
Just las ich den soundsovielten Artikel über den dräuenden resp. sich in vollem Gange befindenden Untergang unserer Kinder/Jugend. Die Bildung ist tot, mausetot. Immer mehr Schüler können kaum mehr lesen, schreiben oder rechnen – einerlei, ob autoch- oder allochthoner Her- oder Hinkunft. Dennoch: gemach!
Als kurrent arbeitender Studienrat kann ich das alles bestätigten. Quasseln können viele gut. Auch spontan und sogar kreativ sein. Nur all dies in Worte zu fassen, es nieder zu schreiben: da scheitert’s an mannigfachen Ecken und Kanten.
Paradox
Dennoch gibt’s immer bessere Noten. Seit 2006 herumfuhrwerke ich im Schulsystem. Den Bewertungsanstieg kann ich bestätigen. Ebenso den Niveauverlust. Tja. Könnte ich allein denn etwas dagegen unternehmen? Nein. Das System ist streng hierarchisch. Zudem:
Wie soll ein einzelner an dem Zustand der Gesellschaft, an dem Spiegelbild einer Erwachsenengeneration, das sich in Form von Kindern vor mir breit macht, etwas grundlegend ändern. Sisyphos. Und, o ja: Das sehe ich auch nicht ein. Ich werde mich sicher nicht aufopfern.
Der Fisch stinkt vom Kopf her
All die Veränderung, die meines Erachtens wesentlich zu diesem Paradoxon führten und es weiter verstärken, ist gewollt. Ob nolens-volens oder volens-volens: ich neige zu letzterem Befund. Die antiautoritäre Pädagogik sitzt post ’68 fest im Sattel, ob in der Bezirksregierung, der Politik oder der Universität. Der Marsch durch die Institutionen ist abgeschlossen. Eines der zwei zentralen Ziele dieser Polittruppe ist erreicht – der andere ist der Atomausstieg.
Alte Zeiten
Dennoch erfreue ich mich dann und wann an frohen Botschaften im FAZ-Forum. Keine Ahnung, wer sich hinter Adam_Zwerg verbirgt. Egal. Trotzdem ein Volltreffer:

Einst wurden Kinder mit viel mehr Nachlässigkeit behandelt. Das ist kein Verklären des vermeintlich Guten & Alten. Und sicher nicht grünes Licht für schwarze Pädagogik, die Gewalt gegen Kinder erlaubt. Das Gegenteil von etwas Falschem ist nicht automatisch das Richtige; es ist durchaus möglich, dass es etwas Drittes gibt, das richtig sein kann.
Zigarrenpädagogik
Ich trank mit meinem Vater einst Kinderschnaps (»Regina«, eine orangefarbene Brause im Pinneken). In der Kneipe wurde gequarzt. Die beanzugten Alten donnerten Doppelkopp im zigarrendunstvernebelten Nebenraum. Als Kind wurde man nebenbei einmal unliebsam am Kopf gestreichelt – oder auch nicht. Danach unmissverständlich des Raumes verwiesen bzw. als Kind ahnte man es: es ist besser, gehe ich.
Vater war auch viel weg. Mutter zu Haus. Die ließen mich machen. Jemals kein einziger Anruf in der Schule und keiner seitens der Schule gen meiner Eltern. Alles halb so wild. Mein Leben läuft.