Es ist leicht, diesen Song zu lieben. Deshalb muss er nicht schlecht sein. Da ist die Melodie, diese in Moll gesetzte Version des unheimlichen englischen Kinderreims „Three Blind Mice“, und da ist, in der Album-Fassung, das Duett mit Janis Ian; aber von der Musik will ich ja bei diesen Exegesen nicht reden, hier geht es immer um die Texte.
Zwischenreich – Skizzen des Hallenser Künstlers Thomas Trebstein
Die von Neo Rauch stammende Definition, dass Malerei die Fortsetzung des Träumens mit anderen Mitteln sei, trifft wahrscheinlich auf den ersten Blick auf das Werk Thomas Trebsteins nicht wirklich zu. Auf den zweiten und dritten Blick beschreibt diese Definition aber exakt das, was man erlebt, wenn man entdeckt, dass in Trebsteins Kunst das Zwischenreich eine bedingende Rolle spielt.
Songs von Leonard Cohen (6): Bird on the Wire
Vorneweg: Dieser Song ist geklaut. Das kommt bei den besten Musikern vor. George Harrison klaute die Melodie von „My Sweet Lord“ Note für Note von „He’s So Fine“, einem Song, den Ronnie Mack für die Girlgroup The Chiffons schrieb. John Lennon klaute die erste Zeile von „Come Together“ von Chuck Berrys „You Can’t Catch Me“, dem sein Song auch musikalisch ähnelt. In beiden Fällen ist das Original besser, musikalisch und textlich („Doo lang doo lang doo lang“ ist doch viel, viel schöner als „Hare Krishna“, und Chuck Berrys Song über sein neues Auto, mit dem er allen davonfahren kann, ist viel besser als Lennons prätentiöse Nonsensverse, auch wenn „He got feet down below his knees“ zugegebenermaßen ziemlich geil ist.).
Rothenburg – ein Gesamtkunstwerk
Eine Sonderausstellung im örtlichen Museum zeigt die Zerstörung und den Wiederaufbau der historischen fränkischen Stadt an der Tauber.
Rothenburg ob der Tauber: Der Name klingt, bis heute. Aber es ist schwierig, über die Stadt zu schreiben. So viel wurde schon geschrieben. „Eine Stadt, deren Gesicht auf eine Postkarte gepresst wurde“, so Hans Dieter Schmidt in seinem sehr lesenswerten Taubertal-Buch „Melusine und schwarze Wasser“. Oder der Kunsthistoriker Georg Dehio: Die Stadt sei „als Ganzes ein Kunstwerk“ schreibt er. Und Herbert Schindler in seinem Buch über die Romantische Straße, an der Rothenburg liegt: Rothenburg, das sei schlichtweg die „Lieblingsstadt der Welt“.
Traumtänzer Israel oder: Wie die Sicherheitspolitik Israels versagt hat und die weltweiten Konsequenzen für Juden
In Berlin findet in diesen Tagen der Prozess gegen einen arabischen Studenten statt, der den jüdischen Studenten Lahav Shapira. zusammengeschlagen hat. Dass es tatsächlich zu dieser Attacke kommen konnte, wirft ein grelles Schlaglicht auf die Atmosphäre, in der man meint, es wäre legitim, so einen Angriff zu starten.
Songs von Leonard Cohen (5): Lover Lover Lover
Ich bespreche diesen Song nicht wegen der schönen Musik, obwohl der Samba-Rhythmus unwiderstehlich ist und ich es schön finde, dass Leonard Cohen hier in seiner normalen Stimme singt – in einer Tonlage, in der ich auch singen kann – und nicht in der zuweilen künstlich wirkenden tiefen Stimme, die sein Markenzeichen ist.
GroKo in Klein
Der schwarz-rote Koalitionsvertrag ist nicht der große Wumms. Das war bei der Konstellation auch nicht zu erwarten. Immerhin haben sich CDU/CSU und SPD auf Richtungswechsel in wichtigen Feldern verständigt. Man sollte ihnen eine Chance geben statt alles gleich wieder zu zerhäckseln. Eine andere haben wir nicht.
Es ist ein beliebtes Spiel von uns Journalisten, neue Regierungen gleich nach ihrem Start in den Boden zu rammen, weit vor der früher üblichen 100-Tage-Frist. Neu war diesmal, dass die noch gar nicht gebildete schwarz-rote Koalition, vor allem ihr künftiger Kanzler Friedrich Merz, aber auch die SPD schon während ihrer Verhandlungen abgewatscht wurden – obwohl noch gar nicht klar war, was sie am Ende vereinbaren würden. Gemessen an dieser Fundamentalkritik, ausgelöst durch die Schuldenpakete, ist der Koalitionsvertrag zwar leider wieder viel zu spiegelstrich-lang, aber weit besser als angesichts der schwierigen Ausgangslage zu befürchten war.
Abgründe der Unterwerfung
Es ist noch ein bisschen kalt, die Weltlage unvorhersehbar. Deshalb ist unsere Autorin Saba Farzan ins Kino gegangen und schreibt hier eine Rezension von “Babygirl” – ein Film, der seinesgleichen sucht.
Ist es ein erotischer Thriller? Ein Kammerspiel mit zwei Hauptcharakteren? Ein Film über existenzielle Krisen und Identität? Eine, in dem komponierte Filmmusik fast wie in der Oper, Techno und George Michael’s “Father Figure” fließend ineinander greifen? Oder ist es alles zusammen? Das trifft wirklich alles auf “Babygirl”, dem neuesten Kinofilm von Halina Reijn zu, und noch vieles mehr.
Songs von Leonard Cohen (4): Hallelujah. Zweite Annäherung
Manche Leute meinen, es gebe zwei Versionen von „Hallelujah“: eine heilige oder doch religiös angehauchte, die Ur-Fassung sozusagen, mit den Strophen 1, 2, 6 und 7, und eine profane Version, nämlich die Strophen 3, 4 und 5. Die Produzentin von „Shrek“ nannte die Strophe 4 sogar „schmutzig“ und ließ Rufus Wainwright für den Film eine gesäuberte Version davon singen. Aber wir haben schon gesehen, dass auch die beiden ersten Strophen die Bibelhelden ironisch zitieren und von den schmutzigen Tricks der Musik und der Liebe handeln.
Der Fall Le Pen und die Krise der liberalen Ordnung
Demokratien sollten sich nicht durch Ausschluss ihrer Gegner durch Gerichtsurteile schützen. Sondern durch Wahlen. Und indem wir alle sie verteidigen.
„Großer Erfolg gegen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus in Europa“, jubelt ein Grüner Bundestagsabgeordneter auf X (ehemals Twitter); rechte Stimmen sprechen von einem „politischen Urteil“. Marine Le Pen, die Präsidentschaftskandidatin und Anführerin des rechtspopulistischen französischen Rassemblement Nationals, wurde schuldig gesprochen, EU-Gelder veruntreut zu haben. Das Urteil: zweijähriger Hausarrest mit elektronischer Überwachung, eine Geldstrafe und der Entzug des passiven Wahlrechts für fünf Jahre mit sofortiger Wirkung, also ihres Rechts, als bislang aussichtsreichste Bewerberin bei der Präsidentenwahl 2027 anzutreten.
Jesus und der Zöllner Trump
Der MAGA-megaverrückte US-Präsident belegt Waren aus aller Welt mit hohen Zöllen. Da er supereinfache Sprüche liebt, für ihn und seine Fans die Geschichte von Zachäus in leichter Sprache nach Lukas 19,1-10. Die ging für Zachäus gut aus, weil er umkehrte, seine Sünden einsah und das geraubte Geld zurückgab. Für Trump und die USA wird es böse enden.