Fangen wir von hinten an. Personenkult als Teil des Konzepts ideologischer Machtausübung existiert und existierte in vielen Spielarten, in allen politischen Systemen und Religionen. Von der Königs- und Kaiserhuldigung, wie sie Heinrich Mann in „Der Untertan“ so bissig dekonstruierte, über die Wucherungen dieses Kults unter Hitler im Nationalsozialismus, unter Stalin, Mao und die Familie Kim in Nordkorea im Kommunismus, über die totalitären Regime von „Papa Doc“ in Haiti, Mobutu in Zaire und Idi Amin in Uganda, bis hin zu den fanatischen Verehrungen amerikanischer Präsidenten und zahlreichen Sektenführerfiguren. Ironischerweise haben Marx und Engels diesen Begriff in scharfer Abgrenzung zur deutschen Sozialdemokratie und dessen Begründer Lasalle geprägt.
Daniel Anderson
Sichtbar unsichtbar – Was es heute heißt, Jude in Deutschland zu sein. Eine Erwiderung.
Die Politikerin und Publizistin Marina Weisband veröffentlichte nach der Wahl zum Abgeordnetenhaus in Berlin ein Statement. Frau Weisband wehrt sich als Jüdin dagegen, instrumentalisiert zu werden, um „progressive Politik“ zu verhindern. Sie zeigt auf den Vorwurf an, Die Linke sei eine Partei, in der der Antisemitismus deutlich zum ideologischen Kerngeschäft gehört. Das ist aber nicht die halbe, sondern die ganze Wahrheit.
Die Einzigartigkeit des Mittelmaßes – Das neue Konzeptalbum average of the average von Mike Hans Steffl
Die Geschichte moderner Musik, von Richard Wagner und Arnold Schönberg, über Frank Sinatra und die Beatles, bis hin zu Tangerine Dream und Pink Floyd, ist voll von Beispielen für Konzeptalben. Mike Hans Steffl schreibt diese Geschichte konsequent fort. Schon mit früheren Werken wie „SUCCESSFUL FAILUR,“ das die Geschichte der Apollo 12-Mission thematisiert oder „CALABOOSE ISLANDS,“ das ein feines Netz spinnt, dessen End-und Startpunkte Geschichte von Gefängnisinseln sind, hat Steffl die Kunstform „Konzeptalbum“ immer weiter der Perfektion entgegen getrieben. Nun also „avarage of the avarage.“
Nemo (latein.): Niemand.
Gibt man bei Wikipedia als Suchbegriff „Nemo“ ein, findet man in der Rubrik: „Nemo ist der Name folgender Personen,“ hinter dem französischen Graffitikünstler, auf Platz 2 einen Eintrag, der mit „Nemo (*1999), Schweizer musizierende Person“ benannt ist. Man erfährt in diesem Artikel zunächst Fakten über die sexuelle Identität der Person und erst danach etwas über ihre musikalische Karriere.
Deutschland wieder im Herbst – Ein (Corona-)Film von Daniel Popat
Der Regisseur, Schauspieler und Drehbuchautor Daniel Popat unternimmt den Versuch, die Geschichte des Films „Deutschland im Herbst“ aus dem Jahr 1978 fortzuschreiben. Es gab bereits zwei Versuche dazu: „Neues Deutschland“ (1993) und „Deutschland 09“ (2009) Das Ergebnis von Popats Versuch – „Deutschland wieder im Herbst“ – ist eine gnadenlose Zustandsbeschreibung der Gesellschaft am Beispiel eines Künstlers zu Zeiten der Corona-Pandemie und des damit im Nachgang verbundenen Umbruchs.
Quiet Simplicity – Das neueste Werk des Musikers Mike Hans Steffl
Steffl macht seit den 70er Jahren Musik, meistens allein, hin und wieder kollaboriert er mit anderen Künstlern. Gemeinsam ist allen Projekten die Konsistenz eines Schaffens, das sich aus überbordendem Talent, aus der Lust auf Entdeckung und aus unbedingter Hingabe an originäres Musikmachen speist. Sein umfangreiches Werk bewegt sich dabei im Spannungsfeld zwischen Experiment, Nostalgie und Traum.
Hansland und seine Kulturschaffenden – Ein offener Brief
Kolleginnen und Kollegen!
Ich weiß, dass offene Briefe eigentlich lächerlich sind und der Hinweis Ludwig Grevens, (https://starke-meinungen.de/2025/08/01/wer-offene-briefe-schreibt-ist-nicht-ganz-dicht/#more-14356) dass, wer solche Briefe schreibt, nicht ganz dicht ist und sie daher einfach zu ignorieren sind, nicht einer gewissen Berechtigung entbehrt. Aber in eurem Fall kann ich einfach nicht schweigen. Denn es betrifft mich zweifach, als Künstler und als Jude in Deutschland.
Greta Sparrow – Propagandashow must go on
Das Narrenschiff „Madleen,“ das unterwegs war, die Seeblockade vor Gaza zu durchbrechen, die die Israelis errichtet hatten, um die Waffenlieferungen an die Hamas zu unterbinden, übrigens in Zusammenarbeit mit Ägypten, ist von den israelischen Seestreitkräften gestoppt worden. Soweit nicht überraschend. Und auch die Reaktionen der terroristischen Verbündeten und moralisch bewegten Alliierten Greta Thunbergs sind voraussehbar gewesen. Dass diese Reaktionen vor Doppelmoral nur so triefen, war ebenso klar, dass sie allerdings so realsatirisch ausfallen, hätte wohl niemand erwartet.
Affentheater in Potsdam – „Ein Bericht für eine Akademie“ von Franz Kafka am Hans-Otto-Theater
Es liegt näher als man denkt, dass man in einer Welt, die aus den Fugen zu geraten scheint, Kafkas Monolog auf die Bühne hievt. Das Adjektiv „kafkaesk,“ das Zustände und Vorgänge in deren derben Absurditäten das Leben affektieren, beschreibt das, was in Potsdam in der Reithalle Box zu erleben ist: Einsamkeit und Selbstausbeutung für Klicks und Likes in einer nahezu vollständig vernetzten Welt.
Nicht mehr Leben und noch kein Sterben – „Ismene, Schwester von“ am Hans-Otto-Theater in Potsdam
Sardinenbüchsenschlacht und Türenballett in Potsdam – Bettina Jahnke inszeniert „Der nackte Wahnsinn“ am Hans-Otto-Theater
Michael Frayns Stück „Der nackte Wahnsinn“ – im Original „Noises off,“ was man salopp auch mit „Halt die Klappe“ übersetzen könnte – ist ein in Deutschland vielgespielter Theatertext. Die aktuelle Inszenierung des Hans-Otto-Theaters in Potsdam gehört zum Besten, was aus dieser wahnsinigen Komödie zu machen ist. Und das Stück ist darüber hinaus eine Hommage an die Kunst des Schauspiels.