Wörterwahl, Wortwahl, Sprache – eine exklusiv menschliche Konstruktionsoption: »Farben und Klänge gibt es in der Natur, Worte nicht« (Benn). Mit ihr kann Mensch dem allsinnlichen Zufall einen Strich durch die nie zu begleichende Rechnung machen.
Sprache ermöglicht, dass Menschen kommunizieren – stets eingedenk des Missverstandenwerdens. Unmissverständlich ist hingegen ein Wort, ein Begriff, der jedem Deutschsprachigen bekannt ist. Weiterlesen
Obschon tragischerweise im guten, alten Deutschlandfunk eindeutig zu häufig gegendert und gewoket (gewoked, was weiß ich, egal) wird, bleibe ich ihm treu. Nüchterne Nostalgie: Mein Vater öffnet, es sind die End-1970er, im Bad, morgens, das Klappradio und jene fünf berühmten Pieptöne schallwellen den Fokus auf die erste Nachricht: 7 Uhr. Bonn. Der Kanzler…
Seitdem ist alle möglichen Flüsse jede Menge Wasser runtergeflossen. Der DLF-Programmablauf blieb. Somit lauschte ich am Samstag Vormittag just einem Zeitzeugen, der sich offenbar seit Jahrzehnten wohltätig betätigt: Ulrich Schneider, der Paritätische inklusive Linkenvorstandsmitglied*schaft. Der rote Faden des DLF-Dialogs war die Teilhabe. Über diese denke ich schon längere Zeit nach. Weiterlesen
Der Schlagzeuger meiner ehemaligen Band »Riot« hatte einst eine grandiose Idee: Er wollte dessen Schlagzeugervisitenkarte mit dem Zusatz »Langsamster Schlagzeuger der Welt« garnieren, um, wie wir Jazzer es halt gern taten und tun, slightly zu provozieren. Einstmals nutzte man tatsächlich ausschließlich jene Karten. Eine Welt ohne Websites, QR-Codes und Smartphones. Erholsame Welt. Egal.
Das mit dem Langsamseinsuperlativ, das habe ich nie vergessen. Im Zuge des Verfassens meines Buchs »Terrohr« machte ich mir dessen Idee zunutze und komplettierte diese mit dem Schnellseinsuperlativ:
Wer kennt jemanden, der die Frage, ob er ein Antisemit sei, mit einem lässigen Ja beantwortet? Oder der es einfach so artikuliert – wie als sei er eben Fan von z. B. der Borussia (es gibt nur eine)? Ich niemanden. Dennoch widerfährt mir regelmäßig, dass zu obskursten Gelegenheiten über Juden gesprochen wird – über wen denn sonst. Und mit denen spricht man doch einfach nicht, also bitte! (Immerhin wird zu 99,9 % der Plural benützt. DER Jude ist quasi nie mehr Thema, wenn dann gleich alle, obschon der Jude gemein(t) ist.)
O, eine Eilmeldung: Der Antisemitismus steigt an – so ein Mist! Meiner Treu, wie groß ist die Empörung. Ich denke dann ad hoc: Er steigt nicht an, er bricht einfach aus, weil er immer da ist – und immer da sein wird. Weiterlesen
In erhaben-elitärer Vornehmtuerei besamt und bepflanzt sich der Intellektuelle mit all den anderen in deren wohl temper- und finanziertem Gewäsch-, Pardon, Gewächshaus, in dem dann distinktionsgesättigt »das Phantasma aufblühen darf, daß es doch die Hermeneutiker wären und nicht die Ingenieure, die in letzter Instanz Geschichte machen«, verstehe ich Sloterdijk in »Die Sonne und der Tod« richtig. Wie etwa Jean Améry einen Intellektuellen verstanden wissen möchte, beweist, dass ich evident keiner bin – fürderhin auch keiner sein will oder es einen schönen Tages werde(n wollte): »Der physikalische Vorgang, der zu einem Kurzschluß führt, interessiert ihn nicht; über den Dichter derhöfischen Dorfpoesie Neidhart von Reuenthal aber weiß er Bescheid.« Weiterlesen