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Das ewige Israel und wir

Davin Ben Gurion proklamiert am 14. Mai 1948 den modernen Staat Israel

Deutsche haben keinerlei Grund, mit Verachtung auf den jüdischen Staat und Juden zu schauen. Nicht nur wegen der NS-Vergangenheit. – Ein im Dezember 2023 nach dem Terrorüberfall der Hamas und dem Beginn des Gazakriegs geschriebener Text, der weiter gilt.

Was ist ein großer Unterschied zwischen Deutschland und Israel? Vor rund 3000 Jahren, als Juden in das Gebiet einwanderten, das sie Judäa und Samaria nannten und das Volk und das Königreich Israel bildeten, gab es kein Land der Deutschen. In dem Gebiet, das Cäsar Germania benannte, lebten germanische Stämme mit verschiedenen Sprachen und niedrigen Kulturen, die andere Volksstämme überfielen. Erst 1871 wurde das deutsche Kaiserreich gegründet, 1933 das Dritte Reich. Beide entfachten Weltkriege. Israel hat noch keinen Krieg von sich aus begonnen.

Das jüdische Volk Israel hatte schon vor 3000 Jahren eine gemeinsame Sprache und eine hohe Kultur. Nach 2000 Jahren Verfolgung, Vernichtung und Zerstreuung seines Volks wurde Israel in einem Teil seines alten Landes als Heimstatt aller Juden wiedergegründet.

Was haben Israel und die Bundesrepublik gemeinsam

  • Beide sind seit 1948 bzw. 1949 demokratische, moderne Staaten.
  • Beide verbindet eine jüdisch-christliche, säkularisierte Mehrheitskultur.
  • Millionen Deutsche wurden vor der Gründung der Bundesrepublik und der DDR aus ihrer Heimat vertrieben, mehr als eine Million Juden vor der Gründung des modernen Israel aus ihren Heimaten in Osteuropa (sofern sie nicht von Deutschen ermordet wurden) und aus arabischen und nordafrikanischen Ländern.
  • Nach dem Ende des erneuten arabischen Angriffskriegs 1967 und der jordanischen Besatzung und Okkupation kam das frühere israelisch-jüdische Stammland Judäa & Samaria (Westjordanland) einschließlich des Ostteils der alten Hauptstadt Jerusalem wieder zu Israel; nach dem Ende des Kalten Kriegs und der sowjet-russischen Besatzung wurde Ost- bzw. Mitteldeutschland mit dem Ostteil der alten deutschen Hauptstadt Berlin 1990 wieder Teil des geeinten Deutschlands.
  • Beide Länder möchten in Sicherheit und in Frieden mit ihren Nachbarn leben. Deutschland ist das in der EU gelungen; Israel ist dabei, mit weiteren arabischen Ländern Frieden zu schließen. Vielleicht irgendwann auch mit den Arabern in den sog. Palästinensergebieten, wenn die der Gewalt abschwören und die Existenz Israels anerkennen.
  • Beide sind Einwanderungsländer. Beide haben große muslimische Minderheiten. In Israel haben ihre Angehörigen zumindest formal gleiche Bürgerrechte. In Deutschland nur ein Teil.
  • Beide Länder sind für Besucher und Einwanderer hoch attraktiv.
  • Beide sind bzw. waren wirtschaftlich erfolgreich. Israel ist anders als Deutschland heute  technologisch führend, während die deutsche Wirtschaft absteigt.

Der Jude unter den Staaten

Trotz der beiden von ihm ausgelösten Weltkriege und des Menschheitsverbrechens der Shoah wurde das damals noch geteilte Deutschland ab 1949 wieder in die Weltgemeinschaft aufgenommen. Israel, obgleich 1948 auf Beschluss der UN mit ihrer breiten Mehrheit wiedergegründet und obwohl sein Volk seit Jahrtausenden kolonialistischer, völkermörderischer Angriffe ausgesetzt war und ist, wird von einem Großteil der Weltgemeinschaft abgelehnt, auch von einem erheblichen Teil der Menschen in Deutschland. Warum?

Weil es „der Jude“ unter den Staaten ist. Weil man auf das winzige Land, genauso auf die Juden so bequem alle seine eigenen schlechten Seiten projizieren kann. Wenn es Israel und die Juden nicht gäbe, müssten sie erfunden werden, weil sich die sie hassenden nichtjüdischen Menschen in Deutschland und anderswo sonst selbst anschauen müssten. Und das wäre für Viele nicht schön.

(Den Text habe ich zuerst am 6. Dezember 2023 in meinem Blog quersatz veröffentlicht)

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Über Ludwig Greven

Ludwig Greven hat für verschiedene Medien als politischer Autor, Bonner und Berliner Korrespondent, Politikchef, Redakteur und Reporter gearbeitet, zuletzt für ZEIT online. Als freier Publizist führt er u.a. Interviews für "Politik & Kultur", die Zeitung des Deutschen Kulturrats, und schreibt Meinungsbeiträge für den Kölner Stadt-Anzeiger. Er ist Administrator und presserechtlich Verantwortlicher dieses Blogs.

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