
Lange Zeit hatte ich den Kontakt zu meinen Bekannten in jenen Institutionen verlorenn, in denen man die Kulturpolitik dieses Landes ideologisch kreiert und verbreitet. Ich dachte ich, es wäre sinnvoll, diese Menschen wieder anzusprechen – vielleicht brauchen sie mehr Informationen darüber, wie sich ihre Kulturpolitik an der Basis auswirkt. Ich forschte im Internet auf den Seiten von Akademien, Stiftungen, Kultureinrichtungen und Vereinen, wo meine Mitstreiter von damals angestellt oder freiberuflich engagiert waren.
Schnell konnte ich feststellen, dass sie sich gut angepasst haben – vielleicht aus Überzeugung, vielleicht, um ihre sicheren, gut bezahlten Jobs nicht zu verlieren. Als ein Beispiel nehme ich die Bundesakademie für Kulturelle Bildung, wo eine Bekannte von mir jetzt als Trainerin, Beraterin und Coach für Diversity und Antidiskriminierung fungiert. Vor einigen Jahren teilten wir noch dieselbe Meinung bezüglich der Lage von Mädchen und Frauen, sowohl in der islamischen Tradition als auch zwischen den Kulturen.
Sie ist nur eine von vielen. In solchen Einrichtungen tummeln sich Dozenten, meist Frauen, deren Arbeitsschwerpunkte fast identisch sind: Diversity-Sensibilisierungstrainings für öffentliche Verwaltungen, Verbände und Unternehmen mit den Schwerpunkten ethnische Zugehörigkeit und Hautfarbe, Religion/Weltanschauung, Gender und Sprache. Sie beraten Organisationen und Unternehmen bei der Implementierung von Diversity-Strategien sowie in Prozessen der Interkulturellen Öffnung.
Meine Bekannte schmückt sich noch mit der Position: Ausbilderin für die Trainer*in-Ausbildung in dem Verein „Eine Welt der Vielfalt“. Das bedeutet, was oben die Verwaltung mit der Dozentenschar in der Bundesakademie für kulturelle Bildung kreiert, wird von diesem Verein und den unzähligen anderen Richtung Basis transportiert. „Eine Welt der Vielfalt e. V. ist eine Bildungs- und Beratungsorganisation, die sich seit 1996 aktiv für die Gestaltung einer Gesellschaft der Gleichbehandlung einsetzt. Der Name des Vereins weist auf sein Programm. EINE WELT DER VIELFALT ist zugleich ein Bildungsprogramm für Diversity und Antidiskriminierung, das auf einem praxis- und handlungsorientierten Ansatz basiert, der die Menschenrechte als Grundlage hat.“
Hier muss ich noch betonen: Kampf gegen Antisemitismus gehört nicht zu ihren Schwerpunkten.
An der Realität vorbei
Bei allen gilt dasselbe Mantra, hunderte Male. Hier ein Zitat aus solchen Programmen, exemplarisch: „Diversity bedeutet Vielfalt und Unterschiedlichkeit von Menschen. Wir leben in einer Welt, in der die Vielfalt von Lebensformen stetig zunimmt. Diversity schätzen zu lernen stellt den positiven gesellschaftlichen Gegenentwurf zu Diskriminierung dar. Intersektionalität ist eine besondere Form von Mehrfachdiskriminierung, wobei der Begriff mehr bedeutet als nur die Überlagerung von verschiedenen Diskriminierungsformen.“
Ich lese diese Programme und frage mich: Was haben diese Akademien, Stiftungen oder der Verein „Welt der Vielfalt e.V.“ Gutes für Berlin getan? Fahren ihre Aktivisten und Aktivistinnen gar nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln? Gehen sie blind durch die zugemüllten Straßen und Parks ihrer Stadt? Sehen sie nicht diese kleinen Mädchen mit Hidschab, die verschleierten Frauen? Sind sie nur Gäste in der Realität der Hauptstadt? Haben sie keine Ahnung, was in unserem Land los ist?
Ich denke daran, wie viele Milliarden Euro der Steuerzahler solche Akademien, Einrichtungen, Stiftungen und Vereine verschlungen haben, nur um eine solche ideologische Blindheit in der Kulturpolitik zu produzieren und zu verfestigen. Als Autorin, in deren Werken sich nicht die Ideologie, sondern die Realität unseres Zusammenlebens widerspiegelt, kann ich die Ideologen da oben nicht erreichen. Ich habe bereits E-Mails mit einer Frage an etliche Adressen gesendet: „Bitte klären Sie uns auf: Warum sind Toleranz und Diversität in unserer Gesellschaft so kläglich gescheitert?“ Ich kann nicht einmal hoffen, auf diese Frage eine Antwort zu bekommen.