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Coitus Intertrumpus 



Großmeister des Rückzieher: US-Präsident Donald Trump

Melania Trump tut mir leid. Wenn er sie im Bett genauso behandelt wie die Welt – sowohl militärisch als auch wirtschaftlich –, muss sie ein höllisches Eheleben führen. Es besteht eindeutig eine Riesenkluft zwischen dem, was er sagt, verspricht und androht, und dem, was er tut – er zieht sich immer in letzter Minute zurück, vielleicht sogar erst nach der letzten Minute, manchmal sogar erst, nachdem bereits mehr als ein paar Tropfen Blut vergossen wurden.

Wenn man sich die Weltkarte ansieht, scheinen Meerengen, die “Straits“, ein echtes Problem für Männer ab einem bestimmten Alter darzustellen. Vielleicht sollte er lieber das Prostata-Department als das State Department mit der Angelegenheit betrauen.

Oder der Begriff „Blockade“ muss anders verstanden und ein starkes Abführmittel eingesetzt werden. Oder eine Dekolonisationsspülung. Jemanden zu „dekolonisieren“ ist relativ einfach, wenn auch dreckig – man führt einfach einen Arm kräftig in die betroffene Körperöffnung ein und zieht den Dickdarm, den Colon heraus, wodurch sichergestellt wird, dass zumindest aus dieser Ecke kein Shit mehr kommen wird.

Seit Wochen, ja Monaten schon, verschiebt Trump US-Streitkräfte rund um den Globus, als wären sie bloße Schachfiguren – unter großem Aufwand und mit erheblichen Beeinträchtigungen –, sodass sie dort stehen bleiben, wo der sie hingestellt hat, bis seine Hand sie erneut in eine Richtung bewegt, die nur er zu verstehen scheint. Denn er hält sich in dieser und jeder Hinsicht für einen Großmeister.

Er bedroht die Herrscher der Gegenseite (er spielt natürlich mit Weiß). Aber nachdem er dann Bauern, Läufer und Springer gegen die Raketen, Mullahs und IRGC-Generäle der Gegenseite vorgeschoben hat – die entsprechend reagieren und sogar außerhalb des Bretts spielen –, zieht er sie plötzlich wieder zurück und erklärt, dass genau jene Leute, die er gestern, vorgestern und am Tag davor als korrupt, unzuverlässig und fundamentalistische Lügner bezeichnet hat, nun genau jene sind, mit denen er immer noch einen Deal anstrebt. Er versteht den Iran angeblich besser als jede Ironie.

Monoton vorhersehbar

Es ist unklar, ob wieder Krieg herrscht oder nicht, vielleicht ist es ja nur ein Spiel. Seit Wochen gehe ich mit der Erwartung ins Bett, beim Aufwachen von weiteren Angriffen auf iranische Waffensysteme oder Infrastruktur zu hören, und dann wacht man auf und erfährt stattdessen wieder, dass Trump abgesagt hat, dass er verschiebt, dass er die Entscheidung, die er bereits in brutalen, skatologischen Worten angekündigt hatte, verzögert; dass er zu überreden versucht, zu drohen – er zieht sich vorzeitig zurück…

Wie können die Streitkräfte in ständiger Alarmbereitschaft bleiben, wenn sie einem Herrn dienen, der sich offensichtlich nicht entscheiden kann, ob er gewinnen will oder nicht? Was sollen das iranische Volk, die Kurden, die Israelis oder die Golfstaaten, die bereits so großen Schaden erlitten haben, oder die NATO oder sonst jemand von all dem halten?

Ehrlich gesagt wird es in gewisser Weise langweilig. Monatelang monoton. Vorhersehbar. Es ist bezeichnend, dass Saudi-Arabien nun praktisch gesagt hat: „Zum Teufel mit dem Ganzen“, und eigene neue regionale Militärbündnisse geschlossen hat. Welche Länder sollten den USA Hilfe anbieten, Luftwaffenstützpunkte zur Verfügung stellen und so weiter und das Risiko iranischer Raketenangriffe auf sich nehmen, wenn Trump einfach seine verbliebenen Flugzeuge und Besatzungen abzieht und alle schutzlos zurücklässt?

Ist es jetzt an oder aus? Heiß oder kalt? Coitus Intertrumpus? Winston Churchill sagte einmal, die Kunst der Diplomatie bestehe darin, den Leuten so zu sagen, sie sollen zur Hölle fahren, dass sie noch nach dem Weg fragen.

Arme Melania. Arme Welt.

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Über Walter Rothschild

1954 in Bradford, England geboren. Studium Theologie und Religions-Pädagogik in Cambridge. Religionslehrer, dann Rabbinerausbildung am Leo Baeck College, London. Rabbiner in Leeds und Nord-Ost England, Wien, Aruba (holländische Antiillen), Berlin. Dort zunächst als liberale Gemeinderabbiner, aber schnell freigestellt und 25 Jahre freiberuflich in mehrere Gemeinden und Ländern: Deutschland, Kroatien, Österreich, Polen. Dazu promovierte Eisenbahnhistoriker zu den Eisenbahnen in Palästina 1945-1948, Dichter, Liedermacher, Jazz-Musiker. Verfasser diverser Bücher, u.a. ''99 Fragen zum Judentum'' und ''Tales from the Rabbi's Desk''. Drei dieser Bände mit Kurzgeschichten, basierend auf seinen Erfahrungen, sind auch in Deutsch als ''Rabbinische Resonanzen'' erschienen.

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