avatar

Vom Tanz auf dem Vulkan: Warum uns die Negativität lähmt

Die Tech-Giganten, aber auch klassische Medien fangen Menschen in einer ewigen Schleife von schlechten Nachrichten, Angst und Schrecken. Das hat gravierende gesellschaftliche Folgen. Nötig wären mehr Realismus, mehr Gestaltungswille, mehr Optimismus. 

Als freiberuflicher Komponist und Pianist hatte ich es nicht immer leicht. Das Gefühl von Wut auf Bürokratie, Politik und Gesellschaft ist mir keineswegs fremd. Man wollte alles geben, rannte sich die Hacken ab – und wurde bürokratisch ausgebremst, zum Beispiel mit absurden Eiertänzen um das Thema „Scheinselbstständigkeit“.

Weiterlesen

avatar

Waren es wirklich die Migranten?

Bild von Alexander Fox | PlaNet Fox auf Pixabay

In Baden-Württemberg soll die Polizei in Zukunft die Staatsangehörigkeit von Tatverdächtigen grundsätzlich nennen. Ein weiteres Beispiel dafür, wie sich das politische Klima in Deutschland unter dem Druck von Rechtsaußen negativ verändert.

Ein Schaffner wird zusammengeschlagen, eine Frau wird vergewaltigt, ein Pkw rast in eine Menschenmenge – die erste Reaktion in Social Media ist meist nicht Sorge um die Opfer, sondern die Frage: Welche Nationalität hat der Tatverdächtige? Wenn es ein Deutscher war, erlischt in der AfD-Bubble das Interesse an dem Verbrechen sofort. Weiterlesen

avatar

Überall Krisen, Katastrophen? Gründe für Optimismus

Sommerwolken über trockener Landschaft. Bild von ClickerHappy auf Pixabay

Geht es nach AfD, Linken, Klimaschützern, Wirtschaftsvertretern und vielen Bürgern und Medien, stehen wir jeweils kurz vor dem dem Untergang. Weit gefehlt. Die Merz-Regierung hat sich gefangen und löst ihre Aufgaben. Die internationale Lage beruhigt sich. Die sommerliche Hitze trägt zur Abkühlung bei.

Es ist Auftrag von Journalisten, kritisch hinzusehen und gesellschaftliche und politische Entwicklungen zu hinterfragen. Und zu kritisieren gibt es eine Menge. Es ist jedoch nicht ihre Aufgabe, stets und ständig in ein allgemeines Krisengeheul einzustimmen und wahlweise das Ende der Demokratie, zumindest der schwarz-roten Koalition, die Klimaapokalypse oder die Machtergreifung von Faschisten zu beschreien. Deshalb der Versuch einer Ermutigung. Weiterlesen

avatar

Walhalla ist überall. Ein voreiliger Nachruf

Nicht Jimmy im Aquarium, aber so ähnlich. Bild von Bianca Van Dijk auf Pixabay

Dieser Text ist Fiktion. Das erkennt man schon daran, dass der Protagonist Jimmy heißt und nicht etwa ähnlich. Es wird versucht, einem Phänomen auf die Schliche zu kommen, das selbst Donald Trump, dem Tankrabatt und Diktator Kim den ersten Rang in der Live-Ticker-Hitparade streitig machte.

Am Samstag, 16. Mai 2026, meldete eine bekannte Publikation um 8.50 Uhr, dass es sich bei einem gefundenen toten Wal höchstwahrscheinlich um Jimmy handele, und begründet dies wissenschaftlich: „Laut Statistik kann es sich bei dem vor Anholt angespülten Walkadaver nur um den toten Timmy handeln.“ Fakten statt Spekulation. Das erwartet man von einem Medium, das nur der Wahrheit, und nichts als der Wahrheit, verpflichtet ist. Weiterlesen

avatar

Aus einem Reporterleben (1): Anruf um halb Zwölf

Der frühere FDP-Politiker Jürgen Möllemann. Foto: Ingo Kramer. Quelle: Wikimedia

Politiker benutzen die Medien, um die Öffentlichkeit zu manipulieren, heißt es. Der Mechanismus ist allerdings nicht neu. Ich erlebte ihn schon vor mehr als 40 Jahren in meinen journalistischen Anfängen durch einen Vorläufer des künftigen FDP-Chefs Wolfgang Kubicki.

Ich hatte 1983 gerade beim deutschen Dienst der internationalen Nachrichtenagentur Reuters in Bonn begonnen und verrichtete einen meiner ersten Sonntagsdienste, als kurz vor Mittag meine Telefon klingelte. „Jürgen Möllemann“, meldete sich die Stimme am anderen Ende, „haben Sie etwas zu schreiben?“ Ich erstarrte. Möllemann, damals prominenter, umstrittener FDP-Politiker, bald darauf erst Bundesbildungs-, dann Wirtschaftsminister und Vizekanzler, rief mich an! Und wollte mir, dem Anfänger, etwas durchgeben. Aufregend! Weiterlesen

avatar

Hosianna – Kreuziget ihn! Von Populismus und Auferstehung

Auferstehung Christi, 1499, von Perugino. Quelle: Wikimedia

Das Auf und Nieder der Volksstimmungen, nun massiv verstärkt durch die klassischen und sozialen Medien, kannte man schon im alten Rom und Jerusalem. Heute König – morgen Verbrecher: Auch davon handelt die Passions- und Ostergeschichte. Mit Happyend für die, die daran glauben. Erlebt das auch die FDP mit Kubicki?

An Palmsonntag, so erzählen es die Evangelisten, zieht der jüdische Wanderprediger Jesus von Nazareth mit seinen Jüngern in Jerusalem ein, dem politischen und religiösen Zentrum der Israeliten. Das Volk jubelt ihm zu mit Hilferufen an einen König oder Gott. Er soll sie von der römischen Fremdherrschaft befreien. Doch schon fünf Tage später, als Roms Statthalter Pilatus seine Freilassung anbietet, weil er keine Schuld an ihm sieht, wünscht ihn die Menge ans Kreuz. Weiterlesen

avatar

Der Cem – das Schlitzohr

Anatolischer Schwabe Cem Özdemir, Foto: Raimond Spekking Lizenz: CC BY-SA 4.0

Cem Özdemir, der strahlende Wahlsieger und künftige Ministerpräsident im Ländle, hat viele Schläge und Rückschläge einstecken müssen, bis er ganz oben ankam, Lebenstraum vieler Migrantenkinder. Geholfen haben ihm Charme, Realismus, Hartnäckigheit – und Gewitzheit.

Ich lernte ihn Anfang der 1990er Jahre in Bonn als jungen Bundestagsabgeordneten kennen. Und schätzen. Bei Journalisten und Medien war er schon damals beliebt, weil er dem Klischee eines Sohns von Gastarbeitern aus Anatolien so gar nicht entsprach. Keiner, der sich ewig beklagte über Diskriminierungen, sondern eifrig nach vorne drängte. Ich lernte viel vom ihm über die Verhältnisse in der Türkei und der muslimischen Community. Er nahm mich mit in eine alevitische Moschee. Dann aber kam sein großer Auftritt. Weiterlesen

avatar

Wer offene Briefe schreibt, ist nicht ganz dicht

Seine Stimme gegen den Krieg hatte großes Gewicht: Thomas Mann. Foto: Nobel Foundation – https://www.nobelprize.org/images/mann-12963-portrait-mini-2x.jpg

Warum man solche Pamphlete, ob aktuell gegen Israel, für die Kapitulation der Ukraine, den Weltfrieden oder was auch immer, getrost ignorieren sollte.

Ich habe Achtung für Menschen, die sich irgendwo anketten, eine Straße blockieren oder in den Hungerstreik treten, selbst wenn ich ihre Anliegen nicht teile. Sie riskieren immerhin etwas: ein Bußgeld, Haft, ihr Leben. Für Leute, die ihre Unterschrift unter einen offenen Brief setzen, der in der Regel weder offen noch ein Brief ist, sondern eine von Tamtam begleitete Forderungsliste mehr oder minder Unbedeutender, auch wenn sie sich „Promis“, Künstler, Schauspieler, Schriftsteller oder Experten nennen, hege ich nicht einmal Verachtung. Es geht mir schlicht wie wahrscheinlich den meisten am Hintern vorbei. Warum aber steigen Medien dennoch oft groß darauf ein wie jetzt bei den 150 Showspielenden im Fall Gaza?

Weiterlesen

avatar

Keine Bange vor Donald Halbstark

Viele fürchten und prophezeien den Untergang, da Trump nun wieder präsidiert. Dabei passt er mit seinen Verrücktheiten zu einer verrückten Welt. Er könnte sie sogar etwas besser machen.

Über den 45. und jetzt auch 47. Präsidenten der USA ist unendlich viel gesagt und geschrieben worden. Meist Schlechtes. Wenn man böse wollte, könnte man meinen, seine zahllosen Gegner auch in den Medien hätten seine Rückkehr geradezu herbeigezittert, um sich über ihn wieder maßlos empören und aufregen zu können – verbunden mit einer Menge Antiamerikanismus. Er gibt ja auch reichlich Anlass dazu: ein verurteilter Straftäter, der die Demokratie verachtet wie Frauen, Schwarze, Latinos, Queere, Migranten, alle außer seinem Clan und seiner gläubigen Gefolgschaft. Zu der neuerdings auch Tech-Milliardäre gehören, allen voran Elon Musk. Der Lügen zur Wahrheit macht und selbst vor einem Putschversuch nicht zurückschreckt. Der vor seiner Rückkehr mal eben ankündigt, Grönland und den Panamakanal erobern und Kanada anschließen zu wollen. Den muss man doch fürchten. Nein, muss man nicht. Weiterlesen

avatar

Erdbeben in Syrien

Manchmal ist ist die Geschwindigkeit, mit der Nachrichten uns aus allen Teilen der Welt erreichen atemberaubend. Es ist daher nicht so einfach nachzuvollziehen, ob sie der Wahrheit entsprechen oder nicht, erst recht, wenn sie sich nicht vor der Haustür abspielen und Personen involviert sind, deren Sprache die Journalisten nicht beherrschen.

Gerade bei der Berichterstattung aus dem Nahen Osten fällt auf, dass die englischsprachigen Nachrichten oft von den deutschen abweichen, ganz zu schweigen von den hebräischen oder arabischen. Dadurch entsteht ein Problem: Die Rezipienten erhalten unterschiedliche Informationen abhängig davon, welchem Kulturkreis sie angehören. Weiterlesen

Scroll To Top