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Die Linke als Partnerin der CDU?

Die Linke ist eine schreckliche, rückwärtsgewandte, teils antisemitische Partei. Mit Blick auf die Wahl in Sachsen-Anhalt und darüber hinaus muss die CDU dennoch wohl oder übel eine Kooperation mit ihr ins Auge fassen, um Schlimmeres zu verhindern: eine AfD-Regierung.

Sachsen-Anhalt war vor mehr als 30 Jahren schon einmal Experimentierfeld für den Umgang mit der Linkspartei, die damals noch PDS hieß. Weil es nach der Landtagswahl 1994 keine klare Mehrheit gab, bildete der SPD-Politiker Reinhard Höppner eine rot-grüne Minderheitsregierung mit Tolerierung durch die PDS ­– gegen den Willen der eigenen Bundespartei. Er hielt an dem „Magdeburger Modell“ fest, auch als 1998 die Grünen aus dem Landtag flogen und die rechtsextreme DVU einzog. Die Entwicklung seither gibt ihm recht.

Die Linke ist zwar eine schillernde Partei, vor allem in Berlin gibt es eine starke sozialistische und antisemitische Strömung. Doch im Gegensatz zur AfD will sie die freiheitlich-demokratische Ordnung nicht mehr beseitigen. In mehreren Bundesländern regierte und regiert sie mit, in Thüringen stellte sie zehn Jahre lang den Ministerpräsidenten Bodo Ramelow, ohne dass der Sozialismus dort wieder ausbrach.

Nun muss die CDU in einer ähnlichen Lage mit Blick auf die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt entscheiden, ob sie an ihrer Brandmauer sowohl gegenüber der AfD wie der Linken festhält, auch wenn das bedeuten kann, dass das Land unregierbar wird. Denn falls die in den Umfragen führende Rechtsaußenpartei keine absolute Mehrheit der Abgeordnetenmandate erreicht, dürfte es für eine Regierung unter Führung der CDU nur mit Beteiligung oder Duldung der Linken reichen.

Selbstblockade der CDU

Dem steht jedoch der doppelte Unvereinbarkeitsbeschluss der Bundespartei von 2018 entgegen, der eine Kooperation nicht nur mit der AfD, sondern auch der Linken verbietet. Aus guten Gründen, weil die Linke zumindest auf Bundesebene mit Blick auf Russland, Nato, Aufrüstung der Bundeswehr und andere zentrale Fragen kein Koalitionspartner für die Union ist.

Das hat die CDU allerdings nicht daran gehindert, mit der Linken Absprachen zu treffen, um die Wahl ihres Vorsitzenden Merz zum Kanzler im zweiten Wahlgang zu ermöglichen, die Minderheitsregierung von Ramelow in Thüringen zu stützen und nun dort die Brombeerkoalition von der Linkspartei tolerieren zu lassen. Sie hat ihre harte Linie gegenüber der Linken längst aufgeweicht. Dann wäre es nur konsequent, offen darüber zu diskutieren.

Durch das Festhalten an der offiziellen Absage an die Linke fesselt sich die CDU selbst. Sicher gibt es berechtigte Sorgen, dass sie durch ein Öffnen für Kooperationen mit ihr noch mehr Wähler an die AfD verlieren könnte. Aber sie stellt damit die Linke faktisch mit der in großen Teil rechtsextremen, verfassungsfeindlichen Partei gleich. Und verbaut die Möglichkeit, überhaupt noch Regierungen ohne deren Beteiligung zu bilden. Vielleicht auch irgendwann im Bund, wenn der Höhenflug der AfD anhält.

Die CDU sollte daher spätestens nach den Wahlen im Herbst klären, ob sie die Linke als Teil des demokratischen Spektrums betrachtet. Und wenn ja den Unvereinbarkeitsbeschluss für sie aufheben ­– unterhalb von Koalitionen. In Magdeburg dürfte ihr sowieso nichts anders übrigbleiben. Mit dem BSW, das inzwischen offen für eine Unterstützung der AfD wirbt, koaliert sie, weil es für die Abspaltung von der Linken keinen solchen Beschluss gibt. Für die wesentlich gemäßigtere ehemalige Mutterpartei müsste das erst recht gelten. Die Linke bietet der CDU eine Zusammenarbeit in Magdeburg an. Die CDU sollte das Angebot prüfen, bevor es zu spät ist.

(zuerst veröffentlicht als Leitartikel am 11.8.2026 im Kölner Stadt-Anzeiger)

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Über Ludwig Greven

Ludwig Greven hat für verschiedene Medien als politischer Autor, Bonner und Berliner Korrespondent, Politikchef, Redakteur und Reporter gearbeitet, zuletzt für ZEIT online. Als freier Publizist führt er u.a. Interviews für "Politik & Kultur", die Zeitung des Deutschen Kulturrats, und schreibt Meinungsbeiträge für den Kölner Stadt-Anzeiger. Er ist Administrator und presserechtlich Verantwortlicher dieses Blogs.

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