Plakat der Vertriebenenverbände. Urheber: CDU. Quelle: Wikimedia Commons
Als ich 1962 nach Deutschland kam, entdeckte ich, dass die Deutschen, anders als ich es in meiner Heimat gelesen hatte, Opfer waren. Opfer des alliierten Bombenkriegs etwa. Von „Dresden, Hiroshima und Auschwitz“ war die Rede, wenn es um die Verbrechen des Zweiten Weltkriegs ging: Zwei der Alliierten zu einem von uns.
Aufgewachsen als Sohn eines schwarzen US-Besatungssoldaten musste ich in der Nachkriegszeit die Überreste des 1000jährigen Reichts erleiden. Aber es gab auch Menschen, die sich dem mutig entgegen stellten. Teil 2 meiner Lebenserinnerungen. Teil 1 finden Sie hier, Teil 2 hier.
„Nun waren die frühkindlichen Erfahrungen in den frühen Nachkriegsjahren nicht meine letzten Zusammenstöße mit den Relikten der Ideologie des Tausendjährigen Reiches. Es war die Straßenbahnlinie 3 (in Bremerhaven), in die meine Pflegeeltern, Otto und Sophie Flint, den Kinderwagen hievten. Ein Fräulein, welche noch wöchentlich Tränen weinte, weil die Treffen ihres BdM-Klubs seit einigen Jahren ausfielen, dieses M…stück beugte sich zu mir hernieder, stockte, schaute Sophie, meiner lieben Pflegemutter ins Gesicht und gab dem ganzen Abteil der Linie 3 folgendes zu Protokoll:
Harald Flint-Stölting alias William Clark als Student in West-Berlin in der 68er Zeit
Der Autor, Sohn eines schwarzen US-Besatzungssoldaten und einer deutschen Mutter, erinnert sich an frühkindliche Erfahrungen mit den Überresten des Nationalsozialismus nach dem Krieg. Und an ein Gedicht von Heinrich Heine. – Teil 2 seiner Lebenserinnerungen. Den 1. Teil finden Sie hier.
Am nächsten Morgen begannen wir unser erstes Gespräch mit einem ausgiebigem Frühstück. Meta, seine Ehefrau, rief fragend aus ihrem Reich „Was wollt ihr trinken?“, „Tee“, rief ich und sagte nach einer kurzen Pause: „William, ich hab deine erste Autobiographie, die du ‚Stolpersteine‘ nanntest, gestern abend noch gelesen habe. Ich fand sie nach längerem Suchen unter Academia.edu, William Stoelting, Stolpersteine. Was bewog dich zu dem Titel, der ja eigentlich für das Schicksal der jüdischen Opfer der Nazis und der Sinti und Roma gedacht ist?“ Weiterlesen
Das Versprechen, dass der Staat sich um Ihr Wohlergehen kümmern wird. Um Ihren gesunden Leib und Ihre gesunde Seele.
Stellen Sie sich mal vor: Sie sind ein Oberstudienrat, haben sich in der Leipziger Innenstadt eine Eigentumswohnung gekauft, direkt über dieser Straßenbahnkreuzung, und nun quietscht es da.
Die Straßenbahn quietscht sogar noch nachts um 4. Gleich um 5 gehts wieder los. Weiterlesen
Harald Stölting in jungen Jahren, als er als Schiffskoch arbeitete
Harald Flint-Stölting wuchs als Sohn einer deutschen Mutter und eines GI nach dem Krieg im Schatten des Nationalsozialismus bei Pflegeeltern in Bremerhaven auf. Er arbeitete als Bäcker, Schiffskoch, Taxifahrer und als Sozialpädagoge in Berlin und London. Hier schaut er als William Clark in literarischer Form auf sein bewegtes Leben zurück. Teil 1
Ich, Hein Mück, emeritierter Professor für Neuere Deutsche Geschichte an der Geestemünder Universität sowie ehemaliger Redakteur der Nordmeerzeitung bin zuständig für die Geschichte dieser leidgeprüften Stadt Bremerhaven. Ernst Reuter sagte einstmals:
„Ihr Völker der Welt, ihr Völker in Amerika, in England, in Frankreich, in Italien! Schaut auf diese Stadt und erkennt, daß ihr diese Stadt und dieses Volk nicht preisgeben dürft und nicht preisgeben könnt!“
Karl, dieser Rheinländer Marx, schrieb:
„Hegel bemerkte irgendwo, daß alle großen weltgeschichtlichen Tatsachen und Personen sich sozusagen zweimal ereignen. Er hat vergessen, hinzuzufügen: das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce.“Weiterlesen
Foto von Thomas Steffan – Own work, CC BY-SA 3.0 (Wikimedia Commons)
Wolfgang Schäfers schönes Stück über „Bohemian Rhapsody“ ließ mich aufhorchen, weil es kein Wort über den Text verliert. Das ist natürlich legitim. Der Song hat Anklänge an die italienische Oper, und bei der Oper ist es das Libretto oft, wenn nicht immer, im Verhältnis zur Musik untergeordnet, ist selten verständlich und häufig peinlich.
Als ich in den frühen 90ern Komposition und Klavier an der Münchner Musikhochschule studierte, war Künstliche Intelligenz Science-Fiction – das Höchste der Gefühle war es für mich, mit meinem Atari Noten auszudrucken. Ich stand am Anfang meines Weges, und dass ich später, neben meiner Musiker-Karriere, langjährig als Sachverständiger im musikalischen Urheberrecht arbeiten würde, ahnte ich noch nicht. Dass ich wiederum aus diesen Zusammenhängen Erkenntnisse gewinnen würde, die mir heute bei der Einordnung von KI helfen – Phantasterei.
An der Musikhochschule zählte das Handwerkliche und Praktische. Wissenschaftliche Textproduktion oder akademische Methodik spielten kaum eine Rolle, ich hätte für das Studium nicht einmal ein Abitur gebraucht (dafür gab es Aufnahmeprüfungen). Das Schreiben von Texten, methodische Strenge und sauberes Argumentieren standen nicht auf dem Lehrplan. Das habe ich mir erarbeitet, als ich meine ersten Gutachten schrieb. Weiterlesen
Transparent zur Demonstration auf dem Berliner Alexanderplatz am 4. November 1989. Bild: Deutsches Historisches Museum Berlin
Ruprecht Polenz hat sich kritisch mit meinen Zweifeln an der Brandmauer auseinandergesetzt. Zwei alte Männer mit ganz unterschiedlichen bundesrepublikanischen Biografien treibt die Frage um, wie Deutschland gegen extremistische Bedrohungen zu schützen ist. So funktioniert Demokratie.
Die Aufregung um das Foto idyllischen Einvernehmens zwischen Guido Heuer, dem Vorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion, und Ulrich Siegmund, dem AfD-Spitzenkandidaten in Sachsen-Anhalt und deren gemeinsame Ablehnung der Brandmauer macht die Sorgen von Politikern wie Ruprecht Polenz verständlich. In Sachsen-Anhalt muss damit gerechnet werden, dass einzelne CDU-Landtagsabgeordnete im Herbst spätestens im dritten Wahlgang die Wahl von Siegmund zum Ministerpräsidenten ermöglichen werden. Weiterlesen
Der Leiter des Museums zum Genozid in Srebrenca mit der Broschüre „Die bosnische Tragoedie“ von Eva Quistorp, die schon 1993 vor dem Versagen der UNO warnte und militärisches Eingreifen forderte
Was haben der Bosnienkrieg, die Belagerung von Sarajevo und der serbische Völkermord von Srebrenica im Juli 1995 noch zu sagen, da Russland das alles in den Schatten stellt? Und was sagt die Gründungsgeschichte der Grünen für die Menschen auf dem Balkan und die Protestierenden in Serbien? Eine Reise-Erinnerung, bearbeitet von Jasmina Arielli
“Let us make solidarity in Europe great again.”
PROLOG: Eine Reise, in der Erinnerung wieder Stimme bekommt
Diese Reise begann mit einer Einladung: in Sarajevo und Belgrad über den Film „Petra Kelly – Act Now“ zu sprechen und darüber, was die Gründungszeit der Grünen heute für Zivilgesellschaft, Friedensbewegungen und ökologische Kämpfe in Bosnien und Herzegowina sowie in Serbien bedeuten kann. Weiterlesen
Arabische Studentin auf einem Unicampus in Jerusalem. Fotos: Biljana Vojinović
Es liegt nicht an den Juden, so viel sei vorab verraten. Eine reale Kurzgeschichte
Der jungen Frau begegnete ich bei einer privaten Angelegenheit. Gleich nach den ersten ausgetauschten Sätzen lächelten wir uns neugierig an: „Deinen Akzent kann ich nicht einordnen.“ „Ich deinen auch nicht. Meiner ist slawisch, und deiner?“ „Meine erste Sprache ist Hebräisch.“ Sie sah meinen perplexen Gesichtsausdruck und fügte hinzu: „Ich komme aus Tel Aviv.“
Ich war überrascht, aber gleichzeitig erfreut. „Das erste Mal in meinem Leben treffe ich eine Jüdin aus Israel“, sagte ich. Sie lächelte mich an: „Wenn ich sage, woher ich komme, denken alle, ich sei eine Jüdin. Aber nein, ich bin eine Palästinenserin. Ich heiße Viktoria, für meine Freunde Viki.“ Weiterlesen
Bild: Der Orden des Weißen Adlers, die höchste polnische staatliche Ehrung (aus Wikipedia).
Vom Anlass (nicht Grund) des ukrainisch-polnischen Streites, auf dessen gestrigem Höhepunkt der polnische Präsident Karol Nawrocki (gesetzt von der Partei „Recht und Gerechtigkeit“ = Prawo i Sprawiedliwość, kurz: PiS) …