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It’s the economy, stupid. Version Musk

Nach einem politischen Plan oder einer Strategie hinter Trumps Vorgehen zu suchen, von seinem Zollkrieg gegen Europa und den Rest der Welt, der Unterstützung Putins bis zum Griff nach Grönland, ist vergebens. Er handelt wie ein Kaufmann auf dem Basar, im Auftrag der Tech-Oligarchen hinter ihm. Mit zweifelhaftem Erfolg.

„Wieso, weshalb, warum? Wer nicht fragt bleibt dumm“: Das sind die richtigen Leitfragen der guten alten Sesamstraße, die ich gerne mit meinen Kindern sah, als die noch klein waren. Genauso die Sendung mit der Maus. Den Dingen auf den Grund gehen; das entecken, was verborgen scheint, was der Ursprung, der Grund und das Wesen ist: Das hilft oft.

Weshalb also macht Trump das Alles und noch viel mehr? Auf die Antwort kommt man, wenn man so vorgeht wie in guten Krimis und wie tatsächliche gute Ermittler: Cui bono? Wem nutzen seine bösen Taten? Seine MAGA-Geplärre, seine wirren Ideologie-Versatzstücke und Verschwörungs-Behauptungen kann man getrost vergessen, genauso wie Putins Anmaßung, das Sowjet- und Zarenimperium wieder errichten zu wollen.

Tech-Ökonomie ist der Kern

Wie Bill Clitons genialer Wahlkampfmanager das Geheimnis jeden Wahlerfolgs und Wahldesasters auf den Punkt gebracht hatte: „It’s the economy, stupid.“ Trump war und ist selbst Spekulant, in jeder Hinsicht und in vielen Branchen, von Immobilien über TV bis zum Glückspiel, und hat es damit zu erheblichem, wenn auch fragwürdigem Reichtum gebracht. Er hat sich mit Techmilliardären umgeben, angeführt von Elon Musk (Tesla, Raumfahrt/Starlink, X u.a.), und wird von ihm und anderen offenkundig beherrscht, ähnlich wie sein Conterpart Putin von seinen Oligarchen. Sie haben ja auch schon seinen Wahlkampf finanziert, mit fleißiger russischer Hilfe, und sponsern ihn weiter.

Deshalb ist es nur folgerichtig, dass er Musk und dessen jungen Jüngern wichtige Teile der Regierungsgeschäfte übergeben hat (legal-illegal-scheißegal). Und Politik für seine Milliardärs-Kumpel macht. Wem helfen die neuen 25-Prozent-Zölle auf Auto- und Autoteile-Importe? Musk, der die E-Fahrzeuge seiner taumelnden Tesla-Werke vornehmlich in Kalifornien und Texas fertigen lässt. Abgesehen von der Fabrik in Brandenburg, die jedoch für den europäischen Markt produziert und deshalb ebenfalls von den Strafzöllen nicht betroffen ist.

Fast alle anderen Autohersteller auf der ganzen Welt, nicht zuletzt die stark kriselnden deutschen und genauso die chinesischen, somit Musks E-Autokonkurrenz, werden sehr darunter leiden. Und mit ihnen viele Arbeiter, die ihre Jobs verlieren (in Deutschland will immerhin Rheinmetall ein Werk von VW übernehmen, Panzer, Panzerbauer, überhaupt Waffenproduzenten sind ja nun auch wegen Trump stark gefragt). Make America Great Again? Yes, Buy Amerikan! Buy Tesla (oder Chrysler, Ford…)! Trumps tumbe Wähler werden es ihm danken und ihn weiter unterstützen, auch wenn sie selbst für Autos und viele andere Güter, nicht nur Eier, selbst deutlich mehr bezahlen müssen. Gegen Dummheit und Trumps Bauernschläue hilft alle Aufklärung nicht.

Gegen Konkurrenten auf den Weltmärkten

Wieso erpresst Trump die um ihre Existenz kämpfende Ukraine, den USA die Hälfte ihrer Bodenschätze, v.a. Seltene Erden und andere Metalle zu überlassen? Weil die US-Techkonzerne sie benötigen. Weshalb will er Grönland erobern? Dito. Warum will er den Panama-Kanal zurück? Weil die US-Wirtschaft fast die Hälfte ihrer Transporte durch ihn exportiert. Wieso führt er verbalen und Zollkrieg gegen die EU? Weil die ein lästiger Konkurrent auf den Weltmärkten ist. Weshalb fordert sein Vize Vance „Meinungsfreiheit“ von den Europäern? Weil das Trump-Regime alle Freiheit für die großen US-Plattformen und damit wiederum für die US-Techkonzerne will.

Warum ist China für ihn der größte Feind? Weil stärkster Konkurrent. Wieso hofiert er Putin und weshalb will er Sanktionen gegen dessern Regime, selbst europäische, aufheben? Weil Russland ökonomisch kein Konkurrent der USA ist. Und weil er Putin als Verbündeten und Geschäftspartner gegen den Hauptkonkurrenten China gewinnen will.

Ja, so simpel ist es wahrscheinlich. So schlicht wie Trumps Weltbild. Geld beherrscht die Welt. Viel Geld noch mehr. Und ja, der olle Karl Marx hatte in seiner Analyse des Kapitalismus, auch des damals noch gar nicht denkbaren Techkapitalismus recht: Die Produktionsverhältnisse bestimmen die politischen und sozialen Verhältnisse nebst (un)geistigem Überbau. Heute wird die dominante Produktion nicht mehr von Waren, sondern technologischer, geistiger, virtueller Produkte, die Datenwelt, und ihrer Träger (noch) von amerikanischen Oligopolisten beherrscht. Die sich mit Hilfe von Trump von allen auch internationalen Fesseln befreien wollen.

Geo-Tech-Politik

Geopolitik ist daher heute vor allem Geo-Tech-Ökonomie. Und der jetzige US-Präsident ihr schrecklicher Vollstrecker. Putin und seine Oligarchen und Generäle haben dem letztlich wenig entgegen zu setzen, außer Öl und Gas, Panzer, Kampfjets, Drohnen und Drohungen mit Atomwaffen. Kriegspolitik des vergangenen 20. Jahrhunderts. Trumps Leute bewegen sich in einer anderen Welt der angebrochenen Neuzeit, jenseits klassicher internationaler Machtpolitik. Die einzigen, die sie fürchten müssen, sind bisher die Chinesen.

Und vielleicht Europa, wenn, ja wenn es endlich aufwacht. Wir Europäer, jedenfalls ein Teil davon, sind langsam und sehr spät dabei es zu begreifen. Dabei ist es, wie geschrieben, eigentlich gar nicht so schwer. Wenn man will.

Ob es auch unsere künftige neue Regierung begreift? Warten wir ab, was alles an Spiegelstrichen, vielleicht sogar an Substanz im schwarz-roten Koalitionsvertrag stehen wird. Vor allem, was Merz und seinen Mannen und paar Frauen davon umsetzen werden und können.

Ludwig Greven verfolgt als nun sehr freier Journalist & Autor die nationale und internationale Politik seit Jahrzehnten. Und schreibt auch darüber hin und wieder in verschiedenen Medien. Und in diesem Blog.

 

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2 Gedanken zu “It’s the economy, stupid. Version Musk;”

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    tja – die drei Yale Professoren, die nun in eine Uni in Kanada wechseln, haben es formuliert: „es ist Faschismus“, nicht Ökonomie, nur Individuelle Gier mit unkontrollierbaren Wirkungen.

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      Trump ist alles Mögliche, aber sicher kein Faschist. Gier hat mit Faschismus nichts zu tun. Es ist ein urmenschlicher Trieb.

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