»Is – der – geil!« – »Gib’ Schlüssel!« – »Hätten wa’ auch zu Fuß geh’n könn’n.«
Der aus Essen stammende, in Bochum aufgewachsene Schauspieler Ralf Richter ist gestorben. Krank war er. Lunge. Herz. Lief alles nichr mehr rund. Die Rollen, die er spielte, waren meist keine Rollen. Er spielte sich, das Ruhrgebiet: brutal-rau, derb, gerade raus, klassisches Prolltum, unter oder über Tage, immer ’n Bier am Start, Kippe sowieso – aber ehrlich. Imma ällich.
Als Kind der 80er war ich »Das Boot«-Vielgucker. Auch »Die Katze« (u. a. mit Götz George). Was der Film »Das Boot« vermittelt werden sollte, war mir damals nicht richtig bewusst. Egal. Ralf Richter nebst Konsorten darstellten ein Bild von Mann, das mir offenbar zusagte: hart (aber herzlich), gnadenlos, fokussiert, exzessiv, das Ziel erreichen, Zusammenhalt – echte Kumpels. Blindes Vertrauen. Und Stolz. Ein starkes Ich. Aber auch immer ein Wir. Beinahe amerikanisch.
(Am Rande: ebenso verehre ich Gene Hackman, u. a. wegen »The French Connection« – ähnliches Rollenbild.)
»Manuela, die alte…«
Dann kam »Bang Boom Bang«. 1999. Das Ruhrgebiet-Epos. Richter als Kalle Grabowski. Eigentlich ist Kalle ein fieser Typ, auf ’ne Art: Bankräuber, Mörder, grundgewalttätig, körperlich wie verbal. Und ziemlich dämlich, zieht er in der Spasskasse, die er mit dem dauer-kiff-breiten Keek (Oliver Korittke) ausraubte, die Maske runter, schaut direkt in die Überwachungskamera, welche dann Kalle per Knarreschuss eliminiert.
Gaunerehre wird zelebriert. Keek gab das Ehrenwort, die geraubte Kohle aufzubewahren, wurde Keek nicht geschnappt, um nach Kalles Zeit im Bunker alles aufzuteilen. Keek hielt aber nicht Wort. Selbst der vom Knast aus bestellte Mercedes 500 Es Eeee Zeee musste mit Falschgeld bezahlt werden. Von halbseidenen Auto-Scooter-Dänen, was selbstverständlich für »Irritationen« sorgte.
»Vietnam!«
Diether Krebs alias »Kampmann«, der den Nachkriegs-Ruhrpott-Traum vom Kistenkrämer zum mit Goldketten behängten Plauzen-Neureichen lebte, ist ebenso kriminell involviert, zusammen mit dessen »Feg-den-Hof!«-Sonderschul-Absolventen Schlucke (Semmelrogge), der zwischendurch das Zeitliche segnet. Alles ein herrlich groteskes Verwirrspiel mit weiteren deutschen Schauspielern, bis heute mal mehr, mal weniger bekannt. Aber insgesamt ein verdammt detailverliebtes Drehbuch vom Peter Thorwarth (der sollte unbedingt seine Karriere im englischsprachigen Raum forcieren).
Weshalb identifiziert man sich mit einem Gangster? Habe darüber keine psychologischen Studien gelesen, denke mir das dazu:
Tja, der macht halt das, was man selbst gern einmal machen würde. So simpel. Gegenwärtig richtet sich ja alles gegen »Hass und Hetze« – teils eben selbst mit Hass und Hetze, will sagen: wer Gnadenlosigkeit, jähzornigen Hass, der unerwartet in Sekunden in einem aufkeimt, wer all das negiert, negiert das Leben.

»Hast Du ’ne Knarre?«
Kalle war voll – im doppelten Sinne – im und am Leben. Volles Brot. Man wusste, woran man ist. Und das möchte man doch auch gern so haben – für einen selbst wie für die anderen, mit denen man zu tun hat. Ne ehrliche Haut eben.
Das war Kalle. Das war Ralf Richter. Filmschauspieler meiner Kindheit, Jugend, meiner Studienzeit. Meines Hier und Jetzt. Gute Zeiten. Danke dafür. Coolcool.
Sauf Dir einen im Himmel – einen mit Stil, mit Charakter – versteeehse?