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„Frei, endlich frei“

Massenflucht von DDR-Bürgern bei Sopron. Foto: Haus der Geschichte

Am 19. August 1989 war als ich als Reporter dabei, als beim paneuropäischen Grenzpicknick im ungarischen Sopron Hunderte DDR-Bürger in den Westen flohen. Millionen wollten damals die Freiheit. Heute sehnen sich viele im Osten nach einer autoritären Ordnung zurück. Eine persönliche Erinnerung.

Im Frühjahr 1989 wechselte ich als Korrespondent der Nachrichtenagentur Reuters von Hamburg in die Bundeshauptstadt Bonn. Meine Tochter war erst ein paar Monate alt, ich dachte, ich könnte mich den Sommer über, wenn der Politikbetrieb üblicherweise ruht, in Ruhe in der neuen, alten rheinischen Heimat einrichten und auf die neue Aufgabe vorbereiten. Doch dann überschlugen sich die Ereignisse: DDR-Bürger besetzten die westdeutschen Botschaften in Prag und Warschau und campierten vor der in in der ungarischen Hauptstadt, um ihre Ausreise in den Westen zu erzwingen. Ich wurde nach Budapest geschickt. Weiterlesen

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Niemand hat die Absicht…

13.08.1961: Jeder auch nur Halbgebildete weiß, was damals geschah. Bei aller geschichtsphilosophischen Notwendigkeit, dass in der Politik gelogen werden muss, existieren immer wieder beeindruckende Hochlichter. Ein sehr Exklusives war das von Walter Ulbricht.

Das Nachspiel dieser Extremstlüge ist hinlänglich bekannt: Mauertote. Ebenfalls als historische Konstante sind’s stets die nützlichen Idioten, die am Ende der Befehlskette stehen, in diesem Falle die Grenzschützer, die auf DDR-Ausreißer zu schießen hatten. Das erste Glied war die SED, deren Nachfolgepartei sich gerade anschickt, mit der CDU kooperieren zu „müssen“, um Schlimmstes zu verhindern. Weiterlesen

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Molotov-Cocktails gegen die DDR: Wie mutige Metal-Fans den „antifaschistischen Schutzwall“ angriffen

Am 13. August vor 65 Jahren wurde die Berliner Mauer gebaut. Als Privilegierter, der sein ganzes Leben in einem Land der Freiheit und Sicherheit und in geradezu brüllendem Wohlstand gelebt hat, frage ich mich immer wieder: Wie hätte ich in einer Diktatur wie der DDR gelebt?

Gerade in diesen Zeiten, da wieder bis zu 50 Prozent der Bevölkerung im Osten die Rückkehr zur Diktatur wählen. Hätte ich mich in einer „Nische“ eingerichtet? Hätte ich gegen das Regime aufbegehrt oder wäre ich ein Mitläufer gewesen? Weiterlesen

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Wozu Lyrik gut sein kann: Axel Reitels Gedichte

Wozu Lyrik? Es gibt zum Glück darauf viele Antworten. Zum Beispiel Eingängigkeit:

Kuno sprach zu Kunigunde: Paech-Brot ist in aller Munde / Doch ist’s nicht fein, das gilt für jeden, mit Brot von Paech im Mund zu reden.

Die Werbegedichte für Paech-Brot hingen früher in der Berliner U-Bahn, und da ich auf der Fahrt von Zoo bis Tegel – Leopoldplatz umsteigen – sonst nichts zu tun hatte in jener Zeit, als es keine Smartphones gab, habe ich sie memorisiert. (Unser Deutschlehrer hingegen meinte, zwischen Zoo und Hansaplatz würde er unsere Arbeiten korrigieren. Mehr Zeit auf unsere Ergüsse zu verwenden, wäre Verschwendung.)

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Als ich vor Gericht das letzte Wort nicht hatte …

… oder: Das große Thalia-Theater

Wollen Sie einem üblen Demagogen oder einem, den Sie dafür halten, den Prozess machen? Ihm aber mit einer öffentlichen Gerichtsverhandlung nicht auch noch eine Bühne bieten? Sie haben zwei Möglichkeiten: Sie können den Angeklagten vor Gericht reden lassen, schließen aber die Öffentlichkeit aus. Oder Sie lassen die Öffentlichkeit zu, schließen aber den Angeklagten aus.

Justitia in einem der vier Gerichtsbarkeits-Kapitelle an den Hauptportalen des Obergerichts Göttingen (Bild: Wikipedia)

Im Sozialismus habe ich beides erlebt. Die Berufungsverhandlung am Obersten Gericht der DDR gegen mich am 14. September 1984 war tatsächlich öffentlich. Ja gut, sie war nicht ein Schauspiel wie das am Wochenende im Thalia-Theater in Hamburg und stand auch nicht in der Zeitung.  Aber meine Mutter und mein Bruder durften dabei anwesend sein. Sie wurden nicht des Gerichtssaals verwiesen. Ich hingegen blieb draußen.

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Meine Schwester Gesine – So etwas wie ein Beitrag zum „DDR-Zwangsdoping“

„Ich habe nicht die Macht, meiner Schwester Gesine Walther eine Karriere als DDR-Spitzensportler zu eröffnen oder zu verschließen.“

Entgegnete ich im Dezember 1980 dem Geheimdienstoffizier des Ministeriums für Staatssicherheit, dem Leutnant, der sogar seinen Namen geheim hielt.  Bei dem ich einsaß im „Roten Ochsen“ seit dem Sommer des Jahres. Am 5. August 1980 war ich erwischt worden an der ungarisch-österreichischen Grenze. Hatte versucht, nicht wieder in die DDR zurückzukehren. Strafbar nach § 213 Absatz 2 des Strafgesetzbuches der DDR. Weiterlesen

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Songs von Leonard Cohen (9): Memories

Martin Schaefer meinte, „Memories“ sei der einzige brauchbare Song auf dem Album „Death of a Ladies‘ Man“. Der Meinung bin ich bekanntlich nicht. Aber „Memories“ ist kein schlechter Song.

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Vom Sinn des Soldatseins – Erinnerungen an den Wehrdienst in der DDR (Teil 9/9)

Fast jeder Mann, der ungefähr vor 1970 geboren wurde und bis 1990 in der DDR lebte, musste dort den Grundwehrdienst in der NVA oder anderen kasernierten Einheiten ableisten. Der Autor, Jahrgang 1960, erinnert sich in neun Kapiteln an seine eigenen entsprechenden Erfahrungen.

Kapitel 9

Als Vater mich abholte, lag das Kapitel Armee hinter mir, versuchte ich mir einzureden. Dabei wusste ich nur zu gut, dass ich lediglich ein erstes großes Hauptkapitel hinter mich gebracht hatte; mehrere kleine wür­den mit Sicherheit noch folgen, die Frage war nur, wie lange die Schonzeit dauern würde. Denn der Staat betrachtete seine Bürger als Leibeigene und junge Männer ganz besonders, indem er sie nach Ableistung des Grund­wehrdienstes zu Reser­vi­sten deklarierte. Weiterlesen

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Vom Sinn des Soldatseins – Erinnerungen an den Wehrdienst in der DDR (Teil 8/9)

Fast jeder Mann, der ungefähr vor 1970 geboren wurde und bis 1990 in der DDR lebte, musste dort den Grundwehrdienst in der NVA oder anderen kasernierten Einheiten ableisten. Der Autor, Jahrgang 1960, erinnert sich in neun Kapiteln an seine eigenen entsprechenden Erfahrungen.

Kapitel 8

Ich hatte jetzt die Hälfte der Dienstzeit hinter mich gebracht, das Berg­fest war gefeiert worden, und wir »Vize« genannten Angehörigen des zweiten Dienst­halb­jahres fassten den Tag der Entlassung zusehends fester ins Auge. Wir blickten voll durch, hatten alle ungeschriebenen Regeln begriffen, die Schlupflöcher ausge­kund­schaftet und uns Privilegien verschafft. Wir warte­ten lediglich noch auf den Entlassungstag der gegenwärtigen EK’s, um danach selbst die un­ge­krön­ten Könige im Regiment zu sein. Bald würden wir uns unter­ein­ander ganz zivili­stisch mit »Kollege« anreden können. Weiterlesen

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Vom Sinn des Soldatseins – Erinnerungen an den Wehrdienst in der DDR (Teil 7/9)

Fast jeder Mann, der ungefähr vor 1970 geboren wurde und bis 1990 in der DDR lebte, musste dort den Grundwehrdienst in der NVA oder anderen kasernierten Einheiten ableisten. Der Autor, Jahrgang 1960, erinnert sich in neun Kapiteln an seine eigenen entsprechenden Erfahrungen.

Kapitel 7

Mit Stefan T. war ich noch bis Ende der achtziger Jahre – wenn auch abneh­men­d – eng befreundet. Vor allem kulturelle Interessen verbanden uns. Im Sommer nach dem Wehr­dienst wanderten und trampten wir überdies gemeinsam durch Bulgarien. Stefan war Mitglied der SED, was eigentlich Grund genug sein sollte, ihn zu ver­ach­ten und zu schnei­den, aber gleich­wohl schätzte ich ihn sehr wegen seiner außerordentlichen Auf­rich­tig­keit und Mora­lität, die ans Naive gren­zen konnte. Da ich gerade viel Hermann Hesse las, defi­nierte ich unser beider Ver­hält­nis als das von Narziss (Stefan) und Goldmund (ich). Weiterlesen

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Vom Sinn des Soldatseins – Erinnerungen an den Wehrdienst in der DDR (Teil 6/9)

Kapitel 6

Aber das war alles noch sehr ferne Zukunftsmusik. Ende Februar rückten wir wieder in die Pots­damer Kaserne ein, wo uns ein meist unerträglich langweiliger, schier endloser Alltag aus militäri­scher Ausbildung, diversen Wach- und Bereitschaftsdiensten und hoffentlich nur wenigen Einsät­zen erwartete. Wie­der und wieder und wieder hetzten wir über die Sturmbahn, stürmten Häuser­attrappen, schippten Kohlen, exerzierten, reinigten das Revier, standen bei Appellen herum, putz­ten die Kalaschnikow, waren GUvD (Gehilfe des Unter­offi­ziers vom Dienst), dösten im Polit­unter­richt, kloppten Skat. Einmal hatte ich sechsundfünfzig Stun­den lang die Feld­dienst­uni­form nicht ausziehen können, das war unangenehm, aber entscheidend war, dass jede Stunde, die wie auch immer verging, »gediente Zeit« war und mich dem am fernen Horizont vage schim­mern­­den Entlassungstag ein kleines Stück näher­brachte. Weiterlesen

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