Die Freie Universität Berlin sagt eine Ausstellung zu Pogromen an Juden ab. Die Begründung ist ein Zeichen der Geschichtsvergessenheit, der Furcht vor demokratischem Diskurs und der Toleranzbesoffenheit. Ist die Freie Universität noch ein Ort der Freiheit?
Daniel Anderson
Der letzte Kontakt
Da ich Gluten und Lactose tatsächlich sehr gut vertrage, leiste ich mir dafür im zwischenmenschlichen Bereich hin und wieder einige Intoleranzen, wobei mich mein über die lange Strecke meines bisherigen Lebens erworbener Misanthropismus gelehrt hat, ohnehin soziale Kontakte weitestgehend einzuschränken. Manchmal ist es jedoch, schon aus beruflichen Gründen, unabdingbar, sich darauf einlassen zu müssen. Am Ende des hier Erzählten werden Sie verstehen, was ich meine.
Der Hass
Da ist diese Anekdote:
Ein Jude betritt am 01.Februar 1933 in Berlin ein Reisebüro. Man fragt ihn, was er wünsche und der Jude sagt: „Ich beliebe auszuwandern, können Sie mir ein Land empfehlen?“
Die Angestellte:“Wie wäre es mit Frankreich?“
Der Jude:“Oiwawoi, das ist mir zu nah an Deutschland. Ham Se nich was bessres?“
Die Angestellte: „Österreich ist auch sehr schön.“
Der Jude: „Sind Se meschugge? Da, wo der Herr Hitler herkommt? Ham Se nich was bessres?“
Inzwischen kommen neue Kunden und die Angestellte schiebt dem Juden einen Globus hin und sagt: „Hier mein Herr, suchen Sie sich was aus und wir werden alles für Sie regeln.“
Die Angestellte wendet sich den neuen Kunden zu. Als diese das Reisebüro wieder verlassen kommt die Angestellte zurück zu dem Juden, der langsam den Globus hin und her dreht.
„Und, haben Sie was gefunden?“
Weil es nicht um Juden geht – Die syrische Tragödie
Wie kurz mittlerweile das kollektive Gedächtnis der Welt ist, könnte einen beängstigen. In Wahrheit ist es aber nur allzu logisch. Denn solange es nicht um Juden respektive Israel geht, reagiert die Welt eher mit Gleichgültigkeit auf solche Ereignisse wie das Wiederaufflammen des Krieges in Syrien. Wen soll man beschuldigen, wenn man keine Juden beschuldigen kann?
Kein Bürgerkrieg.
Dass der Krieg in Syrien kein Bürgerkrieg ist, sollte mittlerweile klar sein. Oberflächlich geht es um handfeste wirtschaftliche und geostrategische Interessen und Einflusszonen, darunter liegt der ideologische Kampf zweier islamischer Glaubensschulen. Die Akteure – Assat, Putin, Erdogan, das klerikal-faschistische Regime in Teheran und seine zahlreichen Terrorproxys – scheren sich einen Teufel um die Opfer. Denn sie sind nur Verfügungsmasse, Kanonenfutter für den Todeskult der Ideologie.
Unser jährlicher Lumumba
Weihnachtsmarkt.
In seiner Abhandlung „Phänomene,“ in der Vorgänge und Orte der Moderne eine kritisch-huldigende Würdigung erfahren, hat der Philosoph Walter Benjamin beschrieben, wie der moderne, aufgeklärte Mensch Alltag wahrnimmt, oder besser gesagt, wahrnehmen könnte. Es findet sich in diesem Werk kein Kapitel über den Weihnachtsmarkt. Gäbe es eins, würde es vielleicht mit den Worten eingeleitet: „Der Augenblick der Konstruktion, chaotisch und sehnsuchtsnah, unter dem immer gleichen Gestank nach Verbranntem und dem Funkeln eines toten Baumes.“
Ambrose Bierce hat in seinem „Wörterbuch des Teufels“ leider auch keinen Eintrag dazu verfasst, obwohl ein solcher Artikel sich nahezu aufdrängen würde: „Weihnachtsmarkt, der – Tempel der Völlerei und des Konsumrausches unter dem Vorwand der Vorbereitung auf die Völlerei und den Konsumrausch anlässlich der Geburt eines jüdischen Kindes, von dem niemand weiß, wie es in den Mutterleib gekommen ist.“
Der Tag, an dem die Bundesrepublik aufhörte zu existieren.
Eine Dystopie.
Nach mehreren Anschlägen in den letzten 10 Jahren im gesamten Bundesgebiet, von Schleswig-Holstein bis Bayern, verursacht durch Raketeneinschläge und Autobomben, erhält ein Deutscher Geheimdienst mit dem Kürzel “Ω” die Gelegenheit, die Urheber “auszuschalten”. Der Dienst schlägt hart und präzise zu. Die gesamte IT-Struktur der Terrorgruppe wird eliminiert, der Kommandeur der „Liechtensteiner Befreiungsbewegung“ Laurin Büchel, stirbt durch ein “Ω”-Kommandounternehmen. Kurz darauf gibt es einen Massenangriff mit Drohnen und Raketen am Nordufer des Bodensees. Noch ist niemand verletzt, aber der Sachschaden beträchtlich.