Die Geschichte moderner Musik, von Richard Wagner und Arnold Schönberg, über Frank Sinatra und die Beatles, bis hin zu Tangerine Dream und Pink Floyd, ist voll von Beispielen für Konzeptalben. Mike Hans Steffl schreibt diese Geschichte konsequent fort. Schon mit früheren Werken wie „SUCCESSFUL FAILUR,“ das die Geschichte der Apollo 12-Mission thematisiert oder „CALABOOSE ISLANDS,“ das ein feines Netz spinnt, dessen End-und Startpunkte Geschichte von Gefängnisinseln sind, hat Steffl die Kunstform „Konzeptalbum“ immer weiter der Perfektion entgegen getrieben. Nun also „avarage of the avarage.“
Das antisemitische Glück der Irländer

Die Einwohner von Londonderry können sich in fast nichts einigen. Nicht einmal darauf, die Stadt „Londonderry“ zu nennen. Die eine Hälfte nennt sie „Derry“. Sie besteht aus Katholiken, was bedeutet, dass sie an Gott, Jesus, das Neue Testament, christliche Werte, die Kirche und daran glauben, alles zu tun, um in den Himmel zu kommen, während sie gleichzeitig dafür sorgen, dass diejenigen, die es verdienen (alle anderen), in die Hölle kommen.
Die andere Gruppe besteht aus Protestanten, was bedeutet, dass sie an Gott, Jesus, das Neue Testament, christliche Werte, die andere Kirche glauben und alles tun, um in den Himmel zu kommen, während sie dafür sorgen, dass diejenigen, die es verdienen (alle anderen), in die Hölle kommen. Das sind die Leute, die Israel jetzt vorschreiben wollen, wie es friedlich mit anderen Minderheiten innerhalb seiner Grenzen umgehen soll.
Über Stehtreppen, Auf- und Abzüge der Bahn

Laut den neuesten F.E.*.Statistiken gibt es in Deutschland 2.376 Bahnhöfe mit einem oder mehreren Aufzügen – insgesamt 4.221 –, von denen derzeit 2.082 betriebsbereit sind, also weniger als die Hälfte, sowie 5.256 Bahnhöfe und Haltestellen mit insgesamt 9.334 Rolltreppen (sowohl Auf- als auch Abwärtsrolltreppen), einschließlich der S-Bahn; davon sind 4.207 betriebsbereit, ebf. weniger als die Hälfte. Die anderen sind Stehtreppen.
Das bedeutet, dass für alle potenziellen Fahrgäste mit körperlichen Behinderungen, für Personen, die Gehhilfen, Rollstühle, Kinderwagen und Buggys nutzen, sowie für Personen mit schwerem Gepäck etwa die Hälfte der Bahnsteige im deutschen Eisenbahnnetz unzugänglich oder kaum zugänglich ist. Es nützt nichts, wenn die Züge (doch) pünktlich fahren und die Bahnsteighöhe sogar zu den Türen passt, wenn man den Bahnsteig nicht erreichen kann.
Lasst Siegmund regieren, auch wenn es schrecklich ist

Die AfD ist klare Wahlsiegerin in Sachsen-Anhalt – eine historische Zäsur und ein Bruch mit dem demokratischen Konsens in Deutschland. Der Versuch, sie mit Hilfe der Linken und des BSW von der Regierung fernhalten zu wollen, würde der Demokratie jedoch erst recht schaden und die Rechtsextremen nur noch stärker machen.
Ein Ergebnis des mit Hochspannung erwarteten Wahlabends stand um Punkt 18 Uhr fest, als die Prognosen kamen, auch wenn lange unklar blieb, ob die AfD die absolute Mehrheit gewonnen hat, was ihr am Ende nicht gelang: Die Brandmauer ist Geschichte. Sie ist in Sachsen-Anhalt zermalmt worden.
Mit dem Wischen wächst der Zerfall

Auf dem Touchscreen swipen. Die apolitischste Bewegung der Gegenwart. Man berührt als Homo tapiens einen Bildschirm mit einem Finger – oder mehreren, je nach Erfordernis, Geschick oder Unbeholfenheit oder in einem Mix aus allem. Sofort passiert dann was. Egal was. Wichtig: sofort. Jetzt. Kein Zögern. Satisfaktionstsunami(s). Verwirklichte Utopie. Alles. Für mich. Auf mich zugeschnitten. 24/7 – jederzeit b(e)reit.
Maschinen erleichtern das Leben. Immens. Großartig. Die Industrielle R/Evolution kompensierte die schwächliche Menschen-Physis eingedenk vorangegangener bärenstarker Menschen-Geistesarbeit, überhaupt Maschine X zu konstruieren.
Die vergessenen armen Kinder

Die Parteien beschäftigen sich im Berliner Wahlkampf mit vielem: queere Aktivitäten, Klima, Palästina, Radwege, Enteignung von Wohnungskonzernen. Nur nicht mit den sozialen Randgruppen.
Seit 25 Jahren lebe ich in Berlin, war lange Zeit Mitglied der Bundespressekonferenz und bin seit fast einem Vierteljahrhundert Sprecher der Kinderstiftung Die Arche. Vorher war ich 20 Jahre als Journalist in Bonn tätig. Der Sprung von Bonn nach Berlin, so denke ich manchmal, war genauso schwer wie der Sprung von der Burka zum Bikini. Diesen Sprung mussten fast alle Geflüchteten in den vergangenen elf Jahren absolvieren. Ein erheblicher Teil von ihnen landete in der Hauptstadt. Dort gibt es wenig Wohnungen für sie, viel zu wenige Jugendeinrichtungen und schlechte Schulen in überfüllten Brennpunkten.
Deutsch sein heißt verdruckst sein

Vielen Deutschen fällt es schwer, sich selbstbewusst als solche zu empfinden. Andere schreien es wieder nationalistisch heraus. Was fehlt ist ein gelassener Umgang mit den Stärken und Schwächen der eigenen Nation.
Deutsche kennen im Grunde nur zwei Gemütszustände: himmelhoch jauchzend, am Boden zerstört. Eben waren wir noch Exportweltmeister, jetzt geht gefühlt (oder tatsächlich?) alles den Bach runter. 2015 ff. gefeiert als Moral-Champions, geläuterte Demokraten und Willkommensnation, nun angeblich alle Rassisten, auf dem Weg zum Vierten Reich. Von unverbesserlichen Pazifisten zu „Kriegstreibern“. Lange verehrt und verlacht für Ordnung, Pünktlichkeit, Fleiß schämen wir uns heute für die Bahn, die nicht ankommt. Aber gibt es nicht irgendetwas dazwischen?
Weil ich dieses Land liebe

Ich will als Sohn von Eingewanderten, dass Deutschland Deutschland bleibt – frei, demokratisch, offen. Durch eine selbstzerstörerische Integrationspolitik darf es nicht beschädigt werden.
In der letzten Phase der Kanzlerschaft von Angela Merkel 2020/2021, nach dem Anschlag von Hanau, wurde ich als Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände in den Kabinettsausschuss zur Bekämpfung von Rassismus und Rechtsextremismus berufen. Schon in der ersten Sitzung habe ich angesprochen, was offenbar nicht in das vorherrschende politische Narrativ passte: Rassismus und Rechtsextremismus sind keine Erscheinungen, die ausschließlich aus der deutschen Mehrheitsgesellschaft heraus entstehen. Sie können auch in Migrantengruppen vorkommen. Gerade in einer Einwanderungsgesellschaft müssen deshalb demokratische Maßstäbe für alle gelten – unabhängig von Herkunft, Religion oder sozialem Hintergrund.
Deutsch ist, wer dazugehören will und dazugehören darf

Deutschsein entscheidet sich nicht an den Vorfahren, sondern an der Zugehörigkeit. Nicht Blut und Boden verbinden uns, sondern ein gemeinsames Land, eine gemeinsame demokratische Ordnung und die Bereitschaft, füreinander Verantwortung zu übernehmen.
Deutschland gehört nicht einer ethnischen Gruppe. Es gehört allen seinen Bürgerinnen und Bürgern.
Dieses gemeinsame Land hat eine gemeinsame Geschichte und spricht Deutsch. Das grenzt uns von anderen Ländern ab, die ihrerseits eine gemeinsame Geschichte und gemeinsame Sprachen (Plural, wenn man an die Schweiz oder Belgien denkt) haben.
Bundeslandpatriotismus

In Sachsen-Anhalt wird am Sonntag gewählt. Auf allen Kanälen überschlägt man sich ob des antizipierten (und teils ersehnten, um dann „loszuschlagen“?) Untergangs eines Bundeslands. Es keimt in mir die Frage auf, ob als Verursachende die AfD oder die Ganz-GroKo (ich übersetze das jetzt mal als Groteske Koalition) aus CDU, SPD und Linke, meinetwegen auch noch die Grünen die Antwort darauf gäben.
Egal, wer sich da nun zu Wort meldet, ob Siegmund, CDUler, Grüne, der Bärtige von der SPD oder Linke – alle tröten in dasselbe Horn: Ich liebe unser Land! Alles fürs wonderschöne Sachsen-Anhalt! „Ein chronisch unterschätztes, aber sehr gutes Bundesland…“ (Matschke, Schauspielender), Wir müssen zusammen stehen – gegen links oder rechts usw. usf.
Ein Grundrecht auf klimatische Stetigkeit

Warum Deutschland nicht nur fragile Kompetenzen in der Klimapolitik, sondern ein Grundrecht und Staatsziel in der Verfassung braucht, das Politik und Bürger langfristig verpflichtet, die Lebensgrundlage moderner Gesellschaften zu erhalten.
Die deutsche Klimapolitik ist ins Stocken geraten. In diesem Sommer war ein Satz allgegenwärtig, sei es in Talkshows, Leserbriefen oder am Gartenzaun: „So etwas habe ich hier noch nie erlebt.“ Der Satz war stets eine Klage über den Verlust der gewohnten Klimaregularität, die man kaum benennen kann, da sie nie eigens benannt werden musste. Man verließ sich auf sie wie auf die Tatsache, dass Züge – wenn schon nicht pünktlich – so doch überhaupt fahren.