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Als ich Zwerg mal lange Schatten warf …

… oder: Warum gibt es immer wieder „Die Neuen“ unter den Parteien?

Natürlich kennen Sie den Ausspruch:

„Wenn die Sonne tief steht, werfen sogar die Zwerge lange Schatten.“

Zum ersten mal erlebte ich dies am 9. Februar des Jahres 1990. „Wir“, also die CDU des Kreisverbandes Tübingen in Baden-Württemberg eröffneten den Wahlkampf zur Volkskammerwahl am 18. März 1990 in Oschatz in Sachsen.

56 % der Erststimmer errang „unser“ Kandidat. Fragen Sie mich nicht nach seinem Namen. Ich erinnere mich nicht. Wir hätten auch einen schwarz angestrichenen Besenstiel aufstellen können. Es spielte einfach keine Rolle.

„Als noch niemand uns, die CDU Sachsen-Anhalts kannte…“, so habe ich Wolfgang Böhmer einmal auf einem CDU-Parteitag sagen hören; „Als uns noch niemand kannte, hatten wir den höchsten Wählerzuspruch: 39 %.“ Um dann fortzufahren: „Als der Wähler uns kennenlernte, ging es abwärts und abwärts.“

Berufspolitiker haben einen schlechten Ruf. Der ist fast so schlecht wie der von Versicherungsvertretern.

Dass „die Politiker“ eben „dieser Parteien“ sich den Staat zur Beute machten, das sagen nicht nur Populisten. „Fetter Bauch regiert nicht gern – über die Überversorgung unserer Politiker“, so heißt ein Buch des Parteienkritikers und Verfassungsrechtlers Hans Herbert von Arnim.

Beispiele? Na da will ich jetzt gar nicht mit nackigen Fingern auf angezogene Leute zeigen. Ich hatte mich nach zwölf Jahren als Laufbahnbeamter in Sachsen-Anhalt zum Leiter einer Kommunalverwaltung wählen lassen. Als mein (befristetes) politisches Amt vorbei war, wurde ich Pensionär. Und weil die Pension durchaus üppiger sein könnte und das Penionärsdasein auch langweilig wäre, bin ich seit 2010 Anwalt.

„Was für eine Geldverschwendung!“ sagte mein Cousin, Juristenkollege Christian in Zug. „Wir haben in der Schweiz das Beamtenwesen und die Pensionen auch auf Bundesebene abgeschafft.“ Und erstaunlich: Die Schweiz ist noch immer nicht zusammengebrochen.

„Haste nicht einen Job für mich, wo ich was tun könnte für mein Geld?“ Fragte ich 2010 den damaligen Weißenfelser Oberbürgermeister, aus dessen Stadtschatulle die Pensionsgelder kommen.

„Na Du könntest Vorsitzender unseres Torismusvereins werden.“ – „Ein Ehrenamt?“ – „Ein Ehrenamt. Bei einer vergüteten Planstelle müßte ich Dir die dortigen Bezüge von Deiner Pension abziehen.“

Nee, da wurde ich das dann lieber doch nicht.

Als ich Zwerg schon wieder lange Schatten warf.

Da führte ich lieber ein anderes Leben. Trat später in die AfD ein und organisierte mit meinem damaligen Parteifreund Torsten 2019 die Kandidaturen zu den Kreistagswahlen im Landkreis Leipzig.

„Wer sind die überhaupt?“ Fragte die damalige CDU-Bundestagsabgeordnete in der Lokalzeitung. „Ein Phantom! Die Kandidaten kennt doch gar keiner!“

Stimmt. Wir errangen 24 % der Stimmen und um Namen und Gesichter ging es gar nicht.

Wann werfen selbst Zwerge lange Schatten?

Na das wissen Sie doch: Wenn die Sonne tief steht.

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Über Bodo Walther

Bodo Walther, geboren 1960 in Weißenfels im heutigen Sachsen-Anhalt, studierte 1985 bis 1991 Rechtswissenschaften in Tübingen und Bonn. Er war aktiver Landes- und Kommunalbeamter in Sachsen-Anhalt, ist heute im Ruhestand und Anwalt in der Nähe von Leipzig.

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