avatar

Ein arabisch-muslimischer Israeli – ermordet am 7. Oktober 2023

Awad Darawshe behandelte beim Nova-Festival von den Terroristen Verletzte, bis er selbst ermordet wurde

Das ist Awad Darawshe. Bis vor wenigen Tagen wusste ich nicht, wer er war. Ich setze mich seit Jahren mit Israel, Antisemitismus und dem 7. Oktober auseinander. Ich habe unzählige Berichte dazu gelesen. Trotzdem war mir dieser junge Mann völlig unbekannt. Warum eigentlich? – Ein Gastbeitrag von Stefan Hensel

Awad war 23 Jahre alt. Er kam aus Iksal bei Nazareth. Er war israelischer Araber, Muslim und arbeitete als Sanitäter. Eigentlich wollte er Arzt werden. Seine Mutter erzählte später, dass sie ihn immer ihren „Sohn der Umarmungen“ nannte, weil er sie ständig in den Arm nahm. Ich weiß nicht warum, aber genau dieser Satz ist bei mir hängen geblieben. Vielleicht weil aus einem Namen plötzlich ein Mensch wird. Weiterlesen

avatar

Beugt das Knie und huldigt dem (verrückten) König der Welt

 

US-Präsident Donald Trump

Ich stelle mir fast täglich die Frage, was einigermaßen vernünftige PoltikerInnen dazu bringt, auf das komplette rationale Denken zu verzichten und stattdessen das Wort „notwendige Diplomatie“ zu betonen, wenn sie von und mit Donald Trump sprechen und dessen Handlungen und verbale Entgleisungen kommentieren.

Trumps Macht beruht auf seiner kompromisslosen Bereitschaft, sämtliche Normen, Regeln und Gesetze darüber zu verletzen, wie sich ein Präsident als oberster Repräsentant seines Staates verhalten soll. Anstelle dessen tut er alles, was ihm ganz persönlich hilft, mehr Reichtum, Macht und Ruhm anzuhäufen. Dabei übt er Vergeltung an jedem und jeder, der oder die versucht, ihm in die Quere zu kommen. Weiterlesen

avatar

Die letzten Punk-Patrone der Demokratie: Die Toten Hosen treten ab

Ich habe den Toten Hosen den Punk nie so ganz geglaubt. Was daran liegen mag, dass ich sie erst im Jahr 2000 zum ersten Mal live erlebt habe. Okay, ich gebe zu: Jahre zuvor war das noch anders. Ich besaß ein Tour-T-Shirt der Band mit der poetischen Aufschrift „Ficken Bumsen Blasen“. Das ich aber nicht tragen konnte, weil mir ein anderes mit der Aufschrift „Bier formte diesen wunderschönen Körper“ viel besser passte.

2000 also hatte ich sie als eine routinierte Stadionrock-Band empfunden und sie in meiner Rezension schnöde abgekanzelt: „Und so rumpelt es in einem fort, in schnöder Bierseligkeit bis zur bitteren Unsterblichkeit. Kein Punk. Vielleicht Volksrock. Früher hätte man mit der daraus destillierten Energie Häuser besetzen lassen. Ach was, ganze Straßenzüge. Aber heute?“

Weiterlesen

avatar

Fastenbrechen im Bundestag – Replik auf die Kritik

Gastautor und Jurist Waqar Tariq. Foto: privat

Am 16. März lud die Grünen-Fraktion, auf Initiative und unter Federführung ihrer religionspolitischen Sprecherin Lamya Kaddor, zu einem Iftar-Empfang ein, dem ersten in der Geschichte des deutschen Parlaments. Auf die Kritik daran auch unserer Autorin Canan Topcu antwortet als Gastautor Waqar Tariq als Vertreter des Liberal-Islamischen Bundes.

Als Vorstandsmitglied unserer Organisation habe ich an dem Iftar-Empfang teilgenommen, zu dem Muslime und Menschen anderer Religionen sowie Nicht-Religiöse eingeladen waren. Veranstaltungsort war das Foyer im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus. Weiterlesen

avatar

Gespenstische Ruhe in NRW

Ein Gastbeitrag von Friedrich Broeckelmann

Am 15. Mai wird in Nordrhein-Westfalen gewählt. Und zwar in dramatischen Zeiten. Die Wahlkampagnen werden diesen nicht gerecht, wie unser Gastautor Friedrich Broeckelmann erläutert.

Am 10. März blieb es ruhig in NRW. Für diesen Tag war turnusmäßig ein Probealarm des Bevölkerungsschutzes angesetzt. Innenminister Reuel (CDU) blies diese Übung ab mit der Begründung, 14 Tage nach dem kriegerischen Überfall auf die Ukraine könnten die schrillen Sirenen möglicherweise unbegründete Ängste in der Bevölkerung auslösen.

Wäre es indes nicht viel sinnvoller, angesichts wachsender Kriegsgefahr die Bürger zu sensibilisieren und auf den Umgang mit Katastrophen vorzubereiten? Weiterlesen

avatar

Nur „vergossene Milch“? Wie die FDP zwei Jahre später mit Kemmerich umgeht

Foto: IMAGO / Karina Hessland

Ein Gastbeitrag von Dorothee von Hoff

“Es interessiert einfach außerhalb Thüringens niemanden mehr. Niemand redet mehr darüber und das ist schon ziemlich lange so. Den meisten ist gar nicht klar, dass Kemmerich immer noch da ist.”, schrieb mir zum 5. Februar ein Parteifreund. Der 5. Februar, das war der zweite Jahrestag der Wahl des sechsten Ministerpräsidenten des Freistaats Thüringen, der zweite FDP Ministerpräsident in der Geschichte der Bundesrepublik.

Der wiedergewählte Landesvorsitzende traf sich mit dem renommierten thüringischen Journalisten Martin Debes zu einem Gespräch für die „ZEIT“. Die Lektüre lohnt sich und schmerzt den beteiligten Beobachter aber gleichermaßen. Kemmerich sagt: „Ich habe damit schon vor einer geraumen Weile meinen emotionalen Frieden gemacht.“ Alles also halb so wild, lediglich vergossene Milch? In der Landespartei möchte man nicht darüber reden. Weiterlesen

avatar

Und es war doch ein Putsch

Credit: imago images / ZUMA Wire

Ein Gastbeitrag von Hannes Stein. Zugleich eine Replik auf den Beitrag „Nein, Freunde, das war kein Putsch“ von Alan Posener

Von Karl Popper sel. A. habe ich gelernt, dass man nie über Worte streiten soll. Von mir aus können wir das, was am 6. Januar 2021 in Washington, DC, geschehen ist, statt als „Putsch“ also gern als „Patsch“ bezeichnen. Oder als „Quitsch“ oder als „Quatsch“. So lange klar bleibt, dass es sich um eine Ungeheuerlichkeit handelt: Der amtierende Präsident versuchte, einen friedlichen Machtwechsel zu verhindern. Das ist ihm gelungen. Es gab zwar einen Machtwechsel (Gott sei Dank), aber er war eben nicht mehr friedlich. Eine gute amerikanische Tradition, die in Kraft war, seit George Washington sich 1797 ohne Widerstand in den Ruhestand zurückzog und die Amtsgeschäfte seinem Nachfolger John Adams übergab – das wurde damals in Europa wie ein Weltwunder bestaunt! –, wurde von Donald John Trump mehr als 200 Jahre später unterbrochen. Weiterlesen

avatar

Schulen: Das Ende von Schreibpult und Fünf-Tage-Woche

Ein Gastbeitrag von Friedrich Broeckelmann

Die hilflose Suche der Kultusminister nach einem Weg zwischen Präsenz- und Distanzunterricht hat bei Eltern, Lehrkräften und Lernenden die Unzufriedenheit und teilweise Empörung über Mängel des Schulsystems nur auf die Spitze getrieben. So richtig zufrieden ist mit den Schulen kaum jemand. Unser Gastautor Friedrich Broeckelmann hat sich infolge seiner Praxiserfahrung weitere Gedanken gemacht.

Während in Partyküchen bei Gesprächen Sofortmaßnahmen entworfen werden, damit alles besser wird, entwickeln Kultusbeamte in verzweifeltem Klein-Klein immer neue Verordnungen, um alle Erfordernisse von der Begabtenförderung über die Verwendung von Laptops bis zur Hygiene auf Schultoiletten auf dem engen Raum der fünf wöchentlichen Schultage unter einen Hut zu bekommen. Weiterlesen

avatar

Weihnachten macht Kinder glücklich. Alle Kinder?

Türkische Kinder zu Besuch beim damaligen Außenminister Frank-Walter Steinmeier (Foto: imago images / photothek)

Ein Gastbeitrag von Ertuğrul Uzun

Jedes Jahr zur Weihnachtszeit gibt es neben lauter fröhlichen Kindergesichtern viele geknickte Kinderseelen in Deutschland. Türkische Kinder, deren Familien Weihnachten nicht begehen, sind betrübt, dass sie an der weihnachtlichen Vorfreude nicht teil und keine Bescherung am Heiligabend haben. Ihre Eltern stellt das vor ein Dilemma. Eine alte türkische Tradition könnte helfen, eine Brücke zum deutschen Weihnachten zu schlagen, schreibt unser Gastautor, der Familienvater und Politikwissenschaftler Ertuğrul Uzun.

„Warum habe ich keinen Adventskalender“ beklagte sich unsere Tochter vor vier Wochen mit Tränen in den Augen. „Wir haben das mit dir besprochen. Wir feiern kein Weihnachten, dafür das Zucker- und das Opferfest“ entgegnete ich. „Geschenke bekommen du und dein Bruder zu Silvester. Warum bist du so aus dem Häuschen?“, fragte meine Frau. Weiterlesen

avatar

Über die Ästhetik der Differenz des Boykotts von Wissenschaftler*innen und Ohnmachtsgefühle der Macht

Foto: imago images / snapshot

Ein Gastbeitrag von Volker Beck

Am 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte, haben zahlreiche und Kultur- und Wissenschaftsinstitutionen einen Aufruf gegen die BDS-Resolution des Bundestags veröffentlicht. Unser Gastautor Volker Beck findet dazu deutliche Worte.

Sorgfältig inszeniert, mutig und ambitioniert meldeten sich am diesjährigen Tag der Menschenrechte – keine 24 h nach Verabschiedung des Kulturetats durch den Deutschen Bundestag – über zahlreiche Kultur- und Wissenschaftsinstitutionen mit einem Aufruf namens „Initiative GG 5.3. Weltoffenheit“ auf der Bühne des Deutschen Theaters zu Wort. Ein so breites Bündnis von vom Bund und den Ländern alimentierten Institutionen hat man lange nicht gesehen. Die „Süddeutsche Zeitung“ spricht von einem „kulturpolitischen Erdbeben“. Weiterlesen

avatar

Die transatlantische Renaissance gibt es nicht zum Nulltarif

Foto: imago images / ZUMA Wire

Ein Gastbeitrag von Volker Beck

Die kommende US-Präsidentschaft von Joe Biden bietet die Chance für eine Wiederbelebung des transatlantischen Verhältnisses. Damit diese nicht vergeben wird, muss Deutschland endlich bereit sein, im NATO-Bündnis wie zugesagt zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für die Verteidigung zu investieren.

Ganz Europa ist erleichtert. Wenn Trump sich nicht erdreistet, gegen den Wählerwillen zu putschen, hat der vierjährige Albtraum im Weißen Haus am 20. Januar 2021 ein Ende. Die transatlantische Partnerschaft zwischen Deutschland und den USA, Brüssel und Washington kann wiederbelebt werden. Weiterlesen

Scroll To Top