialismus-These, ohne sich damit wirklich auseinander zu setzen. Und ja, auch ich fand manche Kritik aus dem Westen an „Ossis“ überzogen und selbstüberhöhend. Oft habe ich mich hier in diesem Blog gegen solche Kritik gewehrt, habe mich beschämen lassen, doch ich blendete dabei nicht die Geschichte Ostdeutschlands aus. Einen Ossi-Frau-Bonus konnte ich nicht erkennen. Fremd- und Selbstbilder der „Ossis“ sind unterschiedlich. Es gibt eine Menge blinder Flecken, über die seit Jahrzehnten gestritten wird. Verletzter Stolz spielt dabei auch eine Rolle. Ich empfehle Ihnen nun auch das Buch von Arlie Russell Hochschild »Geraubter Stolz – Verlust, Scham und der Aufstieg der Rechten«. Nicht nur die rechte Populisten beherrschen die Sache mit dem verletzten Stolz.

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        „Nebenbei übernehmen Sie eine Kolonialismus-These, ohne sich damit wirklich auseinander zu setzen. „

        Na ja, liebe Kerstin,

        das mit der „Buschzulage“ ist ja komplizierter. „Buschzulage“ ist ja so kompliziert, dass nicht mal Wikipedia eine gesetzliche Grundlage dazu findet.

        Im engeren Sinn ist damit eine per Verordnung des Bundesinnenministeriums zu zahlende Zulage für Beamte gemeint, die 1990 bis 1994 aus dem AKTIVEN Beamtendienst im Westen in den Beamtendienst im Osten wechselten. Diese Zulage wurde „nur“ bis 1994 gezahlt. Vielleicht habe ich mal Lust, die Fundstelle im Bundesgesetzblatt zu suchen und in Wikipedia einzupflegen. Aber im Moment nicht.

        Meist war die Versetzung in den Osten mit Sprungbeförderungen vom z.B. Oberamtsrat zum Oberregierungsrat verbunden. Aber auch diese Amtsbezeichnungen und Beförderungen des Beamten und Sprungbeförderung (also das „Überspringen“ einiger Besoldungsstufen) …

        … und die damit zusammenhängenden Besoldungsansprüche zu erklären und sich „damit auseinanderzusetzen“ wäre zu kompliziert.

        Fast ebenso segensreich wie die „Buschzulage“ war die Regelung, dass für Beamte, die aus dem AKTIVEN Beamtendienst im Westen in den Beamtendienst im Osten wechselten, die Dienstjahre dort 1990 bis 1994 in der Pensionsberechnung DOPPELT zu zählen waren. Auch dazu habe ich zur Zeit keine Lust, die Fundstelle rauszusuchen.

        Die meisten „Wessis“, die nach 1990 als Beamte im Osten anfingen, waren sowieso NICHT aus dem aktiven Dienst in den Osten gewechselt. Sie waren Berufsanfänger und ich war das ja auch, als ich damals heimkehrte.

        Wir erhielten nach der 2. Besoldungs-Übergangs-Verordnung des Bundesinnenministeriums Besoldung nach der Besoldungstabelle West. Das war gegenüber der Besoldungstabelle Ost über 20 Jahre lang ein Unterschied.
        Der betrug 1990 noch 100 % zu 60 %. Oftmals ist unter „Buschzulage“ auch dies gemeint.

        Aber wie gesagt: Sicherlich könnte ich mich mit dem allen „auseinandersetzen“. Aber das wäre komplizierter und verlangte einen ganzen Beitrag bei Starke Meinungen.

        Außerdem bin ich in dieser Sache befangen. Denn selbstverständlich fand ich das immer gerecht, dass ich mehr Geld bekam.

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        Es geht im Buch von Dirk Oschmann nicht darum, ob die „Buschzulage“ nun als gerecht oder ungerecht anzusehen ist, sondern um die Sprache, den Begriff, seinen sprachlichen Ursprung (Kolonialismus) und die darin enthaltene Abwertung, die sich für ihn aus der geografischen Lage im Osten speist. Dass auch Ostdeutsche abwertend über den Osten, z. B. gegen Osteuropäer, reden, blendet er aus. Über den damaligen Zustand des Landes schreibt er auch nichts. Dass die Ostdeutschen die Deutsche Einheit wählten und wie viel der Westen dort investiert hat, ebenfalls nicht. Gerade in diesem Buch geht m. E. es um gekränkten Stolz.

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    „Hä?“ war auch schon das von mir am meisten gebrauchte ‚Wort des Jahres‘ 2025. Ich schlage ‚Sicherheit geht vor‘ als dazu passendes Unwort vor. Oder ‚Risikovermeidung‘, vor allem durch Ignoranz und zwecks Absicherung der eigenen Politkarriere. Haben ‚wir‘ ja während der Coronamaßnahmenkrise schon gut eingeübt. Dieser Berliner Oberbürgermeister, dessen Name ich schon wieder vergessen habe, wollte ja auch in der Tennishalle den „Kopf frei kriegen“.. von den anstehenden Problemen? Er hat danach den ganzen Tag telefoniert. Ich vermute mal mit seinem Therapeuten.
    Therapievorschlag: Ergotherapie. Machen, tun und ausprobieren. Selber. Und dabei Risiken wieder einschätzen lernen. Sonst ist bald Schluss mit lustig und europaweites Sanatorium angesagt.

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      Lieber Klaus J. Nick,

      „Hä?“
      Als ich soeben aus der Uni zurückkam, …
      … mit der Straßenbahn diesmal, denn die fährt auch im Winter pünktlich und zuverlässig in Leipzig, …
      … da war schon wieder in fast ganz Leipzig die Schule ausgefallen. Weil immer noch Winter.

      Weiß nicht, wie Schwiegermutti damals in den 1950ern Kindern Lesen und Schreiben beibrachte, da oben auf Rügen.

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    … echt jetzt, ich beneide die Grönländer ein wenig. Ich würde mich für 1 Dollar von Trump kaufen lassen. Warum? … wenn Donald Trump Mecklenburg/Vorpommern kauft, ist McPomm und Deutschland immer noch meine Heimat; denn wenn Mohammedaner und die rot-grünen Genossen samt Blockflöten in Deutschland die Macht endgültig übernehmen – ist meine Heimat tot wie Anatolien, dass einmal ein blühender Garten war.

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