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„Ich fühle mich abgewertet durch die Frauen mit Kopftuch“

Unbequeme Kämpferin: Eva Quistorp 2023 bei einer Veranstaltung der Böll-Stiftung. Foto: Ole Schwarz

Eva Quistorp, Mitgründerin der Frauen-, Friedens- und Umweltbewegung und der Grünen, spricht in einem langen Interview zu ihrem 80. Geburtstag über ihren ewigen Kampf gegen linke Männer und patriarchalische Strukturen unter Migranten, Fehler von Merkel und Habeck, den neuen alten Hass auf Israel und Juden und falsche Pazifisten wie Alice Schwarzer.

Sie sind in einer evangelischen Pfarrerfamilie in der westfälischen Provinz aufgewachsen, haben in Berlin während der Studentenbewegung Germanistik, Politikwissenschaft und evangelische Theologie studiert und sind Gymnasiallehrerin geworden. Was hat Sie damals dazu gebracht, statt einen bürgerlichen Lebensweg einzuschlagen, die Frauen-, Friedens- und Umweltbewegung mit zu initiieren und später die Grünen mitzugründen?

Eva Quistorp: Ich gehörte zur Nachkriegsgeneration, die einen Bruch mit der Vergangenheit wollte und die Chance dazu hatte. Heute glaube ich allerdings, dass ich doch stärker von meinem Elternhaus geprägt wurde, als ich damals dachte. Ich bin in Detmold geboren. Mein Vater, der wie meine Mutter in der Bekennenden Kirche war und aus Bonn stammte, ist dorthin gegangen, weil sein Vorgänger von den Nazis deportiert wurde. Meine Eltern haben mir nie etwas mit dem Zeigefinger beigebracht. Aber das war das Klima, in dem ich groß geworden bin. Weiterlesen

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Nichts an Putin ist schlau

Putin spielt mit Trump? Nein. Er kann gar nicht spielen. 

Schnarch. Wenn man Wladimir Putins Interviews liest oder auf YouTube anschaut, verzweifelt man an seinen langatmigen und höchst zweifelhaften Geschichtserzählungen. Oder man ist nach zehn Minuten eingeschlafen. Die endlosen Monologe im Führerhauptquartier waren dagegen fesselnde Krimis. Sein Land verpasst derweil die Moderne. Doch wenn man deutsche Medien konsumiert, kann man auf die Idee kommen, Putin sei ein gewiefter Taktiker. Fest steht aber das Gegenteil: Nichts an Putin ist schlau.

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Ein literarisches Mahnmal von Wucht und Glanz – Band 5 der jüdischen Familiensaga der Löws von Ruth Weiss

Der fünfte Band der Familiensaga der Löws ist ein eindrucksvolles Zeugnis jüdischen Lebens im 20. Jahrhundert, vor allem aber der Roman eines Erzählgenies: Ruth Weiss. Siebeginnt mit den frühen Auswirkungen des Scheingesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 und zeiht uns tief hinein in die tödlichen Auswirkungen auf die weit verbreitete Familie Löw von 1933 bis in die frühe Nachkriegszeit der Überlebenden.

Mit dokumentarischer Präzision und literarischer Kraft einerseits erzählt hier die Autorin vom Überleben, Widerstand und Verlust der Löws im Nationalsozialismus. Die Figuren sind andererseits so vielschichtig und psychologisch tief, die Sprache so zurückhaltend und doch fest, wie es eben nur ein starker Roman, eine Meistererzählung oder ein Popsong schafft –  Erinnerung, Verantwortung und Hoffnung für das Herz fit zu machen. Weiterlesen

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Kurze Phänomenologie des Euligen in der Musik – Ein Beitrag zur Eulologie der Populärkultur

Unser Autor Hans von Seggern führt die Tradion der Top 5 Song Listen aus dem Kultroman „High Fidelity“ von Nick Hornby fort. Den Auftakt machen die besten Tracks zur „Eulologie“.

In dem Kultroman „High Fidelity“ lässt Autor Nick Hornby seine Hauptfigur, den Besitzer eines Londoner Plattenladens, mit seinen Angestellten immer wieder neue Top 5 Listen von allem und jedem ersinnen: Die Top 5 Hits aller Zeiten, die schlechtesten 5 Songs aller Zeiten, die Top 5 der besten ersten Songs auf Seite 1 von Pop-Platten etc. pp. Dabei stellt Hornbys Protagonist die Frage nach dem Ursprung des Blues:

“What came first – the music or the misery? Did I listen to the music because I was miserable? Or was I miserable because I listened to the music?”

Während diese Frage – es ist die Frage nach der Henne und dem Ei – wohl nie beantwortet werden wird, kann man festhalten: Die Top 5 Listen aus „High Fidelity“ müssen fortgeführt werden – just for the heck of it! Weiterlesen

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Ukraine geteilt? Niemals!

Trump plant einen schmutzigen Deal mit Putin. Der soll nicht nur behalten dürfen, was er im Nachbarland erobert hat, sondern noch mehr bekommen. Gerade Deutsche sollten wissen, dass es das Ende jeder Sicherheit in Europa wäre.

Stramme CDUler wie mein Vater riefen früher: „Deutschland dreigeteilt – niemals!“ Das war, bezogen auf die „verlorenen deutschen Ostgebiete“, revanchistisch: Ausdruck des Willens, die Folgen des deutschen Vernichtungskriegs in Osteuropa rückgängig zu machen. Nun macht sich Russlands Kriegsherr Putin, der auf den Spuren Stalins und der Nazis wandelt, berechtigte Hoffnungen, bei seinem Gipfel mit Donald Trump im ehemals russischen Alaska am Freitag seine revanchistischen Gelüste erfüllt zu bekommen: den gesamten Osten der Ukraine, den Donbas, und mehr als Lohn für seinen Vernichtungskrieg. Und Geschenk für „ein bisschen Frieden“ (Nicole). Weiterlesen

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Merz‘ Absage an Israel: Wenn Prinzipienlosigkeit regiert

Merkel verriet in 16 Jahren als Kanzlerin diverse Grundwerte der CDU. Merz schafft das in 100 Tagen. Für seine weitere Regierungszeit lässt das Schlimmes befürchten.

„Früher konnte man CDU-Mitglieder nachts anrufen und fragen, warum die CDU regieren soll“, äzte Merz 2018 auf einer Regionalkonferenz, als er sich zum ersten Mal vergebens für den CDU-Vorsitz bewarb, „sie hätten im Schlaf geantwortet: ‚Damit es der Wirtschaft gut geht, die Steuer niedrig sind und die Russen nicht kommen‘.“ Seit Merkel die Partei und das Land geführt habe, wüssten sie nicht mehr, wofür sie noch Wahlkampf machen und Plakate kleben sollten.

Nun regiert er selbst, sein Lebenstraum. Und muss seine eigenen Worte fressen. Weiterlesen

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Ende der Solidarität

Mit der geplanten Annektion von Gaza verstößt Netanjahu die letzten Unterstützer Israels

Seit dem Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023 führt Israels rechtsextrem-nationalistische Regierung einen völkerrechtlich legitimen, aber ziellosen Krieg gegen die Terroristen, die den jüdischen Staat und die Juden vernichten wollen. Gegen eine wachsende Mehrheit der eigenen Bevölkerung und die Weltöffentlichkeit.

Weil die Militäroperation unter riesigen Opfern auf beiden Seiten bislang nicht vom erhofften Sieg gekrönt war und die Hamas immer noch nicht gänzlich zerschlagten ist, will Premier Benjamin Netanjahu nun den Gaza-Streifen völlig besetzen und wieder okkupieren. Obwohl Armeechef Samir dringend davon abrät, wofür er in der Regierung heftig kritisiert wird.

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Der Krieg ist nach Russland gekommen

Kriegszerstörung durch ukrainische Drohne in Russland. Copyright Ukrainian Emergency Service via AP

Fast jede Nacht schlägt die Ukraine nun mit Drohnen zurück. Die Angst wächst, während sich die wirtschaftliche und soziale Lage verschlechtert. Doch die meisten Russen sind zu abgestumpft um aufzubegehren. Eindrücke von einem Besuch in der alten Heimat.

Erstmals seit Beginn des Kriegs gegen die Ukraine war meine Frau mit ihrer erwachsenen Tochter wieder in ihrer russischen Heimatstadt, um ihre alte kranke Mutter und ihren Bruder zu besuchen. Was sie sahen und erlebten, erschütterte sie zutiefst. Denn es ist fern von dem Propagandabild, das das Putin-Regime erzeugen möchte und seine Unterstützer auch hierzulande verbreiten. Noch mehr schockte es die Tochter, die seit sieben Jahren nicht mehr dort war. Weiterlesen

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Hansland und seine Kulturschaffenden – Ein offener Brief

Kolleginnen und Kollegen!

Ich weiß, dass offene Briefe eigentlich lächerlich sind und der Hinweis Ludwig Grevens, (https://starke-meinungen.de/2025/08/01/wer-offene-briefe-schreibt-ist-nicht-ganz-dicht/#more-14356) dass, wer solche Briefe schreibt, nicht ganz dicht ist und sie daher einfach zu ignorieren sind, nicht einer gewissen Berechtigung entbehrt. Aber in eurem Fall kann ich einfach nicht schweigen. Denn es betrifft mich zweifach, als Künstler und als Jude in Deutschland. Weiterlesen

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Wer offene Briefe schreibt, ist nicht ganz dicht

Seine Stimme gegen den Krieg hatte großes Gewicht: Thomas Mann. Foto: Nobel Foundation – https://www.nobelprize.org/images/mann-12963-portrait-mini-2x.jpg

Warum man solche Pamphlete, ob aktuell gegen Israel, für die Kapitulation der Ukraine, den Weltfrieden oder was auch immer, getrost ignorieren sollte.

Ich habe Achtung für Menschen, die sich irgendwo anketten, eine Straße blockieren oder in den Hungerstreik treten, selbst wenn ich ihre Anliegen nicht teile. Sie riskieren immerhin etwas: ein Bußgeld, Haft, ihr Leben. Für Leute, die ihre Unterschrift unter einen offenen Brief setzen, der in der Regel weder offen noch ein Brief ist, sondern eine von Tamtam begleitete Forderungsliste mehr oder minder Unbedeutender, auch wenn sie sich „Promis“, Künstler, Schauspieler, Schriftsteller oder Experten nennen, hege ich nicht einmal Verachtung. Es geht mir schlicht wie wahrscheinlich den meisten am Hintern vorbei. Warum aber steigen Medien dennoch oft groß darauf ein wie jetzt bei den 150 Showspielenden im Fall Gaza?

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