Analyse zu Mamdani, den linken US-Demokraten, BDS, der Piratenpartei und dem antisemitischen Zeitgeist – inklusive Orte, Festivals und Organisationen.
Zohran Mamdani ist seit dem 1. Januar 2026 Bürgermeister von New York. Als erster Muslim an der Spitze der Stadt ist der selbsterklärte Sozialist Prototyp einer Generation, die das Fühlen und Empören für die vermeintlichen „Entrechten und Verdammten der Erde“ über die politische Realität und die Komplexität wahrer demokratischer Debatten stellt. Mamdani gehört zu den Demokratischen Sozialisten Amerikas, neben Alexandria Ocasio-Cortez und Rashida Tlaib – den Wortführerinnen dieses Parteiflügels im US-Kongress.
Das Leitungsorgan der anglikanischen Kirche hat dafür gestimmt, Kirchen in ganz England zu ermutigen, sich mit einem von palästinensischen Christen verfassten Dokument auseinanderzusetzen, das Israel des Völkermords bezichtigt, obwohl jüdische Organisationen und der britische Oberrabbiner darum gebeten hatten, es abzulehnen. Ein Ausbund an Heuchelei.
Das Dokument trägt den Titel „Moment of Truth: Faith in a Time of Genocide“ und ist auch als ‚Kairos II‘ bekannt, benannt nach der palästinensisch-christlichen Bewegung „Kairos Palestine“, die es verfasst hat. Es beschreibt Israels Militäroperation im Gazastreifen als „Völkermord“, bezeichnet Israel als „auf Rassismus aufgebautes Kolonialunternehmen“ und führt aus, dass jahrzehntelange „Besatzung“, „Apartheid“ und „Siedlerkolonialismus“ den Kern des israelisch-palästinensischen Konflikts bildeten.
Wer kennt jemanden, der die Frage, ob er ein Antisemit sei, mit einem lässigen Ja beantwortet? Oder der es einfach so artikuliert – wie als sei er eben Fan von z. B. der Borussia (es gibt nur eine)? Ich niemanden. Dennoch widerfährt mir regelmäßig, dass zu obskursten Gelegenheiten über Juden gesprochen wird – über wen denn sonst. Und mit denen spricht man doch einfach nicht, also bitte! (Immerhin wird zu 99,9 % der Plural benützt. DER Jude ist quasi nie mehr Thema, wenn dann gleich alle, obschon der Jude gemein(t) ist.)
O, eine Eilmeldung: Der Antisemitismus steigt an – so ein Mist! Meiner Treu, wie groß ist die Empörung. Ich denke dann ad hoc: Er steigt nicht an, er bricht einfach aus, weil er immer da ist – und immer da sein wird.
Die AfD-Co-Vorsitzende Alice Weidel – eine neue Benita Mussolini? Bild: Wikimedia
Thomas Zimmer hat in diesem Blog eine hymnische Besprechung des neuen Buchs „Faschismus ist keine Haltung“ des Historikers Ilko-Sascha Kowalczuk geschrieben. Aber ist dieser Begriff wirklich geeignet zu beschreiben und zu bekämpfen, was sich in Deutschland und Europa vollzieht? Ich habe da starke Zweifel. Eine Replik.
Historische Parallelen zu ziehen ist verführerisch und bequem. Gegen eine Wiederkehr des Faschismus zu sein erlaubt nicht nur, sich auf der richtigen Seite der Geschichte und des politischen Spektrums zu fühlen, bei den „Guten“ wider die „Bösen“. Es legitimiert in den Augen derer, die sicher zu sein glauben, ein neues 1933 stehe vor der Tür, auch so gut wie jedes Mittel: zu versuchen den Parteitag einer nicht verbotenen Partei zu verhindern und dabei Gewalt auszuüben wie am vergangenen Wochenende in Erfurt; Journalisten und die Pressefreiheit anzugreifen; die Freiheitsrechte anderer einzuschränken, also seinerseits undemokratische Methoden anzuwenden.
In meinem letzten Beitrag untersuchte ich das psychologisch-politische Phänomen der Verdrängung und Übertragung anhand der Verdrängung der ethnischen Säuberung der deutschen Ostgebiete und der Übertragung der Wut und Trauer auf den jüdischen Staat, der angeblich die Araber aus dem früheren britischen Mandatsgebiet Palästina verdrängen wolle.
Das neue extremistische Gesicht der Linkspartei: Luigi Pantisano. Foto: Wikimedia CC BY-SA 4.0
Mit der Linken, die sich auf ihrem Parteitag weiter radikalisiert und israelfeindlich positioniert hat und deren neuer Co-Vorsitzender die CDU in die faschistische Ecke rückt, dürfen Union, SPD und Grüne nicht kooperieren. Das macht die Regierungsbildung im Osten nach den Landtagswahlen schwieriger, ist aber zum Schutz der Demokratie zwingend.
Seit längerem hatte sich die Linke bemüht, als Teil der demokratischen Mitte anerkannt zu werden. Im Bundestag ermöglichte sie die Wahl von Friedrich Merz zum Kanzler im zweiten Wahlgang trotz seines „Sündenfalls“ vor der Wahl in der Migrationspolitik; in Thüringen und Sachsen stützt sie die CDU-geführten Minderheitsregierungen, auch in Sachsen-Anhalt gab es schon Gespräche über ein ähnliches Modell nach der Wahl im September. Doch damit muss jetzt Schluss sein.
Während in Hamburg Linksextremisten ein sog. propalästinensisches Protestcamp errichten, soll unweit davon endlich die Bornplatzsynagoge 87 Jahre nach ihrer Zerstörung wieder erstehen. Ein bedeutender Ort heute wieder gefährdeten jüdischen Lebens.
Sie fehlt seit bald einem Jahrhundert. Wo bis zur Reichsprogromnacht 1938 und noch eine Zeit danach das größte und wichtigste religiös-kulturelle jüdische Zentrum Norddeutschlands stand, gähnt seitdem ein Loch. Aber kaum jemand nimmt wie in anderen Städten die Leerstelle wahr, weil die letzten Überlebenden und Zurückgekehrten, die das Leben in und um die Synagoge noch gekannt hatten, längst verstorben sind.
Wer in Kreisen sogenannter Kulturschaffender etwas auf sich hält, übt Kritik an Israel; in migrantischen, sprich muslimischen Milieus gilt dies ohnehin. Das Zauberwort in der Kultur- und Linksszene lautet derzeit „Antizionismus“. Der Begriff klingt weniger anstößig als dessen unschöner Verwandter Antisemitismus. Seit Kurzem hat dieser dezidierte Antizionismus in Deutschland auch eine politische Herberge: in der Partei „Die Linke“.
Deren niedersächsischer Landesverband erklärte sich jüngst mit nicht geringem Stolz zum „ersten antizionistischen Landesverband“ der Partei. Prominentestes Mitglied dort ist die Co-Vorsitzende der Bundestagsfraktion, Heidi Reichinnek. Doch was bedeutet Antizionismus eigentlich – und was geschieht derzeit bei den Linken?
Die Großmutter des Autors, Sarah Löwentraut – in Auschwitz ermordet. Foto: privat
Gerade sind in den USA Archives Unterlagen von NSdAP-Mitgliedern geöffnet worden. In Deutschland folgt in den sozialen Medien sofort der Reflex: Irgendwann muss es ja mal gut sein. Was haben wir damit zu tun?
Was wir damit zu tun haben: Hier stellvertretend ein jüdisches Leben in Deutschland. Ich bin Jahrgang 1960. Meine Mutter, Jahrgang 1925. Ihre Mutter, meine Großmutter Sarah Löwentraut wurde in Auschwitz ermordet. Ein Teil der Familie konnte nach Argentinien fliehen, der Kontakt brach in den vierziger Jahren ab.
Meine Mutter musste nach den Nürnberger Rassengesetzen als sogenannte Halbjüdin den Judenstern tragen, durfte nicht mehr zur höheren Schule gehen und war aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen. Sie hat irgendwann als Kind mal versucht, sich die Augen auszuwaschen. Braune Augen waren schlecht, blaue Augen waren gut. Die Folgen der Verfolgung begleiteten sie ein Leben lang: schweres psychosomatisches Asthma, Therapien ohne Erfolg. Nach dem Krieg blieb sie allein. Sie heiratete meinen späteren Vater – in eine große deutsche christliche Familie. Die Zustimmung bekam sie nur, weil der Patriarch sich schuldig fühlte: Er hatte Juden den Nazis ausgeliefert.
Chanukka-Leuchter. Pollitoloco122ich. CC BY-SA 4.0
Nicht erst seit dem jüngsten Massaker an Juden in Sidney: Nicht die AfD, der islamische Faschismus ist neben dem russischen die größte Gefahr für unsere Freiheit. Doch die Politik hat viel zu lange dazu geschwiegen und durch die unkontrollierte Masseneinwanderung dafür gesorgt, dass gewaltbereite Muslime auch hierzulande eine Bedrohung sind.
Angesichts des Entsetzens über den Angriff von zwei aus arabischen Ländern stammenden Muslimen auf fröhlich Chanuka feiernde Juden am Strand der australischen Metropole Sidney mit zwölf Toten und zahlreichen Verletzten geht eine wichtige Meldung fast unter: In Bayern wurde ein neuerlicher Anschlag von fünf arabischen Migranten auf einen Weihnachtsmarkt verhindert – dank der Hinweise eines ausländischen Geheimdienstes, wahrscheinlich des Mossad oder aus den USA.
Die Verleihung des Hanns Joachim Friedrich-Preises an die ARD-Nahostkorrespondentin Sophie von der Tann wirft ein Schlaglicht auf die gesamte Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen und anderer Medien über Israel und den Gazakrieg, die von Einseitigkeit und kaum verhülltem israelbezogenem Antisemitismus gekennzeichnet ist. Die Debatte, die sich an der Preisvergabe entzündete, ist überfällig. Dazu einige grundsätzliche Anmerkungen.
Die Hamas und Israel sind nicht irgendwelche Konfliktparteien, deren militärische Auseinandersetzung man kommentieren sollte wie irgendeinen fernen Krieg zwischen zwei merkwürdigen Stämmen oder ein Fußballmatch, bei dem man sich entweder heraus hält oder auf die Seite des vermeintlich Schwächeren schlägt. Die Hamas ist die Speerspitze einer weltweiten dschihadistischen Bewegung, die nicht nur Israel und alle Juden vernichten will, sondern global unsere Freiheit, Demokratie, Menschen- und Frauenrechte bedroht. Sie hat mit Tausenden „zivilen“ Helfern aus Gaza das entsetzlichste Progrom seit der Shoa verübt.