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Schwul, queer, trans – egal

Regenbogenfahne als Symbol der Gleichberechtigung. Bild von Boris Štromar auf Pixabay

Dass es kaum noch jemand stört, dass der neue Berliner CDU-Spitzenkandidat homosexuell ist, zeigt, wie weit die Anerkennung und Gleichberechtigung sexueller Minderheiten gediehen ist. Gefahren drohen ihnen vor allem aus migrantischen Milieus. Und durch Übertreibungen.

Als Klaus Wowereit sich 2001 bei seiner Nominierung zum Regierenden Bürgermeister von Berlin outete, schlug das hohe Wellen. Ole von Beust, der damals Hamburger Bürgermeister wurde, traute sich nicht, es ihm nach zu tun, weil er Ressentiments in seiner CDU und der Stadtgesellschaft fürchtete. Dass Stefan Evers, der nun anstelle von Kai Wegner für die CDU in der Hauptstadt antritt, schwul ist, führt selbst bei Konservativen in seiner Partei nicht einmal mehr zu Schuterzucken. Es spielt keine Rolle. Und das ist, um Wowereit zu zitieren, gut so.

Längst vorbei sind die Zeiten, als Homosexuelle und Angehörige anderer sexueller Minderheiten öffentliche Verfolgung oder gar gesetzliche Strafen fürchten mussten. Zwar schlagen ihnen immer noch Vorbehalte entgegen. Aber sie feiern, mit staatlicher und gesellschaftlicher Unterstützung, ihre CSD-Paraden. Nicht mehr in erster Linie als Demonstration für Gleichbehandlung, sondern als stolzen Ausweis, dass sie wie selbstverständlich zu einer bunten, diversen Gesellschaft gehören. Dass überall Regenbogenfahnen wehen, stört auch immer weniger Menschen.

Die AfD möchte zwar, wenn sie an die Regierung kommt, Heterosexualität und die „normale“ Ehe und Familie aus Mann und Frau wieder zum Leitbild erklären. Aber es wird ihr nicht gelingen, den gesellschaftlichen Wandel zurück zu drehen. Viele aus den einst verfemten Minderheiten sind längst bürgerlich geworden. Der beste Ausdruck dafür ist die Ehe für Alle. Dass Homosexuelle heiraten können und auch sonst inzwischen rechtlich völlig gleichgestellt sind, wurde hart erkämpft. Aber es ist heute breit akzeptiert. Kaum noch jemand nimmt ernsthaft Anstoß daran.

Schwulenfeindlichkeit unter Muslimen

Anders ist das allerdings unter Rechtsextremen und in bestimmten migrantischen Milieus. Dort werden Schwule, Lesben, Queere und Transpersonen weiterhin abgelehnt, nicht selten angegriffen. Das muss man klar und offen benennen und darf es nicht, etwa bei Muslimen, aus falsch verstandener „kultureller“ Toleranz bemänteln. Für gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, sei es aus sexuellen, ethnischen, religiösen oder politischen Gründen, darf es keinerlei Verständnis, keine Rücksichtnahme geben. Dem müssen Staat und Gesellschaft mit aller Schärfe entgegen treten.

Aktivisten tun den sexuellen Minderheiten jedoch keinen Gefallen, wenn sie ihrerseits Gegner in aggressiver Weise attackieren. Nicht jeder, der Transmenschen oder Homosexuelle ablehnt, ist deshalb ‚“trans-“ oder „homophob“. Gegen das von der Ampel beschlossene Selbstbestimmungsgesetz hatten und haben nicht nur Jugenpsychiater große Bedenken, weil sie psychische Desorientierungen vor allem bei pubertierenden Mädchen fürchten. Auch Feministinnen wehren sich zurecht dagegen, dass jeder und jede einfach das offizielle Geschlecht wechseln und selbst äußerlich eindeutige Männer in Schutzbereiche für Frauen eindringen dürfen.

Ein unaufgeregterer Umgang mit sexuellen Orientierungen würde auch hier helfen. Denn letztlich ist es reine Privatsache, wen jemand liebt und vom wem er oder sie sich angezogen oder abgestoßen fühlt. Die Öffentlichkeit muss es nicht interessieren. Das ist das neue Normal.

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Über Ludwig Greven

Ludwig Greven hat für verschiedene Medien als politischer Autor, Bonner und Berliner Korrespondent, Politikchef, Redakteur und Reporter gearbeitet, zuletzt für ZEIT online. Als freier Publizist führt er u.a. Interviews für "Politik & Kultur", die Zeitung des Deutschen Kulturrats, und schreibt Meinungsbeiträge für den Kölner Stadt-Anzeiger. Er ist Administrator und presserechtlich Verantwortlicher dieses Blogs.

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