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Beugt das Knie und huldigt dem (verrückten) König der Welt

 

US-Präsident Donald Trump

Ich stelle mir fast täglich die Frage, was einigermaßen vernünftige PoltikerInnen dazu bringt, auf das komplette rationale Denken zu verzichten und stattdessen das Wort „notwendige Diplomatie“ zu betonen, wenn sie von und mit Donald Trump sprechen und dessen Handlungen und verbale Entgleisungen kommentieren.

Trumps Macht beruht auf seiner kompromisslosen Bereitschaft, sämtliche Normen, Regeln und Gesetze darüber zu verletzen, wie sich ein Präsident als oberster Repräsentant seines Staates verhalten soll. Anstelle dessen tut er alles, was ihm ganz persönlich hilft, mehr Reichtum, Macht und Ruhm anzuhäufen. Dabei übt er Vergeltung an jedem und jeder, der oder die versucht, ihm in die Quere zu kommen.

Der NATO-Gipfel in Ankara

Die Staatschefs der NATO-Staaten, angeführt vom gewohnt devoten NATO-Generalsekretär Mark Rutte, behandelten Trump beim Gipfel in Ankara mit einer Mischung aus innerer Ignoranz und äußerer Unterwürfigkeit. Es hat den Anschein, dass die westliche Welt, deren militärische Präsenz die NATO charakterisiert, sich davon fürchtet, was er denn tun könnte und würde, wenn er nicht das bekäme, was er will.

Trump lebt außerhalb jeder Norm

Ob es um die NATO geht, den Iran, die FIFA-Weltmeisterschaft, die Wahl von 2020, um Grönland, Methoden, um mit seiner Präsidentschaft weitere Milliarden zu verdienen – oder irgendetwas anderes: Donald Trump lässt sich von Normen, Regeln, Verträgen und Gesetzen nicht einschränken.

Als die weltweite Gemeinschaft der Fußball-WM-Fans gegen sein Eingreifen zugunsten der US-Mannschaft protestierte, antwortete er vor dem Spiel Belgien gegen die USA: „Wenn wir Belgien schlagen, dann können sie wirklich stolz sein, gegen die USA gespielt und verloren zu haben. Und falls sie uns schlagen, werde ich sagen, das Spiel war manipuliert, genau wie die Wahl 2020 manipuliert war.“ Die Geschichte hat längst gesprochen. Die USA hat verloren und Trump hatte wohl Besseres zu tun, als über einen Sport zu sprechen, den er ohnehin nicht versteht.

Die mögliche pathologische Seite Trumps

In einem amerikanischen Podcast, einem Dialog zwischen der Journalistin Heather Lofthouse und dem Demokraten Robert Reich, wurde sehr unterschwellig auf zwei mögliche pathologische Ursachen zur Person Trump gesprochen. Eine Eigenschaft seiner Persönlichkeit sei möglicherweise die eines malignen Narzissten. Damit werden eine narzisstische Grandiosität und antisoziale Verhaltensweisen beschrieben. Wenig ermutigend: Die Behandlung gilt als außerordentlich schwierig und selten erfolgreich.

Die beiden Diskutanten bezeichneten Trump auch als einen möglichen Soziopathen.

Dem Lehrbuch der Psychologie nach ist die Grundlage das Krankheitsbild der Soziopathie eine sogenannte dissoziale oder antisoziale Persönlichkeitsstörung. Soziopathen haben auffallend wenig Einfühlungsvermögen (Empathie), missachten soziale Regeln und Verpflichtungen, sind reizbar, lassen sich leicht aus der Fassung bringen und werden schnell aggressiv. Sie neigen zu Gewalt und haben kein oder kaum Schuldbewusstsein.

Trump und die Ethik

Trumps narzisstischer Duktus vermeidet Sätze, die mit „wir“ beginnen und benutzt stattdessen fast ausschließlich die „ich“-Form.

In der Ethik dreht sich immer alles um das „Wir“, also um unser gemeinsames Urteil darüber, was richtig oder falsch ist. Trump schert sich keinen Deut um das Urteil der Welt oder seiner Nation über richtig oder falsch. Er denkt nicht in solchen Kategorien, getreu seiner Aussage auf dem G7-Gipfel „I‘m the boss“. Und die Politikelite der westlichen Welt beugt gehorsam das Knie vor dem selbsternannten König der Welt.

Wir liegen aber falsch, wenn wir Trump nur damit beschreiben, dass er gegen ethische Standards verstößt. Ethik setzt irgendeine Form gemeinsam anerkannter Standards voraus, an denen ein Verstoß definiert und gemessen werden kann. Trump aber hat überhaupt keine Standards. Sein gesamter Umgang mit dem Leben, mit Geschäften und nun mit der Präsidentschaft hat keinerlei Bezug zu Standards. Es geht darum, um jeden Preis zu gewinnen. Was auch immer nötig ist.

Der ehemalige demokratische Arbeitsminister Robert Reich schrieb dazu in einem Post auf Substack: „Trump ist nicht unethisch. Er ist nicht-ethisch. Er ist auch nicht unmoralisch, sondern amoralisch.“

Trumps Welt

Für die meisten von uns ist es schwer, sich vorzustellen, in einer Welt nach dem Schema von Donald Trump zu leben, also einer Welt ohne Standards, Normen, Regeln oder Gesetze. Die Trump-Welt besteht nur aus Transaktionen und Kalkülen. Der einzige Maßstab Trumps lautet: Was bringt es mir, und zu welchem Preis?

Und genau diese Schwierigkeit, die die meisten von uns haben, sich eine solche Welt vorzustellen, ist der Schlüssel zu Trumps Macht.

Robert Reich dazu in seinem Post auf Substack: „Der erste, der es schafft, akzeptierte Norm zu brechen, hat einen enormen Vorteil und damit einen Vorsprung vor allen anderen. Stellen wir uns eine Stadt vor, in der die Menschen ihre Türen und Fenster nicht abschließen, weil die ungeschriebene Regel gilt, dass niemand stiehlt. Unter diesen Voraussetzungen hat der erste Dieb, der in die Häuser eindringt, einen enormen Vorteil: Er kann mühelos in jedes Haus gelangen.

Dieser Vorteil des Ersten verschwindet, sobald die Menschen bemerken, dass jemand gegen die Regel verstößt und als Folge ihre Türen und Fenster abschließen. Der Dieb trägt weder die Kosten für die Schlösser noch den Aufwand, alle Türen und Fenster zu verriegeln, denn sein Vorgehen basiert nur auf dem Ausnutzen des Vertrauens der Gemeinschaft. Sobald er bekommen hat, was er wollte, überlässt er es den anderen, sich gegen künftige Verstöße zu schützen.“

Eine Asymmetrie, die sich lohnt – für Trump

Diese Vorgehensweise, also geringe Kosten für denjenigen, der Vertrauen verletzt und der Gemeinschaft schadet, und hohe Kosten für alle, die sich danach schützen müssen, ist der Kern von Trumps Vorgehensweise. Er gewinnt Reichtum, Macht und Ruhm für sich selbst, indem er alle Normen, Regeln und Gesetze zerschlägt. Anschließend müssen alle anderen die Scherben aufsammeln.

Als Präsident hat sich seine Taktik ausgezahlt, zumindest für ihn selbst. Allerdings hat sie auch alle möglichen Institutionen beschädigt, auf die Amerika und die Welt sich verlassen haben. Dies begann schon mit seiner mehr als einstündigen Tirade auf die Welt bei der UN-Vollversammlung, mit der er die Vereinten Nationen diffamiert und ihnen nachhaltig geschadet hat.

Das Gremium der G7-Staaten hat Trump auf dem letzten G7-Treffen in Paris brüskiert. Seine Aussagen zur italienischen Ministerpräsidentin Giorgio Meloni bleiben unvergessen.

Die NATO sollte spätestens nach dem Gipfel in Ankara wissen, wo sie steht und was sie (ohne die USA) zu tun hat.

All diese Institutionen beruhten auf dem Vertrauen, dass kein amerikanischer Präsident jemals tun würde, was er in etwas mehr als einem Jahr seiner Präsidentschaft getan hat.

Die Sportwelt hat Trump durch seine „rote-Karte-Intervention“ mit seinem FIFA-Freund Gianni Infantino geschadet, wobei Infantino selbst alles dafür getan hat, der Welt zu zeigen, dass Fußball ein ebenso „dirty business“ ist, wie „Big Oil“ oder „Big Tech“.

Die wesentlichen Ministerien in den USA hat Trump erfolgreich nach seinem Willen und Schema folgend umgebaut, angeführt vom wichtigen US-Justizministerium. Der oberste Gerichtshof, der „Supreme Court“ wurde bereits vor seiner zweiten Amtsübernahme so besetzt, dass das Gericht eine republikanische Mehrheit innehat.

Er wird als der mächtigste Präsident in Erinnerung bleiben, den Amerika je hatte — aber auch als der schlechteste.

Wenn seine Präsidentschaft zu Ende ist, werden vor allen Dingen die Menschen in den USA dafür bezahlen, das Chaos zu beseitigen. Allerdings werden auch wir bei der Bewältigung der Trump-Folgen zur Kasse gebeten. Robert Reich dazu: „Wir werden unzählige Schlösser für endlos viele Türen und Fenster kaufen und enorme Mengen unserer Zeit darauf verwenden müssen, sie einzubauen und dann verschlossen zu halten“.

Wann erkennt dies die kniebeugende Politiker der westlichen Welt? Wann hören sie auf, sich vor einem pathologisch potenziellen malignen Narzissten und Soziopathen in den Staub zu werfen?

Wir als Bevölkerung können nur zuschauen, warten und hoffen.

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